Ohrenkuss: Geschwister

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Die neue Ausgabe dreht sich rund um das Thema Geschwister. Geschwister haben ist besonders, unvergleichlich. Manchmal anstrengend, oft schön. Mit viel Freude, Unterstützung, Verständnis und gegenseitiger Bewunderung berichten die Autoren selbst, aber teilweise auch ihre Geschwister. Sie erzählen aus dem Leben.

Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

 

Über Geschwister…

 

Lioba Ullrich, ditkiert
Die sind einfach in meinem Herzen, das kann man nicht beschreiben. Wenn ich die jetzt so sehe, dann denke ich, dass meine Geschwister das Beste von mir rausholen wollen, dass ich auch selbstständig werde.

 

Angela Fritzen, diktiert
Ich reite alleine, aber sie selbst nicht, meine Schwester nicht. Das ist ein großer Unterschied. Ich bin keine Ärztin, aber meine Schwester schon. Sie ist normal und ich bin mit. Sie hat kein Down-Syndom, aber ich hab’s. Das ein großer Unterschied. Merkt man auch an.

 

Pia Heim, handgeschrieben
Bei meinem Bruder und bei meiner Mutter und mir sind gewissen Ähnlichkeiten. Wir machen alles gemeinsam und wir sprechen über alles. Wir haben keine Meinungsverschiedenheiten. Ich freue mich immer wenn er kommt.

 

 

Natalie und Fredo

 

Fredo Dedreux, am Computer geschrieben
Ich heiße Fredo Dedreux und bin 17 Jahre alt. Meine Schwester Natalie Dedreux ist 21 Jahre alt.
Ich finde toll an meiner Schwester:

  • Freude am Leben
  • Wie einfach Natalie die meisten Dinge sieht → unkomplizierte Sichtweise auf die Umwelt
  • Wie sie sich für Menschen mit Down-Syndrom einsetzt → und dass sie damit schon so weit gekommen ist
  • Wie interessiert sie am Rest der Welt ist → politisch, kulturell, …
  • Dass sie sagt, was sie denkt und sich keine Sorgen macht, was das für Konsequenzen haben könnte

Das laute Singen meiner Schwester im Nebenzimmer (nicht mehr aktuell, weil sie ausgezogen ist) finde ich doof, was anderes fällt mir aber nicht ein.
Von meiner Schwester habe ich gelernt, Sachen einfacher bzw. unkomplizierter zu sehen.
Nicht zu “überdenken” → Dinge akzeptieren, wie sie sind.
“Das wird schon irgendwie” → alles was kommt, wird funktionieren.

 

 

Natalie Dedreux, diktiert
Mein Bruder heißt der springende Freddy. So nenne ich ihn gerne. Weil mein Bruder cool ist. Für mich ist es mein Bruderherz. Vor allem mit Liebe. Geschwister sein ist für mich etwas Besonderes. Wir waren als Geschwister sehr viel unterwegs. Ich bin die einzige Schwester, die hier das Down-Syndrom hat.

 

 

Jonas und Nora

 

Jonas Möhl (4 Jahre alt) und Nora Möhl (3 Jahre alt)

 

Jonas Möhl, diktiert
Magst du Nora? Ja
Was findest du toll an Nora? Noras Stoppersocken.
Hast du einen Spitzname für Nora? Spitznamen kenne ich nicht. Spitz sind Zähne.

 

Nora Möhl, diktiert
Was magst du an Jonas? Ich mag mit Jonas Doktor spielen.
Hast du einen Spitznamen für Jonas? Jonas hat keinen Spitznamen vorher und jetzt hat er einen.
Was denn für einen? Joni Spitznamen hat der Jonas. Und ich habe Nörchen Spitznamen.
Kannst du dich an eine schöne Sache erinnern, die du früher mal mit dem Jonas gemacht hast? Wir haben draußen gebadet in dem Swimmingpool (Erinnerung an das Planschbecken, was wir letzten Sommer im Garten aufgestellt hatten).

