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Flugtee 2011 aus Indien+Japan
Kultur für Teefans, Sünde für Ökos
Edle Vorboten aus Indien und Japan
Wir bieten jedes Jahr einen Flugdarjeeling sowie einen Flug-Sencha (Shincha) aus kontrolliert biologischem Anbau an. Warum?
Argument dafür: als TeetrinkerIn im Nicht-Produktionsland nimmt man Anteil an einer Teekultur und -tradition, abseits von Massenpflückungen der späteren Pflückungsperioden, um die sich auch in der Naturkostbranche die Importeure bevorzugt reißen. Man kann es als Würdigung einer ganzheitlichen Teekultur beschreiben, denn jede Teeplantage produziert sowohl Tee im Spitzenbereich (vor allem die frühen Pflückungen) als auch im preiswerten Alltagsbereich. Sie sind darauf angewiesen, dass die VerbraucherInnen alle Qualitäts- und Preisstufen gleichermaßen abnehmen. Die Realität ist jedoch so, dass hohe Qualitäten kaum gefragt sind, und später unter Preis irgendwo untergemischt werden müssen. Der Flugdarjeeling gehört dazu, und ihn jedes Jahr in kleinem Umfang zu genießen, trägt dazu bei, die Teetradition des Herkunftslandeslandes zu erhalten (hier sägt sowieso schon Coca Cola dran ...)
Argument dagegen: Der Transport per Flugzeug ist energieaufwendiger als per Schiff, und aus ökologischen Gesichtspunkten möglichst zu vermeiden.
Flugdarjeeling
Flugdarjeeling ist feiner, edler Tee der ersten Erntetage der 1. Pflückperiode (first flush) und wird erntefrisch eingeflogen. Der Verkauf läuft bis Herbst, bis die Tees per Schiff eintreffen.
Passionierte Teetrinker warten alljährlich sehnsüchtig auf den frischen Frühlingsboten aus den Hochlagen Darjeelings. Nur aus den Hochlagen werden diese Top-Qualitäten erzielt.
TeegenießerInnen lieben und schätzen besonders das frische und sehr kraftvolle Aroma der ersten Pflückungen. Jeder einzelne Pflückgang hat seinen eigenen Geschmack und Charakter. Anfangs gibt es nur sehr kleine und kostbare Partien (DJ. / Invoice) von ca. 50 - 150 kg je Erntegang.
Wir haben uns dieses Jahr wieder für die sehr gute erste Pflückung (DJ1) der First Flush-Saison 2011 aus dem Bio-Teegarten Singell entschieden, der vor rund 20 Jahren auf "Bio" umgestellt hat. Dieser Garten liegt in ca. 1500 m Höhe in Darjeeling und liefert Spitzenqualitäten mit außerordentlichen Eigenschaften. Dieser Flugtee ist dieses Mal spritzig, dabei aber weich mit einem runden Geschmack, der an schmelzende Süße erinnert, mit extravagantem, hocharomatischem und zart-blumigem First Flush-Charakter.
Zubereitungstipp: Für den Aufguss benötigt man von dieser Pflückung ca. 10g Teeblätter und lässt den Tee ca. 2 Minuten ziehen. Am besten sollte gutes Wasser für solche hochwertigen Teesorten verwendet werden. Zum Beispiel gefiltertes Wasser oder St. Leonhardsquelle (still).
Shincha Soshun - Flugsencha
Auch in Japan gibt es jedes Jahr den Kult des Neuen Tees (Shincha heißt ‚Neuer Tee') und wird sogar noch stärker gepflegt als in Darjeeling. Die ersten Pflückungs-Durchgänge in der 1.Flush-Saison werden als Kostbarkeit gehandelt. Über dem ganzen Land liegt in dieser Zeit, wenn die Pflückungen wieder beginnen (Ende April/Anfang Mai) ein zarter, charakteristischer Grüntee-Duft.
Der Beginn der neuen Erntesaison und Einschätzungen der Teequalität sind Seite-1-Themen der Tageszeitungen. In den Teeläden werden Shincha-Feste gefeiert zu Ehren des neuen Jahrgangs.
