Ohrenkuss: Verbindung

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Die neue Ausgabe dreht sich rund um das Thema Verbindung und Unverbindung (durch Corona). Für manche ist die Zeit schwieriger, für manche einfacher. Es kommen viele schöne und weniger schöne Facetten zum Vorschein, wir erfahren Tipps und manchmal wird auch einfach nur das gesagt, was gesagt werden muss. So entstand ein wirklich rundes Programm, dass die letzten Monate eigentlich ganz gut zusammengefasst hat.

Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

 

Nora Fiedler, als eMail geschrieben

Ich spüre eine Verbindung auch in meine Liebe … in der Sensucht sehe ich auch eine Verbindung. Alle Bewegungen jeden einzeige Köpper Teile die sich bewegen verbinden sich in eine starke Verbindung. Das ganze Leben und das ganze Weld gib auch eine Verbindung.
Ich spüre auch eine Verbindung bei meine Familiche. Und alle die Sonne und der Mond ist auch eine Verbindung zu sehen auch bei Tag und Nacht ist auch eine Verbindung. Das ganze Wld. Gibt eine Verbindung wie bei Leben und Sterben.

Einfach alles … in mein Kopf und in meine Gedangen dehe ich auch eine Verbindung ich versuche die Verbindung raus zu grigen das ich wieder klar dengen kann und dann fühle ich mich wieder frei an dann bin ich für alles ofen und frei. DAS GANZE WLD. GIBT EINE VERBINDUNG WIE BEI LEBEN UND STERBEN 

 

 

Die zwei Seiten des Corona-Lebens: Freuden…

 

Daniel Rauers, 16.03.2020, diktiert bei Zoom

Was ich lustig finde: Wenn ich zu meine Eltern bin. Ich hab ein gutes Leben ich habe. Mein Leben ist gut, wenn ich zusammen Zeit mit meinen Eltern verbringe. Meine Zeit, das ist irgendwie interessant. Ich will es gerne verraten, mit meine Zeiten mit meinen Eltern zu verbringen. Gestern haben wir ein Huhn gegessen. Ein gekochtes Huhn. Huhn mit Reis. Gestern am Sonntag bin ich Fahrrad gefahren, gestern Sonntag. Was habe ich noch gemacht? Wir haben Kuchen gegessen gestern. Ich liebe Kuchen! Ich spiele gerne Schlagzeug. Ich spiele gerne freiwillig. Mehr.  

 

Marc Lohmann, 02.04.2020, diktiert am Telefon

Mir geht es gut und mal noch gucken, was wir heute Nachmittag machen. Gleich mal heute rausgehen. Und mit den quatschen, was spielen. Und dann gibt es eine Kaffee danach, am Nachmittag. So lange gehe ich in Terrasse in den Garten. 
Schönes Wetter, ja! Gestern war es auch schön. 
Aber sonst, ich bin fit und ich bin gut drauf! 

 

Martin Weser, 03.04.2020, diktiert

Ich habe ganz sehr viel gemacht. Mit meinem Onkel und meiner Mutter geholfen. Mein Onkel hat den Holz gesägt. Ich aufgestapelt, in einem Gitterbox. Ich habe auch mit Laubbläser zusammen durchgepustet. Ich hatte mein Spaß gehabt! Ich habe auch meiner Mutter geholfen: Gießkanne voll gemacht. Und meine Hosen aussortiert, die mir nicht mehr passen. Im Kleiderschrank aussortiert. Und viel gekehrt, unser Hof. Wir haben genug Holz zu machen. Dann kann nächsten Winter kommen. Ganz bestimmt! Ich hab keine Langeweile.  
Und abends schön faul auf dem Sofa, mit Entspannung, mit einer Kerze am Fenster, denken an die Leute in Krankenhaus arbeiten, dass bald weniger Leute krank werden. Und zu Hause bleiben. Darum: Hände waschen. 

 

 

… und Leiden

 

Andrea Halder, 17.03.2020, selbst am Computer geschrieben

Eigentlich geht es mir im Moment nicht so gut und lustig. Weil sehr viele von meinen Lieblingsbeschäftigungen finden leider nicht statt, in den nächsten folgendenen Wochen sind alle meine Termine komplett abgesagt worden. Echt uncool.
Ich sitze gerade an meinem Laptop und beschäftige mich mit meinen neuen Artikel über Corona-Virus! Da kann ich mich jetzt so richtig reinsteigern. Ich bin jetzt gerade ein paar Tage bei meiner Mutter auf Corona-Ferien eingezogen. Mal sehen, wie lange sie es mit mir aushält. Und ich mit ihr. Sie hat eben Geburtstag gehabt. Langweile kann man es hier nicht nennen, denn meine Mutter ist bekannt darin um mich auf Trab, besser Galopp zu halten!
Man fühlt sich wie eingesperrt sich an, oder am eigenen Leib wie eingemauert in einer Wand.

 

Marc Lohmann, 29.03.2020, diktiert am Telefon

Toll ist es nicht hier, ist schon langweilig. Mitte August bin ich schon ein Jahr hier.  Alles zu, Werkstatt, alles zu. Hat geschlossen. Dauert länger. 
Habe ich Tagesschau gehört. Nur einmal habe ich gesehen. Ist nicht besonders. 
Glaube, es ist besser, wenn ich in Bonn wohne, wäre mir lieber. 
Eigentlich wäre ich am Wochenende zuhause, aber das darf ich nicht.  Das ist Mist. Ohne mich haben die kein schönes Wochenende. Auch Ostern darf ich nicht nach Hause. Ist auch gemein, finde ich. Immer neue Sachen… 

 

Dominic Edler, 04.04.2020, selbst am Computer geschrieben

Was soll ich machen wenn mir meine ??? WG ein Beuscher-Verbot mir gibt?
Das kömmte in Bonn auch prassrien.  
Dominic von meiner WG im Göppingen gertent wurde. Deswegen bin Eltern jetzt leben zu müssen das ist echt füchtbar.

 

 

Der Alltag

 

Ansgar Peters, 25.03.2020, als eMail geschrieben

Virus zu haben ist nicht Schön das wäre gut das wir gesund Bleiben.

 

Michael Häger, diktiert am Telefon

Katja?  Treffen am Dienstag Ohrenkuss? Heute ist Samstag. 
Finde ich schwer. Finde ich scheiße. 
Ist sehr schwer, kommt kein Taxi mehr und kein Bus. 
Katja? Und die anderen, alle gut? 

 

Andrea Halder, selbst am Computer geschrieben

Home-Office bedeutet dass man von zu Hause her arbeiten kann. Das Wort ist englisch und Home bedeutet Haus. Und das Wort Office stammt auch aus dem englischen und bedeutet Büro. Zusammen bedeutet das ganze Wort Haus-Büro. Für manche Menschen ist das praktisch, für andere aber nicht.

 

Andrea Halder, selbst auf dem Computer geschrieben

Jetzt in der Corona-Zeit ist es oft egal wie man sich anzieht im Home-Office. Ich weiß das bloß von anderen Leuten. Unten rum sitzen sehr viele nur in ihrer Jogginghose/Leggings und oben rum sind sie ordentlich angezogen.
Bei den offiziellen Skyp-Meetings oder bei wichtigen Video-Konferenzen takeln sie sich richtig auf und tun sie sich aufhübschen.
Bei mir wenn ich auf Skype bin dann bin ich trotz allem hübsch genug angezogen, und ich betone dann auch meine Lippen. Mehr brauche ich nicht. Wahre Schönheit kommt eben auch von innen. Bei mir wechselt das. Es kommt eben auch darauf an, wie wichtig gerade so ein Skype-Meeting oder auch eine Video-Konferenz ist.
Wenn ich Skype-Meeting mache dann gebe ich mir schon Mühe mit meinem Aussehen und meiner Kleiderwahl.
Meinen Freunden ist das nicht so wichtig oder und die wollen nicht so perfekt aussehen. Mich interessiert viel mehr die Wohnsituationen wie sie wohnen und leben, und natürlich auch der Blickkontakt ist mir besonders wichtig.

 

 

 

Regeln

 

Angela Fritzen

Arbeiten von 17.30 bis 20 Uhr. Keine Schimpfwörter

 

Ansgar Peters

Konzentrieren, zuhören, man muss zusammenarbeiten. Nicht pupsen. Kein Sex im Büro.

 

Marley Thelen

Kein Alkohol trinken beim Ohrenkuss, Arbeit ist Arbeit.

 

 

Handys

 

Charlotte König, selbst am Computer geschrieben

Seidtem ich ein Handy besitze halte ich mit meine beste Freundinnen in Kontakt, und so kommunizieren wir und Verbinden wir uns, und tauschen uns mal die Handynummern aus damit wir im Kontakt haben und das fühlt echt so toll und so frei an.

 

Maria Trojer, selbst am Computer geschrieben

Mein Handy sieht rosarot aus und ist ein Samsung.
Man kann damit telefonieren oder chatten ,Sms schreiben.
Fotos machen, Videos schicken, habe einen Kalender drauf und die Uhrzeit.
Wenn es keinen Akku hat, dann kann ich es mit meinem Kabel aufladen.
Ich habe auch Facebook auf meinem Handy und kann alles selber, außer wenn es kaputt geht, mache ich ein riesen Aufstand um meine Eltern zu nerven muss man wegen mir sofort ein neues Handy kaufen, sonst bin ich übellaunig und unausstehbar.
Ich brauche mein Handy jeden Tag!

 

 

Verbindung

 

Andrea Halder, als eMail geschrieben

Man kann heutzutage alles nutzen mit den neuen Medien. Und man muss das auch lernen damit umzugehen. Manche brauchen Assistenz bei solchen Sachen. Ich nicht. Ich bin meine eigene Assistentin vom Beruf.

