Ohrenkuss: Alltag

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Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

In diesem Heft geht es um den Alltag. Ganz einfach. Im Angesicht des Krieges, des Corona Stresses und der anderen Sorgen tut das sehr gut – ein bisschen Alltag, ein bisschen Freude. Insgesamt eine wunderbare Ablösung. Es finden sich spannende Beobachtungen, Texte mit viel Poesie und Humor und einfache Erzählungen aus dem Leben im Heft wieder. Dazu gibt es wieder wirklich schöne Bilder und die gewohnt fantastische Gestaltung!

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

Hier sind ein paar Auszüge:

 

 

Eindrücke aus dem neuen Ohrenkuss: Alltag

 

Angela Fritzen, diktiert
Mein Alltag ist 46 Jahre alt.
Mein Alltag ist die Schönheit.
Mein Alltag ist die Freiheit.

 

Selime Muminimamuglu, diktiert
Ich arbeite in der Werkstatt. Halb 6 aufstehen. Dusche immer abends. Ich dusche immer abends, halb 8. Sonst müsste ich noch früher aufstehen. Halb 7 gehe ich rauchen. Später mit Freunden Kaffee trinken in der Werkstatt. Halb 8 geht die Arbeit los. Nähen. Gelbes Ding, gelb nähen. Mittagspause ein Uhr. Bisschen spät. Montag Diestag sind die Pausen anders. 10 Uhr Frühstückspause. Mittagspause 1 Uhr. Kaffeepause 3 Uhr. Feierabend halb 4. Dann Bus.

 

 

Alltag in Corona… nicht ohne Widerstand

 

Benjamin Zoch, am Computer geschrieben
Der Altag von Gorona hat sich jezt viel Verändert. Jezt ist Mein Altag ein Bischen Anders mit Frühstüken und Musik hören und viel Spaß haben ich tanze sehr gerne mit Schöne Musik im Hintergund und ich Helfe Meiner Mutter viel aber nicht sehr viel Weil es Komde Zeit so Heiß gewessen wahr. Darußen ich gucke sehr gerne Filme und Spiele auf Mein Tap Pald oder auch Mein Lat Top und ich Schreibe Wahs App mit meine Freunde oder mit Mein Gr0ßen Bruder Cristian Hepp Heißt er oder meine Geschwistern und ich bin auch lieben gerne Darußen. Ja Das ist Mein Tegliches Gorona-Altag.

 

Charlotte König, am Computer geschrieben
Lebenszeit: Seid es Corona gibt, verbringe ich die Zeit meistens mit meiner Familie, gehe in der Werkstatt arbeiten, und hänge dort in den Pausen mit meinen Freundinnen zusammen die ich vom Haus Königesegg und vom Alfred Delp Haus und von meiner ehemalige Schule her kenne. Ich verbringe unheimlich gerne viel Zeit in meinem Zimmer, lese, schreibe Geschichten, tanze, telefoniere mit meiner Freundin aus der Schule, singe, male und bastel tolle Sachen die mir so einfallen, höre Musik und Hörbuch. Ich helfe meiner Familie beim kochen und mache am liebsten alleine Haushalt.

 

Andrea Halder, am Computer geschrieben
Zurzeit geht es mir gut. Ich kann mich nicht beschweren. Aber ich vermisse meine sozialen Kontakte sehr. Deshalb skype ich regelmäßig mit meinen Freunden. Das tut mir gut, sie zumindest virtuell zu sehen. Ausserdem bleibe ich in Kontakt mit einigen Freunden durch lange Mails. Leider haben meine Mädels aus der Frauengruppe kein skype. Das wäre schön.

 

Maren Naefken, diktiert
In der Coronazeit war der Alltag anders. Jeden Abend guck ich Nachricht an, nachmittags auch, meistens NDR. Ganz Europa und Deutschland die ganze Welt. Wir sind Beide geimpft und der Impfpass muss immer dabei sein. Die Arbeit war auch anders, nur jede zweite Woche und immer testen. Jetzt endlich können alle Mitarbeiter wiederkommen. Normaler Alltag. Nur Wochenende Frei. Mein Mann und ich haben auch montags frei. Da kommen die Betreuer und machen Haushalt mit uns. Wir haben eine eigene Wohnung. Da müssen wir alles selber machen. Wäsche waschen, Geschirrspüler, Einkaufen, Müll rausbringen, Staubsaugen.

 

 

Stress und wie man damit umgeht

 

Daniel Rauers, diktiert
Chillen ist, wenn man bisschen Zeit nimmt. Chillen ist zum Beispiel, wenn ich auf dem Handy gucke, zum Beispiel Facebook oder Instagram. Chillen tue ich, Zeit nehme. Das ist meine Sache. Chillen ist irgendwie gut, gut, okay für mich.
Was ich gerne mag: zum Beispiel wie man chillt, das ist meine Sache.
Wenn kein Stress bekommt, manchmal gehe ich raus. Spazieren gehen, oder dann lege ich meine Beine hoch. Oder noch besser: wenn ich die Füße hoch gelegt hab, dann Stress vorbei ist, dann kann ich in aller Ruhe meine E-Mail lesen. Die kann ich sehr gut vorlesen lassen.

