Ohrenkuss: Natur

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

In der neuen Ausgabe geht es um das große Thema Natur. Für viele ist es ein wunderbarer Ausgleich, für manche eine beängstigende Sache, die lieber aus der Ferne beobachtet wird. Für mich persönlich ist es ein Grundstein für das Glück – eine Meinung die auch in den Texten immer wieder auftaucht. Im Heft beschreiben die AutorInnen ihre Beobachtungen, Gedanken und Gefühle zu verschiedenen Themen, die wir hier ganz frei kategorisiert haben.

Das Heft selber hat einen anderen Aufbau gewählt – es stellt ein Alphabet der Natur dar, wie immer gepaart mit einem hochkreativen Design und aufbereiteten Bildern.

 

Es ist uns eine Herzensfreude, das Magazin zu lesen und hier Ausschnitte mit Euch zu teilen.

Das neue Magazin ist natürlich im Abo erhältlich. Viel Spaß!

Jahreszeiten: Natur in vier Formen

 

Julia Bertmann, selbst am Computer geschrieben
Natur sind auch die 4 Jahres-Zeiten. Ein Kastanien-Baum blüht im Frühjahr, hat im Sommer viele grüne Blätter, hat im Herbst Kastanien und verliert zum Winter hin die Blätter. Das passiert ohne dass der Mensch etwas daran macht.

 

Johanna von Schönfeld, mit der Hand geschrieben
Ich hasse die Winternatur, weil ich sehe das die Bäume und überhaupt die Landschaft in der Natur keine Kleidung mehr haben. Und es ist verschneit, Arschkalt, Graues Wetter. Deswegen haben viele schlechte Laune und ich habe um 6 Uhr früh Schwierigkeiten beim aufzustehen.

 

Johanna von Schönfeld, mit der Hand geschrieben
Im Frühling wär ich gerne geboren. Es sieht alles wieder nach Leben aus. Sobald der Frühling kommt freuen sich die Menschen.

 

Natascha Seibt, diktiert
Ich liebe Sommer, wenn der Sommer anfängt ist die Uhrzeit anders. Mir gefällt, wenn die Blumen wächst, wie eine Sonne über Tal wächst. Und kann man sehr gut wandern, muss man sehr viel Wasser trinken und zum Baden zu gehen und Eis zu essen.

 

Maria Trojer, selbst am Computer geschrieben
Ich habe einen Traum mit Fichtenduft, bunte Blätter liegen am Boden, weil der Herbst ein Maler ist.

 

 

Natur empfinden

 

Damian Bright, selbst am Computer geschrieben
Ich laufe durch den Wald und höre die Vögel singen unten meine Füsse raschelt dass Laub. Die Alte Bäume stehen neben den junge Bäumen. Blumen blühen und duften. Ein Baum stumpf leuchtet goldig angestrahlt von der Morgendlichen Sonne. Es richt alles frisch nach dem Gestrigen Regen. Die Luft im Wald ist kühl die Sonne scheint durch die Bäume auf den Boden. Es ist wie ein Traum. die Rinde der Bäume ist feucht. Die Zeit ist endlos, alles ist still nur dass singen der Vögel ist zu Hören. Danke Wald, nach dem Spaziergang bin ich entspannt und glücklich.

 

Teresa Knopp, diktiert
Für mich ist Natur sehr sehr befreiend und ich lasse sehr viel los. Wenn ich wütend war oder ich angespannt war, dann kann ich richtig loslassen und ich kann wieder in die nächste Woche wieder starten mit neuer Kraft.

 

Dorothee Reumann, diktiert via FaceTime
Spazieren am Meer mit den nackten Füßen gehen, kalte Meer und Füße im Meer, schön – jetzt ein Eis mit dem Sonnenschein. Sonnenschein macht gute Laune! Gute Laune macht schön!

 

Anna-Lisa Plettenberg, mit der Hand geschrieben
Ich bin eine Pflanze Die lacht und weint aber Glücklicht ist Ich hätte früher eine große Sonnenblume an der linken Hand und an der rechten Hand eine große Schultüte gehabt und ich war sehr klein. Das war witzig gewesen. Die Sonneblume bin ich ganz alleine

 

Anna Münz, am Computer geschrieben
Ich fühle das, ich ein Teil der Natur bin. In andere bin ich eine Blume die Wärme und die Sonne. Ich kann alle Herzen erhellen und erwärmen. Ich allein bin verbunden in Natur. Ich bin das Glück auch bin ich Geborgenheit. Denn das ist wichtig wenn man ein Teil der Natur ist.