 

 

 

Das finde ich …

 

Dorothee Reumann, diktiert
Manchmal gestritten oder nicht, manchmal vertragen und umarmt.

 

Martin Weser, handgeschrieben
An meinem Schwester und Bruder über alles gut. Die sind in Leben ganz wichtig das finde ich toll. An meine Geschwister. Die sind besonderes für mich da. Ich finde toll das wir Gegenzeitig schreiben ich habe Geschwister Gruppe das wir schreiben können das ist toll.

 

 

Spitznamen

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert
Meine Schwester nenne ich Evi oder Eva.
Meine Schwester nennt mich Lisi zu mir.
Ich finde das sehr schön, wenn meine Schwester mich so nennt.

 

David Blaeser, diktiert
Wenn ich ehrlich bin, meine Geschwister sagen mir immer “kleiner Bruder”. Für mich fühle es gar nicht so gut an, weil ich ja gar nicht klein bin, sondern nur in der Größe hängt es davon ab, aber ich ja groß genug für mein Alter, ja klar bin ich 16 Jahre alt, aber es nicht ob ich klein bin, ganz klein! Die sollen einfach sagen: einfach nur David.

 

 

Zusammen

 

Paul Spitzeck, diktiert
Ich ware mit mein Schwester mal in Kino alleine gegangen. Das haben wir genossen ohne Eltern.

 

Marc Lohman, diktiert
Liebe Nadine, ich freue mich auf den schönen Urlaub. Sag mir mal, wann wir los fahren und in den guten Morgen starten. Auf den schönen Tag. Und wir machen auch mal Pause zwischendurch. Hoffentlich kein Stau. Das ist in der Woche. Guten Morgen Urlauber, bin gespannt, was wir am Tag machen. Wo wir ankommen, in welchem Ort. Bestimmt auch Städte. Leute sind sehr freundlich.
Liebe Grüße, Marc

 

 

Voneinander Lernen

 

Claudine Egli, diktiert
Das haben meine Schwestern von mir gelernt: Nöd jufle! (Schweizerdeutsch. Bedeutet auf deutsch: Nicht hetzen!)

 

Martin Weser, handgeschrieben
Von meinem Bruder habe ich Auto gefahren gelernt oben auf der Wisse und auch Tracktor als Früherschein das war alles wunderbar. Mein Bruder Herz hat mir Wie man Tracktor das hat er mir gelernt.

 

 

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Swetlana Gasetski, instagram.com/swetlanagasetsk, Text und Fotos © Ohrenkuss

 

Ohrenkuss: Ukraine

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

 

Der Einleitungstext kommt dieses Mal von Teresa Knopp, einer Autorin des Ohrenkuss-Teams höchstpersönlich.

 


 

Teresa Knopp, diktiert

Ohrenkuss besteht schon seit 20 Jahren und ist ein Magazin. Wir schreiben zu einem bestimmten Thema, aber jeder hat ja eine Meinung, als der andere.
TOUCHDOWN 21 hat nicht so eine lange Geschichte hinter sich, das besteht seit 4 Jahren. Das ist ein Forschungs-Institut. Wir forschen zum Thema Down-Syndrom.
In der Ukraine waren wir als TOUCHDOWN 21 Team unterwegs. Es gab eine Ausstellung. Und es gab Vorführungen von TOUCHDOWN 21 mini. Es gab Gespräche und Austausch.
Aber jetzt gibt es auch einen Ohrenkuss zum Thema Ukraine. Denn es gibt so viele schöne Texte zu dem Thema.

 


 

Behandelt wird das Land, die Ausstellung, sowie die gegenwärtigen Themen: Was wichtig ist, Arbeit und Wünsche. Wie immer variieren die Texte und Inhalte sehr: manchmal beschreibend, manchmal tief greifend, manchmal auch banal oder herzlich; aber vor allem sehr menschlich. Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

 

Natalie Dedreux, diktiert

Priviet heißt Hallo auf Deutsch.

