Lieferkette: Bergtee

Unsere neue Charge Bergtee kommt nun auch von unseren neuen Lieferantenpartnern der Griechenland-Connection. Wir haben schon viel von der Familie Schickl und den Bäuer:innen, mit denen sie zusammen arbeiten, berichtet. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, noch eine wirklich schöne Lieferkette zum Bergtee hinterherzuschieben. Manche Fotos werden den fleissigen Leser:innen vermutlich bekannt vorkommen, doch wir finden, dass man sie auch nochmal anschauen kann! Los geht’s!

 

So wächst der Bergtee. Könnte kaum malerischer sein.
Wenn er ausgewachsen ist, wird er von fleißigen Händen geerntet. Hier von Frau Efrosini Milona höchstpersönlich.
Das geht natürlich auch in der Gruppe sehr gut.
Gesammelt und gebündelt für den Weitertransport
Daraufhin wird er in einer großen Scheune zum Trocknen aufgehängt
Getrocknet kann er dann verpackt und für den Transport vorbereitet werden
Bei uns wird er dann fachfraulich verpackt
Und ist dann im bekannten Look für den Verkauf bereit

 

So läuft das also ab. Wir finden es immer wieder spannend die Reise vom Anbau bis zum fertigen Produkt zu sehen und freuen uns, diese Reise mit Euch zu teilen. Zum Abschluss noch 2 Extra-Bilder!

 

Für die nächste Ernte werden die Setzlinge schon gepflanzt. Bergtee ist mehrjährig. Ab dem 2. Jahr bis zum 4. oder 5. Jahr gibt es gute Erntemengen.
Bergtee Ernte ist schon quasi historisch. Hier ist ein Bild von 1975!

Ernten in der Klimakrise

 

Wir möchten hier, kurz nach Veröffentlichung des Klimaberichts 2021, die Eindrücke von Bernhard Schickl von unserer Griechenland Connection Montis Coryfes teilen.

Wir gehen davon aus, und haben es auch schon bei einigen Tees und Kräutern festgestellt, dass sich durch die Klimakrise der Geschmack der Produkte verändert. Das wird auch schon von Endverbrauchern reklamiert, aber das bringt die Hitze mit sich. Das Spektrum der ätherischen Öle verschiebt sich, der Gehalt insgesamt kann sinken oder steigen, die Gewürze, Kräuter und Tees (wir denken, auch der Wein) schmecken dann nicht mehr wie gewohnt. Es wird schwerer, Standards einzuhalten.

 

Hier der Bericht:

Wie uns die Bauern mitteilten, sind sie zum Glück von den aktuellen Waldbränden verschont geblieben.
In unseren Gesprächen mit den Bauern ist das Wetter ein zentrales Thema. Und dieses spielt verrückt. Erntevorhersagen sind immer schwieriger zu prognostizieren. Der Grund sind die Temperaturverschiebungen Winter/Frühling, die Winter sind zu mild, die Regenzeiten bleiben zu den  erwartenden Zeiten aus.

Die Sommer werden von Jahr zu Jahr heißer, wochenlange Tages-Temperaturen um die 40° C, Nacht-Temperaturen von 26°-30° C verursachen eine anhaltende Dürre und dadurch starke Ernteausfälle. Einige unserer Bauern bewässern nur in absoluten Notfällen ihre Felder, um die Kräuter an die immer häufiger auftretenden Hitzeperioden und den Wassermangel zu gewöhnen und dadurch die Pflanzen anzuregen, zu ihrem Schutz mehr ätherische Öle zu produzieren.

Jedoch diese sehr hohen Temperaturen, deutlich ansteigend in den letzten Jahren, bescheren immer häufiger Ernteausfälle. Das bedeutet für sie,  die Minderernten durch mehr Anbaufläche und mit mehr Aufwand auszugleichen. Die Waldbrände, die von Jahr zu Jahr heftiger werden, haben eine katastrophale Auswirkung auf das Mikroklima und das Klima hier in Griechenland. Starke Regenfälle im Hochsommer tragen die eh dünne Humusschicht ab, übrig bleibt eine Steinwüste, die nicht mehr bewirtschaftet und nur schwer wieder aufgeforstet werden kann.

Es brennt im wahrsten Sinne des Wortes an allen Ecken und Enden unseres Planeten, auch hier bei
uns in Griechenland.

Erntebericht: Terra Magnifica

Terra Magnifica Garten

 

Seit gut 20 Jahren arbeiten wir mit Terra Magnifica in Kroatien. Nach dem Balkankrieg hatten der Ingenieur Roman Turk und seine Frau Sanja den Betrieb gegründet, für biozertifizierte Wildsammlung und kleinbäuerlichen Anbau von Kräutern. Das war damals sehr wichtig für den Wiederaufbau der traditionellen Sammlerstrukturen, und ebenfalls eine wichtige Verdienstquelle für die kriegsgeschädigte Landbevölkerung.

Wir haben eben gesucht, wie lange wir schon genau mit Roman und Sanja zusammenarbeiten: der Bärlauch taucht zum ersten Mal 1999 in unserer Statistik auf. Gab es damals schon allgemein Email? Nein, es war gerade die Zeit nach Telex, eher Fax. Roman schreibt: “Ich glaube dass das historische moment (der Zusammenarbeit HEU – TM) auf der letzten Biofach in Frankfurt 1997 passierte.”

Kroatien hat sich mittlerweile zu einem anerkannten Urlaubsland entwickelt, seit 2013 in der EU, und Terra Magnifica ist unter den 3 größten Kräuterexporteuren, aber immer noch ein Familienbetrieb. Eine Meisterleistung an Organisation.

Es gibt viele Berichte über Terra Magnifica auf unserer Website – hier ganz frisch die Bilder “Farming 2021”.

 

Đuka – Rakovica

Trocknungsgestell für Ulmenrinde
Ulmen Rinde
Keimung von Benediktenkraut (Cnicus benedictus)
Melissenfeld
Setzlinge von echtem Eibisch (althaea officinalis)

 

 

Gorana – Križ

 

Kamillen Feld
Kamillen Ernte
Gorana und ihr neuer Traktor
Anlieferung zur Trocknung
Der Trockner wird befüllt
Im Trockner

 

Family Bobok – Požega

 

Bewässerungssee
Josip zwischen Ysop und Katzenminze
Wermutkraut (Artemisa absinthium)
Beifuß (artemisia vulgaris)
Saat Hafer
Elvira, Josip und Roman
Ysop
Echtes Herzgespann (leonurus cardiaca)
Zitronenmelisse (melissa officinalis)
Echte Katzenminze (nepeta cataria)
Setzlinge
Für den Sommer wurde hier Kalifornischer Mohn gesät
Familie Bobok: Vater, Mutter, Bruder und Schwester (mit Roman und Sanja)

 

 

Wir hoffen, Euch hat die kleine Bilderstrecke gefallen. Wir freuen uns immer wieder, Euch unsere LieferantInnen (und auch FreundInnen) vorzustellen. Die meisten unserer AnbauerInnen sind stolz auf Ihre Arbeit und zeigen gerne, was sie machen. Das is eine Bereicherung für beide Seiten, finden wir.

Nachruf: Prem Chand Tamang

 

Ein sehr berührender Nachruf von Prem Tamangs Familie, gleichzeitig ein reflektiertes nachkoloniales Geschichtsdokument ist eingetroffen, das wir hier weitergeben dürfen.

A very touching obituary of Prem Tamang’s family, at the same time a reflected post-colonial historical document has arrived, which we are allowed to pass on here.

 

 

 

 

Dear friends, please read below the detailed obituary of Dr. Ben Kaukler in English.

 

Auf unserer Darjeeling-Reise 2014 haben wir Prem Tamang kennengelernt und mit ihm die Teegärten von Tea Promoters India (TPI) bereist. Ein kritischer, widerspenstiger, sehr humorvoller Geist, Sohn eines kommunistischen Ministers, geboren in Darjeeling in einem der Teeplantagen zugehörigen „Tee-Dörfer“.

Sein Leben ist eng mit der Geschichte der indischen Darjeeling-Teegärten verknüpft. Deshalb hier zunächst etwas Historie:

Seit ungefähr 1840 gibt es professionellen Teeanbau in Indien – zunächst in Assam, aus der wildwachsenden Teevariante Camelia assamica -, veranlasst von der britischen Ostindien Kompanie – nachdem kurz zuvor deren Handelsmonopol für Chinatee ausgelaufen war. Etwa 20 Jahre später wurden von den Briten die ersten Teegärten in Darjeeling aus Stecklingen der chinesischen Teepflanze Camelia sinensis angelegt, der Beginn der Kulturlandschaft, wie wir sie heute kennen.

1947 endete die britische Kolonialherrschaft. Die sehr britisch geprägten Teegärten mitsamt der Teeverarbeitung wurden von der indischen Regierung bzw. dem westbengalischen Government in Kolkata (Calcutta) übernommen und per Lehensvertrag an nicht ortsansässige Unternehmen verpachtet.

Während die Briten zumindest in die Provinz Darjeeling (Besiedlung durch Nepalesen, Straßenbau, Eisenbahn, Tourismus) rückinvestierten, wurde die Region nach der Unabhängigkeit nur noch ausgebeutet und systematisch vernachlässigt, hinzu kommt der Kultur-Gap zwischen den nepalesischstämmigen Hill-People und den ihnen gegenüber arrogant auftretenden West-Bengalen Kolkatas.

In Darjeeling flammen deshalb bis heute immer wieder (gewaltsame) Aufstände auf (Gorkha-Bewegung – siehe auch die Gurkha Regimenter der englischen Armee im zweiten Weltkrieg), zuletzt der große Generalstreik vor ca. 3 Jahren (siehe unseren Bericht hier).

