Flut in Indien

Wir haben im Sommer 2021 selbst in unserer Region die Folgen von Starkregen, Flut und Hochwasser erlebt, das, was sonst eher weit weg in Monsun-Ländern passiert. Aber wir leben alle auf demselben Planeten, und die zunehmenden Wetterextreme betreffen überall auch sehr stark die Landwirtschaft. Wir möchten die Berichte aus Kerala mit euch teilen, im Grunde, wie auch die Kleinbauern die Gewürze mit uns teilen …

 

Im Oktober schrieb uns Father Jilson vom Kleinbauernprojekt PDS in Kerala:

„Wie Ihr vielleicht wisst, hatten wir am 16. Oktober eine der tödlichsten Überschwemmungen und Erdrutsche, und es war in der Tat ein schwarzer Samstag für viele unserer Landwirte, insbesondere für diejenigen, die in einem Ort namens Azhangad wohnen. Im Rahmen unserer Bemühungen, neue Landwirte an den ökologischen Landbau heranzuführen, hatten wir in diesem Gebiet die höchste Anzahl von Landwirten in ihrem ersten Umstellungsjahr. Bis auf ein paar Landwirte waren alle anderen stark betroffen, entweder in Form von Erdrutschen oder in Form von erheblichen Schäden an ihren Häusern. Ich habe das Gebiet persönlich besucht, und die Situation dort ist erschreckend, viel schlimmer als bei den Überschwemmungen von 2018, und es muss umfassend saniert werden. Wir haben mit Unterstützung der Freiwilligenorganisationen und der Diözese einen Wiederaufbauplan und -maßnahmen eingeleitet. Aber ich fürchte, dass wir mit den begrenzten Mitteln nicht in der Lage sein werden, die Bedürfnisse der Menschen dort vollständig zu erfüllen. Wir müssen ihnen in dieser dringenden Zeit beistehen, damit sie wieder eine nachhaltige Landwirtschaft betreiben können.“

 

Jetzt Ende November schreibt Father Jilson:

„Im Hinblick auf die jüngsten Überschwemmungen haben wir jetzt eine Bewertung der Schäden vorgenommen, die unsere Landwirte erlitten haben, und die Soforthilfemaßnahmen festgelegt, die durchgeführt werden müssen. Ich füge den Bericht zusammen mit einigen Fotos zu Eurer Kenntnisnahme bei. Obwohl mehr als 70-80 Personen betroffen waren, enthält die Liste nur die mit uns verbundenen Landwirte. Die meisten von ihnen sind in Notlager untergekommen und beginnen nun langsam mit den Aufräum- und Reparaturarbeiten, so dass sie in ihre Häuser zurückkehren können. Was das erodierte Land anbelangt, so müssen sie zunächst die Steine bündeln und dann langsam mit dem Aufbau beginnen, was sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Hoffen wir das Beste.“

 

Die angesprochene Bewertung wurde in einer Excel-Tabelle zusammengefasst, die wir hier mit Euch teilen möchten, da es hilft, die Ausmaße zu erfassen

 

Wir finden, es hat etwas Fürsorgliches, wie pragmatisch PDS die Probleme ermittelt und dann abarbeitet. Das Projekt PDS ist vom Bischof der Region gegründet worden, und es hängt noch immer eng mit der Kirche zusammen. Der Leiter der Gewürzfabrik, Father Jilson, tauft, verheiratet und beerdigt auch seine Schützlinge.

Flutkatastrophe Kerala: Der Handlungsplan von PDS

Die große Flutkatastrophe in Kerala, Indien hat die Bewohner und unsere Lieferanten schwer getroffen. Dazu stellten wir die Situation dar und leiteten einen Bericht aus erster Hand von Father Jilson James der NGO PDS weiter. Wir teilten einen Spendenaufruf der Zukunftsstiftung GLS, zu dem wir auch hiermit nochmal einladen möchten. Die Stiftung ist jetzt im Oktober vor Ort.

Das Wasser ist nun größtenteils weg, doch hat es einige Hundert Todesfälle, außerdem riesige Verwüstungen und Beschädigungen zurückgelassen, die angegangen werden müssen.

