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Südafrika-Reisebericht (6): Rooibusch aus den Cederbergen

Besuch bei unserem Lieferanten: die Wupperthal Original (Bio-) Rooibusch Cooperative

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 6. Teil.

(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem    Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm ) Ankunft in Kapstadt
(2. Teil: Öffnet externen Link in neuem   Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/19/vom-rheinland-nach-wupperthal-2.htm  ) Im Nordkap, Papkuilsfontain, Flora, Felsmalereien
(3. Teil: Öffnet externen Link in neuem  Fenster http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/20/vom-rheinland-nach-wupperthal-3.htm  )  Besuch der Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld, Koos Koopman
(4. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/27/suedafrikareise-4-vom-rheinland-nach-wupperthal.htm  )  Ankunft in Wupperthal. Die Geschichte des Dorfes Wupperthal, frühere Missionsstation.
( 5. Teil:  Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/05/11/suedafrika-reise-5-vom-rheinland-nach-wupperthal.htm   )  Wupperthal Original Rooibusch Cooperative. Verarbeitung und Fermentieren von Bio-Rooibusch.



Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen (Tra Tra - River) und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.





In diesem Teil berichten wir über die Rooibusch-Ernte und die Endverarbeitung des Tees. Außerdem erzählen wir von der Vorstandssitzung und der Farmer-Versammlung, an denen wir teilnahmen.


Doch zunächst sitzen wir, die Reisegruppe, an unserem ersten Abend in Wupperthal zusammen, und haben uns die DVD über den Bau des Teacourts angesehen. Mit einfachem Werkzeug und Schubkarre wurde die alte Leder-Gerberei ausgeräumt, gereinigt, und aus den Felsen die neue Trockenfläche herausgearbeitet.
Unsere Gruppe in Heuningvlei auf dem Weg zur Ernte

Nicht nur die EG-Bio-Verordnung, für uns der Mindeststandard für Bio-Anbau, sondern auch die HACCP-VO oder IFS-Standards für Qualitätsmanagement und Hygiene mit ihrem Perfektionsanspruch stoßen in Drittweltländern gerne an ihre Grenzen - bzw. umgekehrt: den einfachen Bauern und den Vorständen der Kleinbauernverbänden fehlt es oft an Ausbildung und finanziellen Mittel, um alle Bestimmungen immer erfüllen zu können, und es ist eine größere Meisterleistung als bei uns, es zu schaffen.


Nach unseren ganzen Reisen meinen wir - und auch die anderen Mitglieder unserer Reisegruppe - dass in den ärmeren Ländern, die inzwischen den größten Teil unserer (Bio-) Lebensmittel produzieren, ein ewiger Kampf mit und gegen Bestimmungen stattfindet. Mag sein, dass die Vorgaben nicht zur einheimischen Kultur passen (z.B. in China so erlebt), oder andere einheimischen Überlebensprobleme die westlichen Anforderungen auch einfach absurd erscheinen lassen. Zum Teil ist es nötig, sie durchzusetzen, zum Teil könnte es sicher modifiziert werden. Zum Teil ist die Europäische Ordnungsvorstellung in einem Land mit wenig und mentalitätsbedingt anderer Art von Infrastruktur zu schwierig zu bedienen.

In Heuningvlei, auf dem Weg zur Rooibusch-Ernte
Hilft nichts - ohne Erfüllung des EU-Standards kann keine Bio-Ware in die EU exportiert werden - und manchmal wandert auch das ganze Bio-Business (ohne bösen Willen) auf einem Grat zwischen fairen Geschäften und Ökokolonialismus (als eine Art Bevormundung).


Überhaupt steckt in einem Kilo Rooibusch-Tee erstaunlich viel körperliche Arbeit, vor allem in der Weiterverarbeitung auf dem Teacourt.
Wir selber trinken Rooibusch Tee seitdem mit sehr viel mehr Respekt - und haben dabei jetzt auch noch wunderschöne Landschaftsbilder und nette Menschen im Kopf - was wir mit diesem Bericht weitergeben möchten.





