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Die spirituelle Dimension der Pflanzen
Wirkungsnachweise der Pharmaindustrie oder tradiertes Wissen über Jahrtausende
Viele Berichte und gesundheitspolitische Verlautbarungen der jüngsten Zeit erwecken den Eindruck einer neuen "Aufklärung", die das alte Erfahrungs-, z.T. visionäre und schamanische Pflanzenwissen endgültig in einen spirituellen, eso-schamanischen Sumpf verweisen will, und als Scharlatanerie und dubiose Geschäftemacherei "entlarvt".
Aktuelle Diskussion, von SPD-MdB Lauterbach gestartet (um Wählerresonanz zu testen oder die Pharma-Lobby zu beruhigen?): homöopathische Heilmittel aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen herauszunehmen, da mit den derzeitigen Methoden nicht wissenschaftlich eine Wirksamkeit nachzuweisen sei. Dabei ist der Kostenanteil im Gesundheitsetat verschwindend gering, und sowohl die Nachfragen der Patienten als auch die Fortbildungsrate bei den Ärzten nimmt zu.
Die Medien stricken eifrig an der Pseudo-Postaufklärung mit, selbst Medien, wo man es nicht von erwartet, die TAZ, die c't, und selbst die nicht hexenverfolgungsverdächtige Brigitte:
In der aktuellen Zeitschrift Brigitte Woman 9/10 für Frauen über 40 gibt es eine Kolumne über Spiritualität und Esoterik kontra Naturwissenschaften und Vernunft. Die Autorin "entdeckt" mit demonstrativem Unverständnis, dass es Phänomene wie Schamanismus, den Glauben an Engel, die Fähigkeit zu Pendeln, Tarot, Enneagramme und Astrologie gibt - hunderte bis tausende Jahre alte Techniken, die in die europäische Kultur gehören - die sie forsch ins Reich der Spinnerei verweist. Sie vergisst, dass die Art der Naturwissenschaft, auf die sie sich beruft, mit ihren Messtechniken erst ca. 200 Jahre alt ist.
Als Bio-Firma und als gesundheitsbewusste, kapitalismus-lobbyismus-kritische Menschen fragen wir uns natürlich - wem nützt es? Und befürchten ein weiteres Roll-Back Richtung Monopolisierung (eigentlich Oligopolisierung) des Gesundheitsmarktes, ohne dass es den betroffenen kranken Patienten etwas nutzt - nur dem pharma-industriellen Komplex.
Wir möchten nicht missverstanden werden - die Aufklärung des 18.Jh. hat uns die Freiheit von Absolutismus, selbstherrlichen Kirchen, Fürsten und anderen "gottgegebenen" Verhältnissen ermöglicht. Aber es kann doch nicht sinnig sein, aufgeklärt die Interessen der Gesundheitsindustrie und ihrer selektiven Forschungen zu vertreten, die auf der Suche nach Patentierbarem ist. (Bei gentechnischer Unbedenklichkeitsforschung gibt es doch auch einen gesunden Skeptizismus.)
Auch der Hebammenstreit geht in diese Richtung, eine uralte Tradition der „weisen Frauen“ wird verloren gehen. Der Konflikt zwischen schamanischem, Volks- und Erfahrungswissen auf der einen Seite, und der standardisierten Gläubigkeit an die Ergebnisse einer erst 200 Jahre alten wissenschaftlichen Disziplin mit Blackbox-Versuchen, Trial and Error, könnte zum Schaden unserer traditionellen Schätze ausgehen. Der Verlust an traditionellem Wissen ist deshalb so bedenklich, da er immer auch mit dem Verlust der Fähigkeit zur Selbsthilfe einhergeht. Interessanterweise sind die Dinge, die verboten werden, oder verloren gehen, immer die preisgünstigeren und einfacher zugänglichen Dinge ...
