Reisebericht von 2017:: Terra Magnifica – biozertifizierte Kräuter-Wildsammlung und Bio-Kleinbauern in Kroatien mit vielen Bildern

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Terra Magnifica – Wunderbare Erde: Wildsammlung und Anbau. Bio-Kräuter aus Kroatien

Diesen Sommer haben wir wieder einmal unsere Lieblingslieferanten Roman und Sanja in Kroatien besucht.

Roman Turk gründete 1996 die Kräuterfirma Terra Magnifica, um die durch den Balkankrieg aufgegebene Kräutertradition neu zu beleben. Er ließ Wildsammlungsgebiete und Kleinbauern biozertifizieren – heute ist er der drittgrößte Kräuterexporteur, 100% bio. Seit fast 20 Jahren arbeiten wir mit ihm und Sanja zusammen. Hier geht’s zum ausführlichen Lieferantenportrait.

Diesmal haben wir fast live und mit vielen Fotos auf Facebook über unsere Sammler- und Bauernbesuche berichtet: https://www.facebook.com/HeuschreckeBio/  – eine Premiere für uns in den Social Media.

Das letzte Mal waren wir kurz vor dem EU-Eintritt in Kroatien; nach 4 Jahren in der EU ist die Bürokratie nicht weniger, aber anders kompliziert geworden. Es gibt noch die netten Balkan-Lösungen, aber auch in Gesetz gegossene Absurditäten, die besonders Kleinunternehmer wie die Sammler und Kleinstbauern betrifft. Einige haben leider aufgegeben.

Die Auswanderung in andere EU-Länder mit besseren Verdienstmöglichkeiten ist spürbar, aber es kommen auch Menschen wieder ins Land zurück, und es ziehen sogar junge Leute wieder auf’s Land ihrer Eltern oder Großeltern zurück.

Terra Magnifica unterstützt diese jungen Biobauern mit Know How, Saatgut, und hilft bei der Verarbeitung und Vertrieb der Kräuter. Viele dieser Kräuter und Blüten kommen auch zu uns und werden zu Kräutertees und Gewürzmischungen unter der Marke Heuschrecke weiterverarbeitet.

Folgend unser Besuch in der Gebirgsregion Kalnik: Die beiden jungen Männer Zoran und Sinisa arbeiten hauptberuflich in einer Aluminiumgießerei, die nur aus 4 Mitarbeitern besteht. Nebenbei beginnen sie nun als Bauern auf dem Land ihrer Väter, und haben bereits die Umstellung auf Bio in die Wege geleitet. Kräuter-Anbau, und insbesondere Blüten, bringen bessere Verdienstmöglichkeiten als z.B. Mais, erfordern aber auch mehr Arbeitseinsatz. Als erstes haben die beiden ein Versuchsfeld verschiedener Kräuterkulturen eingerichtet, um zu testen, was auf ihrem Boden gut gedeiht. 

 

Aluminium-Verarbeiter und Biobauer Zoran auf den Feldern seines Vaters …
… in einem 500m hoch gelegenem Dorf in den Kalnik-Bergen
Heidi, Roman, Sanja, Zorans Vater, Zoran
Blaue Stunde auf dem frisch eingesätem Feld. Die Reihen sollten besser quer zum Hang verlaufen (nächstes Mal), da bei Starkregen sonst zuviel Erde den Hang herunter gespült würde.
Die Testfelder, was am besten gedeiht. Hier: Wermut
Immortelle, begehrt für die Destillation von ätherischem Öl.
Nochmal Helichrysum
Thymian
Melisse
Ringelblume
Zeichen großer Trockenheit und dann Starkregen: die Erde wird in Rinnen fortgespült. Hier sollte auch eine schnellwachsende Zwischenfrucht mit langen Wurzeln hin, und die Reihen quer angelegt werden.
Zoran arbeitet Vollzeit in der Aluminiumgießerei unten im Ort. Für die nächsten Jahre wird er die Bio-Landwirtschaft nebenbei machen – hauptberuflich geht es erst, wenn er damit wirklich seine Familie mit den 2 kleinen Töchtern versorgen kann.
Rosa Kornblume – eigentlich falsches Saatgut geliefert – aber schön.
Sinisa arbeitet ebenfalls in der kleinen Aluminiumgießerei und betreibt auch mit ihm zusammen die Bio-Landwirtschaft.
Das Land ist schon zertifiziert und gerade im ersten Umstelljahr.
Der Hof von Zorans Eltern
Für die Gründung kleiner Höfe gibt es EU-Mittel. Zoran und Sinisa habe sich eine Destille angeschafft. Viele Kleinbauern destillieren auch selbst ätherisches Öl aus ihren Ernten.
Eigener Brunnen mit köstlichem Wasser
Gastfreundschaft. Alles selbstgemacht. Lecker.
Unser Besuch hat auch den Sinn zu besprechen, welche Kräuter aus unserer Sicht benötigt werden, wo sicherer Verdienst zu erwarten ist, und wovon es bereits zuviel gibt.
Landwirtschaft, und speziell Bio-Landwirtschaft braucht einen langen Atem, eine längere Planung und Durchhaltevermögen. Hier gibt es nichts Schnelllebiges. Erst in 4 Jahren wird es die erste voll-zertifizierte Bio-Ware nach den 3 Umstelljahren geben.
Dann werden wir sicher auch Kräuter aus den Kalnik-Bergen bekommen.

Verrückte Weltreise (2): Rezept

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Rezept: Pramitas Himalayan Cold Tea — Besuch auf Kanchanjangha Tea Estate

Kanchanjangha Tea Estate – morgendlicher Blick auf die Wohnhäuser
Die Teefabrik
1997 biozertifiziert
Das Wandern, anstatt überall mit dem Auto hinzufahren, haben wir genossen. Benedikt, Tara, Ursula, Dilli, Pramita. Heidi hat fotografiert.
Teepflückerin für KTE
Teepflückerinnen KTE. Es gibt auch männliche Teepflücker.
Auf dem Weg zu den angeschlossenen Bio-Kleinbauern
Besuch bei Kleinbauern – Dilli erklärt uns das Anbauen in 3 Etagen – bodennah ist Ingwer, darüber Mais, darüber Mandarinenbäume. Alle sind unterschiedlich reif und stören sich nicht. (Das Hütchen tragen die älteren Herren, entsprechend hat Heidi auch eins zum Abschied bekommen)
Besuch bei einer kleinen Bio-Tee-Cooperative. Gruppenbild aller Damen (1.v.l. Pramita, 2.v.re Tara). Sie haben einen erstaunlich guten Himalaya Manual Tee gemacht.
Monsunzeit
In der Teefabrik – die Teeblätter welken
Teeverkostung verschiedener Schwarz- und Grüntees von KTE. Es war ein Vergnügen, die Tees vor Ort zu probieren – noch keinen Containertransport hinter sich – ganz frisch und süßlich.
Am letzten Morgen zu Ehren des Heuschrecke-Chefs: Open Hair-Day (Tara und Pramita)
Pramita ist verantwortlich für Finanzen, aber auch für internationale Kontakte, mit z.B. (Fairtrade-) Organisationen.
Die Küche, ein Lehmherd, ein Pfannekuchen-Stövchen und ein 2-Flammen-Gasherd. Die Küche ist ähnlich wie die indische, sehr köstlich.
Alle Gewürze für Pramitas Tee gibt es von Heuschrecke in Bio-Qualität im Naturkostladen – die Zimtblätter hoffentlich dieses Jahr auch noch.

Wie schon berichtet, führte uns unsere Sommerweltreise über Simbabwe nach Nepal und Darjeeling. Wir haben unsere Projektpartner für Bio-Gewürze und -Tees besucht, und dabei ca. 35.000 km in 20 Tagen zurückgelegt.

Nepal-Tee (Palpasa, wer erinnert sich?) hatten wir ganz am Anfang unserer Heuschrecke-Zeit im Sortiment, dann verschwand dieser Tee plötzlich vom Markt.
Weil wir Kleinbauern-orientiert herumgereist waren, wollten wir nun auch die Teefarm Kanchanjangha Tea Estate im Osten Nepals besuchen, um zu prüfen, ob dies Projekt für uns in Frage kommt.
Theoretisch ein Katzensprung von Darjeeling entfernt, war es reell doch eine 6-stündige Fahrt über den Umweg zum richtigen Grenzübergang, dann holprige Straßen in die Berge bei Regen und dichtem Nebel. Kanchanjangha Tea Estate liegt im Panchtar District, ca. 50km Luftlinie von Darjeeling (ca. auf derselben Höhe) und ca. 60 km Luftlinie südlich des 8000ers Kanchenjunga entfernt.

KTE, wie die Teefarm kurz genannt wird, hat eine interessante Geschichte und Gesellschaftsstruktur: Der Gründer Deepak Prakash Baskota, Vater der jetzigen Qualitätmanagerin Tara, begann 1984 –  erst 26jährig – mit einem ha Land nach britischem Vorbild den ersten nicht-postkolonialen Teegarten aufzubauen. Dieser wurde genossenschaftlich mit etwas über 100 Mitgliedern weitergeführt, und als erster Teebetrieb in Nepal 1997 biozertifiziert.

Zusätzlich sind über 300 Kleinbauern, selbst in kleinen Dorf-Kooperativen organisiert, angeschlossen. Sie liefern die frischen Teeblätter an KTE, in deren Teefabrik sie zu fertigem Tee verarbeitet werden.

Die Charakteristik dieser Ost-Nepal-Tees ähnelt guten Darjeeling Tees – die klimatischen Bedingungen sind dieselben, und in weiser Voraussicht hat der Gründer von KTE Teestrauch-Samen von sehr guten Darjeeling-Plantagen (u.a. von Phoobsering – in unserem Sortiment) besorgt. Es gibt grüne und schwarze Tees – einige werden wir zum Winter (hoffentlich klappt es pünktlich mit dem Container) listen.
Die Tees von KTE, sowohl von der Farm als auch von den Kleinbauern, haben uns durchweg gut gefallen. Typik für Kanchanjangha ist ein Weichheit mit feiner Süße und vielschichtigem, würzig-floralen Aromen.

KTE-Tees gibt es schon länger hier in Deutschland von diversen Firmen, trotzdem könnten kräftige zusätzliche Umsätze gut gebraucht werden – sehr einfache Verhältnisse …

Geschäftsführer Dilli R. Baskota, Qualitäts- und Marketingmanagerin Tara Baskota Adhikari und Finanzvorstand Pramita Bajracharya (Pramita hatte uns schon am Flughafen Bagdogra/Darjeeling in Empfang genommen…), begleiteten uns über die ca. 2 Tage, die wir dort waren. Wir wanderten durch die Berge, besuchten Kleinbauern und besichtigten die Teefabrik. KTE möchte als zweites Standbein gerne Gewürze wie Ingwer, Cardamom, Zitronengras, Zimtblatt und Orangenschalen vermarkten, nur fehlen noch die geeigneten Trocknungs- und Verarbeitungsmaschinen. Außerdem werden wildwachsende Heil- und Gewürzpflanzen gesammelt – auch Szechuan-Pfeffer haben wir entdeckt (vielleicht auch bald bei uns).

