Produkte Hitparade 2021

Unsere meistverkauften Produkte in 2021

Wir führen viele Spezialitäten und haben demgemäß eine Liste mit ca. 1000 Produkten für unsere Bioladen-Kunden.  Wir haben jetzt mal die Top 15 des Jahres 2021 herausgesucht.

 

Einzelhandel

Hier unsere abgepackten Artikel in Tütchen, Gläschen und Dosen für die Naturkostläden:

 

  1. Keltische Kräuterküche
  2. Kreuzkümmel, gemahlen
  3. No-Himalaya Speise-Salz fein (Nachfüllbeutel!)
  4. Matcha ‘Kabuse 2’ Einzeltüte, Japan 2.Pfl.
  5. Cistus Tee
  6. Kala Namak
  7. Hagebutten Pulver
  8. Safran Fäden
  9. Muskatnüsse, ganz
  10. Grüntee AKTION, China, 250g
  11. Fleur de Sel (Nachfüllbeutel)
  12. Temple of Heaven (Grüntee)
  13. Pfeffer, schwarz, ganz, TGSEB
  14. Bourbon-Vanillepulver
  15. Bourbon-Vanilleschoten

 

Wir haben auch nochmal mit 2020 verglichen – in den beiden Corona-Jahren sehen die Top15 sehr ähnlich aus. Gefühlsmäßig haben wir in der Pandemiezeit viel mehr Kräutertee verkauft.

 

 

Großmengenkunden

Hier fallen alle Arten von Lebensmittelherstellern unserer Branche hinein:

 

  1. Pfeffer, weiß, ganz
  2. Tamarinden Konzentrat
  3. Pfeffer, weiß, gemahlen
  4. Curry mild
  5. Tomaten, geschnitten, 1x3mm
  6. Sternanis, gemahlen, Vietnam
  7. Cayenne Chili crushed
  8. Bärlauch, gemahlen
  9. Paprika, edelsüß, Granulat
  10. Paprika, edelsüß, gemahlen
  11. Koriander, gemahlen
  12. Curry Extra, gemahlen
  13. Cardamom, grün, gemahlen
  14. Paprikaflocken, rot, 10x10mm
  15. Curcuma, gemahlen

 

Ein Potpourri, der sich in Saucen und Currypasten, Brotaufstrichen, Käse, (Tofu-)würstchen und vieles mehr wiederfindet.

Im Vergleich zu 2020 (Ernten 2019) sieht man 2021 die Folgen der weltweiten Pandemie- und den Klimakrisenfolgen: Beschaffungsschwierigkeiten haben die Top15 verändert.

Interessant, dass wir so viel weißen Pfeffer verkaufen – erwartet hätte man eher schwarzen Pfeffer. Weißer Pfeffer ist rar, schwarzer Pfeffer wird lieber preiswerter eingekauft als von unseren Kleinbauernpartnern in Indien und Sri Lanka.

Eine Besonderheit ist Sternanis, im Jahr 2020 noch auf Platz 1. Neben seinem großartigen Geschmack wird ihm eine Wirkung bei grippalen Infekten zugeschrieben – weshalb er erstens weltweit viel mehr gefragt war, und zweitens in den Ursprungsländern auch selbst gebraucht wurde.

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze (2022)

Nicht alles geht als Rohkost – differenzierte Betrachtung

Mit dem Vegan- und Rohkosttrend interessieren sich VerbraucherInnen nicht nur für ihre Hauptnahrungsmittel, sondern auch dafür, wie Gewürze und Kräuter getrocknet werden – ob diese als Rohkost gelten können.

 

Haltbarmachen durch Trocknung

Frische Pflanzenteile mit einem Wassergehalt von etwa 20 – 80% auf ca. 5% bis höchstens 12% Feuchtigkeit zu reduzieren, ist die Vorgabe. Es darf nicht gegen Null gehen, da ein natürliches Produkt dann nur noch nach Pappe schmecken würde. Mit steigender Restfeuchte steigt aber das Risiko der Verkeimung bzw. der Vermehrungsaktivität der Mikroorganismen. Für jedes Produkt gibt es ein Optimum – je nachdem, wie fest seine Struktur ist, und ob es sich selbst durch seine Wirkstoffe schützen kann.

Von den Wirkstoffen, dem Wassergehalt, der Struktur des Produkts selbst und den Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt der Ernte hängen die erforderlichen Trocknungstemperaturen ab. Aber auch der Einsatzzweck bei den Lebensmittelherstellern und die gewollte Länge des MHD’s entscheidet. Nicht für alle Produkte reicht deshalb die natürliche Luft- oder Sonnentrocknung aus.

 

Mikrobiologie, Keimfreiheit, Keimreduzierung

Das Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften (DGHM) gibt Richtlinien zur Mikrobiologie und Hygiene für die verschiedenen Produktgruppen vor – sehr streng bei feuchten bzw. rohen Lebensmitteln (Teiglinge, Wurst, …), weniger streng bei Gewürzen. Wenn diese allerdings in einem frischen, feuchten Lebensmittel verarbeitet werden, sollten sie besser entkeimt sein.

Bei Großmengen und Großkunden wird eher auf weitgehende Keimfreiheit (statt moderater Keimreduzierung) zur Minimierung des Risikos bestanden, was durch eine intensive (z.B. längere) Hitzebehandlung geschieht. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Keimfreiheit kostet mehr Energie – das begrenzt etwas die Denaturierungsbemühungen der Lebensmittelverarbeiter.

Technischer Exkurs: AW-Wert. Dieser misst den ungebundenen Anteil Wasser in einem Lebensmittel als Wasserdampfdruck bei einer bestimmten Temperatur über dem Produkt – 1 ist reines Wasser, 0 ist komplett wasserfrei. Frische Lebensmittel bewegen sich zwischen 0,98 und 0,99 – die meisten krankheitserregenden Bakterien benötigen eine Wasseraktivität von über 0,90 – darunter können sie sich nicht vermehren. Nur wenige Mikroorganismen können einen niedrigen AW-Wert als 0,80 tolerieren. Haltbare Trockenprodukte liegen unter 0,6.

 

 

Westliche Ansprüche, östliche und südliche Realitäten

Ein Großteil unserer Gewürze und auch einige Kräuter stammen aus Übersee-Ländern und werden meistens schonend sterilisiert (kurz erhitzt und schnell runtergekühlt) wegen des Verkeimungsrisikos. Das Risiko muss nicht reell sein: wir empfanden die Dschungellandwirtschaft in Indien und Sri Lanka als sauber, aber zum Beispiel die Klein-Felderwirtschaft mit “stehender” Kanal-Bewässerung in Ägypten als gefährdet. Das Risiko ist mit Sicherheit höher als bei einheimischer Ware – die eigenen Bakterien vertragen wir auch halt besser.

Unsere westlichen Hygiene- und Maschinen-Ansprüche sind die Ausnahme, nicht die Norm. In ärmeren Ländern setzen die Bauern auf möglichst einfache Eigenkreationen, von der simplen Trocknungsfläche am Boden bis hin zur selbstgebauten Kammer aus zweckentfremdeten (aber ressourcenoptimierten) Komponenten. Auf den Fotos kann man ermessen, welche Langsamkeit und Mühen hinter den landwirtschaftlichen Prozessen stecken – und dadurch einen neuen Wert der Endprodukte erkennen.

Nach Meinung unseres Kräuterspezialisten Jan Kees vom Blauen Haus, gestandener Demeter-Bauer mit Riesen-Bibliothek, ist Trocknung die werterhaltendste Methode der Haltbarmachung.

Die folgende Recherche bezieht sich auf Bio-Gewürzen und -Kräutern aus eher manufakturellen Produktionsverfahren.
Je überschaubarer die Mengen sind, um so besser einzuschätzen ist auch das Risiko. Daher können wir als Manufakturbetrieb in unserer Marke Heuschrecke für EndverbraucherInnen oft einige mehr Produkte unsterilisiert oder zumindest schonend sterilisiert anbieten, als anderen das vielleicht möglich ist, die z.B. pauschalen, extrem hohen Sterilanforderungen genügen müssen.

Wir haben sehr viele natürlich getrocknete Gewürz- und Teekräuter, aber auch viele Produkte, wo höhere Temperaturen ab 60 bis 120°C nötig sind. Hier der Versuch einer Differenzierung (eine Bildgalerie gibt es am Schluss):

 

Wildkräuter, -Beeren und Baumnadeln aus Wildsammlung

Die meisten Wildkräuter und Wildbeeren, auch Hagebutten, bekommen wir von den SammlerInnen von Terra Magnifica in Kroatien. Fast alle unserer wildwachsenden Kräuter und Früchte werden natürlich getrocknet: auf Planen unter der Sonne, in einer belüfteten Halle oder auf zu Trockenflächen umfunktionierten Dachböden der SammlerInnen. Bei schlechter Witterung muss eine Wärmequelle (Öfen) dazu. Die Temperatur steigt aber auch dabei nicht über 42°C.
Typisch für die natürlich luftgetrockneten Kräuter ist der leicht gräuliche Ton im Grün. Im Gegensatz dazu sind Kräuter, die schnell auf eine höhere Temperatur erhitzt und dann abgekühlt werden, frischer im Grün.
Früchte kann man problemlos zuerst in der Sonne, dann im Schatten, oder neben einem Ofen trocknen, wie Roman Turk von Terra Magnifica uns erklärt.
Die im Moment stark gefragten Kiefern- und Fichtennadeln trocknen direkt am Sammlungsort in einer kleinen beheizten Trocknungskammer auf Rosten, mit Gebläse, nicht über 42°C..

 

Stark wasserhaltige Kräuter aus Wildsammlung und Anbau

Bärlauch aus Kroatien ist zwar aus Wildsammlung, wird aber früh im Jahr geerntet und enthält extrem viel Wasser, also kommt natürliche Trocknung kaum in Frage. Die Temperatur bewegt sich bei unserem Bärlauch um die 40-50°C.
Noch heißer werden die wasserhaltigen und zudem noch zarteren, saftiggrünen Küchenkräuter getrocknet, wie Petersilie, Dill, Kerbel, Korianderblatt etc.. Sie sollen ihr frisches Grün behalten, keimsicher sein, und sind als getrocknetes Produkt leicht crispy. Zwei Beispiele:

Produkt Trocknungstemperatur Dauer
Bio-Spinatblatt 102°C ca. 2,5 Stunden
Bio-Dill 100-105°C ca. 2,5 Stunden

 

Gefriertrocknung spielt im Bio-Bereich keine große Rolle wegen des hohen Preises und Energie-Aufwands.

 

Wurzeln

Wegen ihrer Dicke ist bei Wurzeln auf sorgfältiges Trocknen wegen der Gefahr der Schimmelbildung zu achten. Terra Magnifica, wo wir eine Vielzahl an Wildwurzeln beziehen, schreibt: “Wurzeln werden nach dem Waschen und vor dem Trocknen auf die Dicke eines Fingers zerschnitten. So wird die Trocknung rascher und Mikrobiologie besser.”
Süßholzwurzeln (z.Zt. aus der Ukraine) werden zunächst in vielen Teilpartien luftgetrocknet, dann nach Bedarf teilweise sterilisiert, je nach mikrobiologischem Befund. In einer Charge sind dann ca. 50% keimsteril behandelt.

Küchenkräuter und Kräutertee aus Anbau, Europa

Beim Anbau kommen größere Mengen auf einmal zusammen, und dann muss künstlich getrocknet werden. Zum Erhalt der Inhaltsstoffe darf die Eintritts-Lufttemperatur 38 Grad nicht überschreiten. Die Frischpflanzen liegen auf Rosten, darunter gibt es ein Gebläse, das warme Luft zum Zirkulieren bringt. Den Hauptteil unserer Kräutertee-Pflanzen – Minze, Brennnessel, Salbei, Kamille, Melisse, Lindenblüten etc. – bekommen wir aus Kroatien von Terra Magnifica, von Bioland-und Demeter-Kräuterhöfen aus Deutschland, dem Demeter-Hof ‚Het blauwe Huis’ aus den Niederlanden, und von Sammlern aus Frankreich oder Portugal (Lindenblüte).

Unser Partner Tannenhof trocknet mit abgekühlter Luft, die dadurch sehr trocken ist. Der Energieaufwand ist etwas höher, aber die Trocknungszeiten kürzer, und insgesamt ist das Ganze sehr schonend.

Kräuter mit ätherischen Ölen neigen bei solcher Niedertemperatur-Trocknung zu einer erhöhten mikrobiologischen Belastung. Bei in Deutschland oder Europa angebauten Kräutern, die nicht so stark wasserhaltig sind, können wir dieses Risiko eingehen: so kommt z.B. unser deutscher Majoran, Thymian, der deutsche Oregano, Ysop, Liebstöckel und Bohnenkraut, als frisch geerntetes Kraut auf eine Warmluftflächentrocknung mit ca. 40°C.

Unser Basilikum aus der Kooperative Sud-Officinale in Süditalien wird ebenfalls nur bis ca. 40°C getrocknet, obwohl Basilikum wasserhaltiger ist. Hier macht es die Spitzenqualität, kräftige Pflanzen, optimales Klima und langjähriges Spezialistentum der Kooperative.