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert

Wenn ich einen Brief schreibe, dann gehe ich an den Briefkasten und schmeiß das ein. Am nächsten Tag wird es dann bestimmt liefern, an besonderen Mensch, den ich liebe. Dann wird er Schmetterlinge im Bauch haben und Gänsehaut kriegen. Dann wird er Tränen in Augen kriegen und er weiß, wer das war.

 

 

Langeweile

 

Angela Fritzen, diktiert

Mir ist nie langweilig, das weißt du doch. Ich schreibe ja immer. 
Dann würde ich sagen, dass einem nie langweilig wird, die sollen sich beschäftigen! Mache ich ja auch. 
Entweder Mandalas malen, Saxophon spielen, lesen oder schreiben. Und am besten auch für die Schule, auch Biologie, ist auch sehr wichtig, dann über den Körper muss man auch wissen und es gibt für den Wirbelsäule für den Rücken, wenn man einen krummen Rücken hat, braucht man keine Rückenschmerzen zu kriegen. Ich mache viel zuhause, Krankengymnastik, für meinen Rücken. Wie oft? Ich spiele gleich mit dem Papa Tischtennis, das mache ich auch gerne. 

 

Ansgar Peters, diktiert

Als Kind hatte ich mal Langeweile, da kann ich mich sehr gut dran erinnern. 1997 war das. Da war ich sieben Jahre alt. Und ich hatte Langeweile. Ich habe lange gewartet, bis der Eismann kommt. Im Sommer. Wann kommt der? Wann kommt der? Meine Oma hat mitbekommen, als der Eiswagen kam. Dann habe ich mir ein Eis genehmigt.
Wenn ich jetzt Langeweile habe, dann setze ich mich auf eine Bank und schaue den Wolken zu. Oder zähle die Schäfchenwolken. Oder höre den Vögeln beim Zwitschern zu. Oder den Fröschen, die am Quaken sind.

 

Natalie Dedreux, selbst am Computer geschrieben

Langeweile heißt für mich: hochleistungschillen.
Bei mir sieht das so aus: Erstmal Kaffee ans Bett. Frühstücken. Und dazu gleichzeitig Home-Office. Corona – das passt mir nicht! Ja, mir ist auch langweilig.
Wenn ich Langeweile habe, dann höre ich Kasalla. Also Karnevalsmusik in der Richtung. Ich bin ein Riesenfan von Kasalla. Wenn ich Langeweile habe, dann fange ich auch an zu puzzeln. Das ist ein Puzzle von einem Riesenaquarium mit bunten Fischen drin. Ich kann Euch auch verraten, wie viele Teile das hat: Das hat 1500 Teile. Puzzeln ist nicht langweilig. Ich puzzele und trinke Cola dazu. Cola light. Ist ja auch nur, weil ich nicht raus darf. Da wird mir am meisten langweilig. Und eins kann ich verraten: Ich werde morgen Autokino machen.

 

 

 

Einsamkeit

 

Diese diktierten Texte sind in einem Zoom-Workshop mit Dr. Samuel Elstner entstanden.

Anna-Lisa Plettenberg

Wenn ich alleine bin und Einsamkeit, würde ich still und schüchtern und das tut meiner Seele weh und wenn man einer stirbt oder mehrere Leute sterben, tut das meiner Seele auch weh und ich bin auch alleine. Und ich fühle mich auch in meine Zimmer rein und schließe meine Tür zu und bin alleine und ziehe mich zurück und das macht mich traurig und eigentlich will ich das nicht machen.

 

Johanna von Schönfeld

Wenn man einsam ist und sich so fühlt, eingeschlossen im Zimmer sein mag, gebe ich den Tipp: Man darf traurig sein und einsam, aber man soll bedenken und auch machen, glücklich zu schätzen. So fühle ich mich auf jeden Fall, ich schätze mich glücklich, weil wir haben eine gute medizinische Versorgung als die anderen Ländern.

 

 

 

Freunde und Freuden

 

Natascha Seibt, diktiert

(Ich vermisse) meine Freunde. Ich darf nicht mit meine Freunde treffen. Das finde ich fies und gemein. Ich darf nicht mit meiner Freundin Eis essen gehen.

 

Marley Thelen, selbst am Computer geschrieben

Wenn die Corona Vorbei ist dann kann man andere Menschen Kontakt Nehmen. Das finde ich super wenn die Menschen Nicht die mundschutz Trägt und endlich Mal Umarmen kann und dann kann ich auch Endlich Mit dem Bahn fahren. das finde ich super und ich finde gut wenn ich beim Ohrenkuss Da hin fahre. Das finde ich super und dann kann ich alles machen was ich tun kann.

 

Teresa Knopp, selbst am Computer geschrieben

Also, ich bin gespannt, wann ich wieder arbeiten kann. Ich bin Zuhause und helfe beim Haushalt, beim Aufräumen. Ich trompete sehr viel, ich genieße mein Leben und ruhe mich aus und entspanne mich. So sieht mein Homeoffice aus. Homeoffice ist gewöhnugsbedürftig, man darf nicht den Kopf hängen lassen. Es geht auch wieder vorbei. In Corona Zeit, bleibt gesund und munter. Wir sehen uns wieder.

 

 

 

Aladdin Detlefsen

Scheiß Corona! Ich will tanzen gehen.  

 

 

 

Im richtigen Magazin werde natürlich noch weitere Themen wirklich schön dargestellt. Dieses Mal auch mit vielen selbstgemachten Werken der KünstlerInnen mit Down Syndrom.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Swetlana Gasetski, instagram.com/swetlanagasetsk, Text und Fotos © Ohrenkuss

Ohrenkuss: Geschwister

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Die neue Ausgabe dreht sich rund um das Thema Geschwister. Geschwister haben ist besonders, unvergleichlich. Manchmal anstrengend, oft schön. Mit viel Freude, Unterstützung, Verständnis und gegenseitiger Bewunderung berichten die Autoren selbst, aber teilweise auch ihre Geschwister. Sie erzählen aus dem Leben.

Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

 

Über Geschwister…

 

Lioba Ullrich, ditkiert
Die sind einfach in meinem Herzen, das kann man nicht beschreiben. Wenn ich die jetzt so sehe, dann denke ich, dass meine Geschwister das Beste von mir rausholen wollen, dass ich auch selbstständig werde.

 

Angela Fritzen, diktiert
Ich reite alleine, aber sie selbst nicht, meine Schwester nicht. Das ist ein großer Unterschied. Ich bin keine Ärztin, aber meine Schwester schon. Sie ist normal und ich bin mit. Sie hat kein Down-Syndom, aber ich hab’s. Das ein großer Unterschied. Merkt man auch an.

 

Pia Heim, handgeschrieben
Bei meinem Bruder und bei meiner Mutter und mir sind gewissen Ähnlichkeiten. Wir machen alles gemeinsam und wir sprechen über alles. Wir haben keine Meinungsverschiedenheiten. Ich freue mich immer wenn er kommt.

 

 

Natalie und Fredo

 

Fredo Dedreux, am Computer geschrieben
Ich heiße Fredo Dedreux und bin 17 Jahre alt. Meine Schwester Natalie Dedreux ist 21 Jahre alt.
Ich finde toll an meiner Schwester:

  • Freude am Leben
  • Wie einfach Natalie die meisten Dinge sieht → unkomplizierte Sichtweise auf die Umwelt
  • Wie sie sich für Menschen mit Down-Syndrom einsetzt → und dass sie damit schon so weit gekommen ist
  • Wie interessiert sie am Rest der Welt ist → politisch, kulturell, …
  • Dass sie sagt, was sie denkt und sich keine Sorgen macht, was das für Konsequenzen haben könnte

Das laute Singen meiner Schwester im Nebenzimmer (nicht mehr aktuell, weil sie ausgezogen ist) finde ich doof, was anderes fällt mir aber nicht ein.
Von meiner Schwester habe ich gelernt, Sachen einfacher bzw. unkomplizierter zu sehen.
Nicht zu “überdenken” → Dinge akzeptieren, wie sie sind.
“Das wird schon irgendwie” → alles was kommt, wird funktionieren.

 

 

Natalie Dedreux, diktiert
Mein Bruder heißt der springende Freddy. So nenne ich ihn gerne. Weil mein Bruder cool ist. Für mich ist es mein Bruderherz. Vor allem mit Liebe. Geschwister sein ist für mich etwas Besonderes. Wir waren als Geschwister sehr viel unterwegs. Ich bin die einzige Schwester, die hier das Down-Syndrom hat.

 

 

Jonas und Nora

 

Jonas Möhl (4 Jahre alt) und Nora Möhl (3 Jahre alt)

 

Jonas Möhl, diktiert
Magst du Nora? Ja
Was findest du toll an Nora? Noras Stoppersocken.
Hast du einen Spitzname für Nora? Spitznamen kenne ich nicht. Spitz sind Zähne.

 

Nora Möhl, diktiert
Was magst du an Jonas? Ich mag mit Jonas Doktor spielen.
Hast du einen Spitznamen für Jonas? Jonas hat keinen Spitznamen vorher und jetzt hat er einen.
Was denn für einen? Joni Spitznamen hat der Jonas. Und ich habe Nörchen Spitznamen.
Kannst du dich an eine schöne Sache erinnern, die du früher mal mit dem Jonas gemacht hast? Wir haben draußen gebadet in dem Swimmingpool (Erinnerung an das Planschbecken, was wir letzten Sommer im Garten aufgestellt hatten).

 

 

 

Das finde ich …

 

Dorothee Reumann, diktiert
Manchmal gestritten oder nicht, manchmal vertragen und umarmt.

 

Martin Weser, handgeschrieben
An meinem Schwester und Bruder über alles gut. Die sind in Leben ganz wichtig das finde ich toll. An meine Geschwister. Die sind besonderes für mich da. Ich finde toll das wir Gegenzeitig schreiben ich habe Geschwister Gruppe das wir schreiben können das ist toll.