Nachmittags gerieten wir – da Monsunzeit – natürlich in den Regen. Abends kochte Pramita, die aus einer heilkundigen Familie stammt, einen salzigen Gewürztee für uns, um die drohende Erkältung auszutreiben. Sie erzählte von ihrer Großmutter, die den Enkeln diesen Tee zusammen mit einem heißen Fußbad verabreicht hat, wenn sie nass und kalt geworden waren.
Es war eine schöne, heimelige, wenn auch leider kurze Zeit auf KTE. Wir haben uns von ihrer Gastfreundschaft und dem offenen Teilhaben-Lassen am Alltag reich beschenkt gefühlt.

Jetzt sind wir schon wieder 2 Wochen zuhause – aber Pramita hat uns das mündlich überlieferte Rezept noch mal aufgeschrieben und gemailt – hier kommt es für alle, die neugierig auf salzigen Gewürztee sind. Da es bei uns dieses Jahr auch so etwas wie Monsun gibt, trinken wir ihn im Moment jeden Abend:


Pramitas Himalayan Cold Tea

“Thank you so much that you liked my grandma’s recipe of spice infusion.
Actually I haven’t yet measured any ingredients while cooking but I can say that it’s the blend of the following ingredients.”

10 Zutaten:

 

  • 2gms of fresh ginger
    (2g frischen Ingwer)
  • a pinch of turmeric powder
    (eine Prise Curcuma)
  • 10 seeds of fenugreek
    (10 Bockshornklee-Samen)
  • 2pcs of cloves
    (2 Knospen Gewürznelke)
  • 2.5gms of cumin seeds
    (2,5g Kreuzkümmel-Samen)
  • 2gms of cinnamon bark
    (2g Zimtstange)
  • 1 pcs of cinnamon leaf
    (1 Zimtblatt)
  • 0.5gms of black pepper powder
    (0,5g Pfeffer schwarz gemahlen)
  • 2gms of big cardamom
    (2g Cardamom groß – als Ersatz Cardamom ganz grün nehmen)
  • salt as per your taste
    (Salz nach Geschmack. Bei Pramita schmeckte es ein bißchen wie eine Gewürzbrühe.)

Add all these ingredients in three glass of water and boil it till the solution is dried to one and half glass.
(Alle Zutaten mit 3 Tassen Wasser kochen. Solange kochen, bis die Flüssigkeit auf 1,5 Tassen reduziert ist).

Then its ready to drink.

“This is our home made recipe that we take when we suffer from cold.
Actually its being used from generation to generation and my grandma used to take it as a medicine for cold without taking the tablets and it worked also.
It would be my pleasure if you post it as Pramitas Himalayan cold-Tea in your website. I will take it as a gratitude for my grandma (who is no more with me now) who had done so much for me.
Hope this recipe gets popular in your place.”

best regards
Pramita

Fairbiotea 2013

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Inspektionsberichte 2013: Qingshan-Farm erfolgreich, Xinanyuan-Projekt verliert Anerkennung

Fairbiotea – Siegel, so auf den Teepackungen zu sehen
Qingshan Farm, Teegarten
Qingshan Farm, Teepflücker
Qingshan Farm, im Wok verarbeiteter Tee
Qingshan Farm, Inspektion 2013, Bauer und Kontrolleure
Qingshan Farm, Kalb im Teefeld
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Tee-Lagerhalle
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Tee-Produktionshalle
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
Qingshan Farm, Inspektion 2013: Klimawandel bringt extreme Trockenheit
  • Fairbiotea – Qualitätsmanagement für Biotee in China

Wegen der besonderen politischen und sozialen Lage in China ist die Beschaffung von zuverlässiger, fairer Bio-Ware erschwert. Obwohl die Chinesen die Regeln ihrer harmonischen und ganzheitlichen Feng-Shui-Lehre auch auf die Landwirtschaft anwenden, passt das Einhalten unserer rigiden EU-Bio-Gesetzgebung nicht ins Weltbild. Mehr oder weniger häufig sind China-Bioprodukte aus den unterschiedlichsten Gründen pestizidbelastet, was für europäische Bio-Importeure ein aufwändiges Analysesystem unbedingt erforderlich macht. Der parallel wachsende Kapitalismus hat eine gigantische Landfluchtbewegung ausgelöst, mit negativen Folgen für die Landwirtschaft.

Unser Tee-Importeur, mit dem wir seit über 35 Jahren zusammenarbeiten, tüftelte deshalb seit 2008 an einer Lösung, die im Jahr 2010 unter dem Logo “Fairbiotea” spruchreif wurde: ein über den EU-Bio-Standard hinausgehendes Qualitäts-Management-System für ökosoziale Gerechtigkeit, das die Verordnung, besonders für den Teebereich, ergänzt und sicherer und transparenter für alle Seiten macht. Ein Versuch, eine vertrauensvolle, verläßliche Situation für Bauern und Handelspartner bis zu den KonsumentInnen zu schaffen.
Das System ist auf ein praktisches Qualitätsmanagement ausgerichtet, und bietet kostenlose, qualifizierte Schulung und analytische Beratung für Bio-Teebauern und -Farmen.

Neben zusätzlichen Sicherheitsstandards hat das System eine ökosoziale Entwicklung zum Ziel: Entwicklung von Nährstoffkreisläufen, Prämiensysteme zur Einkommensverbesserung und Motivation der Bauern, Abnahmegarantien, faire Preise u.v.m.. Die Fairbiotea-Standards werden jährlich extern von IMO geprüft. Begonnen hat das Projekt mit 4 Farmen.

Ab Ernte 2013 wird das Fairbiotea-System nur noch mit einer Farm, der Qingshan-Teefarm in der Provinz Hunan, weitergeführt, von der wir schon seit einiger Zeit bevorzugt Ware beziehen.
Leider mußte die Zusammenarbeit zwischen Fairbiotea und den Farmen Hecheng, Xinanyuan und Mingzhou in der Provinz Anhui ab Ernte 2013 aufgrund zuvieler Mängel vorerst beendet werden (siehe auch Newsletter Xinanyuan weiter unten). Zum System ‚Fairbiotea’ gehören nicht nur vollmundige Erfolgsmeldungen im Medien-Sprech. Das ist ungewohnt, aber ehrlicher als Nachhaltigkeitsgesäusel.

Die Jahres-Inspektionen sind recht aufwändig. Es werden zwei Inspektionen gleichzeitig durchgeführt: die Bio-Kontrollstelle IMO Schweiz überwacht ihre (Schwester-)Firma IMO China. IMO China führt die durch die EU-Verordnung für den ökologischen Landbau vorgeschriebene Minimal-Standards-Bio-Kontrolle durch. Fairbiotea beauftragt IMO China aber auch mit der Kontrolle der Fairbiotea-Standards. Fairbiotea führt zur gleichen Zeit mit eigenen Mitarbeitern eine Inspektion parallel zur IMO-Inspektion durch.

In ihren Newsletter berichten die Fairbiotea-Mitarbeiter außergewöhnlich offen über die Inspektionen, über Erfolge und Mißerfolge, über kulturelle Mißverständnisse und Widerstände. Dauerthema ist der Konflikt zwischen den Anforderungen der EG-Bio-Verordnung, die aufwändige Handarbeit mit hohen Lohn-Mehrkosten erforderlich machen, und der Preisrigidität eines dominanten Teils des westlichen Markts – siehe auch unseren Bericht: Warum Tee teurer wird.

Daneben sind die chinesischen Ideale oder das chinesische Verständnis für Ökologie und fairer Handel nicht dieselben wie die westlichen, im Klartext: Anweisungen aus unsere EG-Bio-Verordnung werden nicht ausgeführt, wenn sie nicht in das chinesische Weltbild passen – global nachvollziehbar, aber uns Westeuropäern fremd.

Der Bericht über die Qingshan Farm fällt positiv aus. Neben einigen fehlenden Dokumentationen, die nachgereicht werden müssen, wurde festgestellt, dass die ökologischen landwirtschaftlichen Prozesse grundsätzlich alle in Ordnung sind. Da die Qingshan Farm als “Company” organisiert ist (ein Produzent erwirbt bzw. pachtet die landwirtschaftlichen Flächen der Kleinbauern und bezahlt die Bauern dafür; für ihre Arbeit erhalten sie den vorgeschriebenen Mindestlohn) kommen auch die Prämien für den ökologischen Anbau tatsächlich bei den Bauern an. Hier können Sie den vollständigen Bericht lesen:  Inspektionsbericht Qingshan Farm 2013 

Dieses Jahr haben die Teebauern der Quingshan Farm erstmalig mit einem Phänomen des Klimawandels zu kämpfen: aufgrund großer Trockenheit sterben die Teesträucher ab. Da die Teepflanze wie Weinstöcke langlebig ist (sie werden so alt wie die Menschen), und die Büsche erst nach 7 – 10 Jahren richtig tragen, ist das ein ernster Verlust, und die nebenstehenden Fotos richtig traurig.

Die Entwicklung im “fairbiotea”-Xinanyuan-Projekt mit den Farmen Hecheng, Xinanyuan, Liukou 1, Liukou 2 und Mingzhou verlief leider negativ. Fairbiotea ist hier mit seinen Ambitionen vorerst gescheitert. Die Gründe sind – so vermutet Fairbiotea – zurückzuführen auf den Interessenkonflikt zwischen einem an Ökologie desinteressierten Produzenten/Manager, und den schlecht bezahlten, unmotivierten Bauern. Der Hygienebericht fiel mangelhaft aus, und es gab eindeutige Hinweise auf die verbotene Verwendung von Kunstdünger und Glyphosat (Roundup. Pestizid) – beides spart dem Bauern die (nicht bezahlte) Zusatz-Feldarbeit. Das Dokumentationswesen ist nicht installiert worden.
Diese Tees werden ab Ernte 2013 (Winter / Frühjahr 2013/14) nicht mehr das Fairbiotea-Siegel tragen. Ernte 2012 war in Ordnung – hier bleibt das Siegel. Hier ist der komplette Inspektionsbericht mit vielen Fotos:  Inspektionsbericht und Deklassifizierung Xinanyuan 2013

Im Trend 2013 und folgender Jahre werden die Preise für Tee weiter steigen, zumal im Inland und auf anderen Kontinenten, sogar Afrika, höhere Preise für Tee erzielt werden als in Europa. Wir rechnen damit, dass sich die exportierten Mengen weiter verknappen.
Trotzdem bleibt Tee sein Geld wert – ein Liter Tee wird nicht teurer sein als 1l Cola, aber natürlicher und gesünder, genussvoller sowieso.