Shinsha-Tee wird nach dem Dämpfen leichter getrocknet als normaler Sencha und ist deshalb wunderbar frisch und grün. Sein Aroma gleicht "einem Spaziergang durch einen erwachenden Teegarten", betört und erinnert an Lichee, Jasmin, grüne Algen. Per Flugzeug trifft eine kleine Menge als Vorbote ein, alle anderen Tees kommen ebenfalls per Schiff im Herbst.
Unser Shincha - Tee stammt aus Kagoshima und ist ein Kabusé - Halbschattentee. Er ist dieses Jahr natürlich auf radioaktive Belastung analysiert worden. Er weist keinerlei Radioaktivität auf: alle Werte liegen unter der Nachweisgrenze. Kagoshima liegt 1200 km von Fukushima entfernt, ganz im Süden.
In folgendem Beitrag beschreiben wir ein Shincha-Fest, das dieses Jahr bei der deutschen Partner- und Importfirma Shimodozono vom gleichnamigen Familienunternehmen in Kagoshima, von dem wir unseren Tee beziehen, stattgefunden hat:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2011/05/31/japan-3-shincha-fest.htm
Petra Prescher, Ursula Stübner
+++ AKTUELL +++ Es handelt sich um Shizuoka, was von den relevanten Teeanbaugebieten Japans am nächsten an Fukushima liegt (was man im Artikel nicht erfährt). Erhöhte Werte waren hier zu erwarten. Allerdings ist auch dieses Gebiet differenziert zu betrachten:
Schwierig wird diese Verallgemeinerung im Spiegel-Artikel (und sicher noch weitere) für die Situation von Japan-Tees. Wir wollen mit unseren Informationen EndverbraucherInnen die Möglichkeit geben zu differenzieren. Die weiter entfernt liegenden Teeanbaugebiete Uji und Kagoshima sind bis jetzt unbelastet. Mit transparenten Informationen kann sehr gut weiter japanischer Grüntee konsumiert werden. 22.6.2011 |
Japan (3): Shincha-Fest
Shincha - der erste Tee des neuen Jahrgangs

Shincha heißt Japans erster Tee des neuen Jahres - wie bei Darjeeling wird eine kleine Menge der hochwertigsten ersten Pflückungstage als Vorbote per Flugzeug eingeflogen. Aller anderer Tee des Jahrgangs folgt dann ab Sommer per Schiff.
Wenn die Tee-Ernte im April beginnt, gibt es ein Teefieber im ganzen Land - der typische Duft von frischen Teeblättern ist in den Teeregionen allgegenwärtig, und in den Teeläden werden Shincha-Feste gefeiert.
Der Geschmack des Shincha wird "wie ein Spaziergang durch die dampfenden Teefelder am frühen Morgen" beschrieben. Dieser Tee wird weniger stark endgetrocknet als anderer Sencha-Tee, und schmeckt dadurch unglaublich frisch und aromatisch bei sehr grüner Tasse.
Dieses Jahr nach dem Atomunglück wurde die Ernte natürlich mit besonderer Spannung erwartet. Die Analysen der ersten Tees im Teeanbaugebiet Kagoshima, ganz im Süden Japans, weisen sie jetzt als unbelastet aus, ebenso im bei Kyoto gelegenen Anbaugebiet Uji.
Shincha-Fest bei Shimodozono International Deutschland
Wir arbeiten seit über 15 Jahren mit dem Familienunternehmen Shimodozono in Kagoshima zusammen.
1954 vom Vater gegründet, wurde sie von den Brüdern Yutaka und Hiroshi Shimodozono weitergeführt und mit einigen Vertrags-Teefarmern auf kontrolliert biologischen Anbau umgestellt. Gerade bereitet Yutaka die Übergabe an die nächste Generation, an seinen Sohn, vor.
