Ohrenkuss: Natur

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

In der neuen Ausgabe geht es um das große Thema Natur. Für viele ist es ein wunderbarer Ausgleich, für manche eine beängstigende Sache, die lieber aus der Ferne beobachtet wird. Für mich persönlich ist es ein Grundstein für das Glück – eine Meinung die auch in den Texten immer wieder auftaucht. Im Heft beschreiben die AutorInnen ihre Beobachtungen, Gedanken und Gefühle zu verschiedenen Themen, die wir hier ganz frei kategorisiert haben.

Das Heft selber hat einen anderen Aufbau gewählt – es stellt ein Alphabet der Natur dar, wie immer gepaart mit einem hochkreativen Design und aufbereiteten Bildern.

 

Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

Jahreszeiten: Natur in vier Formen

 

Julia Bertmann, selbst am Computer geschrieben
Natur sind auch die 4 Jahres-Zeiten. Ein Kastanien-Baum blüht im Frühjahr, hat im Sommer viele grüne Blätter, hat im Herbst Kastanien und verliert zum Winter hin die Blätter. Das passiert ohne dass der Mensch etwas daran macht.

 

Johanna von Schönfeld, mit der Hand geschrieben
Ich hasse die Winternatur, weil ich sehe das die Bäume und überhaupt die Landschaft in der Natur keine Kleidung mehr haben. Und es ist verschneit, Arschkalt, Graues Wetter. Deswegen haben viele schlechte Laune und ich habe um 6 Uhr früh Schwierigkeiten beim aufzustehen.

 

Johanna von Schönfeld, mit der Hand geschrieben
Im Frühling wär ich gerne geboren. Es sieht alles wieder nach Leben aus. Sobald der Frühling kommt freuen sich die Menschen.

 

Natascha Seibt, diktiert
Ich liebe Sommer, wenn der Sommer anfängt ist die Uhrzeit anders. Mir gefällt, wenn die Blumen wächst, wie eine Sonne über Tal wächst. Und kann man sehr gut wandern, muss man sehr viel Wasser trinken und zum Baden zu gehen und Eis zu essen.

 

Maria Trojer, selbst am Computer geschrieben
Ich habe einen Traum mit Fichtenduft, bunte Blätter liegen am Boden, weil der Herbst ein Maler ist.

 

 

Natur empfinden

 

Damian Bright, selbst am Computer geschrieben
Ich laufe durch den Wald und höre die Vögel singen unten meine Füsse raschelt dass Laub. Die Alte Bäume stehen neben den junge Bäumen. Blumen blühen und duften. Ein Baum stumpf leuchtet goldig angestrahlt von der Morgendlichen Sonne. Es richt alles frisch nach dem Gestrigen Regen. Die Luft im Wald ist kühl die Sonne scheint durch die Bäume auf den Boden. Es ist wie ein Traum. die Rinde der Bäume ist feucht. Die Zeit ist endlos, alles ist still nur dass singen der Vögel ist zu Hören. Danke Wald, nach dem Spaziergang bin ich entspannt und glücklich.

 

Teresa Knopp, diktiert
Für mich ist Natur sehr sehr befreiend und ich lasse sehr viel los. Wenn ich wütend war oder ich angespannt war, dann kann ich richtig loslassen und ich kann wieder in die nächste Woche wieder starten mit neuer Kraft.

 

Dorothee Reumann, diktiert via FaceTime
Spazieren am Meer mit den nackten Füßen gehen, kalte Meer und Füße im Meer, schön – jetzt ein Eis mit dem Sonnenschein. Sonnenschein macht gute Laune! Gute Laune macht schön!

 

Anna-Lisa Plettenberg, mit der Hand geschrieben
Ich bin eine Pflanze Die lacht und weint aber Glücklicht ist Ich hätte früher eine große Sonnenblume an der linken Hand und an der rechten Hand eine große Schultüte gehabt und ich war sehr klein. Das war witzig gewesen. Die Sonneblume bin ich ganz alleine

 

Anna Münz, am Computer geschrieben
Ich fühle das, ich ein Teil der Natur bin. In andere bin ich eine Blume die Wärme und die Sonne. Ich kann alle Herzen erhellen und erwärmen. Ich allein bin verbunden in Natur. Ich bin das Glück auch bin ich Geborgenheit. Denn das ist wichtig wenn man ein Teil der Natur ist.

 

Ansgar Peters, selbst am Smartphone geschrieben
Hammer Cool ich Liebe dich du Schöner Schnee

 

Angela Fritzen, diktiert
Die Natur, die Freiheit ist für die Vögel zu fliegen und die Gefühle rauszulassen. Nicht nur die Menschen haben Gefühle – die Tiere haben das auch. Ich fühle mich befriedigend zu geben. Ich fühle mich geehrt. Ich fühle mich wie neugeboren. Ich fühle mich nach links nach rechts. Ich lasse meine Gefühle frei. Die Gefühle ist in mir. Ich fühle mich, dass die Liebe stark macht. Ich fühle mich, wenn ich selbst ein Foto mache. Ich fühle mich länger zu schlafen. Ich fühle mich die Luft rauszulassen. Jetzt fühle ich mich, wenn ich auf den Sessel sitze. Meine Gefühle ist für einkaufen. Ich fühle mich frei. Ich fühle mich nur für mich, mitten im Herzen. Hier bin ich ein Mensch zu sein mit den schöne Gefühle. Ich habe die Gefühle, am iPad euch zu sehen. Ich wünsche die Gefühle verlassen werden. Mein Gefühl ist: Mein Magen knurrt.

