Teepause: Fancy Jade Oolong

Mit den grünen Tees sind wird vorerst fertig. Bewegen wir uns auf dem Fermentierungsspektrum etwas weiter mit diesem edlen Tee.

 

Fancy Jade Oolong

Unser heutiger Tee kommt aus China. Es handelt sich um eine Mischung aus den Typen Dung Ti und Dong Ding. Wie dem Namen zu entnehmen ist, ist es ein Oolong Tee (Erklärung weiter unten). Ebenso lässt sich dem Namen die Qualität entnehmen. Fancy bedeutet so viel wie edelste Qualität.

Herstellung: Frische Teeblätter werden in ein Tuch eingeschlagen und im Tuch gerollt, bis sich die Blätter zu Knoten verwinden. Dann werden sie kurz fermentiert.

Aroma: Schon unaufgegossen riecht der Tee leicht blumig süßlich. Nach dem Aufgießen verstärkt sich dieses Aroma noch.

Geschmack: Es ist wirklich ein edler Tee, das merkt man im Geschmack. Er ist relativ komplex und nuanciert. Hauptnoten sind für mich Aprikose (aber eher getrocknete), leicht herb, dazu eine kräuterige, warme Note. Definitiv kein Tee zum nebenher trinken, sondern zum bewusst genießen.

 

Was ist eigentlich Oolong

Oolong bedeutet auf chinesisch “Schwarzer Drache”. Das geht auf eine Sage zurück, wo der Teebauer angeblich nach der Ernte von einem schwarzen Drachen verscheucht wurde. Als er zurück kam, war sein Tee durch die Sonne fermentiert und dadurch sehr aromatisch.

Während Grüntee gar nicht fermentiert ist und schwarzer Tee vollständig, gibt es bei Oolong Nuancen. So kann er zwischen 50 – 85% fermentiert sein, bestimmt gibt es auch davon noch Abweichungen. Dadurch entstehen sehr unterschiedliche Charakteristika. Weniger fermentierter Oolong erinnert konsequenterweise eher an Grüntee, mehr fermentierter an Schwarztee.

Durch die Fermentation entwickelt der Tee sein Aroma. Er verliert seine “Grasigkeit” und seine Frische, wird herber (das sind die sehr klassischen Fermentationsnoten), wird in der Regel auch vollmundiger und komplexer. Sehr stark fermentierter Tee ist dann, analog einer dunklen Kaffeeröstung, sehr “stark”, nahezu bitter, sodass auch hier keine Nuancen mehr zu erkennen sind.

Kommen wir zu den Details unseres heutigen Tees.

 

Fancy Jade Oolong, Detail

 

Tee Probe

Tee ist nie eindimensional und lässt sich eigentlich auch nicht einmal beschreiben. Guter Tee entwickelt sich mit jedem Aufguss und verändert seinen Charakter zum Teil sehr stark. Das macht ihn sehr spannend, die Veränderung nimmt den Genießenden mit auf eine kleine Reise. Manche Noten treten nur anfangs auf, während andere erst gegen Ende des „Zyklus“ verstärkt durchkommen. Darum werde ich in den Tee-Vorstellungen immer mindestens drei Aufgüsse machen und beschreiben.

 

Bei der Zubereitung habe ich mich an die Zubereitung auf der Rückseite gehalten: 12 g auf 1 l Tee, Wasser bei 90 Grad Celsius und eine Ziehzeit von guten 3 Minuten. Ich würde jedem empfehlen, das ähnlich zu halten. Ich habe auch mal 70 Grad ausprobiert, da kommen die Aromen nicht so gut zur Geltung.

Eine Feinheit, die ich bei der Zubereitung noch geändert habe: Ich hab den Tee zuerst mit ein bisschen heißem Wasser aufgegossen, 15 Sekunden ziehen lassen und diesen Ansatz weggeschüttet. Das ist eine Art, den Tee wieder zum “Leben” zu erwecken, die in manchen Teekulturen verbreitet ist.

 

Erster Aufguss

90 Grad, 3 Minuten

 

Der Tee riecht prächtig. Warm, blumig, klar und leicht kräuterig.

Die herbe Fermentationsnote ist fein ausgeprägt, angenehm, nicht zu dominant. Der Tee wirkt sehr rund, hat keine harschen Noten. Für mich schmeckt er klar nach getrockneten (leicht bitteren) Aprikosen, ist fast ein bisschen süßlich (sofern man natürlich davon reden kann). Im Abgang hinterlässt er ein dezentes, bitteres Mundgefühl und eine angenehme, würzige Note. Ich konnte nicht genau ausmachen, welche Würze es ist, aber es geht in Richtung Tulsi, vielleicht Thymian, ist aber viel feiner.

 

Zweiter Aufguss

90 Grad, 3 Minuten

 

Das angesprochene Aprikosenaroma verstärkt sich für mich. Etwas weniger herb, etwas süßlicher, angenehm würzig. Er wirkt sehr edel und komplex, ohne anstrengend zu sein.

 

Dritter Aufguss

90 Grad, 3 Minuten

 

Die Aromen sind alle etwas verwaschener, aber immer noch angenehm und präsent. Insgesamt etwas weicher. Ein guter Ausstieg würde ich sagen.

 

Insgesamt ein wirklich toller Tee, der Spaß macht. Ein Tee, den ich entdecken mag, für den ich mir Zeit nehmen möchte, weil er spannend ist, mit vielen Nuancen und gleichzeitig sehr ausgewogen. Ich kann ihn jedem empfehlen, der Lust hat, wirklich Tee zu trinken, für mehr als nur den Effekt. Macht Lust auf mehr!

 

 

 


 

 

Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.

 

 

 

 

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