Nachruf: Prem Chand Tamang

 

Ein sehr berührender Nachruf von Prem Tamangs Familie, gleichzeitig ein reflektiertes nachkoloniales Geschichtsdokument ist eingetroffen, das wir hier weitergeben dürfen.

A very touching obituary of Prem Tamang’s family, at the same time a reflected post-colonial historical document has arrived, which we are allowed to pass on here.

 

 

 

 

Dear friends, please read below the detailed obituary of Dr. Ben Kaukler in English.

 

Auf unserer Darjeeling-Reise 2014 haben wir Prem Tamang kennengelernt und mit ihm die Teegärten von Tea Promoters India (TPI) bereist. Ein kritischer, widerspenstiger, sehr humorvoller Geist, Sohn eines kommunistischen Ministers, geboren in Darjeeling in einem der Teeplantagen zugehörigen „Tee-Dörfer“.

Sein Leben ist eng mit der Geschichte der indischen Darjeeling-Teegärten verknüpft. Deshalb hier zunächst etwas Historie:

Seit ungefähr 1840 gibt es professionellen Teeanbau in Indien – zunächst in Assam, aus der wildwachsenden Teevariante Camelia assamica -, veranlasst von der britischen Ostindien Kompanie – nachdem kurz zuvor deren Handelsmonopol für Chinatee ausgelaufen war. Etwa 20 Jahre später wurden von den Briten die ersten Teegärten in Darjeeling aus Stecklingen der chinesischen Teepflanze Camelia sinensis angelegt, der Beginn der Kulturlandschaft, wie wir sie heute kennen.

1947 endete die britische Kolonialherrschaft. Die sehr britisch geprägten Teegärten mitsamt der Teeverarbeitung wurden von der indischen Regierung bzw. dem westbengalischen Government in Kolkata (Calcutta) übernommen und per Lehensvertrag an nicht ortsansässige Unternehmen verpachtet.

Während die Briten zumindest in die Provinz Darjeeling (Besiedlung durch Nepalesen, Straßenbau, Eisenbahn, Tourismus) rückinvestierten, wurde die Region nach der Unabhängigkeit nur noch ausgebeutet und systematisch vernachlässigt, hinzu kommt der Kultur-Gap zwischen den nepalesischstämmigen Hill-People und den ihnen gegenüber arrogant auftretenden West-Bengalen Kolkatas.

In Darjeeling flammen deshalb bis heute immer wieder (gewaltsame) Aufstände auf (Gorkha-Bewegung – siehe auch die Gurkha Regimenter der englischen Armee im zweiten Weltkrieg), zuletzt der große Generalstreik vor ca. 3 Jahren (siehe unseren Bericht hier).

Es geht immer auch um Autonomie: Darjeeling ist tatsächlich heute überwiegend in Sprache und Kultur nepalisch geprägt. Und wehrt sich gegen eine zu starke Assimilierung in den Bundesstaat West-Bengal. Es brodelte also schon lange unter der jungen Gorkha-“Kriegern” mit ihrer stolzen Tradition, die im Vielvölkerstaat West-Bengal (von den Briten konzipiert) die Verlierer sind.

Nach Abzug der Briten funktionierte die Verwaltung der Teeplantagen zunächst nicht gut, Löhne wurden nicht gezahlt, es gab Insolvenzen. Schließlich gingen die Darjeeling-Teegärten in Privatbesitz über.

Prem Tamang arbeitete in den 1980er für die bengalische Regierung als Tea Superintendent bei Regierungsfarmen, und Brij Mohan (Gründer der Firma TPI) war Vorstandsvorsitzender bei der Government Company für die Teefarmen. Prem und Brijs Sohn Binod Mohan hatten zusammen studiert. Ein freundschaftlicher Klüngelverein.

Im Jahr 2000 konnte Brij Mohan den Teegarten Singell übernehmen, es folgten weitere Teefarmen und wurden mit und mit auf Bio-Anbau, auf Fairtrade und später z.T. auf Demeter-Anbau umgestellt. Prem Tamang hatte daran großen Anteil, ab 2002 als Direktor für TPI, und er blieb der Familie Mohan über 3 Generationen (Gautam Mohan ist seit ein paar Jahren mit im Unternehmen) eng verbunden. Eine feine Ironie ist, dass Prem zu den Hill People gehört, und die Mohans zu den Kolkata – Bengalen, was bei aller Freundschaft Gelegenheiten für Dispute bot.

Die teil-feudale Struktur der Darjeeling-Teegärten passt nicht mehr recht in unsere Zeit, die ökonomische Situation ist sehr schwierig geworden. Die ursprüngliche Idee war, dass ein Teegarten die umliegenden Dörfer mit bis zu 8000 Personen komplett versorgt – vom Hausbau bis zu Bildung und Gesundheitssystem, und die Bewohner im Gegenzug ihre Arbeitskraft in die Teegärten einbringen. Das ist kaum noch zu verwirklichen, denn immer mehr DorfbewohnerInnen müssen sich anderweitig um ein Auskommen bemühen.
Prem Tamang hat diese Situation kritisch beschrieben und an Modellen zur Verbesserung gearbeitet, Fairtrade, Tourismus statt ausschließlich Tee, Kleinbauern-Initiativen mit den Teefabriken (v.a. TPI) verbunden. (siehe den englischen Teil des ausführlichen Nachrufs von Ben Kaukler/ Topqualitea).

Dieses Jahr im Juli konnte Prem noch seinen 70. Geburtstag feiern. Nach längerer Krankheit ist er nun im August 2020 gestorben. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen drei Söhnen.

Heinz Gasper und Ursula Stübner

 

 

Obituary

Prem Chand TAMANG

14th July 1950 to 10th August 2020

 

The organic and fairtrade movement of India lost one of ist founders with Prem C. Tamang on 10th Aug. 2020 . Since the 1990s he was actively involved in organic tea development of both tea gardens and small farmer initiatives. Last he worked for Tea Promoters India as an Director focusing fairtrade development programs for this pioneer tea group…

Prem was born in a tea village belonging to Chongtong tea garden near town of Bijanbari in Darjeeling, India on 14th of July 1950 exactly 161 years after the beginning of the French Revolution with the storming of the Bastille in Paris. To change and revolutionize the establishment seem to be a motive in his live right from his birth onwards….

His father (a communist WB minister and later member of Rajya Sabha (Parliament) enabled him an education in Darjeeling to become a tea manager. In the 1980s he joined public services as a tea superintendant … The WB government made him responsible for various sick tea plantations which have been abandonned by previous owners due to unrentability… Prem`s task was to find a way to give new live to those tea gardens and its inhabitants. Reviving these centurary old tea regions was his official goal.

It was here that Prem was first experimenting with organic methods and meeting European experts like Dr. Rainer Bächi (IMO) and the founding Präsident of NATURLAND. Fairtrade companies like GEPA did greatly benefit on his tea expertise …

After joining Tea Promoters India in 2002 he implemented organic and fairtrade methods for all undertakings of this organic & fairtrade pioneer group being aktive in Assam, West Bengal, Darjeeling and Kerala. Particulary the Small Farmer Projects of TPI have been his brain children right from the beginning like Mineral Springs, Upper Pashok, etc… He will be never forgotten in Kerala where he re-organised the Naturland Tea Factory Project for Peermade Development Society (PDS, Kuttikkannam) and Tea Promoters India (TPI, Calcutta) successfully… He was elected as international delegate of the NATURLAND Assembly twice after 2010…

Many foreign partners of TPI will remember him as a joyful and entertaining tea expert of rural India trying to find new and modern ways how to produce good tea more sustainable for our environment and social well being today…

He will be missed by his wife and 3 sons badly. But we all and especially Tea Promoters India and his Partners around the globe lost a founding pioneer of organic & fairtrade tea culture… May his soul find peace….

 

Ben Kaukler

Farm To Fork

Ingwertrocknung

 

Die Landwirtschafts-Initiative für eine grünere Zukunft

Wer tief entweder in der Landwirtschaft oder der EU-Kommissions-Materie steckt, hat vielleicht schon von diesem neuen Plan gehört. Er ist groß und er ist “grün”. Eine große, neue grüne Initiative, als Teil einer noch viel größeren, neuen und grünen Initiative. Es geht um die Zukunft des Essens, im Rahmen eines gesünderen, faireren und umweltfreundlicheren Europas. Was das grob bedeutet, möchten wir hier darlegen. Wer wissen will, was das genau bedeutet, dem geben wir am Ende noch ein paar Links an die Hand. Da es sich aber auch nur um Vorschläge, Pläne und Wunschvorstellungen handelt, ist selbst das Genaue noch recht grob, und was im Endeffekt dabei rumkommt, bleibt abzuwarten. Aber erstmal unsere Erklärung.

 

 

Der European Green Deal

Ja, NOCH eine Initiative. Aber da die Farm To Fork Bewegung ein Teil davon ist, müssen wir uns auch diese anschauen.

Der Gedanke ist gleichermaßen simpel wie vorbildlich: Europa will der erste klimaneutrale Kontinent werden, und zwar bis 2050. Das soll durch nachhaltigere Landwirtschaft sowie Förderung von klimaneutralen Alternativen passieren: bessere öffentliche Verkehrsmittel, weniger Kohle, effizientere Gebäude und die finanzielle Unterstützung von “Vergrünisierung” in der Wirtschaft.

Im Zuge dessen soll mehr Fairness für Erzeuger*innen und Verarbeiter*innen geschaffen werden, mehr auf die Gesundheit der Menschen geachtet werden, und das Ganze soll umweltfreundlicher geschehen. Das sind die Ziele der Farm to Fork Strategy.

 

Farm to Fork

*oder F2F für die Coolen.

 

Dass der Landwirtschafts- und Ernährungssektor Probleme hat, ist keine Neuigkeit. Eigentlich ist auch das Verändern-Wollen dessen keine Neuerung, aber dieses Mal vielleicht etwas gesetzlich gestützter.

Folgendes sind die Hauptproblemfelder:

  • Das derzeitige Essenssystem (Landwirtschaft + Ernährung) ist für ca. 1/3 der Treibhausgase verantwortlich
  • Es werden zu viele Ressourcen verbraucht (Platz, Boden, etc.). Irgendwo passt da auch der Regenwald rein, wenn er denn in Europa stünde…
  • Verlust der Biodiversität. Es werden hauptsächlich eine Handvoll Hauptnahrungs- und Fütterungspflanzen angebaut
  • Es ist schlecht für die Gesundheit (Unter- und Überernährung). Von den Nutztieren mal ganz abgesehen.
  • Die Primärerzeuger*innen leiden. (Man erinnere sich an die Milchbäuer*innen)


Zur Verbesserung soll ein neues System geschaffen werden, das neutral oder sogar positiv für die Umwelt und besser fürs Klima, bzw. angepasst an die Klimaänderungen, ist. Die Biodiversität soll gestärkt und gefördert werden, und die Bäuer*innen besser unterstützt werden. Für die Endverbraucher*innen soll es bezahlbar bleiben und natürlich Gesundheit und gutes Essen für Alle liefern.

Damit das nicht nur idealistisch und utopisch klingt, hat die EU das Ganze auf vier Säulen des Angriffs gestellt.

 

Ingwer Verlesung


Weniger Essensverlust und weniger Wegschmeißen

Das ist relativ selbst erklärend. Es wird zu viel Essen weggeworfen oder geht durch die Produktion verloren – sei es durch die Verarbeitung oder weil Normalverbraucher*innen die krumme Karotte nicht kaufen mögen.

Wenn weniger weggeschmissen wird, ist mehr zum Essen da und es muss weniger hergestellt werden (Anm.: bzw. wird global gerechter verteilt). Das ist eine einfache Gleichung. Der Plan ist, bis 2030 den Essensmüll um 50 % pro Kopf zu senken.

 


Nachhaltige Produktion

Das ist für uns definitiv der spannendste Teil. Nachhaltigkeit und Bio haben häufig die gleiche Bedeutung. Da wundert es nicht, dass weniger Dünger, weniger Pestizide, und die Förderung der Bio-Landwirtschaft zu den Maßnahmen gehören. Der Anbau soll insgesamt nachhaltig für Umwelt und Erzeuger*innen sein, sowie besser für die Tiere. Sowohl auf dem Land als auch zu Wasser.

Um das zu erreichen, hat die EU eine “Common Agricultural Policy” für ihre Mitgliedsstaaten aufgestellt, die insgesamt neun Hauptziele hat. Damit wir hier nicht nur eine lange Liste von Listen anführen, kürzen wir das mal kurz ab: Es sind in etwa die gleichen Ziele wie die der Kampagne: mehr erneuerbare Energien, besser für die Umwelt, besser für die Erzeuger*innen, besser für die Verbraucher*innen.

Weiterhin gibt es eine Handvoll von Revisionen und Transformationen, die insgesamt darauf abzielen, mehr Transparenz zu schaffen: alte Regeln zu überdenken und neue Auflagen zu erstellen. Diese sollen vor allem der artgerechten Tierhaltung dienen und den Einsatz von Pestiziden betreffen. Weiterhin geht es um Unterstützung der Primärerzeuger*innen (d.h. Bauern, auch Fischer, Algenbauern, Tier- und Insektenzüchter etc.) und um die Förderung von umweltschonenden Maßnahmen, genauer: wieder weniger Pestizide, mehr Biodiversität (auch Saatguterhalt), mehr natürliche Landzüge, und der Ausbau von Carbon Farming*.

* Ein spannendes Konzept, bei dem es darum geht, wieder mehr CO2 aus der Atmosphäre in Boden und Pflanzen zu binden.

 

Den aufmerksamen Leser*innen ist vermutlich an diesem Punkt klargeworden, dass ein paar Punkte immer wieder auftauchen. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Programme und werden von verschiedenen Facetten aus beleuchtet und angegangen. Wer Genaueres dazu lesen will, den verweise ich nochmal auf die unten stehenden Links.

 


Nachhaltige Verarbeitung und Verteilung

Hier geht es in erster Linie darum, Unternehmen und Bewegungen zu fördern, die Wert darauf legen, besonders nachhaltig zu wirtschaften. Sei es klimaneutral, Bio oder besonders erzeuger*innenfreundlich, mit Hauptaugenmerk auf kleine und mittelgroße Unternehmen.

Der zweite Punkt ist, nachhaltigere und gesündere Produkte besser auf dem Markt zu positionieren, in dem man die Auflagen an Produkte und Werbung verschärft und die “bessere” Wahl klarer kennzeichnet.

 

Kleinbauer Augusty Vattothu von den Sahyadri Spice Farmers in Kerala, u.a. für Ingwer

 

Nachhaltiger Verbrauch

Dieser Punkt geht Hand in Hand mit der Verteilung. Die Verbraucher*innen sollen dazu gebracht werden, bessere Entscheidungen für eine nachhaltigere und gesündere Ernährung zu treffen. Es sollen klar die Inhaltsstoffe und Ernährungsempfehlungen, so wie Nachhaltigkeit und Ursprung belabelt werden. Ob das tatsächlich funktioniert, bleibt natürlich abzuwarten. Es ist ja nicht so, dass die Menschen denken, dass McDonalds gesund ist, oder…?

Um unseren Kreis zu schließen, gehört natürlich auch die Reduktion von Abfällen wieder hierzu.

 


So viel zu unserem *relativ* kurzen Umriss. Was die EU und die einzelnen Länder nun tatsächlich damit machen, bleibt abzuwarten. Die Ideen sind auf jeden Fall gut und die Ziele gleichermaßen sinnvoll wie edel.
Wir werden auf jeden Fall weiterhin davon berichten und haben vor, auf ein paar Teilaspekte der Kampagne genauer einzugehen, indem wir mit Euch teilen, was diese für uns bedeuten, und wie wir schon lange, jetzt oder in Zukunft damit umgehen.

Was denkt Ihr? Gut? Utopisch? Lasst es uns wissen.

 


Und hier noch ein paar der versprochenen Links:

Offizielle EU-Seite zum European Green Deal (englisch)

Offizielle EU-Seite zur Farm To Fork Initiative (englisch)

Offizielle Zusammenfassung auf Deutsch

Ein paar Infos zu Carbon Farming

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

Corona und Lockdown-Folgen bei unseren Kleinbauern- und Teepartnern von Trust Organic Small Farmers

Wir haben unsere Partner in Indien, Sri Lanka und Südafrika gefragt, wie es ihnen während der Corona-Krise und des Lockdowns geht, wie ihr Alltag ist, ob sie ernten können (die Ernten laufen alle gerade) und ob die Ernten verarbeitet werden können.

 

Rooibusch Südafrika

Benni Wessels, landwirtschaftlicher Berater für Topqualitea Südfarika (Exporteur für z.B. die Wupperthal Rooibos Cooperative und Skimmelberg)

 

Ja, ich glaube, dieses Virus hat uns alle unvorbereitet erwischt, und ich hoffe, dass es Euch in diesem Stadium gut geht und Ihr frei von Viren seid.
Wir befinden uns in der 5. Woche des Lockdown, und nach dem kommenden Freitag werden wir in Stufe 4 eintreten (zu diesem Zeitpunkt sind wir auf Stufe 5). Alles ist noch etwas vage, was diese Stufenänderung bedeutet, aber soweit ich es beurteilen kann, wird sich nicht viel ändern, und nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wird zu “systemrelevant” hinzugefügt. Aber für den größten Teil/die meisten werden wir im Lockdown bleiben. Sie haben uns nicht mitgeteilt, wie lange die Stufe 4 bleiben wird, aber ich schätze, dass es zwei Wochen dauern wird und danach entweder Stufe 3 oder 5 (falls der Stufenwechsel die Situation verbessert hat).

In Bezug auf die Rooibos-Situation: Durch den Lockdown waren Landwirtschaft/Ernte/Verarbeitung nicht betroffen und konnten wie gewohnt weitergeführt werden. Die Wupperthaler hatten die Hälfte ihrer Ernte hinter sich, als der Lockdown eintrat, aber es scheint, dass sie bei der Ernte nicht betroffen waren. Die Probleme traten weiter unten in der Kette auf. Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Virusvorschriften über die Verarbeitung von Lebensmitteln während dieses Lockdowns aussagen, aber in der Rooibos-Industrie wurde die Belegschaft in Schichten aufgeteilt, was die Verarbeitung verlangsamte. Ein weiteres Problem scheint zu sein, dass die Aufträge im Vergleich zu den normalen Zeiten fast ausgetrocknet sind (was aus der Sicht des Käufers verständlich ist). Die Folge davon ist, dass kein Auftrag auf kein Geld hinausläuft, das an die Bauern ausgezahlt werden kann. Kommerzielle Landwirte mögen zwar einige finanzielle Reserven haben, aber die Kleinbauern haben keine, was sie in eine enorme finanzielle Notlage bringt. Die Regierung hat Vorkehrungen für finanzielle Hilfe für die Ärmsten der Armen getroffen (in diese Kategorie fallen die meisten Kleinbauern), aber wie Ihr wisst, mahlt die Bürokratie nur sehr langsam, und zum jetzigen Zeitpunkt haben sie noch nichts erhalten.

Ich gehöre nicht zum Management von TopQuali, aber soweit ich das beurteilen kann, haben sie so weit wie möglich geholfen, aber auch hier können sie ohne Kundenaufträge nur so viel tun. Eine weitere Herausforderung, die wir haben, besteht darin, dass die Bauern nicht wirklich verstehen, dass diese Virussituation ein weltweites Problem ist und dass die Unsicherheiten, die Unternehmen in Südafrika erleben, im Grunde die gleichen sind, die Kunden weltweit erfahren.

Wir warten also auf eine Lockerung des Lockdown-Levels, damit ich reisen und diese Bauern besuchen und versuchen kann, ihnen die Situation zu erklären.

Ein weiteres Problem, das ich (und ich denke, die meisten Menschen) habe, ist, dass ich tatsächlich verstehe, was die Regierung meint, wenn sie Regeln festlegt. Bei der Anordnung der verschiedenen Stufen ist zum Beispiel zu beachten, dass die älteren Menschen bis zur Stufe 2 unter Verschluss gehalten werden. Aber leider kann nicht jeder erklären, wer das eigentlich ist. Nach einigen staatlichen Regeln sind mit älteren Menschen alle über 60 gemeint. Das definiert mich dann leider als “älter” (auch wenn ich mich mit 30 Jahren Erfahrung nur als 34 Jahre alt fühle). Es scheint, dass man eine Genehmigung (bis Stufe 3) braucht, um zu reisen, so dass wir derzeit, wie ich bereits erwähnt habe, die Kleinbauern nicht besuchen können.
Kurzum, wir halten durch (Denkt daran, dass Afrika nichts für Weicheier ist und dass Weicheier schon vor langer Zeit ausgestorben sind) und werden das durchstehen, auch wenn wir uns wie verrückt langweilen. Mein Bart wird länger, und am Ende des Jahres sollte ich wie der Weihnachtsmann aussehen.

Ich hoffe, Ihr bleibt gesund in Deutschland und passt auf Euch auf.
Mit freundlichen Grüßen
Bennie

 

 

Folgend das Original auf Englisch:

Yes, this virus I think caught all of us unawares and I hope you are well and virus free at this stage.
We are in the 5th week of lock down and after Friday coming we will enter Level 4 (we are at level 5 at this stage). All still a bit vague wat this level change mean but as far as I can gather not much is going to change and only a small portion of the population is added to “essential”. But for most part(s) we will remain in lockdown. They haven’t informed us for how long level 4 will remain but my guess will be 2 weeks and then after that either level 3 or 5 (if the level change did improve the situation).

With regards to the Rooibos situation. With the lockdown farming/harvesting/processing were not affected and could go on as usual. Wupperthal were halfway through their harvesting when the lockdown occurred but it would seem that it did not affect them in the their harvesting. The problems occurred lower down the chain. I’m not exactly sure what the virus regulations say about processing of food stuffs during this lockdown but in the Rooibos industry the work force was split up into shifts which made processing slower. Another problem it would seem is that orders almost dried up (which is understandable from a buyer’s viewpoint) compared to normal times. The knock on effect is that no order boils down to no money that can be paid to farmers. Commercial farmers might have some financial reserves but the small scale farmers have none which puts them in an enormous financial predicament. Government have made provisions for financial assistance for the poorest of the poor (in which category most small scale farmers fall) but as you know bureaucracy grinds very slowly and at this stage they haven’t received anything as yet.

I’m not part of TopQuali’s management but as far I can gather they have helped as far as possible but again they can only do so much without any client orders. Another challenge we have is that the farmers don’t actually understand that this virus situation is a world wide problem and that uncertainties that companies in South Africa experience are basically the same that clients worldwide experience.

So we are awaiting a relaxation in the lockdown level so that I can travel and visit these farmers and try to explain to them what the situation is.
A further problem I (and I think most people) have is to actually understand what government mean when they lay down rules. A layout of the different levels for instance note that the elderly will be under lockdown up to level 2. But unfortunately not everybody can explain who this is actually. According to some governmental rules the elderly is meant everybody above 60. Which unfortunately then defines me as “elderly” (even if I only feel 34 with 30 years’ experience). It would seem that you need a permit (up to level 3) to travel, so at present as I mentioned we cannot visit the small scale farmers.
So in short we are holding out (Remember Africa is not for sissies and sissies died out long ago) and will get through this even if we are bored like crazy. My beard is getting longer and at the end of the year I should look like Father Christmas.

Hope you stay well in Germany  and look after yourself.
Best Regards
Bennie

 

 

Darjeeling, Tea Promoters India

Gautam Mohan, Mitinhaber 3. Generation

 

Vielen Dank für Eure E-Mail. Es geht uns hier gut und wir durchleben die härteste Abriegelung der Welt. Es waren wirklich schwierige Zeiten – unsere First Flush-Ernte war auf ihrem Höhepunkt, als der Lockdown einsetzte, und dies wird große Auswirkungen auf die Ernte der laufenden Saison haben.
Die gesamte Wirtschaft in der Region Darjeeling arbeitet daran, dass die First-Flush-Ernte gut verläuft, und dies werden die schwierigsten Zeiten sein, die wir als Organisation zu bewältigen haben.

Unsere Mitarbeiter kommen gut zurecht. Wir verfügen über ausreichende Vorräte an Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen Gütern in unseren Teegärten. Gegenwärtig bemühen wir uns darum, sicherzustellen, dass das Virus Darjeeling nicht erreicht und alle sicher und geschützt sind.
Seit letzter Woche haben wir mit der Pflückung begonnen, wobei 25 % der Pflücker eingesetzt wurden (da es sich hierbei um soziale Distanzierungsnormen handelt, die von der Regierung festgelegt wurden).

Es ist sehr bedauerlich, da wir den Höhepunkt der First-Flush-Qualitätsperiode verpasst haben.
Unsere Büros sind noch immer nicht wieder geöffnet, und so wie es aussieht, könnte dies erst in der 1. Maiwoche geschehen.
Inmitten all dieser negativen Nachrichten haben wir unseren jährlichen Newsletter herausgegeben, den ich dieser E-Mail beifüge. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Ich hoffe, es geht Euch gut und es gelingt Euch, bei guter Laune zu bleiben. Die Zahlen aus Deutschland scheinen gut unter Kontrolle zu sein.
Bleibt gesund und herzliche Grüße an Dich und Heidi,
mit freundlichen Grüßen,
Gautam Mohan

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thank you for your email. We are fine here and living through the harshest lockdown anywhere in the world. These have been really difficult times – our First Flush harvest was at its peak when the lockdown came in and this is going to have a big impact on the present seasons crop.
The entire economy in the Darjeeling region works on the First Flush harvest doing well and these are going to be the most challenging times we feel we will be facing as an organisation.

