Ohrenkuss: Schweiz

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Die TOUCHDOWN-Ausstellung, ein Projekt von Touchdown21 und der Bundeskunsthalle Bonn, ist nun in die Schweiz nach Bern gewandert. Die KünstlerInnen und AutorInnen mit Down Syndrom haben sich also einige Zeit in der Schweiz aufgehalten und für die Ohrenkuss-LeserInnen eine ausführliche aber kurzweilige Anleitung zum Land geschrieben. Hier einige Kostproben:

 

 

Schweiz (von A-Z)

 

 

A

Alphorn

Björn Langenfeld, diktiert

Ein Mann bläst Alphorn. Bläst rein.
Mund, Lieder, toll!
Musik, sehr schön.
Ein Mann, Alphorn, ist jetzt Schweiz.
Berge und Wiese

 

 

B

Berge

Natalie Dedreux, diktiert
Die Berge sehen so schön blau aus. Weil es da mehr Schnee gibt und kälter ist. Weil man da friert. Es ist eiskalt da oben, anstatt von unten. Und in den Bergen war es so warm. Da hatten wir eine Wiese im Sonnenschein. Es waren megaviele Wolken im Himmel. Wir saßen unter den Wolken. Das war eine schöne Aussicht! Die Aussicht war gut. Man konnte weit gucken und wir haben es da sehr genossen. Da konnte man viel erleben! Abenteuer Schweiz!

 

 
C

Café

Dorothee Reumann, diktiert
Das Land. Schweiz [seufzt]. Das Land Schweiz trinkt warmes, schönes Kaffee. Kaffee und Kekse, macht gut, liest die Zeitung und entspannt. Und trinken im Café.

 
 
F

Flagge

Björn Langenfeld, diktiert
Kreuz ist Schweiz, Fahne. Rand rot. Draußen bläst und Wind. Dann wackelt so. Sturm.
Kreuz ist Notarzt, Kreuz ist Koffer.

 

 

G

Glocke

Michael Häger, diktiert
Die Kühe sind auf der Weide auf Gras.

Und dann kommt ein Bauer ein Stall. Der Bauer macht sauber im Stall. Heu.

Die Kühe essen. Die Kühe hat Euter. Glocke.

Kommt eine Frau und ein Mann. Schick.

Ein Trekker. Fahr los! Fahr los!

Ein Mann, der hat was an, ein schwarze Hose.

Kommt eine Frau, zusammen helfen im Stall. Macht sauber, überall.

Die Schafe geht auf dem Weise Gras essen.

Der Hund ist schwarz. Punkte.

Ganz viele Hunde auf der Wiese.

Glocke, Hunde. Die Schweine im Bauernhof.

Ganz viele Schweine, macht sauber.

Die Mutter ist schön.

Hat was an, eine Schürze ein Handschuh.

Ganz viel Kühe. Die Frau Hände zum Kühe rausholen,

ein Kälbchen.

 

 
H

Heidi

Angela Fritzen, diktiert
Neben die Hütte links steht ein dicke fetten Baum. Und als im Hintergrund sind die Berge mit Schnee bedeckt. Die Heidi ist acht Jahre alt, schätze ich mal so. Acht Jahre alt und der Großvater weiß ich nicht, ich sag mal 92. So genau weiß ich das auch nicht. Der raucht die Pfeife. Und der hört, dass die Heidi sagen möchte. Was sie gerne mit Peter, mit die Ziegen zu melken. Und auf die Wiesen herumzuführen.

Ich weiß nur, dass die Heidi kein Down-Syndrom hat. Und die hat Angst, dass die Kinderheim, dem Großvater, dem Almöhi wegnimmt. Und die soll auch dableiben, hat er gesagt. Weil die Großvater ist nicht so viel kinderlieb. Der muss das erstmal noch verdauen. Dass er normalerweise alleine lebt mit den Ziegen. Mit seinem Bernhardinerhund. Papino heißt der Hund. Der ist kräftig und der isst zu viel.