Wer intensiv mit Kräutern arbeitet, wie wir als hochspezialisierter Hersteller, kommt automatisch mit der spirituellen Dimension der Pflanzen in Berührung. Wir haben im deutschsprachigem Raum eine reiche Tradition an hochentwickelten Persönlichkeiten, die in der Heilarbeit mit Pflanzen diese in ihrer Ganzheit betrachten, neben dem physischem mit ihren geistig-spirituellem Anteil: Hildegard von Bingen, Paracelsus und Rudolf Steiner sind einige Beispiele.
Auch heute gibt es in Deutschland Kräuterheiler und -wissenschaftler, die mit schamanischen Komponenten arbeiten. Unter unseren Kräuterbauern gibt es charismatische Persönlichkeiten, die eine Pflanze mit ihrer ganzen Wesenheit erfassen.
Die einfachste Technik hierzu ist die Meditation. Jemand, der ein wenig meditationserfahren ist, setzt sich vor eine Pflanze, oder hält etwas der (frischen oder getrockneten) Pflanze in den Händen, um sie auf sich wirken zu lassen. Man kann Reaktionen im Körper spüren, Wärme, Energieströme, verkrampfte Körperstellen, die sich öffnen, auch schon mal zunächst Gegenwehr - hier hilft nur Geduld. Manchmal erhascht man neue Gedanken, die etwas über das Leben erklären.
Aus ethnologischen und ethnomedizinischen Berichten wissen wir, dass die alten, aber auch die heutigen Schamanen (z.B. in Mittel- und Südamerika) in Trance mit dem Geistwesen der Pflanzen in Kontakt treten und die benötigten Informationen empfangen, z.B. über biologische Prozesse oder zu Krankheitsfällen. Begriffe für den geistig- spirituellen Anteil der Pflanze sind z.B. Pflanzenengel, oder Pflanzendeva (jede Kultur hat da ihren eigenen Begriff). Paracelsus drückt es so aus - also auch eine Aufforderung zur Meditation und Kontaktaufnahme mit der spirituellen Welt: "Gib daher auf deinen inwendigen Garten acht, denn wie der innere Mensch geschaffen ist, er horche nur mit dem äußeren auf sich selbst, dann wird er lernen, was ihn niemand lehren kann (...). Wir haben keinen Menschen, der uns lehrt und keinen Menschen, der die Kräuter von selbst weiß und kennt. Er muss es von anderen haben, die mehr oder anders als Menschen sind." (Iwailo Schmidt, in: Wir Heilpraktiker 1/2010, S.15)
Auch moderne Wissenschaftler sprechen vom Familiengeist der Pflanzen.
Für diejenigen, die nun neugierig sind, hier zwei spannende Buchtipps:
Narby, Jeremy: Die kosmische Schlange. Klett-Cotta, Stuttgart 2001
Narby ist ein Schweizer Anthropologe, der hier über eine lange Feldforschung bei indianischen Schamanen in Südamerika berichtet. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern zieht er Parallelen zwischen den visionären Erkenntnissen in der uralten schamanischen Tradition und modernen neurologischen und molekularbiologischen Erkenntnissen. Lebendig und spannend zu lesen.
Von Dr. Wolf-Dieter Storl, Ethnobotaniker und Kulturanthropologe, möchten wir am liebsten alle Bücher empfehlen. Er ist Wissenschaftler, der auch bei Schamanen, Kräuterkundigen und Medizinleuten in Amerika Südasien und im Allgäu (hier leben einige alte Begbauern/-bäuerinnen mit tiefem, "schamanischem" Naturwissen) gelernt hat. Storl lebt heute selbst im Allgäu und gibt dort auch Kurse zum Thema Kräuterkunde. Er schreibt erzählerisch - leicht und anschaulich zu lesen. Hier zwei Titel als Beispiel:
Storl, Wolf-Dieter: Pflanzendevas - Die Göttin und ihre Pflanzenengel, Heilkunde, Kulturgeschichte, Mythologie und Religion der Völker. AT-Verlag, Aarau/Schweiz 1997
Storl, Wolf-Dieter: Pflanzen der Kelten. AT-Verlag, Aarau/Schweiz 2000 Weitere Informationen zu Storl auf
www.storl.de
Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper









