Joshuas Gewürzreise: Süßholz

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Das letzte Glied in der Anethol-Reihe. Süßholz fällt aber ein bisschen aus der Reihe. Nicht so stark Anis-artig dafür der unvergleichlich süße und gleichzeitig leicht bittere Geschmack. Gefühlt ein weiterer polarisierender Geschmack, der in erster Linie durch Lakritze bekannt geworden ist. Im Englischen unterscheiden sich da nicht mal die Wörter: liquorice.

Zurück zum Geschmack. Zuerst kriegt man die leicht bittere Note des Süßholzes, leicht harzig, leicht holzig, doch dann kommt die Süße, die vielleicht entfernt vergleichbar mit Stevia ist – alles mit diesem Hauch von Anis-Unterton und auch einem gewissen Röstaroma. Die Geschmackskombination ergibt einen recht warmen Geschmack, ziemlich voll, aber nicht unverständlich, sodass das Kauen auf Süßholz nicht unbedingt unangenehm ist.

Die Süße stammt von der enthaltenen Glycyrrhinzinsäure, von der sich Glycyrrhizin spaltet, das etwa 50 mal so süß ist wie Haushaltszucker. Diese Eigenschaft wird gerne und besonders viel in der Süßwarenindustrie benutzt, wo daraus, oft sogar ohne weiteren Zucker, diverse Lakritze und lakritzartige Kleinigkeiten hergestellt werden. In manchen Ländern wird diese Kombination noch mit Salz abgerundet. Auch in der Alkoholindustrie wird gerne Süßholz benutzt, um die Anis-Familien mit einer notwendigen Süße auszubalancieren. Außerhalb unserer westlichen Hemisphäre, wenn man mal über den Tellerrand hinausschaut, findet es in einigen asiatischen Ländern in Saucen, Suppen und Eintöpfen Verwendung, in den die Süße einen ausgleichenden Charakter einnimmt und die stark Umami-haltigen Gerichte abrundet. Und man schätzt dort natürlich auch einfach eine süßliche Note.
Neben diesen Verwendungen passt Süßholz ziemlich gut zu fettigen Gerichten und tiefen Geschmäckern, ähnlich wie in der chinesischen Küche, aber eben mit heimischen Zutaten: In Dunkelbier geschmortem, dunklem Fleisch, oder auch zu fettigen Fisch (siehe letzte Reise: Anis).
Oh ja. Bevor ich es vergesse. Man kann auch wunderbar Tee daraus machen. Ob als Monotee oder gemischt mit vielleicht etwas Ingwer, Zimtblättern oder Anis/Fenchel….

 

Und zuletzt, eine kleine Warnung: Süßholz kann bei übermäßigem Verzehr zu hohem Blutdruck führen. Wer damit Probleme hat, bitte ein bisschen darauf achten!

 

Doch was machen wir damit? Nur drüber reden? Ja. Bis zum nächsten Mal…


Ooooooder, wir gehen mal in die Küche, finden heraus, was sich damit machen lässt und raspeln *buchstäblich* ein bisschen Süßholz. Unsere erste Kombination ist direkt eine Geschmacksbombe, mit der man eine Menge anstellen kann. Viel Umami, Salz, etwas süß und sehr komplex.

 

 

Sojasaucen-Reduktion

Das fällt vermutlich ebenso in die Tare-Kategorie. Dazu später mehr.

 

Zutaten:

  • 75 mL Sojasauce
  • 50 mL Shaosing Reiswein
  • 2 kleine Stücke Ingwer
  • 1 EL dunklen Zucker, Dattelsirup oder vergleichbares
  • 1 TL Süßholz

 

Die Herstellung ist denkbar einfach. Erst schön Süßholz raspeln. Das geht gut mit einer kleinen Reibe. Dann zusammen mit den anderen Zutaten auf mittlerer Hitze ca. 20 Minuten köcheln lassen, bis sich die Flüssigkeit auf grob 1/3 reduziert hat oder eine leicht dickflüssige Konsistenz erreicht ist. Das war’s. Hier ist eine Anwendung:

Neutralen, relativ festen Tofu in Scheiben schneiden und kurz anbraten. Dazu eine ganze Frühlingszwiebel längs halbieren und ebenfalls anbraten. Nach ca. 5-8 Minuten aus der Pfanne nehmen, leicht abtupfen und mit einem Pinsel mit unserem Geschmackslack bestreichen. So kommt der Geschmack schön durch. Er passt eben auch hervorragend zur Frühlingszwiebel. Ein einfaches, elegantes und sehr geschmacksreiches Amuse-bouche (“Mundfreude”, für die Nicht-Franzosen / Nicht-Kulinaren …. gibt’s die hier?).

Ebenso passt die Reduktion einfach zu Reis oooooder zu …

 

 

Ramen – aber auch nicht

 

Da Ramen lediglich Nudelsuppe bedeutet, lass ich das mal so stehen. Ich glaube aber nicht, dass die Geschmackskombinationen klassisch japanisch sind, aber mit 2 zugedrückten Augen kann man es sich auch gut gehen lassen.

 

Zutaten:

  • 100 g Shiitake Pilze
  • 80 g Shimeji Pilze
  • 2/3 Lauch
  • 2 Karotten
  • 1 große Zwiebel
  • 1 großes Stück Ingwer
  • 1 Frühlingszwiebel (groß, haha)
  • 1 Kombu-Blatt
  • 1 Stange Süßholz
  • 1 EL Fenchel
  • 6 Nelken
  • 10 Pfefferkörner
  • 4 L Wasser


Die Zubereitung ist ganz klar. Alles Gemüse grob schneiden, ins Wasser geben und mit den Gewürzen ca. 2 Stunden köcheln lassen. Alles rausfischen oder durch ein Sieb geben und fertig ist die Grundbrühe. Schön aromatisch, leicht süßlich, etwas fremd. Der komplexere Schritt ist der nächste:

Brühe mit Lauchzwiebel und ein bisschen Ingwer wieder erhitzen und mit Salz abschmecken. Ich hab sogar noch ein bisschen Zucker dazu getan, um den süßlichen Geschmack zu verstärken.

Das was frisch obendrauf soll zurechtmachen. Bei mir: Lauchzwiebeln, Chinakohl, gekochter Bambus und natürlich ein 6-Minuten-Ei.

Für die Auberginen habe ich Auberginen (ach was) kleinschnitten und mit Sojasauce, Chili, Knoblauch, Öl, Sesam, Salz und etwas Maisstärke vermischt und in einer Pfanne schön knusprig gebraten – ist toll!

Nudeln nach Anweisungen al dente kochen.

Dann: In die Schüssel oben genanntes (oder anderes) Tare geben, Nudeln darauf türmen und mit Suppe aufschütten. Dann alles, was wir so gemacht haben schön darauf verteilen. Fantastisch. Sehr komplex. Eine Mischung aus Umami, leicht süß, bei mir leicht scharf dank Chili-Knoblauch-Sauce und viel Frische.

 

Da fehlt doch nur noch eins… Ein Dessert.

 

 

Custard mit Rhabarber

 

Es ist Rhabarber-Zeit. So gerade eben. Dazu ein unglaublich cremigen, leicht süßen Pudding? Au ja.

 

Zutaten:

  • 400 mL Milch (bei mir ca. 250 mL Hafer, 100 mL Soja, 50 mL Kokos)
  • 3 Eigelb
  • 1 EL Zucker
  • 1.5 EL Speisestärke
  • 1 bisschen Vanille
  • 1 vorsichtiger Teelöffel Süßholz

 

  • 1 KG Rhabarber
  • 100 mL Rotwein
  • 1/3 Stange Süßholz
  • 1 bisschen Vanille
  • Zucker nach Maß


Die Milch zusammen mit der Vanille und dem Süßholz erhitzen, bis sie fast kocht. In der Zeit die Eier trennen und dann, kurz bevor es so weit ist, mit der Speisestärke und dem Zucker vermengen. Nun die Milch vom Herd nehmen und zuerst nur einen EL in die Ei-Stärkemasse rühren. Dann nochmal 3, dann nochmal 5. Ziel ist, die Eigelbs vorsichtig auf Temperatur zu bringen, dass wir die Rührei Situation in unserem Pudding vermeiden. Sind die Eier temperiert, in die Milch einrühren und kurz zum Kochen bringen. Dann in 1-3 Schüsseln geben und im Kühlschrank erkalten lassen.

In der Zeit den Rhabarber waschen und schneiden und mit den restlichen Zutaten kochen. Besser noch: Im Ofen machen. So behält er besser seine Form… ist mir aber erst im Nachhinein wieder eingefallen… Schmeckt trotzdem fantastisch. Der Rotwein klingt kontraintuitiv, weil der Rhabarber genug Säure hat, aber schmeckt einfach hervorragend dazu.

Ist der Pudding erkaltet, oder, für die Ungeduldigen, etwas abgekühlt, mit ein wenig Rhabarber servieren. Und fertig.

Das war’s. Es war mir wieder eine Freude. Ich hoffe, Euch auch.

Bis zum nächsten Mal!

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

Vorgestellt: Rooibusch Tee

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Ich erinnere mich noch, wie es früher in den Bioläden unglaublich viele verschiedene Versionen dieses Tees gab: Vanille, Chai, Schokolade, …
Seit dem ist der Tee ein bisschen von der Bildfläche verschwunden. Warum eigentlich?

Unsere neue Demeter Version kommt wie gewohnt von Wupperthal Kleinbauern Cooperative aus Südafrika, denn nur dort wächst der Tee. Er wird noch grün geerntet und ähnlich wie Grün- und Schwarztee fermentiert. Es entsteht ein dunkler, rot-brauner Kräutertee mit einem unvergleichlichen Geschmack. Leicht rauchig, aber irgendwie auch milchig mit einer leicht fruchtigen Note, die entfernt an Beerentee erinnert. Sehr mild, voll und rund – aber das markanteste für mich ist dieser milchig, fast buttrige Geschmack. Man braucht nichts mehr dazu und gleichzeitig bürgt es viele Kombinationsmöglichkeiten, um genau mit diesem Geschmack zu spielen. Es passt so vieles, wodurch dann vermutlich auch die verschiedenen oben angesprochenen Versionen entstanden sind: Vanille, Zimt, kräftige Gewürze, Zitrus, Milch. Da kann man sich austoben und ganz nach dem eigenen Geschmack gestalten. Die Grundlage ist fantastisch.

 

 

 

Ich will hier natürlich niemanden ohne Ideen stehen lassen. Deswegen sind hier 2 Starthelfer:

 

Rooibusch Chai

Funfact: Chai heißt “Tee” auf indisch. Jetzt könnt Ihr auch immer über andere lachen, die Chai Tee haben wollen. Vielleicht ist es aber auch wirklich Tee Tee?

 

Zutaten:

  • 1.5 EL Rooibusch, pur
  • 5 Cardamom Kapseln
  • 5 Nelken
  • 5 Pfefferkörner
  • 1 Stange Zimt
  • 1/2 EL Honig
  • Zitronenzeste
  • 200 mL Milch
  • 250 mL Wasser

 

Die Gewürze grob mit einem Mörser bearbeiten, dann zusammen mit Tee und Wasser aufkochen 5 Minuten köcheln und dann noch mit geschlossenem Deckel ca. 15 Minuten ziehen lassen. Gegen Ende der Zeit die Milch erhitzen. Den gezogenen Tee mit etwas Honig und Zitronenzeste abschmecken (die Zitronenzeste bringt den Tee etwas mehr zum Leben), Milch aufschäumen, wenn möglich, und zusammenmischen. Fertig.

 


Butter Rooibusch Tee

Für all die Keto-Fans ist Buttertee vielleicht nichts Neues. Ursprünglich aus den Hochlandschaften Tibets hat er auch in der westlichen Welt durch Keto und Co an Popularität gewonnen. Ob man es glaubt oder nicht, ein bisschen Butter passt hervorragend zum Geschmack des Rooibusch, holt ihn ab und erschafft einen wunderbar vollen, aromatischen Tee.