Unsere Küchenkräuter und Kräutertees aus Griechenland und Zypern:
Oregano, Majoran und Cistus: die Produkte dieser Landwirte werden in den Sommermonaten auf natürliche Weise im Schatten getrocknet, mit natürlichem Luftstrom. Griechischer Bergtee und Thymian: Dieser Erzeuger verwendet eine Wärmepumpe. Der Prozess beginnt mit der Umgebungstemperatur und endet bei 40 bis maximal 43 Grad Celsius, je nach dem zu trocknenden Produkt. Wenn die Temperatur die vom Hersteller eingestellte Temperatur erreicht, ist der Prozess beendet. (d. h. ab dem Zeitpunkt, an dem die Temperatur den Höchstwert erreicht, ist der Prozess beendet). Der Trocknungsprozess dauert bei Sideritis etwa 30 Stunden und bei den anderen Kräutern mehr oder weniger gleich lang.
Und hier noch die Beschreibung zu Safran Kozani: Natürliche Trocknung im Schatten, bei Raumtemperatur und natürlichem Luftstrom. Die Raumtemperaturen entsprechen den im Oktober in Nordgriechenland herrschenden Temperaturen. Das heißt, milde Temperaturen. Das Produkt wird streng vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, um Verfärbungen zu vermeiden. Im Allgemeinen dauert die Trocknung 18 bis 20 Stunden. Nicht länger als 24 Stunden. Der Feuchtigkeitsgehalt beträgt ein bis fünf. Das heißt, aus 5 Kilo frischem Safran erhält man am Ende 1 Kilo getrockneten Safran.

Trockengemüse

Knoblauch, Zwiebel und die ganzen Gemüsearten laufen über Bandtrockner. Sie erreichen eine Mindesttemperatur von 60°C und werden anschließend entkeimt. Hier Beispiele:

 

Produkt Trocknungstemperatur Dauer
Bio-Zwiebeln 60-130°C ca. 3,5 Stunden
Bio-Knoblauch 80°C      ca. 4 Stunden
Bio-Karotten 60-120°C ca. 6 Stunden
Bio-Paprika Flocken 60-120°C ca. 6 Stunden
Bio-Sellerieknolle 110-120°C ca. 2-3 Stunden

 

Unser hochwertiger Gewürz-Paprika aus Ungarn, Pulver und Granulat, wird ebenfalls auf dem Bandtrockner bei 55 – 60°C getrocknet, aber nicht sterilisiert.

Unsere Tomatenprodukte – Flocken, Granulat – werden walzengetrocknet. Die Temperaturen auf der Walze, mit denen das Produkt kurze Zeit in Kontakt kommt, sind zwischen 85-90°C.

 

Gewürze, Küchenkräuter und Kräutertee, Übersee

Fast alles aus exotischen Herkünften – obwohl häufig sonnengetrocknet – wird anschließend dampfsteril behandelt, vor berechtigter, aber auch unberechtiger Keim-Panik: Pfeffer, Curcuma, Ingwer, Cardamom, Galgant, Sternanis, Süßholz, Zitronengras, Chili & Cayenne, Cumin, viel Oregano, viel Koriander, Muskat etc..

Bei unseren Kleinbauernprojekten trocknen die Bauern ihre Ernten natürlich in der Sonne vor, bevor sie in die zentrale Gewürzfabrik zur Sortierung, Reinigung und ggfs. Dampfsterilisation gehen. Einige Produkte werden blanchiert (aber nicht immer…) v.a. Wurzelrhizome wie Ingwer, Galgant und Curcuma.

Keine Erhitzung macht man bei Nelken, Zimt, Rosmarin – die sind natürlich bakterizid, selten bei Paprika, weil das Farbe und Geschmack ruinieren würde, obwohl er das manchmal schwer nötig hätte…. Auch Zitronenverbene verträgt keine Sterilisation.

Unser Bio Hibiskus aus einem Frauenprojekt in Burkina Faso ist in der Regel nicht keimreduziert und wird im Ursprung luftgetrocknet. Die Ware wird nur bei zu hoher Gesamtkeimzahl keimreduziert, was die letzte Zeit nicht der Fall war.

Vanille überschreitet prozessbedingt in jedem Fall die 40°C-Marke. Hier die vollständige Beschreibung aus Madagaskar:

“Nach dem Ernten der grünen Vanilleschoten werden diese ins 65° C heißes Wasser (Zeit je nach Dicke der Schoten – der QM vor Ort testet das von Hand, ohne Termometer oder Uhr) getaucht. Dadurch wird der Fermentationsprozess in Gang gesetzt.
Unser Projekt bearbeitet die Vanille dann nach dem traditionellen Verfahren, d.h. die Schoten werden noch heiß in Wolldecken gepackt, gelagert, wieder herausgenommen, an der Sonne auf Tische ausgebreitet, jede einzelne Schote massiert, um den Vanillinbildungsprozess zu fördern. Durch das Kneten und die Sonneneinwirkung werden die Schoten nach der Fermentierung (dann sind sie nämlich ganz hart) langsam weich.
Wieder werden die Schoten eingewickelt, weggepackt, wieder an der Sonne getrocknet, massiert, so lange, bis der QM sensorisch ermittelt, dass die Schoten den optimalen Feuchtegehalt und eine gewisse Festigkeit erlangt haben.
So gelangen dann unsere Schoten in PE Beutel, gut geschützt vor weiteren Einflüssen und so wird auch weitgehend eine Austrocknung verzögert. Das Innere der Schote, welches dann ja für die Produktionen herausgeschält wird, ist durch die Schote gut genährt und geschützt.
Für Vanilleschoten, welche für die Verpackung in Glasröhrchen vorgesehen sind, ist kundenseitig immer die Anforderung einer Debakterisation.
Durch die Vermahlung der ganzen Schote vergrößert sich die Oberfläche des Produktes und das naturbelassene Produkt weist jetzt eine erhöhte Keimzahl auf, welche in der Lebensmittelindustrie halt eingeschränkt ist.
Deshalb werden vor der Vermahlung die Schoten keimreduziert (ähnlich einer Pasteurisierung – gesättigter Wasserdampf und Druckverfahren), damit diese schon sauber auf die Maschine kommen und das Produkt Vanillepulver dann ‘sicher’ ist.”

 

 

Saaten

Bei Saaten ist es unterschiedlich. Sie sollen ja eigentlich keimfähig bleiben. Entkeimt wird immer Senf, manchmal Kreuzkümmel. Unser Koriander und Kümmel aus Deutschland wird nie entkeimt, Anis, Fenchel und Bockshornklee meistens auch nicht, und werden um die 40°C getrocknet. Hier die Beschreibung eines Kümmel-Anbauers in Deutschland:

“Da es sich hier um Körnerfrüchte handelt, die mit dem Mähdrescher geerntet werden können, dürfen sie keine hohen Feuchtigkeiten haben wie z.B. Blattfrüchte, die zu Tee getrocknet werden. Die Feuchtegehalte von Körnerfrüchten wird 25 % H2O nicht überschreiten, denn sonst streikt der Mähdrescher. Bei gutem Wetter ist die Feuchtigkeit zwischen 15 bis 20 % H2O. Man kann theoretisch auch warten mit der Ernte, bis 10% Feuchte auf dem Feld erreicht werden. Leider sind die Früchte nicht gleichmäßig in der Abreife und die besten Samen, die zuerst reif sind, fallen dann schon vor der Ernte aus.
Für die Trocknung wird bei uns ein Anhänger genommen, der einen Siebboden hat. Durch diesen Siebboden wird warme Luft geschickt, die die Ware durchströmt. Die Temperatur wird möglichst niedrig gehalten, damit die Keimfähigkeit nicht leidet und auch nicht zu viel ätherische Öle verdunsten. Wir arbeiten mit einer Lufttemperatur von ca. 40°. Die Produkttemperatur steigt aber nicht über 30 bis 35°, da im belüfteten Stapel eine Verdunstungskälte entgegenwirkt. Die Temperatur steigt erst dann an, wenn das Produkt trocken ist. Die Trocknung wird sofort nach dem Mähdrusch durchgeführt. Wenn der Drusch am Nachmittag gemacht wird, dann ist der Beginn der Trocknung eine Stunde später und endet in der Nacht oder am nächsten Morgen mit der gewünschten Endfeuchte von < 8 % H2O.”

