Nachruf: Prem Chand Tamang

 

Ein sehr berührender Nachruf von Prem Tamangs Familie, gleichzeitig ein reflektiertes nachkoloniales Geschichtsdokument ist eingetroffen, das wir hier weitergeben dürfen.

A very touching obituary of Prem Tamang’s family, at the same time a reflected post-colonial historical document has arrived, which we are allowed to pass on here.

 

 

 

 

Dear friends, please read below the detailed obituary of Dr. Ben Kaukler in English.

 

Auf unserer Darjeeling-Reise 2014 haben wir Prem Tamang kennengelernt und mit ihm die Teegärten von Tea Promoters India (TPI) bereist. Ein kritischer, widerspenstiger, sehr humorvoller Geist, Sohn eines kommunistischen Ministers, geboren in Darjeeling in einem der Teeplantagen zugehörigen „Tee-Dörfer“.

Sein Leben ist eng mit der Geschichte der indischen Darjeeling-Teegärten verknüpft. Deshalb hier zunächst etwas Historie:

Seit ungefähr 1840 gibt es professionellen Teeanbau in Indien – zunächst in Assam, aus der wildwachsenden Teevariante Camelia assamica -, veranlasst von der britischen Ostindien Kompanie – nachdem kurz zuvor deren Handelsmonopol für Chinatee ausgelaufen war. Etwa 20 Jahre später wurden von den Briten die ersten Teegärten in Darjeeling aus Stecklingen der chinesischen Teepflanze Camelia sinensis angelegt, der Beginn der Kulturlandschaft, wie wir sie heute kennen.

1947 endete die britische Kolonialherrschaft. Die sehr britisch geprägten Teegärten mitsamt der Teeverarbeitung wurden von der indischen Regierung bzw. dem westbengalischen Government in Kolkata (Calcutta) übernommen und per Lehensvertrag an nicht ortsansässige Unternehmen verpachtet.

Während die Briten zumindest in die Provinz Darjeeling (Besiedlung durch Nepalesen, Straßenbau, Eisenbahn, Tourismus) rückinvestierten, wurde die Region nach der Unabhängigkeit nur noch ausgebeutet und systematisch vernachlässigt, hinzu kommt der Kultur-Gap zwischen den nepalesischstämmigen Hill-People und den ihnen gegenüber arrogant auftretenden West-Bengalen Kolkatas.

In Darjeeling flammen deshalb bis heute immer wieder (gewaltsame) Aufstände auf (Gorkha-Bewegung – siehe auch die Gurkha Regimenter der englischen Armee im zweiten Weltkrieg), zuletzt der große Generalstreik vor ca. 3 Jahren (siehe unseren Bericht hier).

Es geht immer auch um Autonomie: Darjeeling ist tatsächlich heute überwiegend in Sprache und Kultur nepalisch geprägt. Und wehrt sich gegen eine zu starke Assimilierung in den Bundesstaat West-Bengal. Es brodelte also schon lange unter der jungen Gorkha-“Kriegern” mit ihrer stolzen Tradition, die im Vielvölkerstaat West-Bengal (von den Briten konzipiert) die Verlierer sind.

Nach Abzug der Briten funktionierte die Verwaltung der Teeplantagen zunächst nicht gut, Löhne wurden nicht gezahlt, es gab Insolvenzen. Schließlich gingen die Darjeeling-Teegärten in Privatbesitz über.

Prem Tamang arbeitete in den 1980er für die bengalische Regierung als Tea Superintendent bei Regierungsfarmen, und Brij Mohan (Gründer der Firma TPI) war Vorstandsvorsitzender bei der Government Company für die Teefarmen. Prem und Brijs Sohn Binod Mohan hatten zusammen studiert. Ein freundschaftlicher Klüngelverein.

Im Jahr 2000 konnte Brij Mohan den Teegarten Singell übernehmen, es folgten weitere Teefarmen und wurden mit und mit auf Bio-Anbau, auf Fairtrade und später z.T. auf Demeter-Anbau umgestellt. Prem Tamang hatte daran großen Anteil, ab 2002 als Direktor für TPI, und er blieb der Familie Mohan über 3 Generationen (Gautam Mohan ist seit ein paar Jahren mit im Unternehmen) eng verbunden. Eine feine Ironie ist, dass Prem zu den Hill People gehört, und die Mohans zu den Kolkata – Bengalen, was bei aller Freundschaft Gelegenheiten für Dispute bot.