 

Ansgar Peters, selbst am Smartphone geschrieben
Hammer Cool ich Liebe dich du Schöner Schnee

 

Angela Fritzen, diktiert
Die Natur, die Freiheit ist für die Vögel zu fliegen und die Gefühle rauszulassen. Nicht nur die Menschen haben Gefühle – die Tiere haben das auch. Ich fühle mich befriedigend zu geben. Ich fühle mich geehrt. Ich fühle mich wie neugeboren. Ich fühle mich nach links nach rechts. Ich lasse meine Gefühle frei. Die Gefühle ist in mir. Ich fühle mich, dass die Liebe stark macht. Ich fühle mich, wenn ich selbst ein Foto mache. Ich fühle mich länger zu schlafen. Ich fühle mich die Luft rauszulassen. Jetzt fühle ich mich, wenn ich auf den Sessel sitze. Meine Gefühle ist für einkaufen. Ich fühle mich frei. Ich fühle mich nur für mich, mitten im Herzen. Hier bin ich ein Mensch zu sein mit den schöne Gefühle. Ich habe die Gefühle, am iPad euch zu sehen. Ich wünsche die Gefühle verlassen werden. Mein Gefühl ist: Mein Magen knurrt.

 

Natur wahrnehmen

 

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben
Natur kann mannn richen und schmecken Natur kann mann auch anfassen. Natur kann ich auch fühllen und spüren. Die erde deuch die hände flissen lassen. Ich kann auch die erde anfassen. und deuch meine hände risseln lassen.

 

Maria Trojer, selbst am Computer geschrieben
Sonnenstrahlen die schimmern so schön in die Finsternis hinein. Um sich zu verstecken darin.

 

David Blaeser, selbst am Smartphone geschrieben
Die Natur ist von den Menschen geschaffen. Die Natur verbindet von Menschen und ist ein Teil unser Gebiet. Die Erde ist aus zwei Drittel Wasser. Das heißt, dass wir nur ein Drittel grüne Fläche haben. Die Natur bedeutet, dass die Tiere und Menschen Freiheit haben.
Ich bin ein Teil von Natur.

 

David Blaeser, diktiert
Also für die Leute, die Lagerfeuer anzünden wollen, habe ich Tipps:
Man braucht brennbare Holz, bzw. brennbare dicke Holz. Man braucht Äste und ein bisschen Blätter, um Kohle herstellen. Tipp: Keine feuchten Blätter nehmen. Und keine Blätter, wo man die ganze Zeit kratzen muss.
Hier kommt ein Achtung-Zeichen.
Dann kann man aus Steinen einen Kreis formen. Weil Steine kühler sind als das Feuer.
Dann nimmt man Zeitungsblätter, zerknüllt es, zündet man es an, die ganze Fläche und schmeißt was ins Lagerfeuer. Und dann kommt das nächste Zeitungsblatt. Das Holz muss man so eine Art wie Pyramide bauen. Dann schmeißt man an angezündeten Zeitungsbälle da rein.
Und – das ist ganz wichtig: Alles verbrennen zu lassen.

 

Mirco Kuball, selbst am Computer geschrieben
Ich war im Regen ich auch nass und kalt
Die Bäume waren auch nass über all auf der Welt
Die Natur waren auch nass
Die Straßen waren auch nass
Ein Mal war es dunkel
Ein Mal kam die Sohne harus
Ich mag regen Gerne will es gut ist für uns alle wir können Wasser trinken.

 

Julia Bertmann, selbst am Computer geschrieben
Man atmet die Natur ein, man kann die Natur auch fühlen, und man spürt die Natur auch am ganzen Körper.

 

 

Tiere

 

Marley Thelen, selbst am Computer geschrieben
Wenn die Tiere Natur sind dann sind Menschen auch Natur.

