Buchrezension: Achim Priester – Das goldene Birkenzweiglein

geposted in: Ohrenkuss | 1

 

Der Zwerg mit der roten Zipfelmütze

 

In einem fernen Königreich, irgendwo am Meer, begab sich eine kleine Prinzessin, die bestimmt nicht älter war als vier oder fünf, an den Strand eines Meeres und ging dort spazieren. Sie war schon oft mit ihrem Vater dort gewesen und beide saßen dann auf einem Stein, der vom Strand Richtung landeinwärts auf einer kleinen Anhöhe, die man Düne nannte, vereinsamt lag. Von dort aus blickten gar oft König und Prinzessin auf das weite Meer hinaus und lauschten auf die Brandung, wie die Wellen zischend mit weißem Schaum an den Strand gespült wurden. Aber sehr oft hatte der König leider keine Zeit dazu, um dort auf dem Stein zu sitzen und sich das Meer zu betrachten. Schließlich musste so ein König auch sein Land regieren. Da durfte die kleine Elisa, so wurde die Prinzessin gerufen, dann auch alleine an den Strand gehen. Eines Tages traf sie dort einen Zwerg, der sehr traurig war und als Elisa ihn fragte, was er denn habe, antwortete er: „Ach, ich habe meine rote Zipfelmütze verloren und finde sie nicht mehr. Gerne möchte ich sie wieder zurückhaben.“ Elisa beruhigte den traurigen Zwerg wieder und sagte: „Sei nicht traurig, wir werden deine rote Mütze schon wieder finden. Schließlich ist mein Vater König und ein König muss doch alles wissen, da wird er sicherlich wissen, wo deine rote Zipfelmütze abgeblieben ist. Warte hier, bis ich zurück bin. Ich gehe zu ihm hin und werde ihn fragen.“ Gesagt, getan! Elisa ging zum König, erzählte ihre Geschichte und fragte ihn schließlich, wo die rote Zipfelmütze abgeblieben sei. Da antwortete der König schließlich, obwohl er mitten in einer wichtigen Besprechung war: „Hast du schon unter den Stein geguckt, auf dem wir immer sitzen und dabei auf das weite Meer schauen?“ Elisa schüttelte den Kopf und der König antwortete darauf: „Dann tu das bitte!“ Elisa ging wieder zum Strand und beide, sie und der Zwerg, gingen dann zu dem Stein und schauten darunter. Aber dort lag die Zipfelmütze nicht. Da wurde der Zwerg wieder traurig. Aber Elisa ließ es nicht zu, dass der Zwerg wieder mit Weinen anfangen wollte und sagte leise zu sich selbst: „Ich kann es einfach nicht verstehen, dass mein Vater sich geirrt haben sollte. Ein König irrt sich doch nie. Am besten ist es jetzt, ich frage ihn zum zweiten Mal.“ Dann wandte sie sich wieder dem Zwerg zu: „Sei nicht traurig, ich und mein Vater werden deine rote Zipfelmütze schon wiederfinden.“ Mit diesen Worten rannte sie hastewaskannste wieder zu ihrem Vater und erzählte ihm alles. „Ei“, sprach der König, „dann wird es wohl am besten sein, wenn ich auch mit zum Strand komme und auch unter diesem Stein mal nachschaue.“  Gesagt, getan!

(S. 32)

 


 

 

 

Das goldene Birkenzweiglein

 

 

 

Buchcover: Achim Priester - Das goldene Birkenzweiglein

 

 

Das Buch ist toll. Ganz einfach, ohne viel drum rum, möchte ich das so sagen. Es berührt, es erzählt, es lehrt und es erfreut.

Das goldene Birkenzweiglein ist ein Buch, das nie geplant war, doch bin ich froh, dass es existiert. Es ist eine Sammlung von kleinen, wirklich schönen Märchen von Achim Priester, die dazu geschrieben wurden, Kinder zu erfreuen. Nun bin ich in manchen Zügen kein Kind mehr, doch hat es auch bei mir gewirkt. Denn obwohl Märchen meist für Kinder geschrieben wurden, können sie auch im Erwachsenenalter noch viel Freude bringen.

Achims Märchen sind auf eine Art sehr einfach: Leicht, kurz und gut verständlich. Sie sind ja auch für Kinder geschrieben. Doch gleichzeitig schafft er es, zu berühren, Dinge zu erzählen, die nicht erwähnt werden und einfach so – Freude zu bringen. Mit jedem neuen Märchen gibt es eine kleine neue Welt, die voll Prinzessinnen, Helden in verschiedenen Kostümen, Musik, Fabeltieren und guten Enden ist. Sie vermitteln ein Gefühl, dass alles in Ordnung ist, spenden Trost, lehren und – was mir dazu noch viel Freude bereitet – geben Einblick in die Gedanken des Autoren.

Märchen erzählen immer mindestens zwei Geschichten: Einmal die offenkundige, tatsächlich geschriebene Geschichte. Dazu kommt die parallel erzählte Aussage über Menschen, oft moralisch oder wertend. Und dann, wenn man Glück hat, und der Autor sich traut, seine Geschichten von Herzen zu schreiben, erfährt man noch etwas über ihn. Und in diesem Fall finde ich, kommt vorallem das durch.

Die Geschichten sind von Herzen geschrieben. Sie sind geschrieben, um Kinder zu erfreuen und sie sind auf eine Art sehr ehrlich. Das kann ich leider gar nicht näher benennen, es ist bloß ein Gefühl, das beim Lesen aufkommt, was mich erfreut und berührt.

Ich möchte gar nicht so viel zu dem Buch schreiben: Es hat fantastische Märchen, die einfach geschrieben sind und doch so viel weiter gehen. Es ist nicht dick und nicht lang, aber es ist sehr wertvoll. Es ist schön aufgemacht, Achim Priesters Geschichte ist schön und ich würde jedem empfehlen, einfach mal ein Blick hinein zu werfen.

Denn das Buch ist genau das, was es sein soll – Ein Märchenbuch, dessen Geschichte auch fast ein Märchen sein könnte.

 

Geschenktipp – von Heuschrecke empfohlen!

 

Achim Priester - Portrait

 


Kurzes über den Autor:

Achim Priester wurde am 19. Juni 1959 in Bonn mit dem Down-Syndrom geboren. Seit dem schreibt er viel, anfangs über alles was er sieht und seit 2013 als Teil der Ohrenkuss-Redaktion. Diese Märchen sind ein ausgewählter Auszug aus den 40 Jahren, die er mittlerweile geschrieben hat.

 

 

Downtown-Werkstatt

Sie wurde von Katja de Bragança und Bärbel Peschka für das Ohrenkuss-Projekt gegründet. Katja de Bragança hat ebenfalls gemeinsam mit Anne Leichtfuß das wissenschaftliche Projekt touchdown21 gegründet (auch faszinierend, als Experten wirken hier natürlich auch Menschen mit Down-Syndrom mit).
Die Downtown-Werkstatt gibt 2x jährlich das Ohrenkuss-Magazin heraus (von AutorInnen mit Down-Syndrom) die wir in unserem Blog regelmäßig vorstellen.

Mehr: Hier

 

Buch: Achim Priester – Das goldene Birkenzweiglein

Hrsg: Bärbel Peschka

ISBN: 978-3-9819294-7-8

Preis: 19,90 EUR

Link zum Buch

 

 

 

Fotos: © Maya Hässig

 


 

 

Joshua Stübner

 

Meine Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen Opens external link in new windowhier.