Joshuas Gewürzreise: Szechuan Pfeffer

Szechuan Pfeffer ist eins der spannendsten und zugleich komplexesten Gewürze, die ich mir vorstellen kann. In der Beschreibung, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, aber ich werde es versuchen:

Leicht bitter, leicht sauer, sehr fruchtig am Anfang. Die saure Fruchtigkeit, sehr wie Zitrone, aber milder, bleibt wirklich lange bestehen, gepaart mit der charakteristischen Mundtaubheit, die vorallem auf der Zunge und im Gaumen stattfindet Es ist insgesamt fast, wie wenn sich jemand ein Bonbon ausgedacht hat, dass für ein bisschen Mundfrische sorgen soll.

Ich mache nicht gerne Werbung, aber dieses Mal muss ich. Ich habe schon den ein oder anderen Szechuan-Pfeffer probiert. Die Qualitätsunterschiede sind groß. Die meisten verursachen die vertraute Taubheit, aber dieser bringt eine unglaubliche Fruchtigkeit mit sich, die ich so bisher nicht wahrgenommen habe. Es fängt beim Geruch an, der sich schnell in der ganzen Wohnung verbreitet und ist mir jetzt noch im Mund.

Aber zurück zum Essen. Dadurch, dass das Aromenprofil so komplex ist, kann man es gut allein verwenden, aber es passt auch zu vielen Speisen und Gewürzen. Besonders geschätzt wird es in der asiatischen, genau in der chinesischen und NOCH genau in der Szechuan-Küche, wo der Pfeffer auch seinen Namen herbekommt. Dort hat die betäubende Art der Schärfe, die durch eine Reizung des Trigeminus-Nervs entsteht, sogar einen eigenen Namen: málà. Diese wird gerne mit “richtiger” Schärfe aus Chili gepaart und es entsteht ein Aroma, das den europäischen Gaumen fast überwältigt. Eine Schärfe und Taubheit, der man nicht entkommen kann, die aber gleichzeitig regelrecht süchtig macht.

Ich möchte heute ein paar Facetten des Szechuan-Pfeffers, der übrigens nichtmal ein Pfeffer ist, sondern botanisch eher mit Zitrusfrüchten verwandt ist, ergründen und hier teilen. Die Welt ist für mich eigentlich fast zu groß und faszinierend, um nur 3 Gerichte damit zu machen, aber irgendwer muss das ja auch kochen, essen und lesen. Deswegen hoffe ich, dass es vielleicht Anreiz genug ist, selber mit dem Erkunden dieses tollen Gewürzes anzufangen.

Apropos anfangen: Wir fangen auch an. Mit einem kleinen Einstieg vorweg: Grüntee mit Szechuan-Pfeffer. Wäre ich selber vermutlich gar nicht drauf gekommen, es kommt direkt aus meinem tollen Büchlein.

Dazu eine Grüntee aufsetzen und mit ein bisschen Szechuan, vielleicht 1 Messerspitze pro TL Grüntee, oder weniger, würzen, ziehen lassen und trinken. Passt gut zu mild gewürzten Speisen.

Für den Sommer, kann ich übrigens sehr empfehlen: Tee etwas zu stark aufkochen, kalt werden lassen und mit Eiswürfel und viel Milch (gern Soja) trinken.

Dann wiederum ist auch ein guter Einstieg, einfach mal die Packung aufzumachen. Das schafft schon einen starken Eindruck.

Jetzt wird aber gekocht!

 

 


Scharfe Auberginen

 

Zutaten:

  • 1 große Aubergine
  • 1 TL Szechuan Pfeffer
  • 2 TL Chili
  • 100 mL Shaosing Reiswein*
  • 2 EL Sojasauce
  • 1 EL Sesamöl
  • 50 mL Wasser
  • 1 EL Speisestärke
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • Optional: Chinesischer schwarzer Essig
  • Genug Öl

 

*Shaosing Reiswein ist in der chinesischen Küche ein Standard. Gibt’s in den meisten Asia-Läden und sehr zu empfehlen. Ebenso wie der schwarze Essig.

 

Die Auberginen in ca. 5 cm lange Stücke schneiden und achteln, sodass 5 cm lange Schnitze entstehen. Am besten auch schonmal die Frühlingszwiebeln schneiden. Den weißen Teil etwas gröber, den grünen feiner. In einer Pfanne Öl erhitzen, denn wir wollen die Auberginen halbfrittieren. Shallowfry, im englischen. Aber oberflächlich frittieren klingt merkwürdig, oder? Soll heißen: Genug Öl, dass die Auberginen vielleicht zu einem Viertel bedeckt sind. Mit den Nicht-Haut-Seiten nach unten schön goldbraun anfrittieren, auf ein Küchetuch geben und abtropfen lassen. Den Szechuan Pfeffer in einem Mörser zerstoßen und mit der Chili mischen, dann in ein bisschen Öl (also vorher etwas aus der Pfanne raus) kurz anschwitzen, aber NICHT verbrennen lassen. Sollte man eigentlich kaum noch sagen müssen, aber der Szechuan Pfeffer verbrennt recht schnell. Die Auberginen wieder dazu geben, dann die groben Frühlingszwiebeln dazu und nach 1-3 Minuten mit Reiswein und Sojasauce ablöschen, Speisestärke mit Wasser vermischen und etwas dazu geben. Wir wollen, dass die Sauce die Auberginen umschließt, aber bitte keinen Pudding. Bei Bedarf sonst einfach etwas mehr Wasser dazu. Jetzt mit dem Sesamöl abschmecken und wer die Säure mag auch mit schwarzem Essig. Zum garnieren mit etwa Sesam und den feinen, grünen Frühlingszwiebeln bestreuen. Dazu passt Reis! Es gibt Reis. Queue Helge Schneider.

Und da haben wir’s. Scharf, aufdringlich, unglaublich geschmacksvoll und komplex. Macht süchtig und man kann ihm nicht entkommen. Ups.


Wie wärs mit etwas anderem?

 

 

Gedämpfte Hefetaschen mit schwarzen Bohnen

Das schöne an diesen Gewürzreisen ist, dass auch ich immer wieder Dinge ausprobiere, die ich sonst nicht tue. Hauptsächlich, weil es im normalen Alltag irgendwie untergeht. Ich habe mich also sehr gefreut, endlich mal solche Hefetaschen selber zu machen und werde das wohl auch in Zukunft mehr machen.


Zutaten:

 

Teig

  • Ca 250 – 300 g Mehl (Weizen, 405)
  • Ca 150 g Wasser
  • 1/2 Päkchen Hefe
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Salz

 

Füllung

  • 200 g schwarze Bohnen
  • 1 TL Szechuan Pfeffer
  • 1 TL Koriandersamen
  • 2-3 EL Zucker, idealerweise braun
  • 1 großes Stück Ingwer
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1 EL Sesamöl
  • 3 – 4 EL Sojasauce
  • 1 großen Sternanis
  • 2 Lorbeerblätter
  • 50 mL Wasser
  • 1 EL Speisestärke


Gewürzmischung

  • 1 TL Szechuanpfeffer
  • 1 TL Chili
  • 1 TL Salz
  • 2 TL Sesam

 

Wir haben 2 lange Schritte vor uns.

Wir müssen die Bohnen kochen. Das fängt am besten gestern an, in dem wir die Bohnen einweichen, über Nacht. Dann mit Salz und Lorbeerblättern zum kochen bringen und ca. 1.5 Stunden köcheln lassen, bis sie weich sind.

Wir müssen auch den Teig ansetzen. In einer Schüssel das Wasser mit dem Zucker und der Hefe gut vermischen. Dann unter Kneten, entweder mit einer Maschine oder 1-2 Händen das Mehl dazu geben. Ruhig mal mit 200 g anfangen, dann nach und nach. Wir wollen einen Teig, der nicht mehr klebt und sich gut handhaben lässt, aber auch nicht zu dicht wird. Insgesamt sollten das so 250 – 300 g Mehl werden. Gut kneten und mit einem Küchenhandtuch bedeckt an eine warme Stelle stellen. Nicht direkt auf den Herd, aber vielleicht in die Sonne. Also, den Sonnenschein. Den Teig 2-3 Stunden gehen lassen, bis er etwa 1.5 – 2x so groß geworden ist.

Sind die Bohnen weich gekocht, ein bisschen Öl in der Pfanne erhitzen und die Gewürze wieder zerstampfen. Ingwer und Knoblauch am besten reiben und im Öl kurz anbraten. die trockenen Gewürze dazu und nach 30 Sekunden die Bohnen ebenfalls. Alles gut vermischen, Zucker dazu, Sojasauce dazu und wieder mit einem Speisestärkeansatz andicken. Mit Sesamöl und vielleicht Salz und Zucker abschmecken.

Die Gewürzmischung ist einfach: Alles vermengen. Macht aber ein richtig gutes Tischgewürz.

So. Jetzt einen Topf mit ein bisschen Wasser auf dem Herd erhitzen. Aus dem Teig kleine Bällchen machen und mit mehr Mehl auswellen, ca 0.5 – 1 cm dick. Die Größe und Dicke ist Geschmacksache. Ich mag ein bisschen dicker mittelgroß. Der Teig hatte so einen Durchmesser von ca. 10 cm. Aber bitte nicht mit Lineal kochen. Jetzt in die Handnehmen, ca. 1 EL der Füllung hineingeben und formend verschließen. Das kann ich nicht gut erklären. Bitte im Internet nach einem Video gucken. Die Technik ist nicht kompliziert, aber braucht sicherlich Übung um als gut durchzugehen. Schmecken tut es aber auch, wenn es nicht so schick wird. Gottseidank.

Dann entweder auf einem Dämpfeinsatz oder in so schönen Bambus-Dämpfkörbchen (wieder aus dem Asialaden, für vielleicht 5 Euro) mit Backpapier, in das ich Löcher gestochen habe, in dem Topf mit kochendem Wasser und Deckel dämpfen. Daher kommt vermutlich auch der Name der Dämpfgeräte.

Dauert ca. 10 Minuten, glaube ich. Vielleicht auch mehr.

Serviert wird wieder schön mit Frühlingszwiebeln, der Gewürzmischung und einer Sauce, zum Dippen, optional. Zum Beispiel eine Mischung aus Sojasauce, schwarzem Essig und Sesamöl.

Schmeckt HIMMLISCH. Mir zumindest.

 

 


Bonus: Die Mischung als Onigiri. Das überschreitet ein bisschen den Umfang, hier die Kurzanleitung: Sushi-Reis kochen, mit Essig, Salz und Zucker würzen (Mirin) und abkühlen lassen. Formen, Füllen und in ein zugeschnittenes Noriblatt. Schmeckt AUCH sehr gut. War so ein spontan Impuls.