 

 

Spitznamen

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert
Meine Schwester nenne ich Evi oder Eva.
Meine Schwester nennt mich Lisi zu mir.
Ich finde das sehr schön, wenn meine Schwester mich so nennt.

 

David Blaeser, diktiert
Wenn ich ehrlich bin, meine Geschwister sagen mir immer “kleiner Bruder”. Für mich fühle es gar nicht so gut an, weil ich ja gar nicht klein bin, sondern nur in der Größe hängt es davon ab, aber ich ja groß genug für mein Alter, ja klar bin ich 16 Jahre alt, aber es nicht ob ich klein bin, ganz klein! Die sollen einfach sagen: einfach nur David.

 

 

Zusammen

 

Paul Spitzeck, diktiert
Ich ware mit mein Schwester mal in Kino alleine gegangen. Das haben wir genossen ohne Eltern.

 

Marc Lohman, diktiert
Liebe Nadine, ich freue mich auf den schönen Urlaub. Sag mir mal, wann wir los fahren und in den guten Morgen starten. Auf den schönen Tag. Und wir machen auch mal Pause zwischendurch. Hoffentlich kein Stau. Das ist in der Woche. Guten Morgen Urlauber, bin gespannt, was wir am Tag machen. Wo wir ankommen, in welchem Ort. Bestimmt auch Städte. Leute sind sehr freundlich.
Liebe Grüße, Marc

 

 

Voneinander Lernen

 

Claudine Egli, diktiert
Das haben meine Schwestern von mir gelernt: Nöd jufle! (Schweizerdeutsch. Bedeutet auf deutsch: Nicht hetzen!)

 

Martin Weser, handgeschrieben
Von meinem Bruder habe ich Auto gefahren gelernt oben auf der Wisse und auch Tracktor als Früherschein das war alles wunderbar. Mein Bruder Herz hat mir Wie man Tracktor das hat er mir gelernt.

 

 

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
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Fotos: Swetlana Gasetski, instagram.com/swetlanagasetsk, Text und Fotos © Ohrenkuss

 

Ohrenkuss: Ukraine

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

 

Der Einleitungstext kommt dieses Mal von Teresa Knopp, einer Autorin des Ohrenkuss-Teams höchstpersönlich.

 


 

Teresa Knopp, diktiert

Ohrenkuss besteht schon seit 20 Jahren und ist ein Magazin. Wir schreiben zu einem bestimmten Thema, aber jeder hat ja eine Meinung, als der andere.
TOUCHDOWN 21 hat nicht so eine lange Geschichte hinter sich, das besteht seit 4 Jahren. Das ist ein Forschungs-Institut. Wir forschen zum Thema Down-Syndrom.
In der Ukraine waren wir als TOUCHDOWN 21 Team unterwegs. Es gab eine Ausstellung. Und es gab Vorführungen von TOUCHDOWN 21 mini. Es gab Gespräche und Austausch.
Aber jetzt gibt es auch einen Ohrenkuss zum Thema Ukraine. Denn es gibt so viele schöne Texte zu dem Thema.

 


 

Behandelt wird das Land, die Ausstellung, sowie die gegenwärtigen Themen: Was wichtig ist, Arbeit und Wünsche. Wie immer variieren die Texte und Inhalte sehr: manchmal beschreibend, manchmal tief greifend, manchmal auch banal oder herzlich; aber vor allem sehr menschlich. Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

 

Natalie Dedreux, diktiert

Priviet heißt Hallo auf Deutsch.

 

 

 

UKRAINE

 

Ansgar Peters, selbst am Computer geschrieben

In Ukraine ist ser Groß um Glauplich Groß es wohnen auch Wenige Leute da und es Gibt Viel Landschaft und Tiere in Ukrarine und auch Wunderschön dort.

 

Johanna von Schönfeld, diktiert
Die Ukraine ist ganz bunt.

 

Valentyn Radchenko, diktiert

Alle, die in der Ukraine leben, sind meine Menschen. Ich sehe ihre Häuser. Sie sind meine Nachbarn.

 

Teresa Knopp, diktiert

Wir hatten einen Dolmetscher gehabt, sodass wir die Leute auch da verstanden haben. Das Wichtigste war für mich, dass wir in der Sprache des Herzens gesprochen haben.

Das ist die innigste Verbindung zwischen Deutschland und der Ukraine.

 

 

 

WAS WICHTIG IST

 

Nataliia Samsonova, diktiert
Wichtig ist, dass ich ich selbst bin.

 

Yevhen Holubentsev, diktiert

im Auto rauchen

glücklich
zusammen mit Freunden

Herz und Liebe

 

Yevhen Navoenko, diktiert

Ein Telefon ist wichtig in meinem Leben. Ohne Handy gehe ich nicht aus dem Haus.

 

 

 

ARBEIT

 

Natalie Dedreux, diktiert
In Deutschland ist es so: Fast alle Menschen mit Down-Syndrom haben eine Arbeit. Ich will Journalistin werden. Das ist auch Arbeit. Menschen mit Down-Syndrom können auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten. Oder in der Werkstatt. In der Ukraine haben nur fünf Leute mit Down-Syndrom eine Arbeit. Das ist, weil Inklusion dort noch nicht so oft gemacht wird, weil es daran noch hapert. Das muss sich ändern.

 

Valentyn Radchenko, diktiert
Ich arbeite nicht. Ich sitze zu Hause. Ich arbeite nicht. Ich will arbeiten! Ich suche nach Arbeit! Ich suche nach einer neuen Arbeit. Ich suche. So ist es.
Ich kann schreiben. Ich will in einem Werk arbeiten. Ich möchte arbeiten beim Straßenbau. Darauf warte ich!
Für mich ist es wichtig, zu arbeiten. Ich möchte Straßen und Brücken bauen.

 

Nataliia Hetmanova, diktiert
Ich bin auf die Sache konzentriert.
Geschäftlich.
Arbeit ist eine ernste Sache. Ich schwatze nicht so viel. Ich bin nicht zum Spaß aufgelegt. Ich schwatze nicht. Ich meine es ernst.

 

 

 

WÜNSCHE

 

Vladyslav Pohribnyi, diktiert
Ich werde mit Geduld darauf warten, dass jemand mich liebt.

 

Nataliia Hetmanova, diktiert
Ich möchte gerne Motorradfahrerin werden. Ich will ein Bike fahren! Ich will Rennen fahren mit Freunden, mit zwei Jungs. Ich fahre eine Kawasaki Ninja 300. Ich möchte das Motorrad hier in Kiew haben. Es ist ein Benzin-Bike.
Ich kenne mich mit Motorrädern aus. Ich verstehe viel davon. Ich verstehe etwas von Motoren! Ich will den Motorradführerschein machen. Dafür brauche ich Training. Das würde ich gerne täglich machen. Ich hätte gerne einen Trainer, der mir das Motorradfahren beibringt. Ich würde gerne Tricks machen mit dem Motorrad. Das ist energetisch. Zum Beispiel, wenn man das Bike auf das Hinterrad stellt. Dann fährt man rückwärts. Das fühlt sich supergeil an!

 

Nataliia Samsonova, diktiert
Ich möchte, dass die ganze Welt lebt und am Leben bleibt.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
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Fotos: Britt Schilling, www.brittschilling.de Text und Fotos © Ohrenkuss

Ohrenkuss: Wohnen

Auf dem Foto: Andrea Halder

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

 

Das aktuelle Thema ist Wohnen. Was bedeutet Wohnen, wo wohnt man, wie wohnt man, was braucht man, was man kann. Dazu haben die Autorinnen und Autoren viele Texte und Ausschnitte, Fragen beantwortet und vor sich hin sinniert.  Es ist einfach, es ist komplex, es ist oberflächlich und tiefsinnig – insgesamt eine Fülle von schönen, kurzen Texten. Das Ohrenkuss-Magazin ist jetzt erhältlich. Es ist wunderschön designt, ja eine kleine Freude des Alltags.

Wir wünschen, wie immer, viel Spaß!

 

Claudine Egli, diktiert

Wohnen ist das Leben. Und es macht Spass.

Wichtig ist, dass die Wohnung schön ist, dass es schön aussieht, dass schöne Sachen drin sind, Bücher. Und dass es Ruhe gibt, dass man nicht streitet. Und Frieden.

 

 

 

Wo man wohnt / wohnen möchte

 

Nora Fiedler, handgeschrieben

An liebsten oder mein Traum ist bei Arnoldstrasse 7 (Leben mit Behinderung WG) zu wohnen, da gib es kein Zeitruk und kein Stress nur ein wenig. Die sind alle selbsttändeg. Und es gib keiner bei einzumischen. In Arnoldstrasse 7 sind die bewonern richig nett auch seine Frau Mutter ist nett zu mir. Sie versteht spars wenn ihr es erkrlärt. Die liebe Meines Leben ist was besonderris für mich. Jeder hat ein Betreuer. Für sich einige von den haben aufgehört. ich finde es richtig schade und traurick Für die alle. Meine Sehnsucht oder die Fernbezijung ist wei der Regen drausen allein. Arnoldstrasse haben jeder 1 Zimmer für sich allein. Die sind zu 4. Ein gemeinschaftraum. 2 Badezimmern. 4 Zimmern. In der Mite mein Süsser. Mein Traum ist Dord zu whonen wo mein Mann ist. Ich Bin immer noch seine Trumfrau.

 

Verena Günnel, diktiert

Mein Traumhaus aus dieser Ort heißt Asgard, wo ich bald wohne, weil ich gewünscht habe. Ich versuch mehr Menschen kennen zu lernen, die neu sind, bevor ich da einziehen würde, das ist ein guter Anfang für mich, um wohlzufühlen und da zu wohnen. Ich hab ein Mann, ich bin seit ein Jahr zusammen mit ihm und er heißt Loki und der hat ein Bruder und der heißt Thor, der wurde so genannt. Und mit dem bin ich jetzt zusammen. Sehr sehr großes Haus, drumherum ist wie eine Stadt, mit Brücke, gehört dazu. Und nur ein Gerät, automatisch, zum Drehen, wie eine Kreisel, kann man auch verschiedene Länder wegzuschicken. Manchmal der Thor, wenn er sein Vater verärgert hat und ihn verbannt hat, dann wurde er direkt weggeschickt auf die Erde, wo die Menschen leben. Am Anfang steht ein Thron, da ist ein König und der ist Vater von beiden Brüder, der schon verheiratet ist mit sein Frau.