 

Teresa Knopp, diktiert
Wenn ich so früh wach werde, dann höre ich sie manchmal, und dann kann auch der Tag richtig schön werden. Vögel sind etwas sehr Faszinierendes. Man sieht sie nicht richtig. Man hört sie nur.

 

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben
Natur ist alles. In Natur kann auch wunderscön sein in natur in natur kann auch fahratausflüge unternemen. In natur ob whol ich es hasse. Ich liebe das gefül das über mein körpper und über meine haut rum krappelt und andere krappeltire bei mir rum krappeln. das gefül liebe ich so sehr ich liebe es. das. alles. krapppe

 

Johanna von Schönfeld, mit der Hand geschrieben
Die Vögel nerven mich vorallem in der Frühlingszeit sobald die laut zwitschernt mich wecken und das ist meistens zu früh.

 

Natalie Dedreux, selbst am Laptop geschrieben
Ja Natur ist wunder schön und ich mag auch wenn die Tiere Krach und Musik in der Natur machen und die machen einen Höllen Lärm. Und das hört sich so an wie ein Konzert von Insekten und Vögel. Und das ist für mich Musik in der Natur und ich finde das cool das in der Natur Krach gemacht wird.

 

Ansgar Peters, selbst am Smartphone geschrieben
Ach wie schön so ein Igel Beby Süß so Klein und Kuschelich und Herrlich und ich bin jetzt Glücklich mit dem Beby Igel zu Spielen

 

Verena Elisabeth Turin, mit der Hand geschrieben und selbst am Computer abgetippt
Diese Glühwürmchen leuchten in der Dunkelheit sehr hell. Und sehr romantisch. Sie zeigen uns den richtigen Weg

 

Zum Abschluss:

 

Julian Göpel, selbst am Computer geschrieben
Bitte keine Umweltbeschmutzung machen im Wald und in der Stadt und auf dem Land.

 

Und von mir wieder eine wirklich herzliche Empfehlung das Magazin in seiner Gänze zu lesen. Es ist eine wirklich freudige Begegnung voller Emotionen und Beobachtungen des Lebens – kunstvoll aufbereitet.

 

 


… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es schon seit 1998.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

 

Text und Fotos © Ohrenkuss

Erklärung zu Ethylenoxid (EtO)

Was geschah

Seit Herbst 2020 gibt es vermehrt Ethylenoxid-Funde in Sesam aus Indien. Die Rückrufe deswegen haben auch einige Bio-Hersteller mit Sesamprodukten böse erwischt – so ein Rückruf kann extrem teuer sein wegen der Verwaltungskosten im mehrstufigen Handel.
In der RASFF-Datenbank ist dies nachzuverfolgen. RASFF ist das Schnellwarnsystem der EU für Lebens- und Futtermittel. Hier werden alle nicht gesetzeskonformen Befunde gemeldet, gesammelt, und in regelmäßigen Konferenzen mit den EU-Mitgliedsstaaten besprochen.
Für Ethylenoxid (EtO) gab es im Oktober 2020 eine eigene, erste Behörden-Konferenz, und das Thema wird öfter upgedatet. Infolge dieses Austausches unter den Mitgliedsländern werden Statistiken erhoben, Regularien erlassen (z.B. jeder zweite Sesamcontainer muss vom Zoll analysiert werden) und weitere Forschungen initiiert.

Seit Anfang 2021 gibt es auch vereinzelte Funde bei Curcuma und Ingwer aus Indien (unklar, ob bio oder konventionell). Wir haben daraufhin besagte Datenbank auf EtO gefiltert (seit 2008). Insgesamt gibt es sehr wenig Einträge, nur Einzelfälle verschiedener Herkünfte und Gewürze, unklar, ob bio und konventionell; kein System erkennbar.
Erst seit Winter 2020/2021 erfordert der Import aus Indien auch für Gewürze erhöhte Wachsamkeit.

 

Wofür wird EtO eingesetzt

Zur Entwesung und Entkeimung durch Begasung von Kunststoffen, Medizinprodukten, aber auch Lebensmitteln, die Probleme mit der Mikrobiologie (auch Salmonellen) haben, wie Getreide, Saaten (Sesam) und Nüsse.
In Deutschland und der EU ist die Begasung von Lebensmitteln mit EtO verboten, aber für Medizinprodukte erlaubt.
In anderen Ländern, vorneweg USA, wo das Verfahren auch patentiert wurde, sowie Indien und Kanada, ist es bei konventionellen Lebensmitteln erlaubt, aber wenigstens bei Bio-Lebensmitteln nicht erlaubt. EtO gilt als kanzerogen und mutagen.
In Europa werden (Stand 2011) jährlich 3,8 Mio. Tonnen Ethylenoxid produziert. Eine deutsche Hersteller-Firma wirbt immer noch (Stand 2018, abgerufen 2021) mit Ethylenoxid-Gas für Pflanzenschutz.

Die Begasungsanlagen sind recht teuer, und das Verfahren ist aufwändig, komplex und ziemlich risikobehaftet. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat sich inzwischen mit dem Gefahrenpotential von EtO befasst: in den letzten 30 Jahre gab es 4 Explosionen in europäischen Produktionswerken; zusätzlich dürfen auch die Gefahren durch die Dauerbelastung durch Hintergrundkonzentrationen für Arbeitspersonal und umliegender Bevölkerung nicht vernachlässigt werden.

Die Komplexität des Verfahrens macht klar, dass die EtO-Behandlungen in Drittländern wie Indien eher von sehr großen Exporteuren mit Exportvolumen in die USA/Kanada eingesetzt werden. Insgesamt ist die Datenlage (RASFF, BfR, Bundes- und Länderbehörden) aber noch gering.
Wir haben unsere Bio-Exporteure in verschiedenen Ländern (Indien, Sri Lanka, Afrika) befragt: überall sei die Landwirtschaft zu kleinteilig, um mit einer EtO – Anlage in Berührung zu kommen.
Global gesehen sollen wir also mit diesem Gift und viele anderen Giftstoffe leben; leider hat sich bisher kein Politik-Gipfel dafür interessiert, Verbote nicht nur auf einem Kontinent, sondern weltweit zu erlassen; die westliche produzierte Büchse der Pandora bleibt weltweit geöffnet …

 

Was machen wir

Da etliche Hersteller in unserer Biobranche bereits durch belasteten Sesam sehr geschädigt wurden, nehmen wir die Bedrohung ernst.
Seit Winter 2020 analysieren wir unsere Containerware aus Indien zusätzlich auf EtO (Im Jahr 2020 war größtenteils kein Import wegen der Lockdowns möglich). Alle Analysen sind bisher ohne Befund.

Unser indischer Partner, das Kleinbauernprojekt PDS, hat uns über neue verpflichtende Maßnahmen in Indien vor dem Export informiert:

 

„Our control Body announced a mandatory third party sampling and analysis for EtO (Ethylene Oxide) for herbs and spices export to all over the world. For getting the certificate of Inspection for the concern lot, we have to submit the EtO analyses report to our certification body. And we will share the EtO analyzed report for your reference.“

 

Die obligatorischen Analysen werden von einem zuverlässigen Partnerlabor des renommierten GBA Labor gemacht.

Andere indische Produkte erhalten wir über langjährige Importeurskollegen. Hier wurde teilweise bereits seit Mitte 2020 lückenlos auf EtO analysiert, neue Ware kaufen wir mit EtO-Analyse ein.

Wir versuchen ja, wenn es irgend geht, nicht einfach ‘Weltmarkt’ Gewürze, sondern bei uns seit Jahren bekannten Projekten einzukaufen bzw. bei ausgewählten langjährigen Importeuren, die flächendeckend eine überdurchschnittliche, chargen-genaue Analytik der Importgewürze betreiben.

Alte Ware aus Ernten 2019 und früher, die nicht mehr auf Lager ist, wird nicht von uns nachanalysiert, denn die RASFF-Warnmeldungen zeigen keine Anzeichen, dass schon vor 2018/2019/Mitte 2020 systematisch für Bio-Gewürze behandelt wurden. Produkte, wo eine EtO-Behandlung absurd erscheint wie (Salze, Spezialitäten bzw. kleinchargige Produkte) werden nicht auf EtO analysiert.

Gewürze werden üblicherweise, so auch im Bio-Bereich, mittels Wasserdampfs schonend keimreduzierend behandelt.
Das Foto zeigt die Heizung der Wasserdampf-Sterilisationsanlage von PDS. Das Verfahren funktioniert sehr gut.

