Sanjas Garten

Das Ende einer Oase?

 

Foto 1 – Sanjas Garten

 

Sanja, die Chefin von Terra Magnifica, ist vor 8 Jahren ans Ende der Welt gezogen, wo es nur noch grün ist.  Sanja ist die absolute Kräuterspezialistin, liebt ihren Garten und experimentiert dort – mit Kräutern natürlich.

Im Rahmen des Lindenblütenmonitoring wurde auch ihr Garten über 2 Monate analytisch “begleitet”. Die Beschreibungen und Erklärungen werden hier von Roman und Ivan vom Labor Quanta, selbst dargestellt. Der Text wurde dazu von uns wörtlich auf deutsch übersetzt. Soweit wir wissen, ist dies und auch das vorherige Monitoring die Erstveröffentlichung eines wissenschaftlichen Pestizidmonitorings solcher Art – vielen Dank dafür an Labor Quanta. Eine Fortsetzung “Sanjas Garten 2” wird es auch noch geben.

 

Foto 2 – Die umliegenden Weinberge

“Sanja lebt seit 8 Jahren in einer Bio-Oase.

Bio, weil dort in den letzten 8 Jahren nicht gespritzt wurde – und wahrscheinlich auch nicht in den 20 Jahren davor, in den die ehemaligen Besitzer dort gelebt haben und keine Landwirtschaft betrieben haben.
Auch Bio, weil die Oase komplett von 3 – 10m hohen Bäumen umrandet ist. Um diese Bäume stehen Gebüsche, die Sicht und Wind verminder. Sie ist zwar nicht bio-zertifiziert, doch unter den oben genannten Umständen sollten die Ökokontrollstellen dies ohne Probleme tun können.
Oase, weil sie umgeben von Weinbergen und einem Landeplatz für betrunkene UFOs ist (Auf Google Maps kann man sie sehen).

Auf der Karte, auf dem Foto “Foto 6 – Im Garten” und auf Foto 4 kann man den Lindenbaum sehen, der Teil unseres Monitoring war. Er heißt Jastrebarsko. Wir haben auch Blätter eines weiteren Baumes benutzt, markiert als Roter Hartriegel. Dieser ist auch auf Foto 5 hinter Sanja zu sehen. Ihn haben wir getestet, weil wir Probleme mit der Glyphosat-Analyse von Linden hatten (Wir haben im Zuge der Politischen Lindenblütenaktion mehrfach berichtet). Wir haben nur eine einzige Glyphosat-Analyse dieses Baums gemacht und nach dem diese eine Belastung von nur 0,002mg/kg aufwies, haben wir aufgehört, weil Juni, Juli , usw. die Zeit für Insektizide ist und nicht für Herbizide wie Glyphosat, welches seinen Höchststand in Mai hat.
Weiterhin haben wir Weinblätter vom höheren Teil des Weinbergs auf Foto 4, direkt unter dem Lindenbaum, genommen.

 

 

Foto 3 – Mehr Weinberge

Zeitrahmen:

07.06.
Vor der Haupt-Spritz-Saison

21.06.
Am Anfang der Haupt-Spritz-Saison

02.07.
Nach 10 regnerischen Tagen

03.07.
Proben wurden am Morgen genommen, nachdem die Weinberge auf Foto 4 am Abend des vorherigen Tages ca. eine halbe Stunde gespritzt wurden

04.07.
Proben wurden am Morgen genommen, nachdem die Weinberge auf Foto 4 am Abend des vorherigen Tages ca. eine halbe Stunde gespritzt wurden. Es ist kein Tippfehler! Vielleicht hatte der Bauer am Tag davor zu wenig Spritzmittel oder hat eine andere Formel verwendet….

Foto 4 – Die getestete Linde (Weißes Oval)

 

Beschreibung der Landschaft:

Die Bio-Oase liegt auf einem Grad zwischen zwei Tälern, etwa 20 Meter über dem Boden der Täler. Man kann auf Foto 4 sehen, wie steil es ist. Der Traktor auf Foto 5 parkt überhalb des gespritzen Weinbergs auf Foto 4.
Das bedeutet, dass die Pestizide die Berge hoch und über die hohen Bäume, die die Oase umgeben, steigen müssen, um den Roten Hartriegel-Baum zu erreichen, aber auch die Lindenblätter, die auf der dem Garten zugewandten Seite des Baumes wachsen, circa 5 Meter vom Hartriegel entfernt. Aber diese Höhe konnte sie nicht aufhalten, wie man der Tabelle (ganz unten) entnehmen kann.

Zuerst kann man in der Reihe “Total Result” den Zuwachs von Pestizid-Rückständen vom 07.06 bis zum 21.06 als Anfang der Spritzsaison erkennen. Dann sieht man den Rückgang vom 21.06. bis zum 02.07., wahrscheinlich weil man nicht spritzen konnte und die Rückstände vom Regen

Foto 5 – Traktor und Wege

abgewaschen oder wegen des Metabolismus der Pflanzen abgebaut wurden – dies wird noch weiter untersucht.
Dann geschah die wirkliche Tragödie am 03.07., besonders aber am 04.07.: Von Total 0,067mg/kg auf 1,1817mg/kg  – innerhalb 2 Tage 30 facher Zuwachs an Ruckstanden und 100 Mal zuviel fur Bio in den armen, nie gespritzen Hartriegel.
Das Ergebnis der Weinblätter vom Weinberg auf Foto 4 zeigt klar das Level der direkt und absichtlich gespritzten Pflanzen (187,94 mg/kg – Das 150-fache des indirekt getroffenen Hartriegel-Baums). Doch kann man sich nicht sicher sein, ob die auch die Weinberge auf der anderen Seite der Oase (Foto 1-3) zum Zuwachs im Hartriegel beigetragen haben, weil gleich mehrere Pestizid-Rückstände signifikant angestiegen sind, die nicht in den Weinblättern von Foto 4 auftauchen (Fenhexamid und Imidacloprid). Auf der anderen Seite finden sich ein paar Pestizide auf den Weinblättern, die nicht im Hartriegel auftachen (Deltamethrin und Fenazaquin), aber das könnten auch ältere Rückstände auf den Weinblättern sein (eine andere Formel).

Also – Bio-Oase adieu.”

 

Roman Turk, Ivan Perisa

Labor Quanta

 Juli 2018

 

 

Foto 6 – Im Garten (Gelb – Linde, Rot – Hartriegel)

 

 

Für die Interessierten und als Referenz – Hier die Tabelle mit den Messdaten – es erschlägt einen die Fülle der Pestizidprodukte auf dem kleinen Fleck Erde. Wenn ein Mensch soviele verschiedene Medikamente bekäme …

Sum – result
mg/kg
Months date of
sampling
article          
  Jun   Jul          
  Jun 07 Jun 21 Jul 02   Jul 03   Jul 04  
pesticide Linden leaf Linden leaf Cornus leaf (Hartriegel)
Linden leaf Cornus leaf (Hartriegel) Linden leaf Cornus leaf (Hartriegel) Vine leaves
Benalaxyl               0.134
Cyprodinil           0.015    
DEET 0.023              
Deltamethrin               0.832
Difenoconazole             0.029 0.043
Dimethomorph   0.015         0.026 13.771
Fenazaquin               0.201
Fenhexamid           0.053 0.292  
Fenvalerate             0.087 5.061
Flutolanil             0.012 0.058
Folpet 0.012 0.063   0.010   0.047 0.414 150.496
Glyphosate 0.008   0.002          
Imidacloprid   0.012         0.071  
Metalaxyl 0.018 0.053 0.017 0.021 0.067 0.133 0.100 0.661
Metrafenone   0.071       0.029   0.016
Permethrin   0.053 0.028 0.078   0.026 0.701 0.060
Pyrimethanil           0.010 0.014 0.012
Spiroxamine   0.036            
Tebuconazole 0.010 0.034 0.010 0.019   0.033 0.071 16.595
Triticonazole           0.055    
Zoxamide   0.070            
Total Result 0.071 0.407 0.057 0.128 0.067 0.401 1.817 187.940

 

 

 

Lindenblüten-Monitoring und aktuelle Ernte

 

Gut organisierter Trocknungsspeicher einer Sammlerin

 

  • Unsere politische Lindenblütenaktion läuft und läuft und läuft

  • Wie geht es den anderen Wildkräutern?

 

Traditionell kommen wertvolle Bestandteile unserer Ernährung aus Wildsammlung – so auch viele Haustees wie die Lindenblüten.

Die Linde – die, wie Paracelsus sagt, einem Menschen gleiche, und im mitteleuropäischen Bereich heimisch ist – ist seit dem Mittelalter in der Anwendung belegt, auch Hildegard von Bingen schreibt über sie.

Mit unserer politischen Lindenblütenaktion wollen wir darauf aufmerksam machen, dass diese Idylle bedroht ist. Unbefangen Blüten pflücken oder Wildkräuter ernten – man fängt sich durch die intensiven Pestizidanwendungen in der konventionellen Landwirtschaft, selbst wenn sie über 1km entfernt ist, immer öfter einen Pestizidcocktail mit ein.

Da wir viel mit Wildkräutern zu tun haben, führen wir unfreiwillig am Beispiel Glyphosat eine Hitparade:

  1. Vogelmiere Kraut: 35,216 mg/kg
  2. Erdrauch Kraut: 24,118 mg/kg
  3. Hirtentäschel Kraut: 9,01 mg/kg
  4. Sauerampfer Wurzel: 10,625 mg/kg
  5. Weidenröschen Kraut: 2,033 mg/kg
  6. Zinnkraut (Schachtelhalm) Kraut: 3,174 mg/kg
    Sanja nimmt auf einer Brachwiese eine Probe Johanniskraut fürs Labor

Diese tapferen, kleinen Wildpflanzen-Kraftpakete reinigen immer wieder die verschmutzten Böden, und gehen noch nicht mal dabei ein, wie man eigentlich annehmen könnte.

Gesetzlicher Grenzwert für Glyphosat in Tees ist 2mg/kg. Die Linde hat, obwohl sie nie selbst gespritzt wird, sogar einen eigenen Eintrag in der Höchstmengenverordnung für Glyphosat – da hat also eine Behörde schon die Kollateral-Belastung mit eingeplant.

Wir wollen jetzt hiermit keine Panik schüren. Eher ein bisschen Rabatz machen, damit die deutsche und die EU-Politik die giftspritzende Landwirtschaft an die Kandare nimmt – siehe auch die aktuelle Nitrat-Rüge ….

Unser bevorzugtes Labor mit einer großen Expertise in Kräutern geht davon aus, dass a) sich Glyphosat sehr langsam in der Umwelt abbaut und sich damit in ihr anreichert, und b) dass es so gut wasserlöslich ist, dass es per hoher Luftfeuchtigkeit und einem späteren Abregnen ziemlich weit entfernt von den verursachenden konventionellen Landbauflächen verbreitet wird.

Von einem Bio-Gemüseimporteur erhielten wir den Bericht, dass an feuchten Tagen keine Analyseproben mehr von Frischkräutern genommen werden, da es zu verzerrten Ergebnissen führt, für die kein Biobauer etwas kann – ganz schön irre ….

 

Das Screening

Aber wir wollen nicht nur schimpfen, sondern Material zusammentragen, um in den möglichen Refugien weiter das Bio-Geschäft weiter zu treiben (und zu sichern) – solange, bis den Giftmischern die Spritze aus der Hand genommen wird. Wir schätzen, dass früher oder später der unangemessene Umweltfrevel der Landwirtschaft abgestraft werden wird – wie andere Umweltverbrechen auch.

Anfang Mai begann das Wildsammlungsprojekt Terra Magnifica bereits mit einem analytischen Screening einzelner Lindenbäume in verschiedenen Regionen Kroatiens. Im Moment laufen die Ernten. Ziel soll sein, Hinweise zu finden, wo und wann was gesammelt werden kann, ohne der Hitparade noch ein paar zusätzliche Werte hinzuzufügen, also unfreiwillige Pestizideinträge im Vorfeld auszuschließen oder zu reduzieren.

 

Hier die Beschreibungen der Regionen:

„Donja Velika, Gornja Velika und Sredice liegen in einer hügligen Region mit wenig extensiver Landwirtschaft, aber auch nicht viel Bio dabei. Die Hauptverschmutzung stammt von der Mais-„Behandlung“. Hier liegt die Grundbelastung bei Birke, Brennessel und Linde zwischen 0,004 und 0,014. mg/kg. An Pestiziden wurden angetroffen: Glyphosat überall, dann noch abwechselnd Metolachlor, Chlorpropham, Terbuthylazine, DEET (aus der Mückenbekämpfung, oft per Flugzeug) und Piperonyl butoxide.

Novigrad ist ein Ort mit vielleicht 2-3000 Leute, die Linde steht etwa 1km von der nächsten Landwirtschaft entfernt. Die Region ist landwirtschaftlich relativ stark erschlossen. Gefunden wurden Glyphosat, Terbuthylazine, Triticonazole, über mehrere Wochen konstant im Bereich 0,009 – 0,019. Sowie im Juni 0,064 mg/kg DEET, vielleicht aus einer Flugzeugspritzung.

