Ohrenkuss: Verbindung

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Die neue Ausgabe dreht sich rund um das Thema Verbindung und Unverbindung (durch Corona). Für manche ist die Zeit schwieriger, für manche einfacher. Es kommen viele schöne und weniger schöne Facetten zum Vorschein, wir erfahren Tipps und manchmal wird auch einfach nur das gesagt, was gesagt werden muss. So entstand ein wirklich rundes Programm, dass die letzten Monate eigentlich ganz gut zusammengefasst hat.

Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

 

Nora Fiedler, als eMail geschrieben

Ich spüre eine Verbindung auch in meine Liebe … in der Sensucht sehe ich auch eine Verbindung. Alle Bewegungen jeden einzeige Köpper Teile die sich bewegen verbinden sich in eine starke Verbindung. Das ganze Leben und das ganze Weld gib auch eine Verbindung.
Ich spüre auch eine Verbindung bei meine Familiche. Und alle die Sonne und der Mond ist auch eine Verbindung zu sehen auch bei Tag und Nacht ist auch eine Verbindung. Das ganze Wld. Gibt eine Verbindung wie bei Leben und Sterben.

Einfach alles … in mein Kopf und in meine Gedangen dehe ich auch eine Verbindung ich versuche die Verbindung raus zu grigen das ich wieder klar dengen kann und dann fühle ich mich wieder frei an dann bin ich für alles ofen und frei. DAS GANZE WLD. GIBT EINE VERBINDUNG WIE BEI LEBEN UND STERBEN 

 

 

Die zwei Seiten des Corona-Lebens: Freuden…

 

Daniel Rauers, 16.03.2020, diktiert bei Zoom

Was ich lustig finde: Wenn ich zu meine Eltern bin. Ich hab ein gutes Leben ich habe. Mein Leben ist gut, wenn ich zusammen Zeit mit meinen Eltern verbringe. Meine Zeit, das ist irgendwie interessant. Ich will es gerne verraten, mit meine Zeiten mit meinen Eltern zu verbringen. Gestern haben wir ein Huhn gegessen. Ein gekochtes Huhn. Huhn mit Reis. Gestern am Sonntag bin ich Fahrrad gefahren, gestern Sonntag. Was habe ich noch gemacht? Wir haben Kuchen gegessen gestern. Ich liebe Kuchen! Ich spiele gerne Schlagzeug. Ich spiele gerne freiwillig. Mehr.  

 

Marc Lohmann, 02.04.2020, diktiert am Telefon

Mir geht es gut und mal noch gucken, was wir heute Nachmittag machen. Gleich mal heute rausgehen. Und mit den quatschen, was spielen. Und dann gibt es eine Kaffee danach, am Nachmittag. So lange gehe ich in Terrasse in den Garten. 
Schönes Wetter, ja! Gestern war es auch schön. 
Aber sonst, ich bin fit und ich bin gut drauf! 

 

Martin Weser, 03.04.2020, diktiert

Ich habe ganz sehr viel gemacht. Mit meinem Onkel und meiner Mutter geholfen. Mein Onkel hat den Holz gesägt. Ich aufgestapelt, in einem Gitterbox. Ich habe auch mit Laubbläser zusammen durchgepustet. Ich hatte mein Spaß gehabt! Ich habe auch meiner Mutter geholfen: Gießkanne voll gemacht. Und meine Hosen aussortiert, die mir nicht mehr passen. Im Kleiderschrank aussortiert. Und viel gekehrt, unser Hof. Wir haben genug Holz zu machen. Dann kann nächsten Winter kommen. Ganz bestimmt! Ich hab keine Langeweile.  
Und abends schön faul auf dem Sofa, mit Entspannung, mit einer Kerze am Fenster, denken an die Leute in Krankenhaus arbeiten, dass bald weniger Leute krank werden. Und zu Hause bleiben. Darum: Hände waschen. 

