Ohrenkuss Nr. 57: Schatten

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

Das Thema dieses Mal ist Schatten und seine Vielzahl von Formen. Von kühlenden Schatten, über Schattenformen bis zum eigenen Schatten und was er bedeutet. Es sind Erinnerungen an den Sommer, anregenden Reflektionen, lyrische Spielereien und Gedichte, die direkt aus einem Buch stammen könnten. Für mich lädt diese Ausgabe zum Nachdenken ein und regt an, selber mal über Schatten und seine Varianten zu philosophieren.

 


 

Anna-Lotta Mentzendorff, selbst getippt

Schatten bedeutet für mich ganz Unterschiedliches.
Manchmal ist er so wie ein Spiegel in dem man sich selbst wieder erkennt.
Ich habe viele Schatten.
Wenn mein Schatten vor mir liegt dann scheint die Sonne mich von hinten an. Ich finde es witzig, wenn ich meinen Schatten überholen möchte oder schneller sein möchte, klappt es leider nicht.
Anders ist es, wenn mein Schatten von hinten kommt. Dann wirkt er bedrohlicher ich habe das Gefühl, dass ich vor ihm weglaufen müsste. Oder er hält mich mit seiner Hand von hinten fest. Das ist ein blödes Gefühl schnell drehe ich mich um und merke, das dort nichts ist, nur mein Schatten, der plötzlich vor mir liegt.

 

 

Mila Zoe Meier, diktiert

Ich habe mich hingestellt, das war richtig gut erstmal. Und danach ich mich angezogen habe, wie ein Königin, also Schattenkönigin. Schattenkönigin war „Hey König, hey, komm zu mir!“ Das ist richtig gut.

 

Marley Thelen, diktiert

Wir haben alle Natur hier, viele Schatten. Ich fühle mich hier richtig wohl, wenn ich hier im Schatten sitze, wenn viele Blätter weht. Ich fühle mich richtig wohl über Schatten zu sitzen oder zu liegen, mit den Picknickdecken. Dann habe ich eben gesehen, da ist auch jede Menge Schatten hier an den Wege und geradeaus durch ist auch Wald. Ganz viele Schatten gibt es nämlich, viele Schatten. Kann ich nicht klagen, find ich viel schöner. Und Sonne ist auch herrlich.

 

Achim Reinhardt, handgeschrieben

Wenn ich im Schatten Laufe und Die Sonne Scheint Sehe ich Mich zwei Mal

 

Natalie Dedreux, diktiert

Schatten und Wind
schön kühl
Klimaanlage
Wenn da Wind rauskommt, dann finde ich das wirklich geil.
Und dazu eiskalte Drinks.

 

 

Nora Fielder, getippt

schatten ist ein lichtstrall wo überall den weg erlutet
oder ein schatten ist wie ein fussabtuck
oder ein schatten könnte eine dungelde wolke über
die sonne über ziehen .

 

Martin Weser, handgeschrieben und abgetippt

Ich liege unter der Nussbaum das ist schön im Schatten zu sein.
Wir haben überhall Schatten
Linde das ist unser Schatten Platz
da fühle richtig gut
im da kann, man genießen
im Schatten mit Tasse Kaffee
das kann man aushalten.
Das ist sehr schön.
Im Wald ist auch Schatten nur Bäume mit Fahr Räder durch den Wald.

 

Magdalena Strutz, handgeschrieben

Schönen Schatten
suchen Hunde und Ratten
das sagen auch die Spatzen
unter dem Baum
im Schatten
merkt man die Sonne kaum
Die Schafe sind auch schon da
Schatten tut ihnen gut
wie Ebbe und Flut
so sagen die Möwen zum Baum
Die Sonne stört uns dann kaum
Schatten? ja!

 

 

Johannes Ruhland, diktiert

Ich habe quasi meinen eigenen Schatten gefaltet
Den kann ich dann mitnehmen
Überall wo Ich bin
Z.B. im Urlaub
Dann kann ich ihn auspacken

 

Maria Trojer, mit Hand geschrieben und abgetippt.

Schatten und Licht
Der eigene Schatten
Ist wie eine Gestalt.
Geht neben dir
Wie das Sonnenlicht fällt.
Ich bin der eigene Schatten
Gehe durch das Licht.

 

Zoch Jan Benjamin, selbst getippt

Habe Schatetenspiele gemacht.
Die Sonne macht das Licht und ich bin die Blockade. Ich habe der Sonne den Weg versperrt, sie kann ja nicht durch mich durchscheinen.
Mein Schatten zeigt meinen Körper.
Manchmal ist der Sachtten gruselig und er kann auch sehr Lustig sein. Am Abend Scheint keine Sonne, dann gibt es auch keinen Schatten.
Wenn ich meine Nachttischlampe an mach, läßt der Schatten seine Dämonen frei.

 

Andrea Halder, getippt

Ich frage mich, ob mein Schatten weiß, dass ich das Down-Syndrom habe. Und dass ich ein wenig anders aussehe wie die anderen alle. Vielleicht hat mein Schatten ja auch das Down-Syndrom so wie ich. Vielleicht auch noch ein bisschen kleiner. Das frage ich mich immer wieder. Ich weiß nicht so sicher, ob Schatten denken können. Aber wenn mein Schatten denken kann, denkt er vielleicht, dass er auch mal eine Pause gebrauchen kann, und keine so große Lust hat mit mir länger unterwegs zu sein. Schön wär ´s wenn ich meinen Schatten selber fragen könnte. Aber er spricht nicht mit mir.

 

 

Damian Bright, selbst getippt

Zwischen Schatten und Licht

Früh am Morgen liegt die Welt im tiefen Schatten.
Die Nacht ist noch da.
Nur die Sterne leuchten am Himmel.
Alles ist still.
Die Luft ist ruhig.
Die Welt schläft.

Langsam wird die Nacht zum Tag, es wird heller.
Die Schatten werden kleiner.
Der neue Tag kommt.
Das Licht schiebt die Dunkelheit langsam weg.

Ein weiches, graues Licht breitet sich aus.
Der Himmel bekommen schöne Farben.
Sie leuchten in Rosa, Rot und Gold.

Langsam steigt die Sonne über den Horizont.
Sie sieht aus wie ein roter Feuerball.
Ihre Wärme berührt die Erde.
Die Welt erwacht.

Die Schatten der Bäume liegen auf dem Boden.
Sie erinnern an die Zeiger einer Uhr.
Mit der Sonne verändern sie sich.
Sie werden kürzer und später wieder länger.

Am Abend wird das Licht langsam schwächer.
Die Schatten wachsen.
Die Nacht kommt zurück.
Sie legt sich wie eine weiche Decke über die Welt.

Die Sterne leuchten wieder.
Alles wird still.
Die Welt ruht sich aus.

Und morgen beginnt alles von Neuem.
Die Nacht schenkt Ruhe.
Der Morgen bringt Licht.
So erzählt jeder neue Tag seine eigene Geschichte.

 

 

Angela Fritzen, handgeschrieben

Strahlkraft je heller dein Licht scheint; desto dunkler sind die Schatten die es wirft

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit 1998.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: https://www.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Ohrenkuss: Verdienstkreuz am Bande

 

Text und Fotos © Ohrenkuss,
Fotos: Maximilian Gödecke //  www.max-goedecke.de

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