Biofach 2018

BioFach 2018 – Bericht

 

Ein Heuschrecke-Bericht über die BioFach und TOSF-Konferenz

 

Unser Biofach-Stand in vollem Glanz

 

 

Leitthemen

 

Diese BioFach-Messe (die 29ste, wir waren auf fast allen dabei) war ein kleines bisschen anders. Es ging weniger um noch ein neues Convenience-Bioprodukt, noch eine Innovation, sondern um Zukunft. Die neue, junge Bio-Generation war Thema, z.B. Start-Ups, Trainee-Manifest, oder die zweite Generation, die jetzt gerade die Betriebe der Eltern übernimmt. Zweites Leitthema war die Saatgut- und Tierzuchtforschung.

Im weltweiten Wettlauf um Rohstoffe und Lebensmittelumsatz ist deutlich ein Umbruchpunkt für die altbekannte Biobewegung erkennbar: Schafft die Bio-Branche es, ihr Leitbild für eine gesunde Umwelt für alle – ohne Pestizide – weiterhin mit Kraft zu durchzusetzen? Oder sind die Regierungen, die an den Stellschrauben sitzen, durch die vielen anderen Probleme so getrieben, dass es ein Roll-Back im Umweltschutz gibt – so scheint es jedenfalls zur Zeit.

 

Neuprodukt 1: Eine mildere Chili aus Tansania
Neuprodukt 2: Extrem scharfe Bird’s Eye – Chili aus Uganda

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BioFach und Politik

 

Kurz vor der Messe hatte der amtierende Bundeslandwirtschaftsminister die Weiterzulassung des prominentesten Ackergiftes Glyphosat ermöglicht (siehe auch unsere kleine Twitterkampagne – wir berichteten).

Auf der BioFach durften wir unsere NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze-Föcking kennenlernen, die aus der konventionellen Tiermast-Landwirtschaft kommt (Westfalen – Gülleland), eine zugewandte und freundliche Politikerin, die hoffentlich durch die BioFach-Messe einen besseren Zugang zur ökologischen Landwirtschaft gewinnt.

Bioland-Chef Plagge forderte passend auf der Messe von der Politik ein bundesweites Kataster für Pestizidbelastungen. Wir würden ergänzen: europaweit. Die unverschuldeten Pestizidkontaminationen aus der konventionellen Agroindustrie bedeuten für viele Bio-Rohstoffe die Deklassifizierung. Die neue Bioverordnung ist so angelegt, dass das Problem durch Meldepflicht geringster Kontaminationsspuren und direkter Sperrung eher verschärft wird. Während Pestizide weiter boomen, wird der Bio-Anbau oder die biozertifizierte Wildsammlung immer mehr zum Risiko für die Bauern.

Jetzt noch mal von Beginn.

Für uns beginnt die Messe bereits Montags mit dem Standaufbau.

Dienstags findet dann traditionell unsere Konferenz „Trust Organic Small Farmers“ (TOSF) statt. TOSF ist eine Initiative von Kleinbauernprojekten aus z.Zt. Indien (PDS, TPI), Sri Lanka (SOFA) und Südafrika (Wupperthal Cooperative), sowie gleichgesinnten Importeuren und Händlern aus verschiedenen Ländern. Den größten Teil der Konferenz nimmt ein Sharing ein: Jedes Projekt und Unternehmen erzählt aus dem vergangenen Jahr, über Neuerungen, Änderungen, und auch über Probleme aller Art. Die Offenheit und das Vertrauensverhältnis in dieser Gruppe ist in dieser Hinsicht wirklich etwas Besonderes und eine Chance.

