Joshuas Botanicals: Oxymel

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Eine neue Reihe beginnt. Botanicals – ein Begriff, der eigentlich aus der Gin-Welt stammt, bezeichnet dort alle Würzmittel, die so im Gin enthalten sein können. Da ich aber kein Gin Destillateur bin, ist das Wort eher zweckentfremdet. Es geht im Allgemeinen nach wie vor um Gewürze und Kräuter, nur nun um Rezepte in flüssiger Form… also das, was daraus gemacht wird. Unter Zugabe von vielen neuen Kräutern und altbekannten Gewürzen erkunde ich eine mir selbst noch ziemlich fremde Welt. Schauen wir mal, was da so auf uns zukommt.

 

Oxymel

Oxy – Mel (oxos – Essig / meli – Honig) oder auch Sauerhonig ist eine Tinktur, die seit vielen (tausenden) von Jahren als wirkungsvollen Heilmittel verbreitet wird. Dabei hat sie Kreise bis nach Fernost und Russland gezogen. Ihren positiven Effekt zieht sie aus den zwei Hauptzutaten Honig und Essig, sowieso aus verschiedenen Kräutern, die man entweder je nach Geschmack oder erwünschter Wirkung dazu gibt.

Ob (Apfel-)Essig nun wirklich ein Wundermittel ist, oder die antibakterielle Wirkung von Honig so ausschlaggebend ist, mag ich gar nicht wirklich beurteilen. Fakt ist, dass die Mischung ganz spannend schmeckt. Es erinnert mich etwas an den Hustensaft, den ich als Kind so gerne bekommen habe. Sehr süß, aber irgendwie von der Säure genug ausgewogen mit einer gesund-schmeckenden (heh! ANGENEHM gesund) Mischung aus Kräutern.

Die Tinktur kann man entweder täglich löffelweise trinken, oder aber mit Wasser vermischt zu einer Art Limonade – frei nach Laune.

Hier ist also mein Rezept, dieses Mal sogar ein bisschen erklärt, warum was, wieso und so weiter. Die Grundlage ist immer Honig und Essig in einem Verhältnis von 3:1.

 

Zutaten:

  • 300 g Honig
  • 100 g Apfelessig
  • 2 EL Salbei – Meine geschmackliche Grundlage. Ich finde, der typische Geschmack von Salbei passt ganz hervorragend zu Honig und unterstützt definitiv auch den Hustensaft-Charakter.
  • 1 TL Thymian – Ich wollte zudem eine leicht provenceialisch-kräuterige Note erzeugen, sodass das Endresultat eher Kräuterlimonade nahekommt. Der Thymian ist mein idealer Kandidat dafür.
  • 1 TL Ysop – Unterstützt die Kräuteraromatik und bringt eine leicht-warme Eukalyptus-Note mit sich.
  • 1 TL Lemon Myrte – Nichts rundet provenzialischen Kräuteritis so ab wie eine feine Zitronen-Note.
  • 1 TL Fenchel – Mag ich absolut gerne. Harmoniert meiner Meinung nach toll mit dem Salbei und passt auch irgendwo in den mediterranen Raum.
  • 5 Wacholderbeeren – Der Trick aus dem Gin.

 


Erst Honig und Essig gut miteinander vermengen. Dabei kann es helfen, den Honig leicht zu erwärmen, aber weder zu lang noch zu warm, da wir die leicht antibakterielle Wirkung nicht komplett zerstören wollen. Ist der Honig schon pasteurisiert, macht das aber auch nichts mehr…
Dann kommen die Kräuter dazu und es wird gut vermengt. Ich habe es dann in den Kühlschrank gestellt und jeden Tag gut umgerührt, weil sich mein Honig abgesetzt hat. Nach einer Woche sind die Kräuter nun schon gut durchgezogen, doch ich werde sie noch eine Weile drin lassen. Am Ende kann man alles durch ein Sieb geben, sodass die Handhabung einfacher wird und man nicht immer den Mund voller Kräuter hat. Wer das mag, kann sie aber auch drin lassen.