Jetzt, am vorletzten Mai-Wochenende, fand in Diepholz ein großes Shincha-Fest bei der deutschen Partner- und Importfirma Shimodozono International von Markus und Katharina Hastenpflug statt. Gleichzeitig feierten die Gäste dort die Einweihung des neuen Firmengebäudes mit, und das Fest umschloss außerdem ein Benefizkonzert für die Betroffenen in der Region Fukushima. Die Spenden gehen an das Japanische Rote Kreuz. (Wer ebenfalls etwas spenden möchte - hier die Konto Nr.: 0191059567, BLZ 25651325, Kreissparkasse Diepholz, Stichwort:Japanhilfe)
Yutaka und Hiroshi Shimodozono, Permakultur
Wir freuten uns sehr, Yutaka Shimodozono dort wiederzutreffen, den wir zuletzt 1998 bei unserem Besuch in Kagoshima gesehen hatten. Die Außenkontakte hatte in erster Linie sein jüngerer Bruder Hiroshi wahrgenommen, der leider vor 2 Jahren verstorben ist. In seinen letzten Jahren hatte Hiroshi sich stark mit einer noch radikaleren Philosophie innerhalb des biologischen Anbaus, permakulturartig, ohne Zufuhr von Dünger, beschäftigt. Ein Teefeld von Shimodozono ist so bewirtschaftet und konnte dieses Jahr zum ersten Male beerntet werden - natürlich sind die Erträge noch geringer als beim "normalen" Bio-Anbau. Wir haben leider noch nicht probiert - die Qualität soll ungewöhnlich sein, sodass die Japaner "jeden Preis" dafür zahlen, und dieser Tee es wohl nicht bis nach Deutschland schaffen wird.
Verkostung der Arachas, Rohtees der neuen Ernte
Im Gepäck brachte Yutaka den neuen Rohtee 2011, Aracha, von verschiedenen Teefeldern mit. Wie typischerweise bei deutschem Wein wird Grüntee in Japan nach engsten Regionen separiert gefertigt und vermarktet. Markus hatte uns schon erzählt, dass die Ernte 2011 außergewöhnlich gut ausfällt. In der Verkostung, die Yutaka auf dem Shincha-Fest durchführte, konnten wir in den Aromen ganz frischen Grüntees schwelgen. Wie bei Wein sind die Tees mal kraftvoller oder feiner, verspielter oder geradliniger, vorder- oder hintergründiger, mit schnellem oder nachhaltigerem Abgang.
Teezeremonie
Alwin studiert seit etlichen Jahren bei einem Teemeister, von denen es nur wenige in Deutschland gibt, die Kunst der japanischen Teezeremonie.
In den abgezirkelten Handbewegungen, der genauen Reihenfolge der einzelnen Handlungen und sogar im Teegeschirr verstecken sich viele Bedeutungen. Früher zu Samuraizeiten war die Teezeremonie auch entscheidender Bestandteil diplomatischer oder auch Kriegshandlungen. Das berühmte Buch "Der Tod des Teemeisters" von Yasushi Inoue erzählt z.B. eine dramatische politische Begebenheit zur alten Zeit der Teezeremonie. Heute ist die politische Bedeutung aus der traditionellen Teezeremonie herausgenommen.
Auf dem Shincha-Fest waren die rituellen Gäste der Teezeremonie keine Shogune, sondern Yutaka Shimodozono und Katharina Hastenpflug. Alwin bereitet beiden mit den vorgeschriebenen, an Zen-Meditation erinnernden Handbewegungen eine Schale Matcha-Tee (gemahlener Grüntee, der schaumig geschlagen wird) zu, eine Zeremonie, die pro Schale etwa 10 Minuten dauerte. Damit war nun das kleine japanische Teehaus im neuen Firmensitz eingeweiht.
Der Steingarten
Wer wollte, durfte seine Spuren hinterlassen im Kies, und mit einer großen Holzharke den Steingarten im Firmengelände neu dekorieren. Man fühlt sich in die Wellenbewegungen des Lebens oder des Wassers ein, und zieht die Harke auf den intuitiv gewählten Wegen hinter sich her, immer die eigenen Fußspuren verwischend. Körperlich ein bisschen anstrengend, aber das Ergebnis sieht immer schön aus. Eine meditative Übung ...
Das Tee-Menue
Das Abendmenue von Koch Ulrich stand natürlich im Zeichen des Grüntees. Sowohl in China als auch in Japan ist Grüntee traditionell Bestandteil vieler kunstvoller Gerichte.
