Ohrenkuss: Wohnen

Auf dem Foto: Andrea Halder

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

 

Das aktuelle Thema ist Wohnen. Was bedeutet Wohnen, wo wohnt man, wie wohnt man, was braucht man, was man kann. Dazu haben die Autorinnen und Autoren viele Texte und Ausschnitte, Fragen beantwortet und vor sich hin sinniert.  Es ist einfach, es ist komplex, es ist oberflächlich und tiefsinnig – insgesamt eine Fülle von schönen, kurzen Texten. Das Ohrenkuss-Magazin ist jetzt erhältlich. Es ist wunderschön designt, ja eine kleine Freude des Alltags.

Wir wünschen, wie immer, viel Spaß!

 

Claudine Egli, diktiert

Wohnen ist das Leben. Und es macht Spass.

Wichtig ist, dass die Wohnung schön ist, dass es schön aussieht, dass schöne Sachen drin sind, Bücher. Und dass es Ruhe gibt, dass man nicht streitet. Und Frieden.

 

 

 

Wo man wohnt / wohnen möchte

 

Nora Fiedler, handgeschrieben

An liebsten oder mein Traum ist bei Arnoldstrasse 7 (Leben mit Behinderung WG) zu wohnen, da gib es kein Zeitruk und kein Stress nur ein wenig. Die sind alle selbsttändeg. Und es gib keiner bei einzumischen. In Arnoldstrasse 7 sind die bewonern richig nett auch seine Frau Mutter ist nett zu mir. Sie versteht spars wenn ihr es erkrlärt. Die liebe Meines Leben ist was besonderris für mich. Jeder hat ein Betreuer. Für sich einige von den haben aufgehört. ich finde es richtig schade und traurick Für die alle. Meine Sehnsucht oder die Fernbezijung ist wei der Regen drausen allein. Arnoldstrasse haben jeder 1 Zimmer für sich allein. Die sind zu 4. Ein gemeinschaftraum. 2 Badezimmern. 4 Zimmern. In der Mite mein Süsser. Mein Traum ist Dord zu whonen wo mein Mann ist. Ich Bin immer noch seine Trumfrau.

 

Verena Günnel, diktiert

Mein Traumhaus aus dieser Ort heißt Asgard, wo ich bald wohne, weil ich gewünscht habe. Ich versuch mehr Menschen kennen zu lernen, die neu sind, bevor ich da einziehen würde, das ist ein guter Anfang für mich, um wohlzufühlen und da zu wohnen. Ich hab ein Mann, ich bin seit ein Jahr zusammen mit ihm und er heißt Loki und der hat ein Bruder und der heißt Thor, der wurde so genannt. Und mit dem bin ich jetzt zusammen. Sehr sehr großes Haus, drumherum ist wie eine Stadt, mit Brücke, gehört dazu. Und nur ein Gerät, automatisch, zum Drehen, wie eine Kreisel, kann man auch verschiedene Länder wegzuschicken. Manchmal der Thor, wenn er sein Vater verärgert hat und ihn verbannt hat, dann wurde er direkt weggeschickt auf die Erde, wo die Menschen leben. Am Anfang steht ein Thron, da ist ein König und der ist Vater von beiden Brüder, der schon verheiratet ist mit sein Frau.

Es ist riesig Haus, da kann man so viel rumlaufen wie man wollen. Freizeit, keine Ahnung, was wir dort machen. Ich hab ein eigenes Zimmer mit ihm zusammen, manchmal wird er auch festgenommen, weil er gemein ist. Es gibt auch ein Keller, aber Riesenkeller und da wurden alle Gefangenen eingesperrt. Es gibt auch Garten draußen noch, Pflanzen, Erde und paar Tiere. Das ist mein Traumhaus, da will ich unbedingt dahin, da war ich noch nie. Das habe ich von meine DVD rausgefunden. So groß habe ich noch nie gesehen, zum ersten Mal. Ich muss dran gewöhnen, um dort zu wohnen. Mehrere kennenzulernen. Das sind Leute, die ich kennenlernen muss. Das sind verschieden Männer und Frauen. Und die Fremde darf ich nicht, weil die bösartig sind. Das ist Sicherheit für mich und dort zu bleiben und nicht da weggehen. Weil die Leute, die ich gut kenne, beschützen mich dann vor den Fremden. Ich darf nicht in die Nähe von die Fremde zu gehen und das ist Macht. Von den Bösen weg abhalten gegen mir, sonst gibt es Krieg und das weiß ich auch. Und ich merk das, warum das passiert ist. Und das ist mein Eindruck.