 

Das Verdünnen mit Wasser ist dann davon abhängig, wie man es mag. Ich habe ca. 300 ml Wasser auf 1 EL Tinktur gegeben. So entsteht eher ein Wasser mit Geschmack als eine richtige Limonade. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, das zu verdoppeln und es mit Sprudelwasser zu mischen oder gar mit Eis und Gin einen Cocktail daraus zu machen. Ist das Gemisch fertig, ist man frei in der Anwendung – ganz frei.

Ich hoffe, es hat Euch wieder einmal inspiriert oder zumindest unterhalten.
Bis bald!

 

 

 

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.

 

 

Ein Gewürze Grundsortiment

Diese Woche wurde ich gefragt: Was ist denn eine gute Gewürz-Basis, um mit dem Kochen mit Gewürzen anzufangen. Kann man das vielleicht so auf 15 Gewürze beschränken?

Das finde ich eine schwierige Angelegenheit, da die Basis verschiedene Zwecke erfüllen kann.

Sie kann dir eine möglichst große Anzahl von Rezepten ermöglichen, wo du vielleicht 80 – 90 % der angegebenen Gewürze abdecken kannst. Das ist schonmal ziemlich viel wert und lehrt vielleicht eine der – für mich – wichtigsten Regeln fürs Kochen. Wenn du nicht alles hast, kannst du trotzdem kochen. Die wenigsten Zutaten sind wirklich essenziell für ein Gericht, gerade wenn sowieso mehr als 10 Zutaten benötigt werden. Vieles kann substituiert, angepasst oder sogar weggelassen werden und genau das ist auch der erste Schritt zum Improvisieren in der Küche.

Die Grundlage kann aber auch Küchen-spezifisch sein. So könnte man eine Grundlage von Gewürze für z.B. die indische Küche schaffen.

Die Variante, für die ich mich entschieden habe, ist die der Gewürze, die ich selber vermutlich am *häufigsten* nutze, halbwegs verbunden mit Gewürzen, von den ich meine, dass sie einigermaßen vielseitig oder charakteristisch für bestimmte Gerichte sind. Diese Liste ist natürlich vollkommen subjektiv. Würde man jemand anderen fragen, so sähe die Liste höchstwahrscheinlich anders aus. Das ist das Schöne am Kochen und am eigenen Geschmack. Soll heißen, das ist meine Liste.

 

Die Gewürze

Zuerst mal ganz wichtig: Salz. Ohne Salz geht es nicht, auch wenn Salz strikt gesehen kein Gewürz ist. Habt keine Angst vor Salz, Salz ist euer Freund – zumindest in der Küche.

Dazu kommen folgende Gewürze in unbedeutender Reihenfolge:

  • Cumin (Kreuzkümmel) (ohweia, gerade schwierig)
  • Thymian
  • Rosmarin
  • Koriander
  • Kardamom
  • Zimt
  • Vanille
  • Lorbeerblatt
  • Muskat
  • Paprika
  • Chili
  • Oregano
  • (Knoblauch / Zwiebel – weil es unglaublich praktisch ist)


Eine kurze Note zu Pfeffer: Ich finde Pfeffer OK. Mag ihn ganz gerne, aber er steht in keiner Weise auf gleichem Rang, wie das Salz. Er taucht nichtmal auf der Liste auf. Könnte er, muss er aber nicht. Wenn Pfeffer, dann bitte guten. Einen mit mehr Geschmack.

 

So – diese Liste ist als Grundlage schonmal sehr weitreichend, finde ich. Ein bisschen von allem, mit feinen und vielen markanten Aromen. Dazu ein paar frische Kräuter, die bei vielen Sorten einfach besser als getrocknete sind: Petersilie, Schnittlauch und Basilikum sind da ein guter Anfang, finde ich.