Jastrebarsko ist die Lokalität mit Linden inmitten der Weinberge. Hier gab es Glyphosat, Folpet, Metaxyl, Tebuconazole und DEET im Bereich 0,008 bis 0,023 mg/kg.

Bjelovar zeigte höhere Werte an. Warum die Werte in Bjelowar aus dem Rahmen fallen, ist bisher nicht erklärbar. Terra Magnifica wird das detektivistisch untersuchen. Hier wurden Glyphosat, Permethrin, DEET und Piperonyl butoxide im Bereich zwischen 0,047 und 0,151 mg/kg gemessen.“

 

Diese vielen Zahlen und Namen hören sich schrecklich an, aber alle Lindenblüten aus den 5 oben genannten Gebieten ausser Bjelovar entsprechen problemlos der EU-Bio-Verordnung, und den BNN-Orientierungswerten. Linde aus Bjelovar ist als Bio nicht einsetzbar.

 

 

Bilderkarussel: Bäume aus dem Lindenblütenmonitoring

 

 

Terra Magnifica macht dieses aufwändige Screening auf Lindenblätter noch vor der Sammlung der Blüten, damit in den zu stark belasteten Gebieten erst gar nicht gesammelt wird und später dann Verluste entstehen. Wohlgemerkt – alle Werte liegen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten für die konventionelle Ware.

 

Ivan Perisa vom Labor, der das Screening macht, gibt einen kurzen Überblick:

„Hauptprobleme sind Mais und Tabak in Mai, und die Weinberge zwischen April und Juli (oder so lange wie es viel regnet).

Herbstware ist meistens unproblematisch, weil die Pflanzen die Pestizide abbauen und generell wenig gespritzt wird.

Deshalb gibt es nur selten Probleme mit Früchten (Sammlung im Herbst)und Rinde (Sammlung im Frühjahr). In Wurzeln (Sammlung Herbst-Frühling) finden wir meistens nur die ausdauernde Pestizide wie DDT, Glyphosat etc.

Vielleicht setzen wir dieses Monitoring an dem Wasser aus einer Zisterne in Jastrebarsko fort.“

Als wir in den 70ern mit Bio begannen, hätten wir uns diesen Aufwand nicht träumen lassen. Es ist ja auch ungerecht, dass dieses Schlachtfeld den Ökos überlassen wird – wir glauben nicht, dass die konventionellen Verursacher soviel in die Analytik stecken. Man muss sich nur vorstellen, aus wie vielen verschiedenen Sammelgebieten und Mikro-Klimata sich ein größeres Lot Lindenblüten oder Gänseblümchen zusammensetzt, und in wie viele Analysen investiert werden muss. Alleine das kurze Screening vom 2.5. – 14.6. besteht aus 21 Analysen, die im Schnitt 150,-EUR pro Analyse kosten.

 

Terra Magnifica, Wildsammlung und engagierter Naturschutz

Seit 2013 ist Kroatien in der EU. Viele Sachen sind dadurch geregelter, aber vor allem in den neueren EU-Ländern gibt es einen aufgesetzten Hang zur Überregulierung. In Kroatien (wahrscheinlich auch in weiteren EU-Ländern) leiden die Sammler und Kleinbauern darunter. Durch hohe Restriktionen und Steuerbelastung passiert es wahrscheinlich als Automatismus (auch neues Lieblingswort unserer GroKo) dass die Wildsammlung und kleinbäuerliche Landwirtschaft aussterben. Nicht nur die allgemeine Pestizidverseuchung ist ein Sargnagel, sondern auch die Bürokratie.

 

Roman Turk und seine Frau Sanja leiten die Firma Terra Magnifica. Wir kennen wenige Menschen, die soviel Pflanzen-Wissen haben. Zusammen eine unermüdliche Energie für das Wildsammlungsprojekt.

 

Roman Turk, Mitgründer von Terra Magnifica, schreibt im Jahre 2001 in einem Brief an den WWF anschaulich über die Geschichte der traditionellen Wildsammlung auf dem Balkan und heutige Hintergründe. Es geht darum, dass von dem Unternehmen verlangt wird, zu „beweisen“, dass „das Sammeln die Stabilität des natürlichen Habitats und die Erhaltung der Arten im Sammelgebiet nicht beeinträchtigt“, gem. EG – Verordnung 2092/91 Anhang I, Teil A“. Wir möchten das, weil es weiter aktuell ist, hier wiedergeben:

 

„Das kommerzielle Sammeln von Kräuter in Kroatien begann um das Jahr 1860, mit den Exporten von Salbei, Rosmarin, und ätherischen Öle daraus, in die europäische Länder.

Anfang des 20. Jahrhunderts gewann neben diesen Kräutern auch Pyrethrum, oder Dalmatinische Insektenpulverpflanze, an Bedeutung, als natürliches Insektizid.

Im Jahr 1932 wurden 1062 Tonnen Salbei, 642 Tonnen Pyrethrum und 833 Tonnen anderer Kräuter, großteils aus der Wildsammlung, exportiert.

Nach der Erfindung von DDT in den dreißiger Jahren hat man Pyrethrum fast vergessen, aber die Salbei-Exporte haben sich bis zum Krieg in 1991 auf dem Niveau von 500 – 800 Tonnen im Jahr gehalten.

 

Der Export von Salbei im Jahr 1995 betrug 129 Tonnen (andere Heilkräuter aus der Wildsammlung insgesamt ca. 550 Tonnen) und im Jahr 2000 lediglich 30 Tonnen (andere Kräuter aus Wildsammlung ca. 200 Tonnen).

Zusammenfassend fiel die Exportmenge von Kräutern aus Wildsammlung im Jahr 2000 auf ca. 10% des Wertes aus den besseren Jahren.

 

Der Hauptgrund für so einen rasanten Rückgang der Exporte in den letzten 10 Jahren ist sicherlich der Krieg 1991 bis 1995, sowie die Wirtschaftskrise davor und danach.

Drei größte Betriebe, die Kräuter verarbeitet haben, wurden in diesen Jahren geschlossen.

Es entstanden neue kleine Firmen, die versuchen, einen Bruchteil des ehemaligen Marktes zurück zu gewinnen. Eine diese Firmen ist auch unsere, und wenn eine 6 Jahre alte Firma, die buchstäblich von Null begann, ein Drittel des Exportes von wildwachsenden Heilkräutern Kroatiens macht, bedeutet es, dass es dem Land wirklich schlecht geht.

Rein mathematisch ist es also schwer zu glauben, dass nach praktisch 100 Jahren intensiver Nutzung, die offensichtlich nachhaltig war (sonst würde sie ja nicht 100 Jahre dauern ) und nach einem so gewaltigen Rückgang der Exporte, das Sammeln der Heilkräuter die Erhaltung der Arten in den Sammelgebieten beeinträchtigt .

Natürlich setzen wir dabei voraus, dass die geschützten Pflanzen nicht gesammelt werden, und die Regeln der jahrzehntelangen Sammelpraxis weiterhin geachtet werden.

Des weiteren kam es in den Kriegsjahren zu großen Bewegungen der Bevölkerung, es entstanden große „menschenleere“ Gegenden, und ein Viertel der Einwohner Kroatiens lebt inzwischen im Großraum der Hauptstadt Zagreb.

 

Folge davon ist, dass die landwirtschaftliche Flächen sicherlich weit über 50% nicht bebaut sind (so offensichtlich, dass keine offizielle Statistik erforderlich ist ), wobei bei den Weiden die Situation noch viel schlimmer ist.

Manche Wälder wurden in den letzten Jahren (unter Aufsicht von Forstämtern) beraubt, genauso wie die andere in die Herrschaftslosigkeit geratene Güter, wie Firmen, öffentliche Objekte etc..

Bauer kämpfen ums Überleben, es gibt keine durchdachte Strategie für die Landwirtschaft. Dazu waren sie auch in der Zeit der Staatssozialismus nicht gewohnt, marktorientiert zu denken.

Also, wenn man sich nur 20 Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt befindet, ist man bereits in der praktisch unberührten Natur.

Die Spuren der Landwirtschaft sind zwar erkennbar, aber auf den ehemaligen Äckern gibt es eine beeindruckende Artenvielfalt. Das schmeckt man auch im Blütenhonig, welcher eine Reihe von verschiedenen Geschmacksnoten im Mund hinterlässt.

 

Diese Wiesen werden nur noch vereinzelt gemäht, so verbreiten sich die Wildkräuter immer schneller.

Genauso schreitet der Wald, mit seinem eher armen Artenspektrum, in die Felder fort.

Es entstand in den letzten Jahren vielerorts ein praktisch neues Habitat.

Dieser Prozess dauert jetzt seit mehreren Jahrzehnten an und wurde durch die Flucht der Leute vom Land verursacht. Der Krieg hat die Veränderungen nur beschleunigt.

 

Es erhebt sich also für uns die Frage, was ein natürliches Habitat ist :

 

  • jener laut Kataster, in welchem die Änderungen sehr oft seit 50 Jahren nicht eingetragen wurden,
  • jener vor dem Krieg,
  • der heutige,
  • vor oder nach dem menschlichen Eingriff im Feld, im Wald, am Flussufer…?
  • Wie sind die verlassene Wege, Bahnstrecken, Dörfer, die von der Natur „zurück-erobert“ wurden, zu werten?
  • Wie sind die nicht gepflegten, mehrjährigen Pflanzen, wie Obstbäume (auch Plantagen), Lavendelfelder, die keinen Besitzer mehr haben, zu interpretieren ?
  • Ohne dies zu definieren, ist es sehr schwer zu sagen, ob das Sammeln die Stabilität des natürlichen Habitats beeinträchtigt, oder nicht !

 

Auch wenn diese Definition einmal stehen würde: es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine kroatische Behörde so eine Aussage verantwortlich abgeben könnte, denn ein organisiertes Monitoring gibt es nicht einmal in den Nationalparks.

Die Anforderungen, die sich an die zertifizierte Wildsammlung stellen, haben uns in den letzten Jahren jedoch gezwungen, eigene Methoden zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit zu entwickeln:

 

  • Sammeln in mehreren Regionen, um etwaiges Übertreiben an wenigen Lokalitäten zu vermeiden.
  • Sammeln vorzugsweise in den „jungen“ Habitats, d.h. auf den seit 5 oder mehr Jahren nicht mehr bewirtschafteten Flächen.
  • Interne Regel über Wildsammlung, beinhaltend Zeitraum und Methode für einzelne Arten
  • Schulung der lokalen Koordinatoren / Kontrolleure der Sammlung
  • Schulung der Sammler durch die Koordinatoren
  • Beobachtung der Auswirkungen der Sammlung durch mehrere Jahre
  • Anbauversuche

 

Wir sind auch stolz darauf, dass wir das Sammeln der Kräuter auch in die Regionen, wo es keine Tradition gab, verbreitet haben.

Dadurch betrachten die neue Sammler die Kräuter anders als früher, und zwar als wichtige Ressource, die man schützen soll.

Es sind viele bislang uninteressante Pflanzen, oder sogar lästige Unkräuter auf einmal für sie überhaupt sichtbar / wertvoll geworden !

Richtig geschnitten, nur teilweise entrindet oder so ausgegraben, dass die Hauptwurzel noch im Boden verbleiben, können sich die Pflanzen durchaus regenerieren.

Die mit der kontrollierten Wildsammlung verbundene Einnahmen sind für ganze Dörfer ein wirtschaftlicher Anreiz geworden, um den (egal neuen oder alten) Lebensraum mancher Heilpflanzen zu erhalten.

 

Zurück zum Salbei: ohne Tiere die das Gras rundherum fressen, und ohne den Schäfer, welcher die Pflanzen jedes Jahr schneidet, verwächst der Salbei von Jahr zu Jahr und irgendwann erobert der Stech–Wacholder den Karst.

Und ohne Salbei, nur von den Tieren, überlebt auch der Schäfer schwieriger die allgemeine Not.

Meistens sind das alte Leute, die den Salbei noch als Kinder gesammelt haben.

 

In ein paar Jahren werden wir im dalmatinischen Hinterland nur die unberührte Natur, ohne Menschen haben.

Ist das der Ziel des Naturschutzes ?

Oder die gesunde Interaktion Tiere – Pflanzen – Menschen ?“

Roman Turk, im Mai 2001

 

Link zum Post politische Lindenblüten

 

Heuschrecke und Terra Magnifica untersuchen ein neues Habitat.
Heinz-Dieter Gasper und Roman Turk

Joshuas Gewürzreise: Chili

Chili – Scharf, Heiß, Überall

 

In der Regel gilt: Gewürz ja oder nein. Bei Chili ist es doch häufig: Klar, wie viel?