Es geht immer auch um Autonomie: Darjeeling ist tatsächlich heute überwiegend in Sprache und Kultur nepalisch geprägt. Und wehrt sich gegen eine zu starke Assimilierung in den Bundesstaat West-Bengal. Es brodelte also schon lange unter der jungen Gorkha-“Kriegern” mit ihrer stolzen Tradition, die im Vielvölkerstaat West-Bengal (von den Briten konzipiert) die Verlierer sind.

Nach Abzug der Briten funktionierte die Verwaltung der Teeplantagen zunächst nicht gut, Löhne wurden nicht gezahlt, es gab Insolvenzen. Schließlich gingen die Darjeeling-Teegärten in Privatbesitz über.

Prem Tamang arbeitete in den 1980er für die bengalische Regierung als Tea Superintendent bei Regierungsfarmen, und Brij Mohan (Gründer der Firma TPI) war Vorstandsvorsitzender bei der Government Company für die Teefarmen. Prem und Brijs Sohn Binod Mohan hatten zusammen studiert. Ein freundschaftlicher Klüngelverein.

Im Jahr 2000 konnte Brij Mohan den Teegarten Singell übernehmen, es folgten weitere Teefarmen und wurden mit und mit auf Bio-Anbau, auf Fairtrade und später z.T. auf Demeter-Anbau umgestellt. Prem Tamang hatte daran großen Anteil, ab 2002 als Direktor für TPI, und er blieb der Familie Mohan über 3 Generationen (Gautam Mohan ist seit ein paar Jahren mit im Unternehmen) eng verbunden. Eine feine Ironie ist, dass Prem zu den Hill People gehört, und die Mohans zu den Kolkata – Bengalen, was bei aller Freundschaft Gelegenheiten für Dispute bot.

Die teil-feudale Struktur der Darjeeling-Teegärten passt nicht mehr recht in unsere Zeit, die ökonomische Situation ist sehr schwierig geworden. Die ursprüngliche Idee war, dass ein Teegarten die umliegenden Dörfer mit bis zu 8000 Personen komplett versorgt – vom Hausbau bis zu Bildung und Gesundheitssystem, und die Bewohner im Gegenzug ihre Arbeitskraft in die Teegärten einbringen. Das ist kaum noch zu verwirklichen, denn immer mehr DorfbewohnerInnen müssen sich anderweitig um ein Auskommen bemühen.
Prem Tamang hat diese Situation kritisch beschrieben und an Modellen zur Verbesserung gearbeitet, Fairtrade, Tourismus statt ausschließlich Tee, Kleinbauern-Initiativen mit den Teefabriken (v.a. TPI) verbunden. (siehe den englischen Teil des ausführlichen Nachrufs von Ben Kaukler/ Topqualitea).

Dieses Jahr im Juli konnte Prem noch seinen 70. Geburtstag feiern. Nach längerer Krankheit ist er nun im August 2020 gestorben. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen drei Söhnen.

Heinz Gasper und Ursula Stübner

 

 

Obituary

Prem Chand TAMANG

14th July 1950 to 10th August 2020

 

The organic and fairtrade movement of India lost one of ist founders with Prem C. Tamang on 10th Aug. 2020 . Since the 1990s he was actively involved in organic tea development of both tea gardens and small farmer initiatives. Last he worked for Tea Promoters India as an Director focusing fairtrade development programs for this pioneer tea group…

Prem was born in a tea village belonging to Chongtong tea garden near town of Bijanbari in Darjeeling, India on 14th of July 1950 exactly 161 years after the beginning of the French Revolution with the storming of the Bastille in Paris. To change and revolutionize the establishment seem to be a motive in his live right from his birth onwards….

His father (a communist WB minister and later member of Rajya Sabha (Parliament) enabled him an education in Darjeeling to become a tea manager. In the 1980s he joined public services as a tea superintendant … The WB government made him responsible for various sick tea plantations which have been abandonned by previous owners due to unrentability… Prem`s task was to find a way to give new live to those tea gardens and its inhabitants. Reviving these centurary old tea regions was his official goal.

It was here that Prem was first experimenting with organic methods and meeting European experts like Dr. Rainer Bächi (IMO) and the founding Präsident of NATURLAND. Fairtrade companies like GEPA did greatly benefit on his tea expertise …

After joining Tea Promoters India in 2002 he implemented organic and fairtrade methods for all undertakings of this organic & fairtrade pioneer group being aktive in Assam, West Bengal, Darjeeling and Kerala. Particulary the Small Farmer Projects of TPI have been his brain children right from the beginning like Mineral Springs, Upper Pashok, etc… He will be never forgotten in Kerala where he re-organised the Naturland Tea Factory Project for Peermade Development Society (PDS, Kuttikkannam) and Tea Promoters India (TPI, Calcutta) successfully… He was elected as international delegate of the NATURLAND Assembly twice after 2010…

Many foreign partners of TPI will remember him as a joyful and entertaining tea expert of rural India trying to find new and modern ways how to produce good tea more sustainable for our environment and social well being today…

He will be missed by his wife and 3 sons badly. But we all and especially Tea Promoters India and his Partners around the globe lost a founding pioneer of organic & fairtrade tea culture… May his soul find peace….

 

Ben Kaukler

Lavendelernte

Lavendel bei Tag

 

2017 besuchten wir mit Roman und Sanja von Terra Magnifica den jungen Bauern Zoran Golub und seinen Freund Sinisa im Kalnik-Gebirge in
Kroatien. Die beiden arbeiteten hauptberuflich in einer Aluminiumgießerei, die nur aus 4 Mitarbeitern besteht. Nebenbei begannen sie als Bauern auf dem Land ihrer Väter, und haben es auf Bio umgestellt, mit dem Ziel, beide Familien davon ernähren zu können. Kräuter-Anbau, und insbesondere
Blüten, bringen bessere Verdienstmöglichkeiten als z.B. Mais, erfordern aber auch mehr Arbeitseinsatz. Damals haben wir eine Reihe Versuchsfelder besichtigt. Zum Bericht aus 2017.

 

 

2017 in Kroatien mit Sinisa, Zoran und Roman

 

 

Heute: In der Aluminiumgießerei arbeiten sie immer noch, aber die Felder sehen prachtvoll aus, und parallel werden Möglichkeiten für Agrotourismus aufgebaut. Es geht weiter. Seit 2019 haben wir den echten Lavendel (lavandula angustifolia) von Zoltan und Sinisa im Programm. Die Fotos zeigen die diesjährige Ernte.

 

 

Corona und Lockdown-Folgen bei unseren Kleinbauern- und Teepartnern von Trust Organic Small Farmers

Wir haben unsere Partner in Indien, Sri Lanka und Südafrika gefragt, wie es ihnen während der Corona-Krise und des Lockdowns geht, wie ihr Alltag ist, ob sie ernten können (die Ernten laufen alle gerade) und ob die Ernten verarbeitet werden können.

 

Rooibusch Südafrika

Benni Wessels, landwirtschaftlicher Berater für Topqualitea Südfarika (Exporteur für z.B. die Wupperthal Rooibos Cooperative und Skimmelberg)

 

Ja, ich glaube, dieses Virus hat uns alle unvorbereitet erwischt, und ich hoffe, dass es Euch in diesem Stadium gut geht und Ihr frei von Viren seid.
Wir befinden uns in der 5. Woche des Lockdown, und nach dem kommenden Freitag werden wir in Stufe 4 eintreten (zu diesem Zeitpunkt sind wir auf Stufe 5). Alles ist noch etwas vage, was diese Stufenänderung bedeutet, aber soweit ich es beurteilen kann, wird sich nicht viel ändern, und nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wird zu “systemrelevant” hinzugefügt. Aber für den größten Teil/die meisten werden wir im Lockdown bleiben. Sie haben uns nicht mitgeteilt, wie lange die Stufe 4 bleiben wird, aber ich schätze, dass es zwei Wochen dauern wird und danach entweder Stufe 3 oder 5 (falls der Stufenwechsel die Situation verbessert hat).

In Bezug auf die Rooibos-Situation: Durch den Lockdown waren Landwirtschaft/Ernte/Verarbeitung nicht betroffen und konnten wie gewohnt weitergeführt werden. Die Wupperthaler hatten die Hälfte ihrer Ernte hinter sich, als der Lockdown eintrat, aber es scheint, dass sie bei der Ernte nicht betroffen waren. Die Probleme traten weiter unten in der Kette auf. Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Virusvorschriften über die Verarbeitung von Lebensmitteln während dieses Lockdowns aussagen, aber in der Rooibos-Industrie wurde die Belegschaft in Schichten aufgeteilt, was die Verarbeitung verlangsamte. Ein weiteres Problem scheint zu sein, dass die Aufträge im Vergleich zu den normalen Zeiten fast ausgetrocknet sind (was aus der Sicht des Käufers verständlich ist). Die Folge davon ist, dass kein Auftrag auf kein Geld hinausläuft, das an die Bauern ausgezahlt werden kann. Kommerzielle Landwirte mögen zwar einige finanzielle Reserven haben, aber die Kleinbauern haben keine, was sie in eine enorme finanzielle Notlage bringt. Die Regierung hat Vorkehrungen für finanzielle Hilfe für die Ärmsten der Armen getroffen (in diese Kategorie fallen die meisten Kleinbauern), aber wie Ihr wisst, mahlt die Bürokratie nur sehr langsam, und zum jetzigen Zeitpunkt haben sie noch nichts erhalten.

Ich gehöre nicht zum Management von TopQuali, aber soweit ich das beurteilen kann, haben sie so weit wie möglich geholfen, aber auch hier können sie ohne Kundenaufträge nur so viel tun. Eine weitere Herausforderung, die wir haben, besteht darin, dass die Bauern nicht wirklich verstehen, dass diese Virussituation ein weltweites Problem ist und dass die Unsicherheiten, die Unternehmen in Südafrika erleben, im Grunde die gleichen sind, die Kunden weltweit erfahren.