Die teil-feudale Struktur der Darjeeling-Teegärten passt nicht mehr recht in unsere Zeit, die ökonomische Situation ist sehr schwierig geworden. Die ursprüngliche Idee war, dass ein Teegarten die umliegenden Dörfer mit bis zu 8000 Personen komplett versorgt – vom Hausbau bis zu Bildung und Gesundheitssystem, und die Bewohner im Gegenzug ihre Arbeitskraft in die Teegärten einbringen. Das ist kaum noch zu verwirklichen, denn immer mehr DorfbewohnerInnen müssen sich anderweitig um ein Auskommen bemühen.
Prem Tamang hat diese Situation kritisch beschrieben und an Modellen zur Verbesserung gearbeitet, Fairtrade, Tourismus statt ausschließlich Tee, Kleinbauern-Initiativen mit den Teefabriken (v.a. TPI) verbunden. (siehe den englischen Teil des ausführlichen Nachrufs von Ben Kaukler/ Topqualitea).

Dieses Jahr im Juli konnte Prem noch seinen 70. Geburtstag feiern. Nach längerer Krankheit ist er nun im August 2020 gestorben. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen drei Söhnen.

Heinz Gasper und Ursula Stübner

 

 

Obituary

Prem Chand TAMANG

14th July 1950 to 10th August 2020

 

The organic and fairtrade movement of India lost one of ist founders with Prem C. Tamang on 10th Aug. 2020 . Since the 1990s he was actively involved in organic tea development of both tea gardens and small farmer initiatives. Last he worked for Tea Promoters India as an Director focusing fairtrade development programs for this pioneer tea group…

Prem was born in a tea village belonging to Chongtong tea garden near town of Bijanbari in Darjeeling, India on 14th of July 1950 exactly 161 years after the beginning of the French Revolution with the storming of the Bastille in Paris. To change and revolutionize the establishment seem to be a motive in his live right from his birth onwards….

His father (a communist WB minister and later member of Rajya Sabha (Parliament) enabled him an education in Darjeeling to become a tea manager. In the 1980s he joined public services as a tea superintendant … The WB government made him responsible for various sick tea plantations which have been abandonned by previous owners due to unrentability… Prem`s task was to find a way to give new live to those tea gardens and its inhabitants. Reviving these centurary old tea regions was his official goal.

It was here that Prem was first experimenting with organic methods and meeting European experts like Dr. Rainer Bächi (IMO) and the founding Präsident of NATURLAND. Fairtrade companies like GEPA did greatly benefit on his tea expertise …

After joining Tea Promoters India in 2002 he implemented organic and fairtrade methods for all undertakings of this organic & fairtrade pioneer group being aktive in Assam, West Bengal, Darjeeling and Kerala. Particulary the Small Farmer Projects of TPI have been his brain children right from the beginning like Mineral Springs, Upper Pashok, etc… He will be never forgotten in Kerala where he re-organised the Naturland Tea Factory Project for Peermade Development Society (PDS, Kuttikkannam) and Tea Promoters India (TPI, Calcutta) successfully… He was elected as international delegate of the NATURLAND Assembly twice after 2010…

Many foreign partners of TPI will remember him as a joyful and entertaining tea expert of rural India trying to find new and modern ways how to produce good tea more sustainable for our environment and social well being today…

He will be missed by his wife and 3 sons badly. But we all and especially Tea Promoters India and his Partners around the globe lost a founding pioneer of organic & fairtrade tea culture… May his soul find peace….

 

Ben Kaukler

Joshuas Gewürzreise: Ysop

YSOP, Ysop, ysop. Das waren meine ersten Gedanken, als ich beschloss mit Ysop zu kochen. Hatte ich vorher zumindest wissentlich noch nie benutzt. Warum auch? Der Name klingt schon merkwürdig.

Gehen wir erstmal dem auf den Grund. Das Wort entstammt dem hebräischen Wort ēzōb. Was in etwa mit “Heiliges Kraut” zu übersetzen ist. Wie es sich also gehört, kommt das Kraut auch des Öfteren in der Bibel vor. Ironischerweise ist damit nicht der hier wachsende Ysop gemeint, sondern ein anderes Kraut, da der hiesige Ysop gar nicht in Israel wächst.
Stattdessen fühlt es sich vor allem im südeuropäischen und nordafrikanischen Klima wohl, kann aber auch bei uns im “kalten Norden” gedeihen (merkwürdig, das bei 30 Grad im Schatten zu schreiben).

