Ohrenkuss: Ozean

 

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

 

Das aktuelle Heft behandelt das Thema Ozean. Wir haben ein paar Texte und Ausschnitte aus den Texten zusammengeschnitten und grob einkategorisiert. Das Heft selber umfasst noch viele weitere Texte, Interviews und Ausschnitte aus dem Leben. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen (vielleicht noch kurz, dass es das 20-Jahre-Ohrenkuss-Jubiläumsheft ist). Jetzt aber viel Spaß, Freude und gedankenanstoßende Momente. Wir hoffen es macht Lust auf Meer. Dazu einfach das Ohrenkuss-Magazin bestellen!

 

 

Zum Thema Ozean

 

Julia Bertmann, per email geschrieben

Im Fernsehen lief eine 5-teilige Serie über Ozeane. Ich habe mir alle 5 angeguckt. Es gibt eigentlich 5 Ozeane. Aber man spricht immer nur von 3 Ozeanen: Indischer Ozean, Pazifischer Ozean und Atlantischer Ozean. In den verschiedenen Ozeanen gibt es verschiedene Fischarten. Von den Orcas das sind Wale bis zu den kleinsten Fischen wurde alles erklärt. Die Tiefsee ist dunkel. Kleine Fische leuchten in der Dunkelheit. Hinter den Steinen auf den Meeresboden verstecken sich die Leuchtfische. In vielen Ozeanen gibt es Korallen. Das sind ganz viele Nesseltiere die zusammenhängen. Der weiße Hai ist sehr groß und frisst alle Fische, die vor seiner Nase her schwimmen. Delphine springen immer aus dem Wasser raus, damit sie Luft holen können. Sie schwimmen immer hinter Fischschwärmen her und wollen sie fressen. Unter Wasser auf den Boden der Ozeane gibt es einen richtigen Dschungel. Das ist Seetang. Der sieht aus wie Büsche. Da verstecken sich Seespinnen drin und Krebse und Fische. Mehr als die halbe Erde auf der wir leben besteht aus Wasser.

 

 

Dorothee Reumann, selbst am Computer geschrieben

Ich gehe allein in der ozean. Musium rein gehen und ich wahr baff los die ozean und ich denke nicht und ich bin ozean im mein kopf oben die viele fische und hai und kleine fische ich stze ein raum bank hin und auf stehen und gehen und gucke ich habe kopfhörer die ein man und ein frau sagen und ich stauhen die viele ozean das ist hamma keiel gehe ich raus und endspann mich.

Wie viele Wasser hoch kommt? Wie viele Fische? Wie viele Feuerquallen? Wo genau die Ozean kommt? Wie kauft die Fische: Gut essen oder nicht gut essen? Wie kommt die Wasser zu uns kommen? Wie trinkt die Wasser für die Menschen? Ganze Welt! Und wo ist Essen? Das ist auch wichtig. Die Lebensmittel zubereiten, Arbeit.
Die Blumen trinkt auch Wasser. Die Pflanzen braucht auch Wasser. Und die Bäume auch. Wo ist Regen? Warum ist Hochwasser auf die Stadt? Kommt das zurück oder kommt hin? Wo viele Tote? Die Menschen braucht Trinken für Körper, Gesundheit. Und die Fische? Und Hai? Ist tot? Und Feuerquallen und normale Quallen ist nicht so gut für die Menschen, wegen die Füßeschmerzen. Wo genau die Meer oder am See, wo ist die Schiffe und Segelboot? Fahren am Meer und Boot auch und viele Leute schwimmen am Meer. Man guckt die Leute an und die Kinder auch, richtig anschauen, dass keine Hai. Und trinkt unter und die Mann rettet die Kinder und die Erwachsenen. Und schnell rausgehen. Und sitzen viele Leute anschauen am Meer, Strand, liegen, sitzen, anschauen, die Sonne, mit Eisessen.