 

Natur wahrnehmen

 

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben
Natur kann mannn richen und schmecken Natur kann mann auch anfassen. Natur kann ich auch fühllen und spüren. Die erde deuch die hände flissen lassen. Ich kann auch die erde anfassen. und deuch meine hände risseln lassen.

 

Maria Trojer, selbst am Computer geschrieben
Sonnenstrahlen die schimmern so schön in die Finsternis hinein. Um sich zu verstecken darin.

 

David Blaeser, selbst am Smartphone geschrieben
Die Natur ist von den Menschen geschaffen. Die Natur verbindet von Menschen und ist ein Teil unser Gebiet. Die Erde ist aus zwei Drittel Wasser. Das heißt, dass wir nur ein Drittel grüne Fläche haben. Die Natur bedeutet, dass die Tiere und Menschen Freiheit haben.
Ich bin ein Teil von Natur.

 

David Blaeser, diktiert
Also für die Leute, die Lagerfeuer anzünden wollen, habe ich Tipps:
Man braucht brennbare Holz, bzw. brennbare dicke Holz. Man braucht Äste und ein bisschen Blätter, um Kohle herstellen. Tipp: Keine feuchten Blätter nehmen. Und keine Blätter, wo man die ganze Zeit kratzen muss.
Hier kommt ein Achtung-Zeichen.
Dann kann man aus Steinen einen Kreis formen. Weil Steine kühler sind als das Feuer.
Dann nimmt man Zeitungsblätter, zerknüllt es, zündet man es an, die ganze Fläche und schmeißt was ins Lagerfeuer. Und dann kommt das nächste Zeitungsblatt. Das Holz muss man so eine Art wie Pyramide bauen. Dann schmeißt man an angezündeten Zeitungsbälle da rein.
Und – das ist ganz wichtig: Alles verbrennen zu lassen.

 

Mirco Kuball, selbst am Computer geschrieben
Ich war im Regen ich auch nass und kalt
Die Bäume waren auch nass über all auf der Welt
Die Natur waren auch nass
Die Straßen waren auch nass
Ein Mal war es dunkel
Ein Mal kam die Sohne harus
Ich mag regen Gerne will es gut ist für uns alle wir können Wasser trinken.

 

Julia Bertmann, selbst am Computer geschrieben
Man atmet die Natur ein, man kann die Natur auch fühlen, und man spürt die Natur auch am ganzen Körper.

 

 

Tiere

 

Marley Thelen, selbst am Computer geschrieben
Wenn die Tiere Natur sind dann sind Menschen auch Natur.

 

Teresa Knopp, diktiert
Wenn ich so früh wach werde, dann höre ich sie manchmal, und dann kann auch der Tag richtig schön werden. Vögel sind etwas sehr Faszinierendes. Man sieht sie nicht richtig. Man hört sie nur.

 

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben
Natur ist alles. In Natur kann auch wunderscön sein in natur in natur kann auch fahratausflüge unternemen. In natur ob whol ich es hasse. Ich liebe das gefül das über mein körpper und über meine haut rum krappelt und andere krappeltire bei mir rum krappeln. das gefül liebe ich so sehr ich liebe es. das. alles. krapppe

 

Johanna von Schönfeld, mit der Hand geschrieben
Die Vögel nerven mich vorallem in der Frühlingszeit sobald die laut zwitschernt mich wecken und das ist meistens zu früh.

 

Natalie Dedreux, selbst am Laptop geschrieben
Ja Natur ist wunder schön und ich mag auch wenn die Tiere Krach und Musik in der Natur machen und die machen einen Höllen Lärm. Und das hört sich so an wie ein Konzert von Insekten und Vögel. Und das ist für mich Musik in der Natur und ich finde das cool das in der Natur Krach gemacht wird.

 

Ansgar Peters, selbst am Smartphone geschrieben
Ach wie schön so ein Igel Beby Süß so Klein und Kuschelich und Herrlich und ich bin jetzt Glücklich mit dem Beby Igel zu Spielen

 

Verena Elisabeth Turin, mit der Hand geschrieben und selbst am Computer abgetippt
Diese Glühwürmchen leuchten in der Dunkelheit sehr hell. Und sehr romantisch. Sie zeigen uns den richtigen Weg

 

Zum Abschluss:

 

Julian Göpel, selbst am Computer geschrieben
Bitte keine Umweltbeschmutzung machen im Wald und in der Stadt und auf dem Land.

 

Und von mir wieder eine wirklich herzliche Empfehlung das Magazin in seiner Gänze zu lesen. Es ist eine wirklich freudige Begegnung voller Emotionen und Beobachtungen des Lebens – kunstvoll aufbereitet.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es schon seit 1998.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Text und Fotos © Ohrenkuss