Der Großvater hat Angst. Dann sagt die Tante Tete: „Almöhi, das darfst du nicht machen. Das ist dein Enkelin. Sie kann nicht lesen und sie kann nicht schreiben. Die muss erstmal zur Schule gehen.“

Die Heidi muss ihre Koffer packen. Da kann sie die Freundin kennenlernen, Clara. Die auch im Rollstuhl sitzt. Weil die ist ja dann alleine und einsam. Die ist auf einem Ziegenbock gewesen und hat geguckt, dass die Mutterziege die Babyziege dann auf die Welt kam. Dann sagt die Heidi dann: „Clara, du kannst doch stehen!“ Aber nicht lange, die ist ein bisschen zittrig, die Clara. Die muss erst noch laufen lernen durch die Heidi. Von der Heidi soll die Clara laufen lernen. Dann nimmt der Peter den Rollstuhl von Clara in der Tiefe. Schmeißt den schnell runter von den Bergen da runter und hat die Heidi dann gesagt: „Ui, du kannst doch laufen. Super!“ Dann hat die Clara dann gesagt: „Jetzt kann ich laufen, ich brauch den Rollstuhl nicht mehr.” Danach kam sein Vater zum Almöhi in die Berge, also zu Besuch halt. Dann sagt sie dann: „Sieht mal Schatz, du kannst doch laufen. Super! Wo ist denn der Rollstuhl?“

Sie trinken Kaffee in der Hütte. Und die spielt gerne mit den Ziegen. Dann schläft sie auf dem Heuboden. Das ist sein Bett. Und sie trägt keine Schuhe.

Die schaukelt sehr gerne. Und dann liegt sie dann auf der Wolke mittendrin. Und sie lacht auch sehr gerne. Also vorher kommt noch die Musik noch. Und dann schwingt in die Wolken und ziehen dauernd weiter mit Heidi mit. Und der Peter, der Geißenpeter, der ist ein bisschen älter als Heidi. Der müsste glaube ich 12/13 Jahre alt sein. Schätze ich halt, so genau weiß ich das nicht. Die Heidi hat noch Familie, seine Großoma. Die ist blind. Die Oma ist blind von Kindheit.

Ich weiß nur von der Heidi, dass sie die Mutter hat. Und ihren Vater auch. Sie hat das abgegeben im Waisenhaus. Also im Kinderheim war es. Also ich weiß von seinem Vater, dass er außerhalb arbeitet und die Mutter ist, glaube ich, eher Krankenschwester oder so. So genau weiß ich das gar nicht.

 

K

Käsefondue

Samira Guggisberg, diktiert
Über Schweiz: Man muss unbedingt auch Fondue esse. Eigentlich. Kann man überlegen, wie kommt man an die Reihe. Muss man Brot reintunken. Der Käse kommt aus der Aelziger Alp.

 

 

M

Murmeltier

Julian Göpel, diktiert
Biber und Murmeltiere zu beschreiben – das ist Naturwissenschaft.
Murmeltiere sind so süß und knuffig. Biber auch. Das ist kein Unterschied.
Aber jetzt kommt der Unterschied: Biber lieben Wasser. Murmeltiere lieben auch Wasser – eigentlich ist das doch kein Unterschied.
Murmeltiere sind auf Futtersuche – und Biber auch.

Biber laufen schnell und viel, Murmeltiere auch.
Es gibt fast keinen Unterschied zwischen den beiden.

Aber die Schwänze von den beiden sehen anders aus:
Der Schwanz vom dem Biber ist rund und platt. Der Schwanz von dem Murmeltier hat nur Fell und ist nicht platt.

Das Murmeltier macht Winterschlaf und der Biber nicht.

Der Biber baut einen Staudamm und das Murmeltier nicht.

 

S

Schokolade

Johanna von Schönfeld, diktiert
Jeder Schweizer Staatsbürger muss Schokolade im Haus haben.

 

Steuerhinterziehung

Tobias Wolf, diktiert
Aus dem Radio habe ich in den Nachrichten von der Steuerhinterziehug gehört.

Die aus dem Finanzamt von den deutschen Behörden und den Politikern kaufen die Daten-CDs von den Steuerhinterziehern, von den Firmen und ganz bestimmten Leuten.