 

 

… und Leiden

 

Andrea Halder, 17.03.2020, selbst am Computer geschrieben

Eigentlich geht es mir im Moment nicht so gut und lustig. Weil sehr viele von meinen Lieblingsbeschäftigungen finden leider nicht statt, in den nächsten folgendenen Wochen sind alle meine Termine komplett abgesagt worden. Echt uncool.
Ich sitze gerade an meinem Laptop und beschäftige mich mit meinen neuen Artikel über Corona-Virus! Da kann ich mich jetzt so richtig reinsteigern. Ich bin jetzt gerade ein paar Tage bei meiner Mutter auf Corona-Ferien eingezogen. Mal sehen, wie lange sie es mit mir aushält. Und ich mit ihr. Sie hat eben Geburtstag gehabt. Langweile kann man es hier nicht nennen, denn meine Mutter ist bekannt darin um mich auf Trab, besser Galopp zu halten!
Man fühlt sich wie eingesperrt sich an, oder am eigenen Leib wie eingemauert in einer Wand.

 

Marc Lohmann, 29.03.2020, diktiert am Telefon

Toll ist es nicht hier, ist schon langweilig. Mitte August bin ich schon ein Jahr hier.  Alles zu, Werkstatt, alles zu. Hat geschlossen. Dauert länger. 
Habe ich Tagesschau gehört. Nur einmal habe ich gesehen. Ist nicht besonders. 
Glaube, es ist besser, wenn ich in Bonn wohne, wäre mir lieber. 
Eigentlich wäre ich am Wochenende zuhause, aber das darf ich nicht.  Das ist Mist. Ohne mich haben die kein schönes Wochenende. Auch Ostern darf ich nicht nach Hause. Ist auch gemein, finde ich. Immer neue Sachen… 

 

Dominic Edler, 04.04.2020, selbst am Computer geschrieben

Was soll ich machen wenn mir meine ??? WG ein Beuscher-Verbot mir gibt?
Das kömmte in Bonn auch prassrien.  
Dominic von meiner WG im Göppingen gertent wurde. Deswegen bin Eltern jetzt leben zu müssen das ist echt füchtbar.

 

 

Der Alltag

 

Ansgar Peters, 25.03.2020, als eMail geschrieben

Virus zu haben ist nicht Schön das wäre gut das wir gesund Bleiben.

 

Michael Häger, diktiert am Telefon

Katja?  Treffen am Dienstag Ohrenkuss? Heute ist Samstag. 
Finde ich schwer. Finde ich scheiße. 
Ist sehr schwer, kommt kein Taxi mehr und kein Bus. 
Katja? Und die anderen, alle gut? 

 

Andrea Halder, selbst am Computer geschrieben

Home-Office bedeutet dass man von zu Hause her arbeiten kann. Das Wort ist englisch und Home bedeutet Haus. Und das Wort Office stammt auch aus dem englischen und bedeutet Büro. Zusammen bedeutet das ganze Wort Haus-Büro. Für manche Menschen ist das praktisch, für andere aber nicht.

 

Andrea Halder, selbst auf dem Computer geschrieben

Jetzt in der Corona-Zeit ist es oft egal wie man sich anzieht im Home-Office. Ich weiß das bloß von anderen Leuten. Unten rum sitzen sehr viele nur in ihrer Jogginghose/Leggings und oben rum sind sie ordentlich angezogen.
Bei den offiziellen Skyp-Meetings oder bei wichtigen Video-Konferenzen takeln sie sich richtig auf und tun sie sich aufhübschen.
Bei mir wenn ich auf Skype bin dann bin ich trotz allem hübsch genug angezogen, und ich betone dann auch meine Lippen. Mehr brauche ich nicht. Wahre Schönheit kommt eben auch von innen. Bei mir wechselt das. Es kommt eben auch darauf an, wie wichtig gerade so ein Skype-Meeting oder auch eine Video-Konferenz ist.
Wenn ich Skype-Meeting mache dann gebe ich mir schon Mühe mit meinem Aussehen und meiner Kleiderwahl.
Meinen Freunden ist das nicht so wichtig oder und die wollen nicht so perfekt aussehen. Mich interessiert viel mehr die Wohnsituationen wie sie wohnen und leben, und natürlich auch der Blickkontakt ist mir besonders wichtig.

