Joshuas Gewürzreise: Baobab

Normalerweise isst man Früchte ja ganz. Bei Baobab ist das anders. Die Frucht des Affenbrotbaumes trocknet über den Sommer so stark aus, dass man sie einfach aushöhlen und dann mahlen kann – schon hat man das fertige Pulver.

Und was für ein Pulver es ist: In den letzten 10 Jahren gab es eine Menge verschiedener Superfood-Hypes. Manche  haben ihr Versprechen (einigermaßen) gehalten, andere stellten sich eher als gutes Marketing heraus. Baobab fällt auch irgendwo darunter, auch wenn es nicht ganz so laut gerufen wird, wie vielleicht manch anderes Produkt. Dabei ist das Pulver tatsächlich ziemlich gesund: Mit einem immens hohen Vitamin-C-Gehalt und viel Calcium, Eisen,  Antioxidantien und Ballaststoffen ist ein regelmäßiger Konsum sicherlich eine Bereicherung. In der Literatur finden sich viele weitere Beispiele über die gesundheitlichen Pluspunkte der Baobab-Frucht.

Interessanterweise liegt der Großteil der Ballaststoffe als Pektin vor, das wiederum als Andickungsmittel dienen kann, was wir uns später ein bisschen zu Nutzen machen werden…

Jetzt aber erstmal genug von diesem chemischen-wissenschaftlichen Wichtiggetue. Wie schmeckt es denn?

Angenehm sauer, ein bisschen fruchtig, ein bisschen tropisch. Es erinnert ein bisschen an Zitrone durch die Säure, mich ein bisschen an den sauren Teil der Ananas und es hat einen GANZ feinen erdigen Geschmack. Also insgesamt gar nicht so schlecht – ja sogar ganz spannend. Man kann also auch damit kochen, wenn man nicht rein am gesundheitlichen Geschmack der Frucht interessiert ist – was ja ganz gut ist für mich und diesen Blog. Schauen wir mal was wir damit machen können.

Weil Baobab ja den gewissen Superfood Hype hat, lasse ich mich dieses Mal von verschiedenen COOLEN Foodtrends inspirieren. Ein bisschen Hipster, ein bisschen vegan, aber definitiv gut genug, um es auch ohne Instagram Account mal auszuprobieren.

 

Smoothie-Bowl

Da fängt es schon an, oder? Es gibt bestimmt schon 1000 Varianten von Baobab-Smoothie-Bowls, aber das hier ist meine. Und wer noch nie eine gemacht hat, der kann sich mal an seiner versuchen. Die Säure des Baobab-Pulvers sorgt für eine angenehme Frische, die die Schale zum Leben erweckt. Gesund ist es alle Male.

 

Zutaten:

  • 150 g Spinat
  • 100 g gefrorene Blaubeeren
  • 1 Apfel
  • 1 Banane
  • 1 kleines Stück Ingwer
  • 1.5 EL Baobab
  • 150 – 200 ml Wasser
  • Toppings nach Wahl

 

Alle Zutaten in einen Mixer geben und wie einen Smoothie gut pürieren. Der Unterschied ist lediglich, dass etwas weniger Wasser drin ist und es statt in einem Glas in einer Schale mit Toppings serviert wird. Bei mir gab es unter anderem: Birne, Banane, Trauben, diverse Saaten und Kerne und gepufften Amarant. Plündert den Vorratsschrank und schaut, was Ihr da habt. Sieht schön aus und schmeckt auch noch.

 

(Vegane) oder auch nicht exotische Burger

Meine Burgerbrötchen wären gerne vegan, sind es aber nicht. Mayo muss auch sein, schmeckt mir gut. Ansonsten aber vegan – vermutlich.

Zutaten:

Brötchen

  • 325 g Weizenmehl Typ 550
  • 150 g Milch
  • 40 g Butter / Margarine
  • 1/2 Päckchen Hefe
  • 1 EL Zucker
  • 1 Ei
  • 5 g Salz
  • Sesam und Schwarzkümmel

Burger

  • 150 g Zwiebeln
  • 200 g rote Beete
  • 200 g Süßkartoffel
  • 200 g Kartoffel
  • 1 Dose schwarze Bohnen
  • 60 g Kokosflocken
  • 1 EL Koriandersamen, gemahlen
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1.5 EL Baobab-Pulver
  • 2.5 TL Cayenne
  • 200 g Reismehl
  • Salz & Pfeffer

Mayonnaise

  • 1 Ei
  • 1 TL Senf
  • 1 TL Zitronensaft
  • 150 ml Sonnenblumenöl
  • 1.5 TL Baobab
  • Eine Spitze frische Habanero

 

Erstmal die Burgerbrötchen vorbereiten

Hefe mit dem Zucker und der Milch (Ich nehme eine Mischung aus Hafer- und Sojamilch) vermengen und 10 Minuten stehen lassen. In der Zeit die Butter oder Margarine schmelzen. Dann alle Zutaten in einer großen Schüssel vermengen und ca. 10 Minuten kneten. Nach 5 Minuten 5 g Salz dazu geben. Bei eingeschaltetem Backofenlicht mindestens 30 Minuten gehen lassen, 1-2 Stunden sind besser. Dann zu 2-4 Brötchen-Kugeln formen und diese für weitere 30-60 Minuten gehen lassen. Mit einer Mischung aus Ei und Milch bestreichen und die Samen darüber streuen. Bei 180 Grad 15-25 Minuten, abhängig von der Größe backen. Schmeckt einfach toll.