Das heißt, dass die Firmen und die Leute ihr Geld in der Schweiz haben bei den Schweizer Banken. Sie wollen nicht die Steuern in Deutschland bezahlen. Die Schweizer Banken und die Deutschen Banken wollen besser zusammen arbeiten, um Steuerhinterziehung zu verhindern. Ich möchte mich nicht einmischen, aber ich möchte schon auch, dass sie das verhindern.

 

 

Z

Zentrum Paul Klee Ausstellung TOUCHDOWN

(Anm. von Heuschrecke: Wanderausstellung von touchdown21 und Bundeskunsthalle Bonn. Eine spannende Ausstellung mit und über Menschen mit Down Syndrom eingebettet in die Science-Fiktion-Rahmenhandlung „Second Mission“. Sehr beeindruckend, sehr empfehlenswert. Vom 24.1. – 13.5.2018 im Paul Klee Zentrum in Bern)

 

Julia Bertmann, diktiert

Bei diesen Portraits haben wir acht Leute mit Down-Syndrom aus der Schweiz dazubekommen. Ich finde das sehr gut. Man sieht, dass alle das Down-Syndrom haben. Die Leute aus Bonn haben deutsche Aussprache. Die Leute aus der Schweiz haben Schweizer Sprache.

Hier gibt es einen Raum nur über die Liebe – nicht gemischt. Dieser Raum ist schön groß und erzählt über die Liebe.

Der Raum: „Der große Auftritt“ von Dr. John Langdon-Down ist viel größer als in Bonn und übersichtlicher. Der Foto-Apparat ist nicht mehr dabei, aber sonst alles beim Alten.

Die Künstlerin Judith Scott hat tolle Kunstwerke erschaffen. Dieses Kunstwerk, das vor mir steht, sieht aus wie ein Golfschläger. Alle vier Kunstwerke finde ich toll und interessant.

Ich finde das sehr interessant mit den Stäbe mit Wolle. Dann hat man das Gefühl, dass man auch was eingewickelt hat wie Judith Scott das gemacht hat. Man kann kreativ sein und verschiedenen Woll-Arten benutzen. Und das finde ich toll und auch super, dass man selber kreativ sein kann.

Ich finde die Figuren von Markus Keuler super gelungen Man sieht, dass diese Figuren das Down-Syndrom haben. Ich finde es toll, dass sie in der Mitte von der Ausstellungshalle stehen. Dann sieht man, dass es sich um diese Personen dreht, die Ausstellung.

Die Ausstellung ist aufgemacht wie im Weltraum. Man fühlt sich auch wie im Weltraum. Wenn man durch die Ausstellung läuft, ist man ein Astronaut oder Astronautin und man spürt die Atmosphäre in einem Raumschiff. Und wenn man gelandet ist, landet man wieder auf dem normalen Boden. Wenn man aus der Ausstellung rausgeht, ist man wieder ein normaler Mensch.

 

 

 



… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos www.brittschilling.de
Text und Fotos © Ohrenkuss

 

Rennender Vogel

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Kathrin Franckenberg: Frühling – Rennender Vogel

 

Rennender Vogel, ein Bild von Kathrin Franckenberg

 

Dem Leben entgegen!
Dem Frühling!
Der Kreativität und Lebenslust!

 

Kathrin Franckenberg

 


 


Kathrin Franckenberg ist Künstlerin, Meisterschülerin von Michelle Cassou, USA (“Point Zero Painting”), Kunstglaserin, ausgebildet im “Begleiteten Malen”, Ergotherapeutin, SI-Therapeutin (DVE) für Kinder, tätig in der Erwachsenenbildung und begleitet seit mehreren Jahren kleine und große Menschen auf ihrem kreativen Weg.   www.malfreude.de

Wer mehr zum Malfreude Atelier anschauen möchte, kann dies nun auch auf YouTube tun. 6 Minuten Einblicke unter:
https://www.youtube.com/watch?v=toyIS39bpxU

 

“Galumphierend:
 
