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Ohrenkuss: Menschen! Formen!
Ich bin ein Mensch - Elefantengesichter, Wolfskinder und verlorene Prinzen
Sommerblut-Theaterfestival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater Zürich
Die Ohrenkuss Redaktion hat mal wieder Glück.
Da plant sie das folgende Thema für die Herbstausgabe 2010: "Ich bin ein Mensch".
Und kurz darauf kommt die Anfrage, ob wir über die Theaterproduktion der Aufführung "Menschen! Formen!" ausführlich berichten möchten.
Natürlich haben wir zugesagt.
Das Theater HORA aus Zürich hat das Stück in Köln erarbeitet.
Anlass ist das legendäre Sommerblut-Festival - diesmal mit einer Theaterproduktion, an dem Schauspieler und professionell gecastete Laien mit und ohne eines intellektuellen Handicaps mit von der Partie sind.
Regie führt - Michael Elber.
Vor vielen Jahren durfte die Ohrenkuss-Redaktion im Rahmen einer Theaterprobe in Kaiserslautern mal dabei sein und ein wenig mitmachen.
Da lernten wir Demut: Was so einfach aussieht ist echt schwere Arbeit. Aber die Ohrenkuss-AutorInnen erhielten auch fassungslosen Respekt von den abgebrühten Schweizer Schauspielern: "Wie, das habe die selber geschrieben und dann auch vorgelesen?!" Es stellte sich raus, dass die einen schreiben und lesen können - und die anderen schauspielern und improvisieren. Kompetenz auf allen Seiten!
Im Juni 2007 war Ohrenkuss auf Lesungsreise in Zürich und hatte erneut Gelegenheit HORA zu erleben: Das Herz der Finsternis. Dieses Stück war gut - aber nicht vergleichbar mit der professionellen stundenlangen Dauer-Improvisation in "Der Lust am Scheitern".
Das kann man nun in Köln am Pfingstwochenende nicht erleben - wohl aber das neue Stück "Menschen! Formen!".
Premiere ist am Freitag, 21. Mai um 18:00h.
Wer da zu langsam war und keine Karten mehr bekommen hat - eine zweite und dritte Chance gibt es am 22. und 23. Mai.
Wo?!
Im Freien Werkstatt Theater in Köln.
Dr. Katja de Bragança, Herausgeberin
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom.
Und worum geht es nun in diesem Stück?
Christiane Grieb (Ohrenkuss-Autorin und gleichzeitig Schauspielerin in dem Stück) meint dazu:
Es geht um Elefantenmenschen und verlorene Prinzen und ein Wolfsjunge:
Das Thema ist, dass wir Menschen zusammen gehören und uns normalisieren: Dazu gehören.
Der Wolfsjunge wird zum Prinzen und (mit dem) Elefantenmenschen zu einer Gruppe.
Der Wolfsjung und der Elefantenmensch, beide sind Tiere.
Weil sie in der Freiheit leben.
Sie werden später auch zum Menschen, weil sie dann darüber reden, über die Normalisierung.
Dass sie zusammengehören in einer Gruppe, dass sie nicht mehr auseinander gehen.
Sie haben gemerkt, dass sie doch keine Tiere sind, dass sie Menschen sind.
Dass sie nicht nur tierisch sind, sondern auch menschlich in Gedanken.
"Ich bin kein Tier, ich bin ein menschliches Wesen."
Nein, ich bin kein Tier, weil ich ein Mensch bin: dass ich normal bin, dass ich zu der Gruppe gehöre. Der Außenseiter ist trotzdem ein Mensch, er gehört auch zu der Gruppe.
Angela Fritzen (selber langjährige Saxophonspielerin) äußert sich schon mal zu der Musik und dem Spiel mit den Stimmen und Sprachen:
Zwischen 18 Instrumenten: Blasinstrumente.
Zwischen Gold und Silber.
Instrumenten, die haben verschiedene Instrumenten aufgehangen auf der Leinwand.
Einmal Posaune, Trompete, Horn und Tuba.
Die Töne kann man hell und dunkel blasen.
Die Töne quietschen, die blasen sich an.
Ich finde die Stimmung traurig, von der Musik.
Die haben die Stimme mit Musik gemacht und verschiedene krumme und schiefe Töne kommen da raus.
Mit der Stimme: Die haben verschiedene Stimmen nachgemacht.
Die sprechen mit Englisch (Schweizer Deutsch!) an und das war charmant.
Es gibt verschiedene Stimme, die man Französisch sprechen kann oder Englisch.
Die Stimmen sind krass: weil die sind so laut.
Aber die müssen das machen, sonst kann man die nicht so richtig verstehen.
Die eine hat nämlich Deutsch gesprochen.
Die anderen haben auf Englisch gesprochen aber leider viel zu schnell.
Und so raue Stimme.
Nachwuchs Kollegin Marley Thelen (gerade 18 Jahre alt) ist auch von dem Spiel mit den Tönen und Sprachen fasziniert:
Ich finde dieses Theaterstück spannend. Wegen der Ton.