 

Burger machen

Es ist definitiv mehr Arbeit als Fleisch zu kaufen, schmeckt aber auch ganz anders. Die angegebene Menge reicht locker für 6 Personen.

Der Geschmack ist süßlich, durch das Baobab aber gut ausbalanciert. Schmeckt etwas tropisch und könnte auch gut mit Ananas (wer sowas mag…) gegessen werden. Wer es etwas herzhafter mag, kann ca. 1 EL Miso hinzugeben. Die Konsistenz ist etwas zu weich, für meinen Geschmack.

Als ganzer Burger schmeckt es aber sehr fein, eine leichtere Alternative zum Klassiker.

Also kochen: Die Zwiebeln mit Olivenöl anbraten und ca. 15 Minuten auf niedriger Hitze köcheln lassen. In der Zeit in einem Food Prozessor die rote Beete und die Süßkartoffel fein häckseln. Die Kartoffeln habe ich gekocht und dann fein gepresst. Dann alles in einer großen Schüssel gut vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Braten mit den Händen formen und in einer Pfanne auf mittlerer Hitze anbraten.

 

Mayonnaise

Mayonnaise zubereiten kann unheimlich sein. Mit der richtigen Technik ist es allerdings trivial. Dafür braucht man einen Pürierstab und ein längliches Gefäß, das im Durchmesser kaum breiter ist als dieser. Darein gibt man ein Ei, Senf, Zitronensaft und Öl und lässt es für ca. 20 Sekunden stehen. Dann stellt man den Pürierstab in das Gefäß auf den Boden und fängt an zu pürieren. Nach ca. 30 Sekunden kann man den Pürierstab langsam anheben und bewegen und fertig ist die Mayo. Mit Salz, Baobab-Pulver und kleingehackter Chili abschmecken.

 

Anrichten

Das Burger anrichten kann entweder jeder selber machen oder man bereitet es vor: Brötchen aufschneiden, mit Mayo und ein bisschen Ketchup bestreichen. Bei mir gab es dazu dann Salat mit ein wenig Koriandergrün, dann die angebratene “Bulette”, Tomate, Zwiebelscheiben und Jalapeños.

Guten Appetit!

 

Veganer Himbeer-Baobab-Käsekuchen aus Cashews

Ein weiterer veganer Trend, der es in sich hat. Man könnte ihn auch Cashew-Kuchen nennen, aber das ist nicht so interessant. Dieser Käsekuchen ist mächtig, gewaltig, lecker und schön. Da gibt es bestimmt einen Vergleich zu einem/einer Person, aber den muss man schon selber finden. Es ist eine wirkliche Alternative zu einem Käsekuchen, von dem man nur ein Stück essen kann. Sieht auf jeden Fall toll aus – bin gespannt, wie er auf Instagram ankommt.

Zutaten:

Boden

  • 80 g Vollkorn-Kern-Brot
  • 4 Datteln
  • 30 g Walnüsse
  • 1 EL Olivenöl
  • Prise Salz

Cashew-Schicht

  • 300 g Cashews
  • 100 g Kokosfett
  • 200 ml Kokosmilch
  • 2 EL Ahornsirup
  • 1 TL Vanilleextrakt bzw. 1/2 TL Vanillepulver

Obere Schicht

  • 300 g gefrorene Himbeeren
  • 80 ml Wasser
  • 1 EL Baobab-Pulver
  • 1 EL Ahornsirup

 

Die Cashew-Kerne in genug Wasser über Nacht einweichen lassen oder für eine Stunde in heißem Wasser schnell einweichen.

Für den Boden einfach alle Zutaten – wieder mal (Wer kocht heute schon noch) – in einem Food Prozessor klein häckseln, dann in einer Form auf dem Boden andrücken.

Die eingeweichten Cashew-“Nüsse” mit den anderen Zutaten zusammen in einen Mixer geben und gut mixen. Gut heißt, mehrere Minuten, bis wirklich alles glatt püriert ist – zumindest in diesem Fall. Dann auf den Boden gießen und gleichmäßig verteilen. Für ca. 3-6 Stunden im Kühlschrank oder im Eisfach erkalten lassen, damit der Kuchen fest wird.

In der Zeit kann man mal über den Kuchen sinnieren. Hier kann man viel ausprobieren und herumtüfteln. Beim nächsten Mal werde ich die Kokosmilch durch etwas Leichteres ersetzen, wie z.B. Hafermilch. Auch könnte man in die Masse selbst noch anderen Geschmack geben, etwa das Baobab Pulver.