Hat in seinem Wortklang etwas Lebendiges. Wie ein freudiges, galoppierendes Pferd seiner inneren Bewegung zu springen und zu hüpfen folgt, so folge ich auch mit dem Pinsel in der Hand, dem, was sich in mir regt. Und dem, was mich auch von „Außen“ berührt und bewegt. Was entsteht, in mir, ist auch diese Lebendigkeit, die verschiedenen Tempi, wenn es langsam wird, wenn ich stolpere, wenn ich falle, wenn ich wieder aufstehe – metaphorisch gesehen – und es hat auch eine Qualität von Absichtslosigkeit und nicht festlegen wohin, kein Ziel, ein Im Moment erleben mit der permanenten Möglichkeit, alles wieder zu zerstören und zu verändern. Das ist das spielerische Element. Das ist das Kreative. Das ist Spiel. Alles fällt auch wieder auseinander und wird neu zusammen gepuzzled, um sich beim nächsten Pinselstrich wieder zu transformieren. Es ist ein lebendiger Prozess, im Geboren werden und Sterben – ein Feld, das Kreativität ist. Ein Raum des alles und nichts, aus dem heraus Kreativität sich als Form und Farbe sichtbar werden lässt. Spontan, unreflektiert, unzensiert, erforschend, momentan…
 
Ja, und vielleicht berührt es etwas, das der Betrachter auch in sich kennt…”  

Kathrin Franckenberg

 

Wiesenmeister’s Bodenschätze

Wiesenpilze – zauberhaft schön und so selten wie seltene Erden

Die Pilzfotos weiter unten sind jeweils im Slider dargestellt – etwas verweilen …

Nachdem wir Anfang Oktober die Apfellese auf den Streuobstwiesen an der Klumpenmühle abgeschlossen hatten, konnten wir uns nach anderen Naturschätzen auf unseren extensiv genutzten Mittelgebirgswiesen umsehen. (Foto 1: Das Biotop).

Wir suchten nach im agrarindustriellen Deutschland selten gewordenen Wiesenpilzen, speziell Saftlingen, wie andere nach seltenen Erden. Obwohl alle Saftlingsarten nach der Bundesartenschutz-Verordnung unter Vollschutz stehen, sind sie von Biotopverlust durch die Intensivlandwirtschaft bedroht und allgemein auf dem Rückzug. Dass wir genau umgekehrt vorgehen, ist unser Vorteil: Wir müssen nicht mit schwerem Gerät auffahren, um die Schätze zu heben, wir brauchen nur etwas Geduld, müssen die Wiesen 10-15-30 Jahre lang vor Düngemittel- und Gülleeinsatz verschonen, die Wiesen 1-2mal im Jahr mähen, nicht mulchen, das Grüngut als Heu abfahren und schwupps, stellen sich die verschollenen Wiesensiedler von selbst wieder ein – zumindest die offenbar Nährstoff-tolerantesten Saftlings-Arten.

Seit diesem Jahr können wir nach 29 Jahren den 6. Neuankömmling, den Gelbrandigen Saftling (Hygrocybe insipida) (Foto 2), auf den Wiesen begrüßen. Ganz am Anfang unserer Landbewirtschaftung – 1988 – haben wir noch nicht auf Saftlinge auf unseren Wiesen geachtet, bis uns nach ca. 10 Jahren zum ersten Mal der Kegelige oder Schwärzende Saftling, Hygrocybe conica (Foto3) und der weiße Jungfern-Ellerling, Cuphophyllus virgineus (Foto 4) auffielen.

In den folgenden 15 Jahren kamen der Papageigrüne-Saftling (Gliophorus psittacinus) (Foto 5) und der blassorangene Wiesen-Ellerling ( Cuphophyllus pratensis) (Foto 6) dazu. Vor 6 Jahren tauchte erstmals der gelbe Stumpfe Saftling (Hygrocybe chlorophana) (Foto 7) auf. Wirklich artenreiche Saftlingswiesen können 20 und mehr Arten beherbergen, sind dann aber wohl 80 bis 100 Jahre ungedüngt. (Extensive Beweidung scheinen sie dagegen zu ertragen).