 

Dazu würde ich gerne ein paar Gewürze empfehlen, die ich persönlich sehr spannend finde, weil sie sehr charakteristisch sind oder Aromen haben, die *etwas anders* sind:

  • Fenchel
  • Sternanis
  • Kümmel
  • Sumach
  • Schwarkümmel
  • Szechuan pfeffer


Zuletzt noch ein Punkt: Wenn ihr nach einer Grundlage für Gewürze sucht, die ihr tatsächlich aktiv nutzen wollt, ist es eine grandiose Idee, einfach zu gucken, was ihr denn selber gerne esst / kocht. So lässt sich schnell eine Liste ableiten, die euch ganz persönlich am meisten Freude bereitet.


So viel zu meinen Gedanken. Was würde auf eurer Liste stehen?

 

 

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.

 

Kleiner Gewürzausflug: Garam Masala

Wie viele von Euch bereits mitbekommen haben, mussten wir und unsere KollegInnen Bio-Kreuzkümmel leider bis auf weiteres auslisten. Quasi alle Ernten liegen seit ca. 2 Jahren weit über den nun auch gesetzlich festgelegten Grenzwerten für Pyrrolizidinalkaloide. Diese produzieren einige Pflanzenfamilien selbst, um sich vor Insektenfraß zu schützen. Über Beikräuter auf dem Feld gelangen sie in die Gewürzernte. Durch gutes Unkrautmanagment (Jäten und Hacken) holen erfahrene Bauern diese unerwünschten Pflanzen aus dem Feld. Merkwürdigerweise funktioniert das aber bei Kreuzkümmel seit mind. 2 Ernten nicht – jetzt sind wir auf die 2021-Ernten gespannt, ob Verbesserungen sichtbar werden

Kurz und gut: Das lässt sich in den Bio-Läden feststellen: Man findet keinen puren Kreuzkümmel mehr. 

Als Solo-Gewürz verzichten wir im Moment – aber unsere Gewürzmischungen brauchen diese faszinierenden herb-würzigen Noten. Wir haben deshalb Tests mit ätherischem Kreuzkümmelöl gemacht, um Kreuzkümmelsaat weitestgehend zu ersetzen, und sie sind recht gut geworden – ein kleines bisschen anders, aber genauso lecker.
Da das Kreuzkümmelöl nicht so einfach in die Mischtrommel geschüttet werden kann, ist das Verfahren etwas komplizierter, so ähnlich, wie wir auch unsere Tees aromatisieren. Wir machen einen Ansatz auf Veilchenwurzel-Pulver, das als Fixateur dient. Das können wir dann gut untermischen. Ihr seht es auf der Zutatenliste.
 
Heute geht es aber nicht nur um diesen Kreuzkümmel-Prozess, sondern viel mehr um eine Gewürzmischung mit besagten Extrakt: Garam Masala.

In den folgenden Wochen werden wir noch zu ein paar weiteren Mischungen kleine Rezepte liefern.

 

Garam Masala

Garam Masala ist eine mehr oder weniger klassische Gewürzmischung aus der indischen Küche. Es ist vermutlich die bekannteste, aber ich sage mehr oder weniger, weil es, ähnlich wie bei vielen anderen Gewürzmischungen keine konkrete Zutatenliste gibt, sondern in etwa jeder Haushalte sein eigenes Rezept hierfür hat. Übersetzt heißt die Mischung in etwa: “heißes Gewürz”, da sie mitunter nach der ayurvedischen Heilkunde den Körper erhitzen soll.

Mit klassischen Zutaten wie Kardamom, Zimt, Gewürznelken, Koriander, Kreuzkümmel und Pfeffer kann man sich diesen Effekt gut vorstellen. Wir haben auf diesen Grundgewürzen aufgebaut und noch ein paar weitere Gewürze hinzugefügt, um ihr unsere eigene Note zu verleihen. Wir finden, dass es die Mischung gut abrundet. Es ist also drin:

Koriander geröstet, Lorbeer, Pfeffer schwarz, Cardamom, Nelke, Muskatblüte, Zimt-Cassia, Paprika edelsüß, Kreuzkümmel geröstet, Pfeffer lang ‘Pippali’, Senf schwarz, Veilchenwurzeln, Chili und ätherisches Kreuzkümmel-Öl.

