Joshuas Botanicals: Moringa

Heute machen wir einen drastischen Cut in der Reihe der bisherigen Botanicals. Es wird “herzhaft” und es hat Alkohol.

Aber zuerst: Grundlage bildet heute Moringa, genauer, die Blätter des Moringa oleifera Baums. Die dickstämmigen, optisch an Rettich erinnernden Bäume wachsen hier gar nicht. Sie sind heimisch in manchen südlichen Teilen Asiens und in Afrika. Unser Moringa-Blatt-Tee kommt aus Tansania, von unseren lieben Freunden der Kimango Farm.

Der Tee der Blätter schmeckt leicht grasig, kräuterig mit einer gewissen Wärme und einer dezenten Süße, in etwa wie Wiese im Sommer. Doch das reicht nicht, um den Geschmack voll zu beschreiben. Ich finde, er könnte fast an als Brühe funktionieren. Vielleicht muss ich dazu mal etwas machen. Stelle ich mir interessant als Art Brühe mit Seidentofu vor. Ich würde das auf eine gewisse Würzigkeit mit einem Hauch Umami zurückführen. Sehr leicht, aber dennoch sehr befriedigend. Wer Shiso Blätter kennt – fern verwandt damit, aber deutlich leichter.

Wie dem auch sei, ich wusste sofort, was ich damit machen wollte. Teile der Zutaten mögen etwas komisch klingen, aber ich würde mich freuen, wenn ihr euch darauf einlasst und es probiert. Es ist angelehnt an einen Martini, wie sich gleich unschwer erkennen lässt.

 

Moringatini

Wie für Martini üblich ist, kommt Wermut rein. Es ist kein schwer alkoholischer Cocktail, sondern vom Alkoholgehalt eher eine Weinschorle oder so. Wer es alkoholfrei möchte, kann den Wermut durch einen Hauch Zitronensaft, etwas Zucker und etwas Traubensaft ersetzen.

 

Zutaten:

  • 3 Teil (150 ml) Moringa Tee
  • 1 Teil (50 ml) Wermut
  • 1 Teil Gewürzgurkenwasser
  • 1 Spritzer Olivenlake
  • 1 Olive

 

Jaja ich weiß. Aber genau wie in guten Kartoffelsalat Gewürzgurkenwasser kommt, kommt es auch hier rein.

Für diesen Cocktail ist es wichtig, möglichst gute Produkte zu verwenden, da sie sonst schnell den Geschmack verderben. Hier ist die Auflistung.

 

Detail Aufschlüsselung

Moringa Tee: Wie auf der Rückseite beschrieben zubereiten: 8g Tee (4 EL) mit 1 L kochendem Wasser übergießen. Einfach im Glas stehen lassen und abkühlen lassen, idealerweise bis er vollkommen kalt ist. Die Blätter können ruhig drin bleiben. Das hält sich sogar ein paar Tage. Wie oben beschrieben ist es der Geschmack einer kräuterigen Brühe, die sowohl herzhaft als auch süß benutzt werden könnte. Dies bietet eine tolle Grundlage. Passt ganz hervorragend zur kräuterigen Note des Wermuts und sorgt dafür, dass der gesamte Cocktail sehr angenehm, statt überwältigend schmeckt.

Wermut: Wermut ist ein verstärkter Wein, der mit Kräutern versetzt wurde. Besonders wichtig ist dabei das Wermutkraut. Es gibt ihn in verschiedene Süßen, ähnlich wie Wein, von extra trocken bis süß, die sich auf den Zuckergehalt beziehen. Wir brauchen einen trockenen.