Es ist riesig Haus, da kann man so viel rumlaufen wie man wollen. Freizeit, keine Ahnung, was wir dort machen. Ich hab ein eigenes Zimmer mit ihm zusammen, manchmal wird er auch festgenommen, weil er gemein ist. Es gibt auch ein Keller, aber Riesenkeller und da wurden alle Gefangenen eingesperrt. Es gibt auch Garten draußen noch, Pflanzen, Erde und paar Tiere. Das ist mein Traumhaus, da will ich unbedingt dahin, da war ich noch nie. Das habe ich von meine DVD rausgefunden. So groß habe ich noch nie gesehen, zum ersten Mal. Ich muss dran gewöhnen, um dort zu wohnen. Mehrere kennenzulernen. Das sind Leute, die ich kennenlernen muss. Das sind verschieden Männer und Frauen. Und die Fremde darf ich nicht, weil die bösartig sind. Das ist Sicherheit für mich und dort zu bleiben und nicht da weggehen. Weil die Leute, die ich gut kenne, beschützen mich dann vor den Fremden. Ich darf nicht in die Nähe von die Fremde zu gehen und das ist Macht. Von den Bösen weg abhalten gegen mir, sonst gibt es Krieg und das weiß ich auch. Und ich merk das, warum das passiert ist. Und das ist mein Eindruck.

 

 

Achim Priester, handgeschrieben und dann abgetippt

Mein Einzug ins Haus „Elisabeth“ Ich, Achim Priester, lebe nun schon lange in einem Heim mit mehreren Kameraden zusammen. Das Leben hier ist sehr schön, wenn auch der Alltag mir hundertmal eine lange Nase zeigt und zu mir sagt: „Ätsch, mach dieses, ätsch, mach das, ätsch, mache jenes.“ Im Haushalt haben wir immer einiges zu tun, aber wir teilen die Ämter auf, wie z.B. die Spülmaschine ein- und ausräumen oder den Tisch decken, abräumen und allerlei mehr. An unserer Pin-Wand im Eßzimmer hängt ein Plan, darauf steht „Wochenenddienst“. Der bestimmt, wer an den Wochenenden den Küchendienst übernimmt. Für sieben Wochenenden müssen wir uns im Voraus zweimal eintragen. Der Küchendienst an den Wochenenden fängt schon am Vorabend des Küchendiensttages an. Der Frühstückstisch muß gedeckt werden und auch der Kaffee muß vorbereitet sein. Am anderen Morgen stellen wir die Kaffeemaschine an und tragen das Essen auf. Das Mittagessen kochen die Betreuer, aber wir müssen dabei mit helfen: Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden, Salatsaucen zubereiten, Pudding kochen oder anrühren und so einiges mehr. Es ist schon verrückt in der Welt, den ganzen Morgen verbringt man in der Küche und hat viel Arbeit und dann ist das leckere Mittagessen in wenigen Minuten und in aller Fröhlichkeit weggeputzt und dafür hat man die ganze Zeit in der Küche gestanden. Danach beginnt der große Abwasch. Die Sachen, die nicht mehr in die Spülmaschine passen, sowie die Töpfe und Pfannen müssen mit der Hand im Spülbecken abgewaschen werden. Aber von den kleinen Alltagssorgen lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir sind ausgelassen wie eh und je, sind fröhlich und haben sehr viel Spaß miteinander. An Werktagen gehen wir in die Werkstatt zur Arbeit und abends spielen wir oder sitzen am Fernsehen. Mit meinem Freund gehe ich auch oft ins Kino. Die gemeinsamen Wochenendausflüge sind auch immer sehr schön. Einmal hat uns sogar ein Bischof besucht und ich trug ihm einige Limericks vor. Ich schreibe sehr viele Geschichten, Märchen und Gedichte in meiner Freizeit. Limericks ohne Zahl fallen mir schon bei fast jeder Gelegenheit ein. Ich kann es eben nicht lassen und ich will es auch nicht lassen, was das Dichten anbelangt. Dies gehört bei mir zu Alltag. Ich finde nämlich, man sollte den Alltag mit mehr Phantasie und Freude erleben. Ändern kann man ja doch nichts.

Aber nun möchte ich davon berichten, wie ich meinen Einzug in das fröhliche „Haus Elisabeth“ im schönen Rhöndorf erlebt habe. Es war eine ziemlich harte Entscheidung für mich, überhaupt von meinen Eltern wegziehen zu wollen. Aber das kam so. Ich habe eine Freund, Ralf Thomas Huppke mit Namen. Wir haben uns in der Werkstatt in Hersel kennengelernt. Ziemlich schnell sind wir dicke Freunde geworden. Als dann später seine Mutter starb und es schließlich so weit kam, daß er in eben dieses Haus in Rhöndorf kommen sollte, ging ich schon auf die 30 zu. Ich hatte gerade eine unliebsame Erfahrung mit einem anderen Freund gehabt. Als der damals aus der Schule kam, hatte er plötzlich ganz andere Interessen. Ich mußte damals noch nicht so schnell von zu Hause fort. Aber weil ich schon auf die 30 zuging, fühlte ich doch, daß ich nun ein eigenes Leben führen müßte und noch mehr Freunde haben sollte. Ich würde später in jedem Falle in ein Wohnheim gehen müssen und wer weiß, wie es dann gekommen wäre, und ob ich mich dort auch wohlgefühlt hätte, wäre noch die zweite Frage gewesen. Von Ralf Thomas hörte ich, wie schön es im Haus Elisabeth sei. Die Entscheidung war schwer und es war für mich auch keine leichte Sache, meinen Eltern zu verklickern, daß ich ausziehen wollte. Wenn ich auf die damalige Zeit zurückblicke, kommt sie mir vor wie ein ausgeträumter Alptraum. Dann kamen die Einzugsgespräche und als ich dann später wirklich einzog, war für mich alles neu. Ich hatte das Gefühl, daß ich mich erst richtig einleben müsse und dafür verhalf mir ein wunderschönes Erlebnis. Am 1. Oktober 1987 zog ich mit Sack und Pack ins Haus „Elisabeth“. Die Zeit verging wie im Flug und schon bald war eine Woche nach meinem Einzug vergangen. Es war Wochenende, das allererste Wochenende in meinem neuen Zuhause, das mir für alle Zeiten in Erinnerung bleiben wird. Es war ein wunderschöner warmer Oktobersonntag, als ich, allerdings schon spät am Morgen, aufstand und mich anzog. Ich hatte das Fenster schon aufgemacht, um frische Luft in mein Zimmer einzulassen. Als ich mich bückte, um meine Schuhe zuzubinden, hörte ich plötzlich ein eigenartiges Geräusch in meinem Zimmer. Ich dachte gerade noch: „Was ist das denn?“. Ich blickte auf und sah eine Blaumeise auf dem Rand meines Waschbeckens sitzen und ein lustiges Liedchen zwitschern. Als ich mit bewegte, erschrak die Blaumeise und flog wieder hinaus durch das offenen Fenster. Nun fühlte ich mich aber in dem Haus willkommen und wußte, daß das Wohnen im Haus Elisabeth mir gefallen würde und ich lebte mich auch ziemlich schnell ein. Über den Besuch der Blaumeise existiert noch heute ein Gedicht.

 

Verena Elisabeth Turin, handgeschrieben und dann selbst abgetippt

Wenn ich es wirklich zugebe, was ich im Bad mache? Dort mache ich mich sehr sauber. Ab und zu dusche ich mich. Und wasche mir selbst meine Haare und föhne sie. Jeden Morgen und Abend putze ich mir meine Zähne weiß. In der Früh wasche ich mit dem kalten Wasser mein Gesicht ab. Danach bekommt mein Gesicht eine Nivea-Creme drauf. Natürlich gehe ich im Bad auf die Toilette jeden Tag.

In meiner Wohnung soll es sehr gemütlich sein. Und auch romantisch, hell, einladend. Für meine Gäste. Natürlich gibt es ein ausdehnbares Sofa. Mit einem Notbett dazu. In meinen Wohnzimmer soll es ein Fernsehen mit einem DVD Player, drei bunte Teppiche, zwei Tische, und sechs Stühle, mittelgroßer Ofen, hellbraune Bücher und DVD Filme Kästen, einen Massagestuhl geben. Natürlich gibt es auch Stehlampen bei mir und Kerzen mit Zündhölzer. Im Falle wenn es bei mir ein Kurzschluss gibt. Meine Wohnung schaut mittelgroß aus. Es soll vier pinke Orchideen im Wintergarten sein. Und die gelben Löwenmäulchen sind dann in meinen Garten neben an.

 

Auf dem Foto: Valentin Radschenko

 

Wie man wohnt

 

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben

Als Assistenz habe ich Selbastijan und Wibke. Ich brauche richtig vill Unterstützung und Hilfe. Bei Wäsche bei Geld und bei Ferabreden mit Freunde und bei Ferabreden mit Freunde und bei Kochen. Auf jeden Fall Geld. Das ich nicht zu vill da bei habe. An Wochenende gehe ich immer aus an Abend. Was ich mir leisten kann das Schönste Hochzeit des Jahres kann ich mir leisten. Sauberkeit in Zimmer und in Badezimmer ist mir auch wichtig. Mein Mann kann es alles allein aber auch mit Hife sonst kann mein Mann alles slbst. Er ist auch schon erwaksen. Aber ich soll ihn besser erzihen. Mir ist wichtig das er sauber und gut richt. Meine Eltern kauf die Saubermiteln ein für mich ist das zu teuher die Putzmitteln. Die Uhr Zeiten muss ich noch lernen wegen tellefoniren an abend. Nach einer Fernsehen Sendung gehe ich pünktlich in Bät.