Auf der Website http://www.fairbiotea.de sind die Hintergründe noch einmal ausführlich nachzulesen.

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

Trust Organic Small Farmers

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Kommunikations - und
Netzwerk - Initiative
"Trust Organic Small
Farmers". Seit 2007.

Weltwirtschaft und ethisches Handeln

Brennend aktuelle Themen in der Wirtschaft sind ethisches und faires Handeln, globale Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz. In der momentanen Finanz- und Wirtschaftskrise wird wie in einem Röntgenbild offensichtlich, dass Armut, Verelendung, Hunger, Umwelt- und Klimaschäden mit dem (vorübergehenden?) Reichtum in den westlichen Breiten einhergehen.
Wie bekommt man nachhaltig und auf gerechte Weise die Menschheit satt? Die einen Wissenschaftler meinen, durch Agroindustrie und Gentechnik - die anderen sehen die Zukunft nur nachhaltig durch kleinteilige Strukturen gesichert: Schutz der traditionellen Landwirtschaft, sprich Förderung von Kleinbauernprojekten auf der ganzen Welt, biologischer Landbau, Schutz der traditionellen sozialen Gesellschaften.

Communications - and
Network - Initiative
"Trust Organic Small
Farmers". Since 2007.

World economy and ethical action

Burning current issues in the economy are ethical and fair trade, global justice, environmental and climate protection. In the recent financial and economic crisis, it becomes apparent as in an X-ray, that poverty, deprivation, hunger, environmental and climate damage  go  alongside with the (temporary?) wealth of the Western (consumer) societies.
How do you get the entire mankind to adopt sustainable and fair path so that you can feed the whole world and no one goes hungry? Some scientists think, through agro-industry and genetic engineering -  others see the future only by sustaining small-scale structures : protection of traditional agriculture, i.e. promotion of small farming projects around the world, organic farming, and protection of traditional social societies.

Bio und fair

Als die Naturkostbewegung in den 70er Jahren begann, war politisch und sozial verantwortliches Handeln fester Bestandteil der Idee. Mit dem Einstieg "normaler" Konzerne in das Bio-Geschäft hielten natürlich auch konventionelle Strategien Einzug. Gleichzeitig entstanden Fairtrade-Bewegungen, klassischerweise zunächst zur Unterstützung von großen Kooperativen mit Monoprodukten wie Kaffee, Kakao und Bananen. Fairtrade-Produkte stammten anfangs hauptsächliche aus konventioneller Landwirtschaft. Erst seit ein paar Jahren wachsen die Ideale "Bio" und "Fairtrade" wieder zusammen.

Was bringt der faire Handel

Zunächst: der "Faire Handel" ist ein westliches Konstrukt. Denn warum sollte ein Bauer erst billig verkaufen, dann jährlich eine Gebühr bezahlen für die Fair-Zertifizierung, und dann auf einen gerade kostendeckenden Preis eine "Spende" bekommen wollen?
Die Profilierung mit Fair-Handels-Strategien dient auch dem Marketing: zur Zeit werden allgemein in der Wirtschaft, neben den vorhandenen Fair-Siegelsystemen, recht schnell neue Siegel aller Art aus dem Boden gestampft, um den Umwelt- und Ethikaspekt wieder ins Blickfeld zu bringen. Alle Siegelsysteme bringen aber als Nebeneffekt hohe Verwaltungs- und Zertifizierungskosten mit sich. Das ist für Großunternehmen leichter zu stemmen als für kleine, spezialisierte Unternehmen und Anbauer, die typischerweise mit kleinen Chargen und vielen Produkten arbeiten. Kleinbauern-Projekte, die um die 2000 Familien mit je 1ha Land betreuen, wie die NGO PDS in Indien und SOFA in Sri Lanka, sind zwar Transfair-zertifiziert, haben jedoch wegen aufwendigerer Organisation und hohen Zertifizierungskosten geringere Marktchancen als Großfarmen.

Bio-Kleinbauernprojekte schaffen Werte

Bei ökologischen Kleinbauernprojekten wird durch die kleineren Strukturen und Feldeinheiten das traditionelle soziale Gefüge erhalten, und aktiv Landschaftsschutz betrieben. Durch eigene Forschungen und Schulungen der Kleinbauern wird diese ursprüngliche Art der Agrarwirtschaft zukunftsfähig gemacht und sichert den Familien den Lebensunterhalt. Dem typischen Phänomen Landflucht wird so vorgebeugt. Der Erhalt der ursprünglichen Landschaften und die schonende, nachhaltige Bewirtschaftung schützen auch in den Industrieländern das Klima. Gerade Kleinbauernprojekte pflegen eine reiche Biodiversität.

Beispiel Kannampady, Tribal-Gewürz-Projekt

Die Industrialisierung hat überall in der Welt immer eher negative Folgen für die indigenen Bevölkerungen und deren Kultur gehabt als Vorteile gebracht. Die Ureinwohner sind ihrer traditionellen Lebensbedingungen, die sie seit Jahrhunderten gepflegt haben, beraubt worden, unter dem Druck, sich dem "modernen" Leben anzupassen. Landraub zugunsten der Industriegesellschaften ist immer noch an der Tagesordnung.
Kannampady ist eine Adivasi-Niederlassung inmitten des Urwalds. Dort leben z.B. Kleinbauernfamilien der Urali - und Ulladan Stämme. Eine große Anzahl der Bauern produziert auf durchschnittlich 1 ha biozertifizierter Fläche Gewürze als Cash Crop und Früchte zur Selbstversorgung. Eine Vielfalt an Sorten auf einem Flecken, der für Laien nur undurchdringlich grün aussieht, eben Dschungel. Sie gehören zum Kleinbauern-Consortium Sahyadri-Spice-Farmers, das von der NGO Peermade Development Society gegründet wurde. Die PDS hat sich entschlossen, die Gewürze des Kannampady-Projekts getrennt mit genauer Herkunftsbezeichnung unter dem Aspekt des Tribal-Projekts zu vermarkten, um mehr Aufmerksamkeit für die Situation der Adivasi zu erreichen.
Im Jahr 1980 wurde die Gesellschaft Peermade Development Society (PDS) durch Bischof Mathew Arackal der katholischen Diözese Kanjirapally gegründet. Aufgabe ist ländliche Entwicklung, d.h. Verbesserung der Lebensbedingungen für die arme ländliche Bevölkerung, mit Programmen und Projekten für benachteiligte, marginalisierte Stämme, verarmte Kleinbauern, Frauen und Kinder. Die Arbeit beinhaltet neben dem Aufbau von kommunalem Gesundheitswesen, Gemeindeorganisation und Umwelt-Management auch die Vermarktung einheimischer Medizinalpflanzen, die Förderung des ökologischen Landbaus und einen eigenen Gewürz- und Teeexport der Kleinbauerngemeinschaft. Seit 2010 sind die Kleinbauern im Sahyadri Spice Farmers' Consortium  unabhängig von der Verarbeitungs- und Exportfirma PDS Organic Spices organisiert.

Willkommen bei KAITE, Simbabwe

Die Initiative: Um den Menschen in Simbabwe ein würdevolles Leben zu ermöglichen, ist es notwendig, dauerhaft tragfähige Strukturen zu schaffen. Die KAITE-Initiative hat zum Ziel, Kleinbauern in Zimbabwe nachhaltig sozial und ökonomisch zu stärken. Sie steht auf zwei Säulen. KAITE ist zum einen Unternehmen, das den Anbau und die Weiterverarbeitung hochwertiger Bio-Produkte für den lokalen und internationalen Markt zum Ziel hat und dabei den Grundsätzen nachhaltiger Unternehmensführung folgt. Zum anderen umfasst die Initiative einen gemeinnützigen Verein, der sich im sozialen Bereich und der Gesundheitsversorgung engagiert.
Das Unternehmen: KAITE fördert die Produktion Kräuter, Gewürze sowie ätherischer Öle aus Duftpflanzen. Die benötigten Pflanzen werden von den angeschlossenen Kleinbauern auf ihren Feldern angebaut und im Rahmen der Initiative sofort verarbeitet. Das Unternehmen sichert die weltweite Vermarktung zu fairen Bedingungen für die Bauern. Damit ist die Voraussetzung für eine eigene, von Entwicklungshilfe unabhängige Zukunft geschaffen.
Das Unternehmen beliefert den internationalen Markt für biologische ätherische Öle, Aromaöle und Medizinalpflanzen direkt aus Simbabwe.

Wupperthal Original Rooibos Cooperative

Der Name Wupperthal stammt von Missionaren der Rheinischen (Gottlieb Leipoldt) Mission, die im 19.Jh. von der Wupper nach Südafrika gingen, und in dem Tal am Fuß der Cederberge / Kap-Provinz in West-Südafrika (ca. 270km nördlich von Kapstadt) im Jahr 1829 eine Station gründeten. Sie missionierten und förderten aber auch Landbau und Handwerk bei den einheimischen schwarzen bzw. farbigen Bevölkerungsgruppen. Die Mission kaufte Land auf und stellte es den Kleinbauern zur Verfügung. Nach dem Ende der Sklaverei (1834) wurde die Wupperthaler Missionsstätte zur Zuflucht, und viele der einheimischen Khoi San - People nahmen dann den neuen Glauben an. Heute gehört Wupperthal zur Moravian- (Herrnhuter-) Church und ist ein schmuckes Dorf mit strohgedeckten Häuschen in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen und schattigen Bäumen.
Die biozertifizierte Wupperthal Original-Rooibos Cooperative wurde am 3. August 2009 von 84 Mitgliederfamilien gegründet, die bereits seit 1998 Rooibos Tee hergestellt haben. Rooibos war bisher die einzige Einnahmequelle, doch nun haben einige der Mitglieder begonnen, weitere Bio-Kräuter anzubauen.
Unsere Mitglieder arbeiten eng zusammen und unterstützen sich gegenseitig bei der Entwicklung von Kapazitäten, Qualitätssicherung und der Vermarktung der Erzeugnisse.