Was machen wir nun mit dem Gewürz? Da es kaum noch populär ist, zumindest bei uns, ist es schwierig, typische Gerichte zu finden. Geschmacklich erinnert es stark an Bohnenkraut, bitter, mit viel ätherischen Ölen und ziemlich würzig. Dazu kampferartig, leicht minzig und wie man so schön sagt, auch etwas blumig. Es ist also ein richtiges Geschmacks-Powerhouse.

Solchen Noten verbinden sich immer gut mit einer leicht kontrastierenden Süße, mit der ich heute ein bisschen spielen werde, wenn auch nicht mit Süße im Sinne eines Desserts.

Sollen wir anfangen?

 


Gemüse – Bulgur

Definitiv inspiriert von nordafrikanischen Aromen, schaffen wir hier mit schönen regionalen Zutaten ein schnelles, sehr leckeres Abendessen oder eine tolle Beilage. Der Ysop sorgt für einen deutlich tieferen Geschmack und harmoniert hervorragend mit der Süße von Karotten und Zwiebeln.

 

 

Zutaten:

  • 2 Karotten
  • 1 Zwiebel
  • Bisschen Karottengrün
  • 1/2 Tasse Bulgur
  • 1/2 TL Ysop
  • 1/2 TL Koriandersamen
  • Tomaten, Sprossen

 

Den Bulgur waschen und mit ausreichend Salz und Wasser al dente kochen.
Karotten und Zwiebeln in wirklich kleine Stücke schneiden, ca. 1 cm in Breite, Höhe und Tiefe. Oder ein 1 cm³ im Volumen. Wäre ganz interessant hier alles nur noch in Kubikzentimeter anzugeben, oder?
Eine Pfanne mit einem guten Schluck Olivenöl auf mittlere Hitze bringen und das Gemüse für 5 Minuten glasig anschwitzen. Wir wollen keine harten Stücke in unserem Bulgurgericht. Nach den 5 Minuten zerstoßenen Koriander Samen und Ysop dazu geben und die gewünschte Menge gekochten Bulgur ebenso. Ich mag es, wenn der Bulgur nicht unbedingt überwiegt, in etwa wie auf dem Foto, vielleicht. Ebenso ein recht feingehacktes Karottengrün dazu geben. Sieht schön aus und ist eine tolle Verwendung für etwas, da man sonst so selten benutzt. Wer keins hat, nimmt keins. Oder was anderes grünes. Garniert wird mit schönen Tomätchen und ein paar Sprossen.

 

 


Kartoffel – Bohnen

Obwohl es visuell kein besondere attraktives Gericht ist, bin ich immer leicht von dieser Kombination zu begeistern. Kartoffeln und Bohnen sind toll zusammen. Sie profitieren beide Immens mit einer guten aromatischen Grundlage. Dieser Eintopf ist wieder nordafrikanisch angehaucht und besteht aus vielen Geschmacksschichten, die ein wunderbar-herzhaftes Gericht bilden.

 

 

Zutaten:

  • 2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 grüne Paprika
  • 1 große Tomate
  • 400 g weiße Bohnen
  • 400 g Kartoffeln
  • 1 EL + 1 TL Cumin
  • 1 TL + 1 TL Ysop (später 😉)
  • Viel Salz und Wasser

 

Also. Zwiebeln und Paprika in einem großen Topf in Olivenöl anbraten, wieder ca. 5 Minuten. Dann einen EL Cumin (ganz) und einen TL Ysop dazu geben, genauso wie den Knoblauch und die Tomaten. UND Salz, natürlich. Nochmal alles kurz anbraten, dann die Bohnen waschen und dazu geben. Gut umrühren und mit viel Wasser zum Köcheln bringen. Die dreifache Menge ist Minimum. Das muss jetzt erstmal 1.5 Stunden köcheln. Ab und zu umrühren und gegebenenfalls (ggf) Wasser nachfüllen. Nach den 1.5 Stunden, die Kartoffeln würfeln und mit 1 TL Cumin und einem TL Ysop zu den Bohnen geben. Garen bis die Kartoffeln, und die Bohnen hoffentlich auch, weich sind. Abschmecken, bitte. Der Eintopf braucht ziemlich viel Salz und für manche, noch etwas Olivenöl.

Serviert wird in einer Schüssel oder einem tiefen Teller, potenziell mit ein bisschen Joghurt. Passt perfekt ans Ende eines langen und sehr warmen Tags. Hab ich gelesen.