Gewürzgurkenwasser: Hier gibt es viele Möglichkeiten und ich möchte meinen, dass hier auch der Hebel angesetzt werden kann (und sollte), um den Cocktail dem eigenen Geschmack nach zu beeinflussen oder für Abwechslung zu sorgen. Wichtig ist, dass das Wasser ein angenehmes Verhältnis aus Zucker und Essig hat und zumindest dezent nach Gurken schmeckt. Man kann frei wählen, in welchen Maßen und ob und wenn welche Gewürze man dazu gibt. Frühe Leser dieser Gewürzreisen erinnern sich vielleicht noch an die Gewürzgurken mit Bockshornklee. Auch diese wären durchaus geeignet. Ich habe fantastische, klassische aus der Gegend (Spreewaldgurken sind in Berlin keine fremden) benutzt, die mit Dill und Zwiebeln gewürzt sind, und in einer relativ milden Flüssigkeit eingelegt sind. Wer keine guten kennt oder finden kann, der kann folgendes Rezept benutzen:

 

  • 1 Liter Wasser
  • 0.25 Liter Essig
  • 100 g Zucker
  • 50 g Salz
  • 1 Zwiebel
  • 1 Kg Einlegegurken
  • 5 Pfefferkörner
  • Dill

 

Wasser, Zucker, Essig und Salz kurz aufkochen, dann in ein großes Glas mit den gewaschen Gurken, einer grob in Scheiben geschnittenen Zwiebel und den Gewürzen geben, gut verschließen und ein paar Tage stehen lassen.

Ich mache mir auch zur Zeit ca. einmal die Woche eingelegtes Gemüse, das einem sehr ähnlichen Rezept folgt. Dabei lege ich nicht so viel Wert auf genaue Maße, sondern koche einfach eine Mischung aus Essig, Wasser und Zucker auf, wie es gerade kommt, suche mir 1-2 Gewürze aus und übergieße damit mein geschnittenes Gemüse. Das sind zur Zeit gerne Fenchel, rote Beete und Rettich. Das sieht durch die rote Beete nicht nur toll aus, sondern bietet in einer Zeit mit sehr erdigen Geschmäckern einen tollen Kontrast.

 

Zurück zum Cocktail. Der dezente Geschmack der Gurken und die leicht süß-sauere Flüssigkeit passen toll zu den 2 anderen Zutaten. Der Cocktail ist nicht überaus sauer oder süß, sondern ausgewogen, aber interessant genug um ihn zu trinken. Vermutlich gut als Aperitif.

Spritzer Olivenlake: Gibt dem Cocktail einen leicht salzigen Kick und durch die Oliven ein recht prägnantes, interessantes Aroma. Hier ist es besonders wichtig, gute Oliven zu wählen. Geschwärzte Oliven aus dem Glas wären hier kein Mehrwert. Eine Olive kommt auch noch dazu, weil es schön aussieht, klassisch zum Martini gehört, aber auch als salzige Aromabombe einen tollen Kontrast bietet.

 


Zubereitung

In einem Cocktail Shaker den Tee, Wermut und das Gewürzgurkenwasser mit Eis gut vermischen und durch ein Sieb in ein Glas der Wahl geben. Dann mit einem Teelöffel eine Olive mit einem Spritzer Lake in das Glas geben und möglichst direkt genießen.

 

Es entsteht ein leckerer Gurkenmartini. Etwas würziger, ja vielleicht interessanter, aber dennoch, zum letzten Mal, sehr angenehm zu trinken.

 

Das war es. Gutes Ausprobieren, Rumprobieren und Genießen. Bis bald!

 

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.

 

 

 

Joshuas Botanicals: Cistus

Getränke und Cistus – zwei ziemlich neue Erfahrungen für mich. Ich habe mich in den letzten Tage mit beidem beschäftigt und hoffe, Euch diese Erfahrungen etwas näherzubringen.

Fangen wir mit Cistus an, bei uns auch Zistrose genannt. Diese Pflanze sieht nicht nur hübsch aus, sondern hat auch ein ziemlich spannendes Aroma. Angefangen mit einem warmen, balsamischen Geruch, der im Wohlbefinden mit Bergtee mithalten kann. Doch das Geschmacksprofil ist ein anderes. Wie mit vielen Teesorten kann man sogar 2 verschiedene erzeugen:

Kurz gebrüht kommen die balsamischen, süßlich-waldhonigartigen Noten deutlicher zur Geltung. Sehr angenehm zu trinken – mit einem vollen Körper macht dieser Tee fast satt.
Lässt man den Tee etwas länger ziehen, also etwa 4-7 Minuten, kommt die herbe Bitterkeit hinzu. Nicht direkt unangenehm, ganz im Gegenteil. Sie passt irgendwie ganz gut zum sonstige Aromenprofil, ist aber ist nicht immer erwünscht – bei mir.