Zum Grundnahrungsmittel Reis gab es verschiedene Gemüse, Salate mit Matcha-Balsamico-Dressing, mit Teeblättern gedünsteter Stör, und als Dessert Erdbeeren mit grünleuchtender Matcha-Sahne und Genmaicha (Tee mit gepufften Reiskörnern) "on Top". Dazu grellgrüne Cocktails mit Matcha-Pulver, Sekt und Fruchtschorlen. Die Masse an den verzehrten teein-reichen japanischen Tees in verschiedenster Form (auch als Schokolade) ließ die folgende Nacht hellwach werden.
Benefizkonzert mit Masa Daiko
Wenn man die japanische Teezeremonie beobachtet hat, versteht man auch die Besonderheit der japanischen Trommelmusik. Das professionelle japanische Trommler-Ensemble Masa Daiko aus Bremen (http://www.masa-daiko.de/) führte in der leergeräumten Halle des Betriebsgebäudes traditionelle Trommelstücke verschiedener Regionen vor, teils mit Flöte und (Sprech-) Gesang, und auch Neukompositionen oder -entwicklungen. Die Stücke werden von den hier 6 SpielerInnen an großen und riesengroßen, mit Tierhäuten bezogenen Holztrommeln gespielt, mit ausholenden, choreographischen Bewegungen, die wiederum Bedeutungen in sich verbergen (Morgenerwachen, der Drache ...). Die tieftönenden Trommeln haben einen archaischen Reiz, in Gedanken wurden wir in Donnergrollen der Natur, von Wind und Wasser, stampfende Tierherden oder auch in zarte Töne des erwachenden Tages mitgenommen. Laut Yutaka ist das japanische Trommeln eine richtig lebendige Tradition in Japan. Es gibt viele professionelle und Laien - Gruppen dort.
In Diepholz gab es tosenden Applaus des staunenden Publikums.
Ausblick auf Japan Tee nach der Atomkatastrophe in Fukushima

Auf dem Shincha-Fest bei Shimodozono in Diepholz standen japanische Tee- und auch andere Traditionen im Vordergrund, auch die strenge, ästhetische Schönheit der japanischen Kultur - z.B. sind Außen und einige Innenräume des Betriebsgebäudes traditionell gestaltet.
Das Fukushima-Unglück war aber auch präsent. Yutaka Shimodozono berichtete, dass junge Menschen in Kagoshima, das selbst nicht von radioaktiver Verseuchung betroffen ist, dieses Jahr ihren Urlaub dafür hergaben, im Krisengebiet zu helfen. Er hofft, dass in der momentanen kritischen Energie-Diskussion auch das Bewußtsein für Umweltschutz und Bio-Landwirtschaft steigen wird.
In den letzten Wochen sind alle Naturkostfirmen, die mit japanischen Lebensmitteln handeln, mit den Ängsten der EndverbraucherInnen vor radioaktiver Belastung konfrontiert worden.
Hier haben wir nun Glück: bei der Analyse der ersten Pflückungen in Kagoshima liegt die Radioaktivität sogar unter der Nachweisgrenze.
Wie bei vielen Lebensmitteln aus Deutschland und anderen Herkünften auch, leben wir mit einer radioaktiven natürlichen Belastung, die einige wenige Bequerel betragen kann. Es ist unabhängig von Atomunfällen also davon auszugehen, dass Messwerte bei Lebensmittel oder Tee natürlicherweise nicht immer bei 0, sondern auch leicht darüber liegen.
Wir haben uns gefreut, dass auf dem Fest das Gefühl einer globalen Familie spürbar war. Und auch, ein Fest in japanischer Tradition feiern zu können, einer alten, bemerkenswerten Kultur, die wir in unserer Arbeit als Bio-Gewürz- und Teehersteller als bereichernd kennengelernt haben.
Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner
Bio - Halbschatten-Tees aus Kagoshima von Shimodozono in unserem Sortiment:
- Fuka-Tenbu (frühe erste Pflückung, Rarität. Neu: ersetzt Tenbu-Sencha)
- Soshun (Sencha 1. Pfl.)
- Shunshi (Sencha 1. Pfl.)
- Haruno (Sencha 1. Pfl.)