Oh. Schon fertig? Die gefrorenen Himbeeren, die man vergessen hat aufzutauen mit 80 ml kochendem Wasser übergießen, dann das Wasser in eine Pfanne abschütten. In besagte Pfanne noch 10 der Himbeeren geben, dazu das Baobab-Pulver (Nach Wunsch noch mehr) und den Ahornsirup (hier auch) geben und kurz aufkochen lassen. Beim Erkalten der Masse wirkt das Pektin und die Masse bekommt eine grützenartige Konsistenz. Damit den kalten Kuchen übergießen und schnell ein Foto machen. Dann ein Stück abschneiden und in Ruhe genießen. Die Arbeit ist geschafft, der Kuchen schmeckt fantastisch. Sich selbst auf die Schulter klopfen und dann den Kuchen teilen.

 

Das war’s für mich und Baobab. Ein spannendes Pulver, mit dem ich definitiv noch weiter herumprobieren werde. Ich stelle mir noch Pfannkuchen interessant vor oder das ein oder andere Salatdressing. Generell kann man es fast immer als Säurekomponente ins Essen geben, einfach mal ausprobieren.

Dabei wünsche ich viel Spaß! Bis zum nächsten Mal.

 

 


Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu

Mehr zu dem anderen hier.

 

 

 

 

Kurzrezepte: Earl Grey Eis und Tee

Tee-Eis – Eis-Tee

Nachdem wir zuletzt einen Abstecher in die Eiszeit gemacht haben, genießen wir nun aber erstmal die Wärme. Es ist Eis-Zeit.

Die Idee für das Rezept kam mir gar nicht selber. Neulich war ich in einer kleinen Eisdiele bei mir um die Ecke und siehe da: Es gab Earl Grey Tee Eis. Leider war der bekannte Earl Grey Geschmack hier eher im Hintergrund, aber die Idee fand ich “cool”.

Wenn man dann Zugang zu so feinem Tee wie dem von Heuschrecke hat, kann man eine Version 2.0 von diesem feinen Eis machen, die perfekt dafür ist, die warmen Tage zu erfrischen. Der Schwarztee ist eine perfekte Grundlage, und mit den spritzigen Noten des Zitronengrases und der aromatischen Bergamotte wird das Eis schon fast zum Erlebnis (das klingt immer so aufregend).

Earl Grey Tee Eis

Zutaten:

  • 500 mL Wasser
  • 5 g Earl Grey Schwarztee
  • 100 g Zucker
  • 200 mL Milch

Ich habe 2 Versionen ausprobiert: Mit und ohne Milch. Milch im (Schwarz)-Tee ist in etwa so bekannt wie Schwarztee ohne Milch. Es rundet den Geschmack schön ab, erzeugt ein leicht-cremiges Mundgefühl und unterstützt so die feinen Aromen des Tees. Da muss ich es nicht weiter erläutern, warum ich das Eis mit Milch bevorzuge – Es schmeckt einfach besser.

Den Tee nach Anleitung kochen. Ich habe ihn etwa 3-4 Minuten ziehen lassen, aber das kann man an die eigenen Teepräferenzen anpassen. Dann 100 g Zucker darin auflösen. Für Sorbet-Eis ist 20% Zucker eine gute Referenzmarke. Wer hier Sahne oder echte Milch benutzen will, kann versuchen, das zu reduzieren. Mir war es etwas zu süß, aber es ist wichtig für die Konsistenz. Mit der Milch verdünnt ist es himmlisch.

Danach die Milch hinzugeben und das Eis gefrieren. Ich habe leider immer noch keine Eismaschine, aber die wäre hier wohl gut. Wie auf dem Fertigbild zu erkennen ist, war mein Eis zwar fantastisch im Geschmack (das sieht man ja wohl), aber es hatte eher die Konsistenz von Slush-Eis oder geschabtem Eis – OK, aber verbesserungsfähig.

Dazu braucht es eigentlich nicht mehr viel. Ich hoffe, es versüßt Euch ein bisschen die kommenden, hoffentlich warmen Tage.

Wenn das nicht funktioniert, biete ich hier als Alternative zum Tee-Eis den allbekannten Eis-Tee an.

Eis Earl Grey Grüntee

Der Geschmack ist dem schwarzen Geschwister sehr ähnlich. Er ist jedoch etwas feiner, da grün. Wer lieber schwarzen Tee verwendet, dem sei das durchaus gestattet.

Zutaten:

  • 1 L Wasser
  • 10 g Tee
  • 2-100 EL Zucker
  • Zitrone
  • Eis

Den Tee nach Anleitung aufbrühen. Das ist weder kompliziert, noch aufwendig: Wasser zum Kochen bringen und danach auf ca. 90°C leicht abkühlen lassen, Tee im Sieb oder Teebeutel hineinhängen, drei Minuten ziehen lassen, dann wieder entfernen. Jetzt kommt der schwierige Teil. Mit Zitrone und Zucker/Honig/andere Süße/… nach Belieben versüßen. Dann muss man auch noch warten, bis der Tee abgekühlt ist. Einfach stehen lassen, nach einer Zeit in den Kühlschrank. Fertig ist der selbstgemachte, eventuell nicht so süße, aber deutlich leckerere Eis-Tee.

