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Heiliger des Monats November: St. Martin

11. November: Martin von Tours

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).

Aber nicht nur das. Etliche Geschichten erinnern an heutige Sozialbewegungen, Attac, Campact, Occupy, Weltsozialforum ... sind wir hier eigentlich weitergekommen??



 

Patron Frankreichs und zahlreicher Berufe, u.a. der Soldaten, Weber und Schneider, der Bettler und der Gefangenen.


Martins Schicksalstag war nicht der mit dem Bettler. Da war er noch ein Teenager, nur durch Familientradition beim Militär, eigentlich im Geist schon ganz woanders. Mit der Mantelgeschichte machte er sich bei seinen Kameraden gründlich lächerlich, man verstand jetzt, der gehört nicht zu uns, Martin bekam kurz darauf seinen Abschied.

Der Tag, an dem sich vieles entscheidet, findet Martin in Trier. Obwohl ihn das Volk 14 Jahre zuvor zum Bischof von Tours gemacht hat, lebt er jetzt mit 54 Jahren noch genau so radikal arm wie immer seit dem er den Mantel teilte. Martin ist ein Menschenkenner, er weiß um die Macht des Geldes, wie sehr es das Werkzeug des Teufels ist. Keine 10 Pferde bekommen ihn aus seiner Hütte heraus in den Bischofspalast. Während der Messe verweigert er sich dem bischöflichen Thron, sitzt auf einem Holzschemel. Dem bettelnden Wanderprediger aus Galiläa folgt er nach, er meint es ernst. Das Volk verehrt ihn.

Seine Kollegen im Bischofsamt vererben ihre Posten seit Generationen in der Familie - genauer, seit Kaiser Konstantin die Bischöfe in den Rang von hohen Reichs-Beamten erhoben hat. Privilegien, viel Geld, de facto sind sie oft die Bosse ihrer Städte. Martin ist ein Kommunist für sie, sie wollen ihm am Zeug flicken, aber er ist einfach heilig, sie kommen nicht an ihn ran.

Wer noch dringender weg soll, ganz weg, sind die Anhänger und Freunde des Priscillian. Selber Bischof, predigt dieser wie Martin die Abkehr von Pomp und Protz, hält die Hingabe an fleischliche Begierden nicht für den Weg zu gutem Karma, ist Vegetarier, akzeptiert die Frauen in der Kirche als gleichberechtigt - und schreibt und spricht auch darüber, wird den fetten Prälaten gefährlich. Die lieben Mitbrüder im hohen Amt beschließen den Tod Priscillians, treffen sich in Trier mit dem Kaiser, dem sie nachfolgen, ihrem Goldesel.
Martin, der außer Gott niemanden fürchtet , kommt an diesem schrecklichen Tag dazu, redet mit dem Kaiser Tacheles, daß dem Hören und Sehen vergeht. Er muß versprechen, höchstens die Bischöfe unter den Freunden Priscillians abzusetzen - hat nicht Jesus selber gesagt, daß Unkraut soll mit dem Kraut aufwachsen, sortiert wird beim letzten Gericht ?
Erst nach der Abreise Martins traut sich der Kaiser, den anderen Bischöfen ihren Spaß zu gönnen: der fromme Mitbruder Priscillian wird gefoltert und ermordet, seine Anhänger vor Sondergerichten abgeurteilt, die nebenbei auch das Vermögen der Opfer einziehen - es wird viel verdient und viel viel christliches Blut vergossen.

Martin ist entsetzt. Er wirkt weitere 15 Jahre in seiner Gemeinde, aber nie wieder besucht er auswärts einen Kirchentag, eine Versammlung. Er kann das feiste Pack nicht mehr ab. Er kennt sie jetzt. Es schüttelt ihn. Zum ersten Mal werden Priester von Priestern ermordet, der Böse fährt eine reiche Ernte ein im Garten des Herrn.

Heute tut die Amtskirche so etwas nicht. Weil sie nicht mehr will - oder weil sie nicht mehr kann ? Das sind so Fragen, die auch Bilder von babyknuddelnden Päpsten nicht beantworten. Die Kirche sollte sich ihrer aktuellen weltlichen Machtlosigkeit eigentlich herzlich freuen: das ist ja eine Chance. Fast wie damals. Auf Anfang.




Peter Kirwel






Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.









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Tags: martin, tours, trier, mantel
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Heilige des Monats August: Helena

18. August: Helena

  • Patronin der Archäologen und der Schatzsucher, der Stadt Trier, angerufen zur Aufdeckung von Diebstählen und alles Verborgenen



Heilige, die was taugen, sind Radikale, so oder so oder so. Mit dem industriegrau sauertöpfisch-frommen Getue mancher Kirchenkreise / Kirchengreise haben die dann so viel zu tun wie Jesus mit den päpstlichen Samtschlappen, nämlich nüscht.


Helena ist die einem recht schummrigen levantinischen Schankwirt von irgendwem unter dunklen Umständen geborene Tochter. Später führt sie selber eine derbe balkanesische Rummelbude, in der sich die Soldaten der Donaufront "entspannen". Konni, der wildeste Haudrauf von all den unzählbaren Sandalenheinis wird ihr Dauer-Schatz: und weil er so schön brutal ist und nach 100 Schlachten immer noch lebt, bringt er es zum guten Schluß tatsächlich zum römischen Kaiser. Paff pardautz, wer hätte das gedacht ! - Pech nur für Lenchen, denn die muß er nun erst mal in der Besenkammer verstecken und statt dessen eine parfümierte und frisch gebügelte höhere Tochter heiraten.


Konni sitzt in Trier und regiert so vor sich, aber Helena denkt gar nicht dran, nur in der Eifel spazieren zu gehen und den Wölfen beim Heulen zuzuhören. Sie fuhrwerkt im Hintergrund so lange hin und her, bis die höhere Tochter ins Kabuff kommt und  ihr uneheliches Söhnchen Konstantin den römischen Chef abgeben darf. Zähigkeit siegt, man hat der Beispiele mehrere.


Helena, inzwischen Christin geworden, hat viel nachzuholen und tut´s auch: als Queen Mum mit der goldenen Kreditkarte räumt sie im Heiligen Land mit der Brechstange so auf, daß es staubt, läßt Tempel abreißen und Kirchen bauen, findet das Grab Jesu, sein Kreuz, sein letztes Hemd, tonnenweise Souvenirs, es geht richtig rund. Ihr Sprößling, ganz braver Sohn der Matrona Maxima, hat die Christen inzwischen zu ehrlichen Leuten gemacht, die Antike ist vorbei, es geht Vollgas ab ins Mittelalter, Helenas Palast in Trier wird zum Dom umgebaut (und steht immer noch).


Im Nachhinein hat man an Helena viel herumgeflickt "wegen Ihrer Herkunft usw.", alles Käse. Den Herren Klerikern war die fromme Helene wohl einfach einen Zahn zu steil - aber Jesus stand ja definitiv eher auf die ganze lebensfrohe Prolobande als auf so steifleinene Scheinheilige. - Also denn Prost auf´s Trierer Lenchen mit Riesling aus Riol - und den Deckel holen wir als Heiligenschein !!











Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

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Tags: heilige des monats, helena, konstantin, trier
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