Vor 3 Jahren geriet eine bestimmte Charge Bockshornklee in Verdacht, die EHEC-Epidemie ausgelöst zu haben. Alle Kontrollanalysen anderer Chargen waren allerdings unbelastet, sodass der Fall letztendlich nicht befriedigend geklärt werden konnte. Seitdem empfiehlt das BfR, Bockshornklee bzw. die selbst gezogenen Sprossen einige Minuten über 70°C zu erhitzen.

 

 

Zu guter Letzt: Tee

Grüntee, Schwarztee, Oolong etc. werden durch ihren typischen Herstellungsprozess auf 60-80°C erhitzt.
Grüntee muss direkt nach der Ernte blanchiert oder trocken “geröstet” werden (ca. 80°C), um die Auto-Oxidation und damit Dunkelfärbung zu unterbinden. Damit er überhaupt so lange haltbar ist, und seine Aromen auch bestmöglich behält, wird er zuletzt in Trocknungstrommeln über nicht zulange Zeit auf bis zu ca. 80°C erhitzt. Im hochtechnisierten Japan sind die Verarbeitungsvorgänge von Grüntee wahrscheinlich am werterhaltendsten ausgetüftelt. Das Endprodukt Tee ist deutlich trockener als Kräuter und Gewürze.

 

 

Trocknungsverfahren in Bildern

Kroatien, Terra Magnifica. Heidelbeeren werden in der Sonne getrocknet.
Terra Magnifica: Minze auf dem Dachboden
Terra Magnifica: Malvenblüten
Terra Magnifica: gerade leere Trocknungsfläche auf dem Dachboden
Terra Magnifica: das Foto hat den Titel: Trocknung für Krim
Terra Magnifica: alter Versuch, etwas Zweck zuentfremden
Terra Magnifica: einfache Trocknungskammer
Terra Magnifica: Professionelle Kammer, Kamille-Trocknung
Terra Magnifica: Großer Kamille-Trockner. Frage: Diese große Kamille-Anlage - trocknet die die Kamille auch bei nur 40°C oder heißer? Antwort: Auf 38 Grad eingestellt. Auch grosse Bestien koennen zart sein.
Terra Magnifica: Großer Kamille-Trockner. Frage: Diese große Kamille-Anlage – trocknet die die Kamille auch bei nur 40°C oder heißer? Antwort: Auf 38 Grad eingestellt. Auch grosse Bestien koennen zart sein.
Terra Magnifica: Malven, Ringelblumen
Terra Magnifica: Sonnenblumenblüten
Terra Magnifica: Ringelblumen
PDS, Kerala, Indien: Holz für den großen Feuerofen
PDS: Ofen für die Dampfsterilisation
PDS, Tribal Projekt Kannampady: kleine Trocknungsflächen im Dschungel
PDS, Tribal Projekt Kannampady: kleine Trocknungsflächen im Dschungel
PDS, Kannampady: kleine Charge weißer Pfeffer
PDS, Kleinbauer Vattothu: Curcuma
PDS: Curcuma auf der Trocknungsfläche der Spice-Factory
Madagascar: Vanille wird in heißes Wasser getaucht vor der Fermentation
China: traditionelle Verarbeitung des Grüntees im Wok. Die Handverarbeitung findet für Edel-Tees statt. Für Alltagstees gibt es heute größere Maschinen.

Bioprodukte und Pestizide – 2022

Bioprodukte können nicht sauberer sein als die Umwelt, in der sie wachsen.

Pestizide und der Irrsinn, der sich darum dreht, ist bei uns ein viel beklagtes Thema, logischerweise. Wir sind davon betroffen, unsere Lieferanten sind davon betroffen und auch ihr, unsere Kunden, seid davon betroffen. Der Satz oben fasst eins der Grundprobleme schön zusammen.

Wir leben in einem Ökosystem. Es gibt keine klare Trennung zwischen einer Bio-Welt und einer konventionellen Welt. Wie leicht und häufig die verschiedenen Gifte von Fremd- und Ackernachbarn auf die Felder unserer Bio-Bäuerinnen und -Bauern gerät, haben wir damals zuerst in der Serie zu Sanjas Garten von unserem dortigen Lieferanten Terra Magnifica dargelegt. Doch nicht nur die Nachbarn sind verantwortlich. Durch Abdrift (also Wind) und Grundwasser gelangen die Pestizide über Distanzen von bis zu 1.000 km.

Im gerade erschienenen Pestizid Atlas 2022 (kann man umsonst herunterladen) ist geschrieben, dass der Pestizidgebrauch über die letzten Jahre sogar noch zugenommen hat. Nicht unbedingt in Europa, das will der deutsche Agrarverband nochmal sehr betonen, aber dennoch exportiert gerade Deutschland zunehmend mehr Pestizide in den Rest der Welt. Gerne sogar solche, die man in Europa gar nicht mehr einsetzen darf.

 

Warum aber kümmern, wenn es nicht vor der eigenen Türe ist?

Wie eingangs erwähnt, leben wir auf der gleichen Welt. Pestizide töten Insektenkulturen und tragen zum Verlust von Biodiversität bei. Die Bauern, Tiere und Konsumenten in anderen Ländern sind gesundheitlich davon betroffen. Unsere Natur und unsere Erde sind betroffen. Nicht zuletzt importieren wir hier viele Produkte, die genau aus diesen Regionen stammen. Viele der Gewürze und Tees, die wir täglich genießen, stammen eben daher.

Sind das genug Gründe?

 

Nun zu der Verschärfung des Wahnsinns

Es gibt in Deutschland mehr und mehr scharfe Auflagen für Bio-Produkte. Es dürfen immer weniger Pestizide in den Lebensmitteln sein, die als Bio deklariert werden. Das ist natürlich ein schönes Ideal und für den Endkonsumenten eine feine Sache, aber kombiniert Zunahme des Pestizideinsatzes und der leichten Verbreitung gleichermaßen etwas realitätsfremd.

Man kann nicht gleichzeitig mehr Pestizid spritzen und weniger Pestizid verlangen.

Nicht nur ist die Belastung somit erhöht, auch die Analyse wird immer schwieriger. Somit natürlich auch teurer.

Nun gut, genug dieser Tirade.

