Joshuas Botanicals: Zitronengras

Und so beginnt eine weitere Folge Botanicals. Dieses Mal mit Fokus auf Zitronengras.

Das Zitronengras selber muss ich gar nicht so sehr erklären, wie den Cistus Tee. Es hat seinen Namen nicht ohne Grund und genießt auch deutlich mehr Popularität. Man kann es mittlerweile hier auch gut frisch finden, aber es ist etwas widerspenstig im Umgang. Die festen Stile lassen sich schwer schneiden. Nichtsdestotrotz hat es natürlich auch Vorteile, wie alle frischen Kräuter und Gewürze.

Wie dem auch sei – wer sich Arbeit sparen will, der kann sehr gut zum Tee greifen. Er besteht, wie auf dem Foto auch zu sehen ist, aus den geschnittenen Stücken der kräftigen Grashalme. Es schmeckt erfrischend zitronig, ohne die Säure und Citrus-Noten mitzubringen. Das macht es sehr vielseitig einsetzbar und ich könnte auch eine ganze Kochreihe daraus machen. Man kann es auch gut zu anderen Teesorten beigeben, wie etwa Grüntee, um der Mischung eine Frische zu verleihen.

Jetzt aber zu den Getränken. Ich habe einen Versuch gemacht, wie man am besten den Geschmack aus der Pflanze kriegt: Einmal heiß aufgegeossen, wie Tee und einmal kalt. Sobald die Blätter mit dem heißen Wasser in Kontakt kommen, verströmen sie ihr unvergleichliches Aroma und verleihen dem Wasser eine grünlich-gebliche Farbe. Kalt lässt dieser Effekt etwas zu Wünschen übrig. Auch nach einem Tag ziehen lassen, ist der Geschmack sehr zart und etwas befremdlich – es erinnert unerwartet wenig an Zitronengras. Daher empfehle ich für die Zubereitung der folgenden Getränke die klassischen Teezubereitung (10 g auf 1 Liter). Das kann man gut auch 1-2 Tage stehen lassen ohne unerwünschte Nebengeschmäcker zu erzeugen.

Meine erste Idee ergibt sich aus der asiatischen Küche und daher hat der folgende Cocktail auch liebevoll seinen Namen bekommen:

 

Tom Kha Tail

Haha. Wie es so bei Getränke-Namen üblich ist, fangen jetzt die schlechten Witze an. Der Name leitet sich vom thailändischen Gericht Tom Kha Gai ab, was ich sogar mal in einer Gewürzreise gekocht habe. “Gai” bedeutet in dem Fall Huhn, was ich hier mal rigoros rausgelassen habe.
Die anderen Zutaten finden jedoch Verwendung – so entsteht eine frische Neukomposition einer traditionellen Geschmackswelt. Oh ja – dieser ist auch alkoholfrei.

 

Zutaten:

  • 150 ml Zitronengrastee
  • 25 ml Galgantsirup (100 ml Wasser, 50 ml Zucker, 1 TL Galgant, Rezept weiter unten)
  • 25 ml Kokosmilch
  • 8 Kaffirlimettenblätter
  • 1 kleines Stück Thai-Chili
  • 1 Teelöffelspitze Sojasauce (wer sich traut)

 

Die meisten Zutaten gibt es in jedem kleinen Asia-Geschäft. Zitronengras und Galgant bei uns – Kaffirlimettenblätter in getrocknet auch, aber hierfür brauchen wir frische!

 

Zubereitung

Also: Der Zitronengrastee wird wie oben beschrieben zubereitet.

Der Galgantsirup ist ähnlich wie beim letzten Mal. Einfacher Sirup ist immer noch 1:1 im Mengenverhältnis, aber 2:1 tuts auch, wenn es nicht dickflüssig sein muss. Wasser mit Zucker aufkochen, 1 TL Galgant-Pulver dazu und dann idealerweise durch einen Kaffee-Filter geben. Dadurch wird der Sirup klar und frei von Teilchen (abhängig von Vergrößerungslevel).

Kurzes Wort zum Sirup: Ich finde den super. Erinnert etwas an Ingwer, aber hat nochmal komplett andere Nuancen. Riecht etwas erdig, hat aber auch eine feine Fruchtigkeit und Säure. Auf jeden Fall ausprobieren – es würde mich nicht wundern, wenn ich den nochmal verwende.

 

Zum Mischen sollte alles abgekühlt sein. Dann in einem Shaker den Tee, den Sirup, die Kokosmilch, die Kaffirlimettenblätter, Chili und wer mag wirklich nur einen Hauch Sojasauce mit viel Eis vermischen und dann in einem geeigneteren Gefäß als ich habe servieren (ich arbeite daran).

 

 

Es entsteht ein komplexes, cremiges und dennoch frisches Getränk, fast etwas dessertartig. Hier sind die Detailerklärung:

 

 

Detail-Aufschlüsselung

Zitronengras: Frisch, Zitronig, macht den Großteil des Getränks aus. Durch die Frische ist es angenehm zu trinken, nicht zu schwer und somit auch nicht überwältigt von Kokosmilch und Sirup – Bildet die Grundlage.

Galgantsirup: Die Süße und Erdigkeit mit Hang zur Exotik. Bildet quasi den Körper.

Kokosmilch: Es reicht wirklich ein Spritzer aus, um den Getränk durch das Fett eine tolle Cremigkeit zu verleihen. Jeder, der milchige Cocktails mag, weiß, was ich meine. Die, die sie nicht so gerne mögen, wie ich, werden aber auch nicht unangenehm von der Schwere erschlagen.

Kaffirlimette: Nicht nur beim Kochen ein wahnsinniges Aroma. Sehr frisch, sehr intensiv und unvergleichlich. Nimmt die “Zitronigkeit” und Frische des Zitronengrases auf, aber auf einem anderen Level. Als besten Vergleich fällt mir ein musikalischer ein: Es ist quasi eine Oktave über dem Zitronengras – vielleicht reicht das als Erklärung.

Ein Stück Chili: Die kleinen Thai-Chilis sind ziemlich scharf, aber in einem Kaltgetränk löst sich die Schärfe nicht so schnell. Eher ein Hauch, der als Anspielung auf die Herkunft des Namens ist, aber manchmal auch wahrnehmbar genug ist, um interessant zu wirken.

Sojasauce: Nicht nur als Anspielung gemeint. Umami ist eine Note, die in den meisten süßlichen Getränken gar nicht vorkommt. Wer sich aber daran traut, stellt fest, dass es gar keine üble Idee ist. Macht das Getränk unvergleichlich komplexer ohne wirklich vordergründig als Sojasauce herauszuschmecken ist, da wir nur einen Hauch dazu gegeben haben. Ich würde empfehlen, das mal auszuprobieren – Ich glaube, es trifft nicht jedermans Geschmack, aber es ist hochinteressant und durchaus würdig, da weiterzuforschen.

 

Finale Worte: Insgesamt hat mich das Getränk ein bisschen an Milktea erinnert. Ich stelle mir das toll mit Boba-Perlen vor, wer Lust hat, das mal auszuprobieren. Ansonsten auch so spannend. Man kann bestimmt auch noch Alkohol dazu geben, aber das verschiebe ich auf ein nächstes Mal (Das ist eine Andeutung).


Ich wünsche Euch schöne Ostertage, in welcher Form auch immer. Genießt die Sonne und die Erholung. Bis bald!

 

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.

 

 

 

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