 

Teefelder nach mehrmonatigem Streik in Darjeeling 2017
Gautam schreibt: “In these pictures what you see are weeds that have overtaken the tea fields. So whatever overgrowth or green matter you see in these pictures has tea bushes underneath.”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „Trust Organic Small Farmers” – Konferenz

 

Von Links: Unsere französischen Kolleginnen Arlette und Aurelie, Father Jilson (PDS), Praveen, Ashwini und Gautam (TPI),

 

Dieses Jahr war es die 12. Konferenz. Ging es in den ersten Jahren noch darum, Kleinbauernprojekte überhaupt erst bekannter zu machen, nahmen uns die Weltagrarberichte Nr.1 und Nr.2, sowie der Welthungerbericht dann diese Arbeit ab. Diese wissenschaftlichen Berichte zeigen, dass die zukünftige Welternährung nur durch Bio-Kleinbauernlandwirtschaft gesichert wird, denn die Agro-Industrie wird langfristig die Ressourcen Land und Wasser eher zerstören um kurzfristig Profite einzufahren. Die Kosten werden sozialisiert und künftige Generationen daran zu tragen haben.

Wupperthal Original Rooibush Cooperative: Salome aus dem Vorstand mit einer jungen Kollegin, und Berater Bennie

Ab ca. 2013 wurde mit feineren Labormethoden erstmals das Ausmaß der Umweltverseuchung durch Pestizide und weitere Stoffe (z.B. MOSH/MOAH) sichtbar. Manche Stoffe wie Glyphosat konnten erst ab da standardmäßig überhaupt erfasst werden.

Die unbeabsichtigten Pestizidkontaminationen bei Bio-Ware war auf vielen und auch dieser Konferenz ein großes Thema. Seit der Konferenz 2015 können die Projekte konkret über die Auswirkungen des Klimawandels berichten. Die Temperaturkurven des Tages verschieben sich, was neue Pilzkrankheiten mit sich bringt. Die Erntezeitpunkte fallen plötzlich in den Monsun, auch das ist gefährlich für die Qualität der Ware. In anderen Ländern bringt die Trockenheit die langjährigen Sträucher zum Absterben, so bei

Ritual: Nach der Eröffnungsrede der Chairwoman (Ursula) folgt das Sharing:
Von Links: Gautam (TPI, Indien), HeiDi und Ursula (Heuschrecke), Sunil (PDS, Indien), Bernard (Präsident SOFA, Sri Lanka), Claudio (Altromercato, Italien)

Rooibusch oder auch bei Tee – ein Anblick, der einem die Tränen in die Augen treiben kann. Im konventionellen Umfeld wird dann z.T. wie verrückt gespritzt, um der neuen Bedingungen Herr zu werden, das driftet wiederum verstärkt in die Ökofelder.

Unsere Projektpartner wünschen sich mehr Forschung für natürliche Pflanzenschutzmittel, die in der Biolandwirtschaft eingesetzt werden können. Letzten Endes würde das allen nutzen (he, Bayer, Paradigmenwechsel …).

Das andere Thema, was die Kleinbauernprojekte bewegt, ist der fehlende Nachwuchs. Die jungen Leute zieht es in die Stadt. Wie überall auf der Welt hat der Beruf Bauer viel zu wenig Wertschätzung. Ein größerer Teil der Investitionen geht daher in Schulungen und fachliche Begleitung der Mitglieds-Bauern.

Jormon von PDS aus Indien , und Frederica aus Südafrika – beide sorgen dafür, dass die Container gut bei uns ankommen.

Gautam von TPI (Darjeeling-Tee) berichtet noch einmal über die Auswirkungen des Streiks. Es war im Grunde ein Drama: Die Gurkhas waren nach 6 Monaten politischen Streiks, ohne jegliche Einkünfte, regelrecht ausgehungert. Das politische Problem ist leider nicht gelöst. Die Teefelder verwandelten sich in einen Dschungel, und es brauchte mehrere Monate, die Felder wieder zu bearbeiten, das Unkraut herauszuhacken und die Teesträucher – fast Bäume jetzt – in mehreren Stufen wieder zu beschneiden. Für die Pflanzen war es wohl die längste Ruhepause ihres Lebens, es gab 2017 nur 10% Ernte, der Streik hatte tragischerweise keine Ergebnisse, und so brodelt es weiter in Darjeeling. Die Ernte 2018 wird ebenfalls noch knapp und deutlich teurer ausfallen.