 

 

 

Regeln

 

Angela Fritzen

Arbeiten von 17.30 bis 20 Uhr. Keine Schimpfwörter

 

Ansgar Peters

Konzentrieren, zuhören, man muss zusammenarbeiten. Nicht pupsen. Kein Sex im Büro.

 

Marley Thelen

Kein Alkohol trinken beim Ohrenkuss, Arbeit ist Arbeit.

 

 

Handys

 

Charlotte König, selbst am Computer geschrieben

Seidtem ich ein Handy besitze halte ich mit meine beste Freundinnen in Kontakt, und so kommunizieren wir und Verbinden wir uns, und tauschen uns mal die Handynummern aus damit wir im Kontakt haben und das fühlt echt so toll und so frei an.

 

Maria Trojer, selbst am Computer geschrieben

Mein Handy sieht rosarot aus und ist ein Samsung.
Man kann damit telefonieren oder chatten ,Sms schreiben.
Fotos machen, Videos schicken, habe einen Kalender drauf und die Uhrzeit.
Wenn es keinen Akku hat, dann kann ich es mit meinem Kabel aufladen.
Ich habe auch Facebook auf meinem Handy und kann alles selber, außer wenn es kaputt geht, mache ich ein riesen Aufstand um meine Eltern zu nerven muss man wegen mir sofort ein neues Handy kaufen, sonst bin ich übellaunig und unausstehbar.
Ich brauche mein Handy jeden Tag!

 

 

Verbindung

 

Andrea Halder, als eMail geschrieben

Man kann heutzutage alles nutzen mit den neuen Medien. Und man muss das auch lernen damit umzugehen. Manche brauchen Assistenz bei solchen Sachen. Ich nicht. Ich bin meine eigene Assistentin vom Beruf.

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert

Wenn ich einen Brief schreibe, dann gehe ich an den Briefkasten und schmeiß das ein. Am nächsten Tag wird es dann bestimmt liefern, an besonderen Mensch, den ich liebe. Dann wird er Schmetterlinge im Bauch haben und Gänsehaut kriegen. Dann wird er Tränen in Augen kriegen und er weiß, wer das war.

 

 

Langeweile

 

Angela Fritzen, diktiert

Mir ist nie langweilig, das weißt du doch. Ich schreibe ja immer. 
Dann würde ich sagen, dass einem nie langweilig wird, die sollen sich beschäftigen! Mache ich ja auch. 
Entweder Mandalas malen, Saxophon spielen, lesen oder schreiben. Und am besten auch für die Schule, auch Biologie, ist auch sehr wichtig, dann über den Körper muss man auch wissen und es gibt für den Wirbelsäule für den Rücken, wenn man einen krummen Rücken hat, braucht man keine Rückenschmerzen zu kriegen. Ich mache viel zuhause, Krankengymnastik, für meinen Rücken. Wie oft? Ich spiele gleich mit dem Papa Tischtennis, das mache ich auch gerne. 

 

Ansgar Peters, diktiert

Als Kind hatte ich mal Langeweile, da kann ich mich sehr gut dran erinnern. 1997 war das. Da war ich sieben Jahre alt. Und ich hatte Langeweile. Ich habe lange gewartet, bis der Eismann kommt. Im Sommer. Wann kommt der? Wann kommt der? Meine Oma hat mitbekommen, als der Eiswagen kam. Dann habe ich mir ein Eis genehmigt.
Wenn ich jetzt Langeweile habe, dann setze ich mich auf eine Bank und schaue den Wolken zu. Oder zähle die Schäfchenwolken. Oder höre den Vögeln beim Zwitschern zu. Oder den Fröschen, die am Quaken sind.