Das Rezept ist denkbar einfach:

  • 2 TL Rooibusch
  • 350 mL Wasser
  • 0.5-1.5 EL Butter (je nach dem wie sehr man daran gewöhnt ist)

 

Den Rooibuschtee nach Anleitung (Wasser kochen, drüber geben, 15 Minuten ziehen lassen) kochen, dann in einem Mixer mit der Butter für ca. 30 Sekunden mixen, bis eine schöne Emulsion entsteht und es leicht schaumig geworden ist. Wichtig ist, den Tee möglichst heiß zu haben, also vielleicht die Tasse vorwärmen, einen Deckel benutzen, …


Und dann könnte man ja auch fast schon wieder mit dem Eistee anfangen. Ein schöner Sommertag (natürlich im Garten oder auf dem Balkon), ein bisschen Tee, bisschen Orangen, Zitrone….


So. Damit dürft Ihr wieder in Eure Selbst-Isolation zurück. Schön, dass man sich immerhin noch virtuell begegnen kann, oder? Haltet die Ohren steif, bleibt gesund, wie man ja jetzt statt auf Wiedersehen sagt und auf Wiedersehen.

 

 

 


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Joshuas Gewürzreise: Anis

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Anis hat einen sehr charakteristischen Geschmack. Leicht süßlich mit diesem speziellen Anis-Aroma, das schwer zu beschreiben ist. Es schmeckt etwas nach Lakritz, ist sehr voll und rund. Vorne sehr kräuterig, dann entfaltet sich die Süße mehr und mehr und das Aroma entwickelt sich zu einem langanhaltenden, ja wohltuenden Gefühl. Schon Wahnsinn, was die Natur so hervorbringt.

Das Aroma wird fast ausschließlich (um die 90 %) vom ätherischen Öl Anethol bestimmt, welches auch Fenchel, Sternanis und Süßholz prägt. Nirgends kommt es allerdings so hoch konzentriert und rein vor, wie im echten Anis. Da Anis aber verhältnismäßig teuer ist im Vergleich zu seinen Verwandten, wird er gerne durch eben diese ersetzt. Oder eben, weil er dort gar nicht erst wächst.

Bei uns in Europa benutzt man ihn vorwiegend in Alkoholika (Quasi jedes mediterrane Land hat da seine Version) und in Gebäcken. Doch passt er auch hervorragend zu Fisch (von Suppe bis zu feinen Filets), Fleisch und Gemüse. In so manchem asiatischen Land finden dann gerne als Ersatz Fenchel oder Sternanis ihren Weg in Suppen (Phở), und und und. Man könnte glatt sagen, dass Anis ziemlich vielseitig ist, wobei ich so weit gehen würde, dass die meisten dieses süßliche Aroma etwas aneckend finden. Röstet man den Anis, verändert sich das Profil nochmal ordentlich. Die flüchtigen, blumigen Aromen verabschieden sich (flüchten… aber Vorsicht, nicht politisch) und die Bitterkeit kommt etwas mehr zum Vorschein. Dazu natürlich Röstaromen. Es entsteht eine wirklich angenehme Zusammenstellung, die nicht ganz so einnehmend ist und nochmal zu ganz anderen Dingen passt. Röstaromen mit Süße sind eine ebenso runde, fast erdige Kombination, die gut zu fettigen Gerichten passt. Abwarten!

 

Meine erste und Lieblingsassoziation mit dem Anis ist ein schöner sonniger Urlaub in Südfrankreich. An einem warmen Sommertag am Nachmittag im Schatten mit einem kleinen Glas Pastis. Da kommen bei mir gleich Urlaubsgefühle auf. Sollte ich irgendwann mal alt werden, dann vielleicht so.

Und natürlich: Anis ist tatsächlich ziemlich gut medizinisch verwendbar. Schleimlösend, verdauungsanregend, krampflösend. Vielleicht sollten die Menschen lieber Anis hamsterkaufen… Als Tee aufgeschüttet, in Speisen verwendet, oder eben als Digestif gereicht. Da sind die letzten Grenzen mal wieder die Fantasie.

 

Jetzt aber los. Um den Geschmack erstmal richtig zu verstehen, fangen wir mit einer Anethol-Bombe an: Der Versuch von selbstgemachtem Pastis. Traditionell (und wenn er hochwertig ist) wird Pastis durch Destillation gewonnen, doch ich habe keine eigene Destille und ich glaube, die meisten von Euch auch nicht. Um sich dem ganzen etwas anzunähern, versuchen wir uns an aufgesetztem Pastis. Dazu brauchen wir:

 

  • 300 mL Vodka
  • 2 cm Süßholz
  • 5 g Anis (1,5 TL)
  • 2 Sternanis
  • 1 TL Fenchelsamen
  • 3 EL Zucker
  • Etwas Zitronenschale
  • Zeit

 

Wir machen hier wirklich eine sehr einfache, dennoch sehr aromatische Version, die nicht viel Arbeitsaufwand bedeutet. Alles grob in einem Mörser zerstoßen und in einem Gefäß mit Vodka übergießen. Dann für ca. 10 Tage ziehen lassen. Getrunken wird natürlich traditionell mit Wasser und für mich mit Eis. Mit dem ersten Schluck wird dann klar, wonach Anis (und somit Anethol) denn schmeckt – Abgerundet mit ein paar verwandten Gewürzen.

 

 

Guter Anfang?

 

Das Schöne an der heutigen Gewürzreise ist, dass man daraus gut einen Anis-Abend machen kann. Der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen, aber die Speisen sind fantastisch und schinden, wer’s darauf auslegt, sogar Eindruck.

 

 

Vorspeise – Brot mit Gewürzbutter

 

Kräuterbutter kennt jeder. Aber wie wärs mal mit einer etwas anderen Variante, die Brot richtig aufwertet. Statt den Anis beim Backen zu benutzen, kann man so aus jedem Brot fast eine Art Gewürzbrot machen.

Das Fett passt gut zum Anis-Aroma und der Dill sorgt für eine angenehme Frische und verbindet sich in der Süße gut mit dem Anis.

 

Zutaten:

  • 100 g Butter
  • 2 Dill Zweige
  • 1 TL Anis
  • 1/2 TL Koriander
  • 1/2 TL Fenchelsamen

 

Und schon wieder dürfen wir unseren schönen Mörser benutzen. So bleiben kleine Stücke bestehen, die mir ganz gut gefallen. Dazu den Dill zerhacken und alle mit der Butter vermischen. Dazu ein schönes Brot reichen – besonders gut ist Roggenbrot.

Jetzt ist der Hunger auch aufgeweckt. Also weiter.

 

 


Hauptspeise – Lachs, Sellerie, Kaffee

 

Nun, das klingt schon etwas abenteuerlich. Ist es geschmacklich auch ein bisschen. Aber es passt. Es ist eine balancierte Kombination aus einfachen, leichten Geschmäckern und komplexen, starken Aromen. Ausprobieren.

 

  • 2 Stücke Lachsfilet
  • Viel Öl (Sonnenblumen / Olivenöl / …)
  • 1 EL Anis
  • 1 / 2 Nori-Algen-Blatt

 

  • 1 Knollensellerie
  • 300 mL Kaffee
  • 1 TL Anis
  • 80 g Butter
  • 1/2 EL Zucker
  • Natürlich Salz


Wir werden zuerst den Lachs pochieren. Dazu (falls vorhanden) von der Haut trennen und das Öl auf ziemlich genau 50 Grad Celsius erhitzen. Dann den Lachs in sein warmes Bad geben und ca. 30 Minuten darin entspannen lassen. Die Pfanne soll weiterhin auf dem Herd bleiben, aber das Öl darf nicht über 50 Grad kriechen. Also ein bisschen aufpassen, dann ist das nicht so schwierig.
Währenddessen den Sellerie schälen, würfeln und mit etwas Salz kochen. In der Zwischenzeit den Kaffee machen, den Anis zerstoßen und beides mit dem Zucker reduzieren, bis vielleicht noch 50-100 mL davon übrig sind. In einer letzten Pfanne kurz den EL Anis anrösten, in einem Mörser zerstoßen, ein Noriblatt in feine Streifen schneiden und beides vermengen.
Ist der Sellerie fertig, gut mit Salz würzen und sowohl Butter als auch Kaffee-Anis-Reduktion unterheben. Das einzig traurige ist, dass es kein besonders schönes Bild ergibt. Vielleicht versuche ich das nächste Mal, ein paar Kartoffeln mitzukochen.
Also. Alles zu einem schönen, möglichst feinen Püree, ähm, pürieren (zerstoßen) und auf einem Teller zusammen mit dem Lachs servieren.

Ohja. Dazu toll: Die abgetrennte Haut entschuppen und anbraten. Mit etwas Salz fantastisch.

Der Lachs wird zum Servieren dann mit der Gewürzmischung und einer guten Prise Salz bestreut. Es ergeben sich wirklich schöne Kombinationen.

 

Und zuletzt:

 

Dessert – Birne Helene

 

Wir brauchen:

  • 2 Birnen
  • Genug Wasser, um die Birnen zu bedecken
  • 2/7 bis 1/2 Hälfte des Wassers als Zucker / Honig Mischung*
  • Etwas Zitronenschale

 

  • 100 g Schokolade (70%+)
  • 300 mL Milch
  • 1 EL Speisestärke (für die gewünschte Saucenkonsistenz)
  • 1 EL Kakaopulver
  • 1 TL Anis
  • (Zucker)


*2/7 bis 1/2: Ich mag es weniger süß, aber klassisch benutzt man hier eine Zucker-Wasser-Lösung im Verhältnis 1 zu 2

Wasser mit Zucker-Honig vermischen und die Zitronenschale dazu geben. Der Honig gibt der Birne nochmal ein schöneres Aroma, finde ich. Leicht erhitzen, bis es gaaaanz leicht köchelt. Die Birnen schälen und entkernen (wer sich Mühe geben will) und in die Flüssigkeit geben.
Dann vielleicht mit einem kleinen Teller beschweren, dass die Birnen unter Wasser bleiben und für ca. 25 Minuten köcheln lassen.
In der Zwischenzeit die Milch erhitzen, die Schokolade hineinschmelzen, den Anis zerstoßen und hinzugeben, Kakaopulver dazu, für extra schokoladiges Aroma und, wer möchte, mit Zucker und natürlich einer minimalen Prise Salz abschmecken. Die Schokoladensauce ist gut an den eigenen Geschmack anpassbar, aber ich mag sie zart-bitter.
Zum Servieren die Schokoladensauce in einen schönen Teller gießen, die Birne obenauf drapieren und mit etwas geriebener Schokolade vollenden. Dazu passt gut noch eine Kugel Vanille-Eis und nochmal eine schöne Prise gerösteter Anis. Sowohl zum Vanille-Eis (sehr) und zur Birne mit Schokolade (sehr).

Guten Appetit und viel Freude.

Ich freu’ mich schon aufs nächste Mal.

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

Vorgestellt: Demeter Kamille

Na gut, nicht gerade total neu oder hochinnovativ, aber dafür gut und jetzt vor allem Demeter.

Unsere neue Demeter Kamille wächst auf dem Krebsbachhof in Mittelhessen und kommt somit fast von zu Hause – man könnte sich also gut angucken, wo sie wächst. So viel zur Herkunft.

 

Sie schmeckt gewohnt nach Kamille. Sehr duftig, schön wärmend, ganz leicht herb, fast ein bisschen süß – insgesamt sehr rund.

Für mich ist Kamille ein absoluter Wohlfühl-Duft und Geschmack. Sie hüllt mich ein, tröstet sogar. Ein bisschen früher, ein gutes Stück Geborgenheit. Doch an ihr scheiden sich auch die Geister. Manche verbinden mit dem Geschmack Krankheit und Unwohlsein – so kann es gehen – aber wer gerne Kamille mag, weiß was er kriegt und soll auch wissen, dass es gute Kamille ist.

Nahezu ganze Blüten, keine geschredderten Teebeutel-Blüten sorgen für ein volleres Aroma und eine längere Lebensdauer.