So entsteht eine leicht scharfe, stark aromatische und komplexe Gewürzmischung mit einer interessanten Bitternote, die den Gerichten ihre bekannte Grundnote verleiht.

Wie es in der indischen Küche üblich ist für Garam Masala, empfehlen auch wir, die Mischung erst gegen Ende des Kochvorgangs beizugeben und das Gericht eher damit abzurunden. Das bedeutet auch, dass es nicht als Alleingewürz verwendet werden muss, aber durchaus kann.

Genug zum theoretischen Teil, was genau mache ich denn jetzt damit?

 

 


Indischer Linsentopf

Ein indisch-inspiriertes Ein-Topf-Gericht, dass sehr aromatisch und wärmend ist, aber duchaus in den Zeitplan unter der Woche passt. Ich liebe Linsen, daher trifft das zumindest auf mich zu – Bei mir gibt es das in Variationen bestimmt einmal die Woche. Die leichte Bitterkeit harmoniert toll mit der Süße, die Kartoffeln und Möhren mitbringen.

 

Zutaten:

  • 5 Kardamom-Kapseln
  • 1 TL Senfkörner
  • 1/2 TL Koriandersamen
  • Prise Asafoetida (optional)
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 1 große Möhre
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 Stück Ingwer
  • 300 g Linsen (Schwarz / Braun)
  • 1 Dose Tomaten
  • 5 Kartoffeln
  • 1 L Wasser
  • 1/2 TL Kurkuma
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 TL Bockshornklee-Blätter (optional)
  • 150 g gefrorene Erbsen
  • 1.5 TL Garam Masala

 

Kleine Randnote: Asafoetida und Bockshornklee-Blätter (Kasuri-Methi) sind vermutlich schwieriger zu finden und durchaus eher optional. Wer sie in diversen ethnischen Supermärkten findet, sollte sie aber durchaus mal probieren. Es sind 2 spannenden Gewürze.


Öl in einem Topf und den Kardomom, zerstoßen, mit Senfkörnern, Asafoetida und Koriandersamen darin erhitzen. In der Zeit die Zwiebeln und den Ingwer schneiden und dann dazu geben. Die Gewürze lasse ich gerne ganz, aber wer das nicht mag, kann sie auch nachdem sie ihren Geschmack ans Öl übergeben haben, wieder herausnehmen. Die restlichen Gemüsesorten in mundgerechte Stücke schneiden und nach ca. 5 Minuten dazu geben. Dann Linsen und Tomaten dazu, genau wie das Lorbeerblatt, Wasser, Kurkuma, Bockshornklee-Blätter und Salz. Aufkochen lassen und bei niedriger-mittlerer Hitze ca. 30-40 Minuten köcheln lassen. Wenn Linsen uns Kartoffeln die gewünschte Bissfestigkeit erreicht haben, den Herd ausmachen, die Erbsen und Garam Masala hinzugeben und nochmal 10 Minuten nachziehen lassen. Mit Salz und etwas Zitrone abschmecken und servieren.

 

Bei mir gab es dazu einen Joghurt mit Korianderblättern und Zitronenzeste – ein erfrischender Kontrast dazu. Gerne auch zu Reis.

 

Noch ein Hinweis: Wer möchte, kann auch mehr Wasser dazu geben, damit es suppenähnlicher wird. Wer weiterhin möchte, kann das Gericht auch mit mehr Wasser noch eine halbe Stunde weiterköcheln lassen, sodass eher ein Dal entsteht. Schmeckt auch ganz fantastisch.

 

Das war’s. Für die kalten Tage genau richtig. Ich hoffe, es schmeckt!

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Web-Developer. Hier.