 

 

Was machen wir zur Kontrolle

  • Wir arbeiten mit akkreditierten Labors, die zusätzlich vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) akkreditiert sind, wie Labor Friedle, GBA, sowie mit dem auf Kräuter spezialisierte Labor Quanta (akkreditiert) in Zagreb. Wir nehmen teil am BNN Monitoring. Das System der BNN-Labor-Akkreditierung wird laufend validiert und aktualisiert.
  • Ggf. übernehmen wir Analysen der Vorlieferanten durch akkreditierte Labors.
  • Es existiert kein betriebseigenes Labor. Es existieren Prüfpläne zur Analytik. Die Lieferanten/ Herkünfte sind nach Risiko klassifiziert.
  • Gefährdete Produkte werden lückenlos auf die betroffenen Parameter analysiert. Alle anderen Produkte werden stichprobenartig oder im Screening analysiert.
  • Maßgeblich bezüglich Bio-Qualität sind für uns die BNN-Orientierungswerte. Das garantiert auch die Einhaltung der Pestizid-VO.
  • Kontaminanten (weitere Stoffe aus der Umwelt, auch Mykotoxine) werden nach Risiko und Verdacht analysiert.
  • Überschreitungen der BNN-Orientierungswerte führen zu weiteren Prüfungen und ggf. zu Meldungen und Ausschluss der Ware. Werden Rückstandshöchstmengen bei Pestiziden und Kontaminanten überschritten, ist die Ware nicht verkehrsfähig und geht nicht auf den Markt.

 

Hier mal eine Auflistung, was zum Teil standardmäßig, und teilweise nur auf Kundenwunsch gegen Kostenübernahme analysiert wird:

  • Pestizide Multimethode
  • Glyphosat
  • PAK
  • MOSH/MOAH
  • Mykotoxine
  • Mikrobiologie
  • äth. Öle
  • Allergene
  • SHU (Schärfegrad)
  • SO2
  • (Sudan-)Farbstoffe
  • Pyrrolizidinalkaloide (PA)
  • Tropanalkaloide (TA)
  • Nikotin
  • Cumarin
  • Jod
  • Phtalate
  • THC
  • Perchlorat/ Chlorat
  • Schwermetalle
  • Ethylenoxid

 

Kostenpunkt im Jahr: mehrere 10.000 EUR.

 

 Fotos: Terra Magnifica

Jahresanzeige 2022

 

Unsere Jahresanzeige 2022 zeigt eine bio- und idealtypische Lieferkette – relativ kurz: Die Bio-Bauernfamilie in Nordgriechenland liefert an unseren griechischen Koordinator, der die Analytik und den Transport zu uns organisiert. Zuvor hat er unseren Bedarf eingeholt und die jeweiligen Mengen bei seinen Bauernpartnern reserviert.

Ab 2023 gilt das neue deutsche Liefer­ketten­sorgfalts­pflichten­gesetz. Es verpflichtet Unternehmen, menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflicht umzusetzen. Verpflichtend ist es für Großbetriebe ab 3000 MitarbeiterInnen, ab 2024 ab 1000 MitarbeiterInnen.

Notwendig wurde es vor allem durch die ausbeuterischen Handelspraktiken in der Bekleidungs- oder Teppichherstellung, bei der Gewinnung von Bodenschätzen, oder in Steinbrüchen. Bei Lebensmitteln betrifft es die großen Monokulturen wie Kakao, Kaffee, Bananen, Zucker, Palmöl etc…

 

Anders gesagt, preis-aggressiv beworbene Produkte führen letzten Endes immer zu sklavenähnlichen Zuständen bei den Produzenten in den Ursprungsländern.

 

Infolge des neuen Lieferkettengesetzes werden jetzt durch den Lebensmittelhandel Mengen an Informationen und Dokumentationen gefordert, die sinnvoll nur in weiteren und kostspieligen Zertifizierungen zu bündeln sind. Die Ankündigung des Handels bleibt dennoch: „Aber die Preise müssen stimmen.“ 

Für Kleinbetriebe ist das zeitlich und finanziell nicht zu stemmen. Für Bauern, die natürlich auch geprüft sein müssen, erst recht ruinös. Wir sind gespannt, aber auch besorgt, wo das für Kleinbetriebe hinführt, denn mitmachen müssen sie, sonst werden sie ausgetauscht.

Insgesamt wird auch dieses Gesetz zu einer weiteren Konzentration der Strukturen führen. Uns wurde schon Bio-Ware mit dem Argument sorgfaltspflichtkonform angeboten, weil der Konzern-Lieferant in Übersee-Ländern auf eigenen Ländereien anbauen lässt (und deshalb u.a. die “existenzsichernden Löhne” in Griff hat). Eigentlich nennt man das Landgrabbing.

Auch das Machtgefälle beunruhigt uns, denn das Misstrauen geht hauptsächlich von ehemaligen Kolonialmächten gegen Drittländer (Ex-Kolonien) aus. Warum sollte ein tansanischer Bio-Bauer mit wenigen Angestellten deutschen Konzernführern mit einem hundertfach höherem Gehalt sein Lohngefüge und seine Ethik offenlegen? In den Fällen, derentwegen das Gesetz überhaupt gemacht wurde, ist sicher eine Orwellsche Total-Überwachung notwendig.

Pflanzen retten

Eins vorweg an all unsere Langzeit-Leser: wir haben hier eine Neuauflage einer bereits 2018 erzählten Geschichte, die aber auch immer noch ziemlich aktuell ist. Ganz im Sinne der Zeit haben wir sie neu aufgelegt, als Serien Format (eine echte Schreckflix Produktion), jetzt auch in 4k (naja…). Da wir daran nicht so viel Geld verdienen, eure Zeit wertschätzen und klassische Cliffhanger blöd finden, gibt’s die ganze Staffel aber als back to back release in Kurzfassung.

Was das alles heißt: im Grunde gar nichts. Hier ist die Geschichte.

 

Pflanzen retten 2021

ein Schreckflix Original

 

Basierend auf einer wahren* Begebenheit.

 

 

Pestizide und Plastik, die sich mittlerweile überall in der Umwelt und sogar im Menschen finden lassen, sind keine Neuheit. Es ist heute schwierig, davon nicht mehr zu hören. Doch haben Sie schon von CRISPR/Cas und Gene Drive gehört? Die genetischen Eingriffe zur möglichen Eliminierung der sogenannten Unkräuter sind zwar nicht mehr brandneu, aber dennoch sehr unbekannt. Auch wir berichteten neulich auf facebook darüber.

Nachdem wir von Heuschrecke nun seit über 40 Jahren mit Bio den Kampf gegen Pestizide führen, lassen wir uns auch von den neuen Maßnahmen nicht verunsichern. Wir stehen weiter ein für die Natürlichkeit der Pflanzen und die Gesundheit der Natur, dazu gehört eben auch vermeintliches Unkraut (was übrigens häufig in alten Heiltees und Kräutermischungen zu finden ist).

Und wenn die Genforscher nun meinen, bestimmte Widerstandsgene in Unkraut eliminieren zu müssen, dann fügen wir sie eben wieder ein!

 

Nach einer Krisenbesprechung am Montag zum Thema Genmanipulation, CRISP/Cas und Co, war klar, dass wir was dagegen machen müssen. Die Bewegung “Nicht-Auch-Noch-Unser-Unkraut” (NANUU) war gegründet.