Chili ist eins der Gewürze, die man in fast jeder Küche anfinden kann. Ob Asien, Afrika, Amerika, Europa, irgendwo findet man immer Rezepte, die die scharfe Frucht beinhalten. Gleichzeitig unterscheidet sich die Frequenz dieser Rezept und das Ausmaß sehr. Ich glaube, es gibt kein Gewürz, das in so vielen Rezepten verwendet wird und gleichzeitig so in der Menge variiert.

Das liegt aber nicht nur an der großen Vielfalt der Chili (2000 – 3000 Sorten, ständig wachsend), die sich auch geschmacklich sehr unterscheiden. Chilis bringen neben dem Geschmack häufig Schärfe. Tatsächlich ist das so relevant, das extra dafür eine Messskala erfunden wurde!

Schärfe ist ganz klassisch gesehen kein Geschmack. Das in den Chilis enthaltene Capsaicin bindet an Rezeptoren an und vermitteln dem Gehirn so ein Gefühl von extremer Hitze. Der menschliche Körper, mit seiner hohen Anpassungsfähigkeit, gewöhnt sich bei vermehrtem Scharfessen daran, und die empfundene Schärfe nimmt ab. So gibt es auf der Welt Regionen, die für uns in Europa ungenießbar-scharfe Speisen essen und es gibt eben uns Europäer, die schon beim Anblick von Chilis ins Schwitzen kommen – und das buchstäblich. Daraus hat sich ein Trend des Chili-Züchtens entwickelt, der besonders geschmacksintensive Chilis und besonders scharfe Chilis hervorgebracht hat.

Eine weitere interessante Eigenschaft von Chili ist, dass sie Geschmäcker verstärken kann. Benutzt man nur ein wenig Chili, werden die anderen Geschmäcker verstärkt wahrgenommen, ganz ähnlich wie warme Speisen, die stärker schmecken als kalte! Nimmt man natürlich zu viel Chili für die eigene Toleranz, dann schmeckt nichts mehr und man versucht, der Hitze im eigenen Körper zu entkommen!

Ich selber esse ganz gerne scharf, doch wenn man verschiedene Speisen über ein verlängertes Wochenende mit Schärfe isst, dann weiß man irgendwann nicht mehr wohin und freut sich auf minimal gewürztes Essen.

Fangen wir aber an mit der Chili-Rundreise, die im Nachhinein ziemlich ost-asiatisch geworden ist.

 

“Kimchi”

 

 

Vor ein paar Monaten fragte mich Ursula, was ich denn von Chili als “neues” Gewürz halte. Ich war sofort begeistert. Mir kam sofort die koreanische Küche (die mehr und mehr im Trend liegt) in den Kopf. Kimchi könnte sehr wohl für das K in koreanischer Küche stehen.

Kimchi Rezepte gibt es wohl allein in Korea in etwa so viele wie es Köche gibt. Ich wage gar nicht, authentisch koreanisches Kimchi zu machen. Da kann ich auch gleich ein Kimchi mit deutschen Einflüssen machen – nicht umsonst gibt es auch hier ein Rezept für fermentierten Kohl. So ensteht ein Rezept, dass andere Geschmacksnuancen mit sich bringt und nicht zu letzt deutlich einfacher in der Beschaffung ist. Doch Vorsicht! Die Schärfe ist nicht unbedingt für den deutschen Gaumen gemacht, aber vermutlich auch nicht für den koreanischen!

 

Zutaten:

  • 800 g Weißkohl
  • 2 Karotten
  • 10 Radieschen
  • 1 Zwiebel
  • 5 Frühlingszwiebeln
  • 2 EL Klebereismehl (oder Stärke)

 

  • 350 ml Wasser
  • 1 EL Zucker

 

  • 10 Zh. Knoblauch
  • 20 g Ingwer
  • 20 g fermentierte Shrimps
  • 30 ml Fischsauce
  • 5-10 g Salz
  • 30 g Chili Mild
  • 3 Lorbeer Blätter
  • 10 Körner Piment
  • 8 Nelken

Das Rezept ist aufwändig. Das erstmal vorweg.

Den Weißkohl waschen, in Streifen schneiden und mit einer guten Portion Salz 2-3 Minuten kneten, dann zur Seite stellen.

In einem Topf das Wasser mit dem Klebereismehl (gibt es im Asialaden oder online) kurz aufkochen, den Zucker untermischen und dann komplett abkühlen lassen. Daraus entsteht eine klebrige Masse, nicht ungleich Tapetenkleister, der das Kimchi davon abhält, zu flüssig zu werden (Tipp von Maangchi!).

In der Zwischenzeit aus Knoblauch und Ingwer eine Paste herstellen. Das mache ich am liebsten mit dem Messer – fein hacken, dann abwechselnd hacken und mit der Seite des Messers zerdrücken. Auch das restliche Gemüse muss in unterschiedlich große Stücke geschnitten werden, ganz nach Laune.

Ist der Brei abgekühlt, werden Knoblauch-Ingwer-Paste, Shrimps, Fischsauce, Chiliflocken, Salz, Lorbeerblätter, Piment und Nelken untergemischt. Das gesamte Gemüse inklusive des Kohls wird dann in einer großen Schüssel mit der Gewürzpaste gut vermengt und eingeknetet. Jetzt muss das Kimchi nur noch stehen gelassen werden, 2-3 Tage sind ein guter Anfang, bei der Hitze vielleicht sogar im Kühlschrank. Das geht gut in Einmachgläsern, doch aufgepasst: Es lebt und atmet. Am besten die Gläser nicht zu voll machen und die Gläser ab und an Lüften, sonst kann es zum Überlaufen oder zu HOCHGEFÄHRLICHEN EXPLOSIONEN kommen.

 

 

Nach 2-3 Tagen ist das Kimchi einsatzbereit. Man kann es alleine essen, doch es ist wahrlich eine Geschmacksbombe. Es macht sich hervorragend als Saucengrundlage, zu gebratenem Reis, in Salaten und passt sehr gut als kleine Beilage zu vielen anderen Gerichten. Da ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Viel Spaß beim ausprobieren!

 

 

Dry Fried Chicken

 

 

Das Rezept hat mir mal ein Freund geschickt. Es war für meinen Geschmack etwas ganz besonderes, verbunden mit einer fremden Technik und ist gleich hängen geblieben. Zum heutigen Thema passt es ganz hervorragend, denn es hat mehr Chili als der gesunde Menschenverstand zulassen würde.

 

Zutaten:

  • 2 Stangen Stangensellerie
  • 3 Stangen Frühlingszwiebeln

 

  • 250 g Hühnchenbrust
  • 60 ml Öl

 

  • 4 ganze Chilis
  • 1 TL ganze Szechuan Peffer
  • 1,5 EL Chilibohnenpaste
  • 1 EL Shaoxing Reis-Wein (oder einen lieblichen Weißwein)
  • 1 TL Sojasauce
  • 2 TL Sesamsauce
  • Salz

Achtung: Nach dem Kochen muss man zu 100% die Küche putzen.

Zuerst den Sellerie und die Frühlingszwiebeln in ca. 1 cm dicke Stücke schneiden, in einer Schüssel mit etwas Salz vermengen und stehen lassen.

Die Technik kommt, wie das Rezept, aus der Szechuan Region in China. Dafür braucht man idealerweise einen guten Wok, relativ viel Öl und Fleisch. Das Fleisch in der Pfanne oder dem Wok sehr heiß werden lassen. Das Fleisch in 2 cm große Würfel schneiden und in das heiße Öl geben. Ca. 5 Minuten braten, bis das Fleisch den Großteil seiner Hitze verloren hat.

Dann den Herd auf mittlere Hitze stellen. Die Pfanne oder den Wok kurz vom Herd nehmen, das macht den nächsten Schritt einfacher. Die Chilis und der Szechuan Pfeffer kommt für ca. 20-30 Sekunden in die Pfanne, dann kommt die Chilipaste hinzu und alles muss gut verrührt werden. Das Öl und das Huhn färbt sich rot. Danach den Reiswein, die Sojasauce und eine gute Portion Salz hinzu geben, die Pfanne wieder auf die Herdplatte stellen und unter häufigem Rühren 10-15 Minuten braten. Das Huhn wird hier ziemlich trocken und genau das ist das Ziel. Am Ende werden die vorher geschnittenen Sellerie und Frühlingszwiebelstücke in die Pfanne gegeben und alles nochmal für 1-2 Minuten angebraten. Zum Servieren das Sesamöl hinzu geben.

Als Beilage eignen sich gut Reis oder Brot.

 

Süßkartoffel-Chili-Eis

 

 

Zum Nachtisch gibt es Eis. Wieder mal.

Süßes und Chili sieht man ab und zu. Die häufigste Paarung ist sicherlich Schokolade. Der Gedanken kam also auch mir, doch ich wollte etwas anderes. So hat sich ein optisch wirklich schönes Eis entwickelt, das mit einer vorsichtigen Schärfe einen extra Kick kriegt. Für mich eignet sich das Eis weniger gut als Eissorte, die allein gegessen wird. In einer Schüssel mit zB. Bananen, Reispops und Schokolade sorgt es für eine perfekte Grundlage um die süßen Gelüste zu befriedigen.

 

Zutaten:

  • 1 mittelgroße Süßkartoffel
  • 2 EL brauner Zucker
  • 1 TL Zimt
  • 1/2 TL Chili
  • 1/2 EL Zitronenschale
  • ca. 250 ml Milch (Kokos / …)
  • 1 Eigelb

 

Die Süßkartoffel wird mit einer Gabel mehrmals eingestochen. Dann muss sie erstmal für ca. 45 – 60 Minuten in den Backofen bei 220 Grad. Es sollte immer wieder getestet werden, ob sie schon komplett weich ist.

Ist das eingetreten kommt sie zusammen mit Zucker, Zimt, Chili und Milch in den Mixer. Am Ende des Mixvorgangs wird das Eigelb hinzugegeben und eingemischt – für extra Cremigkeit. Zu guter Letzt wird die Zitronenschale in kleine Stücke geschnitten und untergemengt – nicht mehr püriert.

Das Ganze kann natürlich in die Eismaschine, oder eben in die Kühltruhe. Dort muss die Mischung dann alle 30 – 60 Minuten umgerührt werden, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Ich habe beim Einkaufen noch eine wunderschöne lila Süßkartoffel gefunden, die ich mit im Ofen gegart habe und dann in kleinen Stücken hineingemengt habe – ein schönes Farbspiel.

 

Und noch ein Bonusbild: Work in Progress

 

Ich hoffe, es hat Euch gefallen. Weiterhin hoffe ich, dass ihr daraus kein Drei-Gänge-Menü macht. Während Schärfe fantastisch im Essen ist, sollte sie nicht jedes Rezept dominieren. Das kann den Gaumen ungemein ermüden. Viel Freude beim Nachkochen oder inspirieren lassen!

 

 



Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen hier.

 

 

 

Kräuter Unterwegs: Vetiver Slush

Was wird eigentlich so aus unseren Kräutern?

Apfel-Vetiver-Slushy

 

Vetiver Slush © Hilton IceBAR, Köln
Vetivergras – so sieht es aus

Wir arbeiten sehr gerne mit unseren Bio-Kleinbauern-Projektpartnern zusammen, und nehmen auch gerne seltene und ausgefallene Kräuter, die die Bauern sammeln oder anbauen, ins Programm – manchmal eher für den Spaß als für den Umsatz.

Wenn wir dann aromaverrückte Menschen treffen, wie Christian, den Barkeeper der Hilton Ice Bar in Köln, überlegen wir schon fast automatisch, was man so jemandem als Herausforderung mal weitergeben könnte.

Heute: Vetiver (Vetiveria zizanoides), ein Gras, von dem die sehr aromatische Wurzel verwendet wird. Sie hat eine tief-würzige, balsamische Note und kommt vor allem als Natur-Basisnote bei der Parfümherstellung oder zur Aromatisierung zum Einsatz. Vetiver stammt aus Indien und ist im Ayurveda auch als Tee oder als Aromatikum für Trinkwasser bekannt. Es beruhigt Vata und hat einen kühlenden Effekt. Dieses Vetivergras bekommen wir von den Sahyadri Spice Farmers, einem Bio-Kleinbauernprojekt der NGO PDS mit ca. 2000 Familien in Kerala, Südindien.

 

Zu PDS gehört auch die ayurvedische Heilmittelfabrik Sahyadri. Hier
liefern SammlerInnen Rohmaterial an.

Christian hatte also die richtige Intuition, als er einen Eis-Slushy daraus komponierte. Das Vetivergras wurde zunächst zu Sirup verarbeitet. Naturtrüber Apfelsaft zur Essenz reduziert. Zitronensaft gibt eine umwerfende Frische dazu. Als alkoholische Basis wählte er den würzigen „Büffelgras“-Wodka Grasovka aus Polen. Das Ganze wird mit crushed Ice im Mixer „sämig“ geschlagen. Die Aromen des Vetiver verbinden sich mit der Würze des Wodkas und bilden die sanfte, tiefe Grundnote. Apfelessenz und Zitrone geben eine saftige Spritzigkeit hinzu, garniert mit einem Thymian- oder Rosmarinzweig. Passenderweise kommt der neue Apfel-Vetiver-Slushy nun auf die Sommerkarte:

 

Link zu Facebook.