In einer lebhaften Diskussion wurde die Zukunft von Kleinbauernprojekten eher skeptisch gesehen. Der politische Wille, diese kleinteilige Art von Landwirtschaft wirklich zu erhalten, fehlt sowohl in Europa, als auch in anderen Erdteilen. Typischer ist, wie Gautam konstatierte, ein besorgniserregendes Level an Konzentration auf der ganzen Welt, nur ein aktuelles Beispiel: Whole Food und Amazon.

 

 

 

 

 

Die Messe

 

Eins dieser interessanten Zusammentreffen : Severijn von Het blauwe Huis in Holland, unsere NRW – Landwirtschaftsministerin Schulze -Föcking, wir von der Heuschrecke, und unser Vanillepartner aus Madagaskar.

 

 

Mittwoch dann der Messe-Beginn. Dienstag noch Baustelle, erscheinen Hallen, Stände und Menschen nun in strahlendem Glanz. Samstag Abend ist innerhalb von 15 Minuten der Glamour wieder rückabgewickelt … jedes Mal ein Faszinosum.

Als Neuheit stellten wir ein kleines Chili-Programm vor, in 2 verschiedenen Schärfegraden jeweils Chili ganz, Chili crushed, und Cayenne gemahlen. Bei Pfeffer gibt es ja schon längst ein ausgefeiltes Spezialitäten-Programm. Wir möchten nun gerne im Chili-Sortiment auch mehr in die Tiefe gehen.

Messe-Begegnung: Guszti und Werner. Beide sorgen dafür dass wir unseren hervorragenden ungarischen Paprika bekommen.

Außerdem gab es neue Tees bei uns, darunter endlich Stevia-Blatttee, der erst seit gut einem halben Jahr erlaubt ist (Novel-Food-Bürokratie).

Die BioFach-Messe hat für uns immer etwas Festliches. Wir treffen natürlich unsere Kunden und sprechen nicht nur über Ökobusiness – manche kennen wir bisher nur vom Telefon. Es wird philosophiert, politisiert und rumgesponnen.

Unsere Lieferanten kommen z.T. über 10.000km angereist, auch eine Freude, sie zu sehen. Viel geht um Vernetzung: A und B zusammenzubringen und etwas sinnvoll Neues daraus erwachsen zu lassen. Es gibt manchmal schon sehr verrückte Situationen, wenn am Stand zufällig Menschen zusammentreffen, die sonst nie im Leben zusammenkämen.

Dieses Jahr war es nach unserem Eindruck die erste BioFach, wo wir mehr Englisch als Deutsch gesprochen haben, und etwa 50:50 Lieferantenanfragen und Kundenanfragen betreut haben. Es gab schon immer die Scharen von allen möglichen Verkäufern, die zwischen den Kunden Zeit erhaschen wollen – dieses Jahr war es noch mehr, auch Bauern sind dabei. In manchen Jahren spiegeln die Bauernanfragen die politischen Situationen wieder – vor ca. 4 Jahren waren es auffallend viele portugiesische junge Menschen, die aus den Städten zurück auf das Land der Vorfahren wollten. Auf der Messe möchten sie herausbekommen, welche Kräuter oder Gewürze gerade gefragt sind. Im Folgejahr waren es junge Griechen. Dieses Jahr einige aus dem Hunsrück (vielleicht bekommen wir in ein/zwei Jahren Cannabistee aus dem Hunsrück). In diesen Gesprächen warnen wir mittlerweile davor, einfach etwas nach Mode-Wellen anzubauen. Das wichtigste ist, herauszubekommen, was auf dem eigenen Boden gut (traditionell) und sicher wächst. Sonst scheitert das Neubauernprojekt nach wenigen Jahren.

Eine schöne Innovation: Orangenwein, zufällig gefunden.

Es ist gut, dass auch die Kontrollstellen (und Labore) auf den Messen vertreten sind. Dann ist z.B. eine Konferenz wegen unverschuldeter kontaminierter Mate mit Glyphosat (Klimawandel-Problem, Wald-Raubbau, konv. Monokulturen) zwischen unserer Kontrollstelle, der argentinischen Kontrollstelle, uns und dem argentinischen Anbauer möglich. Es gibt natürlich formale Wege, die Monate und Monate dauern, um die Bio-Qualität trotz Kontamination zu bestätigen, aber auch viele Fallstricke, um sich im Bürokratiedschungel aufzuhängen. Doch letztes Endes darf nach bisheriger Gesetzgebung ein Bioprodukt nicht seine Anerkennung verlieren, wenn der Bauer keine Fehler gemacht hat. Die persönlichen Gespräche bauen zumindest die kulturellen Hürden ab, was nicht zu unterschätzen ist.

Die interessantesten Produkte dieses Jahr auf der Messe – unsere kleine Heuschrecke – Auswahl:

  1. Orangenwein aus Katalonien, professionell gekeltert aus Orangen. Riecht wie ein frischer Sommerweißwein, und schmeckt erst im Abgang nach Orangen, sehr fein beschwingt. Also wirklich ein Wein.

  2. Eine schwarze Cardamom-Varietät aus Vietnam, eine Sorte groß wie eine große Muskatnuss und auch so glatt – zum Verwechseln. Im Geschmack fast parfümartig aromatisch mit einer interessanten, spritzigen Schärfe.

 

Messe-Ende: Glanz und Gloria für dieses Mal vorbei.

 

 

Die Messe – Abende

 

Mittwochs abends ist immer der große Empfang des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), unserem Branchenverband. Hier treffen wir die anderen Verbandsmitglieder, andere Bio-Verbände und auch Politiker sind dort eingeladen. Manche Menschen kennt man seit 40 Jahren …

Donnerstags findet ein langer Abend der Messe statt. Unternehmen aller Nationalitäten laden zur Stand-Party ein, ein Flanieren durch die Hallen, sogar mit Tanz bei sehr lauter Live-Musik.
Freitag abends haben wir einen fast historisch zu nennenden Termin. Wir gehen immer zum gleichen Italiener essen, mit unseren Freunden von den Kräuterbetrieben Het Blauwe Huis aus Holland und Herbier du Diois, gegründet vom Amsterdamer Ton Vink in Frankreich. Vor über 35 Jahren fing unsere Zusammenarbeit mit diesen beiden Betrieben an.

Am Samstag gibt es seit 3 Jahren eine neue Tradition: nach dem Messe-Abbau chillen wir gemeinsam mit unseren Kleinbauernpartnern von TOSF beim Thailänder. Es kommen 4 Kontinente und 5-6 Länder am Tisch zusammen. Jecke Gespräche kommen in dieser Runde auf, dieses Jahr über Darwins Evolutionstheorie (ein Bauernberater outet sich als Kreationist – schwerer Posttruth-Tobak mit unserem limitiertem Englisch-Wortschatz …) und extraterrestrischem Leben, über die Relativitätstheorie und der Unendlichkeitszahl Pi, die beide zuerst in Indien entdeckt worden sein sollen … ein entspannt-angeregter Messeausklang.

 

Chillen nach der Messe in trauter Runde mit unseren Trust Organic Small Farmers Kollegen.

 

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

 

Joshuas Gewürzreise: Koriander Samen

Koriander-Samen: Ein absoluter Alleskönner

 

Koriander Samen sind ein wahnsinnig vielseitiges Gewürz. Hauptsächlich eingesetzt in der indischen und der nordafrikanischen Küche kam dieses südliche Gewürz durch die Römer auch in unsere Bauerngärten. In einem Linsencurry, in einer Fischsuppe oder sogar in Backwaren, es findet seinen Weg in die verschiedensten Gerichte. Doch wie schmeckt es eigentlich alleine? Meistens ist es in einem wilden, hocharomatischen Gewürzwust, wie z.B. Garam Masala untergebracht. Das gilt es dieses Mal herauszufinden.