 

Und jetzt…. der Nachtisch:

 

 

Schoko-Szechuan-Eis

Wenn man es sich vorstellt, klingt es komisch scharf. In der Praxis ist es vorallem schokoladig und leicht fruchtig. Spannend, wirklich. Wie aromatisierte Schoki.

 

Zutaten:

  • 75 mL Kokosmilch
  • 100 mL Sojamilch
  • 125 mL Hafermilch
  • 1.5 EL Zucker
  • 1 EL Kakao
  • 1/2 TL Szechuan
  • 2 Eigelb
  • 1 Prise Salz

 

Milch mit Zucker, Salz, Kakao und gemahlenem Szechuan erhitzen. In einer anderen Schale die Eigelb kurz vermengen. Wenn die Milch kocht, vorsichtig die Eier temperieren. Dazu erst 1 EL in die Eier rühren, dann 2, dann 3, dann 4 und schon steht Weihnachten vor der Tür. Dann die temperierten Eier in die Milch einrühren. Viele rühren. Es soll ja nicht klumpen. Danach einfach in einer Schale in den Tiefkühler stellen. Oder, wer hat, eine Eismaschine. Hab ich aber immer noch keine…

Dazu gibt’s bei mir ein Aprikosenpüree. Leckerrrrrrr..

Und damit sind wir auch am Ende. Entweder jetzt erst hungrig oder richtig satt.

Abschließen möchte ich mit einer kleinen neuen Rubrik: Was ich gelernt habe.

Und zwar.

1. Es lohnt sich, die frisch geschnittenen, grünen Teile der Frühlingszwiebel in Eiswasser zu werfen. So bleiben sie frisch, noch frischer, als sie vorher waren, halten ihre Form und werden noch dekorativer.

2. Die Kombination aus etwas Geschmacksarmen und einem sehr starken Geschmack ist einfach unschlagbar. Wie die gefüllten Teigtaschen, Reisbällchen oder einfach Nudeln mit Sauce. Revolutionär, ich weiß.

 

Vielen Dank fürs Lesen. Ich hoffe, ein paar Insprirationen und Hungergefühle geteilt zu haben.
Bis zum nächsten Mal!

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

Corona und Lockdown-Folgen bei unseren Kleinbauern- und Teepartnern von Trust Organic Small Farmers

Wir haben unsere Partner in Indien, Sri Lanka und Südafrika gefragt, wie es ihnen während der Corona-Krise und des Lockdowns geht, wie ihr Alltag ist, ob sie ernten können (die Ernten laufen alle gerade) und ob die Ernten verarbeitet werden können.

 

Rooibusch Südafrika

Benni Wessels, landwirtschaftlicher Berater für Topqualitea Südfarika (Exporteur für z.B. die Wupperthal Rooibos Cooperative und Skimmelberg)

 

Ja, ich glaube, dieses Virus hat uns alle unvorbereitet erwischt, und ich hoffe, dass es Euch in diesem Stadium gut geht und Ihr frei von Viren seid.
Wir befinden uns in der 5. Woche des Lockdown, und nach dem kommenden Freitag werden wir in Stufe 4 eintreten (zu diesem Zeitpunkt sind wir auf Stufe 5). Alles ist noch etwas vage, was diese Stufenänderung bedeutet, aber soweit ich es beurteilen kann, wird sich nicht viel ändern, und nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wird zu “systemrelevant” hinzugefügt. Aber für den größten Teil/die meisten werden wir im Lockdown bleiben. Sie haben uns nicht mitgeteilt, wie lange die Stufe 4 bleiben wird, aber ich schätze, dass es zwei Wochen dauern wird und danach entweder Stufe 3 oder 5 (falls der Stufenwechsel die Situation verbessert hat).

In Bezug auf die Rooibos-Situation: Durch den Lockdown waren Landwirtschaft/Ernte/Verarbeitung nicht betroffen und konnten wie gewohnt weitergeführt werden. Die Wupperthaler hatten die Hälfte ihrer Ernte hinter sich, als der Lockdown eintrat, aber es scheint, dass sie bei der Ernte nicht betroffen waren. Die Probleme traten weiter unten in der Kette auf. Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Virusvorschriften über die Verarbeitung von Lebensmitteln während dieses Lockdowns aussagen, aber in der Rooibos-Industrie wurde die Belegschaft in Schichten aufgeteilt, was die Verarbeitung verlangsamte. Ein weiteres Problem scheint zu sein, dass die Aufträge im Vergleich zu den normalen Zeiten fast ausgetrocknet sind (was aus der Sicht des Käufers verständlich ist). Die Folge davon ist, dass kein Auftrag auf kein Geld hinausläuft, das an die Bauern ausgezahlt werden kann. Kommerzielle Landwirte mögen zwar einige finanzielle Reserven haben, aber die Kleinbauern haben keine, was sie in eine enorme finanzielle Notlage bringt. Die Regierung hat Vorkehrungen für finanzielle Hilfe für die Ärmsten der Armen getroffen (in diese Kategorie fallen die meisten Kleinbauern), aber wie Ihr wisst, mahlt die Bürokratie nur sehr langsam, und zum jetzigen Zeitpunkt haben sie noch nichts erhalten.

Ich gehöre nicht zum Management von TopQuali, aber soweit ich das beurteilen kann, haben sie so weit wie möglich geholfen, aber auch hier können sie ohne Kundenaufträge nur so viel tun. Eine weitere Herausforderung, die wir haben, besteht darin, dass die Bauern nicht wirklich verstehen, dass diese Virussituation ein weltweites Problem ist und dass die Unsicherheiten, die Unternehmen in Südafrika erleben, im Grunde die gleichen sind, die Kunden weltweit erfahren.

Wir warten also auf eine Lockerung des Lockdown-Levels, damit ich reisen und diese Bauern besuchen und versuchen kann, ihnen die Situation zu erklären.

Ein weiteres Problem, das ich (und ich denke, die meisten Menschen) habe, ist, dass ich tatsächlich verstehe, was die Regierung meint, wenn sie Regeln festlegt. Bei der Anordnung der verschiedenen Stufen ist zum Beispiel zu beachten, dass die älteren Menschen bis zur Stufe 2 unter Verschluss gehalten werden. Aber leider kann nicht jeder erklären, wer das eigentlich ist. Nach einigen staatlichen Regeln sind mit älteren Menschen alle über 60 gemeint. Das definiert mich dann leider als “älter” (auch wenn ich mich mit 30 Jahren Erfahrung nur als 34 Jahre alt fühle). Es scheint, dass man eine Genehmigung (bis Stufe 3) braucht, um zu reisen, so dass wir derzeit, wie ich bereits erwähnt habe, die Kleinbauern nicht besuchen können.
Kurzum, wir halten durch (Denkt daran, dass Afrika nichts für Weicheier ist und dass Weicheier schon vor langer Zeit ausgestorben sind) und werden das durchstehen, auch wenn wir uns wie verrückt langweilen. Mein Bart wird länger, und am Ende des Jahres sollte ich wie der Weihnachtsmann aussehen.

Ich hoffe, Ihr bleibt gesund in Deutschland und passt auf Euch auf.
Mit freundlichen Grüßen
Bennie

 

 

Folgend das Original auf Englisch:

Yes, this virus I think caught all of us unawares and I hope you are well and virus free at this stage.
We are in the 5th week of lock down and after Friday coming we will enter Level 4 (we are at level 5 at this stage). All still a bit vague wat this level change mean but as far as I can gather not much is going to change and only a small portion of the population is added to “essential”. But for most part(s) we will remain in lockdown. They haven’t informed us for how long level 4 will remain but my guess will be 2 weeks and then after that either level 3 or 5 (if the level change did improve the situation).

With regards to the Rooibos situation. With the lockdown farming/harvesting/processing were not affected and could go on as usual. Wupperthal were halfway through their harvesting when the lockdown occurred but it would seem that it did not affect them in the their harvesting. The problems occurred lower down the chain. I’m not exactly sure what the virus regulations say about processing of food stuffs during this lockdown but in the Rooibos industry the work force was split up into shifts which made processing slower. Another problem it would seem is that orders almost dried up (which is understandable from a buyer’s viewpoint) compared to normal times. The knock on effect is that no order boils down to no money that can be paid to farmers. Commercial farmers might have some financial reserves but the small scale farmers have none which puts them in an enormous financial predicament. Government have made provisions for financial assistance for the poorest of the poor (in which category most small scale farmers fall) but as you know bureaucracy grinds very slowly and at this stage they haven’t received anything as yet.

I’m not part of TopQuali’s management but as far I can gather they have helped as far as possible but again they can only do so much without any client orders. Another challenge we have is that the farmers don’t actually understand that this virus situation is a world wide problem and that uncertainties that companies in South Africa experience are basically the same that clients worldwide experience.

So we are awaiting a relaxation in the lockdown level so that I can travel and visit these farmers and try to explain to them what the situation is.
A further problem I (and I think most people) have is to actually understand what government mean when they lay down rules. A layout of the different levels for instance note that the elderly will be under lockdown up to level 2. But unfortunately not everybody can explain who this is actually. According to some governmental rules the elderly is meant everybody above 60. Which unfortunately then defines me as “elderly” (even if I only feel 34 with 30 years’ experience). It would seem that you need a permit (up to level 3) to travel, so at present as I mentioned we cannot visit the small scale farmers.
So in short we are holding out (Remember Africa is not for sissies and sissies died out long ago) and will get through this even if we are bored like crazy. My beard is getting longer and at the end of the year I should look like Father Christmas.

Hope you stay well in Germany  and look after yourself.
Best Regards
Bennie

 

 

Darjeeling, Tea Promoters India

Gautam Mohan, Mitinhaber 3. Generation

 

Vielen Dank für Eure E-Mail. Es geht uns hier gut und wir durchleben die härteste Abriegelung der Welt. Es waren wirklich schwierige Zeiten – unsere First Flush-Ernte war auf ihrem Höhepunkt, als der Lockdown einsetzte, und dies wird große Auswirkungen auf die Ernte der laufenden Saison haben.
Die gesamte Wirtschaft in der Region Darjeeling arbeitet daran, dass die First-Flush-Ernte gut verläuft, und dies werden die schwierigsten Zeiten sein, die wir als Organisation zu bewältigen haben.

Unsere Mitarbeiter kommen gut zurecht. Wir verfügen über ausreichende Vorräte an Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen Gütern in unseren Teegärten. Gegenwärtig bemühen wir uns darum, sicherzustellen, dass das Virus Darjeeling nicht erreicht und alle sicher und geschützt sind.
Seit letzter Woche haben wir mit der Pflückung begonnen, wobei 25 % der Pflücker eingesetzt wurden (da es sich hierbei um soziale Distanzierungsnormen handelt, die von der Regierung festgelegt wurden).