 

 

Achim Priester, handgeschrieben und dann abgetippt

Mein Einzug ins Haus „Elisabeth“ Ich, Achim Priester, lebe nun schon lange in einem Heim mit mehreren Kameraden zusammen. Das Leben hier ist sehr schön, wenn auch der Alltag mir hundertmal eine lange Nase zeigt und zu mir sagt: „Ätsch, mach dieses, ätsch, mach das, ätsch, mache jenes.“ Im Haushalt haben wir immer einiges zu tun, aber wir teilen die Ämter auf, wie z.B. die Spülmaschine ein- und ausräumen oder den Tisch decken, abräumen und allerlei mehr. An unserer Pin-Wand im Eßzimmer hängt ein Plan, darauf steht „Wochenenddienst“. Der bestimmt, wer an den Wochenenden den Küchendienst übernimmt. Für sieben Wochenenden müssen wir uns im Voraus zweimal eintragen. Der Küchendienst an den Wochenenden fängt schon am Vorabend des Küchendiensttages an. Der Frühstückstisch muß gedeckt werden und auch der Kaffee muß vorbereitet sein. Am anderen Morgen stellen wir die Kaffeemaschine an und tragen das Essen auf. Das Mittagessen kochen die Betreuer, aber wir müssen dabei mit helfen: Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden, Salatsaucen zubereiten, Pudding kochen oder anrühren und so einiges mehr. Es ist schon verrückt in der Welt, den ganzen Morgen verbringt man in der Küche und hat viel Arbeit und dann ist das leckere Mittagessen in wenigen Minuten und in aller Fröhlichkeit weggeputzt und dafür hat man die ganze Zeit in der Küche gestanden. Danach beginnt der große Abwasch. Die Sachen, die nicht mehr in die Spülmaschine passen, sowie die Töpfe und Pfannen müssen mit der Hand im Spülbecken abgewaschen werden. Aber von den kleinen Alltagssorgen lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir sind ausgelassen wie eh und je, sind fröhlich und haben sehr viel Spaß miteinander. An Werktagen gehen wir in die Werkstatt zur Arbeit und abends spielen wir oder sitzen am Fernsehen. Mit meinem Freund gehe ich auch oft ins Kino. Die gemeinsamen Wochenendausflüge sind auch immer sehr schön. Einmal hat uns sogar ein Bischof besucht und ich trug ihm einige Limericks vor. Ich schreibe sehr viele Geschichten, Märchen und Gedichte in meiner Freizeit. Limericks ohne Zahl fallen mir schon bei fast jeder Gelegenheit ein. Ich kann es eben nicht lassen und ich will es auch nicht lassen, was das Dichten anbelangt. Dies gehört bei mir zu Alltag. Ich finde nämlich, man sollte den Alltag mit mehr Phantasie und Freude erleben. Ändern kann man ja doch nichts.