Bevor es jetzt zu sehr nach Werbung klingt, gibt’s noch ein paar schöne Bilder und ein einfaches Tee-Rezept. Mehr braucht es eigentlich gar nicht.

 

Wir empfehlen 3 EL Kamillenblüten auf 1 L Wasser.

Dazu das Wasser richtig aufkochen, die Blüten in eine Teekanne geben und mit dem kochenden Wasser übergießen. Nun abgedeckt ca. 10 Minuten ziehen lassen. Dann am besten durch ein Teesieb / Teenetz abseihen, da die einzelnen Blüten sehr fein sind und sich sonst ihren Weg ins Trinkgefäß bahnen.
Lässt man ihn länger ziehen, verstärkt sich dir Geschmack, wird etwas blumiger, aber auch ein gutes Stück herber – wie das so häufig mit Tee passiert.

Kann man gut einfach so trinken, aber schmeckt auch hervorragend mit einem kleinen Löffel Honig. Die beiden treffen sich irgendwo im blütigen Geschmack und die Süße nimmt die leichte Bitterkeit auf. Sehr fein. So vergehen auch noch die letzten kalten Tage etwas erträglicher.

 

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

 

Feinstaubarmer Jahreswechsel

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Pünktlich zum Jahreswechsel erreichte uns eine E-Mail, wie man ein bisschen auf die Umwelt achten könnte, wenn man denn schon Silvester feiert.

Wir präsentieren:

 

Feinstaubarmer Jahreswechsel

 

Mikrofoto 1: Bei Zündung der Kristallschopfzystiden an den Lamellenschneiden von Strobilurus esculenteus (Fichtenzapfen-Rübling) kommt es nur zu miniminiminimalen Feinstaubbelastungen, da eine Zündung praktisch unmöglich ist und diese dann einfach auch gar nicht erst versucht werden sollte.

 

 

Mikrofoto 2: Die Sporen von Ciboria batschiana (Braunes Eichelbecherchen), wie überhaupt alle Sporen, stellen aufgrund ihrer geringen Größe von nur einigen Mikrometern einen Teil unseres Bio-Feinstaubs dar: allergische Reaktionen gegen diesen natürlichen Feinstaub sind uns nicht bekannt. Vielleicht wären Sporenfeuerwerke eine Möglichkeit für einen umweltfreundlichen Jahreswechsel……..

 

 

Unsere Vorschläge wollten wir eigentlich früher beim Mikrokosmos einreichen. Aber Feinstaub bleibt ja auch in der Zukunft ein Riesenproblem.

PEACE FOR THE PLANET wünschen Eva und Lothar

Ein frohes neues Jahr Euch!

 

 

Auch wir von Heuschrecke wünschen ein frohes Neues Jahr!

Bis bald!

 

 


Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.

Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

Joshuas Gewürzreise: Kurkuma

 

Kurkuma ist ein interessantes Gewürz: Kennt man keinen guten, dient er nur zur Färbung. Frisch schmeckt er nochmal deutlich fruchtiger, aber gutes getrocknetes Pulver hat noch ein bisschen verbleibende Frische, gepaart mit einer schönen Erdigkeit und einer leicht bitteren Note. Dazwischen finden sich noch süßliche, holzige und leicht scharfe Noten. Und man denkt natürlich direkt an eins: Currypulver. Das verwundert gar nicht: In vielen Currypulvern ist er ein grundlegender Bestandteil und gibt ihm die prominente Farbe. Doch nicht nur zur Farbgebung ist er in der Gewürzmischung. Er hat Aspekte von vielen anderen Bestandteilen und sorgt somit als wichtiges Verbindungsstück zwischen ihnen.
Wenn man Kurkuma zum Färben benutzen möchte, kann man ihn zum Beispiel ins Kochwasser geben, eine Prise zum Nudelteig geben oder sogar die Vanillesauce damit einfärben, um ihr eine schöne gelbliche Note zu geben. Doch Vorsicht: Verwendet man zu viel Kurkuma, schmeckt das Essen schnell bitter.
Für mich ist Kurkuma in der kalten Zeit genau richtig: Er wärmt, im Tee schmeckt er toll und der komplexe Charakter passt gut zu fettigeren Speisen und Wintergemüse. Nicht zuletzt werden ihm starke Immunsystem-unterstützende Eigenschaften nachgesagt, das kann also gar nicht schlecht sein.

Wichtiger Hinweis: Kurkuma eignet sich nicht nur zur Färbung von Speisen, sondern auch von Händen und Geschirr. Einfach mal schön mit dem Pulver einreiben, das hält manchmal Tage!

Aber auf zu einer Reise mit Kurkuma. Trotz der klaren Verbindung zur indischen Küche, halte ich mich hier fern ab von jeglicher Tradition. Dals, Curries und Biryanis sind toll, aber ich möchte etwas anderes machen!

 

 


Kurkuma Milch

Genau das richtige für schönen, kalten Herbsttage. Sorgt für das gemütliche, warme Körpergefühl. Durch die Zitrone ist alles etwas leichter und hinterlässt keinen trägen Nachgeschmack.

Zutaten:

  • 5 Nelken
  • 8 g Ingwer
  • 5 Pimentkörner
  • 10 Pfefferkörner
  • 1.5 TL Kurkuma
  • 1 EL Honig
  • 1 großes Stück Zitronenschale
  • 50 ml Kokosmilch
  • 150 ml Reismilch
  • 300 ml Sojamilch

 

Zuerst die großen Gewürze im Topf erhitzen, sodass sie ihren Geschmack entfalten: Gewürznelken, Piment und Pfeffer. Dann kommen die restlichen Zutaten ins schöne Warme. Kurz aufkochen lassen, dann auf niedriger Hitze mindestens 20 Minuten ziehen lassen. Länger tut auch niemandem weh. So können sich die Geschmäcker voll entfalten und das ist gut.

 

 

Kürbissuppe

Fruchtig, leicht scharf, schön wärmend und leicht erdig. Der Kurkuma unterstützt alle diese Elemente.

 

Zutaten:

  • 1/2 Butternut Kürbis
  • 1/2 große Zwiebel
  • 1 kl. Stück Ingwer
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 Möhre
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 50 g Knollensellerie
  • 1/2 EL Honig
  • 1 TL Bockshornklee
  • 1 TL Kurkuma
  • 1 Prise Muskatnuss
  • 1 bisschen Orangenzeste
  • Saft einer 1/2 Orange
  • 100 ml Kokosmilch
  • 600 ml Wasser
  • Chili, Salz, Pfeffer

 

Den Kürbis längs halbieren, mit Öl und Salz bestreichen und bei 200 Grad Umluft mit Grill ca. 35 Minuten garen lassen oder bis er weich und angeröstet ist. In der Zeit das restliche Gemüse schneiden, den Bockshornklee rösten und mahlen und dann auch noch das Gemüse in folgender Reihenfolge andünsten: Zwiebeln → Ingwer, Knoblauch → Rest. Trotz der vielen warmen Dinge einen kühlen Kopf bewahren. Dazu kommt Chili, Kurkuma, Honig und natürlich Salz. Wenn es gut riecht und schön aussieht, den Kürbis aus seiner Schale in den Topf löffeln, Wasser dazu geben und ca. 15 Minuten köcheln lassen, bis alles Suppengarheit erreicht hat. Als Nächstes kommt alles in den Miiiiiixer, dazu Kokosmilch, Orangensaft und Orangezeste und Muskatnuss. Pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Idealerweise mit Kürbiskernöl, selbst gerösteten Kürbiskernen und einer Prise der Gewürze für die schöne Dekoration garnieren, servieren und mangieren.

 

 


Kichererbsen Kurkuma Fatté

Ok, ganz kurze Geschichte. Dieses Gericht habe ich vor Kurzem in einem kleinen libanesischen Restaurant gefrühstückt und war begeistert. Hier ist aber meine Version, ergänzt um Kurkuma und andere Kleinigkeiten, die alles etwas komplexer und komplizierter machen, als es sein müsste. Aber auch saulecker.

 

Zutaten:

Kichererbsen

  • 350 g Kichererbsen
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 Karotte
  • 1 Zwiebel
  • 2 Z. Knoblauch

 

Backofenkichererbsen

  • 150 g Kichererbsen
  • 2 EL Öl
  • 1 TL Kurkuma
  • 1 TL Cumin
  • Chili und Salz

 

Brot

  • 1-3 Pitabrot(e), je nach Größe
  • Öl mit hohem Rauchpunkt
  • Cumin, Salz

 

Joghurt

  • 200 g Joghurt
  • 1 TL Kurkuma
  • 1/2 TL Cumin
  • 2 TL Tahini
  • 1 Spritzer Zitrone
  • 1 Z. Knoblauch
  • Salz

 

Garnieren

Kurkuma, Mine, Petersilie, Olivenöl, Salz, Pfeffer

 

Das ist mal ‘ne Liste. Aber nicht davon abschrecken lassen, das wird gut.
1. Schritt: Am Tag zuvor die Kichererbsen in kalten Wasser einweichen.
2. Schritt – Kichererbsen: Gemüse sehr grob schneiden und mit viel Wasser und den Kichererbsen ca. 30-35 Minuten kochen, bis sie weich, aber nicht matschig sind.
2. Schritt – Backofenkichererbsen: Haha, 2 2. Schritte. Beides braucht etwa gleich lang. Also los: Kichererbsen mit Gewürze und Öl vermengen, den Backofen auf 200 Grad Umluft erhitzen und die Kichererbsen auf einem Backblech rösten.
3. Schritt – Joghurt: Die Knoblauchzehe zermatschen, auf die präferierte Art. Ich mache das mit einem Messer und etwas Salz. Dann mit den Gewürzen und dem Joghurt vermengen und mit Salz, Pfeffer und Zitrone abschmecken.
4. Schritt – Brot: Das Öl erhitzen auf ca. 160 Grad. Es braucht kein Frittieren sein, es reicht auch ca. 1 cm in einer Pfanne. Das Pitabrot darin schön braun frittieren, ca. 2 Minuten. Auf ein Stück Küchenrolle geben und mit Cumin und Salz bestreuen.
5. Schritt – Komposition: Nach unten kommt das Brot, darauf die gekochten Kichererbsen und eine schöne Schicht Joghurt. Das ist quasi das Minimum. Jetzt noch 1-2 EL Backkichererbsen, frisch-gehackte Pflanzen, etwas Olivenöl, Salz, Pfeffer und Gewürze. So wird aus gut richtig gut. Guten Appetit!

 

 

Kurkuma Pflaumen Milchreis

Der 37. Milchreis in der Gewürzreise. Immer noch nicht langweilig, oder?

 

Zutaten:

  • 150 g Reis
  • 250 g Milch
  • 1 TL Kurkuma
  • 3 Gewürznelken
  • 1 Prise Vanille
  • 150 g Pflaumen

 

Reis und Milch aufkochen und die Gewürze dazu geben. Wenn der Reis fast fertig ist, die Pflaumen dazu geben, sodass sie ihre Konsistenz behalten können.

Pro Tipp: Wenn man möchte, dass die Kurkuma-Farbe gut zur Geltung kommt, sollte man nicht braunen Reis dazu mischen…

 

 

So. Das war’s schon wieder. Was haben wir dieses Mal gelernt?

Kurkuma passt toll zu Milch. Fett und Süße runden die herben Noten gut ab und erschaffen eine wunderschöne Balance, die sowohl zu süßem als auch zu herzhaftem passt.

Während Kurkuma und Curry zusammen gehören, kann man mit Kurkuma auch so wunderbar kochen. Man kann auch tollte Curries OHNE Kurkuma machen. Verrückte Welt.

Falls Euch noch mehr einfällt, schreibt mir gerne.

Bis dahin, schöne kalte Tage mit viel Gemütlichkeit und Wärme.

 

 


Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu

Mehr zu dem anderen hier.