Mehr über PDS und den Sahyadri Spice Farmers

 

 

 

Zum PDS-Projekt gehört auch das Urwald-Reservat Kannampady, ein geschütztes Gebiet für die indigenen Ureinwohner. Hier bekommen wir allem guten Urwaldpfeffer her.
Familie Vattothu, die auch zu den Sahyadri Spice Farmers gehört, baut eher “normale” Gewürze wie Vanille, Curcuma und Ingwer an.

 

 

 

 

 

Lindenblütenzeit: Ein Rezept

 

 

Es ist Lindenblütenzeit – gleich doppelt. Nachdem unsere politische Lindenblütenaktion nun seit ein paar Wochen läuft und sich langsam etabliert hat, fangen auch draußen die Linden an zu blühen – oder wie hier fast…

Ich war schon auf halber Gewürzreise, da fiel mir ein: Es sind zwar Ferien, aber auch nicht so lange. Also gibt es dieses Mal eine Kurzversion und eine Möglichkeit ein etwas anderes Format zu testen.

 

 

Lindenblüten-(Pfingst)-Kuchen

 

Warum denn?

Tja. In erster Linie schmeckt es gut. Der blumige, honigartige Geschmack der Blüten harmonisiert mit der milden Zitrusnote und so entsteht ein Kuchen, von dem man gerne ein zweites Stück nimmt.

 

Die Aufgabe:

Lindenblütengeschmack kommt leider nicht als handliches Pulver (naja, bestimmt irgendwo schon, aber eben nicht hier). Wie kriegt man also den Geschmack AUS den Blüten IN den Kuchenteig.

 

Die Lösung:

Pulver mahlen klingt interessant, aber ich gehe lieber den Weg über das Wasser. Eigentlich wollte ich einen selbstgemachten Lindenblütensirup verwenden, aber der Ansatz hat angefangen zu schimmeln und ich musste improvisieren, da ich keine weiteren 2 Tage hatte. Im Rezept kann der Ansatz folglich gut durch selbstgemachten Sirup ersetzt werden – dann sollten aber die Zuckerverhältnisse angepasst werden.

 

 

 

 

Schritt 1: Der Ansatz

 

  • 2 Scheiben Orangen
  • 2 Scheiben Zitronen
  • 2-3 Hand voll Lindenblüten
  • 1 L Wasser

 

Für den Sirup werden die Zutaten in kaltes Wasser geben und für ca. 2 Tage stehen gelassen. Dazu noch leicht zugedecken, um gegen etwaiges Fluggetier zu schützen. Danach filtern und ca. im Verhältnis 3:1 mit Zucker (also 300g) aufgekocht.

Als Alternative werden die Zutaten auf einem Herd für ca. 10 Minuten gekocht. Dann habe ich das Gemisch gefiltert und ca. auf die Hälfte reduzieren lassen. Für den Kuchen habe ich 200 mL davon mit 1.5 EL Honig vermischt.

 

 

Schritt 2: Der Teig

 

  • 3 Eier
  • 100g Zucker
  • 300g Mehl
  • 1/2 TL Backsoda
  • 1 Prise jeweils Salz, Zimt und Vanille
  • 100g Joghurt
  • 100 mL Lindenblütenansatz
  • 50g Butter
  • 1 EL Olivenöl

 

Wir brauchen jetzt 2 Schüsseln und der Ofen kann schonmal auf 180 Grad C vorgewärmt werden. In der ersten vermischen wir das Mehl mit dem Backsoda und stellen es bei Seite. Die Butter in kleine Würfel schneiden und mit dem Zucker gut vermengen und aufschlagen. Dann die drei Eier hinzugeben und alles schön aufschlagen. Das braucht ein wenig Zeit, aber es geht hier immerhin um das Kuchenvolumen.

Dann werden die trockenen Zutaten langsam unter gemischt, bis ein einheitlicher Teig entsteht. Jetzt die Gewürze, den Lindenblütenansatz, Joghurt und das Olivenöl dazu geben und alles nochmal gut vermengen. Im Zweifel braucht der Teig noch etwas mehr Mehl, vielleicht etwas mehr Flüssigkeit, bitte das eigene Augenmaß benutzen. Wir wollen einen recht flüssigen und doch zusammenhängenden Teig. Ist man zufrieden, kommt der Teig in eine vorgefettete Backform. Die Backform kommt dann in den Ofen für ca. 20-25 Minuten. Ab und zu mal testen, ob der Kuchen schon gar ist – am besten mit einem Zahnstocher hineinpicksen und schauen, dass dieser wieder trocken herauskommt.

Nun muss der Teig leider erstmal etwas abkühlen. Am besten auf einem Gitter, aber es geht auch ohne.

 

Schritt 3: Der Tortenguss

 

  • 100 mL Lindenblütenansatz
  • 50g Zucker

Die beiden Zutaten einfach erhitzen und ein bisschen köcheln lassen. Wenn der Sirup abkühlt, wird er dickflüssiger. Am besten sollte er ein wenig abgekühlen aber noch lauwarm über den nicht mehr heißen Kuchen gegeben werden. Man kann auch gerne noch mehr davon machen und in einem kleinen Schälchen zum Kuchen als Dip reichen.

 

Geschafft!

 

 

Jetzt gilt es, Freunde oder Familie zu finden, die den Kuchen teilen wollen. Zum anrichten gab es bei mir nur Heidelbeeren und Joghurt – als frische Komponente zu dem süßen Kuchen. Mit etwas Glück blühen gerade die Lindenblüten und verströmen ihren Duft. Kriegt man den beim Essen in die Nase, schmeckt der Kuchen gleich nochmal viel intensiver!

Guten Appetit!

 

 

 

Nochmal der Link zur Lindenblüten Aktion: Politische Lindenblütenaktion

 



Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen hier.

 

Joshuas Gewürzreise: Fenchelsamen

Fenchelsamen: Geschmackssache oder Geheimwaffe?

 

Oft sagt man, Fenchel sei polarisierend. Entweder man liebt Fenchel, oder man lässt die Finger davon. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Der Geschmack von Fenchel ist ziemlich aufdringlich und trotzdem leicht und süßlich. Viele erinnert er mit Sicherheit auch an Tage voller Krankheit oder Bauchschmerzen, denn ihm werden verdauungsfördernde Kräfte nachgesagt. Doch auch das ist nicht alles.

Vor Allem in geringen Dosen gibt Fenchel dem Essen eine fantastische Tiefe, ähnlich dem Umami Geschmacks, die in Verbindung mit der leichten Süße eine Bereicherung für viele Gerichte darstellt. Nicht ohne Grund ist Fenchel ein essentieller Teil vieler berühmter Gewürzmischungen, wie Garam-Masala, Ras el-Hanout und das chinesische Fünf-Gewürze-Pulver.

Diese Eigentschaft des Fenchel kann man besonders toll einsetzen, wenn man länger-kochende Eintöpfe oder Suppen verfeinern möchte. Gibt man nur einen Teelöffel Fenchelsamen hinzu, schmecken diese Gerichte gleich nochmal besser – und die Fenchel-Verachter werden nicht mal einen Fenchelgeschmack wahrnehmen. Super in Tomatensoßen, essentiell in Bouillabaisse und hervorragend in vielen weiteren Gerichten. Keine Angst vor Fenchel, denn er ist ein toller Begleiter in der Küche, den ich Euch noch ein bisschen näher bringen möchte.

Schärft die Messer, spült die Töpfe und räumt die Küche auf, denn jetzt wird gekocht!

 

Fenchel Cracker und Fenchel Kekse

 

 

 

Fenchel Kekse

Ich esse ab und an gerne Kekse. Am liebsten herzhafte. Oft kann man in türkischen oder arabischen Märkten sehr leckere kaufen. Doch kann man sie auch selber machen? Natürlich, und das ist nicht mal schwierig. Mit Fenchel schmecken sie dann noch nach Fenchel.

 

Zutaten:

  • 125 g Butter
  •  EL Olivenöl
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Zucker
  • 1 Prise Pfeffer
  • 150 g Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1 Eigelb
  • Verschiedene Samen: Sesam, Schwarzkümmel, Fenchel
  • Hier noch optional: 2 TL Fenchelsamen gemahlen

 

 

Den Ofen auf 190 Grad C vorheizen. In der Zeit die Butter mit dem Öl, Salz, Zucker und Pfeffer cremig schlagen. Das bedeutet, viel rühren, alles vermengen und ein bisschen Luft reinschlagen. Dadurch gehen die Kekse ein bisschen mehr auf und werden extra gut. Jetzt die Hälfte des Mehls und das Backpulver reinrühren. Danach die andere Hälfte des Mehls einkneten und den Teig kneten, bis er zu einem einheitlichen Klumpen wird. Aus dem Teig kleine Bällchen formen.

Fenchel: Ich habe meinen Teig halbiert und in eine Hälfte gemahlene Fenchelsamen eingearbeitet. Das hat mir persönlich sehr gut geschmeckt.

Die Bällchen auf einem Backblech mit Backpapier verteilen und mir einer Gabel eindrücken. Dann mit Eigelb bestreichen und mit verschiedenen Samen besträuen und ab in den Ofen für ca. 20 Minuten oder bis sie eine schöne goldene Farbe angenommen haben und nicht mehr ganz so weich sind.

 

 

 

Fenchel Cracker

 

Die Kekse sind sehr lecker, kommen aber werden aber nicht unbedingt einem Fenchel-Gericht gerecht. Diese Cracker sind dünner, knuspriger und fencheliger.

 

Zutaten:

  • 125g Vollkornmehl
  • 125g helles Mehl
  • 3 EL Fenchelsamen
  • 1 EL Kräuter der Provence
  • 2 EL Sesamsamen
  • 2 Prisen Pfeffer
  • 3 EL Olivenöl
  • 120ml warmes Wasser
  • 1 TL Backpulver
  • 2 TL Salz
  • Grobes Salz zum bestreuen

 

Die Fenchelsamen grob mit einem Mörser zermahlen. Alle trockenen Zutaten in einer Schüssel gut vermischen. Dann die beiden nassen Zutaten untermischen und den Teig ein bisschen kneten. Den Teig grob zu einem Zylinder formen, in Frischhaltefolie einwickeln und für mindestens 20 Minuten in den Kühlschrank legen. Für mich war es einfach über Nacht. Dann den Ofen auf 220 Grad C vorheizen und den Plätzchenteig in dicke Scheiben schneiden und dünn ausrollen. Daraus dann Rechtecke schneiden.

Ich habe versucht, einfach dünne Scheiben zu schneiden. Das Resultat war gar nicht schlecht, aber ausgerollt sind die Cracker noch besser.

Wie man es auch macht, die Kekse müssen in den Ofen, wieder ca. für 20 Minuten, aber auch hier immer wieder schauen. Das Ergebnis sind knusprige, leichte und fantastisch würzige Cracker.

 

Tomaten-Fenchel-Hühnchen

 

Fenchel-Hühnchen (hier: rustikal)

 

Man könnte meinen, dass dies fast ein italienischer Klassiker ist, aber ich weiß nicht, ob das der Fall ist.

 

Zutaten:

  • 4 Frülingszwiebeln
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 250 g Hühnchen
  • 1 Fenchel
  • 50 mL Weißwein
  • 2 TL gem. Fenchelsamen
  • 10 Blätter Basilikum
  • 1 Dose Tomaten
  • 50g Oliven
  • 200 mL Hühnerbrühe/Wasser
  • Salz, Pfeffer, Olivenöl, Zitrone – zum abschmecken

 

Ich hatte kurz vorher Hühnerbrühe gekocht und hatte daher noch Huhn und Hühnerbrühe übrig. Es geht aber auch gut mit frischem Huhn und Wasser oder guter gekaufter Brühe.

 

Tathergang:

Frühlingszwiebeln und Knoblauch klein schneiden und mit Olivenöl in der Pfanne anschwitzen. Dann das Hühnchen dazu und kurz anbraten. Währenddessen den Fenchel in kleine längliche Streifen schneiden und dann auch in die Pfanne werfen. Nachdem alle etwas Farbe bekommen hat mit dem Weißwein ablöschen und die restlichen Zutaten hinzu geben. Ca. 10 – 15 Minuten köcheln lassen. Zu guter letzt mit ordentlich Salz und Pfeffer abschmecken, eventuell auch noch mit extra Zitrone, wenn Säure fehlt. Zum Servieren noch mit guten Olivenöl beträufeln und dann essen.

 

Übrigens: Rustikal bedeutet einfach: Grobe Stücke und kein großes Anrichten. Hat aber auch was, oder?