Aber nun möchte ich davon berichten, wie ich meinen Einzug in das fröhliche „Haus Elisabeth“ im schönen Rhöndorf erlebt habe. Es war eine ziemlich harte Entscheidung für mich, überhaupt von meinen Eltern wegziehen zu wollen. Aber das kam so. Ich habe eine Freund, Ralf Thomas Huppke mit Namen. Wir haben uns in der Werkstatt in Hersel kennengelernt. Ziemlich schnell sind wir dicke Freunde geworden. Als dann später seine Mutter starb und es schließlich so weit kam, daß er in eben dieses Haus in Rhöndorf kommen sollte, ging ich schon auf die 30 zu. Ich hatte gerade eine unliebsame Erfahrung mit einem anderen Freund gehabt. Als der damals aus der Schule kam, hatte er plötzlich ganz andere Interessen. Ich mußte damals noch nicht so schnell von zu Hause fort. Aber weil ich schon auf die 30 zuging, fühlte ich doch, daß ich nun ein eigenes Leben führen müßte und noch mehr Freunde haben sollte. Ich würde später in jedem Falle in ein Wohnheim gehen müssen und wer weiß, wie es dann gekommen wäre, und ob ich mich dort auch wohlgefühlt hätte, wäre noch die zweite Frage gewesen. Von Ralf Thomas hörte ich, wie schön es im Haus Elisabeth sei. Die Entscheidung war schwer und es war für mich auch keine leichte Sache, meinen Eltern zu verklickern, daß ich ausziehen wollte. Wenn ich auf die damalige Zeit zurückblicke, kommt sie mir vor wie ein ausgeträumter Alptraum. Dann kamen die Einzugsgespräche und als ich dann später wirklich einzog, war für mich alles neu. Ich hatte das Gefühl, daß ich mich erst richtig einleben müsse und dafür verhalf mir ein wunderschönes Erlebnis. Am 1. Oktober 1987 zog ich mit Sack und Pack ins Haus „Elisabeth“. Die Zeit verging wie im Flug und schon bald war eine Woche nach meinem Einzug vergangen. Es war Wochenende, das allererste Wochenende in meinem neuen Zuhause, das mir für alle Zeiten in Erinnerung bleiben wird. Es war ein wunderschöner warmer Oktobersonntag, als ich, allerdings schon spät am Morgen, aufstand und mich anzog. Ich hatte das Fenster schon aufgemacht, um frische Luft in mein Zimmer einzulassen. Als ich mich bückte, um meine Schuhe zuzubinden, hörte ich plötzlich ein eigenartiges Geräusch in meinem Zimmer. Ich dachte gerade noch: „Was ist das denn?“. Ich blickte auf und sah eine Blaumeise auf dem Rand meines Waschbeckens sitzen und ein lustiges Liedchen zwitschern. Als ich mit bewegte, erschrak die Blaumeise und flog wieder hinaus durch das offenen Fenster. Nun fühlte ich mich aber in dem Haus willkommen und wußte, daß das Wohnen im Haus Elisabeth mir gefallen würde und ich lebte mich auch ziemlich schnell ein. Über den Besuch der Blaumeise existiert noch heute ein Gedicht.

 

Verena Elisabeth Turin, handgeschrieben und dann selbst abgetippt

Wenn ich es wirklich zugebe, was ich im Bad mache? Dort mache ich mich sehr sauber. Ab und zu dusche ich mich. Und wasche mir selbst meine Haare und föhne sie. Jeden Morgen und Abend putze ich mir meine Zähne weiß. In der Früh wasche ich mit dem kalten Wasser mein Gesicht ab. Danach bekommt mein Gesicht eine Nivea-Creme drauf. Natürlich gehe ich im Bad auf die Toilette jeden Tag.

In meiner Wohnung soll es sehr gemütlich sein. Und auch romantisch, hell, einladend. Für meine Gäste. Natürlich gibt es ein ausdehnbares Sofa. Mit einem Notbett dazu. In meinen Wohnzimmer soll es ein Fernsehen mit einem DVD Player, drei bunte Teppiche, zwei Tische, und sechs Stühle, mittelgroßer Ofen, hellbraune Bücher und DVD Filme Kästen, einen Massagestuhl geben. Natürlich gibt es auch Stehlampen bei mir und Kerzen mit Zündhölzer. Im Falle wenn es bei mir ein Kurzschluss gibt. Meine Wohnung schaut mittelgroß aus. Es soll vier pinke Orchideen im Wintergarten sein. Und die gelben Löwenmäulchen sind dann in meinen Garten neben an.

 

Auf dem Foto: Valentin Radschenko

 

Wie man wohnt

 

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben

Als Assistenz habe ich Selbastijan und Wibke. Ich brauche richtig vill Unterstützung und Hilfe. Bei Wäsche bei Geld und bei Ferabreden mit Freunde und bei Ferabreden mit Freunde und bei Kochen. Auf jeden Fall Geld. Das ich nicht zu vill da bei habe. An Wochenende gehe ich immer aus an Abend. Was ich mir leisten kann das Schönste Hochzeit des Jahres kann ich mir leisten. Sauberkeit in Zimmer und in Badezimmer ist mir auch wichtig. Mein Mann kann es alles allein aber auch mit Hife sonst kann mein Mann alles slbst. Er ist auch schon erwaksen. Aber ich soll ihn besser erzihen. Mir ist wichtig das er sauber und gut richt. Meine Eltern kauf die Saubermiteln ein für mich ist das zu teuher die Putzmitteln. Die Uhr Zeiten muss ich noch lernen wegen tellefoniren an abend. Nach einer Fernsehen Sendung gehe ich pünktlich in Bät.