Ich wünsche viel Geschmack und Freude.

Globale Erwärmung genießt sich am besten mit Eis, bevor es in der Eiszeit keinen Spaß mehr macht.



Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu.

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Aprilwinde

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Kathrin Franckenberg: Aprilwinde



Kathrin Franckenberg ist Künstlerin, Meisterschülerin von Michelle Cassou, USA (“Point Zero Painting”), Kunstglaserin, ausgebildet im “Begleiteten Malen”, Ergotherapeutin, SI-Therapeutin (DVE) für Kinder, tätig in der Erwachsenenbildung und begleitet seit mehreren Jahren kleine und große Menschen auf ihrem kreativen Weg.   www.malfreude.de

Wer mehr zum Malfreude Atelier anschauen möchte, kann dies nun auch auf YouTube tun. 6 Minuten Einblicke unter:
https://www.youtube.com/watch?v=toyIS39bpxU

“Galumphierend:
Hat in seinem Wortklang etwas Lebendiges. Wie ein freudiges, galoppierendes Pferd seiner inneren Bewegung zu springen und zu hüpfen folgt, so folge ich auch mit dem Pinsel in der Hand, dem, was sich in mir regt. Und dem, was mich auch von „Außen“ berührt und bewegt. Was entsteht, in mir, ist auch diese Lebendigkeit, die verschiedenen Tempi, wenn es langsam wird, wenn ich stolpere, wenn ich falle, wenn ich wieder aufstehe – metaphorisch gesehen – und es hat auch eine Qualität von Absichtslosigkeit und nicht festlegen wohin, kein Ziel, ein Im Moment erleben mit der permanenten Möglichkeit, alles wieder zu zerstören und zu verändern. Das ist das spielerische Element. Das ist das Kreative. Das ist Spiel. Alles fällt auch wieder auseinander und wird neu zusammen gepuzzled, um sich beim nächsten Pinselstrich wieder zu transformieren. Es ist ein lebendiger Prozess, im Geboren werden und Sterben – ein Feld, das Kreativität ist. Ein Raum des alles und nichts, aus dem heraus Kreativität sich als Form und Farbe sichtbar werden lässt. Spontan, unreflektiert, unzensiert, erforschend, momentan…
Ja, und vielleicht berührt es etwas, das der Betrachter auch in sich kennt…”

Kathrin Franckenberg

Ohrenkuss: Wohnen

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Auf dem Foto: Andrea Halder

Ohrenkuss …da rein, da raus – ist ein Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Und zugleich ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown – Werkstatt für Kultur und Wissenschaft GmbH.

Es gibt 2 Ausgaben im Jahr, die man abonnieren kann, jeweils zu einem speziellen Thema. Die Vorbereitungen dazu sind intensiv, mit Workshops, Interviews, Recherche-Reisen, was gute Journalisten so machen. Die AutorInnen schreiben poetisch, mit einem feinen Witz und einer Portion Lebensweisheit. Die Hefte sind liebevoll gestaltet, und auf hohem ästhetischen Niveau.

In unserem Blog stellen wir regelmäßig das neue Ohrenkuss-Magazin vor, oder berichten über andere aktuelle Dinge aus dem Projekt.

Das aktuelle Thema ist Wohnen. Was bedeutet Wohnen, wo wohnt man, wie wohnt man, was braucht man, was man kann. Dazu haben die Autorinnen und Autoren viele Texte und Ausschnitte, Fragen beantwortet und vor sich hin sinniert.  Es ist einfach, es ist komplex, es ist oberflächlich und tiefsinnig – insgesamt eine Fülle von schönen, kurzen Texten. Das Ohrenkuss-Magazin ist jetzt erhältlich. Es ist wunderschön designt, ja eine kleine Freude des Alltags.

Wir wünschen, wie immer, viel Spaß!

Claudine Egli, diktiert

Wohnen ist das Leben. Und es macht Spass.

Wichtig ist, dass die Wohnung schön ist, dass es schön aussieht, dass schöne Sachen drin sind, Bücher.
Und dass es Ruhe gibt, dass man nicht streitet. Und Frieden.

Wo man wohnt / wohnen möchte

Nora Fiedler, handgeschrieben

An liebsten oder mein Traum ist bei Arnoldstrasse 7 (Leben mit Behinderung WG) zu wohnen, da gib es kein Zeitruk und kein Stress nur ein wenig. Die sind alle selbsttändeg. Und es gib keiner bei einzumischen. In Arnoldstrasse 7 sind die bewonern richig nett auch seine Frau Mutter ist nett zu mir. Sie versteht spars wenn ihr es erkrlärt. Die liebe Meines Leben ist was besonderris für mich.
Jeder hat ein Betreuer. Für sich einige von den haben aufgehört. ich finde es richtig schade und traurick Für die alle.
Meine Sehnsucht oder die Fernbezijung ist wei der Regen drausen allein.
Arnoldstrasse haben jeder 1 Zimmer für sich allein. Die sind zu 4.
Ein gemeinschaftraum. 2 Badezimmern. 4 Zimmern. In der Mite mein Süsser.
Mein Traum ist Dord zu whonen wo mein Mann ist.
Ich Bin immer noch seine Trumfrau.