 

Nora Fiedler, diktiert

geheimnisvoll – Mond – und Meerjungfrauen – Gedankenreise

Eine Frage wäre… Aber Ozean kann doch gar nicht reden. Ozean hat doch keinen Mund. Jetzt kommt eine Frage an den Ozean: An Ozean … oder: Lieber Ozean, welche Farbe hast du? Oder anders formuliert: Wie sieht der Ozean von drinnen aus? Mit richtig wunderschönen Schaumkronen. Diese Schaumkronen glitzern in der Sonne. Ob das Meeresrauschen zum Einschlafen bringt? Irgendwie träume ich echt davon. Ich sitze am Strand. Eine Vorstellung wie ich selber im Ozean wäre und ich sehe im Ozean: Es war Nacht und ist Vollmond. Ich wundere, was eigentlich wirklich im Ozean wäre. Ein sehr seltenes Wesen mit wunderschönen langen Haaren, eigentlich ist es kein Wesen. Ich sehe eindeutig da: eine Meerjungfrau. Und am Ende sitze ich mit der Meerjungfrau am Felsen. Die Meerjungfrau heißt Beate.

 

Angela Fritzen, diktiert

…Der heftige Wind treibt die Wellen zu stark hoch, dass man die Wellen hören können, so eine Art Musik. Wenn Salzwasser und Süßwasser Wellen macht, gehe ich direkt rein und springe da rein. Wenn die Welle treibt immer mehr, das ist das Zeichen, dass ich reingehe. Aber mit Laufen. Und ich reite wie auf ein Pferd. Das Wasser kein Pferd ist. Aber das Wasser trägt wie Pferd. Weil die Pferde können auch schwimmen.
Die Wellen machen sehr viel mehr Kraft fürs Herz. Herz mehr Kraft fürs Leben. ….

 

 

Politische Themen rund um den Ozean

 

Natalie Dedreux, handgeschrieben

Flüchtingskriese
Ich finde es nicht gut das sie sterben.
Sie haben auch das recht nach Deutschland zu kommen. Sie haben doch hunger und durst so wie wir. Können wir den Seehofer das der liste absteigen.
Sie sind genau so wie wir reich und können gerne so wie ich gerne einschlafen.
Ich will das der Krieg in den anderen Landen aufhört.
Die Politik soll so funktionieren das alle mitmachen dürfen. Es sollen doch nicht so viele menschen auf den rettungsbotten sterben.
Können wir den Seehofer mal Bremsen.
Dann müssen wir uns was einfallen lassen. Dann were es gut Das wir ein Ton(?)gerät anschaffen damit wir den Seehofer bremsen können.

 

Andrea Halder, selbst am Computer geschrieben

…Wir Menschen sollten mehr dafür sorgen dass wir nicht soviel an Plastik verbrauchen und auch an den gelben Säcken sollte man auch daran sparen. Weil sie bestehen ja auch nur als Plastik-Müll. Eigentlich sind wir ja daran selbst schuld. Wir verbrauchen ja selbst soviel an Plastik-Müll. Wenn jeder mit machen würde von unseren Leuten abgesehen und seinen Teil dazu beizutragen mit den Plastik-Müll, dann wäre es jeden dabei mitgeholfen. Wir sind ja dazu selbst verpflichtet uns darum zu kümmern, nur so können wir in der Zukunft Plastik-freier leben ohne diesen Plastikmüll in sauberer Umweltschutz. …

 

 

Poesie

 

Michael Martens, diktiert

Unten im Meer
Spooky, spooky (macht Handbewegung, schlängelnde Fische, hochschwimmender Tintenfisch)
Mehr Rhythmus!
Harmonie!
Harmonie.

 

Antonio Nodal, diktiert

Meer ist Nordsee.
Meer heißt Wasser.
Meer heißt schwimmen.
Meer: Kopf Wasser.
Meer: Haare nass.
Meer: Ich will Handtuch.
Meer heißt Mensch.
Meer – ich liebe.
Meer: hellblau, Sonne.
Meer: Winter Eis.
Meer: Party Meer.
Meer heißt Tanzen.
Mittelmeer.
Meer: Träumen und denken.
Meer: Mann und Frau.
Meer heißt: Ich liebe.
Meer ist M.
Meer ist E.
Meer ist E.
Meer ist R.