 

Angela Fritzen, handgeschrieben

Abenteuer: Wohnen Wir brauchen Geduld haben zu wohnen Leistung die Wohnen bleiben kann nicht aufgeben. Anhören die Musik CD oder DVD Film. Es aufregend. Ich werde Moderieren Für alles Freuen. Wir sind Bereit ist wieder Essen Bestellen sogar Pizza zu Bringen Lassen gute Stimme Für die Wohnen dringd. Wir wohnen gemeinsammKeit machen können. Texte schrieben kann und zeit haben es ist Richtigkeit zu befödern werden was ich noch brauche kann ist Gedanke – Gedicht. Wohnen und Power haben und Hummer und Benutzen. Bekommen. Bedauern. Patient. Es ist so schwer wirklich spezial zu haben. Aussicht. Aufgeben. Chance. Angst. Helden. Faule Haut. Ist schwer zu sagen. Aufregend zu sein. Anfang. Chromosomen. Zu Wohnen. Erkenen. Aufwaschen. Down-Syndrom 47.

 

Jil-Marie Zilske, selbst am Computer geschrieben

Besser ist es, wenn man zusammen wohnt egal Schwerbehinderte oder Geistigbehinderte oder Lernbehinderte oder Gehbehinderte. Ich würde eine WG auf machen. Die da alle rein kommen. Es stimmt nicht, dass Jugendliche mit DS keinen Freund haben und finden und suchen. Alle freuen sich, wenn man einen Traum im Kopf hat. Wie zum Beispiel Hochzeit, ein eigenes Haus oder ein eigenes Auto. Sie wissen aber auch, dass man einen Führerschein braucht und wenn, man Hilfe braucht kann man Hilfe suchen oder anrufen. Ich möchte auch das die Menschen mit Behinderung gleich berechtigt werden. Aber sie dürfen aber auch Alkohol trinken und rauchen. Aber sie müssen aber wissen, wenn sie rauchen das es nicht gut ist. Sowie Alkohol trinken ist auch nicht gut. Sie müssen aber auch selber einschätzen wie sie es selber einrichten. Und ich mache denn Rest wie zu Beispiel 8 Büros, 8 Wohnzimmer, 1 Küchen mit Theke und Stühlen, 8 Badezimmer, 8 Gaderobe, 8 Chilleecke, 1 Keller und 1 Garten, 1 Musikraum, 8 Schränke. Sofa, Tische, Anken, Bilder, Laptops, Handys, Ladegeräte, Sticks, Mehrfachstecke, Mikrofons, Touch Pads mit Stender, Bilderrahmen, Erinnerungsbilder.

 

Auf dem Foto: Yevgen Golubentev

 

Was man kann

 

Nora Fiedler, diktiert

Badezimmer und Toilette Darüber kann ich dir richtig viel erzählen, richtig derbe viel. Am besten erst mal über den Klo. Im Klo hängt so ein Duft-Tab, zum Beispiel Zitrone oder Frühlingsfrische, Männerduft. Klopapier mit Mustern, zum Beispiel mit Herzchen oder mit Federn oder Klopapier mit Duft, zum Beispiel Minzblätter oder Lavendel. Im Klo ist wichtig, dass es gut riecht, und dass auch mein Verlobter drauf sitzen kann. Mir ist es auf jeden Fall wichtig, dass der Badezimmer sauber ist oder wird. Das macht man mit Betreuern zusammen oder man fragt, ob man Hilfe braucht. Mein Verlobter macht alles selber. Zum Beispiel mit Badezimmerreiniger, Putzmitteln. Auf jeden Fall wenn man das ganze Badezimmer putzen will, fangt man mit dem Waschbecken an. Erst den Waschbecken und danach brauche ich Hilfe mit dem Klo. Mit dem Klo benutzt man ein anderen Putzmittel. Ob ich das nicht verwechsel, deshalb brauche ich Hilfe.

 

 

Angela Fritzen, diktiert

Thema: Alleine wohnen Was muss man können, um alleine zu wohnen? Ich wohne noch alleine mit meiner Eltern zusammen. Wir haben das Haus selbst gebaut. Das Haus ist sehr lang gemacht. Da war ich noch klein mit meiner Schwester. Wie noch nie lebhaft zu sein. Genau in meinem Jahrgang haben wir das Haus gebaut. Ich würde auch in betreutes Wohnen gehen, auch in Siegburg. Wir hatten nur keinen Termin gehabt. Da kann ich mit der 66 fahren, bis dahin und kucke das betreute Wohnen an. Die betreutes Wohnen muss ich erstmal anschauen, wie es so eingerichtet ist. Und das Haus kenne ich, von betreutes Wohnen. Mit meiner Kollegen aus der Musikschule, da war ich mal gewesen und habe die Kristines getroffen. Die hat mal da gewohnt. Da haben wir gemeinsam gespielt, Musik gemacht. Also wenn ich alleine wohne, würde ich zur Musikschule fahren, zu Saxophon zu spielen und anschließend morgens früh würde ich mit der 66 nach Oberkassel fahren, nach Altenheim zu fahren. Kann ich direkt durchfahren.