 

Angela Fritzen, handgeschrieben

Abenteuer: Wohnen Wir brauchen Geduld haben zu wohnen Leistung die Wohnen bleiben kann nicht aufgeben. Anhören die Musik CD oder DVD Film. Es aufregend. Ich werde Moderieren Für alles Freuen. Wir sind Bereit ist wieder Essen Bestellen sogar Pizza zu Bringen Lassen gute Stimme Für die Wohnen dringd. Wir wohnen gemeinsammKeit machen können. Texte schrieben kann und zeit haben es ist Richtigkeit zu befödern werden was ich noch brauche kann ist Gedanke – Gedicht. Wohnen und Power haben und Hummer und Benutzen. Bekommen. Bedauern. Patient. Es ist so schwer wirklich spezial zu haben. Aussicht. Aufgeben. Chance. Angst. Helden. Faule Haut. Ist schwer zu sagen. Aufregend zu sein. Anfang. Chromosomen. Zu Wohnen. Erkenen. Aufwaschen. Down-Syndrom 47.

 

Jil-Marie Zilske, selbst am Computer geschrieben

Besser ist es, wenn man zusammen wohnt egal Schwerbehinderte oder Geistigbehinderte oder Lernbehinderte oder Gehbehinderte. Ich würde eine WG auf machen. Die da alle rein kommen. Es stimmt nicht, dass Jugendliche mit DS keinen Freund haben und finden und suchen. Alle freuen sich, wenn man einen Traum im Kopf hat. Wie zum Beispiel Hochzeit, ein eigenes Haus oder ein eigenes Auto. Sie wissen aber auch, dass man einen Führerschein braucht und wenn, man Hilfe braucht kann man Hilfe suchen oder anrufen. Ich möchte auch das die Menschen mit Behinderung gleich berechtigt werden. Aber sie dürfen aber auch Alkohol trinken und rauchen. Aber sie müssen aber wissen, wenn sie rauchen das es nicht gut ist. Sowie Alkohol trinken ist auch nicht gut. Sie müssen aber auch selber einschätzen wie sie es selber einrichten. Und ich mache denn Rest wie zu Beispiel 8 Büros, 8 Wohnzimmer, 1 Küchen mit Theke und Stühlen, 8 Badezimmer, 8 Gaderobe, 8 Chilleecke, 1 Keller und 1 Garten, 1 Musikraum, 8 Schränke. Sofa, Tische, Anken, Bilder, Laptops, Handys, Ladegeräte, Sticks, Mehrfachstecke, Mikrofons, Touch Pads mit Stender, Bilderrahmen, Erinnerungsbilder.

 

Auf dem Foto: Yevgen Golubentev

 

Was man kann

 

Nora Fiedler, diktiert

Badezimmer und Toilette Darüber kann ich dir richtig viel erzählen, richtig derbe viel. Am besten erst mal über den Klo. Im Klo hängt so ein Duft-Tab, zum Beispiel Zitrone oder Frühlingsfrische, Männerduft. Klopapier mit Mustern, zum Beispiel mit Herzchen oder mit Federn oder Klopapier mit Duft, zum Beispiel Minzblätter oder Lavendel. Im Klo ist wichtig, dass es gut riecht, und dass auch mein Verlobter drauf sitzen kann. Mir ist es auf jeden Fall wichtig, dass der Badezimmer sauber ist oder wird. Das macht man mit Betreuern zusammen oder man fragt, ob man Hilfe braucht. Mein Verlobter macht alles selber. Zum Beispiel mit Badezimmerreiniger, Putzmitteln. Auf jeden Fall wenn man das ganze Badezimmer putzen will, fangt man mit dem Waschbecken an. Erst den Waschbecken und danach brauche ich Hilfe mit dem Klo. Mit dem Klo benutzt man ein anderen Putzmittel. Ob ich das nicht verwechsel, deshalb brauche ich Hilfe.

 

 

Angela Fritzen, diktiert

Thema: Alleine wohnen Was muss man können, um alleine zu wohnen? Ich wohne noch alleine mit meiner Eltern zusammen. Wir haben das Haus selbst gebaut. Das Haus ist sehr lang gemacht. Da war ich noch klein mit meiner Schwester. Wie noch nie lebhaft zu sein. Genau in meinem Jahrgang haben wir das Haus gebaut. Ich würde auch in betreutes Wohnen gehen, auch in Siegburg. Wir hatten nur keinen Termin gehabt. Da kann ich mit der 66 fahren, bis dahin und kucke das betreute Wohnen an. Die betreutes Wohnen muss ich erstmal anschauen, wie es so eingerichtet ist. Und das Haus kenne ich, von betreutes Wohnen. Mit meiner Kollegen aus der Musikschule, da war ich mal gewesen und habe die Kristines getroffen. Die hat mal da gewohnt. Da haben wir gemeinsam gespielt, Musik gemacht. Also wenn ich alleine wohne, würde ich zur Musikschule fahren, zu Saxophon zu spielen und anschließend morgens früh würde ich mit der 66 nach Oberkassel fahren, nach Altenheim zu fahren. Kann ich direkt durchfahren.

Was davon kannst du schon? Also ich kann reiten, dann geh ich noch im Altenheim zum Rückensport. Ich kann selbst Kaffee kochen. Ich kann am Computer, am Laptop. Alleine zum Arzt gehen. Alleine zum Zahnarzt gehen. Alleine einkaufen gehen. Ich kann alleine die Spülmaschine ausräumen. Was ich nicht so gut kann, ist Geld ausgeben. Ich kann zum Ohrenkuss hinfahren. Tischtennis kann ich auch, aber im Verein nicht. Und ich geh Mittwoch zur Musikschule, Saxophon zu spielen, alleine. Ich kann Zimmer aufräumen.

Was davon kannst du noch nicht? Ich kann nicht mit dem Geld ausgeben. Ich kann nicht keine Kinder kriegen. Ich darf das nicht. Ich kann nicht so einzuschlafen. Autofahren darf ich nicht und kann ich nicht. Ich darf keine Roller fahren.

 

Björn Langenfeld, diktiert

Thema: Alleine wohnen Was muss man können, um alleine zu wohnen? Ich wohne jetzt in Siegburg. Bis jetzt acht Jahre schon. Alleine ich wohne. Mache ich putzen, saugen, Wäsche waschen. Dann mache ich die Einkaufen, kochen. Ich hab ein Bett, Couch, Badezimmer.

Was davon kannst du schon? Alleine mach ich Wohnung machen, mache ich Kaffee kochen, Bett machen. Dann mache ich Waschen alleine. Dann geh ich alleine Bäcker holen. Waschen auch ganz alleine. Und dann mach ich gerne bügeln. Dann mache ich Zimmer Couch, dann kommt Fernsehen und Radio. Und dann mache ich Schlafzimmer. Alleine saugen und wischen. Dann mache ich alleine kochen. Ordentlich sein. Ein Held.

Was davon kannst du noch nicht? Ich kann alleine, nicht helfen. Alles alleine.

 

Auf dem Foto: Anna-Lisa Plettenberg

 

Und der schöne Rest

 

Ansgar Peters, diktiert

Kofferpacken Wenn ich in eine Reise fahre, dann muss ich auf einen Zettel draufschreiben, dass ich meine Unterhose mitnehmen muss. Socken, Badehandtuch, Schwimmhose, Badehose, Jackett, mit Schlips, schicke Hose, gut aussehen. Und alles packe ich in meinen Koffer rein. Und nicht vergessen: meinen Schlafanzug! Sonst muss ich nicht nackt nicht schlafen. Schlafanzug ist immer besser einzupacken. Und was auch noch fehlt, ist Kultursachen zu packen, meine Schlagzeugsachen und meine Stöcke und natürlich auch Handtücher, das braucht man alles für die Reise mitzunehmen. Und dann, wenn der Koffer schon voll ist, dann bin ich fröhlich. Proviant mitnehmen, was zum Trinken, vielleicht eine Tüte Chips und Cola oder nehme ich meine Nudeln mit. Das Problem, ich habe eine Weizenallergie und in Hotel müssen auch wissen, dass ich das habe. Wichtig ist, natürlich, Kondome muss ich mitnehmen.

 

Macht ihr Morgengymnastik?

Johanna von Schönfeld: Solche freche Antworten wird ich nicht beantworten. Diese Morgengymnastik machen nur alte und junge Menschen, aber ich nicht. Da hab ich keine Zeit für.

 

Was wollen wir machen?

Paul Spitzeck: Ich möchte so sein, wie die 46-Chromosome, weil ich fühle mich so. Meine Eltern haben mir das so erklärt, dass ich eigentlich nicht das Down-Syndrom habe, aber die Natur hat mir das gegeben. Das hab ich so lang in mein Herzen, bis ich das hier hin geschafft habe zu Ohrenkuss, das muss mal raus.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Britt Schilling, www.brittschilling.de Text und Fotos © Ohrenkuss

Ohrenkuss: Ozean

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

 

Das aktuelle Heft behandelt das Thema Ozean. Wir haben ein paar Texte und Ausschnitte aus den Texten zusammengeschnitten und grob einkategorisiert. Das Heft selber umfasst noch viele weitere Texte, Interviews und Ausschnitte aus dem Leben. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen (vielleicht noch kurz, dass es das 20-Jahre-Ohrenkuss-Jubiläumsheft ist). Jetzt aber viel Spaß, Freude und gedankenanstoßende Momente. Wir hoffen es macht Lust auf Meer. Dazu einfach das Ohrenkuss-Magazin bestellen!