Wir warten also auf eine Lockerung des Lockdown-Levels, damit ich reisen und diese Bauern besuchen und versuchen kann, ihnen die Situation zu erklären.

Ein weiteres Problem, das ich (und ich denke, die meisten Menschen) habe, ist, dass ich tatsächlich verstehe, was die Regierung meint, wenn sie Regeln festlegt. Bei der Anordnung der verschiedenen Stufen ist zum Beispiel zu beachten, dass die älteren Menschen bis zur Stufe 2 unter Verschluss gehalten werden. Aber leider kann nicht jeder erklären, wer das eigentlich ist. Nach einigen staatlichen Regeln sind mit älteren Menschen alle über 60 gemeint. Das definiert mich dann leider als “älter” (auch wenn ich mich mit 30 Jahren Erfahrung nur als 34 Jahre alt fühle). Es scheint, dass man eine Genehmigung (bis Stufe 3) braucht, um zu reisen, so dass wir derzeit, wie ich bereits erwähnt habe, die Kleinbauern nicht besuchen können.
Kurzum, wir halten durch (Denkt daran, dass Afrika nichts für Weicheier ist und dass Weicheier schon vor langer Zeit ausgestorben sind) und werden das durchstehen, auch wenn wir uns wie verrückt langweilen. Mein Bart wird länger, und am Ende des Jahres sollte ich wie der Weihnachtsmann aussehen.

Ich hoffe, Ihr bleibt gesund in Deutschland und passt auf Euch auf.
Mit freundlichen Grüßen
Bennie

 

 

Folgend das Original auf Englisch:

Yes, this virus I think caught all of us unawares and I hope you are well and virus free at this stage.
We are in the 5th week of lock down and after Friday coming we will enter Level 4 (we are at level 5 at this stage). All still a bit vague wat this level change mean but as far as I can gather not much is going to change and only a small portion of the population is added to “essential”. But for most part(s) we will remain in lockdown. They haven’t informed us for how long level 4 will remain but my guess will be 2 weeks and then after that either level 3 or 5 (if the level change did improve the situation).

With regards to the Rooibos situation. With the lockdown farming/harvesting/processing were not affected and could go on as usual. Wupperthal were halfway through their harvesting when the lockdown occurred but it would seem that it did not affect them in the their harvesting. The problems occurred lower down the chain. I’m not exactly sure what the virus regulations say about processing of food stuffs during this lockdown but in the Rooibos industry the work force was split up into shifts which made processing slower. Another problem it would seem is that orders almost dried up (which is understandable from a buyer’s viewpoint) compared to normal times. The knock on effect is that no order boils down to no money that can be paid to farmers. Commercial farmers might have some financial reserves but the small scale farmers have none which puts them in an enormous financial predicament. Government have made provisions for financial assistance for the poorest of the poor (in which category most small scale farmers fall) but as you know bureaucracy grinds very slowly and at this stage they haven’t received anything as yet.

I’m not part of TopQuali’s management but as far I can gather they have helped as far as possible but again they can only do so much without any client orders. Another challenge we have is that the farmers don’t actually understand that this virus situation is a world wide problem and that uncertainties that companies in South Africa experience are basically the same that clients worldwide experience.

So we are awaiting a relaxation in the lockdown level so that I can travel and visit these farmers and try to explain to them what the situation is.
A further problem I (and I think most people) have is to actually understand what government mean when they lay down rules. A layout of the different levels for instance note that the elderly will be under lockdown up to level 2. But unfortunately not everybody can explain who this is actually. According to some governmental rules the elderly is meant everybody above 60. Which unfortunately then defines me as “elderly” (even if I only feel 34 with 30 years’ experience). It would seem that you need a permit (up to level 3) to travel, so at present as I mentioned we cannot visit the small scale farmers.
So in short we are holding out (Remember Africa is not for sissies and sissies died out long ago) and will get through this even if we are bored like crazy. My beard is getting longer and at the end of the year I should look like Father Christmas.

Hope you stay well in Germany  and look after yourself.
Best Regards
Bennie

 

 

Darjeeling, Tea Promoters India

Gautam Mohan, Mitinhaber 3. Generation

 

Vielen Dank für Eure E-Mail. Es geht uns hier gut und wir durchleben die härteste Abriegelung der Welt. Es waren wirklich schwierige Zeiten – unsere First Flush-Ernte war auf ihrem Höhepunkt, als der Lockdown einsetzte, und dies wird große Auswirkungen auf die Ernte der laufenden Saison haben.
Die gesamte Wirtschaft in der Region Darjeeling arbeitet daran, dass die First-Flush-Ernte gut verläuft, und dies werden die schwierigsten Zeiten sein, die wir als Organisation zu bewältigen haben.

Unsere Mitarbeiter kommen gut zurecht. Wir verfügen über ausreichende Vorräte an Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen Gütern in unseren Teegärten. Gegenwärtig bemühen wir uns darum, sicherzustellen, dass das Virus Darjeeling nicht erreicht und alle sicher und geschützt sind.
Seit letzter Woche haben wir mit der Pflückung begonnen, wobei 25 % der Pflücker eingesetzt wurden (da es sich hierbei um soziale Distanzierungsnormen handelt, die von der Regierung festgelegt wurden).

Es ist sehr bedauerlich, da wir den Höhepunkt der First-Flush-Qualitätsperiode verpasst haben.
Unsere Büros sind noch immer nicht wieder geöffnet, und so wie es aussieht, könnte dies erst in der 1. Maiwoche geschehen.
Inmitten all dieser negativen Nachrichten haben wir unseren jährlichen Newsletter herausgegeben, den ich dieser E-Mail beifüge. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Ich hoffe, es geht Euch gut und es gelingt Euch, bei guter Laune zu bleiben. Die Zahlen aus Deutschland scheinen gut unter Kontrolle zu sein.
Bleibt gesund und herzliche Grüße an Dich und Heidi,
mit freundlichen Grüßen,
Gautam Mohan

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thank you for your email. We are fine here and living through the harshest lockdown anywhere in the world. These have been really difficult times – our First Flush harvest was at its peak when the lockdown came in and this is going to have a big impact on the present seasons crop.
The entire economy in the Darjeeling region works on the First Flush harvest doing well and these are going to be the most challenging times we feel we will be facing as an organisation.

Our people are managing well. We have sufficient stocks of food and other essentials in our tea gardens. Presently, our efforts are to ensure that the virus doesn’t reach Darjeeling and everyone is safe and protected.
We have since last week commenced our plucking with 25% deployment of plucking (as these are social distancing norms that have been stipulated by the government).

It’s a shame as we have missed the peak First Flush quality period.

Our offices still haven’t reopened and by the looks of it, this might only happen in the 1st week of May.
In the middle of all this negative news, we have launched our annual newsletter which I’m attaching to this email. I hope you enjoy reading it.
I hope you are well and managing to stay in good spirits. The numbers from Germany seem to be well under control.

Stay well and warm regards to you and Heidi,
Best Regards,
Gautam Mohan

 

 

Kerala, Peermade Development Society / Sahyadri Spice Farmers

Jomon Joseph, Sales Manager Export

Vielen Dank für Eure Mail.
Wir sind sicher und wohlauf. Ich wünsche Euch, Eurer Familie und Eurem Team in dieser Zeit guten Geist und Gesundheit.
Unser Distrikt, d.h. Idukki, ist eine der mittelgroßen betroffenen Regionen. In diesem Distrikt gab es 10 positive Fälle von COVID. 19 Fälle wurden in diesem Distrikt gemeldet, und nun sind alle geheilt und haben die Krankenhäuser verlassen. Gegenwärtig gibt es in unserem Distrikt keine positiven Fälle von COVID 19. Die Menschen in unserem Distrikt und unsere Bauern sind sehr besorgt über COVID 19.

Gemäß den Richtlinien der Regierung arbeiten wir zur Zeit mit einem Minimum an Personal und Arbeitskräften. Wir halten während der Arbeitszeit und auf Reisen soziale Distanzierung aufrecht. Alle Mitarbeiter benutzen ständig Masken. Vor und nach der Arbeit und den Reisen reinigen wir die Hände mit Desinfektionsmittel (IP) und Seife.

Und wir sind mit Transportproblemen konfrontiert, damit die Mitarbeiter den Arbeitsplatz erreichen können, sowie mit Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Rohstoffe, mit der mangelnden Verfügbarkeit von Arbeitskräften für die Kleinbauern, um die landwirtschaftlichen Tätigkeiten und die Verarbeitung auf den Feldern zu erledigen, und mit der Schwierigkeit, die Dienstleistungen der externen Quellen wie Etikettendruck, Schreibwaren usw. pünktlich für den Betrieb zu erhalten.

Als Folge dieser Pandemie befürchten wir, dass die Preise für die Gewürze aufgrund des Rückgangs der weltweiten Nachfrage sinken werden. In diesem Szenario müssen wir einen Mindestpreis für die Landwirte sicherstellen, um der bäuerlichen Bevölkerung eine nachhaltige Existenzgrundlage zu sichern.

Passt auf Euch auf.
Herzliche Grüße
Jomon Joseph

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thanks for your mail.
We are safe and well. Wishing you, your family and team good spirit and health at this time.
Our district, ie, Idukki is one of the medium affected region. There were 10 positive cases of COVID 19 has been reported in this district and now all of them are cured and left hospitals. At present there are no positive COVID 19 cases in our district. The people in our district and our farmers are highly concerned about COVID 19.

As per the governments guidelines, at present we are working with bare minimum staffs and workers. We are keeping social distancing during work time and during travelling. All the employees are using masks all the time. Before and after the work and travel we are cleaning the hands with sanitizer (IP) and soap.