Verena Günnel, diktiert

Mein Traumhaus aus dieser Ort heißt Asgard, wo ich bald wohne, weil ich gewünscht habe. Ich versuch mehr Menschen kennen zu lernen, die neu sind, bevor ich da einziehen würde, das ist ein guter Anfang für mich, um wohlzufühlen und da zu wohnen. Ich hab ein Mann, ich bin seit ein Jahr zusammen mit ihm und er heißt Loki und der hat ein Bruder und der heißt Thor, der wurde so genannt. Und mit dem bin ich jetzt zusammen. Sehr sehr großes Haus, drumherum ist wie eine Stadt, mit Brücke, gehört dazu. Und nur ein Gerät, automatisch, zum Drehen, wie eine Kreisel, kann man auch verschiedene Länder wegzuschicken. Manchmal der Thor, wenn er sein Vater verärgert hat und ihn verbannt hat, dann wurde er direkt weggeschickt auf die Erde, wo die Menschen leben. Am Anfang steht ein Thron, da ist ein König und der ist Vater von beiden Brüder, der schon verheiratet ist mit sein Frau.

Es ist riesig Haus, da kann man so viel rumlaufen wie man wollen. Freizeit, keine Ahnung, was wir dort machen. Ich hab ein eigenes Zimmer mit ihm zusammen, manchmal wird er auch festgenommen, weil er gemein ist. Es gibt auch ein Keller, aber Riesenkeller und da wurden alle Gefangenen eingesperrt. Es gibt auch Garten draußen noch, Pflanzen, Erde und paar Tiere.
Das ist mein Traumhaus, da will ich unbedingt dahin, da war ich noch nie. Das habe ich von meine DVD rausgefunden. So groß habe ich noch nie gesehen, zum ersten Mal. Ich muss dran gewöhnen, um dort zu wohnen. Mehrere kennenzulernen. Das sind Leute, die ich kennenlernen muss. Das sind verschieden Männer und Frauen. Und die Fremde darf ich nicht, weil die bösartig sind. Das ist Sicherheit für mich und dort zu bleiben und nicht da weggehen. Weil die Leute, die ich gut kenne, beschützen mich dann vor den Fremden. Ich darf nicht in die Nähe von die Fremde zu gehen und das ist Macht. Von den Bösen weg abhalten gegen mir, sonst gibt es Krieg und das weiß ich auch. Und ich merk das, warum das passiert ist. Und das ist mein Eindruck.

Achim Priester, handgeschrieben und dann abgetippt

Mein Einzug ins Haus „Elisabeth“
Ich, Achim Priester, lebe nun schon lange in einem Heim mit mehreren Kameraden zusammen. Das Leben hier ist sehr schön, wenn auch der Alltag mir hundertmal eine lange Nase zeigt und zu mir sagt: „Ätsch, mach dieses, ätsch, mach das, ätsch, mache jenes.“
Im Haushalt haben wir immer einiges zu tun, aber wir teilen die Ämter auf, wie z.B. die Spülmaschine ein- und ausräumen oder den Tisch decken, abräumen und allerlei mehr. An unserer Pin-Wand im Eßzimmer hängt ein Plan, darauf steht „Wochenenddienst“. Der bestimmt, wer an den Wochenenden den Küchendienst übernimmt. Für sieben Wochenenden müssen wir uns im Voraus zweimal eintragen. Der Küchendienst an den Wochenenden fängt schon am Vorabend des Küchendiensttages an. Der Frühstückstisch muß gedeckt werden und auch der Kaffee muß vorbereitet sein. Am anderen Morgen stellen wir die Kaffeemaschine an und tragen das Essen auf. Das Mittagessen kochen die Betreuer, aber wir müssen dabei mit helfen: Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden, Salatsaucen zubereiten, Pudding kochen oder anrühren und so einiges mehr. Es ist schon verrückt in der Welt, den ganzen Morgen verbringt man in der Küche und hat viel Arbeit und dann ist das leckere Mittagessen in wenigen Minuten und in aller Fröhlichkeit weggeputzt und dafür hat man die ganze Zeit in der Küche gestanden. Danach beginnt der große Abwasch. Die Sachen, die nicht mehr in die Spülmaschine passen, sowie die Töpfe und Pfannen müssen mit der Hand im Spülbecken abgewaschen werden. Aber von den kleinen Alltagssorgen lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir sind ausgelassen wie eh und je, sind fröhlich und haben sehr viel Spaß miteinander.
An Werktagen gehen wir in die Werkstatt zur Arbeit und abends spielen wir oder sitzen am Fernsehen. Mit meinem Freund gehe ich auch oft ins Kino. Die gemeinsamen Wochenendausflüge sind auch immer sehr schön.
Einmal hat uns sogar ein Bischof besucht und ich trug ihm einige Limericks vor. Ich schreibe sehr viele Geschichten, Märchen und Gedichte in meiner Freizeit. Limericks ohne Zahl fallen mir schon bei fast jeder Gelegenheit ein. Ich kann es eben nicht lassen und ich will es auch nicht lassen, was das Dichten anbelangt. Dies gehört bei mir zu Alltag. Ich finde nämlich, man sollte den Alltag mit mehr Phantasie und Freude erleben. Ändern kann man ja doch nichts.