Was davon kannst du schon? Also ich kann reiten, dann geh ich noch im Altenheim zum Rückensport. Ich kann selbst Kaffee kochen. Ich kann am Computer, am Laptop. Alleine zum Arzt gehen. Alleine zum Zahnarzt gehen. Alleine einkaufen gehen. Ich kann alleine die Spülmaschine ausräumen. Was ich nicht so gut kann, ist Geld ausgeben. Ich kann zum Ohrenkuss hinfahren. Tischtennis kann ich auch, aber im Verein nicht. Und ich geh Mittwoch zur Musikschule, Saxophon zu spielen, alleine. Ich kann Zimmer aufräumen.

Was davon kannst du noch nicht? Ich kann nicht mit dem Geld ausgeben. Ich kann nicht keine Kinder kriegen. Ich darf das nicht. Ich kann nicht so einzuschlafen. Autofahren darf ich nicht und kann ich nicht. Ich darf keine Roller fahren.

 

Björn Langenfeld, diktiert

Thema: Alleine wohnen Was muss man können, um alleine zu wohnen? Ich wohne jetzt in Siegburg. Bis jetzt acht Jahre schon. Alleine ich wohne. Mache ich putzen, saugen, Wäsche waschen. Dann mache ich die Einkaufen, kochen. Ich hab ein Bett, Couch, Badezimmer.

Was davon kannst du schon? Alleine mach ich Wohnung machen, mache ich Kaffee kochen, Bett machen. Dann mache ich Waschen alleine. Dann geh ich alleine Bäcker holen. Waschen auch ganz alleine. Und dann mach ich gerne bügeln. Dann mache ich Zimmer Couch, dann kommt Fernsehen und Radio. Und dann mache ich Schlafzimmer. Alleine saugen und wischen. Dann mache ich alleine kochen. Ordentlich sein. Ein Held.

Was davon kannst du noch nicht? Ich kann alleine, nicht helfen. Alles alleine.

 

Auf dem Foto: Anna-Lisa Plettenberg

 

Und der schöne Rest

 

Ansgar Peters, diktiert

Kofferpacken Wenn ich in eine Reise fahre, dann muss ich auf einen Zettel draufschreiben, dass ich meine Unterhose mitnehmen muss. Socken, Badehandtuch, Schwimmhose, Badehose, Jackett, mit Schlips, schicke Hose, gut aussehen. Und alles packe ich in meinen Koffer rein. Und nicht vergessen: meinen Schlafanzug! Sonst muss ich nicht nackt nicht schlafen. Schlafanzug ist immer besser einzupacken. Und was auch noch fehlt, ist Kultursachen zu packen, meine Schlagzeugsachen und meine Stöcke und natürlich auch Handtücher, das braucht man alles für die Reise mitzunehmen. Und dann, wenn der Koffer schon voll ist, dann bin ich fröhlich. Proviant mitnehmen, was zum Trinken, vielleicht eine Tüte Chips und Cola oder nehme ich meine Nudeln mit. Das Problem, ich habe eine Weizenallergie und in Hotel müssen auch wissen, dass ich das habe. Wichtig ist, natürlich, Kondome muss ich mitnehmen.

 

Macht ihr Morgengymnastik?

Johanna von Schönfeld: Solche freche Antworten wird ich nicht beantworten. Diese Morgengymnastik machen nur alte und junge Menschen, aber ich nicht. Da hab ich keine Zeit für.

 

Was wollen wir machen?

Paul Spitzeck: Ich möchte so sein, wie die 46-Chromosome, weil ich fühle mich so. Meine Eltern haben mir das so erklärt, dass ich eigentlich nicht das Down-Syndrom habe, aber die Natur hat mir das gegeben. Das hab ich so lang in mein Herzen, bis ich das hier hin geschafft habe zu Ohrenkuss, das muss mal raus.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
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Fotos: Britt Schilling, www.brittschilling.de Text und Fotos © Ohrenkuss

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