 

 

Kleiner Gewürzausflug: Rosengewürz

Wie viele von Euch bereits mitbekommen haben, mussten wir und unsere KollegInnen Bio-Kreuzkümmel leider bis auf Weiteres auslisten. Quasi alle Ernten liegen seit ca. 2 Jahren weit über den nun auch gesetzlich festgelegten Grenzwerten für Pyrrolizidinalkaloide. Diese produzieren einige Pflanzenfamilien selbst, um sich vor Insektenfraß zu schützen. Über Beikräuter auf dem Feld gelangen sie in die Gewürzernte. Durch gutes Unkrautmanagment (Jäten und Hacken) holen erfahrene Bauern diese unerwünschten Pflanzen aus dem Feld. Merkwürdigerweise funktioniert das aber bei Kreuzkümmel seit mind. 2 Ernten nicht – jetzt sind wir auf die 2021-Ernten gespannt, ob Verbesserungen sichtbar werden

Kurz und gut: Das lässt sich in den Bio-Läden feststellen: Man findet keinen puren Kreuzkümmel mehr.
Als Solo-Gewürz verzichten wir im Moment – aber unsere Gewürzmischungen brauchen diese faszinierenden herb-würzigen Noten. Wir haben deshalb Tests mit ätherischem Kreuzkümmelöl gemacht, um Kreuzkümmelsaat weitestgehend zu ersetzen, und sie sind recht gut geworden – ein kleines bisschen anders, aber genauso lecker.
Da das Kreuzkümmelöl nicht so einfach in die Mischtrommel geschüttet werden kann, ist das Verfahren etwas komplizierter, so ähnlich, wie wir auch unsere Tees aromatisieren. Wir machen einen Ansatz auf Veilchenwurzel-Pulver, das als Fixateur dient. Das können wir dann gut untermischen. Ihr seht es auf der Zutatenliste.

 

 

Ras el Hanout, oder zu Deutsch Rosengewürz, verdient eine besondere Position unter den Gewürzmischungen, finde ich. Die namensverleihende Rose, die bei uns auch gut zur Geltung kommt, ist so ein besonders blumiges, stark duftendes Aroma voller Wärme, sodass es fast Parfüm-Charakter hat. Die Anmut der Rose verleiht den Gerichten einen tollen Geschmack, der so manches Rezept erst richtig zum Leben erweckt. Diese nordafrikanische Mischung passt hervorragend zu erdigen Aromen. Sie werden von Kreuzkümmel, Paprika, Zimt und Zwiebel abgeholt und dann von den sehr lebendigen Nuancen von Rose, Nelke und Holunderbeere beflügelt. Es entsteht eine tolle Symbiose, die nicht nur sehr befriedigend ist, sondern sich fast künstlerisch anfühlt.

Das klingt jetzt alles sehr abstrakt und hochgestochen. Kommen wir also erstmal zu den Zutaten:

Rosenblüten (ca. 34%), Kubebenpfeffer, Paprika edelsüß, Veilchenwurzel, Nelke, Holunderbeere, Zwiebel, Meersalz(ca. 3.8%), Kreuzkümmel, Pfeffer lang, Pfeffer schwarz, SENF, Zimt Ceylon, Lorbeer, ätherisches Kreuzkümmelöl

Wie oben beschrieben, passt diese Gewürzmischung hervorragend zu erdigen Aromen. Dazu gehören die meisten Wurzelgemüse, die eine gewissen Süße und Erdigkeit mit sich bringen (wachsen ja auch in der Erde, oder?), viele Hülsenfrüchte, aber durchaus auch Lamm oder Rind. Um aber mal wirklich nordafrikanisch zu bleiben, kommt hier ein Gericht für eine vegetarische Tajine.

Idealerweise kocht man das natürlich in der namensgebenden Form. Wer aber (noch) keine hat, der kann durchaus auch auf einen Bräter ausweichen. Ich würde aber jedem ans Herz legen, sich eine echte Tajine zuzulegen – sie ist nicht nur sehr formschön, sondern sorgt sogar beim sozialen Essen für Freude.