Willkommen bei SOFA, Sri Lanka

1993 gründete Dr. Sarath Ranaweera eine Verarbeitungs- und Vermarktungsfirma für fair gehandelte und ökologisch angebaute Produkte von Kleinbauern, die Firma BIO FOODS.
Die angeschlossenen Kleinbauern sind seit 2002 selbstständig organisiert in der SMALL ORGANIC FARMERS ASSOCIATION (SOFA) unter dem aktuellen Präsident Bernard Ranaweera.
SOFA ist eine 100% selbständige Kleinbauern-Organisation, die von einem Vorstand, bestehend aus den Präsidenten/Vertretern von 46 Zweiggesellschaften mit insgesamt mehr als 2000 Bio-Kleinbauern verwaltet wird. Unsere Organisation ist auf die Herstellung von Tee, Gewürzen, Kräutern, Kokos etc. nach internationalen Bio-Standards spezialisiert. Gegenüber Plantagenwirtschaft steht in vielen Bereichen eine höhere Qualität der Kleinbauern-Produkte: die nachhaltige Bewirtschaftung von kleineren Feldeinheiten in ihrer natürlichen (Wald-) Umgebung ist aktiver Umweltschutz, der dem gesamten Erdklima zugute kommt. Es werden alte Pflanzensorten gepflegt und neue Sorten, die optimal zu den Standorten passen, erprobt. Die Biodiversität - das Pflegen einer hohen Anzahl verschiedenster Pflanzen - trägt bei zur Erhaltung des Artenreichtums der Erde. Die traditionellen sozialen Strukturen bleiben erhalten, die Familien bleiben zusammen und selbständig, erzielen in Zusammenarbeit mit ihrer Verarbeitungs-/ Exportfirma garantierte Mindesteinkommen, und sind sozial abgesichert.

Initiative: Trust Organic Small Farmers

Im Jahr 2007 beauftragte die Firma Topqualitea den Wirtschaftsjournalisten Harald Gruber und den Berater für nachhaltige Entwicklung+Handel Olaf Paulsen mit einer Studie zur Marktsituation benachteiligter kleinbäuerlicher Produzentengruppen und einem Kommunikations-Konzept zur Chancen-Verbesserung. Im Winter 2007 trafen sich dann erstmalig eine Handvoll Kleinbauernprojekte aus Indien, Sri Lanka und Südafrika, sowie Importeure und Händler für Fairtrade- und Bio-Produkte aus Europa, Kanada und USA. Hieraus entstand die Kommunikations- und Netzwerk-Initiative "Trust Organic Small Farmers" - die ersten Jahre unter dem Dach der Comundialis Stiftung Köln, seit 2011 selbständig von den Mitgliedern geführt. Es ist hauptsächlich eine Plattform des Austauschs, Beratung und Vernetzung zwischen Bio-Kleinbauernprojekten (z.Zt. aus Südafrika, Indien, Sri Lanka und Zimbabwe), und Bio-Importeuren / -Händlern aus Europa, USA und Kanada. In ihrer offenen, vertrauten und lösungsorientierten Form ist diese Vernetzung einzigartig. Die Früchte dieser Zusammenarbeit sollen neben Verbesserungen für die einzelnen Projekte ebenfalls eine anschauliche und transparente Kommunikation zu EndverbraucherInnen sein.

Members of producers Trust Organic Small Farmers:
>Sahyadri Organic Small  Farmers Consortium / Peermade Development Society, Kerala, India. www.pdsorganicspices.com
>SOFA - Small Organic Farmers Association, Kandy,
Sri Lanka; www.sofasl.org
>Wupperthal Original Rooibos Coop, Wupperthal, South Africa, siehe Lieferantenportrait
>KAITE, Harare, Zimbabwe; www.Kaite.biz

Organic and fair

When the organic movement began in the 1970s, politically and socially responsible action was an integral part of the idea. With the entry of more 'normal' companies into the organic business, conventional strategies naturally got introduced. The Fair Trade movement emerged simultaneously, initially to support large cooperatives with single products like coffee, cocoa and bananas. Fair trade products were in the beginning mainly from conventional agriculture. It is only couple of years since the ideal "Organic" and "Fair Trade" started to come together.

What are the benefits of fair trade

The concept of Fairtrade is a Western consumer idea with a strong marketing focus. The small farmers who should be the beneficiaries of the fair-trade concept often feel that the only impact for them is to pay inspection, license fees and sell at such a low price that they are forced to ask for donations from organisations attached to fair-trade movement. It looks to them like that the marketing aspect and the logo is more important than the implementation of the real objectives of fair-trade.
TOSF does not want `just another label` but bring back to centre of all actions the real and good ethical and environmental aspects of the fairtrade movement.
All certification systems but entail high administration and certification costs as a side effect. Growth is easier for large firms to achieve than for small, specialized companies and growers, who typically work with small lots and lots of products. Smallholders projects that serve about 2000 families, each with 1 ha of land, such as the NGO PDS in India and SOFA in Sri Lanka, although TransFair certified, have fewer market oppor-tunities than large plantation projects due to complicated organization rules and high certification costs.

Organic smallholder projects create value

In the organic small holder projects, the traditional social structure is maintained by the smaller structures and field units, and the landscape actively protected. Through farm level researches and training of small farmers, this original kind of agriculture will be made sustainable for the future and provides the livelihood for the families.
The typical phenomenon of rural exodus is thus prevented . Preservation of  the original landscapes and the friendly, sustainable management of agricultural land helps to protect the climate in industrialised countries too. Small farming projects especially, helps maintain a rich biodiversity.

Kannampady example, Tribal Spice Project

Industrialization has had everywhere in the world, more negative effects than benefits on the indigenous people and their aboriginal culture. The natives have been deprived of their traditional living conditions, which they maintained for centuries, under pressure to adapt to the 'modern' life. Land grabbing in favour of industrial societies is still on the agenda.
Kannampady is an Adivasi tribal settlement  in the midst of the jungle. There live for example smallholder farming families belonging to  the Urali - and Ulladan tribe. Here a large number of farmers are cultivating on an average 1 ha certified organic spices as a cash crop and fruits to feed themselves. . A variety of crops on a patch of land that looks lush green appears to be just an impenetrable jungle to a layman. They belong to the small-scale farmers Consortium Sahyadri-spice farmers founded by the NGO Peermade. PDS has decided to market the spices of the Kannampady project as a distinct origin of supply to achieve more visibility for the situation of the Adivasi  under the tribal project.
The non governmental organization Peermade Development Society (PDS) was founded in the year 1980 by Bishop Mar Mathew Arackal. PDS aims at the sustainable development of the tribals, rural poor, marginal farmers, women and children through developing various indigenous, community based and people participatory developmental programmes.

Welcome to KAITE

KAITE contributes to the increased prosperity of Zimbabwe and its people through innovative organic farming and sustainable entrepreneurship with small-scale producers, particularly women. Through our emphasis on the internationally certified (UEBT, fair trade, organic) production of herbs, spices, medicinal and aromatic plants, we ensure that small-scale producers escape the vicious cycle of reliance on imported inputs, unsustainable methods of farming, volatile produce markets, low producer prices, and lack of marketing.
We employ value-adding methods of production and processing, and assist over 2500 participating small-scale farmers and wild collectors with training in organic agriculture and certification, as well as linking them to international fair trade markets.
In the Shona language of Zimbabwe, KAITE means 'a task to be conscientiously fulfilled'. In this way, KAITE places a keen emphasis on social investment, which clearly sets it apart from other traditional companies in Zimbabwe. We recognize that financial security alone is not the answer: the best way to ensure continual  economic growth is also to enhance lasting social structures within the communities involved.
Hence, KAITE not only trains its partner farmers in organic agriculture and certification, but is also actively involved in HIV and AIDS treatment and counselling, schooling and orphan care for the participant farming communities.

Wupperthal Original Rooibos Cooperative

The Wupperthal Original Rooibos Cooperative was founded on 3 August 2009 by 84 members who were previously involved in producing Rooibos tea since 1998. They only rely on Rooibos as their source of income. Now some of the members have also started doing organic herbs in order to supplement their income from the Rooibos.
Our members are working together closely and support each other in capacity development, skills training and marketing their produce under their own brand.
Wupperthal is a most attractive oasis in a very rugged wilderness. This picturesque place bas been a Moravian mission station since 1965, although its origins are actually Rhenish. The name "Wupperthal" derives from the Wupper River in Germany, from where two Rhineland missionaries, Theobald von Wurmb and Johan Gottlieb Leipoldt (grandfather of renowned writer C. Louis  Leipoldt) arrived in the Cape in 1829 to spread the word among the indigenous people.
The two missionaries settled among the seven Khoikhoi families in the valley and concentrated on their spiritual up-liftment as well as to encourage farming. The population swelled shortly after slavery was abolished in 1838 and many freed slaves arrived from nearby farms.
The village today consists of an old thatched church, a store, and terraces of neat thatched-roofed little cottages and a meandering street with water flowing in furrows.

Welcome to SOFA, Sri Lanka

In 1993, Dr. Sarath Ranaweera founded the processing and marketing company for fair trade and organically grown products from small farmers, the BIO FOODS.
The smallholders are organized since 2002 independently in the SMALL ORGANIC FARMERS ASSOCIATION (SOFA) under the current president Bernard Ranaweera.
SOFA is a 100% independent farmer organization managed by a Board of Management consisting of Presidents/representatives of 46 branch societies with a total of more than 2000 small organic farmers.
Producers annually elect the members for their respective societies democratically in order to carry out the suggestions and implement the programs forwarded at village level by the small farmers. Office bearers of the SOFA mother organization are annually elected at the General Assembly. SOFA is registered as a Fairtrade farmer organization under the Fairtrade Labeling Organization (FLO) and is strengthened with organic and biodynamic certified primary producers.
Our organization is engaged in producing organic teas, spices, herbs, coconut, paddy, etc. according to international organic standards.
Our farmers work collectively and democratically with transparency while being dedicated to the protection of the environment. As a result, today, SOFA has become a very strong organization in Asia. We continuously develop the educational, agricultural, economic and social standards of our small organic farmers.
Our vision is to establish an environmentally friendly, agriculturally developed, equally treated and economically empowered community.
Our members are a dedicated group of farmers who focus on sustainability of the environment. Practice of organic farming like preserving the bio diversity, non use of agro chemicals and use of organic fertilizers are the main features in our small plots of lands.

Initiative: Trust Organic Small Farmers

In 2007 the company TopQualitea commissioned business journalist Harald Gruber and the consultant on sustainable development+trade Olaf Paulsen to do a study on the market situation of disadvantaged groups of smallholder producers and recommend a communication approach for improving opportunities. In the winter of 2007, a handful of small farming projects in India, Sri Lanka and South Africa, met for the first time, together with importers and distributors for fair trade and organic products from Europe, Canada and the United States. This gave rise to the communication and network initiative "Trust Organic Small Farmers" - functioning the first few years under the umbrella of the Comundialis Foundation of Cologne, but led since 2011 independently run by the members themselves.
It is mainly a platform for exchange, consultation, and networking between small farmers organic projects (currently from South Africa, India, Sri Lanka and Zimbabwe), and organic importers / traders from Europe, United States and Canada. This network is unique in its open, mutual trust based and solution-oriented, form. The fruits of this cooperation are, in addition to improvements for the individual projects, a clear and transparent communication with consumers.