 

(Stress) Angela Fritzen, diktiert
Angst ist Stress. Wir haben alle Stress in ganzen Down-Syndrom oder auch Trisomie 21. Herzklopfen, Stress ist das Herzklopfen. Mein Herz in mir steckt. Das steckt, ist krankhaft. Stresst wie mittendrin. Wir haben alle Stress zu kriegen kann.

 

Daniel Rauers, diktiert
Ich hab keinen Stress auf Lager, nur Gutes.

 

 

Der schöne, banale Alltag

 

Michael Häger, diktiert
Ein Auto / Nicht alleine, ein Betreuer / Einsteigen, und da was holen, Einkaufwagen, immer rein / Ich hol was / Kommt alles rein, Chips, Salzstangen, Brezel und zu zahlen / Dann gehe ich Kasse, eine Frau / Die Frau will Geld haben, zu bezahlen / Eine Frau tippen.

 

Conny Albert, am Computer geschrieben
Pizza, Lasagne und gefüllte Paprikaschoten sind mittlerweile meine Leibgerichte. Auch die grünen Nudeln, die meine Mutter im Römertopf kocht, sind nicht zu verachten. Wenn ich in die Arbeit gehe, nehme ich meistens Reste vom Vortag mit. Denn Reste schmecken aufgewärmt (in der Mikrowelle) immer noch gut. Erst vor wenigen Wochen fragte ich Mutter: „Wann gibt es mal wieder grüne Nudeln?“ Sie antwortete: „Bald“. Heute stehen die grünen Nudeln auf dem Küchentisch. Na dann, guten Appetit! ☺

 

Paul Spitzeck, diktiert
Das muss auch ins Heft rein: Werbung für Zahncreme ist eine Lüge. Die Zähne werden nicht so sauber, dass es blinkt.

 

Daniel Rauers, diktiert
Wir sind draußen, grillen oder haben Getränke. Oder Wein, Rotwein, Weißwein.
Ich trinke gerne Spezi. Das ist ein gutes Getränk von mir.
Wenn wir grillen dürfen im Sommer: Salat, oder Würstchen zum grillen, oder Rumpsteak grillen. Nachtisch ist Panna Cotta oder Apfelmus.
Ich höre gerne Kölsche Junge oder Käpt’n Balou. Ich höre einfach alles. Wir haben Steckdosen im Garten. Ja, wir tanzen. Ich fühl mich wohl.

 

 

Das persönliche Stück Freiheit

 

Marley Thelen, diktiert
Freizeit ist, wenn ich in meine Wohnung bleibe und Beinchen hoch legen und ausschlafen und das macht mir auch richtig Spaß. Und Hörbücher anzuhören und stricken oder malen. Weil ich stricke lieber, dann habe ich auch etwas zu tun wegen meiner Finger.

 

Natalie Dedreux, am Computer geschrieben
Und was mir in meinen Alltag besonders wichtig ist das Karneval feiern weil das für mich wichtig ist und weil das auch Heimat ist. und deswegen höre ich auch gerne Karnevalsmusik. Und ich möchte nicht das es wegen dem Corona ganz ausfällt sondern das es gefeiert wird. und was mir auch wichtig ist das die Kneipen wieder auf machen damit man richtig feiern kann und auch beim feiern auch Kölsch trinken.

 

Julian Göpel, diktiert
Ich putze gerne den Boden und die Fenster. Das wird mir echt hier langweilig bei meinen Eltern. Deswegen putze ich.

 

Julian Göpel, diktiert
Ich mache mir selbst die Bewegung. Man kann sich nicht im Wasser hören, unter dem Wasser. Dass man sich entspannt lässt. Entspannung.

 

Johanna von Schönfeld, diktiert
Bewegung braucht jeder Mensch, außer die Covid-Patienten, die im Krankenhaus isoliert werden müssen, nicht. Ich bin noch keine Maschine. Ich bestehe aus Fehlern, aus Krankheiten, aus Behinderungen. Dass ich auch nicht perfekt bin und dass ich nicht in der Perfektion bin. Es ist normal verschieden zu sein. Verschieden sind halt die Jecken. Zu Bewegung gehört Wasser-trinken dazu und ich trinke fast jeden Tag zwei Liter Wasser. Ich achte sehr auf meine Figur, aber gestern und heute und am Wochenende, wir wohnen an einer Eisdiele und wir kaufen ab und zu mal ein Eis am Wochenenden oder in der Woche und ich habe von meiner Freundin gehört, ich muss auf meinen Bauch aufpassen und das tu ich nicht so gerne. Essen mag ich. Und Nervennahrungen auch.

 

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Britt Schilling,  Text und Fotos © Ohrenkuss