 

Mir fällt gerade auf, dass es viele Kichererbsen mit Kreuzkümmel gab. Das liegt in erster Linie daran, dass ich sehr gerne Kichererbsen esse, aber sie harmonieren auch toll mit den Aromen des Kreuzkümmel und sind so vielseitig. Wer aber keine Lust auf Kichererbsen hat, der kann auch auf Bohnen, z.B. weiße, ausweichen.

 

Tajine

Definitiv keine traditionelle, aber eine sehr leckere… europäisiert.

Theoretisch kann man Tajine wie einige andere Rezepte sehr frei gestalten – je nach Saison oder Gemüse, das man zu Hause hat. Ich finde die erdigen Gemüse wichtig, ansonsten braucht es noch ein paar aromatische Komponenten und Gewürze. Das reicht!

 

Zutaten:

  • 2 Zwiebeln
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 2 Möhre
  • 1 Aubergine
  • 4 Kartoffeln
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 300 g gekochte Kichererbsen
  • 50 g Mandeln
  • 2 EL Ras el Hanout
  • extra Zimt (optional)
  • Zitrone, Salz, Peffer, Olivenöl, Wasser

 

Am besten erstmal alle schneiden: Zwiebeln in Scheiben, den Rest in mundgerechte Stücke, aber nicht zu klein. Traditionell wird Tajine mit den Händen gegessen.

Dann die Tajine auf dem Herd erhitzen, die Zwiebeln mit etwas Olivenöl anbraten, dann Möhren, Staudensellerie und Knoblauch dazu. Salzen und mit etwas Ras el Hanout würzen. Ich bin Fan davon, die Aromen hier mit jeder neuen Komponente aufzubauen.

Nach ein paar Minuten kommen die restlichen Gemüses und Kichererbsen dazu. Immer mit ein bisschen Gewürz und ein bisschen umrühren – aber trotzdem in einem Versuch ein paar Schichten zu schaffen.

Zuletzt kommen die Mandel drauf. Nun müssen wir aus dem verbleibenden Ras el Hanout, Salz, etwas Olivenöl, etwas Zitrone, extra Zimt und vielleicht 150 ml Wasser eine Art Brühe anrühren, die wir vorsichtig dazu geben. Sie soll am Ende für genug Dip-Flüssigkeit sorgen und gleichzeitig verhindern, dass irgendetwas anbrennt.

Zuletzt kommt der Deckel drauf und in etwa einer Stunde ist alles gar und sollte relativ weich sein. Ab und zu sollte man mal hineinschauen – nur um sicherzugehen, dass es gut riecht und nichts anbrennt. Sollte es an Flüssigkeit mangeln, einfach ein bisschen mehr dazu geben.

Serviert wird am besten auf einem Tisch, sodass alle Mitesser in Armweite entfernt sitzen. Vor dem Essen den Deckel schonmal abnehmen und ca. 10 Minuten abkühlen lassen.

Dazu gehören eigentlich noch ein paar kleine Salate und definitiv noch ein Fladenbrot, um die hocharomatische Flüssigkeit aufzusaugen. Wie schon erwähnt wird am besten mit den Händen gegessen.

Das war unser kleiner Ausflug in die nordafrikanische Küche mit Ras el Hanout.

Bis bald!

 

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.

 

 

 

Joshuas Botanicals: Cistus

Getränke und Cistus – zwei ziemlich neue Erfahrungen für mich. Ich habe mich in den letzten Tage mit beidem beschäftigt und hoffe, Euch diese Erfahrungen etwas näherzubringen.

Fangen wir mit Cistus an, bei uns auch Zistrose genannt. Diese Pflanze sieht nicht nur hübsch aus, sondern hat auch ein ziemlich spannendes Aroma. Angefangen mit einem warmen, balsamischen Geruch, der im Wohlbefinden mit Bergtee mithalten kann. Doch das Geschmacksprofil ist ein anderes. Wie mit vielen Teesorten kann man sogar 2 verschiedene erzeugen:

Kurz gebrüht kommen die balsamischen, süßlich-waldhonigartigen Noten deutlicher zur Geltung. Sehr angenehm zu trinken – mit einem vollen Körper macht dieser Tee fast satt.
Lässt man den Tee etwas länger ziehen, also etwa 4-7 Minuten, kommt die herbe Bitterkeit hinzu. Nicht direkt unangenehm, ganz im Gegenteil. Sie passt irgendwie ganz gut zum sonstige Aromenprofil, ist aber ist nicht immer erwünscht – bei mir.