- Natsu Cha (Sencha 2. Pfl.)
- Aki Cha (Sencha 3. Pfl.)
- Shuto Ban (Sencha 1. Pfl.)
... und aktuell Shincha (Flug-Sencha, erster Tee der neuen Ernte, Rarität)
Fotos: Steingarten, Nachtisch und Gruppenfoto Masa Daiko: Shimodozono International GmbH
Alle anderen Fotos: Heuschrecke Naturkost GmbH
Zwischen-Nachrichten aus Japan ...
... Grenzwertdiskussionen und Sencha Tee
Wir bleiben mit Japan in Verbindung, fragen regelmäßig nach, wie es dort geht.
Seit Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima veröffentlichen wir auf unserer Website
www.heuschrecke.com Informationen, die regelmäßig aktualisiert werden.
Gesetzlich gilt der Grenzwert von 500Bq/kg (EU-VO vom 11.4.2011).
In einer firmeninternen Leitlinie haben wir uns für die Empfehlung des Umweltinstituts München entschieden, als oberen Grenzwert 50 Bq einzuhalten.
Noch gibt es begrenzte Mengen Tee aus Ernte 2010.
Wie es für die Ernte 2011 ab Mai aussehen wird, weiß noch niemand, aber momentan scheinen die Teeregionen Uji und Kagoshima noch keinen Fall Out zu haben.
Wir denken einerseits, dass wir uns bei Radioaktivität von der Erwartung "Null-Werte" verabschieden müssen. Auch aufgrund Tschernobyl und vieler, ungemeldeter und / oder spät entdeckter Störfälle in anderen AKWs haben in Deutschland viele Lebensmittel, oder z.B. auch Atlantik-Lachs durch Sellafield, ein "Grundrauschen". Dazu kommt eine natürliche Radioaktivität, sowie eine Messfehlertoleranz der Labore, sodass Zahlen im einstelligen Bereich schwer interpretierbar sind. Eine vollständige Freiheit von Radioaktivität wird uns wahrscheinlich niemand mehr garantieren können.
Hier in Deutschland stecken wir als Hersteller der Marke Heuschrecke im Konflikt: alles ist vorbereitet, um japanische Produkte sicher und gut analysiert zu importieren und weiterzuhandeln.
Uns erreichen natürlich besorgte Anfragen der KonsumentInnen nach evtl. belasteter Ware. Die vielen Zahlen, mit denen die Medien jonglieren, sind nicht nur für Laien verwirrend.
Wir wissen zwar, dass wir auch natürlicherweise immer mit Radioaktivität leben, aber haben kein Gefühl dafür, was wir wegstecken können (auch "Die Wissenschaft" weiß es noch nicht genau): daher stützen wir uns auf den vorsichtigen Grenzwert von 50 Bq/Kg, der in kritischen Diskussionen nach Tschernobyl entstanden ist und vom Umweltinstitut München vertreten wird.
Und da gibt es noch die "German Angst". Irrationale Anfragen der Industriekunden (die u.a. für die großen Bio-Filialisten produzieren), ängstliche Naturkostkunden, die überall versteckte Japan-Zutaten vermuten, Stimmen aus Verbänden und Parteien, die nicht nur einen Importstopp aus Japan fordern, sondern gleich mit aus China und anderen ostasiatischen Ländern.
Das wird der derzeitigen Lage nicht gerecht und missachtet die Menschen dort. Uns ist es wichtig, die Zukunft für unsere Partner zu erhalten, und Warenströme weiter fließen zu lassen, solange es geht. Es fließen nicht nur Warenströme, sondern auch Kultur und Beziehungen.
Gero Plath von der Firma Mitoku (Japan Sencha extra fine) in Tokio berichtet:
"Hier im Buero geht es von frueh morgens bis spaet abends eigentlich nur um 297/2011.Was wir da den Behoerden an Dokumenten vorlegen muessen, ist der Wahnsinn. Es wird nie wieder eine EU Verordung geben die so genau bis ins Detail beachtet wird, das kann ich jetzt schon versprechen. Und das muessen wir ja mit ca. 25 verschiedene Behoerdenstellen koordinieren...