 

 

Was sonst noch beschäftigt

 

Aladdin Detlefsen, diktiert

Piraten ist ein Mensch und die trinkt ein Bier. Piraten sind auch Seeräuber. Sie fahren von Land zum Land. Und die hat sieben Messer und eine Waffe. Die kämpft sich Piraten zu Piraten. Die hat auch ein Schiff. Und ein Bier in der Hand. Die haben einen Schatz, den haben sie am Strand erobert. Die bewachen den Schatz. Die Schiff fährt bis zum Burg. Die bewachen, damit keiner Unsinn baut. Die Piraten, die wohnt auch da. Und die schlaft auch da in Burg.
So sehen die Piraten aus: rot im Kopf, Lederhose und Gürtel und eine kleine Jacke. Dazu Lederschuhe. Und ein Bart. Piratenfrau, die arbeitet im Kiosk auf dem Piratenschiff. Sie hat ein Blume im Haar. Die hat ein Rock, geschminkt, aber mit Waffen: Pistolen und zwei Messer. Und die trinkt auch ein Bier. Die Piratenfrau holt die Schatz und geht zurück nach Burg. Und das schlaft sie. Den Schatz hat sie solange ganz tief unten im Keller. Dann geht die nach oben, nimmt da das Boot und fahrt lang zum Land. Und die hat Kanonen und schießt von Schiff zum Schiff. Und springt sie und kämpft und schießt – alles gleichzeitig. Und dann fährt die noch weiter aufs Meer.
Sie kriegt auch zu Essen und zu trinken. Bier. Da gibt’s Gemüse, Fleisch und Obst. Das essen die Piraten. Auf dem Tisch nimmt eine Kerze und macht das Licht an. Sie greift sich die Segel ab. Sie singt Ahoi. Die Piraten macht: „Ahoi, ahoi, was machst du Schönes?“
Die hat vier oder fünf Kisten voll Bier und saufen richtig. Essen, trinken und alles, was Spaß macht.
Am Abend macht der der Gardine zu und schlafen im Schiff. Die schläft bis morgens um zehn. Und dann wacht die auf und sagt: „Oh, 20 Schiffen, da muss man Tote schießen.“ Die besprechen sich bisschen: „Jetzt kämpfen und schießen wir noch mal. Und trinken noch mal Bier.“
Danach fahren sie zurück nach Burg. Dann schläft der noch mal und tanzen, tanzen, tanzen ohne Ende. Und Bier saufen. Und die Geschichte ist zu Ende.

 

Dominic Edler, selbst am Computer geschrieben

See-Gurkeen
Repetez für Seegurkensalat mit Blaubeeren und Fetakäse

1 kleine Salatgurke(n) (Bio)
100 g Blaubeeren
100 g Feta-Käse
1 Lauchzwiebel(n)
1 EL Minzeblätter, in Streifen geschnitten

Für das Dressing:
1 EL Obstessig
Salz und Pfeffer
1 Prise(n) Cayennepfeffer
1 Prise(n) Zucker
2 EL Olivenöl

Die See-Grurken kommen aus den Land Indien.
Aus Indien das ist ein Land in Südasien .
Ich weis das die gruke auf Paltnaschen aufwerkssen und sie ist ein
Plafznengnüsse.
Und die Grurke würd zuberite für sallte und es gibt weill gute Repzte dazu
wen ihr repzte baurcht wende euch an mich 6 Stanekurch Dominic.

Wie werden sie serviert?
Als Saaltgericht mit allen Verastioen im Restuangs und Gasthüsern
Cetterings.

 

 

Und zum Schluss

 

Natalie Dereux, diktiert
Wenn ich am Rhein bin, mache ich hochleistungschillen. Da esse ich auch gerne Eis. Am liebsten mag ich Schoko. Wasser ist wichtig für uns Menschen. Das brauchen wir zum Trinken und zum Leben.

 

 



… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Foto: Mathias Bothor, Berlin, www.mathiasbothor.com 
Text und Fotos © Ohrenkuss
Zum Impressum des Heftes – interessant, weil es zugleich ein kleiner Überblick ist …

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