Wovon sich Saftlinge (Gattung Hygrocybe s.l.) eigentlich ernähren, ist noch immer unbekannt. Im Gegensatz zu z.B. Wiesenchampignons (Agaricus pratensis), die sich saprobiontisch, gerne auch an Kuhfladen auf nährstoffreichen Wiesen gütlich tun, brauchen Saftlinge meist Magerwiesen, manche bevorzugen dabei eher kalkreiche andere eher saure Untergründe in allen Klimazonen auf der ganzen Welt, meiden aber aride Zonen. Aber möglicherweise besteht zumindest zeitweise eine endophytische Lebensweise mit Wiesenkräutern, z.B. mit dem häufigen Spitzwegerich (Plantago lanceolatum). In Wiesenkräuter-Wurzelzellen konnten eingewachsene Saftlingshyphen nachgewiesen werden. Mit Moosen pflegen sie diesen Lebensstil offenbar nicht und auch auf Wiesen mit Sonnenröschen (Helianthenum-Arten sind Halbschmarotzer, liegt es an der Nahrungskonkurrenz?) kommen in direkter Nachbarschaft keine Saftlinge vor. Alle Fragen offen….

Trotzdem: Das Schöne an der Entwicklung auf den Wiesen ist, dass mit den Saftlingen sich auch andere seltenere Pilzarten, wie Wiesenkeulen oder Samtritterlinge einstellen! Ein Saftling kommt selten allein: Zum 1. Mal konnten wir im 25 cm hohen “Gras” die Wurmförmige Keule (Clavaria fragilis) (Foto 8) entdecken.

Der Tintenfischpilz (Chlathrus archeri) (Foto 9) macht uns hingegen klar, dass noch immer viele unserer Wiesenbereiche eher überreich mit Nährstoffen versorgt sind, sonst wäre er nicht da!

Von der Ankunft unserer nächsten Bodenschätze werden wir in kommenden Jahren berichten, nicht weit entfernt wurde von uns bereits der Kirschrote Saftling (Hygrocybe coccinea) gesichtet.

 

 

Das war’s für dieses Jahr 2017 von den PSV Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer.

Wir wünschen einen sicheren Rutsch nach 2018.

 

 

 

 

 


Evi und Lothar Claußnitzer-Wandelt, Pilzsachverständige
Evi und Lothar Claußnitzer-Wandelt, Pilzsachverständige

Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.

 

Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

Weihnachten

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Kathrin Franckenberg: Weihnachten – besondere Tage mit rauhen Nächten

 

Kathrin Franckenberg: Frohe Weihnachten

 

Weihnachten – besondere Tage mit rauhen Nächten.

Fragen nach Zukunft – finden in mir selbst – die Bereitwilligkeit etwas loszulassen

Begegnungen innen und außen –

Eine heilige eben kostbare Zeit – Möglichkeiten erscheinen lassen.

 

Kathrin Franckenberg

 


 


Kathrin Franckenberg ist Künstlerin, Meisterschülerin von Michelle Cassou, USA (“Point Zero Painting”), Kunstglaserin, ausgebildet im “Begleiteten Malen”, Ergotherapeutin, SI-Therapeutin (DVE) für Kinder, tätig in der Erwachsenenbildung und begleitet seit mehreren Jahren kleine und große Menschen auf ihrem kreativen Weg.   www.malfreude.de

Wer mehr zum Malfreude Atelier anschauen möchte, kann dies nun auch auf YouTube tun. 6 Minuten Einblicke unter:
https://www.youtube.com/watch?v=toyIS39bpxU

 

“Galumphierend:
 
Hat in seinem Wortklang etwas Lebendiges. Wie ein freudiges, galoppierendes Pferd seiner inneren Bewegung zu springen und zu hüpfen folgt, so folge ich auch mit dem Pinsel in der Hand, dem, was sich in mir regt. Und dem, was mich auch von „Außen“ berührt und bewegt. Was entsteht, in mir, ist auch diese Lebendigkeit, die verschiedenen Tempi, wenn es langsam wird, wenn ich stolpere, wenn ich falle, wenn ich wieder aufstehe – metaphorisch gesehen – und es hat auch eine Qualität von Absichtslosigkeit und nicht festlegen wohin, kein Ziel, ein Im Moment erleben mit der permanenten Möglichkeit, alles wieder zu zerstören und zu verändern. Das ist das spielerische Element. Das ist das Kreative. Das ist Spiel. Alles fällt auch wieder auseinander und wird neu zusammen gepuzzled, um sich beim nächsten Pinselstrich wieder zu transformieren. Es ist ein lebendiger Prozess, im Geboren werden und Sterben – ein Feld, das Kreativität ist. Ein Raum des alles und nichts, aus dem heraus Kreativität sich als Form und Farbe sichtbar werden lässt. Spontan, unreflektiert, unzensiert, erforschend, momentan…
 