Our people are managing well. We have sufficient stocks of food and other essentials in our tea gardens. Presently, our efforts are to ensure that the virus doesn’t reach Darjeeling and everyone is safe and protected.
We have since last week commenced our plucking with 25% deployment of plucking (as these are social distancing norms that have been stipulated by the government).

It’s a shame as we have missed the peak First Flush quality period.

Our offices still haven’t reopened and by the looks of it, this might only happen in the 1st week of May.
In the middle of all this negative news, we have launched our annual newsletter which I’m attaching to this email. I hope you enjoy reading it.
I hope you are well and managing to stay in good spirits. The numbers from Germany seem to be well under control.

Stay well and warm regards to you and Heidi,
Best Regards,
Gautam Mohan

 

 

Kerala, Peermade Development Society / Sahyadri Spice Farmers

Jomon Joseph, Sales Manager Export

Vielen Dank für Eure Mail.
Wir sind sicher und wohlauf. Ich wünsche Euch, Eurer Familie und Eurem Team in dieser Zeit guten Geist und Gesundheit.
Unser Distrikt, d.h. Idukki, ist eine der mittelgroßen betroffenen Regionen. In diesem Distrikt gab es 10 positive Fälle von COVID. 19 Fälle wurden in diesem Distrikt gemeldet, und nun sind alle geheilt und haben die Krankenhäuser verlassen. Gegenwärtig gibt es in unserem Distrikt keine positiven Fälle von COVID 19. Die Menschen in unserem Distrikt und unsere Bauern sind sehr besorgt über COVID 19.

Gemäß den Richtlinien der Regierung arbeiten wir zur Zeit mit einem Minimum an Personal und Arbeitskräften. Wir halten während der Arbeitszeit und auf Reisen soziale Distanzierung aufrecht. Alle Mitarbeiter benutzen ständig Masken. Vor und nach der Arbeit und den Reisen reinigen wir die Hände mit Desinfektionsmittel (IP) und Seife.

Und wir sind mit Transportproblemen konfrontiert, damit die Mitarbeiter den Arbeitsplatz erreichen können, sowie mit Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Rohstoffe, mit der mangelnden Verfügbarkeit von Arbeitskräften für die Kleinbauern, um die landwirtschaftlichen Tätigkeiten und die Verarbeitung auf den Feldern zu erledigen, und mit der Schwierigkeit, die Dienstleistungen der externen Quellen wie Etikettendruck, Schreibwaren usw. pünktlich für den Betrieb zu erhalten.

Als Folge dieser Pandemie befürchten wir, dass die Preise für die Gewürze aufgrund des Rückgangs der weltweiten Nachfrage sinken werden. In diesem Szenario müssen wir einen Mindestpreis für die Landwirte sicherstellen, um der bäuerlichen Bevölkerung eine nachhaltige Existenzgrundlage zu sichern.

Passt auf Euch auf.
Herzliche Grüße
Jomon Joseph

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thanks for your mail.
We are safe and well. Wishing you, your family and team good spirit and health at this time.
Our district, ie, Idukki is one of the medium affected region. There were 10 positive cases of COVID 19 has been reported in this district and now all of them are cured and left hospitals. At present there are no positive COVID 19 cases in our district. The people in our district and our farmers are highly concerned about COVID 19.

As per the governments guidelines, at present we are working with bare minimum staffs and workers. We are keeping social distancing during work time and during travelling. All the employees are using masks all the time. Before and after the work and travel we are cleaning the hands with sanitizer (IP) and soap.

And we are facing Transportation issue for the employees to reach the work place, difficulties in sourcing the raw materials, lack of availability of laborers for the farmers to do the farming activities and on farm processing and difficulty in getting the out sources services like label printing, stationary etc on time for the operations.

As a result of this pandemic, we afraid that the prices of the spices will fall down due to the fall in global demand. In this scenario,we need to ensure a minimum price for the farmers to ensure a sustainable livelihood for the farming community.

Take care.
Warm regards
Jomon Joseph

 

 

Sri Lanka, SOFA Kleinbauern Association

Chathura Abeyratne, Verarbeitungs- und Exportfirma Joint Agri

 

Wir haben derzeit fast 600 Coronapatienten, und es werden täglich mehr, Sri Lanka ist seit dem 19. März bis heute inselweit abgeriegelt. In der vergangenen Woche wurde die Ausgangssperre für einige wenige Distrikte aufgehoben und ab dieser Woche erneut verhängt. Jeder muss eine Maske tragen, und wir müssen einen Abstand von 1 m einhalten. Wir hoffen, dass die Regierung ab dem 4. Mai die Ausgangssperre inselweit aufheben wird.
Joint Agri arbeitet seit den letzten 3 Wochen mit begrenztem Personal unter Sondergenehmigungen. Die meisten exportorientierten Unternehmen führen den Betrieb mit begrenztem Personal. Corona hat einen enormen Einfluss auf die srilankische Wirtschaft.
Herr Ranaweera wird Euch über die Auswirkungen auf die Kleinbauern auf dem Laufenden halten.

Mit freundlichen Grüßen
Chathura Abeyratne

 

Folgend das Original auf Englisch:

 

We have close to 600 Corona patients as at now and it is increasing everyday,  Sri Lanka is on island wide lockdown since 19th March upto date. Last week gorrement removed curfew for few districts and again re-imposed from this week onwards. Everybody has to wear a mask and we need to maintain a 1m distance.  We are hopeful from May 4th the government will  remove the curfew island wide.

Joint agri has been working with limited staff under special approvals since last 3 weeks. Most export related companies run the operations with limited staff. Corona has a huge impact on the Sri Lankan economy.

Mr.Ranaweera will update you regarding the impact on small farmers.

Best Regards
Chathura Abeyratne

 

 


Sri Lanka, SOFA Kleinbauern Association

Bernard Ranaweera, Präsident SOFAi

Vielen Dank für Eure E-Mail vom 25. April 2020 zu obigem Thema. Wir hoffen, dass Ihr in der gegenwärtigen Krise sicher bleibt.
Die Regierung in Sri Lanka hat viele Maßnahmen ergriffen, um die herrschende Covid – 19 zu kontrollieren. Sie hat eine landesweite Ausgangssperre seit dem 20. März 2020 verhängt. Mehrere Distrikte wie Colombo, Puttalam und Gampaha sind als Hochrisikogebiete ausgewiesen und unterliegen einer permanenten Ausgangssperre. In anderen Distrikten wird die Ausgangssperre von Zeit zu Zeit aufgehoben und erneut verhängt, um den Menschen den Kauf von lebensnotwendigen Lebensmitteln, Medikamenten usw. zu erleichtern. Die Regierung hat mehrere Programme zur Verteilung von Grundnahrungsmitteln und Medikamenten an die Menschen in den Gebieten mit permanenter Ausgangssperre durchgeführt. Für Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre täglichen Ausgaben mit Hilfe von Regierungsbeamten auf Dorfebene zu bewältigen, zahlt die Regierung ein Taschengeld. Mehrere private Institutionen beteiligten sich ebenfalls an der kostenlosen Verteilung von Nahrungsmitteln und Medikamenten an die Bevölkerung, da diese sich in den letzten fünf bis sechs Wochen in einer schwierigen Lage befand. Solche Programme werden für die Gemeinschaft in unserem Land immer noch durchgeführt.

Die Gesundheitsbehörden haben viele Anweisungen gegeben, wie z.B. das Tragen von Gesichtsmasken, ständiges Händewaschen, Wahrung des sozialen Abstands usw. für die Sicherheit der Bevölkerung. Inselweite Quarantänestationen wurden eingerichtet, um die Bevölkerung unter Quarantäne zu stellen, und die Gesundheitsbehörden und -kräfte unterstützen diese Programme nach Kräften.

Jedenfalls ist es den Bauern im Land erlaubt, ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten fortzusetzen, indem sie den Anweisungen der Gesundheitsbehörden folgen. Den Menschen wird empfohlen, sich strikt an die Gesundheitsanweisungen und die von der Regierung erlassenen Einschränkungen zu halten. Die meisten staatlichen und privaten Einrichtungen sind seit dem 20. April geöffnet. Dennoch sollten nur 50% der Gesamtzahl der Mitarbeiter in den Einrichtungen arbeiten.

Diesen Anweisungen folgend, kaufen wir kontinuierlich Rohware ein. Außerdem haben wir unsere Verwaltungstätigkeit mit einem begrenzten Personalbestand begonnen. Wir haben einige lebenswichtige Güter unter unseren Mitgliedern in der Landwirtschaft verteilt. Alle Mitarbeiter und Bauernmitglieder erhalten die gedruckten Anweisungen von unserer Organisation. Ferner werden Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel für die Mitarbeiter und Bauernmitglieder zur Verfügung gestellt.

Letztendlich hoffen wir, unsere Verwaltungs- und Einkaufsaktivitäten weiterführen zu können und hoffen, dass sich die Situation bald bessert.
Mit freundlichen Grüßen
Bernard Ranaweera
Präsident/SOFA
Small Organic Farmers’ Association.

 

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thank you very much for your email dated 25th April, 2020 on the above subject. We hope you stay safe during the present crisis.

The government in Sri Lanka has taken many actions to control the prevailing Covid – 19. It has declared country wide curfew since 20th March 2020. Several districts such as Colombo, Puttalam, Gampaha are identified as high – risk areas and they are under permanent curfew. The curfew in other districts are lifted from time to time and re-enforced to facilitate the people to buy essential food items, medicine etc. The government has implemented several programs to distribute essential food items and medicine among people in the permanent curfew areas. An allowance is paid by the government for people who are in a difficulty to manage their daily expenses with the assistance of village level government officers. Several private institutions also involved in distributing food items and medicine among people free of charge as the people were in a difficult situation within last five – six weeks. Such programs are still going on for the community in our country.

The health authorities have given many instructions such as wearing face masks, constantly washing hands, keeping social distance etc for the safety of public general. Island wide quarantine centers have been established to quarantine the people and health authorities and forces are giving their maximum support for those programs.

Anyway, the farmers in the country are allowed to continue their farming activities by following the instructions given by the health authorities. People are advised to strictly adhere the health instructions and the restrictions given by the government. Most of the government and private institutions are open since 20th April. Nevertheless, only 50% of total number of staff members should work in the institutions.

Following these instructions, we are continuously purchasing green leaves. Further, we have started our administration activities with a limited staff. We have distributed some essential goods among our farmer members. All the officers and farmer members are given the printed instructions by our organization. Further, face masks, sanitizing liquid are provided for officers and the farmer members.

Ultimately, we hope to further continue our administration and purchasing activities and hope the situation will get over soon.

Kind Regards

Bernard Ranaweera
President/SOFA
Small Organic Farmers’ Association.

 

 

(Übersetzt mithilfe www.DeepL.com/Translator)

Ciao Elke!

Verbandsgeschichte: Elke Röder verlässt den Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V.

Der BNN war immer eine Konstante in unserer Naturkostbranche, mit einigen Änderungen, in stetiger Weiterentwicklung, und sehr geprägt von Geschäftsführerin Elke Röder, die uns nun leider nach 30 Jahren verlässt. So ganz unkommentiert wollen wir Elke nicht gehen lassen, ein dickes Lob braucht es und unser persönliches und fachliches zugeneigt Sein darf nicht fehlen. Denn mit Elkes Wirken sind einige Meilensteine der Branche geschaffen worden.
Einige Stichwörter aus der Vergangenheit, die vielleicht den jüngeren Mitgliedern nicht so präsent sind:
Auf den Zusammenbruch des ersten Branchenverbandes Naturkost e.V. folgte in einem aufwändigen gemeinsamen Findungsprozess das Konstrukt Dachverband mit den 3 Teilen Großhandel, Einzelhandel und Hersteller. Hier sollten die Mitglieder ihre Interessensvertretung finden, aber gleichzeitig eine gemeinsame Branche nach außen vertreten.

Die Idee war eine Zeit lang tragfähig, aber irgendwann dysfunktional – zu viele Partikularinteressen – harmonisches Miteinander war selten.

Logisch folgte daraus die Zusammenführung, zuerst Hersteller und Großhandel, folgend der Einzelhandel, in einen einzigen Verband. Elke als Geschäftsführerin der GH stand für diese Entwicklung mit Unterstützung vieler Vorstände und Mitgliederversammlungen.