 

 

Orangen-Fenchel-Karamell-Milchreis mit Fenchel-Krokant

 

Milchreis ist eigentlich immer gut. Ob klassisch oder nicht, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Diese Version ist etwas exotischer. Orange und Karamell sind eine hervorragende Kombination und der Fenchel gibt dem Gericht eine würzige Note.

 

Zutaten:

  • 3 EL Zucker
  • 0.5 EL gem. Fenchelsamen
  • 0.5 EL Orangeschale
  • 100g Milchreis
  • 400 mL Milch
  • Saft 1 Orange
  • 1 Ei

 

  • 1 EL Zucker
  • 1 EL Fenchelsamen

 

 

3 EL Zucker in einem Topf erhitzen, bis er schmilzt. Jetzt die gem. Fenchelsamen und die Orangeschale hinzugeben und unter ständigem Rühren weiter erhitzen, bis eine gute Karamellfarbe erreicht ist. Das bedeutet braun, in RGB 192, 106, 35 oder als HEX-Code #c66a23. Jetzt den Milchreis hinzugeben und für ca. 1 Minute im Karamell lassen. Dabei die Hitze herunter stellen. Jetzt kommen Milch und Orangensaft dazu und der Milchreis wird unter viel Rühren fertig gekocht. Ganz am Ende noch ein Ei hineinrühren, dabei aufpassen, dass es nicht gerinnt. Das gelingt am Besten, indem man den Topf vom Herd nimmt und das Ei mit NOCH mehr Rühren hineingibt.

Optional kann man nun den Milchreis noch in kleine Schälchen füllen und kurz im Ofen anbacken.

Für das Fenchelkrokant wieder Karamell herstellen, Fenchelsamen rein, vom Herd nehmen und mit einem Löffel auf ein Backpapier verteilen. Wenn es abkühlt wird es so hart und kann zerschlagen und auf dem fertigen Milchreis verteilt werden. So gibt es einen schönen Kontrast in der Textur, der obendrein noch lecker schmeckt.

 

Das wars auch schon wieder. Es gab auch hier wieder ein oder zwei fehlgeschlagene Versuche. Wie zum Beispiel der Versuch, Äpfel in Sake, Fenchel und Sternanis einzulegen. Das war dann doch ein bisschen zu viel. Generell gilt aber: Fenchel wird zu wenig benutzt und sollte einfach öfter mal ausprobiert werden. Ich gebe mittlerweile in jede (Pizza-) Tomatensoße einen TL Fenchelsamen, gemahlen. Schmeckt man hinterher nicht raus, aber wenn man sie weglässt, schmeckt man den Unterschied. Aber ich mag auch den Geschmack von Fenchel, ein tolles Gemüse. 

 

 

 

Also auf, auf. Genießt die Sonne, warum nicht auch mal mit Fenchel!

 

 

 



Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen hier.

 

Politische Lindenblütenaktion

Lindenblütentee aus Wildsammlung mit konventioneller Auslobung und deklariertem Glyphosatgehalt

 

Ein Aufruf an die Politik und Bio-Warnstreik zugleich: Dämmt die Ackergifte der konventionellen Agrochemie ein!

 

 

 

 

“Seit ca. 2013 beobachten wir eine zunehmend beunruhigende Kontamination unserer Bio-Kräuter und –Gewürze mit Pestiziden, die aus der Agroindustrie in die Umwelt und dann in die Bio-Felder gelangen.”

 

Das bekannteste Pestizid: Glyphosat

Pestizide werden mittels Nanotechnologie immer volatiler konstruiert. Sie verbreiten sich durch Klimawandel-Phänomene unkontrollierter, und verteilen sich durch Wind, Staub, Regen und Überschwemmungswasser weiträumiger in der Natur, als zuvor angenommen. Der Pestizideinsatz steigt ungehemmt weiter. Unser Beispiel Glyphosat wird inzwischen im menschlichen Urin, Blut und Muttermilch gemessen. Ein Unrechtsbewusstsein der Agrarindustrie und Verbandsvertreter ist kaum erkennbar. Der Einfluss deren Lobbyisten auf die Politik ist so groß wie eh und je. Der Verbraucher- und Umweltschutzaspekt wird wie gewöhnlich negiert (siehe Dieselskandal).

 

Unsere “Politische Lindenblütenaktion”

Wir bringen einen Lindenblütentee aus traditioneller Wildsammlung heraus, der als „konventionell“ deklariert wird, mit ausgewiesenem Glyphosatgehalt.
Auf dem Rücketikett verweisen wir auf die Umweltproblematik und leiten zu diesem erklärenden Text weiter.
Glyphosat ist nur eines einer Reihe von Pestiziden, die den Bio-Bauern aller Kontinente große Probleme bereiten. Wir nehmen es für unsere Aktion als Beispiel.

 

 

 

 

 

Unser politischer Aufruf

  • Unsere „Politische Lindenblütenaktion“ ist eine Aufforderung an die Politik, die Pestizide der konventionellen Agroindustrie zu bändigen, und die Bio-Landwirtschaft sowie die Verbraucher davor zu schützen.
  • Die Umwelt bzw. die Natur ist ein Allgemeingut, und nicht der Besitz Einzelner oder einer Generation. Es erfordert Mut seitens der zuständigen PolitikerInnen, den LobbyistInnen standzuhalten. Genau das erwarten wir von den zuständigen Ministerien: langfristige Werte gegen kurzfristige Interessen zu verteidigen und vor der Zerstörung zu bewahren.
  • Es sollte kein Bio-Bauer, keine Bio-Bäuerin, durch unverschuldete Belastungen die Bio-Anerkennung und evtl. die Existenz verlieren. Bio-Anbau bringt selbst keine Ackergifte ein. Er darf nicht zur Risiko-Lotterie verkommen.
  • Die Folgekosten der ausufernden Pestizideinbringung durch Großbauern wie Kleingärtnern sollen auf die Verursacher zurückgeführt und dürfen nicht der Allgemeinheit angelastet werden.
  • Wir rufen die EU-Politik dazu auf, in wissenschaftliche Untersuchungen zu investieren und Kataster der Pestizidkontaminationen in den Mitgliedsländern zu erstellen.
  • Wir wünschen uns weltweite Gremien (z.B. an die UN oder an Wirtschaftsgipfel angebunden), die gemeinsam am Abbau des Chemikalieneinsatzes in der Landwirtschaft arbeiten. Dazu gehört ein Einsatz der Politik, der nationale Interessen überwindet. Genauso, wie es eine WHO und eine UNICEF gibt, brauchen wir auch ein Bodenhilfswerk.

 

Hintergrund

Das Pestizid-Grundrauschen hat unsere Linde erreicht. Die Glyphosat-Belastung der Blüten ist bei der 2017er Ernte aus verschiedenen Regionen Kroatiens im Durchschnitt bei 0,03 mg/kg analysiert worden. In Bulgarien und Ungarn wurden ähnliche bis höhere Werte gemessen. Die französische Ernte aus der berühmten Lindenblüten-Region Drôme war komplett ausgefallen, auch, weil die Toleranzwerte der französischen Behörden bezüglich der EU-Bio-VO restriktiver ausgelegt werden.

Wir befürchten, dass in ca. 2 Jahren die Lindenblüten wegen der kumulierenden Belastung aus der Bio-Verordnung herausfallen könnten. Die Linde ist unser Kulturbaum, Thing-Baum, Dorfplatzbaum, und fast jeder kann sich sofort den süßen, edlen Duft vorstellen, den sie Ende Mai/Juni so großzügig verströmt. Der wohltuende, wärmende Tee begleitet uns seit Jahrhunderten, belegt durch die Kräuterbücher seit Erfíndung des Buchdrucks. Die schockierende Vorstellung, dass es wegen der konventionellen Ackergifte im Bioladen keinen Lindenblütentee mehr gibt, könnte bald zur Realität werden.

Bei der Linde erfolgt die Kontamination mit größter Wahrscheinlichkeit durch den Regen. Glyphosat ist stark wasserlöslich. Vor der Lindenblüte waren bereits Löwenzahn, Schachtelhalm, wilder Hopfen und weitere bekannte, volksheilkundliche Pflanzen aus biozertifizierter Wildsammlung für den Bio-Bereich ausgefallen. Diese Pflanzen werden gerne wegen ihrer entgiftenden und reinigenden Wirkung in unseren traditionellen Frühlingstees verwendet. Genauso reinigen sie offensichtlich die Böden von den Kontaminationen der Agroindustrie, z.B. nach Regen und Überschwemmung und nehmen Ackergifte auf.

 

Komplikation EU-Bio-Verordnung

Die neue EU-Bio-Verordnung soll ab 2021 gelten, ist noch nicht verabschiedet, und es fehlen natürlich auch noch die europäischen und nationalen Durchführungsbestimmungen. Als sicher gilt, dass sie weiter prozessorientiert bleibt – also nicht der Laborwert entscheidet, ob etwas bio ist, sondern ob die Bio-Landwirte alles richtig gemacht haben.

Jetzige Situation: Zwar ist allen bewusst, dass die globale Umweltverschmutzung mit Pestiziden sich in Bioprodukten wiederspiegelt, aber die Auslegungen sind innerhalb der EU und auch innerhalb der deutschen Bundesländer ein Flickenteppich.

Mit unserer Aktion wollen wir auf das Ausmaß der Belastungen von Biofeldern oder Sammelgebieten durch Ackergifte der konventionellen Landwirtschaft aufmerksam machen.

Die Analysekosten steigen für Bio-Betriebe immens – und der Ausgang von Analysen wird unberechenbarer. Dabei arbeiten wir mit sehr langjährigen Partnern, die wir über viele Jahre analytisch schon beobachtet haben. Plötzlich wird verstärkt in der Umgebung abgeholzt, plus Extremwetter-Situationen, wo im konventionellen Bereich mehr Spritzmittel gebraucht werden, plus Anbau für Biosprit – wo alle Schranken fallen, da kein Lebensmittel.
Das passiert überall: in Argentinien, in den Balkanländern, aber auch in Brandenburg.
Wir melden dann die Kontaminationen an unsere Bio-Kontrollstelle, die sie bei Klärungsbedarf an unsere NRW-Landesbehörde weitermeldet. Die Ware ist bis zur behördlichen Freigabe mindestens 3 Monate, in der Regeln 6 Monate und länger, gesperrt. Die finanzielle Belastung und die drohende Deklassifizierung kann Betriebe gefährden.

Bei Produkten mit „Verarbeitungsfaktor“ (Trocknungsfaktor) wie Gewürze, Kräuter und Trockenfrüchten ist das Umweltproblem schneller sichtbar. Grenzwerte beziehen sich auf die frische Pflanze auf dem Feld. Dort ist in der Regel bei Bioprodukten nichts nachweisbar. Nach der Trocknung ist alles 4 – 10 mal konzentrierter durch den Wasserentzug, auch Pestizidkontaminationen sind nun analytisch messbar.

 

Nulltoleranz bei Bio-Produkten?

Null Rückstand bei Bioprodukten – eine wünschenswerte Vorstellung, die heute erst recht nicht mehr der landwirtschaftlichen Realität entspricht. Schon ab den früher 80er Jahren hat die Biobranche mit entsprechenden Aktionen auf ubiquitäre Belastungen hingewiesen, obwohl die Analytik damals bei weitem noch nicht auf dem heutigen Stand war. Deren Technik und Software hat sich parallel zum – und bedingt durch – den weiterentwickelten Pestizidseinsatz ebenfalls entwickelt, so ähnlich wie Fahrradschlösser und Fahrraddiebstahl sich gegenseitig in der Entwicklung ihrer Fertigkeiten antreiben.

Im Vorgriff auf die neue EU-Bio-Verordnung akzeptieren einige EU-Mitgliedsländer bereits seit 1 – 2 Jahren keinerlei Kontaminationsrückstände mehr bei Bio-Produkten. Dorthin ist kaum noch ein Export von Bio-Gewürzen möglich.

 

Zur Einordnung von Mess- und Grenzwerten:

Bei der Bewertung eines Bio-Produkts ist der BNN-Orientierungswert bzw. die Nachweisgrenze hilfreich: Liegt die gemessene Belastung nicht höher als 0,01 mg/kg bezogen auf die Frischpflanze, geht man von einer ubiquitären Belastung aus. Darüber löst man einen Cross Check aus – es wird noch mal geprüft, ob ein Fehler oder Betrug vorliegt. (Das System wird von unserem Branchenverband BNN ständig weiterentwickelt und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst.)

In Deutschland wird die Nachweisgrenze 0,01 von einigen Bundesländern so akzeptiert, andere sperren dann bereits die Ware oder tolerieren nicht die Trocknungsfaktoren. Einige EU-Mitgliedsländer haben in ihrer Interpretation der Verordnung eine Null-Toleranz für Rückstände bei Bioware, der Export dorthin wird gerade bei Gewürzen zum Bumerang.