And we are facing Transportation issue for the employees to reach the work place, difficulties in sourcing the raw materials, lack of availability of laborers for the farmers to do the farming activities and on farm processing and difficulty in getting the out sources services like label printing, stationary etc on time for the operations.

As a result of this pandemic, we afraid that the prices of the spices will fall down due to the fall in global demand. In this scenario,we need to ensure a minimum price for the farmers to ensure a sustainable livelihood for the farming community.

Take care.
Warm regards
Jomon Joseph

 

 

Sri Lanka, SOFA Kleinbauern Association

Chathura Abeyratne, Verarbeitungs- und Exportfirma Joint Agri

 

Wir haben derzeit fast 600 Coronapatienten, und es werden täglich mehr, Sri Lanka ist seit dem 19. März bis heute inselweit abgeriegelt. In der vergangenen Woche wurde die Ausgangssperre für einige wenige Distrikte aufgehoben und ab dieser Woche erneut verhängt. Jeder muss eine Maske tragen, und wir müssen einen Abstand von 1 m einhalten. Wir hoffen, dass die Regierung ab dem 4. Mai die Ausgangssperre inselweit aufheben wird.
Joint Agri arbeitet seit den letzten 3 Wochen mit begrenztem Personal unter Sondergenehmigungen. Die meisten exportorientierten Unternehmen führen den Betrieb mit begrenztem Personal. Corona hat einen enormen Einfluss auf die srilankische Wirtschaft.
Herr Ranaweera wird Euch über die Auswirkungen auf die Kleinbauern auf dem Laufenden halten.

Mit freundlichen Grüßen
Chathura Abeyratne

 

Folgend das Original auf Englisch:

 

We have close to 600 Corona patients as at now and it is increasing everyday,  Sri Lanka is on island wide lockdown since 19th March upto date. Last week gorrement removed curfew for few districts and again re-imposed from this week onwards. Everybody has to wear a mask and we need to maintain a 1m distance.  We are hopeful from May 4th the government will  remove the curfew island wide.

Joint agri has been working with limited staff under special approvals since last 3 weeks. Most export related companies run the operations with limited staff. Corona has a huge impact on the Sri Lankan economy.

Mr.Ranaweera will update you regarding the impact on small farmers.

Best Regards
Chathura Abeyratne

 

 


Sri Lanka, SOFA Kleinbauern Association

Bernard Ranaweera, Präsident SOFAi

Vielen Dank für Eure E-Mail vom 25. April 2020 zu obigem Thema. Wir hoffen, dass Ihr in der gegenwärtigen Krise sicher bleibt.
Die Regierung in Sri Lanka hat viele Maßnahmen ergriffen, um die herrschende Covid – 19 zu kontrollieren. Sie hat eine landesweite Ausgangssperre seit dem 20. März 2020 verhängt. Mehrere Distrikte wie Colombo, Puttalam und Gampaha sind als Hochrisikogebiete ausgewiesen und unterliegen einer permanenten Ausgangssperre. In anderen Distrikten wird die Ausgangssperre von Zeit zu Zeit aufgehoben und erneut verhängt, um den Menschen den Kauf von lebensnotwendigen Lebensmitteln, Medikamenten usw. zu erleichtern. Die Regierung hat mehrere Programme zur Verteilung von Grundnahrungsmitteln und Medikamenten an die Menschen in den Gebieten mit permanenter Ausgangssperre durchgeführt. Für Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre täglichen Ausgaben mit Hilfe von Regierungsbeamten auf Dorfebene zu bewältigen, zahlt die Regierung ein Taschengeld. Mehrere private Institutionen beteiligten sich ebenfalls an der kostenlosen Verteilung von Nahrungsmitteln und Medikamenten an die Bevölkerung, da diese sich in den letzten fünf bis sechs Wochen in einer schwierigen Lage befand. Solche Programme werden für die Gemeinschaft in unserem Land immer noch durchgeführt.

Die Gesundheitsbehörden haben viele Anweisungen gegeben, wie z.B. das Tragen von Gesichtsmasken, ständiges Händewaschen, Wahrung des sozialen Abstands usw. für die Sicherheit der Bevölkerung. Inselweite Quarantänestationen wurden eingerichtet, um die Bevölkerung unter Quarantäne zu stellen, und die Gesundheitsbehörden und -kräfte unterstützen diese Programme nach Kräften.

Jedenfalls ist es den Bauern im Land erlaubt, ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten fortzusetzen, indem sie den Anweisungen der Gesundheitsbehörden folgen. Den Menschen wird empfohlen, sich strikt an die Gesundheitsanweisungen und die von der Regierung erlassenen Einschränkungen zu halten. Die meisten staatlichen und privaten Einrichtungen sind seit dem 20. April geöffnet. Dennoch sollten nur 50% der Gesamtzahl der Mitarbeiter in den Einrichtungen arbeiten.

Diesen Anweisungen folgend, kaufen wir kontinuierlich Rohware ein. Außerdem haben wir unsere Verwaltungstätigkeit mit einem begrenzten Personalbestand begonnen. Wir haben einige lebenswichtige Güter unter unseren Mitgliedern in der Landwirtschaft verteilt. Alle Mitarbeiter und Bauernmitglieder erhalten die gedruckten Anweisungen von unserer Organisation. Ferner werden Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel für die Mitarbeiter und Bauernmitglieder zur Verfügung gestellt.

Letztendlich hoffen wir, unsere Verwaltungs- und Einkaufsaktivitäten weiterführen zu können und hoffen, dass sich die Situation bald bessert.
Mit freundlichen Grüßen
Bernard Ranaweera
Präsident/SOFA
Small Organic Farmers’ Association.

 

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thank you very much for your email dated 25th April, 2020 on the above subject. We hope you stay safe during the present crisis.

The government in Sri Lanka has taken many actions to control the prevailing Covid – 19. It has declared country wide curfew since 20th March 2020. Several districts such as Colombo, Puttalam, Gampaha are identified as high – risk areas and they are under permanent curfew. The curfew in other districts are lifted from time to time and re-enforced to facilitate the people to buy essential food items, medicine etc. The government has implemented several programs to distribute essential food items and medicine among people in the permanent curfew areas. An allowance is paid by the government for people who are in a difficulty to manage their daily expenses with the assistance of village level government officers. Several private institutions also involved in distributing food items and medicine among people free of charge as the people were in a difficult situation within last five – six weeks. Such programs are still going on for the community in our country.

The health authorities have given many instructions such as wearing face masks, constantly washing hands, keeping social distance etc for the safety of public general. Island wide quarantine centers have been established to quarantine the people and health authorities and forces are giving their maximum support for those programs.

Anyway, the farmers in the country are allowed to continue their farming activities by following the instructions given by the health authorities. People are advised to strictly adhere the health instructions and the restrictions given by the government. Most of the government and private institutions are open since 20th April. Nevertheless, only 50% of total number of staff members should work in the institutions.

Following these instructions, we are continuously purchasing green leaves. Further, we have started our administration activities with a limited staff. We have distributed some essential goods among our farmer members. All the officers and farmer members are given the printed instructions by our organization. Further, face masks, sanitizing liquid are provided for officers and the farmer members.

Ultimately, we hope to further continue our administration and purchasing activities and hope the situation will get over soon.

Kind Regards

Bernard Ranaweera
President/SOFA
Small Organic Farmers’ Association.

 

 

(Übersetzt mithilfe www.DeepL.com/Translator)

TOSF Konferenz 2020

 
 
Am Vorabend der Biofach-Messe findet traditionell unsere Trust Organic Small Farmers Konferenz statt, dieses Jahr zum 14. Mal. Wir, das sind Kleinbauernprojekte aus Indien, Sri Lanka und Afrika sowie Bio-Importeure aus Europa und ab und zu Gäste aus Verbänden.
 
Das Besondere an unserer langjährigen Verbindung ist der offene Austausch über Kontinente hinweg über Probleme, Lösungen und Zukunftsaussichten.
 
 

Dieses Jahr im Fokus: Bio-Saatgut und Bio-Setzlinge.

 
Bennie als Berater von Rooibuschprojekten in Südafrika berichtet über eine neue Initiative, die erstmals in größerem Umfang Bio-Setzlinge für Rooibusch züchten will, sodass sie auch von anderen Bauern erworben werden können. Rooibusch-Setzlinge sind sehr empfindlich und schwer durchzubekommen, und die Klimawandel-bedingten Dürren machen es nicht leichter.
 
Bennie aus Südafrika, Berater der Rooibusch Kleinbauern Cooperativen in Wupperthal
 
Normalerweise werden die Setzlinge in einem Feld gezogen. Sie überleben aber den Umzug in der wüstenartigen Gegend nicht, da beim Herausholen ein Drittel der feinen Wurzeln verloren gehen. Jetzt wird ein Versuch folgen, die Setzlinge in Polysäcken zu ziehen.
 
Für konventionelle Setzlinge werden tatsächlich Neonicotinoide benutzt um die angeschnittenen Wurzeln – etwas komatös – überleben zu lassen. Leider erteilen bisher einige Ökokontrollstellen auch Ausnahmen für Bio-Setzlinge. Es ist natürlich ein Unding, diese Gifte im weltweit bedeutendsten Biodiversitätshotspot freizusetzen.
 
Das Besondere an dem neuen Biosetzlings-Projekt ist nun, dass sie alle feinen Wurzelausläufer mitnehmen und die Pflanze aus sich stärker wird. Saatgut und Setzlinge, die Bio und auch Klima- resilient sind, sind ein essenzielles Thema für alle Projekte. Es erfordert viel Wissen und Erfahrung.
 