Lobby Arbeit und gute persönliche Vernetzung führten dazu, dass eine Reihe von BNN-Qualitätsvorstellungen sich in der ersten EG-Bioverordnung wieder fanden. Dennoch wurde im Verband meist federführend durch den GH, also Elke, und ihrer Vorstände nach Konzepten gesucht, das Originäre der Szene-Bio-Qualität besonders herauszustellen – Richtungsweise gab es die IK Liste als Anhaltspunkt für zertifizierte Bioprodukte.

Wohl der wichtigste Meilenstein, heute international bekannt und genutzt: die BNN-Orientierungswerte.
Der Aufbau der superben QS-Abteilung, wir möchten stellvertretend nur diese Namen mal nennen: Nina Schinkowski, Kirsten Arp, Karin Wegner und Cornelia Dressler. Begleitet durch den hochgeschätzten wissenschaftlichen Beirat.
Die BNN-Aromaverordnung sollte den Naturkostcharakter des Sortiments im Bioladen stützen – jetzt in leicht veränderte Form in der neuen EG-Bioverordnung generalisiert. Um Pestizid-Doping betrügerischer Biobetriebe zu entlarven wurde ein Obst & Gemüse-Monitoring installiert, später kam das Trocken-Monitoring hinzu. Für diverse Verbands-Kampagnen – konnte Brüsseler Landwirtschafts-Geld akquiriert und sinnvoller verwendet werden.

Immer dabei Elke mit Fachverstand die Bedürfnisse der Mitglieder aufgreifend und strukturiert durchführend. Bio Politik in Berlin, Brüssel und auf Länderebene, wachsame Begleitung der neuen EU-Öko-Verordnung Kontakte mit der Ministerialbürokratie; Initiativen im Dachverband BÖLW ergreifen.
Nicht alle wohlgemeinten Initiativen aus der Mitgliedschaft ließen sich erfolgreich abschließen: das „N“ (ähnlich wieder aufgegriffen mit „Öko statt Ego“), „Acht für Alle“ Pfandsystem statt Grüner Punkt (kommt vom Unverpackt-Verband vielleicht in anderer Form wieder).

Diese Aufzählung ist subjektiv und spontan – soweit es die Zeit und Seitenlänge erlaubt – bitte nutzt die Kommentarfunktion – stellt richtig und erweitert spontan.

 

Liebe Elke, wir können uns die Branche nicht wirklich ohne Dich vorstellen, und sind dankbar, dass Du uns im Verband so eine lange Zeit begleitet hast.  Alles Gute und Liebe für die Zukunft und auf ein Wiedersehen,

 

Heinz Gasper und Ursula Stübner

Zu Pyrrolizidinalkaloiden im Oregano und im Allgemeinen

 

Liebe KundInnen,

Während der BioFach Messe erreichte uns die Nachricht über die geplante „Markt“–Sendung (19.2.2020)  u.a. zum Thema Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Oregano. Eine Charge aus 10/2019 unseres Oreganos war ebenfalls für die Sendung untersucht worden, und es wurden vom Labor des WDR fast 13.000 μg/kg gemessen – ein Wert, der uns sehr erschreckt hat, mit dem wir nie gerechnet hätten, da wir sicherheitshalber schon immer eine Mischung aus 3 – 4 Herkunftsländern machen, und aus dem gefährdetsten Land, der Türkei, nur auf PA analysierte Ware bis ca. 400 μg/kg akzeptieren.

 

Kurze Übersicht, bzw. Rückblick über PA

Seit 2013 ist das Thema PA in der Öffentlichkeit. Damals gab es zum ersten Mal ein standardisiertes Verfahren, um PAs messen zu können. Das BfR ging mit einer ersten Analysereihe über Kräutertees an die Medien, es folgte Honig, 2016 fiel Rooibusch Tee auf. Die höchsten gemessenen Werte waren im unteren 4-stelligen Bereich (ca. 3400 Kamille). Das BfR warb für die Reduktion der PA-Werte in Lebensmitteln, die, wie bekannt, durch die Kontamination mit Beikräutern geschah. Damals konnten 17 Pas von ca. 320 bekannten Verbindungen analytisch bestimmt werden.

 

Hier nochmal aus unserer Erklärung von 2013: Was sind Pyrrolizidin-Alkaloide (PA)? Es sind sekundäre Pflanzenstoffe, platt gesagt Ester-Säure-Verbindungen, eine recht große Gruppe in der weitläufigen Gruppe der Alkaloide (Alkaloide sind z.B. auch die weit weniger giftigen Koffein/Kaffee/Tee, Theobromin/Kakao und Capsaicin/Chili – aber auch Strychnin und Solanin). Pyrrolizidine können bei höherer Dosis und längerer Anwendung allerdings durch ihre bioaktiven, toxisch wirkenden Abbauprodukte in hohem Maße v.a. die Leber schädigen und u.U. zerstören. Mit PA schützen sich Pflanzen strategisch vor Fraßfeinden. Insekten haben diese erfolgreiche Strategie sogar schon von Pflanzen adaptiert und können das Gift sicher speichern.

Wir und unsere Kollegen wandten uns daraufhin an unsere Bauern, denn die beste Strategie ist ein gutes Unkrautmanagement – bei Bio-Bauern sowieso Usus. Bei konventionellen Bauern könnte man meinen, sie spritzten alle PA-haltigen Unkräuter weg, aber das scheint so nicht zu stimmen: laut Aussage 2019 eines renommierten Labor-Chefs seien konventionelle Kräuter sogar stärker von PA-Kontaminationen betroffen als Bio-Pflanzen.

2016 kam die nächste Medien-Welle wegen Rooibusch Tee. Das BfR machte weitere Untersuchungsreihen.

Inzwischen werden 28 Pas von jetzt 660 bekannten im Standard bestimmt. In den Reihen von 2015 – 2018 des BfR war der höchste gemessene Wert bei Borretsch mit 248.061 μg/kg. Der höchste gemessene Wert bei Oregano und Majoran war 95.234 μg/kg.

 

Entwicklung 2019/ 2020

Kreuzkümmel war bis 2018 in den BfR-Reihen noch nicht auf dem Schirm, doch Ende 2019 ist es das erste Gewürz, was wir, und soweit uns bekannt ist, alle unsere Bio-Kollegen als Monoprodukt aufgegeben haben. Wir hatten die Partien ein Jahr beobachtet, und es schien nichts mehr unter 10.000 zu geben, egal ob Türkei oder Ägypten.

Jetzt auf der BioFach haben wir natürlich die Kollegen, die Labore, Kontrollstellen und Verbände gut interviewen können. Wir haben mehrfach bestätigt bekommen, dass es bei Oregano und bei Kreuzkümmel PA-Belastungen bis sogar 250.000 μg/kg gibt. Wir haben die Vermutung/ Beobachtung mitgeteilt bekommen, dass PA-Werte seit 1 Jahr stark ansteigen würden.

Eine Vermutung war, dass es sich um eine Stressreaktion auf veränderte Umweltbedingungen (Klimawandel etc.) handelt, analog zur plötzlichen Zunahme von Allergien bei Menschen durch die geänderte Lebensweise.

 

Stellungnahme

Wir möchten Euch/Ihnen bereits vor der Sendung schon unsere Überlegungen und Fakten an die Hand geben, ohne Kenntnis, was dort genau Tenor sein wird.
Laut WDR-Journalistin geht es dort nicht darum, einzelne Firmen an den Pranger zu stellen, sondern die Behörden aus Verbraucherschutz-Sicht dazu zu zwingen, den für nächstes Jahr geplanten Grenzwert für PA jetzt sofort zu verordnen.

 

Zu den geplanten Grenzwerten

Es kann sein, dass das BfR nach abgeschlossener Prüfung sich für Höchstmengen zwischen 400 und 1000 μg/ für Gewürze und Kräuter entscheidet – so ist es zurzeit in der Diskussion, wie wir hören. Es kann sein, dass damit Oregano neben anderen Gewürzen wie Kreuzkümmel als Monogewürz vom Markt verschwinden muss, weil kein Importeur entsprechend saubere Ware mehr in der nötigen Menge zur Verfügung stellen kann. Wir vermuten, dass eine realistische Machbarkeits-Grenze eher bei 1500 liegen wird. Ziel ist selbstverständlich, sich jetzt schon im Rahmen der angenommenen zukünftigen Grenzwerte zu orientieren.

Die WDR-Redakteurin fragte uns vorab, wie alle anderen betroffenen Inverkehrbringer, ob wir einen Rückruf in Erwägung ziehen.

Bevor wir entscheiden, ob ein Rückruf die angemessene Reaktion auf eine durch uns möglicherweise verursachte unmittelbare gesundheitliche Gefährdung des Konsumenten sein könnte, versuchen wir, objektive Kriterien für eine Gefährdung zu eruieren. Im Falle eines einzelnen Gewürz wie Oregano, was typischerweise im Mengenbereichen von weniger als 1g pro Tag und nicht jeden Tag benutzt wird, stellt sich das gesundheitliche Risiko anders dar, als bei einem Lebensmittel was täglich in deutlich größerer Menge zu sich genommen wird. (Auf der Website des BfR gibt es verschiedene ausführliche Informationen zu Mengen).

Am Beispiel er Nährwertverordnung sehen wir, dass u.a. für Kräuter, Gewürze und Tee der Gesetzgeber eine Ausnahme Regelung vorgesehen hat. Der Inverkehrbringer ist nicht zur Deklaration verpflichtet, weil der tägliche Verbrauch dieser Produkte zu gering ist, als dass der Verbraucher das überhaupt beim Konsum als relevant einschätzt. Er setzt solche Lebensmittel rein unter Genussaspekten ein.

Anders sieht es der Gesetzgeber beispielsweise für tierische Produkte oder für genau definierte und erforschte Krankheiten verursachenden Stoffe wie Salmonellen, Mykotoxine, Pestizide usw. vor. Im Umkehrschluss: Kräuter, Gewürze und Tee werden bei Nährwert, Allergenen, Rückständen und Schadstoffen logischerweise als geringeres Risiko einstuft als andere Lebensmittel.

Unser Vorgehen als Inverkehrbringer von biologischen Produkten ist generell dadurch bestimmt, dem Verbraucher Alternativen anzubieten, die insgesamt weniger belastet sind als Produkte, die unter dem extremen Kostendruck des konventionellen Marktes hergestellt werden.

Das gelingt nicht immer zu 100%. Wenn mehr als 90 % aller industriell erzeugten Produkte (nicht nur Lebensmittel) und ihre Herstellung sich recht wenig sich um die Folgen der Produktionsweise kümmert, kommt man als Öko schon mal an Machbarkeitsgrenzen.

Wir retten nicht unmittelbar die Welt, verfügen auch nicht über komplette Szenarien, die die
Volksgesundheit nennenswert verbessern. Es hat sich aber gezeigt, dass die zum Teil fast 100-jährige Beschäftigung mit biologischen Anbaumethoden zu einer Bewusstseins-Veränderung geführt hat – sonst wäre der besagte Discounter nicht unwidersprochen der größte Biohändler geworden.

Unter all diesen Aspekten rufen wir die belastetet Ware ohne gesetzliche Grundlage nicht zurück. Wir verstärken aber unsere eigene Forschung und Vernetzung mit Anbauern, Laboren und Kollegen, um die wie gesagt unerklärlich hohen PA Werte in Zukunft zu vermindern.

Die betroffene, im Okt. 2019 produzierte Mischung aus türkischem, deutschem und peruanischem Oregano ist von uns bereits im Oktober 2019 komplett ausverkauft gewesen.

Da wir schon viele Jahre bei Bio-Oregano eine Mangelwirtschaft verwalten, ist unsere Lösung, aus den obengenannten verschiedenen Quellen, neu dabei jetzt auch Griechenland, jeweils aus den gerade verfügbaren Partien eine harmonische Mischung herstellen. Diese Mischung macht uns auch unabhängiger von den riskanteren Herkünften wie Türkei und Peru, wo kurzfristig Partien wegen typischer Pestizidbelastung ausfallen können. Diese werden lückenlos untersucht, seit Bekanntwerden der typischen Anfälligkeit auch auf PA.

Bei PAs ist erst seit einigen Jahren bekannt, dass türkischer Kreuzkümmel sehr hoch belastet sein kann. Seit etwa einem Jahr wissen wir, dass auch Oregano betroffen sein kann, allerdings begegnete uns dies eher im niedrigen 4-stelligen Bereich (für Pestizide gilt die Türkei schon lange als Risiko-Herkunft betreffend Bio-Ware). Haupt-Augenmerk haben wir also auf die Untersuchungsergebnisse der türkischen Ware gelegt.