Ja, und vielleicht berührt es etwas, das der Betrachter auch in sich kennt…”  

Kathrin Franckenberg

 

Buchrezension: Achim Priester – Das goldene Birkenzweiglein

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Der Zwerg mit der roten Zipfelmütze

 

In einem fernen Königreich, irgendwo am Meer, begab sich eine kleine Prinzessin, die bestimmt nicht älter war als vier oder fünf, an den Strand eines Meeres und ging dort spazieren. Sie war schon oft mit ihrem Vater dort gewesen und beide saßen dann auf einem Stein, der vom Strand Richtung landeinwärts auf einer kleinen Anhöhe, die man Düne nannte, vereinsamt lag. Von dort aus blickten gar oft König und Prinzessin auf das weite Meer hinaus und lauschten auf die Brandung, wie die Wellen zischend mit weißem Schaum an den Strand gespült wurden. Aber sehr oft hatte der König leider keine Zeit dazu, um dort auf dem Stein zu sitzen und sich das Meer zu betrachten. Schließlich musste so ein König auch sein Land regieren. Da durfte die kleine Elisa, so wurde die Prinzessin gerufen, dann auch alleine an den Strand gehen. Eines Tages traf sie dort einen Zwerg, der sehr traurig war und als Elisa ihn fragte, was er denn habe, antwortete er: „Ach, ich habe meine rote Zipfelmütze verloren und finde sie nicht mehr. Gerne möchte ich sie wieder zurückhaben.“ Elisa beruhigte den traurigen Zwerg wieder und sagte: „Sei nicht traurig, wir werden deine rote Mütze schon wieder finden. Schließlich ist mein Vater König und ein König muss doch alles wissen, da wird er sicherlich wissen, wo deine rote Zipfelmütze abgeblieben ist. Warte hier, bis ich zurück bin. Ich gehe zu ihm hin und werde ihn fragen.“ Gesagt, getan! Elisa ging zum König, erzählte ihre Geschichte und fragte ihn schließlich, wo die rote Zipfelmütze abgeblieben sei. Da antwortete der König schließlich, obwohl er mitten in einer wichtigen Besprechung war: „Hast du schon unter den Stein geguckt, auf dem wir immer sitzen und dabei auf das weite Meer schauen?“ Elisa schüttelte den Kopf und der König antwortete darauf: „Dann tu das bitte!“ Elisa ging wieder zum Strand und beide, sie und der Zwerg, gingen dann zu dem Stein und schauten darunter. Aber dort lag die Zipfelmütze nicht. Da wurde der Zwerg wieder traurig. Aber Elisa ließ es nicht zu, dass der Zwerg wieder mit Weinen anfangen wollte und sagte leise zu sich selbst: „Ich kann es einfach nicht verstehen, dass mein Vater sich geirrt haben sollte. Ein König irrt sich doch nie. Am besten ist es jetzt, ich frage ihn zum zweiten Mal.“ Dann wandte sie sich wieder dem Zwerg zu: „Sei nicht traurig, ich und mein Vater werden deine rote Zipfelmütze schon wiederfinden.“ Mit diesen Worten rannte sie hastewaskannste wieder zu ihrem Vater und erzählte ihm alles. „Ei“, sprach der König, „dann wird es wohl am besten sein, wenn ich auch mit zum Strand komme und auch unter diesem Stein mal nachschaue.“  Gesagt, getan!