 
Die Inder von PDS kommen an, Jacob zuständig für international Sales, Father Jilson und der Wissenschaftler Dr. Thomas
 
Dr. Thomas vom Kleinbauernprojekt Peermade Development Society beschreibt, wie dort vom eigenen Forschungsinstitut bzw. von den Kleinbauern selbst die Gewürzpflanzen vermehrt werden, und zwar durch Stecklinge (Pfeffer), über Rhizome (Ingwer, Curcuma), Samen oder Setzlinge. Setzlinge werden mit Erfolg bereits in Polybags gezogen.
 
Das Vermehrungsprogramm bezieht sich auf lokale Sorten, die häufig besser mit den Klimaveränderungen klarkommen. Die Bauern durchkämmen ihre Gebiete zudem auf noch nicht registrierte Varietäten. Die PDS kümmert sich darum, dass eine solche Sorte auf den Namen des Farmers eingetragen wird. Zusätzlich werden die Bauern geschult und können sich mit den Setzlingen noch etwas Geld verdienen. Die Regierung unterstützt sogar die Kulturpflege der lokalen Sorten mit einem Zuschuss.
 
 
 
Dr. Thomas betont, wie wichtig der Erhalt alten Bauernwissens gerade in Zeiten des Klimawandels ist. Dafür reist er viel übers Land, beobachtet und interviewt die Bauern und Bäuerinnen. Bei der Pflanzenvermehrung werden in der Regel Wurzelhormone angewandt. Auf seiner Reise traf er eine alte Bäuerin, die wusste, dass Pfefferstecklinge besonders gut unter Moringa-Bäumen gedeihen. Sie experimentierte mit einer selbstgemachten Moringablatt-Paste; und das mit großem Erfolg. Das PDS Research Institut prüfte das mit denselben guten Resultaten, und verbreitet die Methode unter den Kleinbauern.
 
 
Praveen von TPI aus Kalkutta, Father Jilson aus Kerala und Frederika aus Südafrika

 

Auch die bürokratischen Auflagen wachsen

Weitere Themen: die neue EU-Bio-Verordnung weckt Befürchtungen bei unseren Drittland Partnern. Bernard, Präsident des SOFA Kleinbauernprojekts in Sri Lanka, berichtet, dass die neue Richtlinie, pro 500 Kleinbauernfamilien eine eigene Biozertifizierung vorschreibt.
 
Ein Projekt wie SOFA hat 3500 Mitglieder, bedeutet 7-fache Zertifizierungskosten – eine ungeheure Belastung. Eine Plantage mit 3500 Mitarbeitern hingegen würde nur eine Zertifizierung benötigen, was die Kleinbauern als ungerecht empfinden.
 
 
Chathura und sein Vater aus Sri Lanka. Sie bereiten die Gewürze der SOFA Kleinbauern auf und managen den Export
 
 
Eine andere Änderung betrifft das COI, das Biodokument für den Import von Bio-Lebensmitteln in die EU. Es muss nun von den Kontrollstellen ausgestellt und in die Datenbank Traces eingestellt sein, bevor das Schiff losfährt. Technisch nicht möglich, da die obligatorischen Daten, die das Schiff und den Container betreffen, erst kurz vor der Abfahrt bereitstehen. Leider sind die Verantwortlichen in der EU-Kommission keine Praktiker, haben aber in letzter Minute ein Schlupfloch zugelassen, denn ist das Schiff erstmal 10 Tage auf See ohne COI-Dokument, gilt die Ware bei der Ankunft nicht mehr als Bio. Kommentar: „Paper is dominating Reality.
 
An dieser Stelle müssen wir auch nochmal auf den Ausspruch zurückkommen: „Bio-Lebensmittel können nicht sauberer sein als die Umwelt, in der sie wachsen“. Die neue EU-Bio-Verordnung schreibt zwar Prozessorientierung vor, aber es ist noch vollkommen unklar, wie die Behörden im EU-Flickenteppich mit Rückständen aus Abdriften der konventionellen Landwirtschaft in Bioware umgehen werden – ob es nicht doch zu einer Nulltoleranz kommt. Damit würde Bio-Landwirtschaft nicht nur in Drittländern zu riskant. Dieses Problem besorgte die Kleinbauernprojekte auf unserer Konferenz sehr stark, da durch unklare Regulierungen eine völlige Unsicherheit für sie entsteht.
 
 

Shrinath von der Firma Ethical Tea, Tee von Kleinbauern in Sri Lanka
 
 
Neu in unserer Initiative Trust Organic Small Farmers ist die Firma Ethical Tea, die den Tee der SOFA Kleinbauern verarbeitet. Die Ceylon Tees in unserem Programm stammen von dort.
TPI, unsere Teepartner in Indien, berichten, dass sie möglichst jede ihrer Teefarmen mit einem Kleinbauern-Teeprojekt verbinden wollen. Mittlerweile sind es 5 Kleinbauernzusammenschlüsse. Es entstehen schöne Tees in einer Win-win-Situation.
 
 

Sanjas Garten 2

Was bisher geschah

 

Wir hatten im letzten Jahr im Juli einen Beitrag über Sanjas Garten gebracht. Zur Auffrischung erstmal eine kurze Zusammenfassung:

 

Sanja ist die Chefin von Terra Magnifica, unserem langjährigen Lieferanten für Kräuter aus Wildsammlung sowie aus kleinteiliger Bio-Landwirtschaft in Kroatien.
Ihr Mann, der Ingenieur Roman Turk hat mit dem Chemiker Ivan Perisa im Jahr 2013 das Labor Quanta gegründet, das mittlerweile akkreditiert ist. Der Anlass war, dass auch in Pflanzen aus Wildsammlung ein steigendes Grundrauschen an Pestiziden, abgedriftet aus der konventionellen Landwirtschaft, schon nicht mehr zu übersehen war.
Mittlerweile verfügt Quanta über die wahrscheinlich ausführlichste Versuchsreihe bezüglich Kräuter und Pestizid-Kontaminationen.

 

Sanja selbst ist absolute Kräuterspezialistin, der beschriebene Garten gehört ihr.
Er liegt auf der Kuppe eines langgestreckten Hangs richtig im Grünen. Drumherum einige relativ kleine, verstreut liegende Weinberge. Idyllisch.
Im Rahmen eines Lindenblüten-Monitorings zur Ernte 2018 hat das Labor Quanta auch in Sanjas Garten Messungen durchgeführt.
Den Report über die Ergebnisse der Monate Juni/Juli hatten wir vom Englischen ins Deutsche übersetzt und inklusive der Messtabelle geteilt.

 

Das traurige Ende vom Lied war, dass sich in Sanjas Garten so viele Pestizid-Kontaminationen aus den umliegenden konventionellen Weinbergen wiederfanden, dass der schöne Bio-Hausgarten aus der EU-Bio-Verordnung herausfallen würde. Auch der 2. Teil der Untersuchung, Juli – November, zeigt, dass Wind und Wasser die Spritzgifte in größeren Mengen über 100 m weit tragen (und sogar kilometerweit, wie andere Untersuchungen vermuten lassen). Schockierend ist, dass am Ende in Sanjas Privatgarten 30 verschiedene Pestizide gemessen werden.

 

 

Die Messungen gehen weiter

Während die Messergebnisse schon für Sanja und ihre „eigentliche“ Bio-Oase eine große Tragödie sind, zeigen sie natürlich auch, wie Bio-Landwirtschaft an sich zunehmend schwieriger wird. Zwischen den strikter werdenden Bio-Richtlinien und dem unkritischen Einsatz von immer mehr Pestizid-Formeln können sich Bio-BäuerInnen gar nicht mehr selbst helfen. Selbst wenn der eigene Anbau vollkommen regelkonform biologisch ist, werden die Pflanzen dennoch durch den umliegenden, konventionellen Anbau belastet.

 

Der hier folgende Text beruht auf der anschließenden Messreihe von Juli bis November und ihrer Auswertung. Der eigentliche Text von Ivan, der die Erkenntnisse beschreibt, ist naturgemäß recht technisch; wir haben versucht, es in einer etwas allgemeinverständlicheren Form wiederzugeben.
Es finden sich zu den jeweiligen Stichpunkten Verweise auf Spalten in der zugehörigen Messtabelle mit Pestizidrückständen, die wir ganz unten angehängt haben.
Wer dann noch weiß, wie lange eine Analyse dauert, und welcher Aufwand und Kosten bei so einer Reihe anfallen, weiß auch den Einsatz von Labor Quanta und Terra Magnifica für Bio einzuschätzen.

 

Neue Daten im Monitoring:

  • Es wurde ein weiteres Weingut in die Messungen mit aufgenommen, c Oberkante 50 m, Unterkante 100 m mittlerer Höhenunterschied 25 m vom Basilikum entfernt. (Tabelle: „Vineleaf 2“, orange markiert)
  • Es wurden weitere ein- und mehrjährige Pflanzen das Monitoring aufgenommen, nämlich Basilikum und Strohblume. Beide ca. 10 m vom Referenzbaum (Roter Hartriegel) entfernt.

 

 

Beobachtungen

1. Das Spritzen von Pestiziden in den Weinbergen führt zu starkem Anstieg der Pestizidrückstände in den Bäumen aus Sanjas Garten (vgl. Spalte L – Q für Esche, M – R für Linde, N – S für Hartriegel). Die Rückstände sind um das 5-6-fache gestiegen.

2. Es spielt eine Rolle, wo bzw. auf welcher Hang-Höhe die Pflanzen auf dem Weinberg wachsen. Oben sind die Rückstände ungefähr doppelt so hoch wie im tieferliegenden Teil (Spalte O und P).

3. Es gibt nach dem ersten Spritzen keinen deutlichen Unterschied bezüglich der Rückstände zwischen Bäumen und Büschen im Vergleich zu den ein- und mehrjährigen Pflanzen. (vgl. Spalte Q, R und S – Spalte T und U). Das Spritzen in den Weinbergen 2 beeinträchtigt die einjährigen Pflanzen jedoch weniger als die Büsche und Bäume (vergleichsweise weniger Pestizidrückstände) obwohl sie ähnlich weit vom Kontaminations-Ort entfernt waren (vgl. Spalte U – Z und S – Y). Die Ursache dieser Diskrepanz in den Befunden ist noch nicht klar, aber soll durch weitere Tests herausgefunden werden.