Es ist sehr bedauerlich, da wir den Höhepunkt der First-Flush-Qualitätsperiode verpasst haben.
Unsere Büros sind noch immer nicht wieder geöffnet, und so wie es aussieht, könnte dies erst in der 1. Maiwoche geschehen.
Inmitten all dieser negativen Nachrichten haben wir unseren jährlichen Newsletter herausgegeben, den ich dieser E-Mail beifüge. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Ich hoffe, es geht Euch gut und es gelingt Euch, bei guter Laune zu bleiben. Die Zahlen aus Deutschland scheinen gut unter Kontrolle zu sein.
Bleibt gesund und herzliche Grüße an Dich und Heidi,
mit freundlichen Grüßen,
Gautam Mohan

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thank you for your email. We are fine here and living through the harshest lockdown anywhere in the world. These have been really difficult times – our First Flush harvest was at its peak when the lockdown came in and this is going to have a big impact on the present seasons crop.
The entire economy in the Darjeeling region works on the First Flush harvest doing well and these are going to be the most challenging times we feel we will be facing as an organisation.

Our people are managing well. We have sufficient stocks of food and other essentials in our tea gardens. Presently, our efforts are to ensure that the virus doesn’t reach Darjeeling and everyone is safe and protected.
We have since last week commenced our plucking with 25% deployment of plucking (as these are social distancing norms that have been stipulated by the government).

It’s a shame as we have missed the peak First Flush quality period.

Our offices still haven’t reopened and by the looks of it, this might only happen in the 1st week of May.
In the middle of all this negative news, we have launched our annual newsletter which I’m attaching to this email. I hope you enjoy reading it.
I hope you are well and managing to stay in good spirits. The numbers from Germany seem to be well under control.

Stay well and warm regards to you and Heidi,
Best Regards,
Gautam Mohan

 

 

Kerala, Peermade Development Society / Sahyadri Spice Farmers

Jomon Joseph, Sales Manager Export

Vielen Dank für Eure Mail.
Wir sind sicher und wohlauf. Ich wünsche Euch, Eurer Familie und Eurem Team in dieser Zeit guten Geist und Gesundheit.
Unser Distrikt, d.h. Idukki, ist eine der mittelgroßen betroffenen Regionen. In diesem Distrikt gab es 10 positive Fälle von COVID. 19 Fälle wurden in diesem Distrikt gemeldet, und nun sind alle geheilt und haben die Krankenhäuser verlassen. Gegenwärtig gibt es in unserem Distrikt keine positiven Fälle von COVID 19. Die Menschen in unserem Distrikt und unsere Bauern sind sehr besorgt über COVID 19.

Gemäß den Richtlinien der Regierung arbeiten wir zur Zeit mit einem Minimum an Personal und Arbeitskräften. Wir halten während der Arbeitszeit und auf Reisen soziale Distanzierung aufrecht. Alle Mitarbeiter benutzen ständig Masken. Vor und nach der Arbeit und den Reisen reinigen wir die Hände mit Desinfektionsmittel (IP) und Seife.

Und wir sind mit Transportproblemen konfrontiert, damit die Mitarbeiter den Arbeitsplatz erreichen können, sowie mit Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Rohstoffe, mit der mangelnden Verfügbarkeit von Arbeitskräften für die Kleinbauern, um die landwirtschaftlichen Tätigkeiten und die Verarbeitung auf den Feldern zu erledigen, und mit der Schwierigkeit, die Dienstleistungen der externen Quellen wie Etikettendruck, Schreibwaren usw. pünktlich für den Betrieb zu erhalten.

Als Folge dieser Pandemie befürchten wir, dass die Preise für die Gewürze aufgrund des Rückgangs der weltweiten Nachfrage sinken werden. In diesem Szenario müssen wir einen Mindestpreis für die Landwirte sicherstellen, um der bäuerlichen Bevölkerung eine nachhaltige Existenzgrundlage zu sichern.

Passt auf Euch auf.
Herzliche Grüße
Jomon Joseph

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thanks for your mail.
We are safe and well. Wishing you, your family and team good spirit and health at this time.
Our district, ie, Idukki is one of the medium affected region. There were 10 positive cases of COVID 19 has been reported in this district and now all of them are cured and left hospitals. At present there are no positive COVID 19 cases in our district. The people in our district and our farmers are highly concerned about COVID 19.

As per the governments guidelines, at present we are working with bare minimum staffs and workers. We are keeping social distancing during work time and during travelling. All the employees are using masks all the time. Before and after the work and travel we are cleaning the hands with sanitizer (IP) and soap.

And we are facing Transportation issue for the employees to reach the work place, difficulties in sourcing the raw materials, lack of availability of laborers for the farmers to do the farming activities and on farm processing and difficulty in getting the out sources services like label printing, stationary etc on time for the operations.

As a result of this pandemic, we afraid that the prices of the spices will fall down due to the fall in global demand. In this scenario,we need to ensure a minimum price for the farmers to ensure a sustainable livelihood for the farming community.

Take care.
Warm regards
Jomon Joseph

 

 

Sri Lanka, SOFA Kleinbauern Association

Chathura Abeyratne, Verarbeitungs- und Exportfirma Joint Agri

 

Wir haben derzeit fast 600 Coronapatienten, und es werden täglich mehr, Sri Lanka ist seit dem 19. März bis heute inselweit abgeriegelt. In der vergangenen Woche wurde die Ausgangssperre für einige wenige Distrikte aufgehoben und ab dieser Woche erneut verhängt. Jeder muss eine Maske tragen, und wir müssen einen Abstand von 1 m einhalten. Wir hoffen, dass die Regierung ab dem 4. Mai die Ausgangssperre inselweit aufheben wird.
Joint Agri arbeitet seit den letzten 3 Wochen mit begrenztem Personal unter Sondergenehmigungen. Die meisten exportorientierten Unternehmen führen den Betrieb mit begrenztem Personal. Corona hat einen enormen Einfluss auf die srilankische Wirtschaft.
Herr Ranaweera wird Euch über die Auswirkungen auf die Kleinbauern auf dem Laufenden halten.

Mit freundlichen Grüßen
Chathura Abeyratne

 

Folgend das Original auf Englisch:

 

We have close to 600 Corona patients as at now and it is increasing everyday,  Sri Lanka is on island wide lockdown since 19th March upto date. Last week gorrement removed curfew for few districts and again re-imposed from this week onwards. Everybody has to wear a mask and we need to maintain a 1m distance.  We are hopeful from May 4th the government will  remove the curfew island wide.

Joint agri has been working with limited staff under special approvals since last 3 weeks. Most export related companies run the operations with limited staff. Corona has a huge impact on the Sri Lankan economy.

Mr.Ranaweera will update you regarding the impact on small farmers.

Best Regards
Chathura Abeyratne

 

 


Sri Lanka, SOFA Kleinbauern Association

Bernard Ranaweera, Präsident SOFAi

Vielen Dank für Eure E-Mail vom 25. April 2020 zu obigem Thema. Wir hoffen, dass Ihr in der gegenwärtigen Krise sicher bleibt.
Die Regierung in Sri Lanka hat viele Maßnahmen ergriffen, um die herrschende Covid – 19 zu kontrollieren. Sie hat eine landesweite Ausgangssperre seit dem 20. März 2020 verhängt. Mehrere Distrikte wie Colombo, Puttalam und Gampaha sind als Hochrisikogebiete ausgewiesen und unterliegen einer permanenten Ausgangssperre. In anderen Distrikten wird die Ausgangssperre von Zeit zu Zeit aufgehoben und erneut verhängt, um den Menschen den Kauf von lebensnotwendigen Lebensmitteln, Medikamenten usw. zu erleichtern. Die Regierung hat mehrere Programme zur Verteilung von Grundnahrungsmitteln und Medikamenten an die Menschen in den Gebieten mit permanenter Ausgangssperre durchgeführt. Für Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre täglichen Ausgaben mit Hilfe von Regierungsbeamten auf Dorfebene zu bewältigen, zahlt die Regierung ein Taschengeld. Mehrere private Institutionen beteiligten sich ebenfalls an der kostenlosen Verteilung von Nahrungsmitteln und Medikamenten an die Bevölkerung, da diese sich in den letzten fünf bis sechs Wochen in einer schwierigen Lage befand. Solche Programme werden für die Gemeinschaft in unserem Land immer noch durchgeführt.

Die Gesundheitsbehörden haben viele Anweisungen gegeben, wie z.B. das Tragen von Gesichtsmasken, ständiges Händewaschen, Wahrung des sozialen Abstands usw. für die Sicherheit der Bevölkerung. Inselweite Quarantänestationen wurden eingerichtet, um die Bevölkerung unter Quarantäne zu stellen, und die Gesundheitsbehörden und -kräfte unterstützen diese Programme nach Kräften.

Jedenfalls ist es den Bauern im Land erlaubt, ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten fortzusetzen, indem sie den Anweisungen der Gesundheitsbehörden folgen. Den Menschen wird empfohlen, sich strikt an die Gesundheitsanweisungen und die von der Regierung erlassenen Einschränkungen zu halten. Die meisten staatlichen und privaten Einrichtungen sind seit dem 20. April geöffnet. Dennoch sollten nur 50% der Gesamtzahl der Mitarbeiter in den Einrichtungen arbeiten.

Diesen Anweisungen folgend, kaufen wir kontinuierlich Rohware ein. Außerdem haben wir unsere Verwaltungstätigkeit mit einem begrenzten Personalbestand begonnen. Wir haben einige lebenswichtige Güter unter unseren Mitgliedern in der Landwirtschaft verteilt. Alle Mitarbeiter und Bauernmitglieder erhalten die gedruckten Anweisungen von unserer Organisation. Ferner werden Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel für die Mitarbeiter und Bauernmitglieder zur Verfügung gestellt.

Letztendlich hoffen wir, unsere Verwaltungs- und Einkaufsaktivitäten weiterführen zu können und hoffen, dass sich die Situation bald bessert.
Mit freundlichen Grüßen
Bernard Ranaweera
Präsident/SOFA
Small Organic Farmers’ Association.

 

 

Folgend das Original auf Englisch:

Thank you very much for your email dated 25th April, 2020 on the above subject. We hope you stay safe during the present crisis.

The government in Sri Lanka has taken many actions to control the prevailing Covid – 19. It has declared country wide curfew since 20th March 2020. Several districts such as Colombo, Puttalam, Gampaha are identified as high – risk areas and they are under permanent curfew. The curfew in other districts are lifted from time to time and re-enforced to facilitate the people to buy essential food items, medicine etc. The government has implemented several programs to distribute essential food items and medicine among people in the permanent curfew areas. An allowance is paid by the government for people who are in a difficulty to manage their daily expenses with the assistance of village level government officers. Several private institutions also involved in distributing food items and medicine among people free of charge as the people were in a difficult situation within last five – six weeks. Such programs are still going on for the community in our country.