(S. 32)

 


 

 

 

Das goldene Birkenzweiglein

 

 

 

Buchcover: Achim Priester - Das goldene Birkenzweiglein

 

 

Das Buch ist toll. Ganz einfach, ohne viel drum rum, möchte ich das so sagen. Es berührt, es erzählt, es lehrt und es erfreut.

Das goldene Birkenzweiglein ist ein Buch, das nie geplant war, doch bin ich froh, dass es existiert. Es ist eine Sammlung von kleinen, wirklich schönen Märchen von Achim Priester, die dazu geschrieben wurden, Kinder zu erfreuen. Nun bin ich in manchen Zügen kein Kind mehr, doch hat es auch bei mir gewirkt. Denn obwohl Märchen meist für Kinder geschrieben wurden, können sie auch im Erwachsenenalter noch viel Freude bringen.

Achims Märchen sind auf eine Art sehr einfach: Leicht, kurz und gut verständlich. Sie sind ja auch für Kinder geschrieben. Doch gleichzeitig schafft er es, zu berühren, Dinge zu erzählen, die nicht erwähnt werden und einfach so – Freude zu bringen. Mit jedem neuen Märchen gibt es eine kleine neue Welt, die voll Prinzessinnen, Helden in verschiedenen Kostümen, Musik, Fabeltieren und guten Enden ist. Sie vermitteln ein Gefühl, dass alles in Ordnung ist, spenden Trost, lehren und – was mir dazu noch viel Freude bereitet – geben Einblick in die Gedanken des Autoren.

Märchen erzählen immer mindestens zwei Geschichten: Einmal die offenkundige, tatsächlich geschriebene Geschichte. Dazu kommt die parallel erzählte Aussage über Menschen, oft moralisch oder wertend. Und dann, wenn man Glück hat, und der Autor sich traut, seine Geschichten von Herzen zu schreiben, erfährt man noch etwas über ihn. Und in diesem Fall finde ich, kommt vorallem das durch.

Die Geschichten sind von Herzen geschrieben. Sie sind geschrieben, um Kinder zu erfreuen und sie sind auf eine Art sehr ehrlich. Das kann ich leider gar nicht näher benennen, es ist bloß ein Gefühl, das beim Lesen aufkommt, was mich erfreut und berührt.

Ich möchte gar nicht so viel zu dem Buch schreiben: Es hat fantastische Märchen, die einfach geschrieben sind und doch so viel weiter gehen. Es ist nicht dick und nicht lang, aber es ist sehr wertvoll. Es ist schön aufgemacht, Achim Priesters Geschichte ist schön und ich würde jedem empfehlen, einfach mal ein Blick hinein zu werfen.

Denn das Buch ist genau das, was es sein soll – Ein Märchenbuch, dessen Geschichte auch fast ein Märchen sein könnte.

 

Geschenktipp – von Heuschrecke empfohlen!

 

Achim Priester - Portrait

 


Kurzes über den Autor:

Achim Priester wurde am 19. Juni 1959 in Bonn mit dem Down-Syndrom geboren. Seit dem schreibt er viel, anfangs über alles was er sieht und seit 2013 als Teil der Ohrenkuss-Redaktion. Diese Märchen sind ein ausgewählter Auszug aus den 40 Jahren, die er mittlerweile geschrieben hat.

 

 

Downtown-Werkstatt

Sie wurde von Katja de Bragança und Bärbel Peschka für das Ohrenkuss-Projekt gegründet. Katja de Bragança hat ebenfalls gemeinsam mit Anne Leichtfuß das wissenschaftliche Projekt touchdown21 gegründet (auch faszinierend, als Experten wirken hier natürlich auch Menschen mit Down-Syndrom mit).
Die Downtown-Werkstatt gibt 2x jährlich das Ohrenkuss-Magazin heraus (von AutorInnen mit Down-Syndrom) die wir in unserem Blog regelmäßig vorstellen.

Mehr: Hier

 

Buch: Achim Priester – Das goldene Birkenzweiglein

Hrsg: Bärbel Peschka

ISBN: 978-3-9819294-7-8

Preis: 19,90 EUR

Link zum Buch

 

 

 

Fotos: © Maya Hässig

 


 

 

Joshua Stübner

 

Meine Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

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