Foto 1 Haareis 1 Foto 2 Haareis 2
Mikrokosmos
Regelmäßig zum Jahreswechsel bekommen wir einen Beitrag von unseren Freunden Evi und Lothar, den Pilzsachverständigen aus dem Hunsrück, den wir wegen der fremdartigen, aber bezaubernden Schönheit im Kosmos der Pilze mit Euch teilen wollen. Ein guter Einstieg ins neue Jahr.
Zunächst einmal vorab allen einen gesunden und ruhigen Start in das NEUE Jahr 2026!
Zum Jahresanfang möchten wir von einem Phänomen berichten, das sich im winterlichen Dezember 2025 im Hunsrück bei leichten Minusgraden in feuchten Wäldern gleich vielfach beobachten ließ: aus in der Laubstreu am Boden liegenden dünnen, vielleicht bis zu Kleinkindunterarm-dicken, morschen Totholzästen verschiedener Laubbäume (Weide, Hainbuche, Wildkirsche) quollen, Engelshaar-gleich, feinstfädige Eishaarlocken hervor. Ein einzelnes Haar kann dabei durchaus eine Länge von 10-15 cm erreichen. Das weiße „Engelshaar“ ist sogenanntes Haareis (siehe Fotos 1+2). Erst 2008 bestätigte eine Studie, was Alfred Wegener, ein deutscher Meteorologe und Polar- und Geowissenschaftler, der vor allem für seine Theorie von der Kontinentalverschiebung bekannt wurde, schon 1918 vermutete: Auslöser ist ein Pilz, nämlich Exidiopsis effusa (Rosagetönte Wachskruste), dessen Mycel das Totholz durchwachsen hat. Im Holz ist die Frostgrenze bei leichten Minusgraden in der Luft noch nicht erreicht und die Stoffwechselaktiviät des Pilzes funktioniert weiter. Im Pilzkalender 2026 der DGfM e.V. kann man nachlesen: „… und die dabei frei werdenden Gase verdrängen das leicht unterkühlte Wasser in den Poren des Holzes nach außen, wo es in der kalten Luft zu den … Eisfäden gefriert. Der Pilz ist notwendig, um die haarartigen Strukturen zu bilden. Ohne die Stoffwechselprodukte entstehen keine Haare, sondern eher krustige Eisstrukturen.“ – Das schöne Engelshaar entschädigt voll für jegliche fehlende „Weiße Weihnacht“.
Mit diesem Exkurs in die seltsame Welt der Pilze grüßen Euch Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer

Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).
In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz- und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.
Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer



Schreibe einen Kommentar