Wir können aus geschmacklichen Gründen nicht auf türkischen Oregano verzichten; auch mengenmäßig fehlen alternative Herkünfte – also lassen wir die Partien sehr gründlich analysieren, sowohl auf ein paar hundert Pestizide, auf Glyphosat und PAs – und setzten nur Ware mit niedrigen Belastungswerten ein. Die peruanische Ware war im Screening fast unbelastet. Die unangenehme Überraschung jetzt: nicht die unter Generalverdacht stehende türkische Ware ist das Problem, sondern auch anderen Herkünfte. Hier analysieren wir jetzt weiter.

Wir und alle Kollegen werden bei dem Produkt Oregano weiterhin mit Lieferlücken zu kämpfen haben, die Analytikkosten werden sich erhöhen, die Abgabe-Preise entsprechend.

 

Politisch gedacht

Es gibt für verschiedene Produkte und Herkunftsregionen EU – Importrestriktionen. Solche können Signale in den betroffenen Ländern in Gang setzen – und taugliche Veränderungen in der Landwirtschaft initiieren – warum nicht für türkische Ware. (der typische Modus ist z.B. jede 10 Lieferung nur nach Analysen durch den Zoll freizugeben).

 

Gefahreinschätzung

Gewürze sind kein Hauptbestandteil unserer Nahrung. Im Vergleich zu Gemüse, Obst, Getreide schätzen wir die Gesundheitsgefahren geringer ein, selbst wenn vereinzelt ein Wert wie hier bei uns gemessen so hoch sind. Die jetzt noch fehlenden Grenzwerte haben für so geringdosierte Zutaten wie Gewürze & Kräuter weniger Relevanz als für Hauptbestandteils-Lebensmittel, zumal die diskutierten Grenzwerte schon als Leitlinie genommen werden.

 

To Do-Liste für Behörden / Vernetzung mit Laboren, Unis …

 

Im Moment (seit letztem Jahr?) scheinen die PA Werte zu steigen (Eindruck eines von uns befragten Labors). Es werden sicher noch weitere Pflanzen folgen , die in den gleichen Klimazonen wachsen. Wir finden aber, dass auf Plastikfolie oder unter Vlies anzubauen keine nachhaltige Lösung darstellt.

Aus unserer Sicht stellen sich folgende Forschungsaufgaben:

 

  • Liegt der Eindruck steigender Werte daran, dass mehr gemessen wird?
  • Liegt es an den veränderten Rahmenbedingungen im Anbau – Klima, fehlende Arbeitskräfte, die auch beim
    Unkrautmanagement fehlen?
  • Werden die PA Pflanzen unsach- und unzeitgemäß entfernt?
  • Haben PA – Pflanzen eine Sonderstellung eingenommen, weil sie kein Fraßfeinde (Insektensterben) mehr haben und
    sich überproportional vermehren können?
  • Ist die Bildung der PAs in den Pflanzen von Stresssitutionen (Erderwärmung, Klimaphänomene) abhängig?
  • Ist es richtig, wie ein Labor vermutet, dass konventionelle Ernten sogar stärker betroffen sein können, da die PA-
    Pflanzen nicht auf den massiven Pestizideinsatz der konventionellen Landwirtschaft reagieren?
  • Weiterhin fehlt die Bewertung der einzelnen PAs aus der Stoffgruppe. Es gibt über 600 PAs, nur 28 können gemessen
    werden – was bedeutet das für unsere Lebensmittel?

 

 

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

TOSF Konferenz 2020

 
 
Am Vorabend der Biofach-Messe findet traditionell unsere Trust Organic Small Farmers Konferenz statt, dieses Jahr zum 14. Mal. Wir, das sind Kleinbauernprojekte aus Indien, Sri Lanka und Afrika sowie Bio-Importeure aus Europa und ab und zu Gäste aus Verbänden.
 
Das Besondere an unserer langjährigen Verbindung ist der offene Austausch über Kontinente hinweg über Probleme, Lösungen und Zukunftsaussichten.
 
 

Dieses Jahr im Fokus: Bio-Saatgut und Bio-Setzlinge.

 
Bennie als Berater von Rooibuschprojekten in Südafrika berichtet über eine neue Initiative, die erstmals in größerem Umfang Bio-Setzlinge für Rooibusch züchten will, sodass sie auch von anderen Bauern erworben werden können. Rooibusch-Setzlinge sind sehr empfindlich und schwer durchzubekommen, und die Klimawandel-bedingten Dürren machen es nicht leichter.
 
Bennie aus Südafrika, Berater der Rooibusch Kleinbauern Cooperativen in Wupperthal
 
Normalerweise werden die Setzlinge in einem Feld gezogen. Sie überleben aber den Umzug in der wüstenartigen Gegend nicht, da beim Herausholen ein Drittel der feinen Wurzeln verloren gehen. Jetzt wird ein Versuch folgen, die Setzlinge in Polysäcken zu ziehen.
 
Für konventionelle Setzlinge werden tatsächlich Neonicotinoide benutzt um die angeschnittenen Wurzeln – etwas komatös – überleben zu lassen. Leider erteilen bisher einige Ökokontrollstellen auch Ausnahmen für Bio-Setzlinge. Es ist natürlich ein Unding, diese Gifte im weltweit bedeutendsten Biodiversitätshotspot freizusetzen.
 
Das Besondere an dem neuen Biosetzlings-Projekt ist nun, dass sie alle feinen Wurzelausläufer mitnehmen und die Pflanze aus sich stärker wird. Saatgut und Setzlinge, die Bio und auch Klima- resilient sind, sind ein essenzielles Thema für alle Projekte. Es erfordert viel Wissen und Erfahrung.
 
 
Die Inder von PDS kommen an, Jacob zuständig für international Sales, Father Jilson und der Wissenschaftler Dr. Thomas
 
Dr. Thomas vom Kleinbauernprojekt Peermade Development Society beschreibt, wie dort vom eigenen Forschungsinstitut bzw. von den Kleinbauern selbst die Gewürzpflanzen vermehrt werden, und zwar durch Stecklinge (Pfeffer), über Rhizome (Ingwer, Curcuma), Samen oder Setzlinge. Setzlinge werden mit Erfolg bereits in Polybags gezogen.
 
Das Vermehrungsprogramm bezieht sich auf lokale Sorten, die häufig besser mit den Klimaveränderungen klarkommen. Die Bauern durchkämmen ihre Gebiete zudem auf noch nicht registrierte Varietäten. Die PDS kümmert sich darum, dass eine solche Sorte auf den Namen des Farmers eingetragen wird. Zusätzlich werden die Bauern geschult und können sich mit den Setzlingen noch etwas Geld verdienen. Die Regierung unterstützt sogar die Kulturpflege der lokalen Sorten mit einem Zuschuss.
 
 
 
Dr. Thomas betont, wie wichtig der Erhalt alten Bauernwissens gerade in Zeiten des Klimawandels ist. Dafür reist er viel übers Land, beobachtet und interviewt die Bauern und Bäuerinnen. Bei der Pflanzenvermehrung werden in der Regel Wurzelhormone angewandt. Auf seiner Reise traf er eine alte Bäuerin, die wusste, dass Pfefferstecklinge besonders gut unter Moringa-Bäumen gedeihen. Sie experimentierte mit einer selbstgemachten Moringablatt-Paste; und das mit großem Erfolg. Das PDS Research Institut prüfte das mit denselben guten Resultaten, und verbreitet die Methode unter den Kleinbauern.
 
 
Praveen von TPI aus Kalkutta, Father Jilson aus Kerala und Frederika aus Südafrika

 

Auch die bürokratischen Auflagen wachsen

Weitere Themen: die neue EU-Bio-Verordnung weckt Befürchtungen bei unseren Drittland Partnern. Bernard, Präsident des SOFA Kleinbauernprojekts in Sri Lanka, berichtet, dass die neue Richtlinie, pro 500 Kleinbauernfamilien eine eigene Biozertifizierung vorschreibt.
 
Ein Projekt wie SOFA hat 3500 Mitglieder, bedeutet 7-fache Zertifizierungskosten – eine ungeheure Belastung. Eine Plantage mit 3500 Mitarbeitern hingegen würde nur eine Zertifizierung benötigen, was die Kleinbauern als ungerecht empfinden.
 
 
Chathura und sein Vater aus Sri Lanka. Sie bereiten die Gewürze der SOFA Kleinbauern auf und managen den Export
 
 
Eine andere Änderung betrifft das COI, das Biodokument für den Import von Bio-Lebensmitteln in die EU. Es muss nun von den Kontrollstellen ausgestellt und in die Datenbank Traces eingestellt sein, bevor das Schiff losfährt. Technisch nicht möglich, da die obligatorischen Daten, die das Schiff und den Container betreffen, erst kurz vor der Abfahrt bereitstehen. Leider sind die Verantwortlichen in der EU-Kommission keine Praktiker, haben aber in letzter Minute ein Schlupfloch zugelassen, denn ist das Schiff erstmal 10 Tage auf See ohne COI-Dokument, gilt die Ware bei der Ankunft nicht mehr als Bio. Kommentar: „Paper is dominating Reality.
 
An dieser Stelle müssen wir auch nochmal auf den Ausspruch zurückkommen: „Bio-Lebensmittel können nicht sauberer sein als die Umwelt, in der sie wachsen“. Die neue EU-Bio-Verordnung schreibt zwar Prozessorientierung vor, aber es ist noch vollkommen unklar, wie die Behörden im EU-Flickenteppich mit Rückständen aus Abdriften der konventionellen Landwirtschaft in Bioware umgehen werden – ob es nicht doch zu einer Nulltoleranz kommt. Damit würde Bio-Landwirtschaft nicht nur in Drittländern zu riskant. Dieses Problem besorgte die Kleinbauernprojekte auf unserer Konferenz sehr stark, da durch unklare Regulierungen eine völlige Unsicherheit für sie entsteht.
 
 

Shrinath von der Firma Ethical Tea, Tee von Kleinbauern in Sri Lanka
 
 
Neu in unserer Initiative Trust Organic Small Farmers ist die Firma Ethical Tea, die den Tee der SOFA Kleinbauern verarbeitet. Die Ceylon Tees in unserem Programm stammen von dort.
TPI, unsere Teepartner in Indien, berichten, dass sie möglichst jede ihrer Teefarmen mit einem Kleinbauern-Teeprojekt verbinden wollen. Mittlerweile sind es 5 Kleinbauernzusammenschlüsse. Es entstehen schöne Tees in einer Win-win-Situation.
 
 

Neujahrsgeschichte 2020: End of Service

 

Wir wollen die Tradition der Heuschrecke-Weihnachtsgeschichte, die wir vorletztes Jahr begründet haben, fortsetzen. Diesmal ist es eine Neujahrsgeschichte geworden und natürlich wieder reine Science Fiction … vermutlich.

 

End Of Service

 

Erinnert Ihr Euch, als in Eurem Jahr 2012 die Welt untergehen sollte?

Das war eigentlich der geplante Prozess. Doch es war einfach zu spannend. Wir haben mittlerweile ziemlich viele solcher Welten gebaut und ausprobiert. Einige haben deutlich kürzer gehalten, manche sind uns aus Versehen kaputtgegangen (… beim Umzug verloren und so …), manche sind wirklich schön geworden, haben sich prächtig entwickelt und höchst interessante Lebensformen hervorgebracht. So haben wir viel gelernt.

Doch Ihr, Ihr seid anders. Wir haben bisher noch keine Spezies beobachten können, die sowohl so neugierig, noch so selbstzerstörerisch ist.

Die häufigste Entwicklung endet in einem Gleichgewicht. Wir ändern oft ein paar Variablen, um zu gucken, wie sie sich auswirken. Manchmal patchen wir die Welt noch, um Veränderung zu forcieren und vielleicht noch neue Facetten ans Licht zu bringen, doch nach einer gewissen Zeit stellt sich normalerweise wieder ein Gleichgewicht ein, das wir zwar noch ein bisschen beobachten, aber dann doch die Simulation ziemlich bald beenden.

 

Kleinbauernprojekt SOFA in Sri Lanka, biologischer Anbau, Natur und Mensch im Gleichgewicht

 

Das sollte eben auch mit Euch passieren. 2012 war der geplante Abschaltzeitpunkt. End-of-Service. Keine Ahnung, wie die Maya das rausgefunden haben. Da hat wohl jemand nicht aufgepasst. Wir haben unser Wissen schon in viele neue und aktuellere Projekte gesteckt, um die wir uns kümmern wollen. Es ist anstrengend, sich um so alte Experimente zu kümmern und sie zu pflegen. Das kennt Ihr ja auch. Alter Code, alte Hardware.