Unsere Lieferanten und Partner PDS haben alle ihre Bauernfamilien aufgesucht und einen ausführlichen Bericht darüber geschrieben, wie die Schäden aussehen, was sie bedeuten und was sie dagegen tun werden. Der vollständige, sehr interessante Flutreport ist hier zu lesen und wird im Folgenden noch einmal zusammengefasst dargestellt.

 

 

Schäden und Folgen

Grob kann man die Schäden in drei Kategorien aufteilen:

Schäden für Pflanzen und Land: Der Boden ist verwüstet, hat Fruchtbarkeit verloren und ist zerrüttet. Viele Tiere sind gestorben, Pflanzen zerstört, und verschiedene Seuchen sorgen für länger anhaltende Folgeschäden. Bis der Boden wieder fruchtbar und der alte Zustand hergestellt ist, werden mehrere Jahre vergehen.

Schäden an der Infrastruktur: Häuser sind zerstört, Brunnen und Pumpen funktionsunfähig, und der Großteil der landwirtschaftlichen Geräten ist verloren. Diese müssen neu gebaut und gekauft werden.

Schäden die Menschen betreffend: Die Flut hat leider viele Todesfälle und Krankheiten mit sich gebracht. Die Bauern müssen sich auskurieren, teilweise komplett neu organisieren und wieder Fuß fassen. Dazu kommen die Folgeschäden, wie Hunger und Armut.

Anhand dieser Analysen hat PDS einen Plan aufgestellt, welchen einzelnen Maßnahmen erforderlich sind, und in welcher Weise sie hier unterstützen wird. Dort wird auch das Geld hinfließen. 

 

Maßnahmen und Unterstützung

Abgeleitet an den Schäden gibt es kurzfristige und längerfristige Maßnahmen.

Kurzfristig wird geplant, die Bauern mit Geld zu unterstützen, Häuser und Infrastruktur wieder herzustellen und bodenbefestigende Pflanzen wie Vetiver, zu pflanzen, sodass die Bauern schnell wieder zu Erträgen kommen.

Langfristig muss der Boden wieder richtig aufgebaut werden. Erst durch Erosionsbarrieren, durch genaue topographischen Untersuchungen zur Bestimmung der Probleme, und Maßnahmen zur natürlichen Bekämpfung von Schädlingen.
PDS denkt hierbei sehr weit, um den dortigen kleinbäuerlichen Ökolandbau, z.T. in richtigen Urwaldregionen, zukunftsfähig, sprich klimaresistent, zu machen. Dazu gehört die Entwicklung und Verteilung von klimaresistenten Pflanzen an die Bauern mit Schwerpunkt Biodiversität, und die Förderung der Bestäubung durch Bienen und Schmetterlinge. Nicht zuletzt gehört dazu die Verbreitung von Wissen und Plänen zur ökologischen Landwirtschaft, d.h. viele Fortbildungen und Beratungen für die Bauern.

PDS verfügt dafür über ein sehr aktives Forschungscenter.

Alles in Allem wird mit einem finanziellen Bedarf von ca. 64 825 000 INR (umgerechnet rund. 760 000 EUR) gerechnet, darum auch der Spendenaufruf. Wir werden natürlich von den Fortschritten berichten.

Warum liegt es uns am Herzen, diesen Flutbericht zu veröffentlichen:
Die PDS mit den Sahyadri Spice Farmers, ca. 2000 Familien, sind langjährige Partner von uns. Die PDS, vom jetzigen Bischof des Distrikts, Mathew Arackal,  1979 gegründet, betreut ihre Bauern fast schon familiär. Father Jilson leitet nicht nur das Gewürzunternehmen der PDS, sondern tauft und verheiratet auch die Menschen dort. Der Flutbericht, so wie er geschrieben ist, ist liebevoll gemacht und gibt Hoffnung, dass die Schäden überwindbar sind.

 

 

Folge-Links:

Anlässlich der BioFach 2017 hat der Berater der PDS, Sunil Joseph, ein tolles Portrait über die PDS geschrieben – zwar in englisch, aber gut verständlich und reich bebildert.

Der Actionplan der PDS im Original mit vielen Zahlen und Bildern (englisch)

 

Unser Lieferantenportrait von PDS