Loser Tee ist guter Tee

 

 

Berührung

 

Am Anfang steht die Naturkost – Bewegung. Ihre Pioniere versuchten in einer Welt, die schneller, industrieller und abstrakter wurde, der Natur wieder näherzukommen und sich wieder mehr selber zu spüren – auch, einen faireren Umgang (in der ganzen Prozesskette) untereinander zu finden. Dazu versuchten sie, ihre Nahrung möglichst natur-echt zu belassen. Es war eine sehr idealistische Bewegung, mit klaren Ideen und Zielen. Man schätzte Natur und Lebensmittel und versuchte, mit ihnen im Einklang zu leben.
Mittlerweile hat sich einiges verändert: Die Branche ist gewachsen und so überhaupt erst zu einer Branche geworden. Zwar steht Nachhaltigkeit natürlich immer noch auf der Ordnung, aber der Konsum und Alltag hat auch hier Einzug gefunden.
Die Einfachheit der Nahrung ist zu einer Einfachheit in der Nahrungszubereitung geworden: Convenience-Produkte sind auch im Bioladen überall vertreten, Verpackungen sind mannigfaltig und viele Trendprodukte im Bioladen haben nicht mehr viel mit ihrer ursprünglichen Form zu tun.
Wozu die Geschichte? Wir wollen uns gar nicht so vor dem Wandel verschließen. Teebeutel und andere Verpackungen können praktisch sein, genau wie Fertig- und Ersatzprodukte. Leider geht damit auch die Berührung mit den alten Werten verloren, allen voran die Berührung mit der Natur und die Berührung (durchaus auch haptisch gemeint) zu den “echten” Lebensmitteln. Nun haben viele Lebensmittel einen standardisierten, “bekannten” Geschmack und lange Zutatenlisten, wo der ursprüngliche Geschmacksgeber spät oder gar nicht mehr zu finden ist. Einher geht ein schleichender Qualitätsverlust, der begrüßt wird, weil die Produkte somit “simpler” schmecken.
 
  • Es gibt einen Grüntee, der wie ein Grüntee zu schmecken hat.
  • Man versucht Sojabohnen nach Käse schmecken zu lassen
  • Es gibt Kartoffelbrei aus der Tüte.
 
Öfter haben wir schon Nachricht bekommen, dass ein naturbelassenes Produkt “merkwürdig” schmecke, und sich am Ende herausstellt, dass das einfach der natürliche Geschmack des hochwertigen Produkts ist.
Dieser Fortschritt ist faszinierend, teilweise ganz wunderbar. Wir freuen uns über neue Geschmäcker, es ist manchmal sogar gut, (natürliche) Aromen zu entwickeln, um den Geschmack zu erhalten (s. Vanille bei der derzeitigen Preisentwicklung), aber wir freuen uns noch mehr über die “alten”, ursprünglichen Produkte, die oft unvergleichlich komplexer sind. Bei Kaffee und auch bei Bier ist es mittlerweile angekommen, dass es wundervolle Nuancen gibt, wenn man gute Produkte nimmt und diese vorsichtig verarbeitet.
Aber genug von den alten Erzählungen und abstrakten Vergleichen. Hier geht es ja um Tee.
 
Wir haben zum konkreten Vergleich mal Beuteltee aus der Naturkost – Branche eingekauft und uns näher angeschaut. Zum Vergleich unserer loser Tee. Schaut doch erstmal:
 

 

Keltische Blüten, lose
Unsere “Keltischen Blüten”
 
Unser “Darjeeling Supreme Phoobsering 2. Flush”

Hibiscus-Blüten
 
 
Was uns auffällt und was wir anprangern (auch nicht zum ersten Mal, oder?): Beuteltee ist fein gehäckselt, manchmal fast zu Staub. So verliert er schneller an Geschmack (Oxidation an den Schnittkanten) und häufig wird niedrigere Qualität verarbeitet. Halt, das greift schon auf ein anderes Thema vor.
 
Wir fassen gerne an, was wir essen. Das gilt für Gewürze, Tees und frische Lebensmittel. Man kann sehen, was drin ist, man kann sogar sehen, wie die Zutaten aussehen, sie riechen und ertasten. Die Hände lernen, wie man davon dosiert.
Es ist schön zu wissen, was wir zu uns nehmen und es ist noch schöner, es nicht nur auf der Rückseite zu lesen, sondern es mit den eigenen Sinnen wahrzunehmen. So lernt man eine Menge, kann die Produkte einschätzen und verstehen. Dann macht Kochen und Essen gleich viel mehr Spaß.
 
Also: Schaut Euch mal genauer an, was Ihr zu Euch nehmt. Versucht mal, Euer Lieblings-Fertigprodukt selber zu machen, gönnt Euch guten, losen Tee oder ungemahlenen Kaffee. Probiert mal Gemüse ohne maskierende Würzung, um herauszufinden, wie es schmeckt und um beurteilen zu können, was gut ist. Es ist immer Zeit für Einfachheit, aber manchmal braucht es mehr Berührung.
 
 

 

 

Qualität und – ja, Schönheit.

 
Kamillenblüte aus Teebeutel; Rechts – Kamillen-Röhrenblüte aus unserem losen Kamillentee aus ganzen Blüten
 
Der Grund, weshalb wir nur losen Tee handeln – und dies gerne so grobblättrig oder ganzblütig wie möglich – ist der bessere Schutz der Inhaltsstoffe. Größere Flächen bedeuten weniger Bruch- und Schnittkanten, wo immer Oxidation stattfindet und Inhaltsstoffe, z.B. ätherische Öle wie auch Farben, verloren gehen.
Die Biologin und Pilzsachverständige Eva Wandelt hat für uns eine mikroskopische Untersuchung gemacht. Objekte: Gute Nacht Tee, China Gyokuru Grüntee und Rose Galgant Basentee in loser Form von HEUSCHRECKE (extra knapp am MHD ausgewählt), sowie Nacht Tee-Beutel konv., Nacht Tee-Beutel bio, Fastentee-Beutel bio und Sencha Grüntee-Beutel bio aus dem Handel.
Hier nun Evas Bericht:
 
 

Die Fragestellung:

Kann man über mikroskopische Untersuchungen an Pflanzenteilen von HEUSCHRECKE lose verpackten, grobblättrigen Tees und fein zerkleinerten Teebeutel-Inhalten Aussagen über die Qualität oder Konzentration von pflanzlichen Inhaltsstoffen in den verwendeten, getrockneten Pflanzen machen?

Wenn man nicht direkt die Konzentrationen an ätherischen Ölen in den Pflanzen misst, sind nur einige indirekte Aussagen möglich.

Alle Tees (die Teebeutel wurden geöffnet) wurden ca. 5 Stunden in Brunnenwasser zum Quellen eingeweicht und dann mikroskopiert. (Fotos : t01, t02 )

 
 
t01: Nachttee lose und Teebeutel in Brunnenwasser ca. 1 Stunde eingeweicht.
t02: Loser Tee Gute Nacht ca. 1 Std. in kaltem Brunnenwasser eingeweicht.
t02b: Gute Nacht Tee lose: Kornblumen-Blütenblatt 400x vergrößert.
t02b2: Lose Tees und Teebeutel ca. 12 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
t02b3: Lose Tees und Teebeutel ca. 24 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
 
Bereits bei Inaugenscheinnahme der Einweichschälchen konnte festgestellt werden, dass die losen Tees bunt gefärbt waren, die einzelnen Bestandteile waren gut mit bloßem Auge zu erkennen, z.B. ganze Rosenblüten, ganze Kornblumen. Der lose fermentierte Grüntee ist auch eingeweicht wesentlicher heller grün als der Teebeutel-Grüntee, dessen Färbung von Anfang an ins Grün-Braun-Olive geht. (Fotos: t02b2 nach 12 Std., und t02b3 nach 24 Std.)
 
 
t02c: Nacht-Teebeutel konventionell: vollständige Kamillenblüten 40x vergrößert.
t02d: Nacht-Teebeutel konventionell: nicht identifizierbare Pflanzenstückchen (oval – vielleicht Lavendel) 40x vergrößert.
t02e: Gute Nacht Tee lose: Ausschnitt Lavendel (behaart) 40x vergrößert
t02f: Gute Nacht Tee lose: Lavendelblüten-Haarzelle mit hellviolettem Farbstoff 400x vergrößert.
t02g: Gute Nacht Tee lose: Melissen-Blattzellen mit Blattgrün 400x vergrößert.

t02h: Nacht-Teebeutel bio: sehr klein zerrissene Pflanzenteile 40x vergrößert.

t02i: Nacht-Teebeutel konventionell: Kamillen-Pollen staubfein 400x vergrößert.
 
 
Trotz Quellung reicht die Spannung der eingeweichten Tees nicht aus, um Dünnschnitte für eine mikroskopische Untersuchung anzufertigen, deshalb wurden immer ganze Teile, etwas gequetscht, auf den Objektträger gelegt. Anfärbemittel wurden nicht verwendet, um in den Pflanzenteilen vorhandene Farbstoffe sichtbar machen zu können. (Foto: t03)
Die enthaltenen Farbstoffe in den Zellen der losen Tees liefen nicht aus, denn sie befanden sich in immer noch weitgehend intakten Zellen (siehe blau im Kornblumenblütenblatt, hellviolett in Lavendelblütenhaarzellen). Auch die Farbstoffe in zarten Rosen- oder Veilchenblütenblättern waren deutlich zu sehen. Zudem schien das Pflanzengewebe intakt zu sein. (Foto t02f und t02e und t02b und t02g)
Solche Farbstoffe wurden in den weitgehend bräunlich-grünlichen oder eher farblosen Bestandteilen – eigentlich passt der Begriff „verwelkt“ dazu am besten – , die kaum genauer identifiziert werden konnten in den sehr kleinteiligen Teebeuteltees, nicht gefunden (Foto t02h und t02d), wohl aber die Reste von wahrscheinlich Ölbehältern in Pfefferminzblättern im Fastentee-Beutel bio. (Foto t06c)
Im Nacht-Teebeuteltee konv. waren die Pflanzenteile stark zerkleinert, aber die winzigen Röhrenblüten der Kamille waren noch als ganze sichtbar und Kamillenpollenkörner waren auch so feinstaubfein, dass sie nicht mehr Opfer einer maschinellen Zerkleinerung werden konnten. Sie sind ja auch nur einige Mikrometer klein. (Foto t02c und t02i)
Der grüne Farbstoff (Chlorophyll) in grünen Blättern war in den losen Tees leuchtend grün, in den Teebeuteltees opak braungrün, aber gut zu sehen.
 
 
t03: Blütenblätter-Stückchen von Veilchen, Rose, Kornblume in Wasser auf einem Objektträger.
t04b: China Gyokuro Grüntee lose: Blatt-Aufsicht, Blattgrün 40x vergrößert.
t04c: Sencha Grün-Teebeutel bio: Blattstücke opak-blaugrün 40x vergrößert.
 