Durch Eure Neugier habt Ihr ja sogar angefangen, ähnliche Simulationen und Spiele wie wir zu basteln, die dabei helfen sollten, Zusammenhänge zu verstehen oder abzubilden. OK, etwas rudimentär, aber trotzdem spannend. Der unendliche Durst zu verstehen, zu verändern und sich der Erde zu bemächtigen – faszinierend. Ihr seht Euch echt als das Hochgut der Entwicklung. Zugegebenermaßen kann ich das nachvollziehen. Ihr habt in der Hinsicht wirklich was von uns abbekommen.

Dazu dieser unbedingte Drang, Euch selbst zu zerstören. Wirklich hoch spannend. Wir haben schon bei anderen Spezies beobachtet, wie sie zu Ihrer eigenen Auslöschung beitragen. Durch Gier und Neid, manchmal einfach aus Boykott oder weil sie meinen, nicht mehr existieren zu wollen. Doch bei Euch hat sich das auch entwickelt – trotz des großen Überlebenswunsches, den wir Euch gegeben haben. Oder gerade deswegen? Das müssen wir nochmal genauer überdenken. Trotz des relativ hohen Alters Eurer Simulation, haben wir das in dem Maße und in der Kombination jedenfalls nicht mehr beobachten können. Ich muss das ja gar nicht besonders tief greifend erklären, Ihr seht es ja sogar selber. Kriege, Hunger, Unwille zur Kooperation, teilweise natürlich auch hier durch Gier und Machtgelüste – na Ihr wisst schon. Auf jeden Fall höchst interessant, wie sich das so entwickelt hat. Ihr habt ja auch mal klein angefangen.

Naja. Worauf ich eigentlich hinaus wollte. Seit 2012 ist Euer Support abgelaufen. Wir haben seit dem nicht mehr eingegriffen und werden auch nichts mehr tun. Aber weil Ihr eine wirklich unvorhersehbare und lehrreiche Simulation abbildet, werden wir sie einfach noch ein bisschen laufen lassen. Mal schauen, was passiert. Ein paar haben auf jeden Fall schon Wetten abgeschlossen. Ich selber bin nicht so der Typ dafür.

Also herzlichen Glückwunsch oder so, dass Ihr es so weit geschafft habt. Viel Spaß noch und natürlich viel Glück. Wir werden ab und zu nochmal rein gucken, aber wir haben wie gesagt auch anderes zu tun.

 

 

 

 

Es geht natürlich auch anders.

Ganz oben: Urwaldgebiet Kannampady – PDS Kleinbauernprojekt. Die BäuerInnen leben gerne so viel wie möglich draußen. Der Wald ist ihr Zuhause, sie kennen jede Pflanze und pflegen sie.

 

Krebsbachhof, Europa, Demeter-Anbau von Ringelblumen, das ganzheitliche Anbauverfahren im Einklang mit den Planeten

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Manchmal aber auch so was. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

Loser Tee ist guter Tee

 

 

Berührung

 

Am Anfang steht die Naturkost – Bewegung. Ihre Pioniere versuchten in einer Welt, die schneller, industrieller und abstrakter wurde, der Natur wieder näherzukommen und sich wieder mehr selber zu spüren – auch, einen faireren Umgang (in der ganzen Prozesskette) untereinander zu finden. Dazu versuchten sie, ihre Nahrung möglichst natur-echt zu belassen. Es war eine sehr idealistische Bewegung, mit klaren Ideen und Zielen. Man schätzte Natur und Lebensmittel und versuchte, mit ihnen im Einklang zu leben.
Mittlerweile hat sich einiges verändert: Die Branche ist gewachsen und so überhaupt erst zu einer Branche geworden. Zwar steht Nachhaltigkeit natürlich immer noch auf der Ordnung, aber der Konsum und Alltag hat auch hier Einzug gefunden.
Die Einfachheit der Nahrung ist zu einer Einfachheit in der Nahrungszubereitung geworden: Convenience-Produkte sind auch im Bioladen überall vertreten, Verpackungen sind mannigfaltig und viele Trendprodukte im Bioladen haben nicht mehr viel mit ihrer ursprünglichen Form zu tun.
Wozu die Geschichte? Wir wollen uns gar nicht so vor dem Wandel verschließen. Teebeutel und andere Verpackungen können praktisch sein, genau wie Fertig- und Ersatzprodukte. Leider geht damit auch die Berührung mit den alten Werten verloren, allen voran die Berührung mit der Natur und die Berührung (durchaus auch haptisch gemeint) zu den “echten” Lebensmitteln. Nun haben viele Lebensmittel einen standardisierten, “bekannten” Geschmack und lange Zutatenlisten, wo der ursprüngliche Geschmacksgeber spät oder gar nicht mehr zu finden ist. Einher geht ein schleichender Qualitätsverlust, der begrüßt wird, weil die Produkte somit “simpler” schmecken.
 
  • Es gibt einen Grüntee, der wie ein Grüntee zu schmecken hat.
  • Man versucht Sojabohnen nach Käse schmecken zu lassen
  • Es gibt Kartoffelbrei aus der Tüte.
 
Öfter haben wir schon Nachricht bekommen, dass ein naturbelassenes Produkt “merkwürdig” schmecke, und sich am Ende herausstellt, dass das einfach der natürliche Geschmack des hochwertigen Produkts ist.
Dieser Fortschritt ist faszinierend, teilweise ganz wunderbar. Wir freuen uns über neue Geschmäcker, es ist manchmal sogar gut, (natürliche) Aromen zu entwickeln, um den Geschmack zu erhalten (s. Vanille bei der derzeitigen Preisentwicklung), aber wir freuen uns noch mehr über die “alten”, ursprünglichen Produkte, die oft unvergleichlich komplexer sind. Bei Kaffee und auch bei Bier ist es mittlerweile angekommen, dass es wundervolle Nuancen gibt, wenn man gute Produkte nimmt und diese vorsichtig verarbeitet.
Aber genug von den alten Erzählungen und abstrakten Vergleichen. Hier geht es ja um Tee.
 
Wir haben zum konkreten Vergleich mal Beuteltee aus der Naturkost – Branche eingekauft und uns näher angeschaut. Zum Vergleich unserer loser Tee. Schaut doch erstmal:
 

 

Keltische Blüten, lose
Unsere “Keltischen Blüten”
 
Unser “Darjeeling Supreme Phoobsering 2. Flush”

Hibiscus-Blüten
 
 
Was uns auffällt und was wir anprangern (auch nicht zum ersten Mal, oder?): Beuteltee ist fein gehäckselt, manchmal fast zu Staub. So verliert er schneller an Geschmack (Oxidation an den Schnittkanten) und häufig wird niedrigere Qualität verarbeitet. Halt, das greift schon auf ein anderes Thema vor.
 
Wir fassen gerne an, was wir essen. Das gilt für Gewürze, Tees und frische Lebensmittel. Man kann sehen, was drin ist, man kann sogar sehen, wie die Zutaten aussehen, sie riechen und ertasten. Die Hände lernen, wie man davon dosiert.
Es ist schön zu wissen, was wir zu uns nehmen und es ist noch schöner, es nicht nur auf der Rückseite zu lesen, sondern es mit den eigenen Sinnen wahrzunehmen. So lernt man eine Menge, kann die Produkte einschätzen und verstehen. Dann macht Kochen und Essen gleich viel mehr Spaß.
 
Also: Schaut Euch mal genauer an, was Ihr zu Euch nehmt. Versucht mal, Euer Lieblings-Fertigprodukt selber zu machen, gönnt Euch guten, losen Tee oder ungemahlenen Kaffee. Probiert mal Gemüse ohne maskierende Würzung, um herauszufinden, wie es schmeckt und um beurteilen zu können, was gut ist. Es ist immer Zeit für Einfachheit, aber manchmal braucht es mehr Berührung.
 
 

 

 

Qualität und – ja, Schönheit.

 
Kamillenblüte aus Teebeutel; Rechts – Kamillen-Röhrenblüte aus unserem losen Kamillentee aus ganzen Blüten
 
Der Grund, weshalb wir nur losen Tee handeln – und dies gerne so grobblättrig oder ganzblütig wie möglich – ist der bessere Schutz der Inhaltsstoffe. Größere Flächen bedeuten weniger Bruch- und Schnittkanten, wo immer Oxidation stattfindet und Inhaltsstoffe, z.B. ätherische Öle wie auch Farben, verloren gehen.
Die Biologin und Pilzsachverständige Eva Wandelt hat für uns eine mikroskopische Untersuchung gemacht. Objekte: Gute Nacht Tee, China Gyokuru Grüntee und Rose Galgant Basentee in loser Form von HEUSCHRECKE (extra knapp am MHD ausgewählt), sowie Nacht Tee-Beutel konv., Nacht Tee-Beutel bio, Fastentee-Beutel bio und Sencha Grüntee-Beutel bio aus dem Handel.
Hier nun Evas Bericht:
 
 

Die Fragestellung:

Kann man über mikroskopische Untersuchungen an Pflanzenteilen von HEUSCHRECKE lose verpackten, grobblättrigen Tees und fein zerkleinerten Teebeutel-Inhalten Aussagen über die Qualität oder Konzentration von pflanzlichen Inhaltsstoffen in den verwendeten, getrockneten Pflanzen machen?

Wenn man nicht direkt die Konzentrationen an ätherischen Ölen in den Pflanzen misst, sind nur einige indirekte Aussagen möglich.

Alle Tees (die Teebeutel wurden geöffnet) wurden ca. 5 Stunden in Brunnenwasser zum Quellen eingeweicht und dann mikroskopiert. (Fotos : t01, t02 )

 
 
t01: Nachttee lose und Teebeutel in Brunnenwasser ca. 1 Stunde eingeweicht.
t02: Loser Tee Gute Nacht ca. 1 Std. in kaltem Brunnenwasser eingeweicht.
t02b: Gute Nacht Tee lose: Kornblumen-Blütenblatt 400x vergrößert.
t02b2: Lose Tees und Teebeutel ca. 12 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
t02b3: Lose Tees und Teebeutel ca. 24 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
 
Bereits bei Inaugenscheinnahme der Einweichschälchen konnte festgestellt werden, dass die losen Tees bunt gefärbt waren, die einzelnen Bestandteile waren gut mit bloßem Auge zu erkennen, z.B. ganze Rosenblüten, ganze Kornblumen. Der lose fermentierte Grüntee ist auch eingeweicht wesentlicher heller grün als der Teebeutel-Grüntee, dessen Färbung von Anfang an ins Grün-Braun-Olive geht. (Fotos: t02b2 nach 12 Std., und t02b3 nach 24 Std.)
 
 
t02c: Nacht-Teebeutel konventionell: vollständige Kamillenblüten 40x vergrößert.
t02d: Nacht-Teebeutel konventionell: nicht identifizierbare Pflanzenstückchen (oval – vielleicht Lavendel) 40x vergrößert.
t02e: Gute Nacht Tee lose: Ausschnitt Lavendel (behaart) 40x vergrößert
t02f: Gute Nacht Tee lose: Lavendelblüten-Haarzelle mit hellviolettem Farbstoff 400x vergrößert.
t02g: Gute Nacht Tee lose: Melissen-Blattzellen mit Blattgrün 400x vergrößert.

t02h: Nacht-Teebeutel bio: sehr klein zerrissene Pflanzenteile 40x vergrößert.

t02i: Nacht-Teebeutel konventionell: Kamillen-Pollen staubfein 400x vergrößert.
 
 
Trotz Quellung reicht die Spannung der eingeweichten Tees nicht aus, um Dünnschnitte für eine mikroskopische Untersuchung anzufertigen, deshalb wurden immer ganze Teile, etwas gequetscht, auf den Objektträger gelegt. Anfärbemittel wurden nicht verwendet, um in den Pflanzenteilen vorhandene Farbstoffe sichtbar machen zu können. (Foto: t03)
Die enthaltenen Farbstoffe in den Zellen der losen Tees liefen nicht aus, denn sie befanden sich in immer noch weitgehend intakten Zellen (siehe blau im Kornblumenblütenblatt, hellviolett in Lavendelblütenhaarzellen). Auch die Farbstoffe in zarten Rosen- oder Veilchenblütenblättern waren deutlich zu sehen. Zudem schien das Pflanzengewebe intakt zu sein. (Foto t02f und t02e und t02b und t02g)
Solche Farbstoffe wurden in den weitgehend bräunlich-grünlichen oder eher farblosen Bestandteilen – eigentlich passt der Begriff „verwelkt“ dazu am besten – , die kaum genauer identifiziert werden konnten in den sehr kleinteiligen Teebeuteltees, nicht gefunden (Foto t02h und t02d), wohl aber die Reste von wahrscheinlich Ölbehältern in Pfefferminzblättern im Fastentee-Beutel bio. (Foto t06c)
Im Nacht-Teebeuteltee konv. waren die Pflanzenteile stark zerkleinert, aber die winzigen Röhrenblüten der Kamille waren noch als ganze sichtbar und Kamillenpollenkörner waren auch so feinstaubfein, dass sie nicht mehr Opfer einer maschinellen Zerkleinerung werden konnten. Sie sind ja auch nur einige Mikrometer klein. (Foto t02c und t02i)
Der grüne Farbstoff (Chlorophyll) in grünen Blättern war in den losen Tees leuchtend grün, in den Teebeuteltees opak braungrün, aber gut zu sehen.
 
 
t03: Blütenblätter-Stückchen von Veilchen, Rose, Kornblume in Wasser auf einem Objektträger.
t04b: China Gyokuro Grüntee lose: Blatt-Aufsicht, Blattgrün 40x vergrößert.
t04c: Sencha Grün-Teebeutel bio: Blattstücke opak-blaugrün 40x vergrößert.
 