 

Natalie Dedreux, selbst am Computer geschrieben

Langeweile heißt für mich: hochleistungschillen.
Bei mir sieht das so aus: Erstmal Kaffee ans Bett. Frühstücken. Und dazu gleichzeitig Home-Office. Corona – das passt mir nicht! Ja, mir ist auch langweilig.
Wenn ich Langeweile habe, dann höre ich Kasalla. Also Karnevalsmusik in der Richtung. Ich bin ein Riesenfan von Kasalla. Wenn ich Langeweile habe, dann fange ich auch an zu puzzeln. Das ist ein Puzzle von einem Riesenaquarium mit bunten Fischen drin. Ich kann Euch auch verraten, wie viele Teile das hat: Das hat 1500 Teile. Puzzeln ist nicht langweilig. Ich puzzele und trinke Cola dazu. Cola light. Ist ja auch nur, weil ich nicht raus darf. Da wird mir am meisten langweilig. Und eins kann ich verraten: Ich werde morgen Autokino machen.

 

 

 

Einsamkeit

 

Diese diktierten Texte sind in einem Zoom-Workshop mit Dr. Samuel Elstner entstanden.

Anna-Lisa Plettenberg

Wenn ich alleine bin und Einsamkeit, würde ich still und schüchtern und das tut meiner Seele weh und wenn man einer stirbt oder mehrere Leute sterben, tut das meiner Seele auch weh und ich bin auch alleine. Und ich fühle mich auch in meine Zimmer rein und schließe meine Tür zu und bin alleine und ziehe mich zurück und das macht mich traurig und eigentlich will ich das nicht machen.

 

Johanna von Schönfeld

Wenn man einsam ist und sich so fühlt, eingeschlossen im Zimmer sein mag, gebe ich den Tipp: Man darf traurig sein und einsam, aber man soll bedenken und auch machen, glücklich zu schätzen. So fühle ich mich auf jeden Fall, ich schätze mich glücklich, weil wir haben eine gute medizinische Versorgung als die anderen Ländern.

 

 

 

Freunde und Freuden

 

Natascha Seibt, diktiert

(Ich vermisse) meine Freunde. Ich darf nicht mit meine Freunde treffen. Das finde ich fies und gemein. Ich darf nicht mit meiner Freundin Eis essen gehen.

 

Marley Thelen, selbst am Computer geschrieben

Wenn die Corona Vorbei ist dann kann man andere Menschen Kontakt Nehmen. Das finde ich super wenn die Menschen Nicht die mundschutz Trägt und endlich Mal Umarmen kann und dann kann ich auch Endlich Mit dem Bahn fahren. das finde ich super und ich finde gut wenn ich beim Ohrenkuss Da hin fahre. Das finde ich super und dann kann ich alles machen was ich tun kann.

 

Teresa Knopp, selbst am Computer geschrieben

Also, ich bin gespannt, wann ich wieder arbeiten kann. Ich bin Zuhause und helfe beim Haushalt, beim Aufräumen. Ich trompete sehr viel, ich genieße mein Leben und ruhe mich aus und entspanne mich. So sieht mein Homeoffice aus. Homeoffice ist gewöhnugsbedürftig, man darf nicht den Kopf hängen lassen. Es geht auch wieder vorbei. In Corona Zeit, bleibt gesund und munter. Wir sehen uns wieder.

 

 

 

Aladdin Detlefsen

Scheiß Corona! Ich will tanzen gehen.  

 

 

 

Im richtigen Magazin werde natürlich noch weitere Themen wirklich schön dargestellt. Dieses Mal auch mit vielen selbstgemachten Werken der KünstlerInnen mit Down Syndrom.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Swetlana Gasetski, instagram.com/swetlanagasetsk, Text und Fotos © Ohrenkuss

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