 
Loser China Gyokuru und Sencha-Teebeuteltee wurden unter genau identischen Bedingungen mikroskopiert: der lose erstrahlt in frischem Grün (Foto t04b), der Teebeutelinhalt hat eine matte Färbung (t04c). Mit etwas Vorsicht könnte man den Schluss ziehen, dass die enthaltenen Farbstoffe in den losen Tee-Zellen darauf hindeuten, dass auch andere, ohne intakte Zellwände eher flüchtige Inhaltsstoffe, also die, weshalb der entsprechende Tee ja getrunken wird, in größerer Menge vorhanden sind als in den vielfach gebrochenen Zellen von fein zerkleinerten Tees.
Farbstoffe und Blattgrün in den Zellen, die im Mikroskop zu sehen sind, sind sozusagen zusätzlich dabei.
Sowohl Chlorophyll wie auch die meist zu den wasserlöslichen blauen bis roten Anthocyanen zählenden Farbstoffe vieler Blüten gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen, deren gesundheitsfördernde Wirkungen mittlerweile unbestritten sind, obwohl ihr genauer Wirkmechanismus noch nicht bekannt ist. So konnte ich z.B. nicht herausfinden, ob verblasste Farbstoffe, wie die in den Teebeuteln, überhaupt noch wirksam sind. Sicher führt die Trocknung zu Wirkstoffverminderungen. Klar ist auch, dass viele sekundäre Pflanzenstoffe hitzeempfindlich sind. Erhitzt werden aber sowohl die losen Tees wie auch Teebeuteltees. Kürzlich erst durchgeführte Untersuchungen mit Anthocyanen, die in Gemüse und Obst in viel größeren Mengen als in getrockneten Blättern vorhanden sind, zeigen, dass diese offenbar in erheblichem Umfang bereits im Mund, wahrscheinlich durch Bakterien umgebaut werden. Vielleicht sind sogar diese Abbauprodukte, die dann in den Körper gelangen, eher biologisch aktiv als die eigentlichen sekundären Pflanzenstoffe: neue Forschungsfelder tun sich auf.
 

t06c: Fastentee-Teebeutel bio: wohl Pfefferminzblatt-Ölbehälter 100x vergrößert
t06d: Rose-Galgant-Basentee lose: Reste von Schraubentracheiden hängen aus einer Abrissstelle eines Rosenblütenblatts 400x vergrößert.

 

An manchen Bruchstellen von Wasserleitungsbahnen schnellen übrigens wie schraubig ausgerollte Federn, Reste von Schraubentracheiden aus den gequollenen Blattbruchstückchen heraus, deshalb habe ich noch ein solches Mikrobild angehängt (Foto t06d).
 
Eva Wandelt
Biologin und Pilzsachverständige (DGfM)
 
 
 
Fotos:
t01: Nachttee lose und Teebeutel in Brunnenwasser ca. 1 Stunde eingeweicht.
t02: Loser Tee Gute Nacht ca. 1 Std. in kaltem Brunnenwasser eingeweicht.
t02b2 Lose Tees und Teebeutel ca. 12 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
T02b3 Lose Tees und Teebeutel ca. 24 Stunden in Brunnenwasser eingeweicht.
t03: Blütenblätter-Stückchen von Veilchen, Rose, Kornblume in Wasser auf einem Objektträger.
t02b Gute Nacht Tee lose: Kornblumen-Blütenblatt 400x vergrößert.
t02c Nacht-Teebeutel konventionell: vollständige Kamillenblüten 40x vergrößert.
t02d Nacht-Teebeutel konventionell: nicht identifizierbare Pflanzenstückchen (oval – vielleicht Lavendel) 40x vergrößert.
t02e Gute Nacht Tee lose: Ausschnitt Lavendel (behaart) 40x vergrößert.
t02f Gute Nacht Tee lose: Lavendelblüten-Haarzelle mit hellviolettem Farbstoff 400x vergrößert.
t02g Gute Nacht Tee lose: Melissen-Blattzellen mit Blattgrün 400x vergrößert.
t02h Nacht-Teebeutel bio: sehr klein zerrissene Pflanzenteile 40x vergrößert.
t02i Nacht-Teebeutel konventionell: Kamillen-Pollen staubfein 400x vergrößert.
t04b China Gyokuro Grüntee lose: Blatt-Aufsicht, Blattgrün 40x vergrößert.
t04c Sencha Grün-Teebeutel bio: Blattstücke opak-blaugrün 40x vergrößert.
t06c Fastentee-Teebeutel bio: wohl Pfefferminzblatt-Ölbehälter 100x vergrößert.
t06d Rose-Galgant-Basentee lose: Reste von Schraubentracheiden hängen aus einer Abrissstelle eines Rosenblütenblatts 400x vergrößert.
Fotos: (c) Eva Wandelt
 
 
 

 

 
Kamille, Röhrenblüte mit orangener Narbe, erblüht. 40x vergrößert
Unsere stolze Kamille
Kamille, ganze Körbchen, 12 Std. eingeweicht
 
Um Kamille so schön mit ganzen Blütenköpfchen hinzubekommen, hat unser Kamille-Bauer aus Kroatien seinen höchst geheimen, selbst entwickelten Maschinenpark. Denn wenn sie während des Trocknens und Sortierens nicht wie ein rohes Ei behandelt wird, zerfällt sie sofort.
Beim Geschmack scheiden sich die Geister, er ist vielschichtig mit süßlichen wie bitteren Noten und passt zum Beispiel gut zu Schwarztee (Tipp: wer Kamille pur nicht mag – mit Darjeeling o.ä. mischen).
Von den Inhaltsstoffen her ist sie ebenfalls eine ziemliche Generalistin und deshalb seit Jahrhunderten ein bewährter Haustee.
 
 
 
Kamille, junge Röhrenblüten mit Samenanlagen und Staubbeutel. 40x vergrößert.

 

Bei unseren Recherchen für „Loser Tee versus Teebeutel“ hatte Eva Wandelt eine Röhrenblüte der Kamille aus einem Teebeutel unter dem Mikroskop fotografiert – eine hübsche Form, die aber jegliche Farbe verloren hatte – und war neugierig, wie sich unsere Kamille zeigt.
Tatsächlich sieht sie „heiler“ und komplexer aus mit ihren gelblichen Farbstoffen, die noch vorhanden sind. Interessanterweise hat sie insgesamt in ihren Strukturen eine vollständigere Anmutung.
 

Kamillen-Röhrenblüte, orange Narbe. 40x vergrößert.

 

Eine kleine Schönheit, wenn man mal so tief hineinschauen darf. Eva Wandelt schreibt noch zu dieser Kamille-Serie: „In Euren Teetüten sind zwar ganze Blüten, wie bei den anderen auch, aber korrekter müsste es heißen: ganze Körbchen, das ist nämlich ein kompletter Blütenstand, bestehend aus einem Kranz steriler weißer Zungenblüten und den fertilen gelben Röhrenblüten. Auf meinen Fotos sind eigentlich nur die Blütenblätter der Röhrenblüten, die Samenanlagen passen nur bei den jungen noch unaufgeblühten Blüten mit auf das Foto.“
 

Kamille, Röhrenblüte. 40x vergrößert.

 


 

Und was sagt Ihr?

 

Teeverkostung auf der Weiling Messe

Weiling Messe, Coesfeld – Nachdem wir in den sozialen Medien eine kleine Aktion über losen Tee versus Teebeutel gefahren sind, mussten wir das natürlich auch in die Tat umsetzen. Das war für uns sehr spannend, da wir nicht abschätzen konnten, wie die Bio-Ladner darauf reagieren würden. Könnten sie dem folgen, sähen sie auch einen Unterschied oder wäre das alles für sie ein großer Quatsch.
 
 
Das waren wir!
 
 
Wir haben zwar selber schon über den besseren Geschmack berichtet und die Absicht unseres Versuchs lag auf der Hand, aber wir glaubten, dass es einen Unterschied machen würde, die Kunden selber mal Testen zu lassen. Es mal auf der eigenen Zunge zu erleben brennt sich einfach besser ins Gedächtnis ein, als bloß auf irgendeinem Blog darüber zu lesen. Wir hoffen, dass das Ergebnis dazu führt, das man einfach keine Lust mehr auf Teebeutel hat.
So viel also zur Theorie. Hier sind ein paar der Zitate (und Fotos):
 
 
 
Das ist ja wie Tag und Nacht
 
 
 
Ohne Scheiß kann man wirklich sagen, dass der lose Tee deutlich kräftiger und würziger ist und die Teebeutel ein bisschen luschiger.
 
 
 
Der Unterschied – das war nicht nicht zu merken
 
 
Der ist sehr weich und vollmundig ( (über losen Tee: Brennnessel von Heuschrecke. Brennnessel mag eigentlich niemand wirklich gern, diesen aber schon!)
 
 
Nochmals vielen Dank an alle, die uns besucht haben. Es war uns eine große Freude!
 

Joshuas Gewürzreise: Baobab

Normalerweise isst man Früchte ja ganz. Bei Baobab ist das anders. Die Frucht des Affenbrotbaumes trocknet über den Sommer so stark aus, dass man sie einfach aushöhlen und dann mahlen kann – schon hat man das fertige Pulver.

Und was für ein Pulver es ist: In den letzten 10 Jahren gab es eine Menge verschiedener Superfood-Hypes. Manche  haben ihr Versprechen (einigermaßen) gehalten, andere stellten sich eher als gutes Marketing heraus. Baobab fällt auch irgendwo darunter, auch wenn es nicht ganz so laut gerufen wird, wie vielleicht manch anderes Produkt. Dabei ist das Pulver tatsächlich ziemlich gesund: Mit einem immens hohen Vitamin-C-Gehalt und viel Calcium, Eisen,  Antioxidantien und Ballaststoffen ist ein regelmäßiger Konsum sicherlich eine Bereicherung. In der Literatur finden sich viele weitere Beispiele über die gesundheitlichen Pluspunkte der Baobab-Frucht.

Interessanterweise liegt der Großteil der Ballaststoffe als Pektin vor, das wiederum als Andickungsmittel dienen kann, was wir uns später ein bisschen zu Nutzen machen werden…

Jetzt aber erstmal genug von diesem chemischen-wissenschaftlichen Wichtiggetue. Wie schmeckt es denn?

Angenehm sauer, ein bisschen fruchtig, ein bisschen tropisch. Es erinnert ein bisschen an Zitrone durch die Säure, mich ein bisschen an den sauren Teil der Ananas und es hat einen GANZ feinen erdigen Geschmack. Also insgesamt gar nicht so schlecht – ja sogar ganz spannend. Man kann also auch damit kochen, wenn man nicht rein am gesundheitlichen Geschmack der Frucht interessiert ist – was ja ganz gut ist für mich und diesen Blog. Schauen wir mal was wir damit machen können.

Weil Baobab ja den gewissen Superfood Hype hat, lasse ich mich dieses Mal von verschiedenen COOLEN Foodtrends inspirieren. Ein bisschen Hipster, ein bisschen vegan, aber definitiv gut genug, um es auch ohne Instagram Account mal auszuprobieren.

 

Smoothie-Bowl

Da fängt es schon an, oder? Es gibt bestimmt schon 1000 Varianten von Baobab-Smoothie-Bowls, aber das hier ist meine. Und wer noch nie eine gemacht hat, der kann sich mal an seiner versuchen. Die Säure des Baobab-Pulvers sorgt für eine angenehme Frische, die die Schale zum Leben erweckt. Gesund ist es alle Male.

 

Zutaten:

  • 150 g Spinat
  • 100 g gefrorene Blaubeeren
  • 1 Apfel
  • 1 Banane
  • 1 kleines Stück Ingwer
  • 1.5 EL Baobab
  • 150 – 200 ml Wasser
  • Toppings nach Wahl

 

Alle Zutaten in einen Mixer geben und wie einen Smoothie gut pürieren. Der Unterschied ist lediglich, dass etwas weniger Wasser drin ist und es statt in einem Glas in einer Schale mit Toppings serviert wird. Bei mir gab es unter anderem: Birne, Banane, Trauben, diverse Saaten und Kerne und gepufften Amarant. Plündert den Vorratsschrank und schaut, was Ihr da habt. Sieht schön aus und schmeckt auch noch.

 

(Vegane) oder auch nicht exotische Burger

Meine Burgerbrötchen wären gerne vegan, sind es aber nicht. Mayo muss auch sein, schmeckt mir gut. Ansonsten aber vegan – vermutlich.