Unser geübtes Heuschrecke-Personal hat langjährige Expertise im Umgang mit Pflanzen. Wir haben Experten für die Handhabung der Pflanzen, IT-Experten für Analyse, Verwaltung und Logistik, Fachkräfte für Transport großer Mengen, Kategorisierung und (Gen)-Mischung. Wir sind also gar nicht schlecht aufgestellt.

 

Genbank

 

Obendrein halten wir dank unserer großen Produktpalette eine unerschöpfliche Sammlung von Rückstellmustern aller hiesigen Wildpflanzen vor, die einer Genbank gleichkommt. Die Verwalterin unserer Genbank – wie wir den Rückstellmusterraum jetzt umgetauft haben – ließ gleich vermerken, dass unsere Rückstellmuster-Aufbewahrungsfrist ab sofort von 5 auf 500 Jahre hochgesetzt wird. So können wir langfristige Erfolge garantieren und sind gegen etwaige Pflanzen-Auslöschungs-Maßnahmen (PAMs) auch in entfernter Zukunft gewappnet.

 

Vorbereitung der Operation

 

Unsere Gegenmaßnahmen sind einfach wie effektiv. Wo Gene Drive u.ä. versuchen, bestimmte Gene auszuschneiden, setzen wir sie wieder ein:

 

Vorbereitung

 

Mit geschultem Auge erkennen unsere MitarbeiterInnen die kränkelnden Pflanzen, die schon an hiesigen Weges und Feldrändern stehen und bringen sie schnell in den eigens dafür eingerichteten Operations-Saal. Das Referenzmuster wird in der Zeit schon vorbereitet, Gene extrahiert, dupliziert (wir haben dafür ein Stammzellen-ähnliches Verfahren entwickelt) und mit Hilfe von Genreperaturschere und -lupe von unseren Pflanzenchirurgen wieder eingesetzt. Das Ganze ist nicht ohne Risiko, doch unsere Erfolgsrate spricht für sich.

 

Die fehlenden DNA-Abschnitte kommen aus Referenzpflanze wieder dazu
Nochmal in der Nahaufnahme

 

Die reparierten Pflanzen müssen sich dann erstmal auskurieren. In unserem Firmengärten werden sie gefüttert und umsorgt, sodass sie optimal gedeihen können. Pestizidfreie Ernährung und die milde rheinländische Luft sorgen für Nährstoffe, während Biomusik und vorsichtiges Streicheln die Psyche der traumatisierten Pflanzen wieder heilen. Sobald die Pflanzen wieder bereit für die freie Wildbahn sind, werden sie in ihre Heimat zurückgebracht und eingepflanzt.

 

Die Pflanzen kommen in die Reha

 

Unser Ziel ist es, möglichst viele Pflanzen zu retten. In unseren Augen ist jede Pflanze perfekt wie sie ist, jede Art wichtig für das Überleben unseres Planeten. Es gilt, die Diversität zu erhalten und wenn möglich sogar auszubauen. Nur so können wir eine langfristig glückliche Natur und somit auch glückliche Menschen erreichen.

 

Während unser eigener Arbeitsradius sich hauptsächlich auf unserer Region bemisst, sind wir bereits in Gesprächen mit unseren Lieferanten überall auf der Welt. Viele von Ihnen sind Experten für glückliche Pflanzen vor Ort, sodass wir uns große Chancen auf weitgreifenden Erfolg ausrechnen.

 

 

*nicht wirklich wahr, aber mit ein bisschen Wahrheit vielleicht.

Eine Studie zum Hype

Was passiert hier?

Gewürze und Kräutertee tragen grundsätzlich zu einer gesunden Ernährung bei. Aber jetzt in der weltweiten Pandemie werden bestimmte Kräuter und Gewürze knapp, denn vor allem diese sind in ihren jeweiligen Kulturen in Verdacht geraten, gegen das Virus wirken zu können. Das führt zu Engpässen, da die größten Mengen auf dem heimischen Markt bleiben. Beispiele sind Schwarzkümmel und Sternanis, die prompt in den westlichen Ländern ebenfalls übermäßig stark gefragt sind. Diese Interessenskonkurrenz ist leider die Kehrseite von Hypes.

Das neueste sind Fichten- und Kiefernnadeln. Sie enthalten eine Säure, die schon den Sternanis zum Hype gemacht hat. Alle wollen jetzt Tonnen von Nadeln. 

Was passiert dann mit so einer Kunden-Anfrage? Wir haben in diesem Fall unseren langjährigen kroatischen Partner, das Wildsammlungsprojekt Terra Magnifica gefragt. Dieses koordiniert Sammler- und Bauerngruppen in verschiedenen Regionen Kroatiens. In der außergewöhnlich schönen, aber sehr kargen und strukturschwachen Region Lika werden nun die Fichtenzweige geerntet, getrocknet und abgeschlagen. Eine willkommene Einkommensquelle für die erfahrenen Sammler, und viel raue Handarbeit. (biozertifizierte Wildsammlung wird in Kroatien nicht nur von der Kontrollstelle, sondern auch vom Forstamt überwacht, und die SammlerInnen sind geschult und wissen auch, wie viel und wie gesammelt wird, um einen Bestand nicht zu gefährden).

Die beiden Dokumentarfilmer und -regisseure haben für uns 4 Erstlings-Videos gedreht, aus denen der sehr schräge kroatische Humor blitzt. Das Cutten wurde auf Zweige beschränkt – Sie sehen den director’s cut. Übersetzt hat eine künstliche Intelligenz, die den Text noch ein bisschen schräger macht (Krone=Corona).

Viel Spaß und danke nach Kroatien. 

 

 

 

 

 

Container aus Sri Lanka

Container Beladung in Sri Lanka

 

Wir sind glücklich, dass die 2021er Ernte vom Kleinbauernprojekt SOFA nun eingetroffen ist.

Zurzeit ist es echt schwierig, überhaupt einen Container oder eine Schiffspassage zu bekommen – die Transportpreise haben sich vervielfacht. Letztes Jahr haben wir noch 1800,- Euro für den Import gezahlt, dieses Mal sind es 10200,- Euro. Grund sind Corona, die Lockdowns in Häfen, die Staus und der daraus resultierende Mangel an Containern und Schiffen.

 

Weißer Pfeffer

Eine Besonderheit gibt es dieses Jahr beim weißen Pfeffer. Durch die Lockdowns in Indien und Sri Lanka konnte die Planung für die spätere Ernte und Fermentation für Pfeffer weiß nicht durchgeführt werden. Das Kleinbauernprojekt PDS in Indien hat sich entschlossen, in diesem Jahr dann gar keinen weißen Pfeffer anzubieten. SOFA ist einen anderen Weg gegangen: statt der traditionellen Fermentation der später geernteten Beeren wurde schwarzer Pfeffer geschält. Die Körner sind hell, haben aber die Graunote des schwarzen Pfeffers. Man schmeckt beide Typiken: die würzigen Fermentnoten des weißen Pfeffers, aber auch das etwas rauere Aroma des schwarzen Pfeffers. Zum Kochen zu Hause vielleicht die perfekte Lösung, wenn man sich nicht zwischen schwarz und weiß entscheiden kann.