4. Es gibt keine bzw. kaum Beobachtungen eines natürlichen Abbaus von Pestizidrückständen (Spalte O und V).

5. Wind und thermisch bedingte leichtere Luftbewegungen tragen die Pestizide über eine Distanz von 100 m. Es finden sich innerhalb 3 Tagen die entsprechenden Pestizide im Referenzbaum, die im 2. Weinberg gespritzt wurden. (Spalte W, Y und X). In diesen Messungen lag die Stelle des Spritzens unterhalb der Messstelle, sodass man keine Aussage über die Pestizid-Verbreitung durch Wasser machen kann.

6. Es ist nicht möglich, Bio-Basilikum aus Sanjas Garten zu erzielen, obwohl hier im Garten natürlich nicht gespritzt wird. Es tauchen aber sehr hohe Belastungen auf:
Insektizid Imidacloprid max. 0,181 mg/kg am 14.07(Quelle Weinberg 1)
Insektizid Permethrin max. 0,411 mg/kg am 14.07(Quelle Weinberg 1)
Synergist Piperonyl Butoxide 0,088 mg/kg) am 20.07(Quelle unbekannt)
Herbizid Pendimethalin 1,954 mg/kg) am 17.09 (Quelle unbekannt)

Der Befund des Herbizids Pendimethalin in den gemessenen Pflanzen ist im September unheimlich hoch und äußerst merkwürdig, wenn man weiß, dass zu dem Zeitpunkt der Großteil der Weinberge schon geerntet wurde. Nach der Trauben-Ernte zu spritzen ist sinnlos. Die Quelle der Belastung war eindeutig der Weinberg 1 (vgl. Spalte AB, AD, AE, AF).

 

 

7. Es gab verschiedene mysteriöse Funde, deren Gründe vorerst nicht ganz klar waren, wie:

  • Eine starke Abnahme von Imidacloprid und Permethrin zwischen dem 14. und 23.07 (vgl. Spalte U, Z). Diese wurden wahrscheinlich vom Regen abgewaschenen, bevor der Basilikum sie absorbieren konnte (Spalte U und Z): Es ist allgemein bekannt, dass es keinen Sinn hat, vor dem Regen zu spritzen. Juni und Juli 2018 waren in Kroatien sehr regnerisch und die Weinbauern waren scheinbar zu ungeduldig, um auf ein regenfreies Zeitfenster zu warten.
  • Es finden sich keine Rückstände der am 22.07. in Weinberg 2 gespritzten Pestizide im Basilikum, im Referenzbaum hingegen schon. Warum also hat der Regen am 23.07. die Pestizide besser vom Basilikum abgewaschen, als vom Hartriegel. Die naheliegendste Begründung ist, dass nur am unteren Teil des Baumes gemessen wurde. Die Blätter unten werden erst langsamer und später vom Regen getroffen, da der Baum recht dicht ist. Der Basilikum ist hingegen eine zarte, dünne Pflanze und wird so viel schneller abgewaschen. Der älteren Rückstände sind nach wie vor zu finden. Man geht davon aus, dass sie schon in die Pflanze eingezogen sind und daher nicht mehr abgewaschen werden konnten. (vgl. Spalte O, P, U, Z)

8. DEET ist eine Geschichte für sich. Es gibt keine Korrelation zu den anderen Rückständen. Offensichtlich kommt es von einer Moskito-Bekämpfung von weiter her. Besonders merkwürdig ist eine hohe DEET-Konzentration in den Strohblumen Mitte Oktober, weil es dann eigentlich keine Moskitos mehr gibt. (Anm. Heuschrecke: wir kennen die DEET-Problematik bei Gewürzen aus allen Erdteilen. Das DEET stammt in der Regel von behördlich durchgeführten Spritzungen, auch per Flugzeug, zur Malariaprophylaxe. Es dient dem Schutz der Menschen vor der Krankheit. Diese Maßnahme steht in Konflikt mit der EU-Bio-Verordnung.)

9. Trotz der ganzen Pestizid-Befunde in den „Bio“-Pflanzen sind die Unterschiede zwischen ihnen und den direkt gespritzten Pflanzen (Wein) so groß (10-10000x), dass die Bio Kontrollstellen eigentlich kein Problem haben sollten, diese beide Kategorien zu unterscheiden.

 

 

Wie geht es weiter?

Zuzüglich zu dieser eher beobachtenden Version der Tests haben Ivan und Roman angefangen, wissenschaftliche Versuche durchzuführen, in denen sie auf einem eigenen Stück Land in einem regulierten Abstand und in kontrollierten Mengen Glyphosat und andere Pestizide spritzten und die Kontamination in den entfernten Pflanzen maßen.
Diese neue Versuchsreihe liefert bestätigende (und immer noch erschütternde) Ergebnisse. Pestizide verteilen sich konsequent über Distanzen bis zu 70 m und die gefundenen Rückstände überschreiten den üblichen Bio-Orientierungswert (0,01 mg/kg) um das 20 – 100fache. Es gibt eine Zeitverzögerung durch die Thermik: wenn es keinen Wind gibt, fallen offensichtlich die Mikrotropfen, die erst aufsteigen, sehr langsam wieder zu Boden. Bei Wind fallen sie irgendwo weiter weg zu Boden, sind aber stärker verdünnt.
Durch Regen, der oft schnell nach dem Spritzen kommt, werden die Rückstände teilweise abgewaschen, doch sie liegen immer noch weit über dem Orientierungswert. Erst nach 3 – 6 Wochen konnte festgestellt werden, dass die Rückstände durch den natürlichen Abbau zurückgingen.
Ivan und Roman wollen weitere Messreihen durchgehen, um die Befunde zu verifizieren und weitere Informationen zu gewinnen. Bisher zeigt sich jedoch klar, dass der Anbau von „Bio-Produkten“ unglaublich schwierig bis unmöglich ist, sobald in der Umgebung intensiver konventioneller Anbau betrieben wird.

Es wird auch klar, dass eine Landwirtschaft mit massenhafter Ausbreitung einer unheimlichen Bandbreite an Pestiziden, an denen Menschen und Tiere, nicht nur Pflanzen, sterben, über die Jahrzehnte sehr naiv ist.

 

Zur Tabelle geht es hier.

Zur Webseite des Labors Quanta (Seite ist auf kroatisch, aber der Kontakt ist auf deutsch und englisch möglich)

 

Die Bilder sind Fotografien aus “Sanjas Garten 3”, dem Firmengarten von Terra Magnifica, fotografiert von Maja Jakopač.

 

Copyright Bilder: © Maja Jakopač. Sie ist berufliche Fotografin und die Tochter einer Mitarbeiterin von Terra Magnifica. Ansonsten macht sie Hochzeitsbilder: https://www.instagram.com/foto_video_tim/

Flutkatastrophe Kerala: Der Handlungsplan von PDS

Die große Flutkatastrophe in Kerala, Indien hat die Bewohner und unsere Lieferanten schwer getroffen. Dazu stellten wir die Situation dar und leiteten einen Bericht aus erster Hand von Father Jilson James der NGO PDS weiter. Wir teilten einen Spendenaufruf der Zukunftsstiftung GLS, zu dem wir auch hiermit nochmal einladen möchten. Die Stiftung ist jetzt im Oktober vor Ort.

Das Wasser ist nun größtenteils weg, doch hat es einige Hundert Todesfälle, außerdem riesige Verwüstungen und Beschädigungen zurückgelassen, die angegangen werden müssen.

Unsere Lieferanten und Partner PDS haben alle ihre Bauernfamilien aufgesucht und einen ausführlichen Bericht darüber geschrieben, wie die Schäden aussehen, was sie bedeuten und was sie dagegen tun werden. Der vollständige, sehr interessante Flutreport ist hier zu lesen und wird im Folgenden noch einmal zusammengefasst dargestellt.

 

 

Schäden und Folgen

Grob kann man die Schäden in drei Kategorien aufteilen:

Schäden für Pflanzen und Land: Der Boden ist verwüstet, hat Fruchtbarkeit verloren und ist zerrüttet. Viele Tiere sind gestorben, Pflanzen zerstört, und verschiedene Seuchen sorgen für länger anhaltende Folgeschäden. Bis der Boden wieder fruchtbar und der alte Zustand hergestellt ist, werden mehrere Jahre vergehen.

Schäden an der Infrastruktur: Häuser sind zerstört, Brunnen und Pumpen funktionsunfähig, und der Großteil der landwirtschaftlichen Geräten ist verloren. Diese müssen neu gebaut und gekauft werden.

Schäden die Menschen betreffend: Die Flut hat leider viele Todesfälle und Krankheiten mit sich gebracht. Die Bauern müssen sich auskurieren, teilweise komplett neu organisieren und wieder Fuß fassen. Dazu kommen die Folgeschäden, wie Hunger und Armut.

Anhand dieser Analysen hat PDS einen Plan aufgestellt, welchen einzelnen Maßnahmen erforderlich sind, und in welcher Weise sie hier unterstützen wird. Dort wird auch das Geld hinfließen. 

 

Maßnahmen und Unterstützung

Abgeleitet an den Schäden gibt es kurzfristige und längerfristige Maßnahmen.

Kurzfristig wird geplant, die Bauern mit Geld zu unterstützen, Häuser und Infrastruktur wieder herzustellen und bodenbefestigende Pflanzen wie Vetiver, zu pflanzen, sodass die Bauern schnell wieder zu Erträgen kommen.