 

 

Zum Thema Ozean

 

Julia Bertmann, per email geschrieben

Im Fernsehen lief eine 5-teilige Serie über Ozeane. Ich habe mir alle 5 angeguckt. Es gibt eigentlich 5 Ozeane. Aber man spricht immer nur von 3 Ozeanen: Indischer Ozean, Pazifischer Ozean und Atlantischer Ozean. In den verschiedenen Ozeanen gibt es verschiedene Fischarten. Von den Orcas das sind Wale bis zu den kleinsten Fischen wurde alles erklärt. Die Tiefsee ist dunkel. Kleine Fische leuchten in der Dunkelheit. Hinter den Steinen auf den Meeresboden verstecken sich die Leuchtfische. In vielen Ozeanen gibt es Korallen. Das sind ganz viele Nesseltiere die zusammenhängen. Der weiße Hai ist sehr groß und frisst alle Fische, die vor seiner Nase her schwimmen. Delphine springen immer aus dem Wasser raus, damit sie Luft holen können. Sie schwimmen immer hinter Fischschwärmen her und wollen sie fressen. Unter Wasser auf den Boden der Ozeane gibt es einen richtigen Dschungel. Das ist Seetang. Der sieht aus wie Büsche. Da verstecken sich Seespinnen drin und Krebse und Fische. Mehr als die halbe Erde auf der wir leben besteht aus Wasser.

 

 

Dorothee Reumann, selbst am Computer geschrieben

Ich gehe allein in der ozean. Musium rein gehen und ich wahr baff los die ozean und ich denke nicht und ich bin ozean im mein kopf oben die viele fische und hai und kleine fische ich stze ein raum bank hin und auf stehen und gehen und gucke ich habe kopfhörer die ein man und ein frau sagen und ich stauhen die viele ozean das ist hamma keiel gehe ich raus und endspann mich.

Wie viele Wasser hoch kommt? Wie viele Fische? Wie viele Feuerquallen? Wo genau die Ozean kommt? Wie kauft die Fische: Gut essen oder nicht gut essen? Wie kommt die Wasser zu uns kommen? Wie trinkt die Wasser für die Menschen? Ganze Welt! Und wo ist Essen? Das ist auch wichtig. Die Lebensmittel zubereiten, Arbeit.
Die Blumen trinkt auch Wasser. Die Pflanzen braucht auch Wasser. Und die Bäume auch. Wo ist Regen? Warum ist Hochwasser auf die Stadt? Kommt das zurück oder kommt hin? Wo viele Tote? Die Menschen braucht Trinken für Körper, Gesundheit. Und die Fische? Und Hai? Ist tot? Und Feuerquallen und normale Quallen ist nicht so gut für die Menschen, wegen die Füßeschmerzen. Wo genau die Meer oder am See, wo ist die Schiffe und Segelboot? Fahren am Meer und Boot auch und viele Leute schwimmen am Meer. Man guckt die Leute an und die Kinder auch, richtig anschauen, dass keine Hai. Und trinkt unter und die Mann rettet die Kinder und die Erwachsenen. Und schnell rausgehen. Und sitzen viele Leute anschauen am Meer, Strand, liegen, sitzen, anschauen, die Sonne, mit Eisessen.

 

Nora Fiedler, diktiert

geheimnisvoll – Mond – und Meerjungfrauen – Gedankenreise

Eine Frage wäre… Aber Ozean kann doch gar nicht reden. Ozean hat doch keinen Mund. Jetzt kommt eine Frage an den Ozean: An Ozean … oder: Lieber Ozean, welche Farbe hast du? Oder anders formuliert: Wie sieht der Ozean von drinnen aus? Mit richtig wunderschönen Schaumkronen. Diese Schaumkronen glitzern in der Sonne. Ob das Meeresrauschen zum Einschlafen bringt? Irgendwie träume ich echt davon. Ich sitze am Strand. Eine Vorstellung wie ich selber im Ozean wäre und ich sehe im Ozean: Es war Nacht und ist Vollmond. Ich wundere, was eigentlich wirklich im Ozean wäre. Ein sehr seltenes Wesen mit wunderschönen langen Haaren, eigentlich ist es kein Wesen. Ich sehe eindeutig da: eine Meerjungfrau. Und am Ende sitze ich mit der Meerjungfrau am Felsen. Die Meerjungfrau heißt Beate.

 

Angela Fritzen, diktiert

…Der heftige Wind treibt die Wellen zu stark hoch, dass man die Wellen hören können, so eine Art Musik. Wenn Salzwasser und Süßwasser Wellen macht, gehe ich direkt rein und springe da rein. Wenn die Welle treibt immer mehr, das ist das Zeichen, dass ich reingehe. Aber mit Laufen. Und ich reite wie auf ein Pferd. Das Wasser kein Pferd ist. Aber das Wasser trägt wie Pferd. Weil die Pferde können auch schwimmen.
Die Wellen machen sehr viel mehr Kraft fürs Herz. Herz mehr Kraft fürs Leben. ….

 

 

Politische Themen rund um den Ozean

 

Natalie Dedreux, handgeschrieben

Flüchtingskriese
Ich finde es nicht gut das sie sterben.
Sie haben auch das recht nach Deutschland zu kommen. Sie haben doch hunger und durst so wie wir. Können wir den Seehofer das der liste absteigen.
Sie sind genau so wie wir reich und können gerne so wie ich gerne einschlafen.
Ich will das der Krieg in den anderen Landen aufhört.
Die Politik soll so funktionieren das alle mitmachen dürfen. Es sollen doch nicht so viele menschen auf den rettungsbotten sterben.
Können wir den Seehofer mal Bremsen.
Dann müssen wir uns was einfallen lassen. Dann were es gut Das wir ein Ton(?)gerät anschaffen damit wir den Seehofer bremsen können.

 

Andrea Halder, selbst am Computer geschrieben

…Wir Menschen sollten mehr dafür sorgen dass wir nicht soviel an Plastik verbrauchen und auch an den gelben Säcken sollte man auch daran sparen. Weil sie bestehen ja auch nur als Plastik-Müll. Eigentlich sind wir ja daran selbst schuld. Wir verbrauchen ja selbst soviel an Plastik-Müll. Wenn jeder mit machen würde von unseren Leuten abgesehen und seinen Teil dazu beizutragen mit den Plastik-Müll, dann wäre es jeden dabei mitgeholfen. Wir sind ja dazu selbst verpflichtet uns darum zu kümmern, nur so können wir in der Zukunft Plastik-freier leben ohne diesen Plastikmüll in sauberer Umweltschutz. …

 

 

Poesie

 

Michael Martens, diktiert

Unten im Meer
Spooky, spooky (macht Handbewegung, schlängelnde Fische, hochschwimmender Tintenfisch)
Mehr Rhythmus!
Harmonie!
Harmonie.

 

Antonio Nodal, diktiert

Meer ist Nordsee.
Meer heißt Wasser.
Meer heißt schwimmen.
Meer: Kopf Wasser.
Meer: Haare nass.
Meer: Ich will Handtuch.
Meer heißt Mensch.
Meer – ich liebe.
Meer: hellblau, Sonne.
Meer: Winter Eis.
Meer: Party Meer.
Meer heißt Tanzen.
Mittelmeer.
Meer: Träumen und denken.
Meer: Mann und Frau.
Meer heißt: Ich liebe.
Meer ist M.
Meer ist E.
Meer ist E.
Meer ist R.

 

 

Was sonst noch beschäftigt

 

Aladdin Detlefsen, diktiert

Piraten ist ein Mensch und die trinkt ein Bier. Piraten sind auch Seeräuber. Sie fahren von Land zum Land. Und die hat sieben Messer und eine Waffe. Die kämpft sich Piraten zu Piraten. Die hat auch ein Schiff. Und ein Bier in der Hand. Die haben einen Schatz, den haben sie am Strand erobert. Die bewachen den Schatz. Die Schiff fährt bis zum Burg. Die bewachen, damit keiner Unsinn baut. Die Piraten, die wohnt auch da. Und die schlaft auch da in Burg.
So sehen die Piraten aus: rot im Kopf, Lederhose und Gürtel und eine kleine Jacke. Dazu Lederschuhe. Und ein Bart. Piratenfrau, die arbeitet im Kiosk auf dem Piratenschiff. Sie hat ein Blume im Haar. Die hat ein Rock, geschminkt, aber mit Waffen: Pistolen und zwei Messer. Und die trinkt auch ein Bier. Die Piratenfrau holt die Schatz und geht zurück nach Burg. Und das schlaft sie. Den Schatz hat sie solange ganz tief unten im Keller. Dann geht die nach oben, nimmt da das Boot und fahrt lang zum Land. Und die hat Kanonen und schießt von Schiff zum Schiff. Und springt sie und kämpft und schießt – alles gleichzeitig. Und dann fährt die noch weiter aufs Meer.
Sie kriegt auch zu Essen und zu trinken. Bier. Da gibt’s Gemüse, Fleisch und Obst. Das essen die Piraten. Auf dem Tisch nimmt eine Kerze und macht das Licht an. Sie greift sich die Segel ab. Sie singt Ahoi. Die Piraten macht: „Ahoi, ahoi, was machst du Schönes?“
Die hat vier oder fünf Kisten voll Bier und saufen richtig. Essen, trinken und alles, was Spaß macht.
Am Abend macht der der Gardine zu und schlafen im Schiff. Die schläft bis morgens um zehn. Und dann wacht die auf und sagt: „Oh, 20 Schiffen, da muss man Tote schießen.“ Die besprechen sich bisschen: „Jetzt kämpfen und schießen wir noch mal. Und trinken noch mal Bier.“
Danach fahren sie zurück nach Burg. Dann schläft der noch mal und tanzen, tanzen, tanzen ohne Ende. Und Bier saufen. Und die Geschichte ist zu Ende.