Auf jeden Fall sind jetzt genug Weihnachtsgewürze da!

 

Hier sind noch ein paar Eindrücke:

Neben den großen Säcken werden auch Pakete verladen
Macis – ganz und gemahlen
Muskatnuss – Ganz und gemahlen
Zimt – ganz und gemahlen
Schwarzer Pfeffer
Gewürznelken

Erklärung zu Ethylenoxid (EtO)

Was geschah

Seit Herbst 2020 gibt es vermehrt Ethylenoxid-Funde in Sesam aus Indien. Die Rückrufe deswegen haben auch einige Bio-Hersteller mit Sesamprodukten böse erwischt – so ein Rückruf kann extrem teuer sein wegen der Verwaltungskosten im mehrstufigen Handel.
In der RASFF-Datenbank ist dies nachzuverfolgen. RASFF ist das Schnellwarnsystem der EU für Lebens- und Futtermittel. Hier werden alle nicht gesetzeskonformen Befunde gemeldet, gesammelt, und in regelmäßigen Konferenzen mit den EU-Mitgliedsstaaten besprochen.
Für Ethylenoxid (EtO) gab es im Oktober 2020 eine eigene, erste Behörden-Konferenz, und das Thema wird öfter upgedatet. Infolge dieses Austausches unter den Mitgliedsländern werden Statistiken erhoben, Regularien erlassen (z.B. jeder zweite Sesamcontainer muss vom Zoll analysiert werden) und weitere Forschungen initiiert.

Seit Anfang 2021 gibt es auch vereinzelte Funde bei Curcuma und Ingwer aus Indien (unklar, ob bio oder konventionell). Wir haben daraufhin besagte Datenbank auf EtO gefiltert (seit 2008). Insgesamt gibt es sehr wenig Einträge, nur Einzelfälle verschiedener Herkünfte und Gewürze, unklar, ob bio und konventionell; kein System erkennbar.
Erst seit Winter 2020/2021 erfordert der Import aus Indien auch für Gewürze erhöhte Wachsamkeit.

 

Wofür wird EtO eingesetzt

Zur Entwesung und Entkeimung durch Begasung von Kunststoffen, Medizinprodukten, aber auch Lebensmitteln, die Probleme mit der Mikrobiologie (auch Salmonellen) haben, wie Getreide, Saaten (Sesam) und Nüsse.
In Deutschland und der EU ist die Begasung von Lebensmitteln mit EtO verboten, aber für Medizinprodukte erlaubt.
In anderen Ländern, vorneweg USA, wo das Verfahren auch patentiert wurde, sowie Indien und Kanada, ist es bei konventionellen Lebensmitteln erlaubt, aber wenigstens bei Bio-Lebensmitteln nicht erlaubt. EtO gilt als kanzerogen und mutagen.
In Europa werden (Stand 2011) jährlich 3,8 Mio. Tonnen Ethylenoxid produziert. Eine deutsche Hersteller-Firma wirbt immer noch (Stand 2018, abgerufen 2021) mit Ethylenoxid-Gas für Pflanzenschutz.

Die Begasungsanlagen sind recht teuer, und das Verfahren ist aufwändig, komplex und ziemlich risikobehaftet. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat sich inzwischen mit dem Gefahrenpotential von EtO befasst: in den letzten 30 Jahre gab es 4 Explosionen in europäischen Produktionswerken; zusätzlich dürfen auch die Gefahren durch die Dauerbelastung durch Hintergrundkonzentrationen für Arbeitspersonal und umliegender Bevölkerung nicht vernachlässigt werden.

Die Komplexität des Verfahrens macht klar, dass die EtO-Behandlungen in Drittländern wie Indien eher von sehr großen Exporteuren mit Exportvolumen in die USA/Kanada eingesetzt werden. Insgesamt ist die Datenlage (RASFF, BfR, Bundes- und Länderbehörden) aber noch gering.
Wir haben unsere Bio-Exporteure in verschiedenen Ländern (Indien, Sri Lanka, Afrika) befragt: überall sei die Landwirtschaft zu kleinteilig, um mit einer EtO – Anlage in Berührung zu kommen.
Global gesehen sollen wir also mit diesem Gift und viele anderen Giftstoffe leben; leider hat sich bisher kein Politik-Gipfel dafür interessiert, Verbote nicht nur auf einem Kontinent, sondern weltweit zu erlassen; die westliche produzierte Büchse der Pandora bleibt weltweit geöffnet …

 

Was machen wir

Da etliche Hersteller in unserer Biobranche bereits durch belasteten Sesam sehr geschädigt wurden, nehmen wir die Bedrohung ernst.
Seit Winter 2020 analysieren wir unsere Containerware aus Indien zusätzlich auf EtO (Im Jahr 2020 war größtenteils kein Import wegen der Lockdowns möglich). Alle Analysen sind bisher ohne Befund.

Unser indischer Partner, das Kleinbauernprojekt PDS, hat uns über neue verpflichtende Maßnahmen in Indien vor dem Export informiert:

 

„Our control Body announced a mandatory third party sampling and analysis for EtO (Ethylene Oxide) for herbs and spices export to all over the world. For getting the certificate of Inspection for the concern lot, we have to submit the EtO analyses report to our certification body. And we will share the EtO analyzed report for your reference.“

 

Die obligatorischen Analysen werden von einem zuverlässigen Partnerlabor des renommierten GBA Labor gemacht.

Andere indische Produkte erhalten wir über langjährige Importeurskollegen. Hier wurde teilweise bereits seit Mitte 2020 lückenlos auf EtO analysiert, neue Ware kaufen wir mit EtO-Analyse ein.

Wir versuchen ja, wenn es irgend geht, nicht einfach ‘Weltmarkt’ Gewürze, sondern bei uns seit Jahren bekannten Projekten einzukaufen bzw. bei ausgewählten langjährigen Importeuren, die flächendeckend eine überdurchschnittliche, chargen-genaue Analytik der Importgewürze betreiben.

Alte Ware aus Ernten 2019 und früher, die nicht mehr auf Lager ist, wird nicht von uns nachanalysiert, denn die RASFF-Warnmeldungen zeigen keine Anzeichen, dass schon vor 2018/2019/Mitte 2020 systematisch für Bio-Gewürze behandelt wurden. Produkte, wo eine EtO-Behandlung absurd erscheint wie (Salze, Spezialitäten bzw. kleinchargige Produkte) werden nicht auf EtO analysiert.

Gewürze werden üblicherweise, so auch im Bio-Bereich, mittels Wasserdampfs schonend keimreduzierend behandelt.
Das Foto zeigt die Heizung der Wasserdampf-Sterilisationsanlage von PDS. Das Verfahren funktioniert sehr gut.

 

 

Auf der anderen Seite der Erde…

Während sich das Jahr zu Ende neigt und wir schon mitten in der Inventur sind, passiert in einem anderen Teil der Welt etwas anderes:

Es wurde geerntet, getrocknet und alles in einen Container für uns verpackt, der jetzt gerade auf dem Meer schwimmt und Mitte Januar bei uns ankommen wird.