Importers & Suppliers in Trust Organic Small Farmers:
Topqualitea, Freiburg / Germany and Cape Town / ZA .
Heuschrecke, Troisdorf / D
Les Jardins de Gaia, Wittisheim / F
Equal Exchange, UK + USA
Ethiquable, Fleurance / F & Berlin / D
Just us! Coffee, Canada
(as well as friends and guests).

 Diese Information haben wir anläßlich einer Präsentation von "Trust Organic Small Farmers" auf der IFOAM session "Social Justice - Do we care?", auf dem BioFach Congress 2013 geschrieben.
Im Prozess des Übersetzens ergaben sich leichte Unterschiede zwischen der deutschen und der englischen Version. Die englische Version ist stärker geprägt durch die Sicht der Produzenten, die deutsche Version durch die Sicht der Importeure und Händler.
Wir haben es so gelassen.
Es lohnt sich, beides zu lesen.

 This information we have written on the occasion of a presentation of "Trust Organic Small Farmers" at the IFOAM session "Social Justice - Do we care", at the BioFach Congress 2013th,
In the process of translation, there were slight differences between the German and the English version. The English version is more characterized by the point of view of producers, the German version with the perspective of the traders. We have left it that way.
It is worthwhile to read both.

Kontakt: www.facebook.com/pages/Trust-Organic-Small-Farmers/ .

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper, Benedikt Kaukler, Sunil Joseph Muricken

Ländliche Bildbetrachtung

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Portrait: Indigener Gewürzbauer in Kannampady, Indien

10 Dinge, die man sieht, und die man nicht sieht.

1) Ein älterer Herr – weiße Haare und Bart, rosé-weiß gestreiftes Hemd – im Zentrum. Der Gesichtsausdruck: präsent, etwas distanziert und leicht amüsiert.

2) Farben: die leuchtend-tiefbraune Hautfarbe vor dem satten Grün im Hintergrund. Das helle Hemd gibt Luftigkeit. Kontraste, gleichberechtigte Farbintensitäten. Ein herausblinzelnder Farbfleck: die rote Tüte.

3) Der Hintergrund: Dschungel. Dichtes Grün. Wir waren frappiert von gefühlten 240 Grüntönen, die sich erst beim näheren Hinsehen in verschiedene Gewürz- und andere Nutzpflanzen differenzieren sollten. Nichts war zufällig, alles wurde erklärt.

4) Der Herr, Mr. Kadatha, ist von Beruf Gewürzbauer, seit Generationen. Hier neben ihm: sein Sohn, Mr. Raghavan, der mit ihm zusammenarbeitet. Die Großfamilie bewirtschaftet ca. einen Hektar Fläche.

5) Der Ort: wir sind in Indien, im Bundesstaat Kerala im Süden, ca. 250km von der Hauptstadt Trivandrum entfernt in den Bergen. Hier in unzugänglichen Urwaldregionen gibt es “Reservate” oder “Tribal Settlements”, geschützte Gebiete für die indischen Ureinwohner, Adivasi oder indigene Stämme. Kannampady ist eine solche Adivasi – Niederlassung im Idukki Bezirk (Kerala), 8 km inmitten des Urwaldes gelegen.

6) Mr. Kadatha ist mit 251 anderen Gewürzbauern aus Kannampady Mitglied im Sahyadri Spice Farmers Consortium für Bio-Gewürze. Wir beziehen seit mehr als 15 Jahren Gewürze von ihnen.

7) Kunst in Zahlen:
Anzahl der biozertifizierten Farmer in Kannampady:        252
Durchschnittl. Landbesitz / Farm:                    1 ha
Gesamte biozertifizierte Fläche in Kannampady:        253,34 ha
Zertifizierungs-Status:    USDA NOP (USA), EU, NPOP (Indien),JAS (Japan), Naturland, Biosuisse (was eine sehr große Formular- und Dokumentenmenge bedeutet, und viele viele Arbeitsstunden mit Bürokratie).
Erntemengen in Kannampady für die Gruppe der biozertifizierten Farmer (auf 253,34 ha):
1. Schwarzer Pfeffer:   90000 kg
2. Weißer Pfeffer:          7000 kg
3. Ingwer, frisch:          14000 kg
4. Curcuma, frisch:      14000 kg
5. Nelken:                          600 kg
6. Cardamom, frisch:     5000 kg
7. Muskatnüsse:               10 kg
8. Tee (Grünes Blatt):   9000 kg
9. Kaffee Robusta (getrocknet, mit Schale):    40000 kg

8) Daneben werden dort zur Selbstversorgung verschiedene Früchte und Gemüsesorten angebaut, sowie einige Tiere gehalten. Dieser relativ kleine Flecken Erde gibt reichlich, in einer gesunden Diversität. Deshalb hat der Weltagrarbericht 2009 ausdrücklich festgestellt, dass diese kleinbäuerliche (vorsintflutliche) Bio-Landwirtschaft mehr zur Zukunftssicherung der Welternährung beiträgt als die Agroindustrie, die vor allem viele Umweltschäden verursacht.

9) Im Jahr 2009 haben wir Kannampady besucht. Später entstand dort die Idee, den Urwaldpfeffer von Kannampady separat zu trocknen und zu verarbeiten, sodass er mit genauer Herkunftsangabe vermarktet werden kann. Normalerweise werden die Gewürze der insgesamt ca. 2000 Kleinbauern des Sahyadri Spice Farmers Consortium nicht getrennt. Mit der genauen Herkunftsbezeichnung entsteht bei den KonsumentInnen in unserem Land ein genaueres Bild, welche Menschen denn den Pfeffer angebaut und in den Händen gehabt haben, den man gerade isst.

10) Und jetzt kommt per Email ein konkretes Bild zurück: unser Kannampady – Urwaldpfeffer in den Händen des Kannampady-Bauern.

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

Urwaldpfeffer Kannampady

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Adivasi – Niederlassung Kannampady in Kerala, Indien

Seit vielen Jahren arbeiten wir mit der Peermade Development Society (PDS)  in Indien, Kerala zusammen.
Diese kirchliche Nichtregierungsorganisation fördert durch verschiedene Projekte die Lebensqualität der ärmeren kleinbäuerlichen und indigenen Bevölkerung. Siehe hierzu auch unsere bisherigen Berichte:

Lieferantenportrait PDS 

und 

Reisebericht PDS

 

In diesem Zusammenhang haben wir natürlich am meisten mit dem Sahyadri Spice Farmers Consortium zu tun – das ist der Zusammenschluss der biozertifizierten Kleinbauern, die an die PDS angegliedert sind. Wir beziehen vor allem die Bio-Gewürze Pfeffer, Curcuma und Ingwer von ihnen.


Eine Gruppe der Spice Farmers lebt in der geschützten Niederlassung Kannampady für indigene Stämme. Die PDS kam mit der Idee auf uns zu, Gewürze aus Kannampady separat unter der genauen Herkunftsbezeichnung zu vermarkten, um Aufmerksamkeit für diese indigenen Gewürzbauern zu erreichen. So entstand die kleine Reihe “Gewürz-Projekt” von 4 Sorten Urwaldpfeffer aus Kannampady.

Hier folgt nun die Übersetzung eines Berichts von PDS über Kannampady:

Adivasi – Niederlassung Kannampady

Die Industrialisierung hat überall in der Welt immer eher negative Auswirkungen für die indigenen Bevölkerungen und ihre Kultur gehabt als Vorteile (Segen) gebracht.
Die Ureinwohner sind ihrer traditionellen Lebensbedingungen, die sie seit Jahrhunderten genossen haben, beraubt worden, und gezwungen worden, die Forderungen der Regierungen zu akzeptieren, sich niederzulassen und sich dem sogenannten modernen Leben anzupassen.

Kannampady ist eine solche Adivasi – Niederlassung im Idukki Bezirk (Kerala), 8 km inmitten des Urwalds gelegen, geographisch von den lokalen Gemeinden isoliert durch Wald und Wasser.
Diese Siedlung wurde Anfang der 1970er Jahre gebildet, als die Regierung Keralas den Bau der Idukki-Bogenstaumauer begann, um durch Wasserkraft Elektrizität zu gewinnen. Der See, der dabei entstand, überflutete Wälder in einem Umfang von 60 km ². Laut Geschichte wurde die genaue Position der Dammseite von einem Stammesführer namentlich als ‘Karuvellayan Kolumban’ identifiziert.
Die größte Gemeinschaft in der Siedlung bilden die Urali – Stämme. Ulladan Stämme ließen sich ebenfalls hier vor kurzem nieder. Jetzt gibt es rund 1500 Familien hier, die in 7 Sub-Gemeinschaften angesiedelt sind.

Ausbildung: Kannampady hat eine staatliche Schule, die bis zur Sekundarstufe ausbildet. Für ein Hochschulstudium fahren die Studenten zu den nahe gelegenen Hochschulen. Es gibt 300 Studierende und 15 Lehrkräfte hier.

Gesundheit: Es gibt hier ein primäres Gesundheits-Zentrum, das zweimal die Woche bis mittags besetzt ist.. Bei kleineren Beschwerden helfen sich die Anwohner selbst und verwenden (ayurvedische) Hausmittel. (Die PDS bietet in ihrem Trainingscenter Kurse zur medizinischen Selbsthilfe mit traditionellen Heilmethoden an.)
Das nächste Krankenhaus ist 14 km vom Kannampady entfernt.

Anfahrtsmöglichkeiten: Kannampady wird über eine unbefestigte (Schlamm-) Straße erreicht, die fast 6 km durch den Urwald verläuft. Diese Straße wurde von der PDS und ehrenamtlich mithelfenden Studenten einiger Hochschulen gebaut.
Die entlegendste Siedlung ist etwa 4 km außerhalb des Herzens von Kannampady. Ein Bus fährt bis zum ca. 4 km entfernten und im Wald gelegenem Kizhukanam, wenn das Wetter gut ist. Andernfalls gehen die Menschen den ganzen Weg zu Fuß oder verlassen sich auf Autostop.

Elektrizität: Obwohl die Adivasi praktisch für die Stromgewinnung für den Rest der Bevölkerung aus dem Wald evakuiert wurden, ist Elektrizität immer noch ein Traum für sie.

Kommunikation: Es gibt zwar keine Telefonleitungen, aber bestimmte Bereiche liegen im Mobilfunknetz. Die Kommunikation ist vom Mobilfunk abhängig.