So viel vorab: Der Geschmack wird als zitronige, und doch warme, nussige Note beschrieben. Es kann so in süßen Desserts mit Obst fast wie Zimt eingesetzt werden, oder in herzhaften Eintöpfen als eine angenehme Grundlage. Doch es ist in den meisten Rezepten einfach da, eine gute Basis, die man nicht vermissen möchte. Es kann zu quasi jedem Essen beigegeben werden und ist nicht fehl am Platz, denn es ist sehr vielseitig, kann sich anschmiegen, Lücken füllen. Es kann gemahlen eingesetzt werden, oder wie Pfefferkörner ganz mitgekocht werden. Doch wenn man zu viel benutzt, dann weiß man es – Dazu später mehr.

Klare Sache: Koriandersamen kann man gemahlen kaufen. Doch legt man Wert auf ein volles Aroma, führt kein Weg am frisch Mahlen vorbei. Ebenso wenig am Anrösten. Die Hitze lässt das Aroma erst richtig zur Geltung kommen, verbreitet es im Haus und hoffentlich im Gericht.

 

Zum Foto: Wir haben den dunkleren und aromatischeren Winterkoriander vom Bioland-Kräuterbauern Alfred Hamman (Koriander ist oft heller (Ägypten) und weniger aromatisch als unserer)

 

 

Ein Umweg in die Ideenfindung der Koriander-Rezepte

Der nächste Absatz ist eine Hintergrundgeschichte, die für die Rezepte nicht relevant ist. Da die meisten Rezept-Blogs mittlerweile so aufgebaut sind und mich das stört, werde ich einfach die Option geben, das ganze zu überspringen.

 

Und doch will es aufgeschrieben werden.

Koriander hat bei mir eine Weile gedauert. In letzter Zeit bin ich großer Fan dieses feinen und doch manchmal recht dominanten Gewürzes. In diversen Linsen- oder Bohnenrezepten, zu Pfannengerichten, für mich gehört Koriander häufig dazu. Doch jetzt, wo ich mit Koriander kochen und ihn zur Schau stellen will, konnten mich meine Gerichte nicht zufrieden stellen – Was mich nur umso mehr gestört hat.

Normalerweise habe ich, bevor ich überhaupt anfange, schon eine ziemlich genaue Vorstellung, in Bezug auf die Zutatenliste und den Geschmack. Mein Ziel in diesem Format ist es, die Gewürze gut zur Schau zu stellen. Das bedeutet, dass hier nicht unbedingt die klassischen Gerichten auftauchen, sondern manchmal reduzierte Rezepte, Rezepte mit Zugabe eines sonst untypischen Gewürzes oder Rezepte, die mit dem Gewürz spannend – wenn auch nicht alltagstauglich – werden. So soll veranschaulicht werden, wie das Gewürz tatsächlich schmeckt oder wie man das Gewürz einsetzen kann, um neue Nuancen zu kreieren.

Und bei Koriander war es schwierig. Lange kam mir keine Idee. Mein erster Einfall war ein Karotten-Kuchen mit Koriander. Doch am Ende war es nicht das Richtige. Koriander passt gut in Karotten-Kuchen, jedoch nicht in der Menge, dass man ihn klar herausschmeckt.