The health authorities have given many instructions such as wearing face masks, constantly washing hands, keeping social distance etc for the safety of public general. Island wide quarantine centers have been established to quarantine the people and health authorities and forces are giving their maximum support for those programs.

Anyway, the farmers in the country are allowed to continue their farming activities by following the instructions given by the health authorities. People are advised to strictly adhere the health instructions and the restrictions given by the government. Most of the government and private institutions are open since 20th April. Nevertheless, only 50% of total number of staff members should work in the institutions.

Following these instructions, we are continuously purchasing green leaves. Further, we have started our administration activities with a limited staff. We have distributed some essential goods among our farmer members. All the officers and farmer members are given the printed instructions by our organization. Further, face masks, sanitizing liquid are provided for officers and the farmer members.

Ultimately, we hope to further continue our administration and purchasing activities and hope the situation will get over soon.

Kind Regards

Bernard Ranaweera
President/SOFA
Small Organic Farmers’ Association.

 

 

(Übersetzt mithilfe www.DeepL.com/Translator)

Joshuas Gewürzreise: Süßholz

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Das letzte Glied in der Anethol-Reihe. Süßholz fällt aber ein bisschen aus der Reihe. Nicht so stark Anis-artig dafür der unvergleichlich süße und gleichzeitig leicht bittere Geschmack. Gefühlt ein weiterer polarisierender Geschmack, der in erster Linie durch Lakritze bekannt geworden ist. Im Englischen unterscheiden sich da nicht mal die Wörter: liquorice.

Zurück zum Geschmack. Zuerst kriegt man die leicht bittere Note des Süßholzes, leicht harzig, leicht holzig, doch dann kommt die Süße, die vielleicht entfernt vergleichbar mit Stevia ist – alles mit diesem Hauch von Anis-Unterton und auch einem gewissen Röstaroma. Die Geschmackskombination ergibt einen recht warmen Geschmack, ziemlich voll, aber nicht unverständlich, sodass das Kauen auf Süßholz nicht unbedingt unangenehm ist.

Die Süße stammt von der enthaltenen Glycyrrhinzinsäure, von der sich Glycyrrhizin spaltet, das etwa 50 mal so süß ist wie Haushaltszucker. Diese Eigenschaft wird gerne und besonders viel in der Süßwarenindustrie benutzt, wo daraus, oft sogar ohne weiteren Zucker, diverse Lakritze und lakritzartige Kleinigkeiten hergestellt werden. In manchen Ländern wird diese Kombination noch mit Salz abgerundet. Auch in der Alkoholindustrie wird gerne Süßholz benutzt, um die Anis-Familien mit einer notwendigen Süße auszubalancieren. Außerhalb unserer westlichen Hemisphäre, wenn man mal über den Tellerrand hinausschaut, findet es in einigen asiatischen Ländern in Saucen, Suppen und Eintöpfen Verwendung, in den die Süße einen ausgleichenden Charakter einnimmt und die stark Umami-haltigen Gerichte abrundet. Und man schätzt dort natürlich auch einfach eine süßliche Note.
Neben diesen Verwendungen passt Süßholz ziemlich gut zu fettigen Gerichten und tiefen Geschmäckern, ähnlich wie in der chinesischen Küche, aber eben mit heimischen Zutaten: In Dunkelbier geschmortem, dunklem Fleisch, oder auch zu fettigen Fisch (siehe letzte Reise: Anis).
Oh ja. Bevor ich es vergesse. Man kann auch wunderbar Tee daraus machen. Ob als Monotee oder gemischt mit vielleicht etwas Ingwer, Zimtblättern oder Anis/Fenchel….

 

Und zuletzt, eine kleine Warnung: Süßholz kann bei übermäßigem Verzehr zu hohem Blutdruck führen. Wer damit Probleme hat, bitte ein bisschen darauf achten!

 

Doch was machen wir damit? Nur drüber reden? Ja. Bis zum nächsten Mal…


Ooooooder, wir gehen mal in die Küche, finden heraus, was sich damit machen lässt und raspeln *buchstäblich* ein bisschen Süßholz. Unsere erste Kombination ist direkt eine Geschmacksbombe, mit der man eine Menge anstellen kann. Viel Umami, Salz, etwas süß und sehr komplex.

 

 

Sojasaucen-Reduktion

Das fällt vermutlich ebenso in die Tare-Kategorie. Dazu später mehr.

 

Zutaten:

  • 75 mL Sojasauce
  • 50 mL Shaosing Reiswein
  • 2 kleine Stücke Ingwer
  • 1 EL dunklen Zucker, Dattelsirup oder vergleichbares
  • 1 TL Süßholz

 

Die Herstellung ist denkbar einfach. Erst schön Süßholz raspeln. Das geht gut mit einer kleinen Reibe. Dann zusammen mit den anderen Zutaten auf mittlerer Hitze ca. 20 Minuten köcheln lassen, bis sich die Flüssigkeit auf grob 1/3 reduziert hat oder eine leicht dickflüssige Konsistenz erreicht ist. Das war’s. Hier ist eine Anwendung:

Neutralen, relativ festen Tofu in Scheiben schneiden und kurz anbraten. Dazu eine ganze Frühlingszwiebel längs halbieren und ebenfalls anbraten. Nach ca. 5-8 Minuten aus der Pfanne nehmen, leicht abtupfen und mit einem Pinsel mit unserem Geschmackslack bestreichen. So kommt der Geschmack schön durch. Er passt eben auch hervorragend zur Frühlingszwiebel. Ein einfaches, elegantes und sehr geschmacksreiches Amuse-bouche (“Mundfreude”, für die Nicht-Franzosen / Nicht-Kulinaren …. gibt’s die hier?).

Ebenso passt die Reduktion einfach zu Reis oooooder zu …

 

 

Ramen – aber auch nicht

 

Da Ramen lediglich Nudelsuppe bedeutet, lass ich das mal so stehen. Ich glaube aber nicht, dass die Geschmackskombinationen klassisch japanisch sind, aber mit 2 zugedrückten Augen kann man es sich auch gut gehen lassen.

 

Zutaten:

  • 100 g Shiitake Pilze
  • 80 g Shimeji Pilze
  • 2/3 Lauch
  • 2 Karotten
  • 1 große Zwiebel
  • 1 großes Stück Ingwer
  • 1 Frühlingszwiebel (groß, haha)
  • 1 Kombu-Blatt
  • 1 Stange Süßholz
  • 1 EL Fenchel
  • 6 Nelken
  • 10 Pfefferkörner
  • 4 L Wasser


Die Zubereitung ist ganz klar. Alles Gemüse grob schneiden, ins Wasser geben und mit den Gewürzen ca. 2 Stunden köcheln lassen. Alles rausfischen oder durch ein Sieb geben und fertig ist die Grundbrühe. Schön aromatisch, leicht süßlich, etwas fremd. Der komplexere Schritt ist der nächste:

Brühe mit Lauchzwiebel und ein bisschen Ingwer wieder erhitzen und mit Salz abschmecken. Ich hab sogar noch ein bisschen Zucker dazu getan, um den süßlichen Geschmack zu verstärken.

Das was frisch obendrauf soll zurechtmachen. Bei mir: Lauchzwiebeln, Chinakohl, gekochter Bambus und natürlich ein 6-Minuten-Ei.

Für die Auberginen habe ich Auberginen (ach was) kleinschnitten und mit Sojasauce, Chili, Knoblauch, Öl, Sesam, Salz und etwas Maisstärke vermischt und in einer Pfanne schön knusprig gebraten – ist toll!

Nudeln nach Anweisungen al dente kochen.

Dann: In die Schüssel oben genanntes (oder anderes) Tare geben, Nudeln darauf türmen und mit Suppe aufschütten. Dann alles, was wir so gemacht haben schön darauf verteilen. Fantastisch. Sehr komplex. Eine Mischung aus Umami, leicht süß, bei mir leicht scharf dank Chili-Knoblauch-Sauce und viel Frische.

 

Da fehlt doch nur noch eins… Ein Dessert.

 

 

Custard mit Rhabarber

 

Es ist Rhabarber-Zeit. So gerade eben. Dazu ein unglaublich cremigen, leicht süßen Pudding? Au ja.

 

Zutaten:

  • 400 mL Milch (bei mir ca. 250 mL Hafer, 100 mL Soja, 50 mL Kokos)
  • 3 Eigelb
  • 1 EL Zucker
  • 1.5 EL Speisestärke
  • 1 bisschen Vanille
  • 1 vorsichtiger Teelöffel Süßholz

 

  • 1 KG Rhabarber
  • 100 mL Rotwein
  • 1/3 Stange Süßholz
  • 1 bisschen Vanille
  • Zucker nach Maß


Die Milch zusammen mit der Vanille und dem Süßholz erhitzen, bis sie fast kocht. In der Zeit die Eier trennen und dann, kurz bevor es so weit ist, mit der Speisestärke und dem Zucker vermengen. Nun die Milch vom Herd nehmen und zuerst nur einen EL in die Ei-Stärkemasse rühren. Dann nochmal 3, dann nochmal 5. Ziel ist, die Eigelbs vorsichtig auf Temperatur zu bringen, dass wir die Rührei Situation in unserem Pudding vermeiden. Sind die Eier temperiert, in die Milch einrühren und kurz zum Kochen bringen. Dann in 1-3 Schüsseln geben und im Kühlschrank erkalten lassen.

In der Zeit den Rhabarber waschen und schneiden und mit den restlichen Zutaten kochen. Besser noch: Im Ofen machen. So behält er besser seine Form… ist mir aber erst im Nachhinein wieder eingefallen… Schmeckt trotzdem fantastisch. Der Rotwein klingt kontraintuitiv, weil der Rhabarber genug Säure hat, aber schmeckt einfach hervorragend dazu.

Ist der Pudding erkaltet, oder, für die Ungeduldigen, etwas abgekühlt, mit ein wenig Rhabarber servieren. Und fertig.

Das war’s. Es war mir wieder eine Freude. Ich hoffe, Euch auch.

Bis zum nächsten Mal!

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

Ohrenkuss: Geschwister

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Die neue Ausgabe dreht sich rund um das Thema Geschwister. Geschwister haben ist besonders, unvergleichlich. Manchmal anstrengend, oft schön. Mit viel Freude, Unterstützung, Verständnis und gegenseitiger Bewunderung berichten die Autoren selbst, aber teilweise auch ihre Geschwister. Sie erzählen aus dem Leben.

Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

 

 

Über Geschwister…

 

Lioba Ullrich, ditkiert
Die sind einfach in meinem Herzen, das kann man nicht beschreiben. Wenn ich die jetzt so sehe, dann denke ich, dass meine Geschwister das Beste von mir rausholen wollen, dass ich auch selbstständig werde.

 

Angela Fritzen, diktiert
Ich reite alleine, aber sie selbst nicht, meine Schwester nicht. Das ist ein großer Unterschied. Ich bin keine Ärztin, aber meine Schwester schon. Sie ist normal und ich bin mit. Sie hat kein Down-Syndom, aber ich hab’s. Das ein großer Unterschied. Merkt man auch an.

 

Pia Heim, handgeschrieben
Bei meinem Bruder und bei meiner Mutter und mir sind gewissen Ähnlichkeiten. Wir machen alles gemeinsam und wir sprechen über alles. Wir haben keine Meinungsverschiedenheiten. Ich freue mich immer wenn er kommt.

 

 

Natalie und Fredo

 

Fredo Dedreux, am Computer geschrieben
Ich heiße Fredo Dedreux und bin 17 Jahre alt. Meine Schwester Natalie Dedreux ist 21 Jahre alt.
Ich finde toll an meiner Schwester:

  • Freude am Leben
  • Wie einfach Natalie die meisten Dinge sieht → unkomplizierte Sichtweise auf die Umwelt
  • Wie sie sich für Menschen mit Down-Syndrom einsetzt → und dass sie damit schon so weit gekommen ist
  • Wie interessiert sie am Rest der Welt ist → politisch, kulturell, …
  • Dass sie sagt, was sie denkt und sich keine Sorgen macht, was das für Konsequenzen haben könnte

Das laute Singen meiner Schwester im Nebenzimmer (nicht mehr aktuell, weil sie ausgezogen ist) finde ich doof, was anderes fällt mir aber nicht ein.
Von meiner Schwester habe ich gelernt, Sachen einfacher bzw. unkomplizierter zu sehen.
Nicht zu “überdenken” → Dinge akzeptieren, wie sie sind.
“Das wird schon irgendwie” → alles was kommt, wird funktionieren.

 

 

Natalie Dedreux, diktiert
Mein Bruder heißt der springende Freddy. So nenne ich ihn gerne. Weil mein Bruder cool ist. Für mich ist es mein Bruderherz. Vor allem mit Liebe. Geschwister sein ist für mich etwas Besonderes. Wir waren als Geschwister sehr viel unterwegs. Ich bin die einzige Schwester, die hier das Down-Syndrom hat.

 

 

Jonas und Nora

 

Jonas Möhl (4 Jahre alt) und Nora Möhl (3 Jahre alt)

 

Jonas Möhl, diktiert
Magst du Nora? Ja
Was findest du toll an Nora? Noras Stoppersocken.
Hast du einen Spitzname für Nora? Spitznamen kenne ich nicht. Spitz sind Zähne.

 

Nora Möhl, diktiert
Was magst du an Jonas? Ich mag mit Jonas Doktor spielen.
Hast du einen Spitznamen für Jonas? Jonas hat keinen Spitznamen vorher und jetzt hat er einen.
Was denn für einen? Joni Spitznamen hat der Jonas. Und ich habe Nörchen Spitznamen.
Kannst du dich an eine schöne Sache erinnern, die du früher mal mit dem Jonas gemacht hast? Wir haben draußen gebadet in dem Swimmingpool (Erinnerung an das Planschbecken, was wir letzten Sommer im Garten aufgestellt hatten).

 

 

 

Das finde ich …

 

Dorothee Reumann, diktiert
Manchmal gestritten oder nicht, manchmal vertragen und umarmt.

 

Martin Weser, handgeschrieben
An meinem Schwester und Bruder über alles gut. Die sind in Leben ganz wichtig das finde ich toll. An meine Geschwister. Die sind besonderes für mich da. Ich finde toll das wir Gegenzeitig schreiben ich habe Geschwister Gruppe das wir schreiben können das ist toll.

 

 

Spitznamen

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert
Meine Schwester nenne ich Evi oder Eva.
Meine Schwester nennt mich Lisi zu mir.
Ich finde das sehr schön, wenn meine Schwester mich so nennt.

 

David Blaeser, diktiert
Wenn ich ehrlich bin, meine Geschwister sagen mir immer “kleiner Bruder”. Für mich fühle es gar nicht so gut an, weil ich ja gar nicht klein bin, sondern nur in der Größe hängt es davon ab, aber ich ja groß genug für mein Alter, ja klar bin ich 16 Jahre alt, aber es nicht ob ich klein bin, ganz klein! Die sollen einfach sagen: einfach nur David.

 

 

Zusammen

 

Paul Spitzeck, diktiert
Ich ware mit mein Schwester mal in Kino alleine gegangen. Das haben wir genossen ohne Eltern.

 

Marc Lohman, diktiert
Liebe Nadine, ich freue mich auf den schönen Urlaub. Sag mir mal, wann wir los fahren und in den guten Morgen starten. Auf den schönen Tag. Und wir machen auch mal Pause zwischendurch. Hoffentlich kein Stau. Das ist in der Woche. Guten Morgen Urlauber, bin gespannt, was wir am Tag machen. Wo wir ankommen, in welchem Ort. Bestimmt auch Städte. Leute sind sehr freundlich.
Liebe Grüße, Marc

 

 

Voneinander Lernen

 

Claudine Egli, diktiert
Das haben meine Schwestern von mir gelernt: Nöd jufle! (Schweizerdeutsch. Bedeutet auf deutsch: Nicht hetzen!)

 

Martin Weser, handgeschrieben
Von meinem Bruder habe ich Auto gefahren gelernt oben auf der Wisse und auch Tracktor als Früherschein das war alles wunderbar. Mein Bruder Herz hat mir Wie man Tracktor das hat er mir gelernt.

 

 

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Fotos: Swetlana Gasetski, instagram.com/swetlanagasetsk, Text und Fotos © Ohrenkuss

 

Ciao Elke!

Verbandsgeschichte: Elke Röder verlässt den Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V.

Der BNN war immer eine Konstante in unserer Naturkostbranche, mit einigen Änderungen, in stetiger Weiterentwicklung, und sehr geprägt von Geschäftsführerin Elke Röder, die uns nun leider nach 30 Jahren verlässt. So ganz unkommentiert wollen wir Elke nicht gehen lassen, ein dickes Lob braucht es und unser persönliches und fachliches zugeneigt Sein darf nicht fehlen. Denn mit Elkes Wirken sind einige Meilensteine der Branche geschaffen worden.
Einige Stichwörter aus der Vergangenheit, die vielleicht den jüngeren Mitgliedern nicht so präsent sind:
Auf den Zusammenbruch des ersten Branchenverbandes Naturkost e.V. folgte in einem aufwändigen gemeinsamen Findungsprozess das Konstrukt Dachverband mit den 3 Teilen Großhandel, Einzelhandel und Hersteller. Hier sollten die Mitglieder ihre Interessensvertretung finden, aber gleichzeitig eine gemeinsame Branche nach außen vertreten.

Die Idee war eine Zeit lang tragfähig, aber irgendwann dysfunktional – zu viele Partikularinteressen – harmonisches Miteinander war selten.

Logisch folgte daraus die Zusammenführung, zuerst Hersteller und Großhandel, folgend der Einzelhandel, in einen einzigen Verband. Elke als Geschäftsführerin der GH stand für diese Entwicklung mit Unterstützung vieler Vorstände und Mitgliederversammlungen.

Lobby Arbeit und gute persönliche Vernetzung führten dazu, dass eine Reihe von BNN-Qualitätsvorstellungen sich in der ersten EG-Bioverordnung wieder fanden. Dennoch wurde im Verband meist federführend durch den GH, also Elke, und ihrer Vorstände nach Konzepten gesucht, das Originäre der Szene-Bio-Qualität besonders herauszustellen – Richtungsweise gab es die IK Liste als Anhaltspunkt für zertifizierte Bioprodukte.

Wohl der wichtigste Meilenstein, heute international bekannt und genutzt: die BNN-Orientierungswerte.
Der Aufbau der superben QS-Abteilung, wir möchten stellvertretend nur diese Namen mal nennen: Nina Schinkowski, Kirsten Arp, Karin Wegner und Cornelia Dressler. Begleitet durch den hochgeschätzten wissenschaftlichen Beirat.
Die BNN-Aromaverordnung sollte den Naturkostcharakter des Sortiments im Bioladen stützen – jetzt in leicht veränderte Form in der neuen EG-Bioverordnung generalisiert. Um Pestizid-Doping betrügerischer Biobetriebe zu entlarven wurde ein Obst & Gemüse-Monitoring installiert, später kam das Trocken-Monitoring hinzu. Für diverse Verbands-Kampagnen – konnte Brüsseler Landwirtschafts-Geld akquiriert und sinnvoller verwendet werden.

Immer dabei Elke mit Fachverstand die Bedürfnisse der Mitglieder aufgreifend und strukturiert durchführend. Bio Politik in Berlin, Brüssel und auf Länderebene, wachsame Begleitung der neuen EU-Öko-Verordnung Kontakte mit der Ministerialbürokratie; Initiativen im Dachverband BÖLW ergreifen.
Nicht alle wohlgemeinten Initiativen aus der Mitgliedschaft ließen sich erfolgreich abschließen: das „N“ (ähnlich wieder aufgegriffen mit „Öko statt Ego“), „Acht für Alle“ Pfandsystem statt Grüner Punkt (kommt vom Unverpackt-Verband vielleicht in anderer Form wieder).

Diese Aufzählung ist subjektiv und spontan – soweit es die Zeit und Seitenlänge erlaubt – bitte nutzt die Kommentarfunktion – stellt richtig und erweitert spontan.

 

Liebe Elke, wir können uns die Branche nicht wirklich ohne Dich vorstellen, und sind dankbar, dass Du uns im Verband so eine lange Zeit begleitet hast.  Alles Gute und Liebe für die Zukunft und auf ein Wiedersehen,

 

Heinz Gasper und Ursula Stübner

Vorgestellt: Rooibusch Tee

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Ich erinnere mich noch, wie es früher in den Bioläden unglaublich viele verschiedene Versionen dieses Tees gab: Vanille, Chai, Schokolade, …
Seit dem ist der Tee ein bisschen von der Bildfläche verschwunden. Warum eigentlich?