Zutaten:

Brötchen

  • 325 g Weizenmehl Typ 550
  • 150 g Milch
  • 40 g Butter / Margarine
  • 1/2 Päckchen Hefe
  • 1 EL Zucker
  • 1 Ei
  • 5 g Salz
  • Sesam und Schwarzkümmel

Burger

  • 150 g Zwiebeln
  • 200 g rote Beete
  • 200 g Süßkartoffel
  • 200 g Kartoffel
  • 1 Dose schwarze Bohnen
  • 60 g Kokosflocken
  • 1 EL Koriandersamen, gemahlen
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1.5 EL Baobab-Pulver
  • 2.5 TL Cayenne
  • 200 g Reismehl
  • Salz & Pfeffer

Mayonnaise

  • 1 Ei
  • 1 TL Senf
  • 1 TL Zitronensaft
  • 150 ml Sonnenblumenöl
  • 1.5 TL Baobab
  • Eine Spitze frische Habanero

 

Erstmal die Burgerbrötchen vorbereiten

Hefe mit dem Zucker und der Milch (Ich nehme eine Mischung aus Hafer- und Sojamilch) vermengen und 10 Minuten stehen lassen. In der Zeit die Butter oder Margarine schmelzen. Dann alle Zutaten in einer großen Schüssel vermengen und ca. 10 Minuten kneten. Nach 5 Minuten 5 g Salz dazu geben. Bei eingeschaltetem Backofenlicht mindestens 30 Minuten gehen lassen, 1-2 Stunden sind besser. Dann zu 2-4 Brötchen-Kugeln formen und diese für weitere 30-60 Minuten gehen lassen. Mit einer Mischung aus Ei und Milch bestreichen und die Samen darüber streuen. Bei 180 Grad 15-25 Minuten, abhängig von der Größe backen. Schmeckt einfach toll.

 

Burger machen

Es ist definitiv mehr Arbeit als Fleisch zu kaufen, schmeckt aber auch ganz anders. Die angegebene Menge reicht locker für 6 Personen.

Der Geschmack ist süßlich, durch das Baobab aber gut ausbalanciert. Schmeckt etwas tropisch und könnte auch gut mit Ananas (wer sowas mag…) gegessen werden. Wer es etwas herzhafter mag, kann ca. 1 EL Miso hinzugeben. Die Konsistenz ist etwas zu weich, für meinen Geschmack.

Als ganzer Burger schmeckt es aber sehr fein, eine leichtere Alternative zum Klassiker.

Also kochen: Die Zwiebeln mit Olivenöl anbraten und ca. 15 Minuten auf niedriger Hitze köcheln lassen. In der Zeit in einem Food Prozessor die rote Beete und die Süßkartoffel fein häckseln. Die Kartoffeln habe ich gekocht und dann fein gepresst. Dann alles in einer großen Schüssel gut vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Braten mit den Händen formen und in einer Pfanne auf mittlerer Hitze anbraten.

 

Mayonnaise

Mayonnaise zubereiten kann unheimlich sein. Mit der richtigen Technik ist es allerdings trivial. Dafür braucht man einen Pürierstab und ein längliches Gefäß, das im Durchmesser kaum breiter ist als dieser. Darein gibt man ein Ei, Senf, Zitronensaft und Öl und lässt es für ca. 20 Sekunden stehen. Dann stellt man den Pürierstab in das Gefäß auf den Boden und fängt an zu pürieren. Nach ca. 30 Sekunden kann man den Pürierstab langsam anheben und bewegen und fertig ist die Mayo. Mit Salz, Baobab-Pulver und kleingehackter Chili abschmecken.

 

Anrichten

Das Burger anrichten kann entweder jeder selber machen oder man bereitet es vor: Brötchen aufschneiden, mit Mayo und ein bisschen Ketchup bestreichen. Bei mir gab es dazu dann Salat mit ein wenig Koriandergrün, dann die angebratene “Bulette”, Tomate, Zwiebelscheiben und Jalapeños.

Guten Appetit!

 

Veganer Himbeer-Baobab-Käsekuchen aus Cashews

Ein weiterer veganer Trend, der es in sich hat. Man könnte ihn auch Cashew-Kuchen nennen, aber das ist nicht so interessant. Dieser Käsekuchen ist mächtig, gewaltig, lecker und schön. Da gibt es bestimmt einen Vergleich zu einem/einer Person, aber den muss man schon selber finden. Es ist eine wirkliche Alternative zu einem Käsekuchen, von dem man nur ein Stück essen kann. Sieht auf jeden Fall toll aus – bin gespannt, wie er auf Instagram ankommt.

Zutaten:

Boden

  • 80 g Vollkorn-Kern-Brot
  • 4 Datteln
  • 30 g Walnüsse
  • 1 EL Olivenöl
  • Prise Salz

Cashew-Schicht

  • 300 g Cashews
  • 100 g Kokosfett
  • 200 ml Kokosmilch
  • 2 EL Ahornsirup
  • 1 TL Vanilleextrakt bzw. 1/2 TL Vanillepulver

Obere Schicht

  • 300 g gefrorene Himbeeren
  • 80 ml Wasser
  • 1 EL Baobab-Pulver
  • 1 EL Ahornsirup

 

Die Cashew-Kerne in genug Wasser über Nacht einweichen lassen oder für eine Stunde in heißem Wasser schnell einweichen.

Für den Boden einfach alle Zutaten – wieder mal (Wer kocht heute schon noch) – in einem Food Prozessor klein häckseln, dann in einer Form auf dem Boden andrücken.

Die eingeweichten Cashew-“Nüsse” mit den anderen Zutaten zusammen in einen Mixer geben und gut mixen. Gut heißt, mehrere Minuten, bis wirklich alles glatt püriert ist – zumindest in diesem Fall. Dann auf den Boden gießen und gleichmäßig verteilen. Für ca. 3-6 Stunden im Kühlschrank oder im Eisfach erkalten lassen, damit der Kuchen fest wird.

In der Zeit kann man mal über den Kuchen sinnieren. Hier kann man viel ausprobieren und herumtüfteln. Beim nächsten Mal werde ich die Kokosmilch durch etwas Leichteres ersetzen, wie z.B. Hafermilch. Auch könnte man in die Masse selbst noch anderen Geschmack geben, etwa das Baobab Pulver.

Oh. Schon fertig? Die gefrorenen Himbeeren, die man vergessen hat aufzutauen mit 80 ml kochendem Wasser übergießen, dann das Wasser in eine Pfanne abschütten. In besagte Pfanne noch 10 der Himbeeren geben, dazu das Baobab-Pulver (Nach Wunsch noch mehr) und den Ahornsirup (hier auch) geben und kurz aufkochen lassen. Beim Erkalten der Masse wirkt das Pektin und die Masse bekommt eine grützenartige Konsistenz. Damit den kalten Kuchen übergießen und schnell ein Foto machen. Dann ein Stück abschneiden und in Ruhe genießen. Die Arbeit ist geschafft, der Kuchen schmeckt fantastisch. Sich selbst auf die Schulter klopfen und dann den Kuchen teilen.

 

Das war’s für mich und Baobab. Ein spannendes Pulver, mit dem ich definitiv noch weiter herumprobieren werde. Ich stelle mir noch Pfannkuchen interessant vor oder das ein oder andere Salatdressing. Generell kann man es fast immer als Säurekomponente ins Essen geben, einfach mal ausprobieren.

Dabei wünsche ich viel Spaß! Bis zum nächsten Mal.

 

 


Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu

Mehr zu dem anderen hier.

 

 

 

 

Ohrenkuss: Wohnen

Auf dem Foto: Andrea Halder

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

 

Das aktuelle Thema ist Wohnen. Was bedeutet Wohnen, wo wohnt man, wie wohnt man, was braucht man, was man kann. Dazu haben die Autorinnen und Autoren viele Texte und Ausschnitte, Fragen beantwortet und vor sich hin sinniert.  Es ist einfach, es ist komplex, es ist oberflächlich und tiefsinnig – insgesamt eine Fülle von schönen, kurzen Texten. Das Ohrenkuss-Magazin ist jetzt erhältlich. Es ist wunderschön designt, ja eine kleine Freude des Alltags.

Wir wünschen, wie immer, viel Spaß!

 

Claudine Egli, diktiert

Wohnen ist das Leben. Und es macht Spass.

Wichtig ist, dass die Wohnung schön ist, dass es schön aussieht, dass schöne Sachen drin sind, Bücher. Und dass es Ruhe gibt, dass man nicht streitet. Und Frieden.

 

 

 

Wo man wohnt / wohnen möchte

 

Nora Fiedler, handgeschrieben

An liebsten oder mein Traum ist bei Arnoldstrasse 7 (Leben mit Behinderung WG) zu wohnen, da gib es kein Zeitruk und kein Stress nur ein wenig. Die sind alle selbsttändeg. Und es gib keiner bei einzumischen. In Arnoldstrasse 7 sind die bewonern richig nett auch seine Frau Mutter ist nett zu mir. Sie versteht spars wenn ihr es erkrlärt. Die liebe Meines Leben ist was besonderris für mich. Jeder hat ein Betreuer. Für sich einige von den haben aufgehört. ich finde es richtig schade und traurick Für die alle. Meine Sehnsucht oder die Fernbezijung ist wei der Regen drausen allein. Arnoldstrasse haben jeder 1 Zimmer für sich allein. Die sind zu 4. Ein gemeinschaftraum. 2 Badezimmern. 4 Zimmern. In der Mite mein Süsser. Mein Traum ist Dord zu whonen wo mein Mann ist. Ich Bin immer noch seine Trumfrau.

 

Verena Günnel, diktiert

Mein Traumhaus aus dieser Ort heißt Asgard, wo ich bald wohne, weil ich gewünscht habe. Ich versuch mehr Menschen kennen zu lernen, die neu sind, bevor ich da einziehen würde, das ist ein guter Anfang für mich, um wohlzufühlen und da zu wohnen. Ich hab ein Mann, ich bin seit ein Jahr zusammen mit ihm und er heißt Loki und der hat ein Bruder und der heißt Thor, der wurde so genannt. Und mit dem bin ich jetzt zusammen. Sehr sehr großes Haus, drumherum ist wie eine Stadt, mit Brücke, gehört dazu. Und nur ein Gerät, automatisch, zum Drehen, wie eine Kreisel, kann man auch verschiedene Länder wegzuschicken. Manchmal der Thor, wenn er sein Vater verärgert hat und ihn verbannt hat, dann wurde er direkt weggeschickt auf die Erde, wo die Menschen leben. Am Anfang steht ein Thron, da ist ein König und der ist Vater von beiden Brüder, der schon verheiratet ist mit sein Frau.

Es ist riesig Haus, da kann man so viel rumlaufen wie man wollen. Freizeit, keine Ahnung, was wir dort machen. Ich hab ein eigenes Zimmer mit ihm zusammen, manchmal wird er auch festgenommen, weil er gemein ist. Es gibt auch ein Keller, aber Riesenkeller und da wurden alle Gefangenen eingesperrt. Es gibt auch Garten draußen noch, Pflanzen, Erde und paar Tiere. Das ist mein Traumhaus, da will ich unbedingt dahin, da war ich noch nie. Das habe ich von meine DVD rausgefunden. So groß habe ich noch nie gesehen, zum ersten Mal. Ich muss dran gewöhnen, um dort zu wohnen. Mehrere kennenzulernen. Das sind Leute, die ich kennenlernen muss. Das sind verschieden Männer und Frauen. Und die Fremde darf ich nicht, weil die bösartig sind. Das ist Sicherheit für mich und dort zu bleiben und nicht da weggehen. Weil die Leute, die ich gut kenne, beschützen mich dann vor den Fremden. Ich darf nicht in die Nähe von die Fremde zu gehen und das ist Macht. Von den Bösen weg abhalten gegen mir, sonst gibt es Krieg und das weiß ich auch. Und ich merk das, warum das passiert ist. Und das ist mein Eindruck.