 

Gesellschaft: Soziale Ungleichheiten zwischen den Familien waren kein Problem, solange sie im Wald lebten, da der Landbesitz keine Rolle spielte. Nach dem Sesshaftwerden entwickelten sich Ungleichheiten im Besitztum, die sich auf die sozialen Beziehungen auswirken.

Wirtschaft: Landwirtschaft ist die wichtigste Einkommensquelle. Viehzucht gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Die ausgebildete Jugend zieht weg, um Arbeit zu finden.

Cash Crops: Die wichtigste Anbaufrucht in Kannampady ist schwarzer Pfeffer, wobei ökologischer Landbau die übliche Praxis hier in der Landwirtschaft ist.

Die Erde tief im Wald im Gebiet der Niederlassung ist lebendig und fruchtbar. Die Bauern pflegen weiterhin eine reiche Artenvielfalt. Vererbt durch die Generationen, halten sich diese Landwirte an den Grundsatz der Koexistenz mit der Natur. Es leben auch heute noch Wildtiere und Dschungel-Vögel im Farmland.

Abgesehen von Pfeffer bauen die Kleinbauern außerdem Ingwer, Curcuma, Gewürznelken, Vanille, Cardamom, Kaffee, Tee etc. an.

Hier Details zu Fläche und Erntemengen der Bio-Kleinbauern in Kannampady:

  • Anzahl der biozertifizierten Farmer:        252
  • Durchschnittl. Landbesitz / Farm:        1 ha
  • Gesamte biozertifizierte Fläche:        253,34 ha
  • Zertifizierungs-Status:            USDA NOP (USA), EU, NPOP (Indien),JAS (Japan), Naturland, Biosuisse.

Erntemengen in Kannampady für die Gruppe der biozertifizierten Farmer (auf 253,34 ha):

 

  • 1. Schwarzer Pfeffer:      90000 kg
  • 2. Weißer Pfeffer:              7000 kg
  • 3. Ingwer, frisch:            14000 kg
  • 4. Curcuma, frisch:        14000 kg
  • 5. Nelken:                            600 kg
  • 6. Cardamom, frisch:       5000 kg
  • 7. Muskatnüsse:                   10 kg
  • 8. Tee (Grünes Blatt):        9000 kg
  • 9. Kaffee Robusta (getrocknet, mit Schale):    40000 kg

Maßnahmen der PDS zur Verbesserung der Lebensbedingungen:
Die Peermade Development Society, die Dachorganisation des PDS Bio-Gewürze, arbeitet mit dieser Gemeinde seit Anfang der 1990er Jahre zusammen.
Einige der Bereiche, in denen die PDS zu Verbesserungen beitragen konnte, sind:

  • 1. Bau von festen Häusern
  • 2. Bau von Latrinen
  • 3. Bau der Straße zur Siedlung
  • 4. Bau der Gemeindehalle
  • 5. Trinkwasser-Projekte
  • 6. Lieferung von Pflanzgut
  • 7. Gelieferte Möbel für die Schule
  • 8. Special Coaching für Schulabbrecher
  • 9. Führt eine Herberge für indigene Kinder, die weit von der Schule entfernt leben.
  • 10. Schul-Gesundheitsprogramm
  • 11. Medical Camps usw.

Seit Frühjahr 2011 ist Kannampady-Pfeffer in Naturkostläden erhältlich. Das Foto auf der Verpackung zeigt eine Kleinbauern-Familie in ihrem Feld. Neben den obengenannten Cash Crops Gewürze, Kaffee und Tee werden vielfältige Früchte für die Selbstversorgung angebaut, und Ziegen, Kühe und Bienen gehalten. Für uns sieht erstmal alles wie grüner Dschungel aus, doch die Farmer wissen genau, wo welche Pflanze wächst …

Kannampady-Pfeffer unter der Marke Heuschrecke:
  • Urwaldpfeffer schwarz ganz
  • Urwaldpfeffer schwarz gemahlen
  • Urwaldpfeffer weiß ganz
  • Urwaldpfeffer weiß gemahlen

 

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

Hintergrund: Biotee – Fairbiotea

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Aktuelle Folgen im Bio-Teebereich: Klimawandel und soziale Situation

 

Unser langjähriger Teeimporteur Wolfgang Wilhelm berichtet uns ausführlich über das Tee-Erntejahr 2010 in Indien und China, und beschreibt anschaulich die problematische klimatische und soziale Situation.

Weiter unten ist sein Bericht in Ausschnitten zu lesen, doch zunächst möchten wir das neue Siegel Fairbiotea, das in Kürze auf einem Teil unseres Sortiments angebracht wird, vorstellen.

 

Der Hintergrund von Fairbiotea: Wegen der besonderen politischen und sozialen Lage in China ist die Beschaffung von zuverlässiger, fairer Bio-Ware von dort erschwert. Bekannt ist (siehe auch TAZ Artikel vom 3.3.2011 „Pestizide in Bioware aus China“, S.9), dass Bioware von dort aus den unterschiedlichsten Gründen häufig belastet ist, und deshalb eine aufwendige Analytik für Bio-Importeure notwendig ist.

Unseren Tee-Importeur, mit dem wir seit über 30 Jahren zusammenarbeiten, hat dies veranlasst, über den Bio-Standard hinaus ein “fairbiotea”-Qualitäts-Management-System zu schaffen, der die EG-Bio-Verordnung, besonders für den Teebereich, ergänzt und sicherer und transparenter für beide Seiten macht.

Das System ist auf praktisches Qualitätsmanagement ausgerichtet, und bietet kostenlose, qualifizierte Schulung und analytische Beratung für Bio-Tee Bauern.

Neben zusätzlichen Sicherheitsstandards hat das System die ökosoziale Entwicklung zum Ziel: Entwicklung von Nährstoffkreisläufen, Prämiensysteme zur Einkommensverbesserung und Motivation der Bauern, Abnahmegarantien, faire Preise u.v.m.. 

 

Zur Zeit ist das Fairbiotea-System in 4 chinesischen Teefarmen installiert, von denen wir schon einige Zeit bevorzugt Ware beziehen: die Qingshan-Farm in der Provinz Hunan, und die Farmen Hecheng, Xinayuan und Mingzhou in der Provinz Anhui.

Diese Tees werden ab Frühjahr mit nebenstehendem Logo gesiegelt.

Auf der Website http://www.fairbiotea.de werden für KonsumentInnen ausführlich Hintergründe erklärt und die Teefarmen vorgestellt.

 

Auch wenn es jetzt noch etwas dauert, bis das Logo im Handel präsent ist – die Teefarmen geben wir schon immer auf den Rücketiketten unserer Ware bekannt. Bei den 4 genannten Farmen ist auch unser noch-nicht-gesiegelter Tee schon nach Fairbiotea-Standard produziert. Darunter sind einige unserer Aktionstees: China Grüntee, China Sencha und Chun Mee in der grünen Tüte, sowie der Klassiker Temple of Heaven China Gunpowder, einige Jasmin-Teespezialitäten, einige gehobene Grün- und Weißtees, z.B. der neue White Monkey, und unsere aromatisierten Grüntees.

 

Das Konzept soll langfristig ausgeweitet werden, was nicht so ganz einfach ist: es erfordert für unseren Teeimporteur eine starke Präsenz vor Ort, und eine hohe Bereitschaft der Teefarmen, mitzumachen (kultureller Konfliktstoff ist vorprogrammiert). Die Kosten für das ganze Qualitätsmanagement-Gerüst inkl. Maßnahmen sind sehr hoch, sodass bei einer Teefarm natürlich entsprechende zuverlässige Mengen und Umsätze dahinterstehen müssen. Eine Zertifizierung dieses Systems ist geplant.

 

Natürlich entsprechen auch alle anderen Biotees unseres Sortiments der EU-Bio-Verordnung und werden lückenlos analysiert. Im Zusammenhang mit Gewürzen aus China hatten wir bereits einmal über den Umgang mit Pestiziden in der Naturkostbranche berichtet: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2009/11/12/hintergrund-pestizide.htm

Und hier nun zum Erntebericht 2010:

Wolfgang Wilhelm beschreibt ein zurückliegendes Jahr, “das in Bezug auf die Warenbeschaffung ein ganz anderes Jahr ist als Jahre zuvor.”

“Das Jahr hatte viele Negativrekorde zu bieten. So hatten wir extremes Klima in Darjeeling und in Assam. Die Klimaveränderung scheint deutlich greifbar zu sein. Wenn im Frühling Feuchtigkeit und mäßige Temperaturen für einen guten First Flush Tee gewünscht sind, gab es sehr kaltes und sehr trockenes Wetter in Darjeeling. Ein Wetter, das nicht nur schlechtere Qualitäten und schlechte Erträge hervorbringt, sondern auch Pflanzenschädlinge begünstigt.

 

Im Sommer gab es dann dauerhaft zu nasses Wetter, während der Second Flush Darjeeling trockene und warme Temperaturen benötigt.

 

In den meisten Teeplantagen in Assam gab es einen extremen Befall von Helopeltis, der nur mit Pflanzenschutzmittel bekämpft werden kann. Die Erträge in Assam waren verglichen mit anderen Jahren sehr gering. Konventionell wirtschaftende Plantagen konnten ihre Produkte kaum noch in die EU vermarkten, weil die chemischen Rückstände nach der Schädlingsbekämpfung oft zu hoch waren und nicht mehr der Höchstmengenverordnung entsprachen.”

 

 

Ebenfalls in indischen Biotees wurden laut Wolfgang Wilhelm im letzten Jahr ungewöhnlich häufig Spuren von DDT und Endosulfan gemessen, meistens unterhalb der BNN-Orientierungswerte, den Warnwerten der Naturkostbranche. Nach damaligem jahrzehntelangem Einsatz von Pestiziden mit langen Halbwertzeiten (damals der Stolz unserer Chemie-Industrie – der Westen hat die Büchse der Pandora geöffnet  – wir bekommen nur zurück, womit der (ehemalige) Exportweltmeister jahrelang die Welt verseucht hat, eigentlich gerecht), sind ubiquitäre Spuren nicht mehr zu vermeiden, und werden fairerweise natürlich innerhalb der Orientierungswerte akzeptiert.

Wir bekommen die Problematik im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch bei Kräuter- und Gewürzbauern mit. Durch den El Niña-Effekt mit seinen plötzlichen flutartigen Regelfällen werden z.B. Böden von konventionellen Feldern bis in die Biofelder hineingeschwemmt, was zur erhöhten Pestizidbelastung von Bioware führt. Bzw.: die konventionellen Nachbarn spritzen in Panik in diesen Zeiten auch wie verrückt gegen den wetterbedingten Schädlings- und Beikräuterdruck.