Nun aber die Frage, was damit anzufangen ist. Das naheliegendste und absolut sinnvolle ist ein einfacher Tee. Darüber muss man aber nicht gleich einen Beitrag schreiben.

Meine Herangehensweise an die Botanicals ist anders als zu den Gewürzreisen. Deutlich weniger Zutaten, deutlich weniger Rezepte, dafür eine etwas genauere Beschreibung und Begründung. Mal schauen, wie es sich entwickelt. Fangen wir aber an:

 

Cistus – Elixir

Der volle Charakter mit der Süße hat mich an eine Art Eistee erinnert, vielleicht in Richtung eines Cocktails, den ich nicht kenne.

Wie dem auch sei, hier sind die Zutaten:

 

  • 500 ml Wasser
  • 3 EL Cistus

 

  • 125 ml Wasser
  • 75 g Zucker
  • 2 TL Anis Samen

 

  • 125 ml Wasser
  • 75 g Zucker
  • 75 g Koriandersamen

 


Zuerst habe ich 500 ml Wasser mit 3 EL Cistus vermischt, kalt, und in einem Glas kalt ziehen gelassen – über mehrere Tage. Ich würde vorschlage, mindestens 3. Nach einer Woche kommt dann irgendwann etwas mehr Bitterkeit durch. Kalt aufbrühen hilft in aller Regel, die Bitterkeit möglichst gering zu halten und die süßen Noten stärker durchzubringen – funktioniert auch bei Kaffee.

 

Dann habe ich 2 einfache Sirups gemacht. Je 125 ml Wasser mit 75 g Zucker erhitzen, dann die Samen dazu. Ich habe in meiner ersten Version die Samen ganz gelassen, würde aber empfehlen, sie vorher leicht zu zerstoßen, damit der Geschmack verstärkt wird.

Der Anissirup spielt in das Waldhonig-artige des Cistus Tees und harmonisiert ebenso mit dem balsamischen.

Der Koriandersamen-Sirup hingegen unterstützt die Wärme und den vollen Körper und bringt noch eine sehr feine weitere Note.

So geben die Sirups dem Getränk nicht nur die fehlende Süße, sondern unterstützen die natürlichen Aromen des Cistus-Tees. Sie werden vorsichtig dosiert, sodass man sie kaum benennen könnte, sondern lediglich das bestehende Geschmacksprofil verstärken.

 

Übrigens: Die Sirups funktioneren auch erstaunlich gut mit Zucker-Ersatz.


Mein fertiges Elixir-Rezept sieht folgendermaßen aus:

  • 200 ml Cistustee
  • 40 ml Koriandersirup
  • 30 ml Anissirup
  • 200 ml Wasser
  • 1/2 Zitrone
  • 8 Minzeblätter
  • Viel Eis

 

Von der Zitrone benutzen wir sowohl die Zeste, als auch den Saft. Sie bringen die nötige Frische und Säure. Die Minzblätter in feine Streifen schneiden. Sie unterstützen die Frische, bieten den süßlich-vollen Aromen der restlichen Zutaten einen guten Gegenspieler und schaffen einen schönen Farbakzent.

Alle Zutaten am besten in einem (Cocktail)-Shaker oder ähnlichem gut vermischen. Dann auf Eis gießen und genießen.

 

Das finale Getränk ist ein sehr ausgewogen, frisch, süß genug und ansprechend. Erinnert ein wenig an Ginger-Ale. Um es voll beschreiben zu können, würde ich vorschlagen, das einfach selber mal zu probieren!

Ich hoffe, diese zweite Botanical – Episode hat Freude bereitet. Ich werde definitiv langsam warm damit und meine Neugierde und Experimentierfreudigkeit sind geweckt. In den nächsten Monaten werde ich mit einigen alkoholischen und nichtalkoholischen Zutaten arbeiten, die ich noch nie benutzt habe – und das allein ist schon eine große Freude für mich. Hoffentlich springt diese auf den ein oder anderen über.

Bis bald!

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.