Die Bilder zeigen die Ernte von Gewürzen im Kleinbauernprojekt Sahyadri Spice Farmers / PDS in Kerala, Indien, und das Befüllen unseres Containers. Dieses Jahr war es wegen der Lockdowns in Indien extrem schwierig, die Ernten einzubringen. Einige Produkte sind nicht nur in Indien dadurch leider ausgefallen.
2021 wird hoffentlich wieder leichter für alle Menschen.
 
Die Curcuma Rhizome werde aus der Erde geborgen

 

 
So sehen sie dann aus, bevor sie getrocknet werden

 

Hier wird der Pfeffer geerntet

 

 
Die wunderschönen, farbprächtigen Beeren sind klar als solche zu erkennen. Nicht voll als Pfeffer, wenn man schwarze Schrumpelkörner sucht

 

Dazu kommen Ingwer…

 

 
…die surreal aussehenden Muskatnüsse…

 

 
… und Nelken.

 

Die Gewürze werden dann weiter verarbeitet. Hier zum Beispiel wird der Curcuma gesäubert
In der Gewürzfabrik von PDS wird weiter gereinigt, ggfs. sterilisiert und endgetrocknet. Hier steht unsere Lieferung fertig verpackt.
Der Transportcontainer kommt
Wird ausgekleidet mit Pappe gegen die Schwitz-Feuchtigkeit.
und sorgfältig mit den Gewürzen beladen

 

 

Das wars. Nun tritt er vollends seine Reise zu uns an.

 

In diesem Sinne verabschieden wir und auch bis ins nächste Jahr. Wir hoffen ihr kommt, genau wie unser Gewürzcontainer, gut ins neue Jahr.

Wir wünschen euch frohe Weihnachten und eine erholsame Zeit mit viel gutem Essen.

 

Lieferkette: Rooibusch Chai

Für uns gehören zu unseren Produkten, und zum Bio-Anbau im Allgemeinen, die Menschen, die dahinter stehen. Deswegen besuchen wir, wenn wir können, gerne unsere ErzeugerInnen, arbeiten bevorzugt mit (Klein-) Bauern-Projekten und stehen in regem Austausch mit denen, die auf die ein oder andere Art mit unseren Produkten verbunden sind. Gerne teilen wir auch unsere Erfahrungen und Eindrücke mit Euch, zum Beispiel durch die zahlreichen Lieferportraits und kleinen Berichte hier und dort.

 

Aspekt zum geplanten Lieferkettengesetz: Im Moment wird debattiert, ob es sich auf bestimmte Betriebsgrößen, oder auf alle, auch kleinbäuerliche odet kleine Lebensmittelbetriebe beziehen soll. Vorgänger ist in etwa die BSCI-Zertifizierung.

Die BSCI Risiko-Länder-Liste ist durchaus wichtig für problematische Massenprodukte wie Palmöl, Baumwolle, Zucker oder Stein, oder für die Bekleidungsindustrie. Auf die in typisch kleinteiliger Landwirtschaft erzeugten Bio-Gewürze und -Kräuter wirken BSCI-Kriterien absurd.
Von der Risiko-Länder-Liste beziehen wir, z.T. bewusst, um Prozesse voranzubringen, aus mindestens 15 Ländern von Ägypten bis Zimbabwe Bio-Ware.
Die Einkaufsstrategie der Heuschrecke mit diesen schlecht beleumundeten Ländern ist der Versuch, entwicklungs- und biopolitisch in einem postkolonialen Export-Importsystem (Terms of Trade), für Tee, Kräutern und Gewürzen Signale für einen gerechteren Umgang mit Kleinbauern und deren Exportfirmen zu setzen. (Bei den bäuerlichen Familien gehen wir realistisch davon aus, dass auch die Kinder neben den Schulzeiten mitarbeiten – es hat jedoch nichts mit Arbeit in Steinbrüchen oder Baumwollspinnereien zu tun.)

Diesen Anspruch können wir nicht bei allen ca. 800 Produkten erfüllen, aber bei vielen wichtigen doch.
Wenn wir nicht selbst vor Ort einkaufen können, versuchen wir, von hier aus über Importeurskollegen gute Qualität zu fairen Preisen zu beschaffen indem wir auch die geschmacklich besseren, teureren Qualitäten von Gewürzen, Kräuter und Tee ins Sortiment aufnehmen.

Im Bio-Bereich, besonders bei Gewürzen und Kräutern, gibt es immer wieder zuwenig Rohstoffe in der von uns gewünschten höheren Qualität. Die Risikoländer zusätzlich zu meiden, kann nicht unser Ziel sein (in anders gearteten Geschäftsfeldern (Klamotten…) mag das anders zu bewerten sein). Die Unterstützung der einheimischen Kleinbauern-Landwirtschaft – am besten bio – ist immer elementar, egal wo. Gerade in Krisenländern ist dies etwas ganz Grundsätzliches, Innovatives, gegen den Strich der meist durch und durch korrupten Diktaturen u.a.

 

Das ist der erste Teil einer kleinen Reihe von Beiträgen, in denen wir unsere Lieferketten abbilden möchten – Vom Anbau bis zum fertigen Produkt. So möchten wir mit Euch die Arbeit teilen, die in die Herstellung unserer Tees und Gewürze fließt: die Menschen dahinter, die Anbaugebiete und die Prozesse.

Wir wünschen Euch viel Spaß!

 

In diesem Beitrag geht es, wie der Titel schon vermuten lässt, um Rooibusch Chai. Der Tee selber kommt aus einer Bauern Kooperative aus Wupperthal, Südafrika, von der wir auch schon das ein oder andere Mal berichtet haben.

 

 

Um einen Rooibusch Chai daraus zu machen, muss er natürlich noch mit feinen Gewürzen veredelt werden. Dazu kommt alles in eine riesige (naja, verhältnismäßig) Mischtrommel und wird dann von unserem Mitarbeiter Azimi von Hand vermengt.

Wir verwenden neben dem Rooibusch Tee Orangenschalen (Ghana), Zimstücke (China und Indonesien), Ingwer (Indien), Piment (Honduras), Cardamom (Guatemala), Nelken (PDS, Indien) und Zitronengras (Kimango Farm, Tansania).

 

 

Dann muss der Tee natürlich abgefüllt werden. Sofern der Tee kompatibel ist, passiert das bei uns auf dieser herrlich alten Abfüllmaschine (Präziblitz), die auch nicht ganz ohne Handarbeit auskommt.

 

Und so kriegt ihr dann unseren Tee. Aus dem fernen Südafrika, gemischt mit indischen angehauchten Gewürzen in Troisdorf, zu Euch – wo auch immer ihr seid. Das ist ein Teil der Lieferkette, den wir nicht mehr nachvollziehen müssen!

 

 

So oder so ähnlich sieht der Tee dann fertig aus. Am besten schmeckt er uns übrigens mit etwas Milch, gerne Hafermilch!

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