Der Mensch sprechen einmal Englisch und einmal Deutsch.
Julian Göpel erinnerte sich, als er das Stück sah, daran dass er in einer Ohrenkuss-Redaktions-Konferenz den Film "Der Wolfsjunge" gesehen und besprochen hat.
Am Anfang war es laut. Da haben wir die Ohren zugemacht. Christiane Grieb hat es toll gemacht bei dem Theater. Die anderen auch. Sie sollten das Stück nachspielen über den Wolfsmensch. Danach wurde viel geredet und diktiert.
Die Geräusche finde ich toll. Die anderen haben eine andere Behinderung. Das habe ich gesehen. Sie oder er muss den Doktor spielen. Beim Wolfsmensch. Wir haben zugeguckt. Wir haben geklatscht. Heute sitzen wir hier zum Schreiben. Michael Bause hat Fotos gemacht über diese Leute. Das finde ich auch toll.
Die Jungs haben es auch toll gemacht. Die Assistenten mussten aufpassen, weil dass sie hinten gehen müssen und nicht nach vorne gehen. Die Assistenten haben viel geschrieben. Das habe ich gesehen. Heute war ein ernstes Thema. Ich habe gesehen auf dem Bildschirm unsere Titelseite: Der Mensch.
Das laute und eindringliche Zitat "Ich bin kein Tier. Ich bin ein menschliches Wesen." hat Julian Göpel bewegt. Wann ist man Mensch und wann ist ein Tier ein Tier?
Eigentlich ist der ein normaler erwachsener Mann. Er ist kein Tier. Er ist kein Doktor. Er ist kein Ausreißer. Er ist kein Dieb. Er belügt sich selbst, dass er kein Tier ist. Er ist ein menschliches Wesen in einem spannenden Abenteuerfilm. Er wurde verfolgt von den Kindern und kommt ins Heim. Die Kinder haben behauptet, er ist ein Tier. Der Doktor sagt: Der Wolfsjunge ist ein menschliches Wesen. Der Wolfsjunge belügt den Doktor, weil er nicht reden kann. Weil er auch im Schrank gefangen hält. Weil er ausbüchst. Der Doktor will ihn helfen mit Werkzeugen umzugehen und bringt auch das Schreiben bei. Der Wolfsjunge muss auch was lernen: Wie man Tische deckt. Der Doktor muss den Wolfsjunge abhören, wie es ihm geht. Er liebt Spaziergänge und Kutschfahrten und Schubkarre fahren. Der Wolfsjunge liebt das Wetter, wenn die Sonne scheint und der Regen kommt.
Die Frage "Wann ist man eigentlich Mensch oder Tier?!" bewegt auch Veronika Hammel. Sie schreibt dazu:
Die Tiere können tagsüber schlafen und abends können dann auf die Jagd gehen. Und der Mensch, der kann sich bewegen. Der kann sich selber zum Essen kochen. Der kann Fernsehen gucken. Der kann einkaufen. Der kann arbeiten. Und der kann die Freizeit selber gestalten.
Die Tiere die können auch, also es kommt drauf an, ob die Haustiere sind. Die können auch im Bett schlafen. Und danach kriegen sie dann ihr Futter von den Menschen. Ob es Hund oder Katze ist. Hunde kann man gassi führen, Katzen kann man dann rausschmeißen oder die gehen selber raus. Die können sich dann Mäuse fangen, Ratten fangen.
Nun zu dem eindringlichen Bühnenbild, da schreibt Julian Göpel weiter:
Die Bühne war schwarz. Es wurden Stühle gestellt, auch schwarz. Das Holzbrett ist auch schwarz, hab ich ja gesehen. Die haben schwarze Anzüge an und weiß. Die Instrumente sind Blechinstrumente. Die haben alles bis zum Ende noch geschafft.
Zum Abschluss nun Marley Thelens Gedicht über die Musiker:
Die Musiker
Der Ton klingt schön, weil er klingt.
Weil er klingt, ich so schöne Gefühle habe und im Herzen poppts wieder.
Vorher war mein Herz stehen geblieben ist, weil ich jetzt Angst habe.
Die Geschrei sind sehr gut gemacht, aber nicht so sicher, wegen die Mikrofon laut war.
Dann platz meine Ohren.
www.hora.ch
Im Freien Werkstatt Theater in Köln.
FWT, Zugweg 10, 50677 Köln
Eintritt: 14 Euro / Ermäßigt: 9 Euro
VVK: Köln Ticket und im FWT unter Tel. 0221 - 32 78 17 und email:
kartenreservierung@fwt-koeln.de
Weitere Informationen zu dem Stück und weitere Termine:
www.sommerblut.net/?page_id=1778&event_id=82
Bilder mit Klickvergrößerung!

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
www.ohrenkuss.de
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www.ohrenkuss-ipeschl.de.
Fotos: Michael Bause, Köln
www.michael-bause.de