Der Teegarten dann, also ich glaube die haben genug Bestellungen von uns fuer ca. 3-4 Monate und dann faengt dann noch im Mai die Ernte an. Die werden die naechsten Wochen jeden Sa & So arbeiten.
Zum Teegarten, da kann ich aus erster Hand berichten, da ich vor ca. 10 Tagen da war. Da hat sich nichts geaendert, da kein Erbeben, kein Tsunami, keine Strahlung, keine Benzinknappheit, keine Wasserknappheit ...
Ca. 70% von Japan ist doch von der ganzen Geschichte nur indirekt betroffen. Die kennen das doch auch wie ihr auch nur aus dem Fernsehen.
Die machen sich natuerlich Sorgen um die Menschen in Tohoku und Sorgen um unsere Produkte (weil seit dem Erbeben nichts mehr rausgegangen ist = null Umsatz)."
Markus Hastenpflug von Shimodozono International, Kabusé-Sencha Tees aus Kagoshima:
"Mir zeigt das - alle Zahlenangaben, egal wie niedrig sie auch sind (selbst wenn sie unter den natürlichen radioaktiven Werten liegen), werden ins Negative interpretiert. Sobald gedruckte Werte veröffentlicht sind, ist eine "Belastung" augenscheinlich.
Was bleibt nach der Lektüre eines solchen Berichtes hängen?
Die Frage bleibt: Gibt es für verantwortungsvoll handelnde und um Aufklärung bemühte Lebensmittelhändler eine Lösung für dieses Dilemma?
Vielleicht hilft "Abwarten und Tee trinken". Und wenn nicht ..."
Ein Teekonsument und Japan-Teeliebhaber antwortete uns:
"ich halte Ihren internen Grenzwert von 50 Bq/kg durchaus für vertretbar.
Eine 50g-Packung hat dann max. 2,5 Bq, d.h. wir würden 2,5*26 (eine Packung alle 2 Wochen) =65 Bq pro Jahr konsumieren. Emotionslos betrachtet im vertretbaren Bereich. Wenn man bedenkt welche Strahlung man noch so zu sich nimmt, dass ver- bzw. bestrahlt wurde.
Radioaktivität ist sicherlich eine sehr komplizierte Materie. Angefangen von den verschiedenen Strahlungsarten, Strahlungsleistungen und Strahlungsdosen. Dies wurde in den allgemeinen Medienberichte nur sehr wage angesprochen und erläutert. Daher kam die "German Angst" natürlich auch sehr schnell auf, die nur durch den lapidaren Satz "die Wolke kommt nicht bis zu uns" etwas gedämpft wurde."
In Deutschland vergessen wir leicht, dass Japan ein unheimlich langes Land ist, und die Winde bisher meist günstig wehten. In den Teeanbauregionen Uji (Präfekturen Kyoto, Nara u. angrenzende) und Kagoshima (= Präfektur Kagoshima), wo unsere Japan Sencha Tees herstammen, werden zur Zeit (Mitte April) keine erhöhten Werte festgestellt.
Wir hoffen, dass der (heroische - kann man schon sagen -) Kampf um die Reaktoren nützt, und dass Japan weiter für seine entlegeneren Anbaugebiete und Regionen Glück haben wird.
Hier die Werte für alle Präfekturen, Update 2x am Tag
http://www.mext.go.jp/english/radioactivity_level/detail/1303986.htm
Weitere informative Internetseiten zum Thema Japan:
http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Japan/japan.html
http://www.bmu.de/allgemein/aktuell/160.php
http://www.bmelv.de/DE/Startseite/startseite_node.html
http://umweltinstitut.org
Im Mai treffen noch Schiffe mit Tee-Ernte 2010 ein. Die Ernte 2011 wird per Schiff nicht vor Juni / Juli
eintreffen.
Shincha-Tee ist ein Kult. In den Teeanbaugebieten liegt der süßherbe Duft des frischgeernteten Tees über dem Land. In den Teeläden werden Shincha-Feste gefeiert, und auch hier erwarten Japan-TeeliebhaberInnen diesen Tee als Vorboten des neuen Teejahres. |
Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

