Unsere neue Demeter Version kommt wie gewohnt von Wupperthal Kleinbauern Cooperative aus Südafrika, denn nur dort wächst der Tee. Er wird noch grün geerntet und ähnlich wie Grün- und Schwarztee fermentiert. Es entsteht ein dunkler, rot-brauner Kräutertee mit einem unvergleichlichen Geschmack. Leicht rauchig, aber irgendwie auch milchig mit einer leicht fruchtigen Note, die entfernt an Beerentee erinnert. Sehr mild, voll und rund – aber das markanteste für mich ist dieser milchig, fast buttrige Geschmack. Man braucht nichts mehr dazu und gleichzeitig bürgt es viele Kombinationsmöglichkeiten, um genau mit diesem Geschmack zu spielen. Es passt so vieles, wodurch dann vermutlich auch die verschiedenen oben angesprochenen Versionen entstanden sind: Vanille, Zimt, kräftige Gewürze, Zitrus, Milch. Da kann man sich austoben und ganz nach dem eigenen Geschmack gestalten. Die Grundlage ist fantastisch.

 

 

 

Ich will hier natürlich niemanden ohne Ideen stehen lassen. Deswegen sind hier 2 Starthelfer:

 

Rooibusch Chai

Funfact: Chai heißt “Tee” auf indisch. Jetzt könnt Ihr auch immer über andere lachen, die Chai Tee haben wollen. Vielleicht ist es aber auch wirklich Tee Tee?

 

Zutaten:

  • 1.5 EL Rooibusch, pur
  • 5 Cardamom Kapseln
  • 5 Nelken
  • 5 Pfefferkörner
  • 1 Stange Zimt
  • 1/2 EL Honig
  • Zitronenzeste
  • 200 mL Milch
  • 250 mL Wasser

 

Die Gewürze grob mit einem Mörser bearbeiten, dann zusammen mit Tee und Wasser aufkochen 5 Minuten köcheln und dann noch mit geschlossenem Deckel ca. 15 Minuten ziehen lassen. Gegen Ende der Zeit die Milch erhitzen. Den gezogenen Tee mit etwas Honig und Zitronenzeste abschmecken (die Zitronenzeste bringt den Tee etwas mehr zum Leben), Milch aufschäumen, wenn möglich, und zusammenmischen. Fertig.

 


Butter Rooibusch Tee

Für all die Keto-Fans ist Buttertee vielleicht nichts Neues. Ursprünglich aus den Hochlandschaften Tibets hat er auch in der westlichen Welt durch Keto und Co an Popularität gewonnen. Ob man es glaubt oder nicht, ein bisschen Butter passt hervorragend zum Geschmack des Rooibusch, holt ihn ab und erschafft einen wunderbar vollen, aromatischen Tee.

Das Rezept ist denkbar einfach:

  • 2 TL Rooibusch
  • 350 mL Wasser
  • 0.5-1.5 EL Butter (je nach dem wie sehr man daran gewöhnt ist)

 

Den Rooibuschtee nach Anleitung (Wasser kochen, drüber geben, 15 Minuten ziehen lassen) kochen, dann in einem Mixer mit der Butter für ca. 30 Sekunden mixen, bis eine schöne Emulsion entsteht und es leicht schaumig geworden ist. Wichtig ist, den Tee möglichst heiß zu haben, also vielleicht die Tasse vorwärmen, einen Deckel benutzen, …


Und dann könnte man ja auch fast schon wieder mit dem Eistee anfangen. Ein schöner Sommertag (natürlich im Garten oder auf dem Balkon), ein bisschen Tee, bisschen Orangen, Zitrone….


So. Damit dürft Ihr wieder in Eure Selbst-Isolation zurück. Schön, dass man sich immerhin noch virtuell begegnen kann, oder? Haltet die Ohren steif, bleibt gesund, wie man ja jetzt statt auf Wiedersehen sagt und auf Wiedersehen.

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

 

Vorgestellt: Goldspitzen Dooars und Darjeeling Selimbong 2 – Demeter

Neu in der Kollektion: 2 wirklich schöne Demeter Schwarztees, die sich aber im Aroma sehr unterscheiden.

 

Goldspitzen Dooars

Dieser sehr feine Tee (FTGFOP1*) stammt aus dem Teegarten Putharjhora in Dooars, was irgendwo zwischen Darjeeling und Assam liegt.
Im Geschmack ist der Tee sehr weich und mild, fast samtig mit einer leichten Süße. In der Weinwelt würde man ihn vielleicht als “süffig” beschreiben.

Ich finde, der Tee ist ein fantastischer Tee für den Morgen. Nicht so herb, nicht aggressiv. Er lässt einen quasi von der schönen Bettwärme angenehm in den Tag gleiten.

 

 


Darjeeling Selimbong 2 – 2nd Flush

Auch hier handelt es sich um einen edlen FTGFOP1*, aber, wie der Name schon sagt, aus Darjeeling, genauer aus dem Teegarten Selimbong, der auch nach Demeter-Schule angebaut wurde.
Geschmacklich könnte der Tee kaum anders sein. Etwas kräftiger im Geschmack, mit einer wunderbaren Blumigkeit, die fast an Jasmin-Tee erinnert.

Daraus ergibt sich für mich ein Tee, für den man sich wirklich hinsetzen sollte, um einfach mal Tee zu genießen und die Aromen auszukosten. Vielleicht ist dafür gerade jetzt die Zeit?

Neu an den beiden Tees ist natürlich auch, dass sie jetzt in Demeter-Qualität verfügbar sind.

 

In der aktuellen Zeit ist manches schwer, doch wie sagt man so schön: Abwarten und Tee trinken. Etwas Besseres könnte man vermutlich gerade nicht tun.

 

 


*Noch zu Erklärungen:

FTGFOP1 steht für Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe.

(Finest) Tippy bedeutet, dass besonders viele Teespitzen in den Tee geflossen sind.
Golden Flowery bedeutet, dass einerseits große Blätter für den Tee benutzt wurden, aber auch sehr junge Teeblätter, die meistens eine goldene Farbe haben.
Orange Pekoesteht für die Siebung der Teeblätter.

Zusammengesetzt steht FTGFOP für den höchstqualitativen Tee, der aus den Teepflanzen zusammengestellt werden kann.

Die 1 wird dabei nur an die wirklich hochwertigsten Tees verliehen und steht für Exzellenz.

 

Second Flush

Tee wird oftmals in zwei Pflückungsperioden eingeteilt: First und Second Flush. Die erste Pflückung (First Flush) findet in der Regel zwischen Februar bis April statt. Die Pflanzen sind noch jünger und daher noch delikater und feiner im Geschmack.

Nach der ersten Pflückung regnet es oft nochmals und die Pflanzen reifen, fast schlafend, bis die zweite Pflückung starte, etwa von Mai bis Juni. Diese Tees sind oftmals etwas stärker und entwickeln fruchtige und blumigen Noten.

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

 

Joshuas Gewürzreise: Anis

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Anis hat einen sehr charakteristischen Geschmack. Leicht süßlich mit diesem speziellen Anis-Aroma, das schwer zu beschreiben ist. Es schmeckt etwas nach Lakritz, ist sehr voll und rund. Vorne sehr kräuterig, dann entfaltet sich die Süße mehr und mehr und das Aroma entwickelt sich zu einem langanhaltenden, ja wohltuenden Gefühl. Schon Wahnsinn, was die Natur so hervorbringt.

Das Aroma wird fast ausschließlich (um die 90 %) vom ätherischen Öl Anethol bestimmt, welches auch Fenchel, Sternanis und Süßholz prägt. Nirgends kommt es allerdings so hoch konzentriert und rein vor, wie im echten Anis. Da Anis aber verhältnismäßig teuer ist im Vergleich zu seinen Verwandten, wird er gerne durch eben diese ersetzt. Oder eben, weil er dort gar nicht erst wächst.

Bei uns in Europa benutzt man ihn vorwiegend in Alkoholika (Quasi jedes mediterrane Land hat da seine Version) und in Gebäcken. Doch passt er auch hervorragend zu Fisch (von Suppe bis zu feinen Filets), Fleisch und Gemüse. In so manchem asiatischen Land finden dann gerne als Ersatz Fenchel oder Sternanis ihren Weg in Suppen (Phở), und und und. Man könnte glatt sagen, dass Anis ziemlich vielseitig ist, wobei ich so weit gehen würde, dass die meisten dieses süßliche Aroma etwas aneckend finden. Röstet man den Anis, verändert sich das Profil nochmal ordentlich. Die flüchtigen, blumigen Aromen verabschieden sich (flüchten… aber Vorsicht, nicht politisch) und die Bitterkeit kommt etwas mehr zum Vorschein. Dazu natürlich Röstaromen. Es entsteht eine wirklich angenehme Zusammenstellung, die nicht ganz so einnehmend ist und nochmal zu ganz anderen Dingen passt. Röstaromen mit Süße sind eine ebenso runde, fast erdige Kombination, die gut zu fettigen Gerichten passt. Abwarten!

 

Meine erste und Lieblingsassoziation mit dem Anis ist ein schöner sonniger Urlaub in Südfrankreich. An einem warmen Sommertag am Nachmittag im Schatten mit einem kleinen Glas Pastis. Da kommen bei mir gleich Urlaubsgefühle auf. Sollte ich irgendwann mal alt werden, dann vielleicht so.

Und natürlich: Anis ist tatsächlich ziemlich gut medizinisch verwendbar. Schleimlösend, verdauungsanregend, krampflösend. Vielleicht sollten die Menschen lieber Anis hamsterkaufen… Als Tee aufgeschüttet, in Speisen verwendet, oder eben als Digestif gereicht. Da sind die letzten Grenzen mal wieder die Fantasie.

 

Jetzt aber los. Um den Geschmack erstmal richtig zu verstehen, fangen wir mit einer Anethol-Bombe an: Der Versuch von selbstgemachtem Pastis. Traditionell (und wenn er hochwertig ist) wird Pastis durch Destillation gewonnen, doch ich habe keine eigene Destille und ich glaube, die meisten von Euch auch nicht. Um sich dem ganzen etwas anzunähern, versuchen wir uns an aufgesetztem Pastis. Dazu brauchen wir:

 

  • 300 mL Vodka
  • 2 cm Süßholz
  • 5 g Anis (1,5 TL)
  • 2 Sternanis
  • 1 TL Fenchelsamen
  • 3 EL Zucker
  • Etwas Zitronenschale
  • Zeit

 

Wir machen hier wirklich eine sehr einfache, dennoch sehr aromatische Version, die nicht viel Arbeitsaufwand bedeutet. Alles grob in einem Mörser zerstoßen und in einem Gefäß mit Vodka übergießen. Dann für ca. 10 Tage ziehen lassen. Getrunken wird natürlich traditionell mit Wasser und für mich mit Eis. Mit dem ersten Schluck wird dann klar, wonach Anis (und somit Anethol) denn schmeckt – Abgerundet mit ein paar verwandten Gewürzen.

 

 

Guter Anfang?

