Einstimmung auf die BioFach – Weltleitmesse für Bioprodukte
Vor 20 Jahren und wie jedes Jahr …
Wenn wir im winterlich-vereisten Nürnberg zwei Tage vor Messebeginn (mit der Bahn) ankommen – während zuhause (in Köln) alle, manchmal schon frühlingshaft, Karneval feiern – ist die spannendste Frage: ist der Messestand (per Spedition) tatsächlich und heil angekommen? Bisher hatten wir Glück, toi toi toi, – das ist jedenfalls der Alptraum aller Aussteller, zerbrochene oder fehlende Paletten und Kisten.
Um 16 Uhr treffen wir in der zugigen, eiskalten, lärmenden, baustellenhaften Halle 7 ein – der einzige Messestand, der dann (2 Tage vor Messebeginn!) schon fix und fertig ist, ist Beutelsbacher (jedes Jahr, auch 2026, 20 Jahre später wird es so sein, ganz akkurat bestückt mit lückenlosen Saftflaschen, was in der umgebenden Baustelle jedes Mal einen Reiz darstellt, eine herauszunehmen. Tut natürlich keiner, alles brave Ökos, die Messebauer.).
In der chaotischen Umgebung finden wir unsere Paletten fast per Nase. Sie duften besonders stark nach dem bekannten, typischen Kräuter- und Gewürzmix in unserer Firma. Dann kann es ja losgehen.
In unserem Stand, Teil des NRW-Gemeinschaftsstands, liegt schon der Teppich (noch mit Schonfolie), und wir können beginnen, als erstes unsere Standwände aufzustellen. Dann legen wir Stromkabel, schließen Licht an – und kochen uns erst mal einen Tee… (Jetzt 20 Jahr später und 20 Jahre älter – haben wir einen Messebauer ( das tolle Messeteam 24), der unseren schweren Holzstand dann schon aufgebaut hat).
Dann geht es weiter mit den Messemöbeln, Theken, Verkostungstisch, Teekoch-Utensilien aufstellen, so das Grobe eben. Darüber wird es Abend. Falls was fehlt, schnell noch Listen für die Nachzügler in der Firma machen – was in den Rucksack geht.
Am nächsten Tag folgt die Feinarbeit. Ringsrum nehmen die Messestände auch schon Form an. Wir füllen Gewürz- und Teetüten in die Regale unserer Messestellwände. Bürokram wird an die richtigen Stellen sortiert, und die Theken werden dekoriert. Das machen wir ziemlich aufwändig, sodass z.B. alle Gewürzmischungen, oder alle Salze von den Besuchern verkostet werden können, oder seltene Kräuter angefasst und gerochen werden können – wie eine kleine Schule halt. Unser Stand ist so groß wie eine Apartment-Wohnung – 30 qm, und das dauert natürlich, sie einzurichten. Allerdings sind die Mietkosten im Vergleich zur Wohnung ca. 35x so hoch.
Messe ist wie eine Theateraufführung, lange geprobt, viel Bühnenbild (Pappmasché), dann der Auftritt – die Kunden kommen – Applaus und schon mal Buh + Bäh…
Zwischendurch laden die Kolleginnen vom NRW-Ministerium in der „Lounge“ zum Gulasch ein, eine Tradition (auch noch 20 Jahre später).
Seit 2008 findet am Vortag der Messe die Trust-Organic-Small-Farmers-Konferenz statt, sodass wir uns beeilen müssen. In dieser Initiative sind wir Gründungsmitglied. Es geht um Kommunikation und Vernetzung. Auf dieser sehr lebendigen und durchaus streitbaren Konferenz diskutieren Vertreter der Projekte sowie Importeure aus Europa, (damals auch USA und Australien) über Vorstellungen und Vorgehensweisen. Da wir unsere Überseepartner nicht so oft treffen, hat diese Konferenz auch etwas Festliches für alle Beteiligten. (Jetzt, 2026, werden wir wieder mit der Gruppe festlich essen gehen).
Aber hier soll über das Jahr 2006 berichtet werden. Am Abend sind wir mit Roman und Sanja verabredet, Lieferanten und Freunde aus Kroatien, Gründer der Firma Terra Magnifica für Biokräuter aus zertifizierter Wildsammlung. Wir netzwerken mit ihnen und einigen anderen Kräuterimporteuren, um Planungen zu machen und Mengen unterzubekommen. Wie jedes Jahr haben wir für Roman eine Kiste Bücher dabei, da er sich seine Amazon-Bestellungen sicherheitshalber lieber nach Deutschland schicken lässt. (Jetzt, 20 Jahre später, ist Kroatien nicht mehr so abgehängt und hat den Euro, sodass sich Roman seine Bücher und sein Saatgut ohne die alten Umwege kaufen kann).
Heute Abend (2006) wollen wir essen gehen, aber er hat Verspätung. Schließlich trifft er ein, verfroren, und nimmt uns mit seinem jeepartigen Auto mit in die Stadt. Unterwegs erzählt er, dass in Rumänien eine vereiste Höhle erforscht wurde, worin tiefgefrorene Drachen gefunden wurden. Große Flugtiere, die nur ca. 500 Jahre alt sind – sodass wir direkt spekuliert haben, ob irgendwo im Verborgenen sogar noch Drachen leben. Man hat herausgefunden, dass sie in einem ihrer Mägen Helium produzieren, und das Helium in Kammern gespeichert wurde, um fliegen zu können. Die berühmten Feuerstöße entstehen, indem sie auf Feuersteinen kauen, und dabei eine Helium-Wolke ausatmen.
Die Drachengeschichte hat sich leider als Fake erwiesen – schade, war Warte-Bonus …
BioFach 2026: 10.-13.2. – Halle 7 Stand 143. Kommt doch mal auf einen Tee vorbei.

















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