Zu unserem Beispiel Lindenblüte mit ca. 0,03 mg/kg Glyphosat: Wegen des Trockungsfaktors wird der Wert für die Bewertung durch 4 geteilt, und dann noch mal durch 2 für eine typische Messunsicherheit von 50%, das wären 0,00375mg/kg für die frische Pflanze.
Wer weiterrechnen möchte: für 1l Tee benötigt man 10g getrocknete Droge – in unserem Beispiel würde man mit dem Liter Tee insgesamt 0,0003 mg Glyphosat aufnehmen.

Der gesetzliche Rückstandshöchstwert für Glyphosat in Tee und Kräutertee, der auch für Bioprodukte gilt, ist 2mg/kg.  Die Linde hat im Register der HöchstmengenVO für Glyphosat sogar einen eigenen Eintrag, obwohl es weder sinnvoll noch zielführend ist, eine Linde mit Glyphosat zu entlauben odet abzutöten. Das zeigt, dass das Kontaminationsproblem bekannt ist, und sich Lobbyisten schon für einen Grenzwert stark gemacht. Für Getreide wie Weizen liegt der Höchstwert sogar bei 10 mg/kg, für Gerste und Hafer bei 20mg/kg, da das Pestizid typischerweise zur Abtötung des Ernteguts zur leichteren Ab-Ernte angewendet werden darf (Siccation). Interessanterweise ist der zulässige Höchstwert bei wildgesammelten Pilzen bei 50mg/kg. Für sonstige pflanzliche Lebensmittel ist er 0,1 mg/kg. Solche Höchstwerte werden auch unter Machbarkeitsaspekten erstellt, und wir erwarten, dass sie in nächster Zeit sukzessive hochgesetzt werden.

Der Vollständigkeit halber erwähnen wir hier auch noch den Daily Intake. Die europäische Behörde EFSA sowie das deutsche BfR empfehlen eine duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI) von höchstens 0,5 mg/kg Körpergewicht, das wären für eine Person, die 60 kg wiegt, bis zu 30 mg Glyphosat pro Tag.

 

Wer sich in die komplexe Materie vertiefen möchten, findet viele weitere Informationen auf der Website http://www.panna.org/ (USA) oder http://www.pan-germany.org/ (Pesticide Action Network Deutschland)

 

Heinz Gasper und  Ursula Stübner

 

Foto: Lindenblüten-SammlerInnen in Kroatien © Terra Magnifica

Biofach 2018

BioFach 2018 – Bericht

 

Ein Heuschrecke-Bericht über die BioFach und TOSF-Konferenz

 

Unser Biofach-Stand in vollem Glanz

 

 

Leitthemen

 

Diese BioFach-Messe (die 29ste, wir waren auf fast allen dabei) war ein kleines bisschen anders. Es ging weniger um noch ein neues Convenience-Bioprodukt, noch eine Innovation, sondern um Zukunft. Die neue, junge Bio-Generation war Thema, z.B. Start-Ups, Trainee-Manifest, oder die zweite Generation, die jetzt gerade die Betriebe der Eltern übernimmt. Zweites Leitthema war die Saatgut- und Tierzuchtforschung.

Im weltweiten Wettlauf um Rohstoffe und Lebensmittelumsatz ist deutlich ein Umbruchpunkt für die altbekannte Biobewegung erkennbar: Schafft die Bio-Branche es, ihr Leitbild für eine gesunde Umwelt für alle – ohne Pestizide – weiterhin mit Kraft zu durchzusetzen? Oder sind die Regierungen, die an den Stellschrauben sitzen, durch die vielen anderen Probleme so getrieben, dass es ein Roll-Back im Umweltschutz gibt – so scheint es jedenfalls zur Zeit.

 

Neuprodukt 1: Eine mildere Chili aus Tansania
Neuprodukt 2: Extrem scharfe Bird’s Eye – Chili aus Uganda

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BioFach und Politik

 

Kurz vor der Messe hatte der amtierende Bundeslandwirtschaftsminister die Weiterzulassung des prominentesten Ackergiftes Glyphosat ermöglicht (siehe auch unsere kleine Twitterkampagne – wir berichteten).

Auf der BioFach durften wir unsere NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze-Föcking kennenlernen, die aus der konventionellen Tiermast-Landwirtschaft kommt (Westfalen – Gülleland), eine zugewandte und freundliche Politikerin, die hoffentlich durch die BioFach-Messe einen besseren Zugang zur ökologischen Landwirtschaft gewinnt.

Bioland-Chef Plagge forderte passend auf der Messe von der Politik ein bundesweites Kataster für Pestizidbelastungen. Wir würden ergänzen: europaweit. Die unverschuldeten Pestizidkontaminationen aus der konventionellen Agroindustrie bedeuten für viele Bio-Rohstoffe die Deklassifizierung. Die neue Bioverordnung ist so angelegt, dass das Problem durch Meldepflicht geringster Kontaminationsspuren und direkter Sperrung eher verschärft wird. Während Pestizide weiter boomen, wird der Bio-Anbau oder die biozertifizierte Wildsammlung immer mehr zum Risiko für die Bauern.

Jetzt noch mal von Beginn.

Für uns beginnt die Messe bereits Montags mit dem Standaufbau.

Dienstags findet dann traditionell unsere Konferenz „Trust Organic Small Farmers“ (TOSF) statt. TOSF ist eine Initiative von Kleinbauernprojekten aus z.Zt. Indien (PDS, TPI), Sri Lanka (SOFA) und Südafrika (Wupperthal Cooperative), sowie gleichgesinnten Importeuren und Händlern aus verschiedenen Ländern. Den größten Teil der Konferenz nimmt ein Sharing ein: Jedes Projekt und Unternehmen erzählt aus dem vergangenen Jahr, über Neuerungen, Änderungen, und auch über Probleme aller Art. Die Offenheit und das Vertrauensverhältnis in dieser Gruppe ist in dieser Hinsicht wirklich etwas Besonderes und eine Chance.

 

Teefelder nach mehrmonatigem Streik in Darjeeling 2017
Gautam schreibt: “In these pictures what you see are weeds that have overtaken the tea fields. So whatever overgrowth or green matter you see in these pictures has tea bushes underneath.”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „Trust Organic Small Farmers” – Konferenz

 

Von Links: Unsere französischen Kolleginnen Arlette und Aurelie, Father Jilson (PDS), Praveen, Ashwini und Gautam (TPI),

 

Dieses Jahr war es die 12. Konferenz. Ging es in den ersten Jahren noch darum, Kleinbauernprojekte überhaupt erst bekannter zu machen, nahmen uns die Weltagrarberichte Nr.1 und Nr.2, sowie der Welthungerbericht dann diese Arbeit ab. Diese wissenschaftlichen Berichte zeigen, dass die zukünftige Welternährung nur durch Bio-Kleinbauernlandwirtschaft gesichert wird, denn die Agro-Industrie wird langfristig die Ressourcen Land und Wasser eher zerstören um kurzfristig Profite einzufahren. Die Kosten werden sozialisiert und künftige Generationen daran zu tragen haben.

Wupperthal Original Rooibush Cooperative: Salome aus dem Vorstand mit einer jungen Kollegin, und Berater Bennie

Ab ca. 2013 wurde mit feineren Labormethoden erstmals das Ausmaß der Umweltverseuchung durch Pestizide und weitere Stoffe (z.B. MOSH/MOAH) sichtbar. Manche Stoffe wie Glyphosat konnten erst ab da standardmäßig überhaupt erfasst werden.

Die unbeabsichtigten Pestizidkontaminationen bei Bio-Ware war auf vielen und auch dieser Konferenz ein großes Thema. Seit der Konferenz 2015 können die Projekte konkret über die Auswirkungen des Klimawandels berichten. Die Temperaturkurven des Tages verschieben sich, was neue Pilzkrankheiten mit sich bringt. Die Erntezeitpunkte fallen plötzlich in den Monsun, auch das ist gefährlich für die Qualität der Ware. In anderen Ländern bringt die Trockenheit die langjährigen Sträucher zum Absterben, so bei

Ritual: Nach der Eröffnungsrede der Chairwoman (Ursula) folgt das Sharing:
Von Links: Gautam (TPI, Indien), HeiDi und Ursula (Heuschrecke), Sunil (PDS, Indien), Bernard (Präsident SOFA, Sri Lanka), Claudio (Altromercato, Italien)

Rooibusch oder auch bei Tee – ein Anblick, der einem die Tränen in die Augen treiben kann. Im konventionellen Umfeld wird dann z.T. wie verrückt gespritzt, um der neuen Bedingungen Herr zu werden, das driftet wiederum verstärkt in die Ökofelder.

Unsere Projektpartner wünschen sich mehr Forschung für natürliche Pflanzenschutzmittel, die in der Biolandwirtschaft eingesetzt werden können. Letzten Endes würde das allen nutzen (he, Bayer, Paradigmenwechsel …).

Das andere Thema, was die Kleinbauernprojekte bewegt, ist der fehlende Nachwuchs. Die jungen Leute zieht es in die Stadt. Wie überall auf der Welt hat der Beruf Bauer viel zu wenig Wertschätzung. Ein größerer Teil der Investitionen geht daher in Schulungen und fachliche Begleitung der Mitglieds-Bauern.

Jormon von PDS aus Indien , und Frederica aus Südafrika – beide sorgen dafür, dass die Container gut bei uns ankommen.

Gautam von TPI (Darjeeling-Tee) berichtet noch einmal über die Auswirkungen des Streiks. Es war im Grunde ein Drama: Die Gurkhas waren nach 6 Monaten politischen Streiks, ohne jegliche Einkünfte, regelrecht ausgehungert. Das politische Problem ist leider nicht gelöst. Die Teefelder verwandelten sich in einen Dschungel, und es brauchte mehrere Monate, die Felder wieder zu bearbeiten, das Unkraut herauszuhacken und die Teesträucher – fast Bäume jetzt – in mehreren Stufen wieder zu beschneiden. Für die Pflanzen war es wohl die längste Ruhepause ihres Lebens, es gab 2017 nur 10% Ernte, der Streik hatte tragischerweise keine Ergebnisse, und so brodelt es weiter in Darjeeling. Die Ernte 2018 wird ebenfalls noch knapp und deutlich teurer ausfallen.

In einer lebhaften Diskussion wurde die Zukunft von Kleinbauernprojekten eher skeptisch gesehen. Der politische Wille, diese kleinteilige Art von Landwirtschaft wirklich zu erhalten, fehlt sowohl in Europa, als auch in anderen Erdteilen. Typischer ist, wie Gautam konstatierte, ein besorgniserregendes Level an Konzentration auf der ganzen Welt, nur ein aktuelles Beispiel: Whole Food und Amazon.

 

 

 

 

 

Die Messe

 

Eins dieser interessanten Zusammentreffen : Severijn von Het blauwe Huis in Holland, unsere NRW – Landwirtschaftsministerin Schulze -Föcking, wir von der Heuschrecke, und unser Vanillepartner aus Madagaskar.

 

 

Mittwoch dann der Messe-Beginn. Dienstag noch Baustelle, erscheinen Hallen, Stände und Menschen nun in strahlendem Glanz. Samstag Abend ist innerhalb von 15 Minuten der Glamour wieder rückabgewickelt … jedes Mal ein Faszinosum.

Als Neuheit stellten wir ein kleines Chili-Programm vor, in 2 verschiedenen Schärfegraden jeweils Chili ganz, Chili crushed, und Cayenne gemahlen. Bei Pfeffer gibt es ja schon längst ein ausgefeiltes Spezialitäten-Programm. Wir möchten nun gerne im Chili-Sortiment auch mehr in die Tiefe gehen.

Messe-Begegnung: Guszti und Werner. Beide sorgen dafür dass wir unseren hervorragenden ungarischen Paprika bekommen.

Außerdem gab es neue Tees bei uns, darunter endlich Stevia-Blatttee, der erst seit gut einem halben Jahr erlaubt ist (Novel-Food-Bürokratie).

Die BioFach-Messe hat für uns immer etwas Festliches. Wir treffen natürlich unsere Kunden und sprechen nicht nur über Ökobusiness – manche kennen wir bisher nur vom Telefon. Es wird philosophiert, politisiert und rumgesponnen.

Unsere Lieferanten kommen z.T. über 10.000km angereist, auch eine Freude, sie zu sehen. Viel geht um Vernetzung: A und B zusammenzubringen und etwas sinnvoll Neues daraus erwachsen zu lassen. Es gibt manchmal schon sehr verrückte Situationen, wenn am Stand zufällig Menschen zusammentreffen, die sonst nie im Leben zusammenkämen.