 

Das Schöne an der heutigen Gewürzreise ist, dass man daraus gut einen Anis-Abend machen kann. Der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen, aber die Speisen sind fantastisch und schinden, wer’s darauf auslegt, sogar Eindruck.

 

 

Vorspeise – Brot mit Gewürzbutter

 

Kräuterbutter kennt jeder. Aber wie wärs mal mit einer etwas anderen Variante, die Brot richtig aufwertet. Statt den Anis beim Backen zu benutzen, kann man so aus jedem Brot fast eine Art Gewürzbrot machen.

Das Fett passt gut zum Anis-Aroma und der Dill sorgt für eine angenehme Frische und verbindet sich in der Süße gut mit dem Anis.

 

Zutaten:

  • 100 g Butter
  • 2 Dill Zweige
  • 1 TL Anis
  • 1/2 TL Koriander
  • 1/2 TL Fenchelsamen

 

Und schon wieder dürfen wir unseren schönen Mörser benutzen. So bleiben kleine Stücke bestehen, die mir ganz gut gefallen. Dazu den Dill zerhacken und alle mit der Butter vermischen. Dazu ein schönes Brot reichen – besonders gut ist Roggenbrot.

Jetzt ist der Hunger auch aufgeweckt. Also weiter.

 

 


Hauptspeise – Lachs, Sellerie, Kaffee

 

Nun, das klingt schon etwas abenteuerlich. Ist es geschmacklich auch ein bisschen. Aber es passt. Es ist eine balancierte Kombination aus einfachen, leichten Geschmäckern und komplexen, starken Aromen. Ausprobieren.

 

  • 2 Stücke Lachsfilet
  • Viel Öl (Sonnenblumen / Olivenöl / …)
  • 1 EL Anis
  • 1 / 2 Nori-Algen-Blatt

 

  • 1 Knollensellerie
  • 300 mL Kaffee
  • 1 TL Anis
  • 80 g Butter
  • 1/2 EL Zucker
  • Natürlich Salz


Wir werden zuerst den Lachs pochieren. Dazu (falls vorhanden) von der Haut trennen und das Öl auf ziemlich genau 50 Grad Celsius erhitzen. Dann den Lachs in sein warmes Bad geben und ca. 30 Minuten darin entspannen lassen. Die Pfanne soll weiterhin auf dem Herd bleiben, aber das Öl darf nicht über 50 Grad kriechen. Also ein bisschen aufpassen, dann ist das nicht so schwierig.
Währenddessen den Sellerie schälen, würfeln und mit etwas Salz kochen. In der Zwischenzeit den Kaffee machen, den Anis zerstoßen und beides mit dem Zucker reduzieren, bis vielleicht noch 50-100 mL davon übrig sind. In einer letzten Pfanne kurz den EL Anis anrösten, in einem Mörser zerstoßen, ein Noriblatt in feine Streifen schneiden und beides vermengen.
Ist der Sellerie fertig, gut mit Salz würzen und sowohl Butter als auch Kaffee-Anis-Reduktion unterheben. Das einzig traurige ist, dass es kein besonders schönes Bild ergibt. Vielleicht versuche ich das nächste Mal, ein paar Kartoffeln mitzukochen.
Also. Alles zu einem schönen, möglichst feinen Püree, ähm, pürieren (zerstoßen) und auf einem Teller zusammen mit dem Lachs servieren.

Ohja. Dazu toll: Die abgetrennte Haut entschuppen und anbraten. Mit etwas Salz fantastisch.

Der Lachs wird zum Servieren dann mit der Gewürzmischung und einer guten Prise Salz bestreut. Es ergeben sich wirklich schöne Kombinationen.

 

Und zuletzt:

 

Dessert – Birne Helene

 

Wir brauchen:

  • 2 Birnen
  • Genug Wasser, um die Birnen zu bedecken
  • 2/7 bis 1/2 Hälfte des Wassers als Zucker / Honig Mischung*
  • Etwas Zitronenschale

 

  • 100 g Schokolade (70%+)
  • 300 mL Milch
  • 1 EL Speisestärke (für die gewünschte Saucenkonsistenz)
  • 1 EL Kakaopulver
  • 1 TL Anis
  • (Zucker)


*2/7 bis 1/2: Ich mag es weniger süß, aber klassisch benutzt man hier eine Zucker-Wasser-Lösung im Verhältnis 1 zu 2

Wasser mit Zucker-Honig vermischen und die Zitronenschale dazu geben. Der Honig gibt der Birne nochmal ein schöneres Aroma, finde ich. Leicht erhitzen, bis es gaaaanz leicht köchelt. Die Birnen schälen und entkernen (wer sich Mühe geben will) und in die Flüssigkeit geben.
Dann vielleicht mit einem kleinen Teller beschweren, dass die Birnen unter Wasser bleiben und für ca. 25 Minuten köcheln lassen.
In der Zwischenzeit die Milch erhitzen, die Schokolade hineinschmelzen, den Anis zerstoßen und hinzugeben, Kakaopulver dazu, für extra schokoladiges Aroma und, wer möchte, mit Zucker und natürlich einer minimalen Prise Salz abschmecken. Die Schokoladensauce ist gut an den eigenen Geschmack anpassbar, aber ich mag sie zart-bitter.
Zum Servieren die Schokoladensauce in einen schönen Teller gießen, die Birne obenauf drapieren und mit etwas geriebener Schokolade vollenden. Dazu passt gut noch eine Kugel Vanille-Eis und nochmal eine schöne Prise gerösteter Anis. Sowohl zum Vanille-Eis (sehr) und zur Birne mit Schokolade (sehr).

Guten Appetit und viel Freude.

Ich freu’ mich schon aufs nächste Mal.

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

Vorgestellt: Demeter Kamille

Na gut, nicht gerade total neu oder hochinnovativ, aber dafür gut und jetzt vor allem Demeter.

Unsere neue Demeter Kamille wächst auf dem Krebsbachhof in Mittelhessen und kommt somit fast von zu Hause – man könnte sich also gut angucken, wo sie wächst. So viel zur Herkunft.

 

Sie schmeckt gewohnt nach Kamille. Sehr duftig, schön wärmend, ganz leicht herb, fast ein bisschen süß – insgesamt sehr rund.

Für mich ist Kamille ein absoluter Wohlfühl-Duft und Geschmack. Sie hüllt mich ein, tröstet sogar. Ein bisschen früher, ein gutes Stück Geborgenheit. Doch an ihr scheiden sich auch die Geister. Manche verbinden mit dem Geschmack Krankheit und Unwohlsein – so kann es gehen – aber wer gerne Kamille mag, weiß was er kriegt und soll auch wissen, dass es gute Kamille ist.

Nahezu ganze Blüten, keine geschredderten Teebeutel-Blüten sorgen für ein volleres Aroma und eine längere Lebensdauer.

Bevor es jetzt zu sehr nach Werbung klingt, gibt’s noch ein paar schöne Bilder und ein einfaches Tee-Rezept. Mehr braucht es eigentlich gar nicht.

 

Wir empfehlen 3 EL Kamillenblüten auf 1 L Wasser.

Dazu das Wasser richtig aufkochen, die Blüten in eine Teekanne geben und mit dem kochenden Wasser übergießen. Nun abgedeckt ca. 10 Minuten ziehen lassen. Dann am besten durch ein Teesieb / Teenetz abseihen, da die einzelnen Blüten sehr fein sind und sich sonst ihren Weg ins Trinkgefäß bahnen.
Lässt man ihn länger ziehen, verstärkt sich dir Geschmack, wird etwas blumiger, aber auch ein gutes Stück herber – wie das so häufig mit Tee passiert.

Kann man gut einfach so trinken, aber schmeckt auch hervorragend mit einem kleinen Löffel Honig. Die beiden treffen sich irgendwo im blütigen Geschmack und die Süße nimmt die leichte Bitterkeit auf. Sehr fein. So vergehen auch noch die letzten kalten Tage etwas erträglicher.

 

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.

 

Zu Pyrrolizidinalkaloiden im Oregano und im Allgemeinen

 

Liebe KundInnen,

Während der BioFach Messe erreichte uns die Nachricht über die geplante „Markt“–Sendung (19.2.2020)  u.a. zum Thema Pyrrolizidinalkaloide (PA) in Oregano. Eine Charge aus 10/2019 unseres Oreganos war ebenfalls für die Sendung untersucht worden, und es wurden vom Labor des WDR fast 13.000 μg/kg gemessen – ein Wert, der uns sehr erschreckt hat, mit dem wir nie gerechnet hätten, da wir sicherheitshalber schon immer eine Mischung aus 3 – 4 Herkunftsländern machen, und aus dem gefährdetsten Land, der Türkei, nur auf PA analysierte Ware bis ca. 400 μg/kg akzeptieren.

 

Kurze Übersicht, bzw. Rückblick über PA

Seit 2013 ist das Thema PA in der Öffentlichkeit. Damals gab es zum ersten Mal ein standardisiertes Verfahren, um PAs messen zu können. Das BfR ging mit einer ersten Analysereihe über Kräutertees an die Medien, es folgte Honig, 2016 fiel Rooibusch Tee auf. Die höchsten gemessenen Werte waren im unteren 4-stelligen Bereich (ca. 3400 Kamille). Das BfR warb für die Reduktion der PA-Werte in Lebensmitteln, die, wie bekannt, durch die Kontamination mit Beikräutern geschah. Damals konnten 17 Pas von ca. 320 bekannten Verbindungen analytisch bestimmt werden.

 

Hier nochmal aus unserer Erklärung von 2013: Was sind Pyrrolizidin-Alkaloide (PA)? Es sind sekundäre Pflanzenstoffe, platt gesagt Ester-Säure-Verbindungen, eine recht große Gruppe in der weitläufigen Gruppe der Alkaloide (Alkaloide sind z.B. auch die weit weniger giftigen Koffein/Kaffee/Tee, Theobromin/Kakao und Capsaicin/Chili – aber auch Strychnin und Solanin). Pyrrolizidine können bei höherer Dosis und längerer Anwendung allerdings durch ihre bioaktiven, toxisch wirkenden Abbauprodukte in hohem Maße v.a. die Leber schädigen und u.U. zerstören. Mit PA schützen sich Pflanzen strategisch vor Fraßfeinden. Insekten haben diese erfolgreiche Strategie sogar schon von Pflanzen adaptiert und können das Gift sicher speichern.

Wir und unsere Kollegen wandten uns daraufhin an unsere Bauern, denn die beste Strategie ist ein gutes Unkrautmanagement – bei Bio-Bauern sowieso Usus. Bei konventionellen Bauern könnte man meinen, sie spritzten alle PA-haltigen Unkräuter weg, aber das scheint so nicht zu stimmen: laut Aussage 2019 eines renommierten Labor-Chefs seien konventionelle Kräuter sogar stärker von PA-Kontaminationen betroffen als Bio-Pflanzen.