Langfristig muss der Boden wieder richtig aufgebaut werden. Erst durch Erosionsbarrieren, durch genaue topographischen Untersuchungen zur Bestimmung der Probleme, und Maßnahmen zur natürlichen Bekämpfung von Schädlingen.
PDS denkt hierbei sehr weit, um den dortigen kleinbäuerlichen Ökolandbau, z.T. in richtigen Urwaldregionen, zukunftsfähig, sprich klimaresistent, zu machen. Dazu gehört die Entwicklung und Verteilung von klimaresistenten Pflanzen an die Bauern mit Schwerpunkt Biodiversität, und die Förderung der Bestäubung durch Bienen und Schmetterlinge. Nicht zuletzt gehört dazu die Verbreitung von Wissen und Plänen zur ökologischen Landwirtschaft, d.h. viele Fortbildungen und Beratungen für die Bauern.

PDS verfügt dafür über ein sehr aktives Forschungscenter.

Alles in Allem wird mit einem finanziellen Bedarf von ca. 64 825 000 INR (umgerechnet rund. 760 000 EUR) gerechnet, darum auch der Spendenaufruf. Wir werden natürlich von den Fortschritten berichten.

Warum liegt es uns am Herzen, diesen Flutbericht zu veröffentlichen:
Die PDS mit den Sahyadri Spice Farmers, ca. 2000 Familien, sind langjährige Partner von uns. Die PDS, vom jetzigen Bischof des Distrikts, Mathew Arackal,  1979 gegründet, betreut ihre Bauern fast schon familiär. Father Jilson leitet nicht nur das Gewürzunternehmen der PDS, sondern tauft und verheiratet auch die Menschen dort. Der Flutbericht, so wie er geschrieben ist, ist liebevoll gemacht und gibt Hoffnung, dass die Schäden überwindbar sind.

 

 

Folge-Links:

Anlässlich der BioFach 2017 hat der Berater der PDS, Sunil Joseph, ein tolles Portrait über die PDS geschrieben – zwar in englisch, aber gut verständlich und reich bebildert.

Der Actionplan der PDS im Original mit vielen Zahlen und Bildern (englisch)

 

Unser Lieferantenportrait von PDS

 

Mate – Reise nach Argentinien

 

Unsere argentinische Mate bekommen wir vom Familienbetrieb Kraus in Colonia Santo Domingo Savio, San Ignacio, Provinz Misiones.

Urgroßvater Kraus wanderte 1894 von Österreich ein, der Großvater kaufte hier Land und legte die ersten Pflanzungen an, seine beiden Söhne führten die Arbeit weiter, der eine lieber in den Feldern, der andere an den Maschinen. Die junge Generation mit Milton, Gino und Romina ist fest in das Unternehmen eingestiegen – die ganze Familie bildet ein gutes, innovationsfreudiges Team. So initiierten sie die Bio- und Fair for Life-Zertifizierung, starteten ein Aufforstungsprogramm für nachhaltige Landwirtschaft, und verbesserten vor allem den Herstellungsprozess, um die Rauchkontaminationen von der üblichen Holzfeuererung auf ein Minimum zu bringen.

 

Der anregende, koffeinhaltige Mate Tee stammt von den Blätter des Ilex paraguariensis, einer Stechpalmenart, die autochthon in einem bestimmten Gürtel Südamerikas wächst. Die Guarani sind die Entdecker oder Eigentümer der Mate – sie lebten schon immer mit diesem Tee, und er spielt damals wie heute sowohl ernährungsphysiologisch als auch kulturell eine wichtige Rolle. Die Jesuiten professionalisierten im 17./18. Jh. mit ihren Missionssiedlungen auch den Mate-Anbau. Heute ist Mate ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

 

Mate kann entweder wie ein milder Grüntee aufgebrüht werden, oder auf die traditionelle Art in einer Kalebasse durch das Trinkrohr mit dem Siebchen am unteren Ende geschlürft werden. Der Tee wird direkt in das Trinkgefäß gegeben und dort mit heißem Wasser angegossen, das Gebräu immer wieder weggesüppelt und neues Wasser nachgegossen. Am Anfang recht bitter und sehr belebend. Insgesamt ist die Koffein-Wirkung der Mate aber sanfter, dafür länger anhaltend als bei anderen koffein- oder teeinhaltigen Getränken. Ein großer Teil der Mate geht übrigens in die hippen Bio-Mate-Limonaden.

 

 

Unsere Reise nach Argentinien, 2018

Von Buenos Aires aus geht es am Rio de la Plata/ Rio Uruguay entlang bis ganz in den Norden –  in die Provinz Misiones.
Durch weite Weideland/ Orangehain-Landschaften erreichen wir jetzt eine subtropische, bergigere und waldige Region mit der typisch roten Erde.  Im argentinischen Winter ist es auch hier kühl – um die 16 C°Grad.

Wir besuchen unseren Mate- Lieferanten Kraus, ein Familienbetrieb in 4. Generation, aus Österreich stammend. Mit unserem Partner Milton Kraus, der den Export betreut, sind wir nun eine Woche zusammen und begleiten alle Arbeitsprozesse.

Der kleine Witz: Kraus hat auch die Heuschrecke im Logo seiner Eigenmarken, auch weil sie für Milton ein Symbol intakter Natur sind, das hat uns sofort verbunden.

 

In der Mate-Mühle

 

Heute beginnen wir mit der Produktion, also das, was nach dem ersten Verarbeitungsprozess und dem ersten Grobschnitt stattfindet. Diese Weiterverarbeitung erfolgt nicht auf der Farm, sondern in der biozertifizierten Cooperative Calo in Oberá, wo Kraus Mitglied ist. Das Ganze wird Mate-Mühle genannt.

Foto 1.: Es gibt 2 Bodentrichter, wo die getrocknete Rohware reinkommt, ein Trichter für den Blatt-Tee (sin Palo), und ein Trichter für Mate ‘con Palo’, also mit Staub und Stängeln, wie er für die Kalebassen genommen wird.

Foto 2 und 3) Die Produktionslinie für Mate con Palo, hier werden Blätter, Äste und Stängel separiert, bzw. in einem bestimmten Mischungsverhältnis zusammen belassen. Zwei Mühlen für Blatt und Stengel, und hier werden auch Blatt und Palo wieder im gewünschten Verhältnis zusammen geführt

Foto 3 ;

Foto 4 Silos , hier geht der fertige Mate Tee hinein und wird abgesackt ((Foto 6)

 

Foto 5 Produktionslinie Blatt-Tee ‘sin Palo’, hier wird das Blatt von Stängeln getrennt, das Blatt geschnitten und in Bigbags abgefüllt.

Minimum für eine Produktion sind 5 Tonnen, 10 to können pro Tag produziert werden, es läuft nur 1 Produktion gleichzeitig, daher keine Verwechslunggefahr der verschiedenen Cooperative- Mitglieder.

 

 

Das besondere an Mate ist, dass zur Vermehrung der Samen durch einen Vogel – den Tukan – gehen muss. Sonst gehen sie im Boden nicht auf. Mate ist autochthon in diesem Flecken Erde – Nordargentinien, Südbrasilien und Paraguay.

 

Besuch in der Nursery

Heute besuchen wir Valeria Morales , sie züchtet die Setzlinge für die Matebauern. Ein wichtiger Job, der viel Know-how erfordert, von der Auswahl der Samen bis zur Pflege in der Aufzucht. In Misiones gibt es ca. 15 solcher Unternehmen, aber die studierte Forstwirtin Valeria ist die Einzige, die auch Bio- Setzlinge anbietet.

Der Mate-Strauch hat eine kleine Frucht, die 4 winzige Samen enthält.

In der Natur präpariert wie gesagt ein Vogel den Samen – sonst geht er nicht auf. Für die Setzlings-Nurseries geht man folgendermaßen vor:
2 Tage einweichen in Wasser, dann in eine Maschine geben, die die Samen auslöst. Das machen eigene Unternehmen, von denen auch Valeria ihre Samen bezieht.

 

Das Wachstum ist sehr langsam, nach 3 Monaten sind sie ca. 3 cm groß, nach 1 Jahr ca. 30 cm. Die Bio-Setzlinge sind langsamer, aber kräftiger.

Valeria achtet darauf, gut selektierte Samen zu bekommen, diese Selektion benötigt ein spezielles Wissen.

Von August bis November werden die Setzlinge gezogen, optimal sind 8 Monate „Kindergarten“.
Im März werden sie dann in den Farmen gepflanzt.

 

 

Die Mate-Pflanzenschule
Die reifen Setzlinge haben große Wurzeln und schon einen holzigen Stammansatz
Valeria zeigt uns die einjährigen Mate-Setzlinge, die bereit zum Auspflanzen sind
Winzige Samen
Kleine Setzlinge, 3 Monate
Die Kleinen, ca. 3 Monate
Von Li: Valeria Morales und ihr Mann, daneben Heinz Gasper, Milton Kraus und Ben Kaukler. Ursula Stübner ist nicht zu sehen, sie fotografiert.

 

 

Mate-Ernte  – Besuch auf der Kraus Farm 

 

Mate wird in den Wintermonaten April bis September geerntet. Die Familie Kraus hat ein Hauptfeld von ca. 100 ha und einige kleinere Stücke, sowie seit kurzem ein neu erworbenes Feld, wo im März die Setzlinge gepflanzt wurden.

In der Erntezeit wächst die Belegschaft auf 20-30 Mitarbeiter an, übers Jahr sind 10-11 Mitarbeiter auf der Farm.

Mate zu ernten ist eher Männerarbeit, da es einiges an Körperkraft fordert. Es geht ziemlich schnell: eine Gruppe schneidet die Äste, eine weitere gewinnt die Zweige mit den Blättern zur Weiterverarbeitung und packt sie zu Ballen. 