Dieses Jahr war es nach unserem Eindruck die erste BioFach, wo wir mehr Englisch als Deutsch gesprochen haben, und etwa 50:50 Lieferantenanfragen und Kundenanfragen betreut haben. Es gab schon immer die Scharen von allen möglichen Verkäufern, die zwischen den Kunden Zeit erhaschen wollen – dieses Jahr war es noch mehr, auch Bauern sind dabei. In manchen Jahren spiegeln die Bauernanfragen die politischen Situationen wieder – vor ca. 4 Jahren waren es auffallend viele portugiesische junge Menschen, die aus den Städten zurück auf das Land der Vorfahren wollten. Auf der Messe möchten sie herausbekommen, welche Kräuter oder Gewürze gerade gefragt sind. Im Folgejahr waren es junge Griechen. Dieses Jahr einige aus dem Hunsrück (vielleicht bekommen wir in ein/zwei Jahren Cannabistee aus dem Hunsrück). In diesen Gesprächen warnen wir mittlerweile davor, einfach etwas nach Mode-Wellen anzubauen. Das wichtigste ist, herauszubekommen, was auf dem eigenen Boden gut (traditionell) und sicher wächst. Sonst scheitert das Neubauernprojekt nach wenigen Jahren.

Eine schöne Innovation: Orangenwein, zufällig gefunden.

Es ist gut, dass auch die Kontrollstellen (und Labore) auf den Messen vertreten sind. Dann ist z.B. eine Konferenz wegen unverschuldeter kontaminierter Mate mit Glyphosat (Klimawandel-Problem, Wald-Raubbau, konv. Monokulturen) zwischen unserer Kontrollstelle, der argentinischen Kontrollstelle, uns und dem argentinischen Anbauer möglich. Es gibt natürlich formale Wege, die Monate und Monate dauern, um die Bio-Qualität trotz Kontamination zu bestätigen, aber auch viele Fallstricke, um sich im Bürokratiedschungel aufzuhängen. Doch letztes Endes darf nach bisheriger Gesetzgebung ein Bioprodukt nicht seine Anerkennung verlieren, wenn der Bauer keine Fehler gemacht hat. Die persönlichen Gespräche bauen zumindest die kulturellen Hürden ab, was nicht zu unterschätzen ist.

Die interessantesten Produkte dieses Jahr auf der Messe – unsere kleine Heuschrecke – Auswahl:

  1. Orangenwein aus Katalonien, professionell gekeltert aus Orangen. Riecht wie ein frischer Sommerweißwein, und schmeckt erst im Abgang nach Orangen, sehr fein beschwingt. Also wirklich ein Wein.

  2. Eine schwarze Cardamom-Varietät aus Vietnam, eine Sorte groß wie eine große Muskatnuss und auch so glatt – zum Verwechseln. Im Geschmack fast parfümartig aromatisch mit einer interessanten, spritzigen Schärfe.

 

Messe-Ende: Glanz und Gloria für dieses Mal vorbei.

 

 

Die Messe – Abende

 

Mittwochs abends ist immer der große Empfang des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), unserem Branchenverband. Hier treffen wir die anderen Verbandsmitglieder, andere Bio-Verbände und auch Politiker sind dort eingeladen. Manche Menschen kennt man seit 40 Jahren …

Donnerstags findet ein langer Abend der Messe statt. Unternehmen aller Nationalitäten laden zur Stand-Party ein, ein Flanieren durch die Hallen, sogar mit Tanz bei sehr lauter Live-Musik.
Freitag abends haben wir einen fast historisch zu nennenden Termin. Wir gehen immer zum gleichen Italiener essen, mit unseren Freunden von den Kräuterbetrieben Het Blauwe Huis aus Holland und Herbier du Diois, gegründet vom Amsterdamer Ton Vink in Frankreich. Vor über 35 Jahren fing unsere Zusammenarbeit mit diesen beiden Betrieben an.

Am Samstag gibt es seit 3 Jahren eine neue Tradition: nach dem Messe-Abbau chillen wir gemeinsam mit unseren Kleinbauernpartnern von TOSF beim Thailänder. Es kommen 4 Kontinente und 5-6 Länder am Tisch zusammen. Jecke Gespräche kommen in dieser Runde auf, dieses Jahr über Darwins Evolutionstheorie (ein Bauernberater outet sich als Kreationist – schwerer Posttruth-Tobak mit unserem limitiertem Englisch-Wortschatz …) und extraterrestrischem Leben, über die Relativitätstheorie und der Unendlichkeitszahl Pi, die beide zuerst in Indien entdeckt worden sein sollen … ein entspannt-angeregter Messeausklang.

 

Chillen nach der Messe in trauter Runde mit unseren Trust Organic Small Farmers Kollegen.

 

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

 

Joshuas Gewürzreise: Koriander Samen

Koriander-Samen: Ein absoluter Alleskönner

 

Koriander Samen sind ein wahnsinnig vielseitiges Gewürz. Hauptsächlich eingesetzt in der indischen und der nordafrikanischen Küche kam dieses südliche Gewürz durch die Römer auch in unsere Bauerngärten. In einem Linsencurry, in einer Fischsuppe oder sogar in Backwaren, es findet seinen Weg in die verschiedensten Gerichte. Doch wie schmeckt es eigentlich alleine? Meistens ist es in einem wilden, hocharomatischen Gewürzwust, wie z.B. Garam Masala untergebracht. Das gilt es dieses Mal herauszufinden.

So viel vorab: Der Geschmack wird als zitronige, und doch warme, nussige Note beschrieben. Es kann so in süßen Desserts mit Obst fast wie Zimt eingesetzt werden, oder in herzhaften Eintöpfen als eine angenehme Grundlage. Doch es ist in den meisten Rezepten einfach da, eine gute Basis, die man nicht vermissen möchte. Es kann zu quasi jedem Essen beigegeben werden und ist nicht fehl am Platz, denn es ist sehr vielseitig, kann sich anschmiegen, Lücken füllen. Es kann gemahlen eingesetzt werden, oder wie Pfefferkörner ganz mitgekocht werden. Doch wenn man zu viel benutzt, dann weiß man es – Dazu später mehr.

Klare Sache: Koriandersamen kann man gemahlen kaufen. Doch legt man Wert auf ein volles Aroma, führt kein Weg am frisch Mahlen vorbei. Ebenso wenig am Anrösten. Die Hitze lässt das Aroma erst richtig zur Geltung kommen, verbreitet es im Haus und hoffentlich im Gericht.

 

Zum Foto: Wir haben den dunkleren und aromatischeren Winterkoriander vom Bioland-Kräuterbauern Alfred Hamman (Koriander ist oft heller (Ägypten) und weniger aromatisch als unserer)

 

 

Ein Umweg in die Ideenfindung der Koriander-Rezepte

Der nächste Absatz ist eine Hintergrundgeschichte, die für die Rezepte nicht relevant ist. Da die meisten Rezept-Blogs mittlerweile so aufgebaut sind und mich das stört, werde ich einfach die Option geben, das ganze zu überspringen.

 

Und doch will es aufgeschrieben werden.

Koriander hat bei mir eine Weile gedauert. In letzter Zeit bin ich großer Fan dieses feinen und doch manchmal recht dominanten Gewürzes. In diversen Linsen- oder Bohnenrezepten, zu Pfannengerichten, für mich gehört Koriander häufig dazu. Doch jetzt, wo ich mit Koriander kochen und ihn zur Schau stellen will, konnten mich meine Gerichte nicht zufrieden stellen – Was mich nur umso mehr gestört hat.

Normalerweise habe ich, bevor ich überhaupt anfange, schon eine ziemlich genaue Vorstellung, in Bezug auf die Zutatenliste und den Geschmack. Mein Ziel in diesem Format ist es, die Gewürze gut zur Schau zu stellen. Das bedeutet, dass hier nicht unbedingt die klassischen Gerichten auftauchen, sondern manchmal reduzierte Rezepte, Rezepte mit Zugabe eines sonst untypischen Gewürzes oder Rezepte, die mit dem Gewürz spannend – wenn auch nicht alltagstauglich – werden. So soll veranschaulicht werden, wie das Gewürz tatsächlich schmeckt oder wie man das Gewürz einsetzen kann, um neue Nuancen zu kreieren.

Und bei Koriander war es schwierig. Lange kam mir keine Idee. Mein erster Einfall war ein Karotten-Kuchen mit Koriander. Doch am Ende war es nicht das Richtige. Koriander passt gut in Karotten-Kuchen, jedoch nicht in der Menge, dass man ihn klar herausschmeckt.

 

Das Resultat: Für ca. 1 Kg Masse sind mir 2 EL hier zu viel Koriander. Der nächste Einfall war ein Mung Daal / Moong Dal – ein Bohnenrezept mit gelben Mung-Bohnen. Auch hier gehört klassisch Koriander rein – klar. Doch auch hier war ich nicht überzeugt. Klar – lecker, aber zu klassisch. Nach meinen Ansprüchen nicht für dieses Format – zumindest nicht dieses Mal. Das nächste war ein halbwarmer Tomatensalat – einer meiner Favoriten. Weil ich ihn so gerne mag, werde ich auch das Rezept aufschreiben, weiter unten. Doch am Ende des Tages, obwohl ich drei Rezepte hatte, hatte ich nicht das Gefühl fertig zu sein. Also habe ich überlegt, herumgeschaut, bis mir dann die Idee kam. Saisonalität – Eigentlich ein so zentraler Punkt in der Küche, hab ich es doch in diesem Rahmen oft außer Acht gelassen. Und so, nach einem weiteren Einkauf, hab ich wieder Inspiration und Lust gefunden und nochmal von vorne angefangen.

 

 

Ende des langen Textes. Kurzform: Manchmal braucht es 2 Versuche und ein neue Perspektiven.

 

 

 

Zu den Rezepten

 

Erstmal ein paar Koriandersamen rösten und frisch mahlen, denn jetzt wird gekocht. Es gibt ein interessantes Getränk, dass man einmal ausprobieren sollte: Koriander-Ingwer-“Kaffee” (Sukku Coffee). Dazu wird Wasser aufgekocht, 1 EL Koriandersamen und ein Stück kleingeschnittenen Ingwer hinzugegeben und für 3 Minuten kochen gelassen. Das ganze wird dann abgesiebt und traditionell mit viel Zucker getrunken. Ich habe es in Milch kochen lassen. So entsteht ein sehr aromatischen Getränk, das leicht süßlich, fein aromatisch und angenehm wärmend ist. Für die kalten Tage eine interessante Alternative zu Kakao. Jetzt aber essen – ich habe schon Hunger.

 

Warmer Topinambur Apfel Salat

 

 

Topinambur ist manchmal so unzugänglich, wie die Schreibweise es vermuten lässt. Manche mischen es gerne unter Kartoffeln, doch ähnlich wie Selleriepüree, ist mir das zu intensiv für die Kartoffeln. ABER – mit Koriander lebt es in einer aromatischen Harmonie. Die Äpfel und Frühlingszwiebeln bieten den notwendige Kontrast, sodass ein wirklich runder Geschmack entsteht.

 

Zutaten:

  • 200g Topinambur
  • 200g Apfel
  • 1 TL Koriandersamen
  • Saft einer Orange
  • 1/2 TL gemahlene Koriandersamen
  • 1/3 Frühlingszwiebel
  • Gehackte Nüsse (Mandeln, Haselnüsse, etc)
  • Salz, Olivenöl, Butter, Essig, Pfeffer

 

In einer Pfanne auf mittlerer Hitze die Butter zerlassen und die ganzen Koriandersamen hinzugeben. Für Bonuspunkte und mit echter Butter kann man hier die Butter zu brauner Butter werden lassen, um einen angenehm nussigen Geschmack zu entwickeln. Während die Butter erhitzt und die Koriandersamen die Butter aromatisieren, wird der Topinambur geschält und in dünne Scheiben geschnitten. Dann die Scheiben in die warme Pfanne geben und bei mittlerer Hitze andünsten. In der Zeit den Apfel in gleichdicke dünne Scheiben schneiden und in einer kleinen Schale das Dressing anrühren. Dazu 3 EL Olivenöl mit dem Orangensaft, dem gemahlenen Koriander, Salz, Pfeffer und ein wenig hellem Essig anrühren. Es soll süßlich bleiben, also nicht zu viel Essig, ca. 1/2 EL.

Den Topinambur, dem schon ganz warm geworden ist, wenden. Das Ziel ist kein angerösteter, sondern lediglich warmer, etwas weicher gewordener Topinambur. Das ganze dauert so ca. 5 Minuten.

Dann gehts auf zum Servieren: Die Scheiben abwechselnd, aufeinander oder wie das eigene kreative Auge es gerade möchte auf einem Teller garnieren. Einzelne Samen können gerne auch auf den Teller. Dann das fertige Werk mit Dressing beträufeln und mit ein paar gehackten Nüssen bestreuen. Zu guter Letzt ein paar fein geschnittene Frühlingszwiebeln und schnell servieren.