 
Loser China Gyokuru und Sencha-Teebeuteltee wurden unter genau identischen Bedingungen mikroskopiert: der lose erstrahlt in frischem Grün (Foto t04b), der Teebeutelinhalt hat eine matte Färbung (t04c). Mit etwas Vorsicht könnte man den Schluss ziehen, dass die enthaltenen Farbstoffe in den losen Tee-Zellen darauf hindeuten, dass auch andere, ohne intakte Zellwände eher flüchtige Inhaltsstoffe, also die, weshalb der entsprechende Tee ja getrunken wird, in größerer Menge vorhanden sind als in den vielfach gebrochenen Zellen von fein zerkleinerten Tees.
Farbstoffe und Blattgrün in den Zellen, die im Mikroskop zu sehen sind, sind sozusagen zusätzlich dabei.
Sowohl Chlorophyll wie auch die meist zu den wasserlöslichen blauen bis roten Anthocyanen zählenden Farbstoffe vieler Blüten gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen, deren gesundheitsfördernde Wirkungen mittlerweile unbestritten sind, obwohl ihr genauer Wirkmechanismus noch nicht bekannt ist. So konnte ich z.B. nicht herausfinden, ob verblasste Farbstoffe, wie die in den Teebeuteln, überhaupt noch wirksam sind. Sicher führt die Trocknung zu Wirkstoffverminderungen. Klar ist auch, dass viele sekundäre Pflanzenstoffe hitzeempfindlich sind. Erhitzt werden aber sowohl die losen Tees wie auch Teebeuteltees. Kürzlich erst durchgeführte Untersuchungen mit Anthocyanen, die in Gemüse und Obst in viel größeren Mengen als in getrockneten Blättern vorhanden sind, zeigen, dass diese offenbar in erheblichem Umfang bereits im Mund, wahrscheinlich durch Bakterien umgebaut werden. Vielleicht sind sogar diese Abbauprodukte, die dann in den Körper gelangen, eher biologisch aktiv als die eigentlichen sekundären Pflanzenstoffe: neue Forschungsfelder tun sich auf.
 

t06c: Fastentee-Teebeutel bio: wohl Pfefferminzblatt-Ölbehälter 100x vergrößert
t06d: Rose-Galgant-Basentee lose: Reste von Schraubentracheiden hängen aus einer Abrissstelle eines Rosenblütenblatts 400x vergrößert.

 

An manchen Bruchstellen von Wasserleitungsbahnen schnellen übrigens wie schraubig ausgerollte Federn, Reste von Schraubentracheiden aus den gequollenen Blattbruchstückchen heraus, deshalb habe ich noch ein solches Mikrobild angehängt (Foto t06d).
 
Eva Wandelt
Biologin und Pilzsachverständige (DGfM)
 
 
 
Fotos:
t01: Nachttee lose und Teebeutel in Brunnenwasser ca. 1 Stunde eingeweicht.
t02: Loser Tee Gute Nacht ca. 1 Std. in kaltem Brunnenwasser eingeweicht.
t02b2 Lose Tees und Teebeutel ca. 12 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
T02b3 Lose Tees und Teebeutel ca. 24 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
t03: Blütenblätter-Stückchen von Veilchen, Rose, Kornblume in Wasser auf einem Objektträger.
t02b Gute Nacht Tee lose: Kornblumen-Blütenblatt 400x vergrößert.
t02c Nacht-Teebeutel konventionell: vollständige Kamillenblüten 40x vergrößert.
t02d Nacht-Teebeutel konventionell: nicht identifizierbare Pflanzenstückchen (oval – vielleicht Lavendel) 40x vergrößert.
t02e Gute Nacht Tee lose: Ausschnitt Lavendel (behaart) 40x vergrößert.
t02f Gute Nacht Tee lose: Lavendelblüten-Haarzelle mit hellviolettem Farbstoff 400x vergrößert.
t02g Gute Nacht Tee lose: Melissen-Blattzellen mit Blattgrün 400x vergrößert.
t02h Nacht-Teebeutel bio: sehr klein zerrissene Pflanzenteile 40x vergrößert.
t02i Nacht-Teebeutel konventionell: Kamillen-Pollen staubfein 400x vergrößert.
t04b China Gyokuro Grüntee lose: Blatt-Aufsicht, Blattgrün 40x vergrößert.
t04c Sencha Grün-Teebeutel bio: Blattstücke opak-blaugrün 40x vergrößert.
t06c Fastentee-Teebeutel bio: wohl Pfefferminzblatt-Ölbehälter 100x vergrößert.
t06d Rose-Galgant-Basentee lose: Reste von Schraubentracheiden hängen aus einer Abrissstelle eines Rosenblütenblatts 400x vergrößert.
Fotos: (c) Eva Wandelt
 
 
 

 

 
Kamille, Röhrenblüte mit orangener Narbe, erblüht. 40x vergrößert
Unsere stolze Kamille
Kamille, ganze Körbchen, 12 Std. eingeweicht
 
Um Kamille so schön mit ganzen Blütenköpfchen hinzubekommen, hat unser Kamille-Bauer aus Kroatien seinen höchst geheimen, selbst entwickelten Maschinenpark. Denn wenn sie während des Trocknens und Sortierens nicht wie ein rohes Ei behandelt wird, zerfällt sie sofort.
Beim Geschmack scheiden sich die Geister, er ist vielschichtig mit süßlichen wie bitteren Noten und passt zum Beispiel gut zu Schwarztee (Tipp: wer Kamille pur nicht mag – mit Darjeeling o.ä. mischen).
Von den Inhaltsstoffen her ist sie ebenfalls eine ziemliche Generalistin und deshalb seit Jahrhunderten ein bewährter Haustee.
 
 
 
Kamille, junge Röhrenblüten mit Samenanlagen und Staubbeutel. 40x vergrößert.

 

Bei unseren Recherchen für „Loser Tee versus Teebeutel“ hatte Eva Wandelt eine Röhrenblüte der Kamille aus einem Teebeutel unter dem Mikroskop fotografiert – eine hübsche Form, die aber jegliche Farbe verloren hatte – und war neugierig, wie sich unsere Kamille zeigt.
Tatsächlich sieht sie „heiler“ und komplexer aus mit ihren gelblichen Farbstoffen, die noch vorhanden sind. Interessanterweise hat sie insgesamt in ihren Strukturen eine vollständigere Anmutung.
 

Kamillen-Röhrenblüte, orange Narbe. 40x vergrößert.

 

Eine kleine Schönheit, wenn man mal so tief hineinschauen darf. Eva Wandelt schreibt noch zu dieser Kamille-Serie: „In Euren Teetüten sind zwar ganze Blüten, wie bei den anderen auch, aber korrekter müsste es heißen: ganze Körbchen, das ist nämlich ein kompletter Blütenstand, bestehend aus einem Kranz steriler weißer Zungenblüten und den fertilen gelben Röhrenblüten. Auf meinen Fotos sind eigentlich nur die Blütenblätter der Röhrenblüten, die Samenanlagen passen nur bei den jungen noch unaufgeblühten Blüten mit auf das Foto.“
 

Kamille, Röhrenblüte. 40x vergrößert.

 


 

Und was sagt Ihr?

 

Teeverkostung auf der Weiling Messe

Weiling Messe, Coesfeld – Nachdem wir in den sozialen Medien eine kleine Aktion über losen Tee versus Teebeutel gefahren sind, mussten wir das natürlich auch in die Tat umsetzen. Das war für uns sehr spannend, da wir nicht abschätzen konnten, wie die Bio-Ladner darauf reagieren würden. Könnten sie dem folgen, sähen sie auch einen Unterschied oder wäre das alles für sie ein großer Quatsch.
 
 
Das waren wir!
 
 
Wir haben zwar selber schon über den besseren Geschmack berichtet und die Absicht unseres Versuchs lag auf der Hand, aber wir glaubten, dass es einen Unterschied machen würde, die Kunden selber mal Testen zu lassen. Es mal auf der eigenen Zunge zu erleben brennt sich einfach besser ins Gedächtnis ein, als bloß auf irgendeinem Blog darüber zu lesen. Wir hoffen, dass das Ergebnis dazu führt, das man einfach keine Lust mehr auf Teebeutel hat.
So viel also zur Theorie. Hier sind ein paar der Zitate (und Fotos):
 
 
 
Das ist ja wie Tag und Nacht
 
 
 
Ohne Scheiß kann man wirklich sagen, dass der lose Tee deutlich kräftiger und würziger ist und die Teebeutel ein bisschen luschiger.
 
 
 
Der Unterschied – das war nicht nicht zu merken
 
 
Der ist sehr weich und vollmundig ( (über losen Tee: Brennnessel von Heuschrecke. Brennnessel mag eigentlich niemand wirklich gern, diesen aber schon!)
 
 
Nochmals vielen Dank an alle, die uns besucht haben. Es war uns eine große Freude!
 

Heuschrecke-Weihnachtsgeschichte

Weihnachtsgeschichte – Die NANUU-Bewegung:  “Nicht-auch-noch-unser-Unkraut”!

 

 

Pestizide und Plastik, die sich mittlerweile überall in der Umwelt und sogar im Menschen finden lassen, sind keine Neuheit. Es ist heute schwierig, davon nicht mehr zu hören. Doch haben Sie schon von CRISPR/Cas und Gene Drive gehört? Die genetischen Eingriffe zur möglichen Eliminierung der sogenannten Unkräuter sind zwar nicht mehr brandneu, aber dennoch sehr unbekannt. Auch wir berichteten neulich auf facebook darüber.

Nachdem wir von Heuschrecke nun seit über 40 Jahren mit Bio den Kampf gegen Pestizide führen, lassen wir uns auch von den neuen Maßnahmen nicht verunsichern. Wir stehen weiter ein für die Natürlichkeit der Pflanzen und die Gesundheit der Natur, dazu gehört eben auch vermeintliches Unkraut (was übrigens häufig in alten Heiltees und Kräutermischungen zu finden ist).

Und wenn die Genforscher nun meinen, bestimmte Widerstandsgene in Unkraut eliminieren zu müssen, dann fügen wir sie eben wieder ein!

 

Nach einer Krisenbesprechung am Montag zum Thema Genmanipulation, CRISP/Cas und Co, war klar, dass wir was dagegen machen müssen. Die Bewegung “Nicht-Auch-Noch-Unser-Unkraut” (NANUU) war gegründet.

Unser geübtes Heuschrecke-Personal hat langjährige Expertise im Umgang mit Pflanzen. Wir haben Experten für die Handhabung der Pflanzen, IT-Experten für Analyse, Verwaltung und Logistik, Fachkräfte für Transport großer Mengen, Kategorisierung und (Gen)-Mischung. Wir sind also gar nicht schlecht aufgestellt.

 

Obendrein halten wir dank unserer großen Produktpalette eine unerschöpfliche Sammlung von Rückstellmustern aller hiesigen Wildpflanzen vor, die einer Genbank gleichkommt. Die Verwalterin unserer Genbank – wie wir den Rückstellmusterraum jetzt umgetauft haben – ließ gleich vermerken, dass unsere Rückstellmuster-Aufbewahrungsfrist ab sofort von 5 auf 500 Jahre hochgesetzt wird. So können wir langfristige Erfolge garantieren und sind gegen etwaige Pflanzen-Auslöschungs-Maßnahmen (PAMs) auch in entfernter Zukunft gewappnet.

