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Heupd: Hirnforschung anwenderfreundlich

Sprachzentrum verlegt - begehrter Freiraum in Großhirn



Washington heupd | Das Sprachzentrum im menschlichen Hirn befindet sich nach einer 10-jährigen manipulativen Versuchsreihe nun an anderer und besserer Stelle als zuvor.
Forschern des medizinischen Zentrums der Georgetown-University ist es gelungen, das für die Sprache zuständige Wernicke-Zentrum (benannt nach Entdecker Carl Wernicke) um ca. 3cm nach oben zu verlegen. Dabei wurde ein kreisrunder Raum von ca. 3cm Durchmesser im hinteren Großhirn frei.


Dieses leistungsstarke Gebiet mit kompakt-grauer, geistloser Gehirnmasse weckt nun Begehrlichkeiten. Die Forscher der amerikanischen Universität halten es schon bei heutigem Wissenstand für möglich, den freien Bereich optimal zu programmieren. Es sei sogar realistisch, Anschlussbuchsen einpflanzen, sodass auf einfachste Weise Apps ins menschliche Gehirn überspielt werden können - so die Pressemitteilung der Georgetown University.


Die Weltplayer Google, Apple und Facebook bereiten sich seit einiger Zeit schon darauf vor - so ist aus Hackerkreisen zu erfahren - diesbezüglich Rechte zu sichern und Patente anzumelden. So wäre es z.B. denkbar, in die unter dem Arbeitstitel "iBrain" laufende Gehirnregion ein Atomuhrmodul als innere Uhr oder ein spezielles GPS-Tool als unfehlbaren Orientierungssinn einzuspeisen. Als Sahnehäubchen würde es statt Outlook ein neues Inlook-Programm geben, um nie mehr einen Termin zu verpassen. Ein abgeschlossener, nur durch Gedankenpassword zugänglicher Bereich würde idiotensicher die inzwischen unzähligen zu merkenden Kennwörter verwalten.
Die Entwicklungen weiterer Erleichterungen für die Menschheit, so unisono beide Pressesprecher, laufen hinter verschlossenen Türen bereits auf Hochtouren.


Die Lehrbücher müssen nun neu geschrieben werden, verlangt der medizinische Forschungsleiter Josef Rauscheder der Georgetown University. Die bahnbrechende Arbeit an der Großhirnrinde basiere auf insgesamt 115 Studien, bei denen die Hirnaktivität mittels Magnetresonanz, Lasertomographie und Positronen-Emission manipuliert wurde. hg/us








heupd - Pressedienst für unterbliebene und unterdrückte Nachrichten

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Tags: hirnforschung, wernicke zentrum, sprachzentrum, großhirnrinde, app, atomuhr
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Bitte recht freundlich!

Ein kleiner Schritt...

Im Kölner Süden wird fleißig geforscht und entwickelt:
Im Bereich Luftfahrt, Raumfahrt, Energie und Verkehr ermöglichen bundesdeutsche Steuergelder mehr als 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Forschungszentrums der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt (DLR) grundlegende Forschungen und innovative Entwicklungen.
Da wird an effektiveren Solar-Modulen gearbeitet, Luftqualität ermittelt, Material getestet und natürlich auch an Raumfahrtmissionen und Satelliten-Starts teilgenommen. 

Das DLR ist ein modernes Forschungszentrum mit einer sehr fortschrittlichen  Haltung gegenüber neuen Technologien.
Das sieht man auch am sehr gut gemachten Internet-Auftritt mit bildschirm-füllenden Hintergrundbildern und informativem Videomaterial.

Zum 1. März 2012 hat das DLR einen weiteren Schritt in Richtung „Wissen für Alle“ gemacht. Alle Fotos und Videos des Internet-Auftrittes wurden unter die „Creative Commons Licence“ gestellt.
Bild- und Videomaterial, das bisher urheberrechtlich geschützt und alleiniges Eigentum der DLR war, kann ab sofort durch jeden Menschen frei und kostenlos genutzt werden.
Eigentlich folgerichtig, weil das Material durch Steuergelder finanziert wurde.

Ins Rollen kam die Rechte-Änderung schon 2009 durch eine Anfrage eines Mitarbeiters der Wikimedia Deutschland. Das Online-Lexikon Wikipedia wollte gerne die DLR-Fotos verwenden, durfte es aber nicht, weil bisher bei den Bildern vermerkt war: „Copyright by DLR“.
Ab sofort kein Problem mehr.

Die „Creative Commons“ Copyright-Lizenzen geben jedem Künstler, Autor, Musiker oder auch Firmen die Möglichkeit, selber zu entscheiden, wie viel Rechte sie an ihren Werken freigeben möchten. Nicht mehr das „Alle Rechte vorbehalten“-Verbot ist die Zukunft, sondern das deutlich offenere und freiere „Einige Rechte vorbehalten“.
Was Andere mit dem Werk machen können, wird über 6 einfache Lizenzmodule entschieden, die seit 2001 kostenlos durch die Non-Profit-Organisation „Creative Commons“, bereitgestellt werden.
Die lockerste Version verlangt vom Nutzer lediglich die Namensnennung des Urhebers/Rechteinhabers. Darüber hinaus können die Rechte weiter eingeschränkt werden. Zum Beispiel derart, dass das Werk nicht bearbeitet werden darf, oder dass es nicht kommerziell genutzt werden darf. Auch eine Kombination dieser Rechte-Module ist möglich. Mehr hierzu in deutscher Sprache unter
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://de.creativecommons.org/was-ist-cc/

Die DLR hat sich für die freie Version CC-by entschieden.
Und erntet viel Lob in Internet-Kommentaren und in der Presse als Vorreiter und Vorbild.
Die CC-Lizenz bezieht sich auf alle Medien im Online-Auftritt, die bisher der DLR gehörten. Bilder die zusammen mit anderen Agenturen (z.B. ESA, NASA) entstanden, können nicht ohne diese freigegeben werden.
Auch Forschungsergebnisse zählen (noch) nicht zum Commons-Allgemeingut.
 
Auf diesem Gebiet wird sich in den nächsten Jahren viel ändern, da durch die allgegenwärtigen digitalen Kopiermaschinen (vulgo: Computer) viele der althergebrachten Copyright-Vorstellungen nicht mehr durchsetzbar sind.
Die Zukunft muss veraltete Rechtevorstellungen überprüfen und die CC-Lizenzen könnten ein möglicher Lösungsansatz sein.

Das Öffnet externen Link in neuem FensterForschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt hat sich zukunftsweisend entschieden!

Viel Spaß mit den folgenden Beispielen:



Das deutsche GREAT-Instrument (links) ist am so genannten Flansch des Teleskops (blau, im Hintergrund) angebracht.
Quelle: DLR / Thilo Kranz, CC-BY 3.0




Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ist einer der kritischsten Momente eines Raumfahrtprojekts:
Für die ESA-Weltraumkapsel EXPERT haben die DLR-Forscher eine faserkeramische Frontstruktur, die Nasenkappe, entwickelt.
Quelle: DLR.




Nach dem schweren Erdbeben und dem folgenden Tsunami hat die "International Charter Space and Major Disasters" am Morgen des 11. März 2011 alle beteiligten Einrichtungen gebeten, Satellitendaten des Katastrophengebietes zur Verfügung zu stellen. Daran beteiligt ist auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) am DLR-Standort Oberpfaffenhofen.
Quelle: DLR.




Als die D1-Mission 1985 startet, waren Experimente in der Schwerelosigkeit teilweise noch in der Kritik.
Auf dieser Aufnahme sieht man ein schwebendes goldenes Ei an Bord des Spacelab.
In der Oberfläche spiegelt sich der Astronaut Wubbo Ockels.
Quelle: DLR.




Parabolspiegel einer Versuchsanlage auf der Plataforma Solar in Almeria/Spanien.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testet und optimiert auf dem über 100 Hektar großen Gelände verschiedene Hochtemperatur-Solartechnologien unter praxisnahen Bedingungen.
Quelle: DLR.




Auch das vom DLR entwickelte robotische Elektromobil "Robomobil" kommt zum Tag der Luft- und Raumfahrt am 18. September 2011 zum DLR nach Köln.
Quelle: DLR.





Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem    FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

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Heiliger des Monats Oktober: Lukas

18. Oktober: Apostel Lukas




Patron: der Ärzte und Künstler, insbesondere der Maler und Zeichner


"Lukasgilden" nannten sich die Vereinigungen der Kunstmaler und Zeichner in vergangenen Jahrhunderten, und bis heute ist er ihr Patron.
Anlaß für diese besondere Verehrung des Lukas, der ein Evangelium und die Apostelgeschichte verfaßte, ist die schöne Legende, Lukas habe Maria selber in Gemälden portraitiert. Tatsächlich schildert Lukas die Gottesmutter in seinem Evangelium ausführlicher und wohlwollender als alle anderen Quellen. Das eindrucksvolle Magnifikat-Lied (siehe Öffnet externen Link in neuem FensterHeilige des Monats Juli 2011 Mariä Heimsuchung) gibt es sogar nur bei ihm:

"Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan."




Man hat sehr den Eindruck, daß er die Gottesmutter persönlich gekannt und überaus geschätzt hat.


Und die Malerei ? Man weiß eigentlich gar nicht, wann und wie diese Berichte aufkamen, aber schon um 600 nach Christus ist von Marienbildern die Rede, die Lukas angefertigt haben soll. Aus dieser frühen Zeit hat z.B. die Ikone "Maria Fürsprecherin / Maria Advocata" überlebt, die in Rom in einem Kloster der Dominikanerinnen verwahrt wird.


Na ja, sagten die Theologen lange Jahre unisono, Lukas als Pinselschwinger, nette Story, aber leider alles Quatsch. Die Jünger sind in Leinensäcken und Schlappen  durch den Wüstensand geschlurft bzw. mit so besseren Tretbötchen kreuz und quer über den See Genezareth gepest und waren froh, wenn es abends was zu essen gab. Von Malerei - keine Rede, und natürlich sind auch die Evangelien erst sehr sehr spät geschrieben worden und in den Augen der Oberschlauen sowieso halbe Märchen.


In jüngerer Zeit wird an diesem Bild gekratzt. Man fragt sich, ob solche Vorstellungen nicht eher einem kräftigen mitteleuropäischem Größenwahn als biblischer Realität entsprechen ?
Unsere eigenen Vorfahren, ja die sprangen im Bärenfell den wilden Sauen im Walde hinterher - aber Palästina war als Teil des römischen Reiches doch deutlich komfortabler möbliert.


Man nimmt langsam und widerstrebend zur Kenntnis, daß der Grad der Verschriftlichung zur Zeit Jesu umfassend war. Wie heute wurde jeder Blödsinn auf Papier festgehalten, an jeder Ecke kritzelte jemand einen Papyrus voll, Briefe gab es waschkorbweise. Und - die Reden noch des dusseligsten Provinz-Politikers wurden in superschneller Kurzschrift live mitgeschrieben. Warum dann nicht auch die von Jesus, dem Star-Prediger aus Nazareth, dem Straßenfeger, dem wortwörtlich tausende hinterhertrabten ? Muß doch keiner meinen, die Evangelisten hätten eine Taube auf der Schulter gebraucht, die Ihnen was ins Ohr flüstert: die gingen wahrscheinlich einfach zum Pressearchiv.


Na denn, mag sein: aber geknipst wurde doch wohl noch nicht ?! - Wie man es nimmt. Im Nachbarland Ägypten, zu dem allerengste Kontakte bestanden, fanden Schatzgräber vor gut 100 Jahren nahe der auch von zehntausenden Juden bewohnten Stadt Alexandria in einer regenlosen Oase unzählige völlig realistisch und modern gemalte Portraits aus der Zeit Jesu, die man Verstorbenen mit ins Mumienpaket gewickelt hatte. Gemalt in einer Enkaustik genannten Wachsfarbentechnik, in der auch alle frühen Ikonen der Kirche gemalt sind.
Wenn es die Tradition hartnäckig überliefert, warum sollte Lukas also nicht so ein Zeichenfex gewesen sein ? Es spricht erst einmal gar nichts dagegen, daß es Gemälde seiner Hand gab (oder immer noch gibt), für die Maria tatsächlich Modell saß.


So ist das mit Legenden: manche sind einfach poetischer als die Wirklichkeit, aber manchmal ist die Wirklichkeit poetisch und trotzdem ganz real. Wir sollten uns der gelegentlichen Wahrheit der Legenden und Märchen nicht vorschnell verschließen: katholisch sein heißt, mit Geheimnissen leben zu können, den Reichtum jenseits der Grenzen des Offensichtlichen öfter mal zuzulassen.


Legenden bereichern das Leben, befeuert die Phantasie - und tun der ärmlichen Schulbuchwirklichkeit nicht weh, die auf Wikipedia mittlerweile eh alle 5 Minuten umgeschrieben wird ....








Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.








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Tags: lukas, evangelist, pinselschwinger, tretbötchenfahrer, pressezentrum, legenden, wikipedia
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Heiliger des Monats September: Michael

29. September: Erzengel Michael

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).





Schutzpatron: der Deutschen, der Kirche, vieler Berufe

Erzengel Michael in Budapest, Heldenplatz
Am auf Pfingsten folgenden Sonntag gehen die Gottesdienstbesucher der Kirche in Uedelhoven nach der Messe nicht heimwärts, sondern sie marschieren zu einem "Heiligenhäuschen" auf dem nahen "Hausberg" des Eifeler Ortes.


Dieses Dreifaltigkeitskapellchen ist etwas über 100 Jahre alt, und so könnte man hinter diesem Gang eine Frömmigkeitsübung des 19.Jahrhunderts sehen. Nun findet sich aber im Pfarrarchiv ein Vermerk des Pastors Thomae aus der Zeit um 1700, in der er berichtet, daß ihn seine Schäfchen gezwungen hätten, "die Procession uff den Berg zu halten", obwohl er alternativ vorgeschlagen hatte, einfach ein paar mal um die Kirche zu laufen ...
Tatsächlich gehen die Uedelhovener seit über 2.000 Jahren "uff den Berg".


In der guten alten Zeit vor Caesar und seinen rabiaten Legionen hießen die Eifeler noch Treverer und kamen prima alleine klar. Der oberste Himmlische hieß Lenus, wurde auf den Bergen verehrt und war sowohl Kriegs- als auch Heilgott.
Die Römer, in Fremdsprachen etwa so stark wie heute unsere amerikanischen Freunde, nannten ihn Mars - und als die hügeligen Wälder zwischen Trier und Aachen christlich wurden, taufte man den geduldigen Lenus auf Erzengel Michael um. Michael-zwei-Fäuste-für-ein-Halleluja-schlag-den-Teufel, Chef der beflügelten Heerscharen, starker Arm des Herrn: paßte wie Faust auf Auge.



Und so steht man denn auf dem Uedelhovener Michelsberg, im Rücken den Michelsbach, sieht reihum Bergeshöhe an Bergeshöhe, viele nah und fern heißen Michelsberg, und denkt an diesem heiligen Ort an die unglaubliche Macht der lebenden Überlieferung, diesen niemals abgerissenen Strom mündlicher Tradition - der versiegt, der zu einem Ende kommt.
Einen normalen Sonntagsgottesdienst im 3. Jahrtausend besuchen etwa 60 Leute, viele davon nicht aus dem Dorf, Altersdurchschnitt über 70, außer den Meßdienern praktisch keine Kinder oder Jugendliche.
Noch 10 Jahre ? Und die gesammelte Spiritualität eines Ortes ist am Nullpunkt, wegen Reichtum geschlossen, wir sind selber Gott. - "Wer ist wie Gott ?" rief der Engelsfürst dem Teufel als letztes Wort hinterher, "wer ist wie Gott ?"









Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

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Heilige des Monats Mai: Johanna von Orleans

30. Mai: Johanna von Orleans

  • Schutzpatronin Frankreichs, der Telegrafie und des Rundfunks



Es gibt Heilige, die sind so atemberaubend fromm, die kucken kaum aus ihrer Kutte - die sind so lieb, die tragen die Spinnen lebend aus dem Haus in den Garten -  und wirken da so behutsam, daß ihnen das Efeu über die Sandalen wächst - ja ja, so was gibt´s. Geht aber auch anders.


Die kleine Johanna hat schon als Mädchen gewaltige Visionen. Gewalttätige Visionen. Sie spricht mit dem Erzengel Michael, dem Träger des Flammenschwerts, dem schreckenerregenden Anführer der himmlischen Heerscharen. Einer muß Dreinschlagen. Einer muß Gottes Vorsehung die Hand reichen, Gottes Hammer sein, die rächende Hand des Herrn. Eine ?


Vor knapp 600 Jahren tobt in Frankreich ein endloser Krieg. Die Engländer haben einen Großteil des Landes besetzt, Kriegshorden aus ganz Europa foltern, morden, vergewaltigen. Die französischen Großen haben resigniert - oder sich arrangiert. Das Volk leidet entsetzlich.