 

Aromatisierter Kartoffelbrei

 

 

Meine Liebe zu Kartoffelbrei ist kein Geheimnis. Sollte mal etwas Abwechslung von klassischem Kartoffelbrei gefragt sein, ist es eine wunderbare Idee, dem fertigen Brei aromatische Zutaten unterzumischen, um weitere Dimensionen in das fluffige Wolkengericht zu bringen. In letzter Zeit ist eine meiner Liebingskombinationen aus Gewürzen Koriander und Oregano. Diese Mischung sollte auch ihren Weg in diesen Blog finden, und diese Rezept bietet dafür eine fantastische Möglichkeit.

Die Zubereitung von Kartoffelbrei werde ich hier nicht nochmal ausführen. Ich bitte einfach darum, Euer/Ihr Bestes zu geben und das eigene Lieblingsrezept zu verfolgen.

 

Zutaten:

  • Kartoffelbrei (Sehr lecker)
  • 200g Pilze
  • 200g Lauch
  • 1.5 TL Koriandersamen
  • 1 TL Oregano
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 Schuss Weißwein
  • 1 EL Sojasauce
  • Salz, Pfeffer, Olivenöl
  • Das optional, doch eigentlich obligatorische Ei

 

Während der Kartoffelbrei zubereitet wird, Olivenöl in der Pfanne erhitzen und die Pilze in Scheiben darin anbraten. Hohe Hitze bitte, denn Pilze haben viel Wasser, sollen aber trotzdem angebraten werden. Nach 5 Minuten in Scheiben geschnittenen Lauch und eine gehackte Zehe Knoblauch dazu geben und die Hitze etwas reduzieren. Nach weiteren 3-4 Minuten nun das Tomatenmark in die Pfanne geben und leicht anrösten. Jetzt die Gewürze hineinstreuen, alles vermengen und für 1-2 weitere Minuten anbraten lassen. Mit dem Schuss Weißwein, am besten nicht zu sauer und einem EL Sojasauce ablöschen. Die Pfanne dabei von all den guten angebrannten Stücken befreien – die sollen auch in den Brei. Die Pfanne vom Herd nehmen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Ist der Kartoffelbrei fertig, ist der Zeitpunkt gekommen um ein gutes Spiegelei zuzubereiten. Währenddessen die Aromamischung vorsichtig unter den Brei heben. Es soll keine perfekte Masse werden, das Püree soll von der Mischung durchzogen sein. Mit dem Ei servieren und essen, bevor es kalt wird, bitte.

 

Mango-Käseküchlein

 

 

Und schon ist wieder Dessert-Zeit. Und Zeit sich von der Saisonalen Küche wieder zu verabschieden.

Wie bereits angesprochen, eignet sich auch hier der Koriander um die klassischen Rezepte zu unterstützen. Gerade mit Zitronenschale und Zucker kommen die Samen gut zur Geltung und sorgen für eine aromatische Komponente, die man sonst kaum im Käsekuchen erwartet.

 

Zutaten:

  • 500g Joghurt
  • 2 Eier
  • 2 EL Zucker
  • 1 TL, wer sich traut, sogar 2 TL gemahlenen Koriander
  • 3 EL Mangopüree
  • 2-3 EL Speisestärke
  • 2 fein gehackte größere Stücke Zitronenschale
  • Saft einer großen, halben Orange
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Vanille

 

Zum Koriander: Ich habe 6 verschiedene Tests gemacht. 1 TL Koriander ist gut, 2 TL Koriander ebenso, schmeckt bloß mehr nach Koriander. Natürlich dementsprechend alles dazwischen. Hier kann gerne selber etwas variiert werden.

In einer Schüssel alle Zutaten gut vermengen und für 2-3 Minuten leicht cremig schlagen. In der Zeit kann der Backofen auf 180 Grad erhitzen. Jetzt hat man die Wahl, ob man kleine Küchlein, einen größeren, oder meinetwegen Minidinosaurier aus der Masse gießen möchte. Ich entschied mich, Muffinformen zu benutzen, da ich in letzter Zeit großer Freund von kleinen Formen bin. Die einfetten und mit ein bisschen Zucker und Speisestärke bestäuben, dass sich die kleinen Kuchen später gut lösen. Nun abhängig von der Form der Wahl den Käsekuchen fertig backen. Er soll fest werden, das kann man gut mit einem Finger überprüfen.

Super Tipp: Wer nicht so ungeduldig ist wie ich, der sollte den Backofen kurz vorher ausmachen und den Kuchen im Backofen abkühlen lassen. Sonst fällt er zusammen und man muss ihn im Glas anrichten. Sieht zwar auch gut aus, ist aber bloß ein lahmer Trick.

Falls man nicht die Geduld einer lauernden Katze hat, gibt man die eingefallenen Küchlein abwechselnd mit ein bisschen extra Mangopürree in ein Glas und bestäubt das Ganze mit einer kleinen Prise Cayennepfeffer und Kokosraspeln. Für ein bisschen Farbkontrast können entweder Korianderblätter oder Minzblätter sorgen, die gerne mitverzehrt werden können.

 

 

Bonusrezepte

 

 
 
Mini-Bonus Rezept: Warmer Tomaten-Zwiebel Salat

Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich das Rezept nicht schonmal geschrieben habe. Gefühlt ja, aber vielleicht bilde ich mir das nur ein. Trotzdem eine absolute Empfehlung. Der Koriander untermalt die warmen, süßen Geschmäcker von Tomate und Zwiebeln ganz wunderbar.

2 Zwiebeln, geschnitten mit Olivenöl auf mittlerer Hitze in der Pfanne dünsten. Für gute 10-15 Minuten, ohne sie anbrennen zu lassen. Dann ca. 1/2 EL gemahlenen Koriander dazu. Jetzt kommen die Tomaten dazu, gewürfelt und in Eile, denn sie sollen nicht lange in der Pfanne bleiben. Quasi direkt mit Salz und Pfeffer würzen und mit Balsamico ablöschen. Zum servieren mit gutem Olivenöl abrunden. Schmeckt wunderbar zu frisch getoastetem italienischem Bauernbrot. Auch hier kann noch Oregano dazu gegeben werden, um eine würzigere Kräuternote in das Gericht zu bringen.

 

Himalaya-“Ketchup”

Dieses Rezept habe ich mehr oder weniger zufällig gefunden. Es ist nicht meins, es hat mir nur gut gefallen und es enthält Koriander. Ich habe es für meinen Geschmack etwas verändert, also lade ich dazu ein, es mir gleich zu tun. 

5cm Stück frischen Kurkuma, 3cm Stück frischen Ingwer und 3 Zehen Knoblauch zerreiben. Mit 1 EL gemahlenen Koriander, 1 EL gem. Kreuzkümmel, 1/2 EL gem. Schwarzkümmel, 1/2 EL gem. Zimt, 1/2 EL Senfsamen, 2 EL Chilipulver und 1 frische Chili in ein wenig Öl anschwitzen und mit 75 mL Apfelessig ablöschen. Wer mag kann hier nochmal ebenso viel Zucker dazugeben, danach war mir aber nicht. Jetzt 2 Dosen gehackte Tomaten hinzugeben und auf kleiner Hitze mindestens 1 Stunde köcheln lassen.

 

 

So. Für mich war das eine Geschichte auf Umwegen. Doch jetzt ist es fertig und ich wünsche einen guten Appetit. Bis bald!

 

 



Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen hier.

Kurzrezept: Apfeltaschen mit Zimt

 

In der Familie haben wir einige begabte Köche und Bäcker. Darunter auch Ursulas Bruder, Bernhard. Zu Weihnachten und Co gibt es so ab und an diese fantastischen Apfeltaschen. Noch leicht warm versprühen sie einen leicht süßlichen, einladenden Duft nach Hefe, Äpfeln und Zimt, der kurz die Zeit und alle Sorgen vergessen lässt. Nachdem er immer wieder von der Familie nach dem Rezept gefragt wurde, haben wir es nun endlich bekommen – mit der Erlaubnis es in unserem Blog weiterzugeben. Hier ist es, verfasst vom Bäcker Bernhard persönlich, minimal zur besseren Leserlichkeit überarbeitet.

 

 

Die Apfeltaschen in ihrer vollen Pracht

 

Zutaten:
  • 175 g Butter
  • 250 ml Milch
  • 500 g Weizenmehl
  • 75 g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 Messerspitze Vanille
  • 1 Prise Salz
  • 500 – 700 g Äpfel, am besten Boskop
  • Zucker und Zimt

 

Vorbereitung:

Backschüssel warm stellen, z.B. im Backofen bei 40 Grad.
75 g Butter in kleinen Topf geben
250 ml Milch dazu und auf dem Herd lauwarm erwärmen.

 

Zubereitung: 

Man kann bei Hefeteig zwei Fehler machen:
1. Die Zutaten sind zu kalt, dann dauert es ewig, bis der Teig geht.
2. Die Zutaten sind zu heiß, dann geht die Hefe ein und der Teig gar nicht mehr.
Also auf die richtige Temperatur achten.

 

500 g Weizenmehl in die Backschüssel sieben.
75 g Zucker in ein kleines Schälchen geben.

1 Messerspitze Vanille hinzugeben.
1 Päckchen Trockenhefe dazu und vermischen. Danach in die Backschüssel kippen und vermischen.
1 Prise Salz dazu.
1 Ei in das kleine Schälchen geben.
Die lauwarme Milch mit der geschmolzenen Butter dazugeben und das Ei hin zugeben.

 

Mit einem Handmixer und Knethaken zuerst bei niedriger Stufe zu einem Teig verarbeiten. Wenn es nicht mehr staubt, den Mixer auf die höchste Stufe stellen. Etwas 5 Minuten den Teig kneten. Das lange Kneten ist wichtig. Man merkt, wie der Teig mit der Zeit immer feiner wird.
Den Teig warm stellen, auf der Heizung oder im Backofen bei etwa 40 Grad bis er auf doppelte Höhe aufgegangen ist.
Bis hierhin hat man einen tollen Hefeteig, aus dem man auch einen Hefezopf machen kann.

 

Weil sie so schön sind, nochmal in Nahaufnahme

 

Einige Äpfel, am Besten Boskop, für die Füllung kleinschneiden und etwas andünsten.
In den kleinen Topf etwa 100 g Butter zum Schmelzen bringen. Man spart Spül, wenn man den Topf nimmt, in dem man die Milch erwärmt hat.
In einen Suppenteller Zucker mit Zimt mischen.
Auf der Arbeitsfläche viel Platz zum Ausrollen schaffen.

Wenn der Teig gegangen ist, ihn mit dem Mixer nochmal gut durchkneten.
Die Arbeitsfläche gut mit Mehl bestäuben und den Teig bis auf etwa einen halben Zentimeter ausrollen.
Um die Arbeitsfläche zu schonen, mit einem Teigspachtel oder Messerrücken den Teig in rechteckige Stücke schneiden.
Mit einem Löffel etwas von den gedünsteten Äpfeln in eine Hälfte des Rechtecks geben und die andere Hälfte darüber klappen und die Ränder zusammendrücken, so dass eine geschlossene Tasche entsteht. Wenn die Äpfel sehr saftig sind, darauf achten, dass die Flüssigkeit nicht an den Rand der Rechtecke kommt, weil man dort den Teig nicht gut zusammendrücken kann. Hier ist es gut, wenn man noch eine Hilfe hat, der einem schell noch etwas Butter schmilzt oder Zimt und Zucker anrührt, wenn es nicht reicht.

Die Apfeltaschen mit einer Seite in die flüssige Butter tauchen und sie mit den Fingern rundrum auftragen. Die Apfeltasche sollte leicht benetzt sein. Wenn sie vor Butter trieft, tropft die Butter in die Zimt und Zuckermischung und bildet kleine Klumpen. Die Apfeltasche in Zimt und Zucker wälzen und auf das eingefettete Backblech legen. Etwas Abstand zwischen den Taschen lassen, weil sie noch aufgehen.
Bei 190 Grad etwa 15 Minuten backen, bis sie außen leicht gebräunt sind.

 

Damit die Apeltaschen gelingen, sind Kneten und Gehen lassen wichtig. Ich nehme gerne Vanille und die Zimtmischung (50% Cassia, 50% Ceylon) von Heuschrecke (Anm.: Bernhard nimmt direkt die 375g-Gastrodose, da die ganze Familie Zimt liebt). Die Taschen schmecken auch gut mit Pflaumen.

 

 

Die Fotos der Apfeltaschen sind von Nichte Julia (siehe auch julias_christstollen) die die Initiative Apfeltasche auch gestartet hat.

 


 

Das Rezept kommt wie oben erwähnt aus der Familie, genauer von Bernhard, Ingenieur (man merkt es an den präzisen Tipps im Rezept) und Ursulas Bruder. Mit seinen ebenfalls technikbegabten Söhnen (siehe auch https://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/05/30/heupd-10-planet-entdeckt.htm ) und seiner Frau ist er bei den Familienfeiern traditionell und aus guten Gründen für Kuchen und andere Gebäcke zuständig. Mit Apfeltaschen, Marzipan-Quark-Waffeln und anderen süßen Leckereien ist bestens für alle ausgesorgt und schnell nachgenommen.

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