In Heuningvlei, auf dem Weg zur Rooibusch-ErnteHolzsammler in Heuningvlei
Am nächsten Tag wurde in Heuningvlei geerntet, eine Siedlung noch einmal 400m höher gelegen.
Nach einem herzlichen Empfang ging es gemeinsam auf die Felder.










Schädling an der Rooibusch-WurzelAbgestorbene Rooibusch-Büsche nach Schädlingsfraß
Zwischendrin waren immer wieder vertrocknete rote Büsche zu sehen - es gibt hier einen verbreiteten Schäding, ein Wurm, der die Wurzel so anfrisst, dass die Pflanze abstirbt. Ein großes Problem, da ein Rooibusch wie Wein oder Tee ca. 3 Jahre braucht, um guten Ertrag zu bringen.











Geerntet wird immer im Team - meist ein Mann und eine Frau. Einer schneidet mit der Sichel die Garben ab, der Partner nimmt sie an, und das Ganze in einer Blitzgeschwindigkeit. Hier eine Bilderreihe:



Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalSkeptische Neugier: Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal. Wir mussten auch ran.Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal. Wir mussten auch ran.Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal. Wir mussten auch ran.Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal, VorstellungsrundeRooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal, Vorstellungsrunde




Wenn ein Auto voll beladen ist, wird der Tee sofort zum Teacourt gebracht, zum Schneiden und Fermentieren.
Spontan einberufene Vorstandssitzung in Wupperthal
Wir fuhren mit, da wir anschließend auf eine Vorstandssitzung eingeladen waren, die anlässlich unseres Besuchs stattfand.



Zum 8-köpfigen Vorstand der Cooperative gehören: Wayne van Schalkwyk (Präsident), Barend Salomo (Vizepräsident und verantwortlich für Marketing / Kommunikation, unser Ansprechpartner), Thomas (Tommy) Salomo (Vize-Schatzmeister und Courtmanager), Christian (Koos) Gertse (Training / Organisaion), Christo Farao (Human Ressources (Personal/Mitarbeiter-Belange) und Zertifizierung), Sofia Valentyn (Schatzmeisterin), Petrus (Piet) Salomo (Sekretär), Sofia Farao (Vize-Sekretärin).




Spontan einberufene Vorstandssitzung in WupperthalNachdem wir uns und unsere Unternehmen einzeln vorgestellt hatten, berichtete Barend Salomo aus der Cooperative. Unser Importeur und Organisator der Gruppe, Benedikt Kaukler, hatte ein intelligentes GPS-Gerät mitgebracht. Das erlaubt nun, die Felder genauer zu kartieren, und auch Versuchsreihen besser zu überwachen.
Der Klimawandel macht sich durch verstärkte Dürreperioden bemerkbar, die die Pflanzen bedrohen. Es sollen jetzt gezielte Versuche gemacht werden, auch begleitet von einer Doktorandin, wilde Rooibusch-Pflanzen zu vermehren, und verschiedene Höhenlagen auszuwerten.

Wie in vielen ländlichen Gemeinden gibt es auch in Wupperthal das Problem der Abwanderung junger Menschen - es gibt zuwenig Arbeitsplätze. Bei der nächsten Vorstandswahl sollen gezielt Jüngere und in gleichem Anteil Männer und Frauen aufgestellt werden: "die Jungen haben neue Ideen, und Frauen denken noch mal anders als Männer ...".