Aber nun möchte ich davon berichten, wie ich meinen Einzug in das fröhliche „Haus Elisabeth“ im schönen Rhöndorf erlebt habe. Es war eine ziemlich harte Entscheidung für mich, überhaupt von meinen Eltern wegziehen zu wollen. Aber das kam so. Ich habe eine Freund, Ralf Thomas Huppke mit Namen. Wir haben uns in der Werkstatt in Hersel kennengelernt. Ziemlich schnell sind wir dicke Freunde geworden. Als dann später seine Mutter starb und es schließlich so weit kam, daß er in eben dieses Haus in Rhöndorf kommen sollte, ging ich schon auf die 30 zu. Ich hatte gerade eine unliebsame Erfahrung mit
einem anderen Freund gehabt. Als der damals aus der Schule kam, hatte er plötzlich ganz andere Interessen. Ich mußte damals noch nicht so schnell von zu Hause fort. Aber weil ich schon auf die 30 zuging, fühlte ich doch, daß ich nun ein eigenes Leben führen müßte und noch mehr Freunde haben sollte. Ich würde später in jedem Falle in ein Wohnheim gehen müssen und wer weiß, wie es dann gekommen wäre, und ob ich mich dort auch wohlgefühlt hätte, wäre noch die zweite Frage gewesen. Von Ralf Thomas hörte ich, wie schön es im Haus Elisabeth sei. Die Entscheidung war schwer und es war für mich auch keine leichte Sache, meinen Eltern zu verklickern, daß ich ausziehen wollte. Wenn ich auf die damalige Zeit zurückblicke, kommt sie mir vor wie ein ausgeträumter Alptraum. Dann kamen die Einzugsgespräche und als ich dann später wirklich einzog, war für mich alles neu.
Ich hatte das Gefühl, daß ich mich erst richtig einleben müsse und dafür verhalf mir ein wunderschönes Erlebnis. Am 1. Oktober 1987 zog ich mit Sack und Pack ins Haus „Elisabeth“. Die Zeit verging wie im Flug und schon bald war eine Woche nach meinem Einzug vergangen. Es war Wochenende, das allererste Wochenende in meinem neuen Zuhause, das mir für alle Zeiten in Erinnerung bleiben wird. Es war ein wunderschöner warmer Oktobersonntag, als ich, allerdings schon spät am Morgen, aufstand und mich anzog. Ich hatte das Fenster schon aufgemacht, um frische Luft in mein Zimmer einzulassen. Als ich mich bückte, um meine Schuhe zuzubinden, hörte ich plötzlich ein eigenartiges Geräusch in meinem Zimmer. Ich dachte gerade noch: „Was ist das denn?“. Ich blickte auf und sah eine Blaumeise auf dem Rand meines Waschbeckens sitzen und ein lustiges Liedchen zwitschern. Als ich mit bewegte, erschrak die Blaumeise und flog wieder hinaus durch das offenen Fenster. Nun fühlte ich mich aber in dem Haus willkommen und wußte, daß das Wohnen im Haus Elisabeth mir gefallen würde und ich lebte mich auch ziemlich schnell ein. Über den Besuch der Blaumeise existiert noch heute ein Gedicht.

Verena Elisabeth Turin, handgeschrieben und dann selbst abgetippt

Wenn ich es wirklich zugebe, was ich im Bad mache?
Dort mache ich mich sehr sauber. Ab und zu dusche ich mich. Und wasche mir selbst meine Haare und föhne sie. Jeden Morgen und Abend putze ich mir meine Zähne weiß. In der Früh wasche ich mit dem kalten Wasser mein Gesicht ab. Danach bekommt mein Gesicht eine Nivea-Creme drauf. Natürlich gehe ich im Bad auf die Toilette jeden Tag.

In meiner Wohnung soll es sehr gemütlich sein. Und auch romantisch, hell, einladend.
Für meine Gäste. Natürlich gibt es ein ausdehnbares Sofa. Mit einem Notbett dazu. In meinen Wohnzimmer soll es ein Fernsehen mit einem DVD Player, drei bunte Teppiche, zwei Tische, und sechs Stühle, mittelgroßer Ofen, hellbraune Bücher und DVD Filme Kästen, einen Massagestuhl geben. Natürlich gibt es auch Stehlampen bei mir und Kerzen mit Zündhölzer. Im Falle wenn es bei mir ein Kurzschluss gibt. Meine Wohnung schaut mittelgroß aus. Es soll vier pinke Orchideen im Wintergarten sein. Und die gelben Löwenmäulchen sind dann in meinen Garten neben an.