Weiter zur Ernte-Situation in China:

“Auch in China hatten wir im Frühling, nach dem ersten Austrieb der Blattknospen eine strenge Frostperiode, die fast die gesamte Ernte weißer Blattknospen vernichtet hat.

Danach folgte monatelanger Dauerregen, Überschwemmungen, Taifune.

 

Dennoch übernimmt die chinesische Regierung viele Anstrengungen im Rahmen des Programms gegen Armut die brachliegende Teeflächen wieder zu rekultivieren. Der Staat fördert z.B. private Investitionen und die Anschaffung von Verarbeitungsmaschinen in der Teeindustrie. de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China . So konnten im Jahr 2010 auf ca. 1,95 Mio. Hektar Teefläche 1.4 Mio. Tonnen Tee hergestellt werden; im Jahr 2005 dagegen waren es ca. 1,35 Mio. Hektar und nur 0,94 Mio. Tonnen Tee.

Pro Hektar  werden also durchschnittlich 700 kg Tee erzeugt. Das ist ein sehr geringer Ertrag. In anderen Teeanbaugebieten der Welt sind bis zu 5000kg pro Hektar möglich. D. h die chinesische Teeindustrie hat noch Optimierungsbedarf.

 

Trotz der Produktionssteigerung steht den bisherigen Exportmärkten immer weniger Tee zur Verfügung. Der Inlandsbedarf Chinas ist stark gestiegen. Andere Nationen in Afrika, Asien, Russland und Osteuropa sind zu mehr Wohlstand gekommen und importieren deutlich mehr Tee aus China. Grüner Tee aus China wird auch deutlich stärker von der Kosmetikindustrie benötigt, und die Pharmabranche benötigt grünen Tee zur Absorbierung von Wirkstoffen. Grüner Tee ist wegen seines guten Images als Gesundheits- u. Wellnessgetränk begehrt.

 

Die Teeindustrie in Indien und China  hat damit zu kämpfen, dass immer mehr junge Leute die Teefarmen verlassen und ihr Glück in den Städten suchen. Die Städte sind nicht nur Anziehungspunkt wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten, sondern auch deshalb, weil sie für junge Leute mehr Freizeitangebote bereithalten. In beiden Ländern nimmt die Landflucht zu.

 

So gibt es in China viele Teefarmen in denen nur noch alte Menschen leben, die oft die körperliche Arbeit nicht mehr verrichten können. Sowohl die Bauern in kleinbäuerlichen Strukturen als auch Betreibergesellschaften der Teeindustrie in der Plantagenwirtschaft sind mehr und mehr darauf angewiesen, Saisonarbeiter zu beschäftigen und zu bezahlen.

 

Die Arbeitsangebote in wirtschaftlich aufstrebenden Gesellschaften sind vielfältiger und größer geworden auch für Wander- und Saisonarbeiter und das Arbeiten und Leben in den Farmen während der Teeernte ist unattraktiv. So sind die Löhne in der Teeindustrie insbesondere in den Verarbeitungsfabriken explosionsartig gestiegen. Die Lebenshaltungskosten steigen jährlich in einem zweistelligen Bereich. Die Teebauern leben immer noch an der Armutsgrenze und die Einkommen aus der Teeproduktion beträgt meist nicht mehr als 500 Euro im Jahr. 

 

Für den nachhaltigen biologischen Anbau  sind hohe und langfristige Investitionen nötig, die ebenso wie deutlich bessere Einkommen der Teebauern und der Saisonarbeiter aus den Teepreisen finanziert werden müssen.

 

Der Export in die traditionellen Märkte in Europa und USA leistet hierbei den geringsten Beitrag. Die dort zu erzielenden Exportpreise sind, gemessen an den nötigen Investitionen für den nachhaltigen ökologischen Anbau, Qualitätsmanagementsysteme und eine bessere soziale Entwicklung, zu gering.

 

Leider werden in diesen Märkten immer schlechtere bzw. billigere Qualitäten nachgefragt. Das steht in keinem gesunden Verhältnis zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen, die von Verbrauchern und Händlern aus diesen Ländern nachgefragt wird.

 

Wir leisten mit unserem Fairbiotea Programm unseren Beitrag zu mehr Qualitätssicherheit, die vom Markt gefordert wird, und zu mehr sozialer Verantwortung im Sinne der Teebauern und der Verbraucher.

Wir versuchen, eine nachhaltige, langfristige und faire Partnerschaft mit unseren Partnern und Teebauern in China zu praktizieren. Das ist ein schwieriger Balance-Akt, weil wir einerseits die Preisforderungen des Europäischen Marktes befriedigen müssen und andererseits deshalb zu wenig Geld für eine konsequentere Entwicklung zur Verfügung steht.

 

Die oben beschriebenen Entwicklungen sind für die im Jahr 2010 extrem gestiegenen Importpreise verantwortlich. Die allgemeinen Preissteigerungen sind mit 30-40% sehr hoch. Weitere Preissteigerungen werden in der Zukunft vermutlich unvermeidbar sein. Aber um auch die öko/soziale Entwicklung für die Teebauern fair zu gestalten, wird mehr als diese Preissteigerungen nötig sein.

 

Hierfür bitte ich um Unterstützung unserer Kunden.”

 

Mit freundlichen Grüßen       

 

Wolfgang Wilhelm

 


 

Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner

Heuschrecke-Geschäftsleitung

Ungarn & Paprika. Ein Lieferantenbesuch

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Unser Gewürzpaprika: Spitzenqualität von Bio-Kleinbauern der Region Szeged

037) Im Paprika-Museum: Marktszene Anfang letzten Jahrhunderts. Hier werden die getrockneten Gewürz-Paprika-Stränge gehandelt.
038) Gewürz-Paprika-Markt Anfang 20. Jh. – Übrigens: Der Real-Sozialismus brachte 1948 eine einschneidende Veränderung für die vielen kleinen Gewürzbauern. Sie durften nicht mehr selbst Paprikapulver für die Dorfmärkte produzieren, sondern mussten die Schoten direkt nach der Ernte an die beiden Staatsbetriebe mit Monopol abliefern. Frauen schmuggelten gerne unter ihren weiten Röcken dennoch einige Kilos heimlich produzierter Ware auf den Markt – fielen jedoch durch den Geruch auf. Zwei Monate Gefängnis gab es für 2 kg illegales Paprikapulver. Dieses Gesetz wurde erst 2009 wieder aufgehoben, 20 Jahre nach der Wende.
039) Paprika-Museum: Gewürzpaprika-Schoten reifen in aufgefädelten Strängen an der Hauswand nach.
040) Paprika-Museum: Frauen sähen die Paprika-Saat von Hand.
041) Jeder kennt die Samen – bei Gemüsepaprika stören sie beim Kochen, bei Gewürzpaprika enthalten sie den Stoff der roten Farbe und wertvolles Capsaicin.
042) – Paprika liebt nur den Schatten des Arbeiters – beim Unkrautjäten.
043) Paprika-Museum: Setzlinge
045) Die vier Qualitätsklassen für Gewürzpaprika. Edes-nemes, edelsüß oder nobel-sweet, ist zwar hier erst an 3. Stelle, aber steht im Ausland für beste Qualität. Die beiden vorhergehenden Qualitäten gibt es im Grunde nur 2-3 Monat direkt nach der Ernte vor Ort, und wegen des sinkenden ASTA-Gehalts haben diese Stufen auch nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum von wenigen Monaten.
046) Paprika-Museum: Mühlsteine der alten Paprikamühle.
048) Im Produktionsraum unserer Bio-Paprikamühle
050) Hier sind die Mahlsteine drin. Gemahlen wird nach Gehör, sagt der Produktionsleiter.
051) Heinz-Dieter Gasper von Heuschrecke, der Produktionsleiter der Mühle, Anita, die Chefin der Paprikamühle, Guszti, der Koordinator für unseren Bio-Paprika aus Szeged.
052) Trocknung der Rohware nach dem Reifen.
057) Gerade geerntet – ausgebreitet zum Nachreifen. Darunter ist eine warme Gebläse-Anlage, damit nichts schimmelt.
062) Im Herzen des Paprika-Gebiets und für Touristen ist der erste Paprika ein Hype wie der Beaujolais-Primeur. Schon im August gibt es das erste Pulver des neuen Jahrgangs …
064) … aber nur von Hybridpflanzen. Alles andere ist jetzt noch richtig grün – und wird aber gehaltvoller am Ende.

Paprika stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika und kam wie viele Heil-, Gewürz- und Gemüse-Pflanzen im Gefolge Christoph Kolumbus nach Europa.

 

Paprika, und auch unser Gewürzpaprika, hat eine lange Vegetationszeit, und benötigt 6 Monate Wärme ohne Frost.
Zunächst wurde Paprika in Spanien angebaut, dann ab dem 18./19. Jahrhundert auch in Ungarn, wo die Methode verfeinert wurde, und sich über die Jahrhunderte ein Know How für höchste Qualität bildete.

In richtig heißen Ländern reift die Frucht am Strauch aus, in Ungarn kommt das klimatisch nicht ganz hin. So wurde eine Methode entwickelt, die Gewürzpaprikaschoten nach der Ernte im Oktober nachreifen zu lassen. Mindestens 2 Wochen, wenn möglich 3 Wochen, hingen sie in Netzen von den Hausgiebeln herab – heute lagern sie dieselbe Zeit in warmen Lagerhallen mit leichter Gebläse-Trocknung.

Der Vorteil des Nachreifens im Gegensatz zum Ausreifen am Strauch: es bleibt mehr Fruchtzucker erhalten, der am Strauch in den letzten Wochen doch abgebaut wird. Der Geschmack ist aromatisch-fruchtig, und Ungarn ist bekannt für die höchsten ASTA – (Farb-) Werte bei Gewürzpaprika.

Ursprünglich war Paprika immer scharf. Die Ungarn haben sozusagen den süßen Gewürzpaprika (edelsüß ist eine der Bezeichnungen) erfunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es eine Mädchen-Aufgabe, die Paprikaschoten aufzuschneiden und die Kerne so lange zu waschen, bis die Schärfe hinausging. Inzwischen wurden milde Gewürzpaprika-Varietäten gezüchtet, und niemand wäscht mehr Kerne.

Die Kerne sind übrigens wichtig für die Farbe (wird nach dem Mahlen rot) und Brillanz des Pulvers, enthalten wertvolles Capsaicin und müssen unbedingt mitgemahlen werden.

Der Verarbeitungsprozess für ungarischen Gewürzpaprika ist:

  • Ernte: Unsere Bio-Kleinbauern ernten von Mitte September bis Mitte Oktober von Hand. (Konventionelle Großbetriebe ernten auch mit Maschinen und beginnen mit frühreifen Hybridsorten bereits Mitte August).