 

Das Resultat: Für ca. 1 Kg Masse sind mir 2 EL hier zu viel Koriander. Der nächste Einfall war ein Mung Daal / Moong Dal – ein Bohnenrezept mit gelben Mung-Bohnen. Auch hier gehört klassisch Koriander rein – klar. Doch auch hier war ich nicht überzeugt. Klar – lecker, aber zu klassisch. Nach meinen Ansprüchen nicht für dieses Format – zumindest nicht dieses Mal. Das nächste war ein halbwarmer Tomatensalat – einer meiner Favoriten. Weil ich ihn so gerne mag, werde ich auch das Rezept aufschreiben, weiter unten. Doch am Ende des Tages, obwohl ich drei Rezepte hatte, hatte ich nicht das Gefühl fertig zu sein. Also habe ich überlegt, herumgeschaut, bis mir dann die Idee kam. Saisonalität – Eigentlich ein so zentraler Punkt in der Küche, hab ich es doch in diesem Rahmen oft außer Acht gelassen. Und so, nach einem weiteren Einkauf, hab ich wieder Inspiration und Lust gefunden und nochmal von vorne angefangen.

 

 

Ende des langen Textes. Kurzform: Manchmal braucht es 2 Versuche und ein neue Perspektiven.

 

 

 

Zu den Rezepten

 

Erstmal ein paar Koriandersamen rösten und frisch mahlen, denn jetzt wird gekocht. Es gibt ein interessantes Getränk, dass man einmal ausprobieren sollte: Koriander-Ingwer-“Kaffee” (Sukku Coffee). Dazu wird Wasser aufgekocht, 1 EL Koriandersamen und ein Stück kleingeschnittenen Ingwer hinzugegeben und für 3 Minuten kochen gelassen. Das ganze wird dann abgesiebt und traditionell mit viel Zucker getrunken. Ich habe es in Milch kochen lassen. So entsteht ein sehr aromatischen Getränk, das leicht süßlich, fein aromatisch und angenehm wärmend ist. Für die kalten Tage eine interessante Alternative zu Kakao. Jetzt aber essen – ich habe schon Hunger.

 

Warmer Topinambur Apfel Salat

 

 

Topinambur ist manchmal so unzugänglich, wie die Schreibweise es vermuten lässt. Manche mischen es gerne unter Kartoffeln, doch ähnlich wie Selleriepüree, ist mir das zu intensiv für die Kartoffeln. ABER – mit Koriander lebt es in einer aromatischen Harmonie. Die Äpfel und Frühlingszwiebeln bieten den notwendige Kontrast, sodass ein wirklich runder Geschmack entsteht.

 

Zutaten:

  • 200g Topinambur
  • 200g Apfel
  • 1 TL Koriandersamen
  • Saft einer Orange
  • 1/2 TL gemahlene Koriandersamen
  • 1/3 Frühlingszwiebel
  • Gehackte Nüsse (Mandeln, Haselnüsse, etc)
  • Salz, Olivenöl, Butter, Essig, Pfeffer

 

In einer Pfanne auf mittlerer Hitze die Butter zerlassen und die ganzen Koriandersamen hinzugeben. Für Bonuspunkte und mit echter Butter kann man hier die Butter zu brauner Butter werden lassen, um einen angenehm nussigen Geschmack zu entwickeln. Während die Butter erhitzt und die Koriandersamen die Butter aromatisieren, wird der Topinambur geschält und in dünne Scheiben geschnitten. Dann die Scheiben in die warme Pfanne geben und bei mittlerer Hitze andünsten. In der Zeit den Apfel in gleichdicke dünne Scheiben schneiden und in einer kleinen Schale das Dressing anrühren. Dazu 3 EL Olivenöl mit dem Orangensaft, dem gemahlenen Koriander, Salz, Pfeffer und ein wenig hellem Essig anrühren. Es soll süßlich bleiben, also nicht zu viel Essig, ca. 1/2 EL.

Den Topinambur, dem schon ganz warm geworden ist, wenden. Das Ziel ist kein angerösteter, sondern lediglich warmer, etwas weicher gewordener Topinambur. Das ganze dauert so ca. 5 Minuten.