 

 

Achim Priester, handgeschrieben und dann abgetippt

Mein Einzug ins Haus „Elisabeth“ Ich, Achim Priester, lebe nun schon lange in einem Heim mit mehreren Kameraden zusammen. Das Leben hier ist sehr schön, wenn auch der Alltag mir hundertmal eine lange Nase zeigt und zu mir sagt: „Ätsch, mach dieses, ätsch, mach das, ätsch, mache jenes.“ Im Haushalt haben wir immer einiges zu tun, aber wir teilen die Ämter auf, wie z.B. die Spülmaschine ein- und ausräumen oder den Tisch decken, abräumen und allerlei mehr. An unserer Pin-Wand im Eßzimmer hängt ein Plan, darauf steht „Wochenenddienst“. Der bestimmt, wer an den Wochenenden den Küchendienst übernimmt. Für sieben Wochenenden müssen wir uns im Voraus zweimal eintragen. Der Küchendienst an den Wochenenden fängt schon am Vorabend des Küchendiensttages an. Der Frühstückstisch muß gedeckt werden und auch der Kaffee muß vorbereitet sein. Am anderen Morgen stellen wir die Kaffeemaschine an und tragen das Essen auf. Das Mittagessen kochen die Betreuer, aber wir müssen dabei mit helfen: Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden, Salatsaucen zubereiten, Pudding kochen oder anrühren und so einiges mehr. Es ist schon verrückt in der Welt, den ganzen Morgen verbringt man in der Küche und hat viel Arbeit und dann ist das leckere Mittagessen in wenigen Minuten und in aller Fröhlichkeit weggeputzt und dafür hat man die ganze Zeit in der Küche gestanden. Danach beginnt der große Abwasch. Die Sachen, die nicht mehr in die Spülmaschine passen, sowie die Töpfe und Pfannen müssen mit der Hand im Spülbecken abgewaschen werden. Aber von den kleinen Alltagssorgen lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir sind ausgelassen wie eh und je, sind fröhlich und haben sehr viel Spaß miteinander. An Werktagen gehen wir in die Werkstatt zur Arbeit und abends spielen wir oder sitzen am Fernsehen. Mit meinem Freund gehe ich auch oft ins Kino. Die gemeinsamen Wochenendausflüge sind auch immer sehr schön. Einmal hat uns sogar ein Bischof besucht und ich trug ihm einige Limericks vor. Ich schreibe sehr viele Geschichten, Märchen und Gedichte in meiner Freizeit. Limericks ohne Zahl fallen mir schon bei fast jeder Gelegenheit ein. Ich kann es eben nicht lassen und ich will es auch nicht lassen, was das Dichten anbelangt. Dies gehört bei mir zu Alltag. Ich finde nämlich, man sollte den Alltag mit mehr Phantasie und Freude erleben. Ändern kann man ja doch nichts.

Aber nun möchte ich davon berichten, wie ich meinen Einzug in das fröhliche „Haus Elisabeth“ im schönen Rhöndorf erlebt habe. Es war eine ziemlich harte Entscheidung für mich, überhaupt von meinen Eltern wegziehen zu wollen. Aber das kam so. Ich habe eine Freund, Ralf Thomas Huppke mit Namen. Wir haben uns in der Werkstatt in Hersel kennengelernt. Ziemlich schnell sind wir dicke Freunde geworden. Als dann später seine Mutter starb und es schließlich so weit kam, daß er in eben dieses Haus in Rhöndorf kommen sollte, ging ich schon auf die 30 zu. Ich hatte gerade eine unliebsame Erfahrung mit einem anderen Freund gehabt. Als der damals aus der Schule kam, hatte er plötzlich ganz andere Interessen. Ich mußte damals noch nicht so schnell von zu Hause fort. Aber weil ich schon auf die 30 zuging, fühlte ich doch, daß ich nun ein eigenes Leben führen müßte und noch mehr Freunde haben sollte. Ich würde später in jedem Falle in ein Wohnheim gehen müssen und wer weiß, wie es dann gekommen wäre, und ob ich mich dort auch wohlgefühlt hätte, wäre noch die zweite Frage gewesen. Von Ralf Thomas hörte ich, wie schön es im Haus Elisabeth sei. Die Entscheidung war schwer und es war für mich auch keine leichte Sache, meinen Eltern zu verklickern, daß ich ausziehen wollte. Wenn ich auf die damalige Zeit zurückblicke, kommt sie mir vor wie ein ausgeträumter Alptraum. Dann kamen die Einzugsgespräche und als ich dann später wirklich einzog, war für mich alles neu. Ich hatte das Gefühl, daß ich mich erst richtig einleben müsse und dafür verhalf mir ein wunderschönes Erlebnis. Am 1. Oktober 1987 zog ich mit Sack und Pack ins Haus „Elisabeth“. Die Zeit verging wie im Flug und schon bald war eine Woche nach meinem Einzug vergangen. Es war Wochenende, das allererste Wochenende in meinem neuen Zuhause, das mir für alle Zeiten in Erinnerung bleiben wird. Es war ein wunderschöner warmer Oktobersonntag, als ich, allerdings schon spät am Morgen, aufstand und mich anzog. Ich hatte das Fenster schon aufgemacht, um frische Luft in mein Zimmer einzulassen. Als ich mich bückte, um meine Schuhe zuzubinden, hörte ich plötzlich ein eigenartiges Geräusch in meinem Zimmer. Ich dachte gerade noch: „Was ist das denn?“. Ich blickte auf und sah eine Blaumeise auf dem Rand meines Waschbeckens sitzen und ein lustiges Liedchen zwitschern. Als ich mit bewegte, erschrak die Blaumeise und flog wieder hinaus durch das offenen Fenster. Nun fühlte ich mich aber in dem Haus willkommen und wußte, daß das Wohnen im Haus Elisabeth mir gefallen würde und ich lebte mich auch ziemlich schnell ein. Über den Besuch der Blaumeise existiert noch heute ein Gedicht.

 

Verena Elisabeth Turin, handgeschrieben und dann selbst abgetippt

Wenn ich es wirklich zugebe, was ich im Bad mache? Dort mache ich mich sehr sauber. Ab und zu dusche ich mich. Und wasche mir selbst meine Haare und föhne sie. Jeden Morgen und Abend putze ich mir meine Zähne weiß. In der Früh wasche ich mit dem kalten Wasser mein Gesicht ab. Danach bekommt mein Gesicht eine Nivea-Creme drauf. Natürlich gehe ich im Bad auf die Toilette jeden Tag.

In meiner Wohnung soll es sehr gemütlich sein. Und auch romantisch, hell, einladend. Für meine Gäste. Natürlich gibt es ein ausdehnbares Sofa. Mit einem Notbett dazu. In meinen Wohnzimmer soll es ein Fernsehen mit einem DVD Player, drei bunte Teppiche, zwei Tische, und sechs Stühle, mittelgroßer Ofen, hellbraune Bücher und DVD Filme Kästen, einen Massagestuhl geben. Natürlich gibt es auch Stehlampen bei mir und Kerzen mit Zündhölzer. Im Falle wenn es bei mir ein Kurzschluss gibt. Meine Wohnung schaut mittelgroß aus. Es soll vier pinke Orchideen im Wintergarten sein. Und die gelben Löwenmäulchen sind dann in meinen Garten neben an.

 

Auf dem Foto: Valentin Radschenko

 

Wie man wohnt

 

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben

Als Assistenz habe ich Selbastijan und Wibke. Ich brauche richtig vill Unterstützung und Hilfe. Bei Wäsche bei Geld und bei Ferabreden mit Freunde und bei Ferabreden mit Freunde und bei Kochen. Auf jeden Fall Geld. Das ich nicht zu vill da bei habe. An Wochenende gehe ich immer aus an Abend. Was ich mir leisten kann das Schönste Hochzeit des Jahres kann ich mir leisten. Sauberkeit in Zimmer und in Badezimmer ist mir auch wichtig. Mein Mann kann es alles allein aber auch mit Hife sonst kann mein Mann alles slbst. Er ist auch schon erwaksen. Aber ich soll ihn besser erzihen. Mir ist wichtig das er sauber und gut richt. Meine Eltern kauf die Saubermiteln ein für mich ist das zu teuher die Putzmitteln. Die Uhr Zeiten muss ich noch lernen wegen tellefoniren an abend. Nach einer Fernsehen Sendung gehe ich pünktlich in Bät.

 

Angela Fritzen, handgeschrieben

Abenteuer: Wohnen Wir brauchen Geduld haben zu wohnen Leistung die Wohnen bleiben kann nicht aufgeben. Anhören die Musik CD oder DVD Film. Es aufregend. Ich werde Moderieren Für alles Freuen. Wir sind Bereit ist wieder Essen Bestellen sogar Pizza zu Bringen Lassen gute Stimme Für die Wohnen dringd. Wir wohnen gemeinsammKeit machen können. Texte schrieben kann und zeit haben es ist Richtigkeit zu befödern werden was ich noch brauche kann ist Gedanke – Gedicht. Wohnen und Power haben und Hummer und Benutzen. Bekommen. Bedauern. Patient. Es ist so schwer wirklich spezial zu haben. Aussicht. Aufgeben. Chance. Angst. Helden. Faule Haut. Ist schwer zu sagen. Aufregend zu sein. Anfang. Chromosomen. Zu Wohnen. Erkenen. Aufwaschen. Down-Syndrom 47.

 

Jil-Marie Zilske, selbst am Computer geschrieben

Besser ist es, wenn man zusammen wohnt egal Schwerbehinderte oder Geistigbehinderte oder Lernbehinderte oder Gehbehinderte. Ich würde eine WG auf machen. Die da alle rein kommen. Es stimmt nicht, dass Jugendliche mit DS keinen Freund haben und finden und suchen. Alle freuen sich, wenn man einen Traum im Kopf hat. Wie zum Beispiel Hochzeit, ein eigenes Haus oder ein eigenes Auto. Sie wissen aber auch, dass man einen Führerschein braucht und wenn, man Hilfe braucht kann man Hilfe suchen oder anrufen. Ich möchte auch das die Menschen mit Behinderung gleich berechtigt werden. Aber sie dürfen aber auch Alkohol trinken und rauchen. Aber sie müssen aber wissen, wenn sie rauchen das es nicht gut ist. Sowie Alkohol trinken ist auch nicht gut. Sie müssen aber auch selber einschätzen wie sie es selber einrichten. Und ich mache denn Rest wie zu Beispiel 8 Büros, 8 Wohnzimmer, 1 Küchen mit Theke und Stühlen, 8 Badezimmer, 8 Gaderobe, 8 Chilleecke, 1 Keller und 1 Garten, 1 Musikraum, 8 Schränke. Sofa, Tische, Anken, Bilder, Laptops, Handys, Ladegeräte, Sticks, Mehrfachstecke, Mikrofons, Touch Pads mit Stender, Bilderrahmen, Erinnerungsbilder.

 

Auf dem Foto: Yevgen Golubentev

 

Was man kann

 

Nora Fiedler, diktiert

Badezimmer und Toilette Darüber kann ich dir richtig viel erzählen, richtig derbe viel. Am besten erst mal über den Klo. Im Klo hängt so ein Duft-Tab, zum Beispiel Zitrone oder Frühlingsfrische, Männerduft. Klopapier mit Mustern, zum Beispiel mit Herzchen oder mit Federn oder Klopapier mit Duft, zum Beispiel Minzblätter oder Lavendel. Im Klo ist wichtig, dass es gut riecht, und dass auch mein Verlobter drauf sitzen kann. Mir ist es auf jeden Fall wichtig, dass der Badezimmer sauber ist oder wird. Das macht man mit Betreuern zusammen oder man fragt, ob man Hilfe braucht. Mein Verlobter macht alles selber. Zum Beispiel mit Badezimmerreiniger, Putzmitteln. Auf jeden Fall wenn man das ganze Badezimmer putzen will, fangt man mit dem Waschbecken an. Erst den Waschbecken und danach brauche ich Hilfe mit dem Klo. Mit dem Klo benutzt man ein anderen Putzmittel. Ob ich das nicht verwechsel, deshalb brauche ich Hilfe.