     

  • Nachreifen

     

  • Waschen (kalt)

     

  • Schnetzeln

     

  • Trocknen bei 45 – 80°C

     

  • Mahlen – 2x im Jahr, jeweils kurz vor dem Versand, um die Farbe bestmöglich zu erhalten. In Ungarn wird traditionell auf Steinmühlen gemahlen – nicht extrafein, sondern die Pixel bleiben etwas gröber (0,425 mm-Siebe), um die Inhaltsstoffe zu erhalten. Die ASTA-Werte bauen sich natürlicherweise im Laufe des Jahres ab (ca. 5 Asta/Monat, das Pulver wird gelblicher).

     

  • Könner ernten 250 ASTA und mehr in guten Jahren. Die diesjährige Mischung unserer Kleinbauern wird ca. 150 ASTA nach der Verarbeitung haben (die Verarbeitung reduziert natürlich auch etwas).

Unser Bio-Paprika wird ausschließlich auf Steinmühlen in einer Szegeder Paprikamühle, einem alten Familienbetrieb, verarbeitet, der sich dafür extra biozertifizieren ließ. Als bekannter Traditions-Betrieb mit eigener großer Marke wird dort parallel auch konventioneller Paprika vermahlen. Beide Produktionsstränge – konventionell und bio – verlaufen zeitlich und räumlich getrennt.
Die alten Fotos weiter oben stammen aus dem eigenen Paprika-Museum der Mühle.

Unser Gewürz-Paprika stammt von Bio-Kleinbauern in Süd-Ungarn rund um die Städte Szeged und Hodmezövasharely (sprich: Hodd mesöö vasharei)- diese Region steht für Spitzenqualität, bekannt für schwarze Erde.

Übrigens, gerade als wir dort waren, erhielt Anita, die Chefin unserer Paprikamühle, als eine der ersten ungarischen Firmen die Anerkennung, ihren Paprika mit der geschützten (seit 2010 EU-Gesetzgebung) Ursprungsbezeichnung “Szegedi Paprika” zu vermarkten.
Unser Paprika erfüllt zwar auch die Ursprungsbedingungen, aber da wir nicht im Ursprung sondern bei uns im Haus abfüllen, dürfen wir diese Bezeichnung wahrscheinlich nicht verwenden – geben aber als Herkunft die Region Szeged an.
Interessant auch:nur jeweils 1/2 Jahr gäbe es die Qualitätsbezeichnung “Szegedi Paprika”, weil in der Regel nur etwa solange der Mindest-ASTA-Wert von 120 erfüllt werden kann.

Unser Koordinator Guszti requiriert die Bio-Bauern, sorgt für Saatgut, koordiniert Flächen, Mengen, Biozertifizierung und organisiert die Fertigstellung in der Paprikamühle und den Export.

 

Wenn sich ein Bauer entschließt, Bio-Paprika für unseren Koordinator auf zB. 2 oder 4 ha anzubauen, muss er die dreifache Fläche einplanen: Paprika wird in jährlicher Rotation mit Mais und Herbstweizen oder Gerste angebaut.

Paprika kann sowohl gesät als auch gepflanzt werden – unsere Biobauern machen beides, und zwar von Hand.
Über 30 Gewürzpaprika-Varietäten stehen zur Auswahl – mit Früchten “erected” oder “hanging down”, und unterschiedlichem Reifeverhalten, sodass mehrfache Erntedurchgänge im September und Oktober stattfinden können.

Beikräuter werden im Bio-Anbau im Juni-Juli fast täglich von Hand geharkt, drei Komplettdurchgänge in der Saison. Paprika braucht es heiß und sonnig – ein ungarisches Sprichwort sagt: “Paprika liebt nur den Schatten des Arbeiters.”

Der Klimawandel wirkt sich bereits aus, deshalb wird einerseits weiter mit geeignetem Saatgut experimentiert (wie in anderen Ländern auch), und sich andererseits darauf vorbereitet, überall Tropfbewässerungsanlagen aufzubauen – mobil oder fest. Auf einem Foto weiter unten sieht man, wie rissig der Boden im August ist.
Weitere Probleme für Paprika sind vor allem Hagel, Frost und Mäuse.

 
068) Partnerbauer Attila. Das Feld ist noch nicht so weit im August.
074) Heuschrecke Heinz-Dieter Gasper, Koordinator Guszti, Kleinbauer Attila.
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080) Attila hat einen eigenen Bewässerungsteich angelegt.
081) Das Gerät zum Sähen oder Setzlinge setzen.
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085) Diese landwirtschaftlichen Arbeitsgeräte haben ihre eigene Ästhetik.
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090) Bewässerungsgerät für die Paprika-Felder
094) Der Hof
105) Pause bei Schwiegervater Andras. Es gibt selbsterjagtes und selbstzubereitetes Wildschweingulasch.
111) Kein Wildschwein, sondern das berühmte ungarische Mangalica-Schwein.

Drei unserer meist 8 verschiedenen ungarischen Gewürzpaprika-Bauern möchten wir hier einmal vorstellen.

Attila bewirtschaftet die Farm seiner Großeltern kontrolliert biologisch, und auf einer anderen, konventionellen Farm züchtet er daneben Saatgut für die Marktführerfirma Szegedi-Paprika. Dort baut er außerdem Kartoffeln, Hafer, Mais und Industrie-Luzerne an. Er hält Schafe für den Eigenbedarf und zur Gewinnung von Dünger.
Für Guszti baut Attila auf 4ha Bio-Gewürzpaprika in Rotation mit Mais und Brachland an. Dieses Jahr hat er drei verschiedene Sorten Paprika als Setzlinge gepflanzt.

 
117) Üppig grünes Paprikafeld von Bauernpartner Mihaly (rechts)
121) Die Pflanzen sind zwar hier schon weiter, aber die Schoten noch grün.
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123) Mihaly
126) Mihalys Hof
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130) Selbstversorgung spielt eine große Rolle in Ungarn.
131) Die Tiere und der große Garten haben dieselbe Bedeutung wie für andere “mein Haus, mein Auto, mein Boot”. Das sichere Gefühl, sich in Krisenzeiten selbst versorgen zu können, wird sehr wertgeschätzt.
138) Bei Bauernpartner Kalman …
140) … mit seinen 3 Söhnen.
143) Eine Vorzeige-Ökofarm und ein schöner Familienbetrieb.
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145) Der Boden zeigt die große Trockenheit.
150) Auf der Ökofarm
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156) Kalman und seine Frau
158) Auch hier vieles zu Selbstversorgung: Bienen,
159) der große Garten
163) Hühner und Schafe
164) Gastfreundschaft

Mihaly, seit 2005 biozertifiziert und gesamt 25ha, baut für Guszti auf 2ha Gewürzpaprika an. Er erntet davon 15-20 to Rohware, das ergibt 2,5 – 3 to fertiges Paprikapulver. Daneben baut er für weitere Abnehmer Gewürzpaprika, Kürbis und Dinkel an.

Dieses Jahr hat er die Sorte “Hoffnung” als Saatgut eingebracht. Das Ergebnis sieht sehr gut aus. Am Tag zuvor hatten wir bei Attila die Sorte “Sonnenschein” gesehen, die eindeutig kleiner ausfiel. Die Namen drücken auch das Experimentieren mit Erfolgen und Fehlschlägen aus, das durch den Klimawandel notwendig wird.

Kalman ist Bio-Pionier seit 1979. Seine 24ha Felder liegen günstig um die Farm herum und werden komplett biologisch bewirtschaft: Weizen, Facelia, Kartoffeln und Gewürzpaprika. Auf 1,2ha hat er für Guszti “Hoffnung” und “Caloressa” gesäht, mit dem Traktor. Geerntet wird wie bei den anderen Bauern per Hand.

Im Paprika-Feld gibt es eine Tröpfchenbewässerung. Auch wenn die Pflanzen gut versorgt sind, dürfen die Gewürzpaprika-Schoten nicht zu früh rot werden (jetzt Mitte August ist der Hauptteil noch ganz grün)- dies wäre ein Calciummangel der Pflanze.

Auf den Bildern sieht man Kalman mit seinen (prächtigen, finden wir) Söhnen. Sohn Kornel arbeitet neben seinem Studium auf der Farm mit und wird sie wohl später übernehmen.
In Kalmans Farm spürt man den Idealismus der Pioniere. Sie ist liebevoll eingerichtet und bietet Land- und Öko-Schnupperkurse für Schulkinder, mit einer Kochstelle draußen, einem prachtvollen Garten, einem Vogelmuseum und Streichelzoo mit Schafen und dressierten Hühnern.

Jetzt ist unsere Reise in Ungarn schon über ein Jahr her, aber ist im Moment wieder ganz lebendig, da gerade die ganzen Rohwaren-Muster unserer Bauernpartner der aktuellen Ernte 2012 – frische ganze und getrocknete, vorgeschnittene Schoten – durch unsere Hände gehen. Wir organisieren für Guszti hier in Deutschland die Pestizid-Analysen der einzelnen Rohwarenchargen bei einem BNN-akkreditierten Labor (siehe www.n-bnn.de/cms/website.php ) bevor sie dann in Szeged weiterverarbeitet werden. Im tiefsten Winter wird dann das warmrote, duftende, neue Bio-Gewürz-Paprikapulver bei uns eintreffen.

Ursula Stübner und Heinz-Dieter Gasper

P.S.

Noch etwas Praktisches: Warum klumpt Paprika eigentlich immer so schnell?

 

 
Das Festwerden oder Klumpigwerden ist früher oder später bei Lagerung ein unvermeidbares, produktbedingtes Problem bei allen Paprikas. Das liegt in erster Linie am Wassergehalt, in Kombination mit dem hohen Zuckergehalt. Paprika braucht eine Restfeuchte von mind. 6% bis höchstens 12%. Unter 6% würden die Aromen verschwinden (Sägemehl).
Unser ungarischer Paprika hat eine Restfeuchte von 8% im Durchschnitt. Er wird nach 3 – 4 Monaten natürlicherweise klumpig. Man verzögert das Problem durch optimale Lagerung, wie es mit den Vorräten in den Paprikamühlen geschieht: trocken und zwischen 0 – 10°C (wir lagern zwischen 10 und 18°C, und lockern vor dem Abfüllen alles auf). Das Klumpigwerden verstärkt sich unvermeidlich ab 20°C – 25°C und mit zunehmender Raum-Feuchtigkeit.
Hier hilft nichts, außer selber nachzulockern, z.B. mit einer Gabel (Dose kann unten geöffnet werden), durch Aufstoßen und Schütteln. Da es ein natürliches Phänomen ist, müssen wir und unsere Kunden damit umgehen (kein Reklamationsgrund). Es beeinträchtigt nicht die Geschmacksqualität.