Ohrenkuss No. 55: Zukunft

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

Das Thema dieses Mal ist Zukunft, ein Thema was uns glaube ich alle mehr beschäftigt aktuell. Die Autorinnen schreiben von ihren ganz persönlichen Vorstellungen, politischer Zukunft, der Zukunft von unserer Natur & Welt und sind ganz nebenbei noch schwer philosophisch. Die Ausgabe beschäftigt sich mit einer großen Bandbreite von Themen und wandelt dabei zwischen einer Leichtigkeit in schwere Tiefen und wieder zurück. 

 


 

Jan-Benjamin Zoch, getippt
Ich wünsche mir Gerechtigkeit und ein Land, in dem ich meine Meinung Sagen kann.

 

Teresa Knopp, diktiert
Meine persönliche Zukunft ist mir wichtig, denn es geht um mich und um meine Arbeit.
Ich wünsche mir ‘ne Aufgabe in meinem Leben, die mir wirklich Spaß macht, wenn ich aufstehe morgens, dass ich dann auch ‘ne tolle Aufgabe hab und ‘ne tolle Arbeit finden kann, das ist halt mein größter Traum, mein Wunsch. Und auch eigentlich meine Zukunft.

 

Johannes Ruhland, getippt
Ich wünsche mir das es auf der welt keinen krieg gibt egal wo es soll frieden einkehren ich weis es nicht so genau wann es aufhört abber ich sage „krieg nein danke frierde ist schöner die welt ist nicht schwratz weiss sie ist bund“ einfach nur ruhe und das wir eins sind im ewigen kreis des lebens.

 

 

Maria Trojer, handgeschrieben
Man kann etwas tun. Friedlich miteinander umgehn, hinschauen was da vor sich geht, gemeinsam in die Zukunft schauen.

 

Andrea Halder, getippt
Ich finde persönlich, dass man im jeweiligen Jetzt leben sollte, und was einem so die Zukunft bringt, das sehen wir dann.

 

Angela Fritzen, diktiert
In meinem Herzen findet die Zukunft. Es ist interessant.

 

Damian Bright, getippt
Die Bäume haben viele bunte Blüten.
Sie leuchten in vielen Farben.
Der Wald geht bis zum Wasser.
Alles ist jetzt ein großer Urwald.
Es ist ganz still.
Nur die Vögel singen fröhlich.
Die Sonne scheint.
Die Blätter rauschen im Wind.
Ein Wasserfall macht laute Geräusche.
Der See ist ruhig und klar wie ein Spiegel.

 

Teresa Knopp, diktiert
Die Artenvielfalt.
Die bunte Vielfalt.
Das bedeutet für mich auch Inklusion irgendwie.

 

 

Marley Thelen, diktiert
Zukunft ist mir Spaß. Die Zukunft ist auch für mich gedacht.

 

Natalie Dedreux, diktiert
Ja, ich wünsch’ mir, dass die Welt so sein wird, ja in der auch wir Menschen mit Behinderung wirklich gesehen werden. Dass wir auch gehört werde und dass wir auch mehr mitreden dürfen. Genau. Das ist sehr sehr wichtig.
Ja, zum anderen hab’ ich die Sorge, dass wir Menschen mit Behinderung von der Gesellschaft aus nicht richtig ernst genommen werden. Das liegt, glaub ich, auch daran, dass die uns noch nicht wirklich gesehen haben. Deswegen ist es auch wichtig, was ich empfehlen kann, dass man nicht so viel Angst vor uns haben muss, genau.

 

Ronja Marie Ossmann, getippt
Ich wünsche mir das die Bäume in der Zukunft Leben können.

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert
Wenn ich jetzt hier bin und würde in die Zukunft rück blicken, dass ich gerne 4-Gang-Menü machen würde. Und das wird bestimmt auch klar werden. Dass ich dann selbst mit einen Betreuer dann das zusammen dann mache und meine Eltern dann kosten könnten. Dass man dann selbst erstmal einkaufen geht, was man für einen Gang kochen möchte. Und dann der zweite Gang einen Salat oder so vorbereiten kann. Hauptgangsachen und so und dann den Nachtisch. Das ist mein Zukunftsplan. Für ein Jahr oder fünf Jahre.

 

Maren Naefken, getippt
Meine Zukunft ist gut Laune.
Vielleicht.

 

 

Ansgar Peters, diktiert
Ich fahre einen alten Traktor. Er ist schon über 70 Jahre alt. Und fahre durch Köln. Das ist genau meine Sache. Ich möchte ein Besitzer werden von ein Geisterbahn. Und der heißt Blitzmaschine. Dass ich selber Vater bin. Vielleicht.

 

Fabian Grabis, diktiert
Nächstes Jahr. Im Sommer, wenn es heiß ist. Schwimmen gehen. Freibad. Pommes essen. Eis essen. Mäcces essen. Big Mac, Pommes, Netzkartoffeln und Fanta.

 

Daniel Rauers, diktiert
Ich bin zufrieden eigentlich.

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit 1998.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: https://www.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Ohrenkuss: Verdienstkreuz am Bande

 

Text und Fotos © Ohrenkuss,
Fotos: Martin Langhorst // www.lichtbilderlanghorst.de

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