 

 

Angela Fritzen, diktiert

Thema: Alleine wohnen Was muss man können, um alleine zu wohnen? Ich wohne noch alleine mit meiner Eltern zusammen. Wir haben das Haus selbst gebaut. Das Haus ist sehr lang gemacht. Da war ich noch klein mit meiner Schwester. Wie noch nie lebhaft zu sein. Genau in meinem Jahrgang haben wir das Haus gebaut. Ich würde auch in betreutes Wohnen gehen, auch in Siegburg. Wir hatten nur keinen Termin gehabt. Da kann ich mit der 66 fahren, bis dahin und kucke das betreute Wohnen an. Die betreutes Wohnen muss ich erstmal anschauen, wie es so eingerichtet ist. Und das Haus kenne ich, von betreutes Wohnen. Mit meiner Kollegen aus der Musikschule, da war ich mal gewesen und habe die Kristines getroffen. Die hat mal da gewohnt. Da haben wir gemeinsam gespielt, Musik gemacht. Also wenn ich alleine wohne, würde ich zur Musikschule fahren, zu Saxophon zu spielen und anschließend morgens früh würde ich mit der 66 nach Oberkassel fahren, nach Altenheim zu fahren. Kann ich direkt durchfahren.

Was davon kannst du schon? Also ich kann reiten, dann geh ich noch im Altenheim zum Rückensport. Ich kann selbst Kaffee kochen. Ich kann am Computer, am Laptop. Alleine zum Arzt gehen. Alleine zum Zahnarzt gehen. Alleine einkaufen gehen. Ich kann alleine die Spülmaschine ausräumen. Was ich nicht so gut kann, ist Geld ausgeben. Ich kann zum Ohrenkuss hinfahren. Tischtennis kann ich auch, aber im Verein nicht. Und ich geh Mittwoch zur Musikschule, Saxophon zu spielen, alleine. Ich kann Zimmer aufräumen.

Was davon kannst du noch nicht? Ich kann nicht mit dem Geld ausgeben. Ich kann nicht keine Kinder kriegen. Ich darf das nicht. Ich kann nicht so einzuschlafen. Autofahren darf ich nicht und kann ich nicht. Ich darf keine Roller fahren.

 

Björn Langenfeld, diktiert

Thema: Alleine wohnen Was muss man können, um alleine zu wohnen? Ich wohne jetzt in Siegburg. Bis jetzt acht Jahre schon. Alleine ich wohne. Mache ich putzen, saugen, Wäsche waschen. Dann mache ich die Einkaufen, kochen. Ich hab ein Bett, Couch, Badezimmer.

Was davon kannst du schon? Alleine mach ich Wohnung machen, mache ich Kaffee kochen, Bett machen. Dann mache ich Waschen alleine. Dann geh ich alleine Bäcker holen. Waschen auch ganz alleine. Und dann mach ich gerne bügeln. Dann mache ich Zimmer Couch, dann kommt Fernsehen und Radio. Und dann mache ich Schlafzimmer. Alleine saugen und wischen. Dann mache ich alleine kochen. Ordentlich sein. Ein Held.

Was davon kannst du noch nicht? Ich kann alleine, nicht helfen. Alles alleine.

 

Auf dem Foto: Anna-Lisa Plettenberg

 

Und der schöne Rest

 

Ansgar Peters, diktiert

Kofferpacken Wenn ich in eine Reise fahre, dann muss ich auf einen Zettel draufschreiben, dass ich meine Unterhose mitnehmen muss. Socken, Badehandtuch, Schwimmhose, Badehose, Jackett, mit Schlips, schicke Hose, gut aussehen. Und alles packe ich in meinen Koffer rein. Und nicht vergessen: meinen Schlafanzug! Sonst muss ich nicht nackt nicht schlafen. Schlafanzug ist immer besser einzupacken. Und was auch noch fehlt, ist Kultursachen zu packen, meine Schlagzeugsachen und meine Stöcke und natürlich auch Handtücher, das braucht man alles für die Reise mitzunehmen. Und dann, wenn der Koffer schon voll ist, dann bin ich fröhlich. Proviant mitnehmen, was zum Trinken, vielleicht eine Tüte Chips und Cola oder nehme ich meine Nudeln mit. Das Problem, ich habe eine Weizenallergie und in Hotel müssen auch wissen, dass ich das habe. Wichtig ist, natürlich, Kondome muss ich mitnehmen.

 

Macht ihr Morgengymnastik?

Johanna von Schönfeld: Solche freche Antworten wird ich nicht beantworten. Diese Morgengymnastik machen nur alte und junge Menschen, aber ich nicht. Da hab ich keine Zeit für.

 

Was wollen wir machen?

Paul Spitzeck: Ich möchte so sein, wie die 46-Chromosome, weil ich fühle mich so. Meine Eltern haben mir das so erklärt, dass ich eigentlich nicht das Down-Syndrom habe, aber die Natur hat mir das gegeben. Das hab ich so lang in mein Herzen, bis ich das hier hin geschafft habe zu Ohrenkuss, das muss mal raus.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Britt Schilling, www.brittschilling.de Text und Fotos © Ohrenkuss

Joshuas Gewürzreise: Galgant

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Galgant schwebt irgendwo zwischen vollkommen unbekannt und “Ah, das hab ich schonmal gehört”. In der Thai- und chinesischen Küche wird es viel verwendet, weswegen man ihn manchmal als “Thai-Ingwer” bezeichnet. Er ist zwar weitaus weniger bekannt als sein Bruder Ingwer, aber geschmacklich steht er ihm in nichts nach. Es gibt hier starke Unterschiede zwischen getrocknetem, der leicht scharf, erdig, zimtig und doch ein bisschen fruchtig schmeckt und dem frischen, der auch so schmeckt, mit einer ausgeprägteren Zitrusnote. Mit Hildegard von Bingen hat er auch hier Verwendung gefunden. Internet und Globalisierung helfen natürlich auch bei der Verbreitung.

Persönlich finde ich Galgant spannend. Für mich ist es irgendwas zwischen Zimt, Ingwer und einer getrockneten exotischen Frucht. Im Folgenden wird es drei Rezepte geben, die aber nicht das ganze Verwendungsspektrum widerspiegeln. Dazu kann ich noch Galgant im Frühstücksporridge empfehlen, gerade in der kalten Winterzeit. Auch in Fried Rice, Keksen und Schmorbraten eine interessante Zutat. Mein Vorschlag wäre, es als Alternative zu Zimt zu probieren, um dem Essen neue und exotischere Nuancen zu geben. Zurück zur Norm kann man danach immer noch.

Zarter Fisch aus Asien


Galgant sagt man nach, er würde Fischgeschmack maskieren. So wird er in der asiatischen Küche gerne in Fischeintöpfen verwendet. Doch was ist, wenn man das gar nicht möchte?

Ich finde, die erdige und fruchtige Note des getrockneten Galgants passt super zu fruchtigen, frischen Früchtchen. Zusammen mit einem Hauch Sesamöl, Pfeffer und Chili wird ein feines Dressing draus. Passt auch fein zu Salaten.

  • Saft einer halben Orange
  • 1/2 TL Galgant
  • 1 TL Sesamöl
  • 1/4 TL Chilisamen
  • 1 EL Zitronensaft
  • 3 EL neutrales Öl
  • Salz
  • Pfeffer
  • 300 g Kabeljau

Den Fisch waschen, abtrocknen und salzen. Die restlichen Zutaten zusammen zu einem Dressing verrühren. Wer möchte, kann sich auch ein sous vide Gerät zulegen. Die sind mittlerweile relativ erschwinglich (gerade für den schicken Namen). Fisch ist ganz hervorragend, wenn er sous vide gekocht wird. Alternativ kann man den Fisch, zusammen mit der Sauce in Alufolie wickeln und im Ofen oder auf dem Grill backen. Ich würde auf 20 Minuten bei 200C tippen. Mit etwas Reis wird eine Hauptspeise daraus.

Galgant-Kokos-Brühe


Das Schöne daran ist, dass man ohne viel Aufwand eine vollkommen andere Brühe kochen kann. Eine, die mal nicht aus Huhn oder klassischem Suppengemüse besteht. Da kann man von zu Hause in 30 Minuten seinen eigenen Horizont erweitern oder ein Stück Thailand (oder Thai Restaurant) nach Hause holen. Das Ergebnis ist eine angenehm weiche, unglaublich cremige und doch spannend würzige Suppe. Fantastisch.

  • 500 Ml Kokosmilch
  • 1000 Ml Wasser
  • 2 TL Galgant
  • 8 Kaffirlimettenblätter
  • 25 g Zitronengras
  • Optional: Thai-Chili
  • 3 Karotten
  • 250 g Blumenkohl
  • 200 g Pilze
  • 200 g Schrimps
  • Salz, Zitrone

Hier geht es in erster Linie um die Brühe. Wenn man die hat, kann man wirklich einfach reinschmeißen, was man da hat. Klassisch gibt es Tom Kha Gai, eine Brühe mit Huhn, wo ein Wort sogar für Galgant steht. Die Recherche überlasse ich aber Euch. Klassisch verwendet man auch frischen Galgant, aber getrockneter ist ebenso wunderbar.
Zurück zum Rezept:
In einem Topf Wasser und Kokosmilch erhitzen und die anderen Zutaten dazugeben, dann für ca. 30 Minuten vorsichtig köcheln lassen. Man kann die Gewürze danach drin lassen, aber ich fische sie gerne raus, sodass ich das nicht in meinem Mund machen muss. Nach den 30 Minuten das Gemüse und Salz in den Topf werfen (bitte geschnitten) und ca. 10 Minuten garen. Zum Ende die Schrimps hinzugeben und ebenfalls garen. Zum Servieren reiche ich gerne frischen Koriander, Frühlingszwiebeln und Zitronen. Auch hier passt wieder Reis.

Apfel-Schoko-Törtchen


Mehr ein Test oder ein Weg, aber durchaus ein guter. Ich finde, Galgant passt toll zu Schokolade, genau wie Zimt und Ingwer. Genauso zu Äpfeln. Nun hatte ich Lust auf süße Törtchen und dazu Schokolade und Äpfel. Warum also nicht? Das Ergebnis war schon gar nicht schlecht, aber es hat noch Potenzial!

  • 200 g Mehl
  • 100 g Butter
  • 1/2 TL Galgant
  • 1/2 TL Zimt
  • 50 g Zucker
  • Prise Salz
  • 3 große Äpfel
  • 1/2 TL Galgant
  • 500 Ml Milch
  • Kakao nach Maß
  • Zucker nach Maß
  • 3 EL Speisestärke
  • Prise Salz

Wir haben hier drei Komponenten, in die man theoretisch alle Galgant geben könnte. Ich habe Teig und Apfelkompott ausprobiert. Beim nächsten Mal werde ich den Galgant im Schokopudding testen.

Als Teig haben wir klassischen Mürbeteig. Alle Zutaten einfach zusammenmischen und für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. Dann ausrollen und idealerweise in kleinen Förmchen backen. Hatte ich nicht, so musste ich improvisieren. Geht auch… einigermaßen… Den Teig bei 180 C 20 Minuten backen.

Apfelkompott ist auch simpel. Die Äpfel schälen, klein schneiden und ca. 10-20 Minuten (nach Sorte und Geschmack) mit dem Galgant kochen.

Zuletzt Schokopudding. Fast genauso einfach. Milch erhitzen, dann das Kakaopulver einrühren. Das Schwierigste am Rezept ist, ein gutes Kakaopulver zu finden. Schaut nach einem mit hohem Fettgehalt. Auf Wunsch süßen. In einer kleinen Schüssel die Speisestärke mit ein wenig Milch anrühren und in die heiße Schokolade geben. Kurz aufkochen, dann sollte eine gute Puddingkonsistenz entstehen. Sonst noch ein bisschen mehr Stärke.

Ein kleiner Einwurf zu Milch: Als Nichtmilch-Trinker verwende ich für Pudding gerne eine Mischung aus 40 % Hafer, 40 % Soja und 20 % Kokosmilch. So ist es leicht süß, leicht cremig und leicht seidig.

Zum Servieren etwas Schokoladenpudding in ein Teigschälchen geben und Apfelkompott darüber geben. Wenn man es den teuren Restaurants gleichtun will, muss man einfach Apfel in Schokolade noch in anderen Formen dazu servieren: Schoko Eis, getrocknete Äpfel, ganze Äpfel, Sorbet – Nach Lust und Verfügbarkeit. Fertig.




Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu.

Mehr zu dem anderen hier.

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