 

 

 

UKRAINE

 

Ansgar Peters, selbst am Computer geschrieben

In Ukraine ist ser Groß um Glauplich Groß es wohnen auch Wenige Leute da und es Gibt Viel Landschaft und Tiere in Ukrarine und auch Wunderschön dort.

 

Johanna von Schönfeld, diktiert
Die Ukraine ist ganz bunt.

 

Valentyn Radchenko, diktiert

Alle, die in der Ukraine leben, sind meine Menschen. Ich sehe ihre Häuser. Sie sind meine Nachbarn.

 

Teresa Knopp, diktiert

Wir hatten einen Dolmetscher gehabt, sodass wir die Leute auch da verstanden haben. Das Wichtigste war für mich, dass wir in der Sprache des Herzens gesprochen haben.

Das ist die innigste Verbindung zwischen Deutschland und der Ukraine.

 

 

 

WAS WICHTIG IST

 

Nataliia Samsonova, diktiert
Wichtig ist, dass ich ich selbst bin.

 

Yevhen Holubentsev, diktiert

im Auto rauchen

glücklich
zusammen mit Freunden

Herz und Liebe

 

Yevhen Navoenko, diktiert

Ein Telefon ist wichtig in meinem Leben. Ohne Handy gehe ich nicht aus dem Haus.

 

 

 

ARBEIT

 

Natalie Dedreux, diktiert
In Deutschland ist es so: Fast alle Menschen mit Down-Syndrom haben eine Arbeit. Ich will Journalistin werden. Das ist auch Arbeit. Menschen mit Down-Syndrom können auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten. Oder in der Werkstatt. In der Ukraine haben nur fünf Leute mit Down-Syndrom eine Arbeit. Das ist, weil Inklusion dort noch nicht so oft gemacht wird, weil es daran noch hapert. Das muss sich ändern.

 

Valentyn Radchenko, diktiert
Ich arbeite nicht. Ich sitze zu Hause. Ich arbeite nicht. Ich will arbeiten! Ich suche nach Arbeit! Ich suche nach einer neuen Arbeit. Ich suche. So ist es.
Ich kann schreiben. Ich will in einem Werk arbeiten. Ich möchte arbeiten beim Straßenbau. Darauf warte ich!
Für mich ist es wichtig, zu arbeiten. Ich möchte Straßen und Brücken bauen.

 

Nataliia Hetmanova, diktiert
Ich bin auf die Sache konzentriert.
Geschäftlich.
Arbeit ist eine ernste Sache. Ich schwatze nicht so viel. Ich bin nicht zum Spaß aufgelegt. Ich schwatze nicht. Ich meine es ernst.

 

 

 

WÜNSCHE

 

Vladyslav Pohribnyi, diktiert
Ich werde mit Geduld darauf warten, dass jemand mich liebt.

 

Nataliia Hetmanova, diktiert
Ich möchte gerne Motorradfahrerin werden. Ich will ein Bike fahren! Ich will Rennen fahren mit Freunden, mit zwei Jungs. Ich fahre eine Kawasaki Ninja 300. Ich möchte das Motorrad hier in Kiew haben. Es ist ein Benzin-Bike.
Ich kenne mich mit Motorrädern aus. Ich verstehe viel davon. Ich verstehe etwas von Motoren! Ich will den Motorradführerschein machen. Dafür brauche ich Training. Das würde ich gerne täglich machen. Ich hätte gerne einen Trainer, der mir das Motorradfahren beibringt. Ich würde gerne Tricks machen mit dem Motorrad. Das ist energetisch. Zum Beispiel, wenn man das Bike auf das Hinterrad stellt. Dann fährt man rückwärts. Das fühlt sich supergeil an!

 

Nataliia Samsonova, diktiert
Ich möchte, dass die ganze Welt lebt und am Leben bleibt.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Britt Schilling, www.brittschilling.de Text und Fotos © Ohrenkuss