2016 kam die nächste Medien-Welle wegen Rooibusch Tee. Das BfR machte weitere Untersuchungsreihen.

Inzwischen werden 28 Pas von jetzt 660 bekannten im Standard bestimmt. In den Reihen von 2015 – 2018 des BfR war der höchste gemessene Wert bei Borretsch mit 248.061 μg/kg. Der höchste gemessene Wert bei Oregano und Majoran war 95.234 μg/kg.

 

Entwicklung 2019/ 2020

Kreuzkümmel war bis 2018 in den BfR-Reihen noch nicht auf dem Schirm, doch Ende 2019 ist es das erste Gewürz, was wir, und soweit uns bekannt ist, alle unsere Bio-Kollegen als Monoprodukt aufgegeben haben. Wir hatten die Partien ein Jahr beobachtet, und es schien nichts mehr unter 10.000 zu geben, egal ob Türkei oder Ägypten.

Jetzt auf der BioFach haben wir natürlich die Kollegen, die Labore, Kontrollstellen und Verbände gut interviewen können. Wir haben mehrfach bestätigt bekommen, dass es bei Oregano und bei Kreuzkümmel PA-Belastungen bis sogar 250.000 μg/kg gibt. Wir haben die Vermutung/ Beobachtung mitgeteilt bekommen, dass PA-Werte seit 1 Jahr stark ansteigen würden.

Eine Vermutung war, dass es sich um eine Stressreaktion auf veränderte Umweltbedingungen (Klimawandel etc.) handelt, analog zur plötzlichen Zunahme von Allergien bei Menschen durch die geänderte Lebensweise.

 

Stellungnahme

Wir möchten Euch/Ihnen bereits vor der Sendung schon unsere Überlegungen und Fakten an die Hand geben, ohne Kenntnis, was dort genau Tenor sein wird.
Laut WDR-Journalistin geht es dort nicht darum, einzelne Firmen an den Pranger zu stellen, sondern die Behörden aus Verbraucherschutz-Sicht dazu zu zwingen, den für nächstes Jahr geplanten Grenzwert für PA jetzt sofort zu verordnen.

 

Zu den geplanten Grenzwerten

Es kann sein, dass das BfR nach abgeschlossener Prüfung sich für Höchstmengen zwischen 400 und 1000 μg/ für Gewürze und Kräuter entscheidet – so ist es zurzeit in der Diskussion, wie wir hören. Es kann sein, dass damit Oregano neben anderen Gewürzen wie Kreuzkümmel als Monogewürz vom Markt verschwinden muss, weil kein Importeur entsprechend saubere Ware mehr in der nötigen Menge zur Verfügung stellen kann. Wir vermuten, dass eine realistische Machbarkeits-Grenze eher bei 1500 liegen wird. Ziel ist selbstverständlich, sich jetzt schon im Rahmen der angenommenen zukünftigen Grenzwerte zu orientieren.

Die WDR-Redakteurin fragte uns vorab, wie alle anderen betroffenen Inverkehrbringer, ob wir einen Rückruf in Erwägung ziehen.

Bevor wir entscheiden, ob ein Rückruf die angemessene Reaktion auf eine durch uns möglicherweise verursachte unmittelbare gesundheitliche Gefährdung des Konsumenten sein könnte, versuchen wir, objektive Kriterien für eine Gefährdung zu eruieren. Im Falle eines einzelnen Gewürz wie Oregano, was typischerweise im Mengenbereichen von weniger als 1g pro Tag und nicht jeden Tag benutzt wird, stellt sich das gesundheitliche Risiko anders dar, als bei einem Lebensmittel was täglich in deutlich größerer Menge zu sich genommen wird. (Auf der Website des BfR gibt es verschiedene ausführliche Informationen zu Mengen).

Am Beispiel er Nährwertverordnung sehen wir, dass u.a. für Kräuter, Gewürze und Tee der Gesetzgeber eine Ausnahme Regelung vorgesehen hat. Der Inverkehrbringer ist nicht zur Deklaration verpflichtet, weil der tägliche Verbrauch dieser Produkte zu gering ist, als dass der Verbraucher das überhaupt beim Konsum als relevant einschätzt. Er setzt solche Lebensmittel rein unter Genussaspekten ein.

Anders sieht es der Gesetzgeber beispielsweise für tierische Produkte oder für genau definierte und erforschte Krankheiten verursachenden Stoffe wie Salmonellen, Mykotoxine, Pestizide usw. vor. Im Umkehrschluss: Kräuter, Gewürze und Tee werden bei Nährwert, Allergenen, Rückständen und Schadstoffen logischerweise als geringeres Risiko einstuft als andere Lebensmittel.

Unser Vorgehen als Inverkehrbringer von biologischen Produkten ist generell dadurch bestimmt, dem Verbraucher Alternativen anzubieten, die insgesamt weniger belastet sind als Produkte, die unter dem extremen Kostendruck des konventionellen Marktes hergestellt werden.

Das gelingt nicht immer zu 100%. Wenn mehr als 90 % aller industriell erzeugten Produkte (nicht nur Lebensmittel) und ihre Herstellung sich recht wenig sich um die Folgen der Produktionsweise kümmert, kommt man als Öko schon mal an Machbarkeitsgrenzen.

Wir retten nicht unmittelbar die Welt, verfügen auch nicht über komplette Szenarien, die die
Volksgesundheit nennenswert verbessern. Es hat sich aber gezeigt, dass die zum Teil fast 100-jährige Beschäftigung mit biologischen Anbaumethoden zu einer Bewusstseins-Veränderung geführt hat – sonst wäre der besagte Discounter nicht unwidersprochen der größte Biohändler geworden.

Unter all diesen Aspekten rufen wir die belastetet Ware ohne gesetzliche Grundlage nicht zurück. Wir verstärken aber unsere eigene Forschung und Vernetzung mit Anbauern, Laboren und Kollegen, um die wie gesagt unerklärlich hohen PA Werte in Zukunft zu vermindern.

Die betroffene, im Okt. 2019 produzierte Mischung aus türkischem, deutschem und peruanischem Oregano ist von uns bereits im Oktober 2019 komplett ausverkauft gewesen.

Da wir schon viele Jahre bei Bio-Oregano eine Mangelwirtschaft verwalten, ist unsere Lösung, aus den obengenannten verschiedenen Quellen, neu dabei jetzt auch Griechenland, jeweils aus den gerade verfügbaren Partien eine harmonische Mischung herstellen. Diese Mischung macht uns auch unabhängiger von den riskanteren Herkünften wie Türkei und Peru, wo kurzfristig Partien wegen typischer Pestizidbelastung ausfallen können. Diese werden lückenlos untersucht, seit Bekanntwerden der typischen Anfälligkeit auch auf PA.

Bei PAs ist erst seit einigen Jahren bekannt, dass türkischer Kreuzkümmel sehr hoch belastet sein kann. Seit etwa einem Jahr wissen wir, dass auch Oregano betroffen sein kann, allerdings begegnete uns dies eher im niedrigen 4-stelligen Bereich (für Pestizide gilt die Türkei schon lange als Risiko-Herkunft betreffend Bio-Ware). Haupt-Augenmerk haben wir also auf die Untersuchungsergebnisse der türkischen Ware gelegt.

Wir können aus geschmacklichen Gründen nicht auf türkischen Oregano verzichten; auch mengenmäßig fehlen alternative Herkünfte – also lassen wir die Partien sehr gründlich analysieren, sowohl auf ein paar hundert Pestizide, auf Glyphosat und PAs – und setzten nur Ware mit niedrigen Belastungswerten ein. Die peruanische Ware war im Screening fast unbelastet. Die unangenehme Überraschung jetzt: nicht die unter Generalverdacht stehende türkische Ware ist das Problem, sondern auch anderen Herkünfte. Hier analysieren wir jetzt weiter.

Wir und alle Kollegen werden bei dem Produkt Oregano weiterhin mit Lieferlücken zu kämpfen haben, die Analytikkosten werden sich erhöhen, die Abgabe-Preise entsprechend.

 

Politisch gedacht

Es gibt für verschiedene Produkte und Herkunftsregionen EU – Importrestriktionen. Solche können Signale in den betroffenen Ländern in Gang setzen – und taugliche Veränderungen in der Landwirtschaft initiieren – warum nicht für türkische Ware. (der typische Modus ist z.B. jede 10 Lieferung nur nach Analysen durch den Zoll freizugeben).

 

Gefahreinschätzung

Gewürze sind kein Hauptbestandteil unserer Nahrung. Im Vergleich zu Gemüse, Obst, Getreide schätzen wir die Gesundheitsgefahren geringer ein, selbst wenn vereinzelt ein Wert wie hier bei uns gemessen so hoch sind. Die jetzt noch fehlenden Grenzwerte haben für so geringdosierte Zutaten wie Gewürze & Kräuter weniger Relevanz als für Hauptbestandteils-Lebensmittel, zumal die diskutierten Grenzwerte schon als Leitlinie genommen werden.

 

To Do-Liste für Behörden / Vernetzung mit Laboren, Unis …

 

Im Moment (seit letztem Jahr?) scheinen die PA Werte zu steigen (Eindruck eines von uns befragten Labors). Es werden sicher noch weitere Pflanzen folgen , die in den gleichen Klimazonen wachsen. Wir finden aber, dass auf Plastikfolie oder unter Vlies anzubauen keine nachhaltige Lösung darstellt.

Aus unserer Sicht stellen sich folgende Forschungsaufgaben:

 

  • Liegt der Eindruck steigender Werte daran, dass mehr gemessen wird?
  • Liegt es an den veränderten Rahmenbedingungen im Anbau – Klima, fehlende Arbeitskräfte, die auch beim
    Unkrautmanagement fehlen?
  • Werden die PA Pflanzen unsach- und unzeitgemäß entfernt?
  • Haben PA – Pflanzen eine Sonderstellung eingenommen, weil sie kein Fraßfeinde (Insektensterben) mehr haben und
    sich überproportional vermehren können?
  • Ist die Bildung der PAs in den Pflanzen von Stresssitutionen (Erderwärmung, Klimaphänomene) abhängig?
  • Ist es richtig, wie ein Labor vermutet, dass konventionelle Ernten sogar stärker betroffen sein können, da die PA-
    Pflanzen nicht auf den massiven Pestizideinsatz der konventionellen Landwirtschaft reagieren?
  • Weiterhin fehlt die Bewertung der einzelnen PAs aus der Stoffgruppe. Es gibt über 600 PAs, nur 28 können gemessen
    werden – was bedeutet das für unsere Lebensmittel?

 

 

Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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