Nun aber die Frage, was damit anzufangen ist. Das naheliegendste und absolut sinnvolle ist ein einfacher Tee. Darüber muss man aber nicht gleich einen Beitrag schreiben.

Meine Herangehensweise an die Botanicals ist anders als zu den Gewürzreisen. Deutlich weniger Zutaten, deutlich weniger Rezepte, dafür eine etwas genauere Beschreibung und Begründung. Mal schauen, wie es sich entwickelt. Fangen wir aber an:

 

Cistus – Elixir

Der volle Charakter mit der Süße hat mich an eine Art Eistee erinnert, vielleicht in Richtung eines Cocktails, den ich nicht kenne.

Wie dem auch sei, hier sind die Zutaten:

 

  • 500 ml Wasser
  • 3 EL Cistus

 

  • 125 ml Wasser
  • 75 g Zucker
  • 2 TL Anis Samen

 

  • 125 ml Wasser
  • 75 g Zucker
  • 75 g Koriandersamen

 


Zuerst habe ich 500 ml Wasser mit 3 EL Cistus vermischt, kalt, und in einem Glas kalt ziehen gelassen – über mehrere Tage. Ich würde vorschlage, mindestens 3. Nach einer Woche kommt dann irgendwann etwas mehr Bitterkeit durch. Kalt aufbrühen hilft in aller Regel, die Bitterkeit möglichst gering zu halten und die süßen Noten stärker durchzubringen – funktioniert auch bei Kaffee.

 

Dann habe ich 2 einfache Sirups gemacht. Je 125 ml Wasser mit 75 g Zucker erhitzen, dann die Samen dazu. Ich habe in meiner ersten Version die Samen ganz gelassen, würde aber empfehlen, sie vorher leicht zu zerstoßen, damit der Geschmack verstärkt wird.

Der Anissirup spielt in das Waldhonig-artige des Cistus Tees und harmonisiert ebenso mit dem balsamischen.

Der Koriandersamen-Sirup hingegen unterstützt die Wärme und den vollen Körper und bringt noch eine sehr feine weitere Note.

So geben die Sirups dem Getränk nicht nur die fehlende Süße, sondern unterstützen die natürlichen Aromen des Cistus-Tees. Sie werden vorsichtig dosiert, sodass man sie kaum benennen könnte, sondern lediglich das bestehende Geschmacksprofil verstärken.

 

Übrigens: Die Sirups funktioneren auch erstaunlich gut mit Zucker-Ersatz.


Mein fertiges Elixir-Rezept sieht folgendermaßen aus:

  • 200 ml Cistustee
  • 40 ml Koriandersirup
  • 30 ml Anissirup
  • 200 ml Wasser
  • 1/2 Zitrone
  • 8 Minzeblätter
  • Viel Eis

 

Von der Zitrone benutzen wir sowohl die Zeste, als auch den Saft. Sie bringen die nötige Frische und Säure. Die Minzblätter in feine Streifen schneiden. Sie unterstützen die Frische, bieten den süßlich-vollen Aromen der restlichen Zutaten einen guten Gegenspieler und schaffen einen schönen Farbakzent.

Alle Zutaten am besten in einem (Cocktail)-Shaker oder ähnlichem gut vermischen. Dann auf Eis gießen und genießen.

 

Das finale Getränk ist ein sehr ausgewogen, frisch, süß genug und ansprechend. Erinnert ein wenig an Ginger-Ale. Um es voll beschreiben zu können, würde ich vorschlagen, das einfach selber mal zu probieren!

Ich hoffe, diese zweite Botanical – Episode hat Freude bereitet. Ich werde definitiv langsam warm damit und meine Neugierde und Experimentierfreudigkeit sind geweckt. In den nächsten Monaten werde ich mit einigen alkoholischen und nichtalkoholischen Zutaten arbeiten, die ich noch nie benutzt habe – und das allein ist schon eine große Freude für mich. Hoffentlich springt diese auf den ein oder anderen über.

Bis bald!

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.