Dann gehts auf zum Servieren: Die Scheiben abwechselnd, aufeinander oder wie das eigene kreative Auge es gerade möchte auf einem Teller garnieren. Einzelne Samen können gerne auch auf den Teller. Dann das fertige Werk mit Dressing beträufeln und mit ein paar gehackten Nüssen bestreuen. Zu guter Letzt ein paar fein geschnittene Frühlingszwiebeln und schnell servieren.

 

Aromatisierter Kartoffelbrei

 

 

Meine Liebe zu Kartoffelbrei ist kein Geheimnis. Sollte mal etwas Abwechslung von klassischem Kartoffelbrei gefragt sein, ist es eine wunderbare Idee, dem fertigen Brei aromatische Zutaten unterzumischen, um weitere Dimensionen in das fluffige Wolkengericht zu bringen. In letzter Zeit ist eine meiner Liebingskombinationen aus Gewürzen Koriander und Oregano. Diese Mischung sollte auch ihren Weg in diesen Blog finden, und diese Rezept bietet dafür eine fantastische Möglichkeit.

Die Zubereitung von Kartoffelbrei werde ich hier nicht nochmal ausführen. Ich bitte einfach darum, Euer/Ihr Bestes zu geben und das eigene Lieblingsrezept zu verfolgen.

 

Zutaten:

  • Kartoffelbrei (Sehr lecker)
  • 200g Pilze
  • 200g Lauch
  • 1.5 TL Koriandersamen
  • 1 TL Oregano
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 Schuss Weißwein
  • 1 EL Sojasauce
  • Salz, Pfeffer, Olivenöl
  • Das optional, doch eigentlich obligatorische Ei

 

Während der Kartoffelbrei zubereitet wird, Olivenöl in der Pfanne erhitzen und die Pilze in Scheiben darin anbraten. Hohe Hitze bitte, denn Pilze haben viel Wasser, sollen aber trotzdem angebraten werden. Nach 5 Minuten in Scheiben geschnittenen Lauch und eine gehackte Zehe Knoblauch dazu geben und die Hitze etwas reduzieren. Nach weiteren 3-4 Minuten nun das Tomatenmark in die Pfanne geben und leicht anrösten. Jetzt die Gewürze hineinstreuen, alles vermengen und für 1-2 weitere Minuten anbraten lassen. Mit dem Schuss Weißwein, am besten nicht zu sauer und einem EL Sojasauce ablöschen. Die Pfanne dabei von all den guten angebrannten Stücken befreien – die sollen auch in den Brei. Die Pfanne vom Herd nehmen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Ist der Kartoffelbrei fertig, ist der Zeitpunkt gekommen um ein gutes Spiegelei zuzubereiten. Währenddessen die Aromamischung vorsichtig unter den Brei heben. Es soll keine perfekte Masse werden, das Püree soll von der Mischung durchzogen sein. Mit dem Ei servieren und essen, bevor es kalt wird, bitte.

 

Mango-Käseküchlein

 

 

Und schon ist wieder Dessert-Zeit. Und Zeit sich von der Saisonalen Küche wieder zu verabschieden.

Wie bereits angesprochen, eignet sich auch hier der Koriander um die klassischen Rezepte zu unterstützen. Gerade mit Zitronenschale und Zucker kommen die Samen gut zur Geltung und sorgen für eine aromatische Komponente, die man sonst kaum im Käsekuchen erwartet.

 

Zutaten:

  • 500g Joghurt
  • 2 Eier
  • 2 EL Zucker
  • 1 TL, wer sich traut, sogar 2 TL gemahlenen Koriander
  • 3 EL Mangopüree
  • 2-3 EL Speisestärke
  • 2 fein gehackte größere Stücke Zitronenschale
  • Saft einer großen, halben Orange
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Vanille

 

Zum Koriander: Ich habe 6 verschiedene Tests gemacht. 1 TL Koriander ist gut, 2 TL Koriander ebenso, schmeckt bloß mehr nach Koriander. Natürlich dementsprechend alles dazwischen. Hier kann gerne selber etwas variiert werden.