 

Dominic Edler, selbst am Computer geschrieben

See-Gurkeen
Repetez für Seegurkensalat mit Blaubeeren und Fetakäse

1 kleine Salatgurke(n) (Bio)
100 g Blaubeeren
100 g Feta-Käse
1 Lauchzwiebel(n)
1 EL Minzeblätter, in Streifen geschnitten

Für das Dressing:
1 EL Obstessig
Salz und Pfeffer
1 Prise(n) Cayennepfeffer
1 Prise(n) Zucker
2 EL Olivenöl

Die See-Grurken kommen aus den Land Indien.
Aus Indien das ist ein Land in Südasien .
Ich weis das die gruke auf Paltnaschen aufwerkssen und sie ist ein
Plafznengnüsse.
Und die Grurke würd zuberite für sallte und es gibt weill gute Repzte dazu
wen ihr repzte baurcht wende euch an mich 6 Stanekurch Dominic.

Wie werden sie serviert?
Als Saaltgericht mit allen Verastioen im Restuangs und Gasthüsern
Cetterings.

 

 

Und zum Schluss

 

Natalie Dereux, diktiert
Wenn ich am Rhein bin, mache ich hochleistungschillen. Da esse ich auch gerne Eis. Am liebsten mag ich Schoko. Wasser ist wichtig für uns Menschen. Das brauchen wir zum Trinken und zum Leben.

 

 



… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Foto: Mathias Bothor, Berlin, www.mathiasbothor.com 
Text und Fotos © Ohrenkuss
Zum Impressum des Heftes – interessant, weil es zugleich ein kleiner Überblick ist …

Ohrenkuss: Schweiz

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Die TOUCHDOWN-Ausstellung, ein Projekt von Touchdown21 und der Bundeskunsthalle Bonn, ist nun in die Schweiz nach Bern gewandert. Die KünstlerInnen und AutorInnen mit Down Syndrom haben sich also einige Zeit in der Schweiz aufgehalten und für die Ohrenkuss-LeserInnen eine ausführliche aber kurzweilige Anleitung zum Land geschrieben. Hier einige Kostproben:

 

 

Schweiz (von A-Z)

 

 

A

Alphorn

Björn Langenfeld, diktiert

Ein Mann bläst Alphorn. Bläst rein.
Mund, Lieder, toll!
Musik, sehr schön.
Ein Mann, Alphorn, ist jetzt Schweiz.
Berge und Wiese

 

 

B

Berge

Natalie Dedreux, diktiert
Die Berge sehen so schön blau aus. Weil es da mehr Schnee gibt und kälter ist. Weil man da friert. Es ist eiskalt da oben, anstatt von unten. Und in den Bergen war es so warm. Da hatten wir eine Wiese im Sonnenschein. Es waren megaviele Wolken im Himmel. Wir saßen unter den Wolken. Das war eine schöne Aussicht! Die Aussicht war gut. Man konnte weit gucken und wir haben es da sehr genossen. Da konnte man viel erleben! Abenteuer Schweiz!

 

 
C

Café

Dorothee Reumann, diktiert
Das Land. Schweiz [seufzt]. Das Land Schweiz trinkt warmes, schönes Kaffee. Kaffee und Kekse, macht gut, liest die Zeitung und entspannt. Und trinken im Café.

 
 
F

Flagge

Björn Langenfeld, diktiert
Kreuz ist Schweiz, Fahne. Rand rot. Draußen bläst und Wind. Dann wackelt so. Sturm.
Kreuz ist Notarzt, Kreuz ist Koffer.

 

 

G

Glocke

Michael Häger, diktiert
Die Kühe sind auf der Weide auf Gras.

Und dann kommt ein Bauer ein Stall. Der Bauer macht sauber im Stall. Heu.

Die Kühe essen. Die Kühe hat Euter. Glocke.

Kommt eine Frau und ein Mann. Schick.

Ein Trekker. Fahr los! Fahr los!

Ein Mann, der hat was an, ein schwarze Hose.

Kommt eine Frau, zusammen helfen im Stall. Macht sauber, überall.

Die Schafe geht auf dem Weise Gras essen.

Der Hund ist schwarz. Punkte.

Ganz viele Hunde auf der Wiese.

Glocke, Hunde. Die Schweine im Bauernhof.

Ganz viele Schweine, macht sauber.

Die Mutter ist schön.

Hat was an, eine Schürze ein Handschuh.

Ganz viel Kühe. Die Frau Hände zum Kühe rausholen,

ein Kälbchen.

 

 
H

Heidi

Angela Fritzen, diktiert
Neben die Hütte links steht ein dicke fetten Baum. Und als im Hintergrund sind die Berge mit Schnee bedeckt. Die Heidi ist acht Jahre alt, schätze ich mal so. Acht Jahre alt und der Großvater weiß ich nicht, ich sag mal 92. So genau weiß ich das auch nicht. Der raucht die Pfeife. Und der hört, dass die Heidi sagen möchte. Was sie gerne mit Peter, mit die Ziegen zu melken. Und auf die Wiesen herumzuführen.

Ich weiß nur, dass die Heidi kein Down-Syndrom hat. Und die hat Angst, dass die Kinderheim, dem Großvater, dem Almöhi wegnimmt. Und die soll auch dableiben, hat er gesagt. Weil die Großvater ist nicht so viel kinderlieb. Der muss das erstmal noch verdauen. Dass er normalerweise alleine lebt mit den Ziegen. Mit seinem Bernhardinerhund. Papino heißt der Hund. Der ist kräftig und der isst zu viel.

Der Großvater hat Angst. Dann sagt die Tante Tete: „Almöhi, das darfst du nicht machen. Das ist dein Enkelin. Sie kann nicht lesen und sie kann nicht schreiben. Die muss erstmal zur Schule gehen.“

Die Heidi muss ihre Koffer packen. Da kann sie die Freundin kennenlernen, Clara. Die auch im Rollstuhl sitzt. Weil die ist ja dann alleine und einsam. Die ist auf einem Ziegenbock gewesen und hat geguckt, dass die Mutterziege die Babyziege dann auf die Welt kam. Dann sagt die Heidi dann: „Clara, du kannst doch stehen!“ Aber nicht lange, die ist ein bisschen zittrig, die Clara. Die muss erst noch laufen lernen durch die Heidi. Von der Heidi soll die Clara laufen lernen. Dann nimmt der Peter den Rollstuhl von Clara in der Tiefe. Schmeißt den schnell runter von den Bergen da runter und hat die Heidi dann gesagt: „Ui, du kannst doch laufen. Super!“ Dann hat die Clara dann gesagt: „Jetzt kann ich laufen, ich brauch den Rollstuhl nicht mehr.” Danach kam sein Vater zum Almöhi in die Berge, also zu Besuch halt. Dann sagt sie dann: „Sieht mal Schatz, du kannst doch laufen. Super! Wo ist denn der Rollstuhl?“

Sie trinken Kaffee in der Hütte. Und die spielt gerne mit den Ziegen. Dann schläft sie auf dem Heuboden. Das ist sein Bett. Und sie trägt keine Schuhe.

Die schaukelt sehr gerne. Und dann liegt sie dann auf der Wolke mittendrin. Und sie lacht auch sehr gerne. Also vorher kommt noch die Musik noch. Und dann schwingt in die Wolken und ziehen dauernd weiter mit Heidi mit. Und der Peter, der Geißenpeter, der ist ein bisschen älter als Heidi. Der müsste glaube ich 12/13 Jahre alt sein. Schätze ich halt, so genau weiß ich das nicht. Die Heidi hat noch Familie, seine Großoma. Die ist blind. Die Oma ist blind von Kindheit.

Ich weiß nur von der Heidi, dass sie die Mutter hat. Und ihren Vater auch. Sie hat das abgegeben im Waisenhaus. Also im Kinderheim war es. Also ich weiß von seinem Vater, dass er außerhalb arbeitet und die Mutter ist, glaube ich, eher Krankenschwester oder so. So genau weiß ich das gar nicht.

 

K

Käsefondue

Samira Guggisberg, diktiert
Über Schweiz: Man muss unbedingt auch Fondue esse. Eigentlich. Kann man überlegen, wie kommt man an die Reihe. Muss man Brot reintunken. Der Käse kommt aus der Aelziger Alp.

 

 

M

Murmeltier

Julian Göpel, diktiert
Biber und Murmeltiere zu beschreiben – das ist Naturwissenschaft.
Murmeltiere sind so süß und knuffig. Biber auch. Das ist kein Unterschied.
Aber jetzt kommt der Unterschied: Biber lieben Wasser. Murmeltiere lieben auch Wasser – eigentlich ist das doch kein Unterschied.
Murmeltiere sind auf Futtersuche – und Biber auch.

Biber laufen schnell und viel, Murmeltiere auch.
Es gibt fast keinen Unterschied zwischen den beiden.

Aber die Schwänze von den beiden sehen anders aus:
Der Schwanz vom dem Biber ist rund und platt. Der Schwanz von dem Murmeltier hat nur Fell und ist nicht platt.

Das Murmeltier macht Winterschlaf und der Biber nicht.

Der Biber baut einen Staudamm und das Murmeltier nicht.

 

S

Schokolade

Johanna von Schönfeld, diktiert
Jeder Schweizer Staatsbürger muss Schokolade im Haus haben.

 

Steuerhinterziehung

Tobias Wolf, diktiert
Aus dem Radio habe ich in den Nachrichten von der Steuerhinterziehug gehört.

Die aus dem Finanzamt von den deutschen Behörden und den Politikern kaufen die Daten-CDs von den Steuerhinterziehern, von den Firmen und ganz bestimmten Leuten.

Das heißt, dass die Firmen und die Leute ihr Geld in der Schweiz haben bei den Schweizer Banken. Sie wollen nicht die Steuern in Deutschland bezahlen. Die Schweizer Banken und die Deutschen Banken wollen besser zusammen arbeiten, um Steuerhinterziehung zu verhindern. Ich möchte mich nicht einmischen, aber ich möchte schon auch, dass sie das verhindern.