 

 

Fürs Dessert hab ich ein bisschen mit Gewürzen rumprobiert. Es hat sich eine Gewürzmischung ergeben, die ganz interessant zu Joghurt und Früchten passt. Hier ein Verweis auf Za’atar, haben wir schonmal gemacht. Außerdem war ich gestern libanesisch essen und dort gibt es einen besonderen Joghurt, Labneh, den man toll mit Olivenöl und Gewürzen essen kann. Damit war ich einigermaßen zufrieden, aber die Gewürzmischung hat mich angeschrien, damit noch ein paar Kekse zu backen. Also gibts beides.

 

 


Joghurt – Blaubeeren – Gewürze

Das funktioniert vermutlich am besten mit einem etwas dickeren und fettigeren Joghurt. Früchte kann man hier auch tauschen, wie man mag. Aprikosen wären auch sehr spannend. Die Blaubeeren mit Rosen waren ein spontaner Impuls, der wirklich ganz gut war.

 

Zutaten:

  • 50 g Joghurt
  • 50 g Blaubeeren
  • 1 EL Zucker
  • 2-3 Rosen (optional)
  • 1/2 TL Anis
  • 1/2 TL Ysop
  • 1/2 TL Sumach

 

Die Blaubeeren in einer Pfanne mit ein bisschen Wasser, Zucker und Rosen erhitzen. Wirklich nur kurz, dass sie weich werden und ein bisschen von dem Rosenaroma aufsaugen. In der Zeit die Gewürze in einem Mörser zerstoßen. Dann alles zusammen irgendwie schön auf einen Teller bringen. Es entsteht ein Dessert mit viele interessanten Geschmackskombinationen.

 

 


Kekse ?

Ich liebe Aniskekse. Daher kam das vermutlich. Der Ysop gibt ihnen eine spannende kräuterige Note, leicht süßlich und auch herzhaft. Der Gries und das Olivenöl sorgen für eine tolle Konsistenz. Ein richtiger Glücksgriff.

Ohja. Man kann hier definitiv mehr machen, aber ich kann nicht so viel essen. Multiplizieren für mehr.

 

Zutaten:

  • 50 g Weizengries
  • 50 g Weizenmehl
  • 1/2 TL Ysop
  • 1/2 TL Anis
  • 1 EL Zucker
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Sesam
  • 40 ml Wasser
  • Backpulver
  • Salz

 

Alle trockenen Zutaten vermischen und den Ofen auf 180 Grad Umluft erhitzen. Dann Olivenöl und Wasser dazu geben und zu einer homogenen Masse vermengen. Der Teig ist recht feucht aber klebt nicht. Bei Bedarf mit Wasser oder Mehl adjustieren. Ich hab daraus Rollen geformt und zu einer runden Form gerollt aber wer lieber Giraffenplätzchen mag, soll solche machen. Nicht zu dünn, würde ich empfehlen, dann sind die Plätzchen recht saftig. Mit Sesam und Salz bestreuen und für ca. 15 Minuten im Ofen goldbraun backen.


Und somit haben wir den Ysop ein bisschen kennengelernt. Man kann damit auch toll Fleischgerichte würzen, da diese einen starken Eigengeschmack haben, der mit dem Ysop mithalten kann (wie Lamm mit Rosmarin). Oder Pilze, oder Karotten alleine, oder vielleicht einen warmen Tomatensalat. Mit genug Zeit könnte ich hier sicherlich ein Ysop-Kochbuch schreiben, aber das sprengt wohl den Rahmen und ist für eine besonders kleine Nische Menschen interessant.

Ich werde den Ysop auf jeden Fall mit mein Gewürzrepertoire aufnehmen. Ich mag die starken, kräuterigen Aromen, mit den man wirklich tief aromatische Eintöpfe kochen kann oder einfach schnellen Reisgerichte eine Geschmackstiefe verleihen kann, für die man sonst viel Zeit braucht. Einfach mal ausprobieren. Im schlimmsten Fall lernt man was, oder?

Guten Appetit und viel Freude am Kochen!

 

 

 


Joshua Stübner. Das bin ich. Ich schreibe hauptsächlich Rezepte für Heuschrecke. Es macht mir Freude und ich hoffe, diese auf die ein oder andere Art zu teilen. Manchmal bin ich aber auch ein Programmierer / Web-Developer. Hier.