In einer Schüssel alle Zutaten gut vermengen und für 2-3 Minuten leicht cremig schlagen. In der Zeit kann der Backofen auf 180 Grad erhitzen. Jetzt hat man die Wahl, ob man kleine Küchlein, einen größeren, oder meinetwegen Minidinosaurier aus der Masse gießen möchte. Ich entschied mich, Muffinformen zu benutzen, da ich in letzter Zeit großer Freund von kleinen Formen bin. Die einfetten und mit ein bisschen Zucker und Speisestärke bestäuben, dass sich die kleinen Kuchen später gut lösen. Nun abhängig von der Form der Wahl den Käsekuchen fertig backen. Er soll fest werden, das kann man gut mit einem Finger überprüfen.

Super Tipp: Wer nicht so ungeduldig ist wie ich, der sollte den Backofen kurz vorher ausmachen und den Kuchen im Backofen abkühlen lassen. Sonst fällt er zusammen und man muss ihn im Glas anrichten. Sieht zwar auch gut aus, ist aber bloß ein lahmer Trick.

Falls man nicht die Geduld einer lauernden Katze hat, gibt man die eingefallenen Küchlein abwechselnd mit ein bisschen extra Mangopürree in ein Glas und bestäubt das Ganze mit einer kleinen Prise Cayennepfeffer und Kokosraspeln. Für ein bisschen Farbkontrast können entweder Korianderblätter oder Minzblätter sorgen, die gerne mitverzehrt werden können.

 

 

Bonusrezepte

 

 
 
Mini-Bonus Rezept: Warmer Tomaten-Zwiebel Salat

Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich das Rezept nicht schonmal geschrieben habe. Gefühlt ja, aber vielleicht bilde ich mir das nur ein. Trotzdem eine absolute Empfehlung. Der Koriander untermalt die warmen, süßen Geschmäcker von Tomate und Zwiebeln ganz wunderbar.

2 Zwiebeln, geschnitten mit Olivenöl auf mittlerer Hitze in der Pfanne dünsten. Für gute 10-15 Minuten, ohne sie anbrennen zu lassen. Dann ca. 1/2 EL gemahlenen Koriander dazu. Jetzt kommen die Tomaten dazu, gewürfelt und in Eile, denn sie sollen nicht lange in der Pfanne bleiben. Quasi direkt mit Salz und Pfeffer würzen und mit Balsamico ablöschen. Zum servieren mit gutem Olivenöl abrunden. Schmeckt wunderbar zu frisch getoastetem italienischem Bauernbrot. Auch hier kann noch Oregano dazu gegeben werden, um eine würzigere Kräuternote in das Gericht zu bringen.

 

Himalaya-“Ketchup”

Dieses Rezept habe ich mehr oder weniger zufällig gefunden. Es ist nicht meins, es hat mir nur gut gefallen und es enthält Koriander. Ich habe es für meinen Geschmack etwas verändert, also lade ich dazu ein, es mir gleich zu tun. 

5cm Stück frischen Kurkuma, 3cm Stück frischen Ingwer und 3 Zehen Knoblauch zerreiben. Mit 1 EL gemahlenen Koriander, 1 EL gem. Kreuzkümmel, 1/2 EL gem. Schwarzkümmel, 1/2 EL gem. Zimt, 1/2 EL Senfsamen, 2 EL Chilipulver und 1 frische Chili in ein wenig Öl anschwitzen und mit 75 mL Apfelessig ablöschen. Wer mag kann hier nochmal ebenso viel Zucker dazugeben, danach war mir aber nicht. Jetzt 2 Dosen gehackte Tomaten hinzugeben und auf kleiner Hitze mindestens 1 Stunde köcheln lassen.

 

 

So. Für mich war das eine Geschichte auf Umwegen. Doch jetzt ist es fertig und ich wünsche einen guten Appetit. Bis bald!

 

 



Mein Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

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