 

Unsere Gegenmaßnahmen sind einfach wie effektiv. Wo Gene Drive u.ä. versuchen, bestimmte Gene auszuschneiden, setzen wir sie wieder ein:

Mit geschultem Auge erkennen unsere MitarbeiterInnen die kränkelnden Pflanzen, die schon an hiesigen Weges und Feldrändern stehen und bringen sie schnell in den eigens dafür eingerichteten Operations-Saal. Das Referenzmuster wird in der Zeit schon vorbereitet, Gene extrahiert, dupliziert (wir haben dafür ein Stammzellen-ähnliches Verfahren entwickelt) und mit Hilfe von Genreperaturschere und -lupe von unseren Pflanzenchirurgen wieder eingesetzt. Das Ganze ist nicht ohne Risiko, doch unsere Erfolgsrate spricht für sich.

 

Fotostrecke: Gene-Eliminierung-Eliminierung

 

Die reparierten Pflanzen müssen sich dann erstmal auskurieren. In unserem Firmengärten werden sie gefüttert und umsorgt, sodass sie optimal gedeihen können. Pestizidfreie Ernährung und die milde rheinländische Luft sorgen für Nährstoffe, während Biomusik und vorsichtiges Streicheln die Psyche der traumatisierten Pflanzen wieder heilen. Sobald die Pflanzen wieder bereit für die freie Wildbahn sind, werden sie in ihre Heimat zurückgebracht und eingepflanzt.

 

Unser Ziel ist es, möglichst viele Pflanzen zu retten. In unseren Augen ist jede Pflanze perfekt wie sie ist, jede Art wichtig für das Überleben unseres Planeten. Es gilt, die Diversität zu erhalten und wenn möglich sogar auszubauen. Nur so können wir eine langfristig glückliche Natur und somit auch glückliche Menschen erreichen.

Während unser eigener Arbeitsradius sich hauptsächlich auf unserer Region bemisst, sind wir bereits in Gesprächen mit unseren Lieferanten überall auf der Welt. Viele von Ihnen sind Experten für glückliche Pflanzen vor Ort, sodass wir uns große Chancen auf weitgreifenden Erfolg ausrechnen.

Wolfgang Wilhelm: Letter of Thanks

 

Wolfgang (links) und sein Bio- Kontrolleur Jochen Neuendorff von GfRS

 

Oder: Wolfgang Wilhelm geht in Rente.

 

Mit Wolfgang Wilhelm sind wir schon seit mindestens 1978 als unserem Teelieferanten verbunden. Jetzt haben wir mit ihm seinen Abschied aus dem Arbeitsleben gefeiert. „Rentner müssen mutig in die Zukunft blicken“ beginnt er seine Abschiedsrede.

Die Teebranche ist eine faszinierende Szene, viele interessante, weit-denkende Menschen, die in der Regel ihr ganzes Arbeitsleben dem Tee treu sind, und dadurch einen ganz bestimmten Qualitätsbegriff leben.

Axel Köhnken und Mathias Kloth – Inhaber der Firma Kloth&Köhnken

Wir saßen an einer festliche Tafel zusammen in der Firma Kloth & Köhnken, wo Wolfgang in den letzten gut 20 Jahre die Bio-Abteilung geleitet und weiterentwickelt hat. Die Chefs: Axel Köhnken wurde bereits mit 12 Jahren im Schülerpraktikum klar, dass seine Welt der Tee ist, auch Matthias Kloth ist sein ganzes Leben lang im Teegeschäft und kann sich nichts anderes vorstellen.

 

Wolfgang begann vor 42 Jahren mit dem Teehandel, selbständig in einem alten Kino als Lagerraum. Matthias hat ihn zunächst nach Hamburg und schließlich nach Bremen geholt, eine lange Verbundenheit von Anfang an über die Stationen in verschiedenen Teefirmen.

Wolfgang hat einen wichtigen Anteil daran, dass es heute auf der Welt ein umfassendes Bio-Angebot an Tee gibt. Wir erinnern uns noch gut: Es gab einen Punkt in den 90igern, wo wir, die Heuschrecke, auch dank Wolfgang stolz sagen konnten: nun können wir wie beim Wein aus allen relevanten Teeanbaugebieten schöne Bio-Qualitäten anbieten.

Die Festtafel mit den Teekollegen

2000 dann die gemeinsame China-Reise. Nicht einfach – gerade gab es eine vorsichtige Öffnung Richtung Privatwirtschaft , und es gab Mister Wu, der als erster ziemlich zuverlässig sicheren Bio-Grüntee aus Wuyuan exportierte. Insgesamt war bzw. ist Bio in China etwas schwierig, auch die soziale Absicherung der Teearbeiter in dieser Umbruchphase, ein Spannungsfeld zwischen Kadersystem und Kapitalismus. Hier konnten europäische Bio-Importeure sich durchaus die Zähne ausbeißen, und so hat Wolfgang schließlich aus seinen Erfahrungen heraus die Organisation bzw. das System „Fairbiotea“ gegründet für chinesische Teefarmen. Hier geht es um den kontinuierliche Aufbau von Bio-Qualitätssicherheit und sozialer Verantwortlichkeit.

 

In seiner Rede heißt es:

„Mit www.fairbiotea.de habe ich in den letzten 10 Jahren, echte nachhaltige Strukturen in China aufgebaut.
Eine solche Entwicklungsarbeit ist sehr anstrengend, zeitraubend
und von vielen Rückschlägen geprägt.
Trotzdem ist es nach vielen Höhen und Tiefen gelungen:
Die Probleme im Qualitätsmanagement wurden beseitigt
Der Bioanbau ist ökologischer und sicherer geworden.
Die Arbeiter in den Fairbiotea- Gärten haben heute alle Arbeitsverträge mit gesetzlichen Arbeitsrechten, Mindestlöhnen und Sozialversicherungen.
Solche Erfolge können wegen zu geringer Exporteinnahmen jederzeit wieder zerbrechen.“

 

Axel Köhnken und Matthias Kloth an der Festtafel

Die Website fairbiotea.de möchten wir noch mal zum Lesen empfehlen. Es ist einmalig, wie transparent hier berichtet wird und wie tief die EndkundInnen in die Teefarmen hineinschauen können – mit allen Stärken und Schwächen, wie das Leben auch ist. Kein Marketingsprech.

Uns ist schon etwas wehmütig zumute, Wolfgang nicht mehr im Alltagsgeschäft zu wissen, sein beharrliches Engagement für soziale Nachhaltigkeit, gerechte Löhne und Teepreise, lange Telefongespräche über Hintergründe und Zusammenhänge, die wir an unsere KundInnen weitergeben konnten. Er selbst mailte an seinem letzten Arbeitstag: … ein komisches Gefühl breitet sich aus, das man durchaus als leichte Panik bezeichnen kann. Aber die Alten müssen mutig nach vorne blicken und sich nicht zu sehr mit der Vergangenheit beschäftigen…“

Alles Gute und Danke für die lange Zeit, Wolfgang.

 

 

 

Doch zurück zum Fest. Seine Abschiedsrede endet:

„Zu meinem Abschied habe ich diesen Wunsch an Euch.
Macht Euch dauerhaft, ernsthafte Gedanken zum Thema soziale Verantwortung .
Es gibt viele kleine und große Möglichkeiten etwas für die Teegärten zu tun.
Es muss nicht immer viel kosten
und es kann trotzdem viel bewirken
Oft reicht schon die richtige Wahl zu treffen

und die richtige Sache zu unterstützen.“

Das schönste Abschiedsgeschenk war für Wolfgang der Besuch der chinesischen Partner von der Qingshan Farm, über die wir auch schon oft berichtet haben und von denen wir sehr viele Teesorten, vor allem Grüntee, mit dem

Der Preis, den die chinesischen Partner von der Qingshan Farm Wolfgang verliehen haben

Fairbiotea-Siegel im Programm haben.

Es gab einen Letter of Thanks (folgend) und eine Preisverleihung für seine Verdienste um die Förderung des chinesischen Bio-Tees.

 

 

 


 

Letter of Thanks

 

Dear Mr. Wolfgang Wilhelm,

Remember it was back in 2005, through communications between you and us, the standard Green Tea G8318 was born along with our first deal. Thanks to this, we’ve knocked open the gate of cooperating with you.

Not long since then, you started to pass on the knowledge of Organic to us, led us to make Organic teas, came to Qingshan tea plantation in person to guide us and arranged experts from Nanjing to our plantations to teach us the theories of Organic and the practical methods of operation.

With you taking the lead, Fairbio (Fairbiotea) System was established in accordance with your ideas of environment protection and fulfillment of social responsibilities. The tea plantation and tea farmers will remember forever the following projects Fairbio System had already accomplished,

• Road constructions in parts of the tea garden, it logistically linked the tea garden to the outside;
• Procurement of the tools needed for picking and other operations for the tea garden, it helped us increase the efficiency of the tea garden management;
• Plantations of shading trees, when the little saplings grew into big trees they’ll save the tea bushes from the scorching sun;
• Installment of multimedia equipment in the school of tea garden area, this very equipment still serves an important role of spreading knowledge and inheriting culture in the school;
• Guidance of compost making by hiring foreign experts, it enabled the tea garden managers to jump out the loop of the Chinese traditional concept of farmyard manure. By training, tea garden can successfully make compost using modern methods;
• Purchase of various equipment for compost making;
• Encouragement and sponsorship of cow raising in Qingshan tea garden, partially finished the nutrition circle of the tea garden; and so on

Through the development and trade of Organic tea, the living quality of the local farmers had improved by a large scale. Farmers say it a lot that thanks to Hunan Tea Group Co., Ltd. for taking them on making organic tea and leading them to prosperity. In essence we know they were thanking KLOTH & KOEHNKEN company.

Am Vorabend des Abschiedsfest trafen die Partner der Qingshan Teefarm aus China ein. Links und rechts außen: die Gäste von der Qinshan Farm. In der Mitte Wolfgang Wilhelm, rechts von Wolfgang: Matthias Kloth, hinter und links von Wolfgang: die Mitarbeiter Bettina, Jan und Andreas. Jan und auch Andreas werden die Arbeit von Wolfgang übernehmen.

Organic is indeed a cause very beneficial to human-beings, environment and the society. With promotions and development in the recent years, along with increasing concerns towards environment protection, not only in China but globally there are more and more people getting involved in Organic agriculture and the demands from everyday consumers for Organic products are getting stronger and stronger. Year by year the trade of Organic products grows, the number of people working in the Organic market grows as well. We feel ultimately fortunate that under your guidance and support, our understanding an perspective of Organic now is beyond many practitioners in China. On basis of this great and solid foundation, in the future we will no doubt work even harder in aspects as organic management of tea gardens, nutrition circle and social responsibilities.

During our cooperation, you often point out what we should improve once there is anything unprofessional occurs in our practical operations and guide us to improve. Your dedication and preciseness always spurs us and sets an excellent example for us. Your erudition and wisdom frequently brings us many innovative and whole different views. Your personal charisma will definitely be a strong inspiration for us to work better.

The time zips by, this year is now 13th year of our cooperation. We feel deeply grateful for your contribution for our both companies. Please allow us to pay you, our sincere and reliable close partner, our greatest respect.

We strongly believes that the firm foundation you’ve laid out for us during your work period will also be carried on and flourished in the hands of your successor. The future for our cooperation will be nothing but bright! And with all this, from us, it merges into one sentence, THANK YOU!
With all our hearts, we wish our friendship to be forever like “waterfalls on the high mountain”, long-standing and well-established!

May you enjoy a relaxed and wonderful life in the days yet to come and live every one of them as beautiful as poetry!

Wish you good health! May all go well with you!

Welcome you and your beloved family to come to Hunan at anytime!

Hunan Tea Group Co., Ltd. (Qingshan Teegarten), im Juni 2018

 


 

 

Und nun: was bringt die Zukunft – die Heuschrecken gehen noch nicht in Rente – wir bleiben dran – sowohl bei Fairbiotea, bei den neuen Verantwortlichen für den Biotee, und bei den vielen kleinen Kräuter- und Gewürzprojekten und netten Lieferantenbeziehungen, die wir kontinuierlich in 40 Jahren aufgebaut haben. Es gibt noch ein Menge Aufgaben und Verantwortlichkeiten, um Bio sicher zu machen.
Wir haben uns einen entsprechenden Ruf der Bio-Szene erarbeitet, sowohl auf Kunden- als auch auf Lieferantenseite. Wir werden weiter sehr selbstbewusst und kritisch kommentieren, was uns nicht passt – weder dogmatisch-fundamentalistisch noch völlig businessgetrieben – als kleine Firma mit wildem Sortiment haben wir weiter gute Chancen, etwas zu bewegen und durchzusetzen !
Die Kommunikation mit Wolfgang Wilhelm war auch prägend für unsere Herangehensweise an die Bioprobleme mit Nicht-EU-Herkünften neben (vielen anderen BioKollegInnen..) – nochmals DANKE für Dein (von einigen als sperrig empfundenes) Engagement !

 

Wolgang Wilhelm und Heinz-Dieter (HeiDi) Gasper

 

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