Auf dem Foto: Valentin Radschenko

Wie man wohnt

Nora Fiedler, selbst am Computer geschrieben

Als Assistenz habe ich Selbastijan und Wibke. Ich brauche richtig vill Unterstützung und Hilfe.
Bei Wäsche bei Geld und bei Ferabreden mit Freunde und bei Ferabreden mit Freunde und bei Kochen. Auf jeden Fall Geld. Das ich nicht zu vill da bei habe. An Wochenende gehe ich immer aus an Abend.
Was ich mir leisten kann das Schönste Hochzeit des Jahres kann ich mir leisten.
Sauberkeit in Zimmer und in Badezimmer ist mir auch wichtig. Mein Mann kann es alles allein aber auch mit Hife sonst kann mein Mann alles slbst. Er ist auch schon erwaksen. Aber ich soll ihn besser erzihen. Mir ist wichtig das er sauber und gut richt.
Meine Eltern kauf die Saubermiteln ein für mich ist das zu teuher die Putzmitteln. Die Uhr Zeiten muss ich noch lernen wegen tellefoniren an abend. Nach einer Fernsehen Sendung gehe ich pünktlich in Bät.

Angela Fritzen, handgeschrieben

Abenteuer: Wohnen
Wir brauchen Geduld haben zu wohnen Leistung die Wohnen bleiben kann nicht aufgeben. Anhören die Musik CD oder DVD Film.
Es aufregend.
Ich werde Moderieren Für alles Freuen.
Wir sind Bereit ist wieder Essen Bestellen sogar Pizza zu Bringen Lassen gute Stimme Für die Wohnen dringd.
Wir wohnen gemeinsammKeit machen können.
Texte schrieben kann und zeit haben es ist Richtigkeit zu befödern werden was ich noch brauche kann ist Gedanke – Gedicht.
Wohnen und Power haben und Hummer und Benutzen.
Bekommen.
Bedauern.
Patient. Es ist so schwer wirklich spezial zu haben.
Aussicht.
Aufgeben.
Chance.
Angst.
Helden.
Faule Haut.
Ist schwer zu sagen.
Aufregend zu sein.
Anfang.
Chromosomen.
Zu Wohnen.
Erkenen.
Aufwaschen.
Down-Syndrom 47.

Jil-Marie Zilske, selbst am Computer geschrieben

Besser ist es, wenn man zusammen wohnt egal Schwerbehinderte oder Geistigbehinderte oder Lernbehinderte oder Gehbehinderte. Ich würde eine WG auf machen. Die da alle rein kommen. Es stimmt nicht, dass Jugendliche mit DS keinen Freund haben und finden und suchen. Alle freuen sich, wenn man einen Traum im Kopf hat. Wie zum Beispiel Hochzeit, ein eigenes Haus oder ein eigenes Auto. Sie wissen aber auch, dass man einen Führerschein braucht und wenn, man Hilfe braucht kann man Hilfe suchen oder anrufen. Ich möchte auch das die Menschen mit Behinderung gleich berechtigt werden. Aber sie dürfen aber auch Alkohol trinken und rauchen. Aber sie müssen aber wissen, wenn sie rauchen das es nicht gut ist. Sowie Alkohol trinken ist auch nicht gut. Sie müssen aber auch selber einschätzen wie sie es selber einrichten.
Und ich mache denn Rest wie zu Beispiel 8 Büros, 8 Wohnzimmer, 1 Küchen mit Theke und Stühlen, 8 Badezimmer, 8 Gaderobe, 8 Chilleecke, 1 Keller und 1 Garten, 1 Musikraum, 8 Schränke. Sofa, Tische, Anken, Bilder, Laptops, Handys, Ladegeräte, Sticks, Mehrfachstecke, Mikrofons, Touch Pads mit Stender, Bilderrahmen, Erinnerungsbilder.

Auf dem Foto: Yevgen Golubentev

Was man kann

Nora Fiedler, diktiert

Badezimmer und Toilette
Darüber kann ich dir richtig viel erzählen, richtig derbe viel. Am besten erst mal über den Klo. Im Klo hängt so ein Duft-Tab, zum Beispiel Zitrone oder Frühlingsfrische, Männerduft. Klopapier mit Mustern, zum Beispiel mit Herzchen oder mit Federn oder Klopapier mit Duft, zum Beispiel Minzblätter oder Lavendel. Im Klo ist wichtig, dass es gut riecht, und dass auch mein Verlobter drauf sitzen kann. Mir ist es auf jeden Fall wichtig, dass der Badezimmer sauber ist oder wird. Das macht man mit Betreuern zusammen oder man fragt, ob man Hilfe braucht. Mein Verlobter macht alles selber. Zum Beispiel mit Badezimmerreiniger, Putzmitteln. Auf jeden Fall wenn man das ganze Badezimmer putzen will, fangt man mit dem Waschbecken an. Erst den Waschbecken und danach brauche ich Hilfe mit dem Klo. Mit dem Klo benutzt man ein anderen Putzmittel. Ob ich das nicht verwechsel, deshalb brauche ich Hilfe.