Gegen Mittag trifft dann die Tagesernte auf der Farm zum Processing ein, doch zunächst welken die Zweige – wie bei Grüntee, allerdings viel länger – 24 Stunden, um schon Feuchtigkeit zu verlieren. Dann kommt die Feuertaufe – diese werden wir morgen sehen.

 

 

 

 

Mate-Ernte. Mit einer Sträucher-Schere werden Äste angeschnitten…

Mate-Ernte

…der zweite Mann entfernt die kleinen Zweige, die dann weiterverarbeitet werden
Die geschnittenen Mate-Zweige, bereit zum Abtransport
Die Erntemannschaft, man braucht Kraft, daher eher eine Arbeit für Männer, anders als bei Tee
Milton Kraus mit seiner Mutter
Kraus Senior, Gino und Milton Kraus
Eine Neupflanzung Matesträucher von Kraus. Die wichtigsten Anbaukulturen in Misiones sind 1) Holz (Pinien und Eucalyptus), 2) Mate, 3) Tee
Milton, Ursula und Heinz (HeiDi) von Heuschrecke), Ben von Topqualitea, das Reiseteam
Piste, etliche Orte sind nur so erreichbar
Mate-Strauch, ca. 15 Jahre alt. Wenn sie nicht geschnitten werden, werden es richtige Bäume
Weite Landschaft, rechts und links die Bio-Felder von Kraus

 

 

 

Processing auf der Farm – die eigentliche Verarbeitung

 

 

Gestern Nachmittag wurde das Holz für die heutige Mate-Verarbeitung, für den Ofen angeliefert. Dieser aufs Wesentliche reduzierte LKW von den Kraus’ brettert noch recht zügig den Berg hoch.
Hier sehen wir Romina mit ihrem Bruder Milton
Zurück zum Anfang. Dies ist die Mate, die gestern geerntet wurde.
Der Gas-betriebene Feuerschock, hier rieselt die Mate nach dem Welken durch, ein Prozess von 2 Minuten.
Nach dem Feuerschock erfolgt die eigentliche Trocknung. Die Mate gelangt auf einen Rost, und von unten kommt dann wie beschrieben, die Heißluft.
Dies ist der Meister des Feuers, der Foguista Juan Carlos Galeano,
… und hier der Bewacher der Trocknung – siehe weiter oben …

 

Hier folgen nochmal einige kurze Videos zur Verarbeitung:

Dieser Ofen heizt genialerweise nicht das Trocknungsgut direkt ( das würde Anthrachinon-Kontaminationen geben) sondern erhitzt Wasser, dessen Dampf dann indirekt Heißluft erzeugt. Doch dazu später mehr.

 

Von dem großen Förderband fällt die frische Mate durch eine Gasflamme in die „Tube“, eine sich drehende Trommel. Der Feuerschock, analog zur schnellen Erhitzung des Grüntees, ist eine von den genialen Kraus‘schen Erfindungen.
In diesem Video sehen wir, wie die frische Mate vorne reingeht, unter der Fläche, wo Miltons Schwester Romina steht, ist die „Tube“, – und wie es nach 1-2 Minuten hinten hinaus kommt, bereits angetrocknet.

Der Feuerschock. Wenn man genau hinschaut, sieht man die Mate durch das Feuer rieseln.

Der Trocknungsprozess bei 80 Grad dauert insgesamt 2 Stunden.
Am hinteren Ende der Trocknung geht es weiter in einer rotierenden Trommel, dann in eine Schneidemaschine und einen Trieur, der die größten Stengel aussortiert.

Die fertige, aber noch grobe Mate wird hier in Säcke gepackt, und bis zur Endverarbeitung in der Mate-Mühle der Cooperative (wie oben beschrieben) gelagert.

Es gäbe noch viele Details im Processing zu erzählen, viele kleine Verbesserungen und Erfindungen von Milton und seinem Vater, der ein technikaffiner Ingenieur ist. Uns hat begeistert, was für ein gutes Team die ganze Familie bildet.

 

 

… und ein kurzer Ausflug nach Paraguay

Mate ist autochthon in der subtropischen Region Südbrasilien – Misiones/Argentinien – Paraguay im Urwaldgebiet des Parana-Beckens (Rio de la Plata). Heute stammt Matetee in Misiones und Paraguay aus Anbau, in Brasilien im Moment noch viel aus Wildsammlung.

Mate wurde schon lange vor den europäischen Kolonialisten als Getränk und Heilmittel genutzt. Die sanft missionierenden Jesuiten haben die Kultur der Indios (Guaraní) auch dadurch unterstützt, indem sie wohlüberlegt den Mate-Anbau zum Exportschlager ausgebaut haben.
Nach der Vertreibung dieses menschlich-religiösen Missionsordens durch die Kolonialisten, denen der relativ demokratisch/aufgeklärte ‘Jesuitenstaat’ im Staate (in dem die Guaraní vor Sklaverei geschützt waren) ein Dorn im Auge war, war die Mate-Kultivierung fast in Vergessenheit geraten.

Heute gehört Mate erstaunlicherweise in allen Anbauregionen zu den drei wichtigsten Wirtschaftsprodukten. Die Teenies abends auf der Promenade, die Arbeiter und Büroleute tagsüber auf der Straße, laufen üblicherweise Mate trinkend herum (wir haben kein einziges Wegbier gesehen), bei jedem geselligen Zusammentreffen ist mindestens eine Calebasse und die Thermoskanne heißes Wasser dabei.

Auf dem heutigen Ausflug nach Paraguay mit Milton Kraus, und nach einem Abstecher zum Weltkulturerbe ‘La Santisima de Trinidad’, den Ruinen einer großen jesuitischen Guaraní- Missionssiedlung (reducciones) besuchen wir eine traditionell arbeitende, konventionelle Matefabrik, um den Unterschied kennenzulernen.
Der Verarbeitungsprozess besteht ebenfalls zunächst aus einem Feuerschock, anschließender Trocknung und Schneiden/Sortieren.

Das große Problem der traditionellen Verarbeitung ist der lange Kontakt der Ware mit dem Rauch des Feuers. In Verbrennungsprozessen entstehen die Umweltkontaminanten PAK, sowie das berüchtigte Anthrachinon, Biphenyl und Orthophenylphenol, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Rauchreduzierende Maßnahmen sind also heute unabdingbar.

In Paraguay sehen wir den üblichen. preiswerten Verarbeitungs-Prozess, wo zum Feuerschock direktes Holzfeuer verwandt wird: in einer befeuerten Trommel dreht sich die Mate für 6 Stunden, wo er punktuell mit den Flammen, aber dauerhaft mit dem Rauch in Kontakt kommt. Der anschließende Trocknungsprozess dauert noch mal 24 Stunden. Die Trocknungsfläche wird durch einen großen Holzofen beheizt, der Rauch gelangt dabei natürlich durch alle Ritzen.

Die hohen Kontaminations-Werte wären das Aus für die Bio-Anerkennung, da die 3 genannten Stoffe durch das BfR als Pestizide interpretiert werden und nicht als Umweltkontaminanten – hier fehlen neuere Forschungen und Einordnungen, denn mit Feuer und Verbrennungsrückständen lebt die Menschheit ja schon sehr lange.

Tatsächlich gab es, nachdem die Labore standardmäßig in der Lage waren, Anthrachinon usw. zu messen, wegen der niedrigen Höchstmenge erstmal 3 Jahre lang kaum traditionelle Bio- Mate auf dem deutschen Markt. Bei Pu Erh Tee war es dasselbe. Das argentinische Kleinbauernprojekt, von dem wir lange Mate bezogen, konnte das leider nicht in Griff bekommen und hat die Biozertifizierung schließlich aufgegeben.

Milton Kraus und sein Vater Juan haben ihren Verarbeitungsprozess schon seit einigen Jahren so angepasst, dass der Rauch nicht mehr in Berührung mit der Ware kommt. Beim Feuerschock kommt eine Gasflamme zum Einsatz, und die Beheizung der Trocknungsfläche ist indirekt, d.h. der Holzofen heizt Wasser, das über einem Radiator Heißluft erzeugt. Die Prozesse sind kürzer gehalten. So werden die Kontaminantenwerte auf ein Minimum unter Bestimmungsgrenze gehalten. Der ingenieurtechnisch anspruchsvolle, aber mit einfachen Mitteln strukurierte Prozeß macht das Produkt qualitativ sehr hochwertig, aber auch etwas teurer.

So, das wars für diese Mal mit dem Reisebericht, er endet mit dem herzlichsten Dank an die Familie Kraus. Die nächste Reise geht nach …

La Santísima Trinidad de Paraná , die beeindruckende Anlage der jesuitische Missionssiedlung in Paraguay
Im Alltag und im Straßenbild ist Mate überall präsent.
Unzählige Mate- Marken aus Paraguay und Argentinien – eine kleine Ausstellung, wo Milton auch seine Marke entdeckt hat.
Mate- Anlieferung bei dem traditionellen (konventionellen) Unternehmen in Paraguay
Hier der allgemein übliche Feuerschock (konventionell): vorne der mit Holz beheizte Ofen, dahinter sieht man die lange Trommel. Das Feuer zieht bis vorne in die Trommel, die sich dreht.
Trocknung konventionell: rechts und links die großen Hallen mit den Trocknungsflächen drin, in der Mitte die zwei Holzöfen.
Trocknung konventionell: Trocknungsfläche von innen
Der Holzofen. Die Mateproduktion hat durch das viele Feuer etwas Urgewaltiges. Forstwirtschaft und Mate gehören eng zusammen, direkt hinter dem Ofen werden Eucalyptus- und Pinienbäume angebaut.
Über den großen Fluss von Paraguay zurück nach Argentinien, mit Mate natürlich
Abschied für dieses Mal von Milton und der Familie Kraus. Danke noch mal für die schöne Zeit.
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