Mit 16 findet Johanna, daß es Zeit ist. Sie erzählt von ihren Erscheinungen: sie, Johanna, habe von Gott klipp und klar den Auftrag erhalten, den jungen französischen Thronfolger zur Krönung nach Reims zu führen. Dieser werde dann als siegreicher König die Engländer aus dem Land werfen.
Niemand kann das einfache Bauernmädchen aufhalten. Wer mit ihr spricht, ist überzeugt, daß sie eine Gesandte Gottes ist. Krieg ist Männersache, Sache der Adligen, aber Johanna dringt bis zum Thronfolger vor. Dieser stimmt zu, wacht aus seiner Lethargie auf, Johanna ist überwältigend.


Das Mädchen greift sich Pferd, Rüstung und Schwert und erfüllt die Prophezeiungen Wort für Wort. Bei Orléans schlägt sie die Engländer in die Flucht, und schon am 17. Juli 1429 wird in der Kathedrale von Reims aus dem ehedem schlappen Prinzen Karl ein König von Frankreich.


Johanna steht dabei neben dem Altar und bezeichnet ihre Mission als beendet. Sie hätte fest bleiben und ihre Jugend von nun an genießen sollen - aber der König hält sie am Hof und beschäftigt sie mit nur halbherzig unterstützten Militäraktionen. Sie fällt den Engländern in die Hände und wird nach einem Schauprozeß verbrannt, gerade 19, im Wonnemonat Mai.


Nach dem grauenhaften 1. Weltkrieg brauchen die Franzosen Trost, wollen aufgerichtet werden: und so spricht man Johanna heilig, deren Tod fast 500 Jahre zurück liegt, die den 100jährigen Krieg seinem Ende ein gutes Stück näher brachte.


Bei einer ländlichen Feldprozession in den 1920ern segnet der Pastor alle Äcker seiner Eifeler Schäfchen - nur vor den Furchen eines besonders faulen Bauern zuckt seine Hand zurück, spricht sein Mund die Worte: "Hier hilft kein Segnen, hier hilft nur Mist !"
Ebenso gibt es politische Situationen, wo Beten nicht genug ist, wo es anderer Kraftakte bedarf: man hätte Hitler aufhalten können, klar.
Oder anders: eine Kalaschnikow macht noch keinen Heiligen - aber es gibt Heilige mit Kalaschnikow.




Peter Kirwel







Diskussionen im Hintergrund ...

Oft gibt es bei der Übersendung der Heiligengeschichten noch eine kleine Hintergrund-Diskussion, da: "Klar, die Heiligen haben meist (so oder so) exemplarisch gelebt - und sind sehr geeignet, eigene Positionen zu überprüfen."

Oder rühren auch an aktuell politisch heiße Eisen:

"... Paßt ja haargenau zur Erschiessung von Osama bin Laden - die Diskussion, ob man aus gutem Zweck töten darf. Das wird ja zur Zeit kontrovers diskutiert. Theoretisch würde ich immer sagen, man hat nie das Recht, jemanden zu töten, aber praktisch würde ich das in gewissen Fällen auch nicht beurteilen wollen.
Mich würde interessieren, wie die Kirche heute die Heiligsprechung bewertet. Gibt es da was? Aus heutiger Sicht würde sie wahrscheinlich nicht mehr heiliggesprochen, oder?"

"... Ja, genau, das ist eine weite weite Grauzone - und Johanna sicher ein interessantes Beispiel.
Kirchenrechtlich ist die Heiligsprechung der Johanna seinerzeit "hieb- und stichfest" gemacht worden - man hatte ja auch ein paar hundert Jahre Zeit. Da würde ich weiter nichts mehr dazu setzen.
Bei Karl dem Großen hat die Kirche (also doch durchaus flexibel) seinerzeit anders entschieden: den hatte ein deutscher Papst auf Wunsch von Kaiser Friedrich Barbarossa (der war Karl-Fan) heilig gesprochen. Später hat man sich das noch mal angeschaut und gesagt, Karl habe zwar einerseits unendlich viel für die Ausbreitung des Christentums getan, andererseits aber doch so viel Blut an den Händen, das man ihn nicht so ohne weiteres zu den Heiligen zählen könne: und hat die erlaubte Verehrung auf die Stadt Aachen beschränkt (aber der Kaiser Konstantin, auch ein großer Metzger vor dem Herrn, ist in der Ostkirche bis heute ein Heiliger)."








Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.










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