Angela Fritzen, diktiert

Thema: Alleine wohnen
Was muss man können, um alleine zu wohnen?
Ich wohne noch alleine mit meiner Eltern zusammen. Wir haben das Haus selbst gebaut. Das Haus ist sehr lang gemacht. Da war ich noch klein mit meiner Schwester. Wie noch nie lebhaft zu sein. Genau in meinem Jahrgang haben wir das Haus gebaut.
Ich würde auch in betreutes Wohnen gehen, auch in Siegburg. Wir hatten nur keinen Termin gehabt. Da kann ich mit der 66 fahren, bis dahin und kucke das betreute Wohnen an. Die betreutes Wohnen muss ich erstmal anschauen, wie es so eingerichtet ist. Und das Haus kenne ich, von betreutes Wohnen. Mit meiner Kollegen aus der Musikschule, da war ich mal gewesen und habe die Kristines getroffen. Die hat mal da gewohnt. Da haben wir gemeinsam gespielt, Musik gemacht.
Also wenn ich alleine wohne, würde ich zur Musikschule fahren, zu Saxophon zu spielen und anschließend morgens früh würde ich mit der 66 nach Oberkassel fahren, nach Altenheim zu fahren. Kann ich direkt durchfahren.

Was davon kannst du schon?
Also ich kann reiten, dann geh ich noch im Altenheim zum Rückensport. Ich kann selbst Kaffee kochen. Ich kann am Computer, am Laptop. Alleine zum Arzt gehen. Alleine zum Zahnarzt gehen. Alleine einkaufen gehen. Ich kann alleine die Spülmaschine ausräumen. Was ich nicht so gut kann, ist Geld ausgeben. Ich kann zum Ohrenkuss hinfahren. Tischtennis kann ich auch, aber im Verein nicht. Und ich geh Mittwoch zur Musikschule, Saxophon zu spielen, alleine. Ich kann Zimmer aufräumen.

Was davon kannst du noch nicht?
Ich kann nicht mit dem Geld ausgeben. Ich kann nicht keine Kinder kriegen. Ich darf das nicht. Ich kann nicht so einzuschlafen. Autofahren darf ich nicht und kann ich nicht. Ich darf keine Roller fahren.

Björn Langenfeld, diktiert

Thema: Alleine wohnen
Was muss man können, um alleine zu wohnen?
Ich wohne jetzt in Siegburg. Bis jetzt acht Jahre schon. Alleine ich wohne. Mache ich putzen, saugen, Wäsche waschen. Dann mache ich die Einkaufen, kochen. Ich hab ein Bett, Couch, Badezimmer.

Was davon kannst du schon?
Alleine mach ich Wohnung machen, mache ich Kaffee kochen, Bett machen. Dann mache ich Waschen alleine. Dann geh ich alleine Bäcker holen. Waschen auch ganz alleine. Und dann mach ich gerne bügeln. Dann mache ich Zimmer Couch, dann kommt Fernsehen und Radio. Und dann mache ich Schlafzimmer. Alleine saugen und wischen. Dann mache ich alleine kochen. Ordentlich sein. Ein Held.

Was davon kannst du noch nicht?
Ich kann alleine, nicht helfen. Alles alleine.

Auf dem Foto: Anna-Lisa Plettenberg

Und der schöne Rest

Ansgar Peters, diktiert

Kofferpacken
Wenn ich in eine Reise fahre, dann muss ich auf einen Zettel draufschreiben, dass ich meine Unterhose mitnehmen muss. Socken, Badehandtuch, Schwimmhose, Badehose, Jackett, mit Schlips, schicke Hose, gut aussehen. Und alles packe ich in meinen Koffer rein. Und nicht vergessen: meinen Schlafanzug! Sonst muss ich nicht nackt nicht schlafen. Schlafanzug ist immer besser einzupacken. Und was auch noch fehlt, ist Kultursachen zu packen, meine Schlagzeugsachen und meine Stöcke und natürlich auch Handtücher, das braucht man alles für die Reise mitzunehmen. Und dann, wenn der Koffer schon voll ist, dann bin ich fröhlich. Proviant mitnehmen, was zum Trinken, vielleicht eine Tüte Chips und Cola oder nehme ich meine Nudeln mit. Das Problem, ich habe eine Weizenallergie und in Hotel müssen auch wissen, dass ich das habe.
Wichtig ist, natürlich, Kondome muss ich mitnehmen.

Macht ihr Morgengymnastik?

Johanna von Schönfeld: Solche freche Antworten wird ich nicht beantworten. Diese Morgengymnastik machen nur alte und junge Menschen, aber ich nicht. Da hab ich keine Zeit für.

Was wollen wir machen?

Paul Spitzeck: Ich möchte so sein, wie die 46-Chromosome, weil ich fühle mich so. Meine Eltern haben mir das so erklärt, dass ich eigentlich nicht das Down-Syndrom habe, aber die Natur hat mir das gegeben. Das hab ich so lang in mein Herzen, bis ich das hier hin geschafft habe zu Ohrenkuss, das muss mal raus.



… mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch …

Ohrenkuss …da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit fast 20 Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich – mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen – der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
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Fotos: Britt Schilling, www.brittschilling.de
Text und Fotos © Ohrenkuss