 

 

Z

Zentrum Paul Klee Ausstellung TOUCHDOWN

(Anm. von Heuschrecke: Wanderausstellung von touchdown21 und Bundeskunsthalle Bonn. Eine spannende Ausstellung mit und über Menschen mit Down Syndrom eingebettet in die Science-Fiktion-Rahmenhandlung „Second Mission“. Sehr beeindruckend, sehr empfehlenswert. Vom 24.1. – 13.5.2018 im Paul Klee Zentrum in Bern)

 

Julia Bertmann, diktiert

Bei diesen Portraits haben wir acht Leute mit Down-Syndrom aus der Schweiz dazubekommen. Ich finde das sehr gut. Man sieht, dass alle das Down-Syndrom haben. Die Leute aus Bonn haben deutsche Aussprache. Die Leute aus der Schweiz haben Schweizer Sprache.

Hier gibt es einen Raum nur über die Liebe – nicht gemischt. Dieser Raum ist schön groß und erzählt über die Liebe.

Der Raum: „Der große Auftritt“ von Dr. John Langdon-Down ist viel größer als in Bonn und übersichtlicher. Der Foto-Apparat ist nicht mehr dabei, aber sonst alles beim Alten.

Die Künstlerin Judith Scott hat tolle Kunstwerke erschaffen. Dieses Kunstwerk, das vor mir steht, sieht aus wie ein Golfschläger. Alle vier Kunstwerke finde ich toll und interessant.

Ich finde das sehr interessant mit den Stäbe mit Wolle. Dann hat man das Gefühl, dass man auch was eingewickelt hat wie Judith Scott das gemacht hat. Man kann kreativ sein und verschiedenen Woll-Arten benutzen. Und das finde ich toll und auch super, dass man selber kreativ sein kann.

Ich finde die Figuren von Markus Keuler super gelungen Man sieht, dass diese Figuren das Down-Syndrom haben. Ich finde es toll, dass sie in der Mitte von der Ausstellungshalle stehen. Dann sieht man, dass es sich um diese Personen dreht, die Ausstellung.

Die Ausstellung ist aufgemacht wie im Weltraum. Man fühlt sich auch wie im Weltraum. Wenn man durch die Ausstellung läuft, ist man ein Astronaut oder Astronautin und man spürt die Atmosphäre in einem Raumschiff. Und wenn man gelandet ist, landet man wieder auf dem normalen Boden. Wenn man aus der Ausstellung rausgeht, ist man wieder ein normaler Mensch.

 

 

 



… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos www.brittschilling.de
Text und Fotos © Ohrenkuss

 

Buchrezension: Achim Priester – Das goldene Birkenzweiglein

geposted in: Ohrenkuss 1

 

Der Zwerg mit der roten Zipfelmütze

 

In einem fernen Königreich, irgendwo am Meer, begab sich eine kleine Prinzessin, die bestimmt nicht älter war als vier oder fünf, an den Strand eines Meeres und ging dort spazieren. Sie war schon oft mit ihrem Vater dort gewesen und beide saßen dann auf einem Stein, der vom Strand Richtung landeinwärts auf einer kleinen Anhöhe, die man Düne nannte, vereinsamt lag. Von dort aus blickten gar oft König und Prinzessin auf das weite Meer hinaus und lauschten auf die Brandung, wie die Wellen zischend mit weißem Schaum an den Strand gespült wurden. Aber sehr oft hatte der König leider keine Zeit dazu, um dort auf dem Stein zu sitzen und sich das Meer zu betrachten. Schließlich musste so ein König auch sein Land regieren. Da durfte die kleine Elisa, so wurde die Prinzessin gerufen, dann auch alleine an den Strand gehen. Eines Tages traf sie dort einen Zwerg, der sehr traurig war und als Elisa ihn fragte, was er denn habe, antwortete er: „Ach, ich habe meine rote Zipfelmütze verloren und finde sie nicht mehr. Gerne möchte ich sie wieder zurückhaben.“ Elisa beruhigte den traurigen Zwerg wieder und sagte: „Sei nicht traurig, wir werden deine rote Mütze schon wieder finden. Schließlich ist mein Vater König und ein König muss doch alles wissen, da wird er sicherlich wissen, wo deine rote Zipfelmütze abgeblieben ist. Warte hier, bis ich zurück bin. Ich gehe zu ihm hin und werde ihn fragen.“ Gesagt, getan! Elisa ging zum König, erzählte ihre Geschichte und fragte ihn schließlich, wo die rote Zipfelmütze abgeblieben sei. Da antwortete der König schließlich, obwohl er mitten in einer wichtigen Besprechung war: „Hast du schon unter den Stein geguckt, auf dem wir immer sitzen und dabei auf das weite Meer schauen?“ Elisa schüttelte den Kopf und der König antwortete darauf: „Dann tu das bitte!“ Elisa ging wieder zum Strand und beide, sie und der Zwerg, gingen dann zu dem Stein und schauten darunter. Aber dort lag die Zipfelmütze nicht. Da wurde der Zwerg wieder traurig. Aber Elisa ließ es nicht zu, dass der Zwerg wieder mit Weinen anfangen wollte und sagte leise zu sich selbst: „Ich kann es einfach nicht verstehen, dass mein Vater sich geirrt haben sollte. Ein König irrt sich doch nie. Am besten ist es jetzt, ich frage ihn zum zweiten Mal.“ Dann wandte sie sich wieder dem Zwerg zu: „Sei nicht traurig, ich und mein Vater werden deine rote Zipfelmütze schon wiederfinden.“ Mit diesen Worten rannte sie hastewaskannste wieder zu ihrem Vater und erzählte ihm alles. „Ei“, sprach der König, „dann wird es wohl am besten sein, wenn ich auch mit zum Strand komme und auch unter diesem Stein mal nachschaue.“  Gesagt, getan!

(S. 32)

 


 

 

 

Das goldene Birkenzweiglein

 

 

 

Buchcover: Achim Priester - Das goldene Birkenzweiglein

 

 

Das Buch ist toll. Ganz einfach, ohne viel drum rum, möchte ich das so sagen. Es berührt, es erzählt, es lehrt und es erfreut.

Das goldene Birkenzweiglein ist ein Buch, das nie geplant war, doch bin ich froh, dass es existiert. Es ist eine Sammlung von kleinen, wirklich schönen Märchen von Achim Priester, die dazu geschrieben wurden, Kinder zu erfreuen. Nun bin ich in manchen Zügen kein Kind mehr, doch hat es auch bei mir gewirkt. Denn obwohl Märchen meist für Kinder geschrieben wurden, können sie auch im Erwachsenenalter noch viel Freude bringen.

Achims Märchen sind auf eine Art sehr einfach: Leicht, kurz und gut verständlich. Sie sind ja auch für Kinder geschrieben. Doch gleichzeitig schafft er es, zu berühren, Dinge zu erzählen, die nicht erwähnt werden und einfach so – Freude zu bringen. Mit jedem neuen Märchen gibt es eine kleine neue Welt, die voll Prinzessinnen, Helden in verschiedenen Kostümen, Musik, Fabeltieren und guten Enden ist. Sie vermitteln ein Gefühl, dass alles in Ordnung ist, spenden Trost, lehren und – was mir dazu noch viel Freude bereitet – geben Einblick in die Gedanken des Autoren.

Märchen erzählen immer mindestens zwei Geschichten: Einmal die offenkundige, tatsächlich geschriebene Geschichte. Dazu kommt die parallel erzählte Aussage über Menschen, oft moralisch oder wertend. Und dann, wenn man Glück hat, und der Autor sich traut, seine Geschichten von Herzen zu schreiben, erfährt man noch etwas über ihn. Und in diesem Fall finde ich, kommt vorallem das durch.

Die Geschichten sind von Herzen geschrieben. Sie sind geschrieben, um Kinder zu erfreuen und sie sind auf eine Art sehr ehrlich. Das kann ich leider gar nicht näher benennen, es ist bloß ein Gefühl, das beim Lesen aufkommt, was mich erfreut und berührt.

Ich möchte gar nicht so viel zu dem Buch schreiben: Es hat fantastische Märchen, die einfach geschrieben sind und doch so viel weiter gehen. Es ist nicht dick und nicht lang, aber es ist sehr wertvoll. Es ist schön aufgemacht, Achim Priesters Geschichte ist schön und ich würde jedem empfehlen, einfach mal ein Blick hinein zu werfen.

Denn das Buch ist genau das, was es sein soll – Ein Märchenbuch, dessen Geschichte auch fast ein Märchen sein könnte.

 

Geschenktipp – von Heuschrecke empfohlen!

 

Achim Priester - Portrait

 


Kurzes über den Autor:

Achim Priester wurde am 19. Juni 1959 in Bonn mit dem Down-Syndrom geboren. Seit dem schreibt er viel, anfangs über alles was er sieht und seit 2013 als Teil der Ohrenkuss-Redaktion. Diese Märchen sind ein ausgewählter Auszug aus den 40 Jahren, die er mittlerweile geschrieben hat.

 

 

Downtown-Werkstatt

Sie wurde von Katja de Bragança und Bärbel Peschka für das Ohrenkuss-Projekt gegründet. Katja de Bragança hat ebenfalls gemeinsam mit Anne Leichtfuß das wissenschaftliche Projekt touchdown21 gegründet (auch faszinierend, als Experten wirken hier natürlich auch Menschen mit Down-Syndrom mit).
Die Downtown-Werkstatt gibt 2x jährlich das Ohrenkuss-Magazin heraus (von AutorInnen mit Down-Syndrom) die wir in unserem Blog regelmäßig vorstellen.

Mehr: Hier

 

Buch: Achim Priester – Das goldene Birkenzweiglein

Hrsg: Bärbel Peschka

ISBN: 978-3-9819294-7-8

Preis: 19,90 EUR

Link zum Buch

 

 

 

Fotos: © Maya Hässig

 


 

 

Joshua Stübner

 

Meine Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

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