Am Abend gab es direkt die nächste Versammlung, die reguläre Farmerversammlung der Region Heuningvlei. Der Vorstand war wieder dabei, außerdem ca. 25 Kleinbauern und -Bäuerinnen. Wir waren praktisch 2 intensive Tage überall dabei gewesen, und gaben jetzt eine Art Feed Back. Nach dem drastischen Umsatzrückgang von Rooibusch in Europa war es aber auch unsere Aufgabe, realistische Möglichkeiten vorzustellen, mehr zur Förderung des Rooibuschtees zu tun. Dabei wurden die Absatzzahlen und die möglichen Produktionsmengen diskutiert, und wir stellten unsere Rooibusch-Mischungen vor - eine Möglichkeit, Mengen zu erhöhen. Ebenso analysierten wir Prozessabläufe in der Herstellung, die evtl. noch optimiert werden können, vor allem bei der Verarbeitung auf dem Teacourt - das Spezialgebiet von Teewissenschaftler Sarath Ranaweera. Es war auch Thema, welche Pflanzen außerdem angebaut und verarbeitet werden könnten (Zitronengras wäre evtl. eine Möglichkeit), um zusätzliches Einkommen zu generieren. Es ist immer noch so, dass viele der Farmer außerhalb der Rooibusch-Saison im Wein- und Zitrusanbau oder in der Viehzucht Saisonarbeit suchen. Hier die Bilderreihe:

Farmerversammlung der Region HeuningvleiWas passiert eigentlich bei uns mit ihrem Tee? Wir stellen die Heuschrecke-Mischungen vor. Farmerversammlung der Region HeuningvleiRooibusch-Chai und Rooibusch-Vanille von Heuschrecke. Farmerversammlung der Region HeuningvleiFarmerversammlung der Region Heuningvlei. Heinz Gasper spricht über den Film zum Bau des Teacourts, und unsere Eindrücke.Kommunikation: Farmerversammlung der Region HeuningvleiFrage, Kommentare, Austausch, Eindrücke: Farmerversammlung der Region HeuningvleiTon Vink spricht über seine Erfahrungen mit einer französischen Kleinbauernkooperative - auf niederländisch. Barend Salomo übersetzt, und schließt die Versammlung mit einem Segen. Farmerversammlung der Region Heuningvlei

Obwohl alle recht gut Englisch sprachen, übersetzte Barend ins Afrikaans, die eigentlich vertraute Sprache im Kapland.
Ton Vink berichtete auf Niederländisch über seine Erfahrungen beim Aufbau einer Kleinbauernkooperative in Frankreich, was von der Versammlung besonders geschätzt wurde.
Wir sprachen auch lange über den außergewöhnlichen Zusammenhalt der Cooperative, der beim Bau des Teacourts so deutlich wurde.

Die Versammlung wurde mit einem Gebet eröffnet und einem Segen geschlossen. Barend hat hier in der Moravian Gemeinde auch die Funktion eines Priesters inne, neben seiner Aufgaben in der Cooperative.




Besuch bei Frans van der Westhuizen - Rooibusch-Endverarbeitung


Frans van der Westhuizen verarbeitet den Rooibusch von WupperthalKing's Products, Frans van der Westhuizen war der erste Produzent von Bio-Rooibusch in Südafrika
Frans van der Westhuizen ist der Bio-Pionier für Rooibusch in Südafrika. Seine Firma Kings Products liegt in Klipfontein, etwa 20km von Wupperthal entfernt.


Frans produziert selber Rooibusch Tee - seine Spezialität ist Grüner Rooibuschtee (hohe Qualität, bei uns im Programm!).
Außerdem macht er Auftragsverarbeitung für andere Betriebe. Es ist ein Familienbetrieb: seine Frau ist verantwortlich für die Eigenmarken-Produktion, und die beiden Söhne (beide zur Zeit im Studium) können auf jeder Position im Betrieb einspringen.






Mischer / SiebMischer / Sieb
Hierhin werden laufend die Säcke fermentierten und sonnengetrockneten Rooibuschs aus Wupperthal für die abschließende Verarbeitung hingebracht.

Frans ist nicht nur Verarbeiter für die Wupperthaler Cooperative, sondern auch Mentor - und weiß, bei welchem Bauern man günstig eine Maschine oder einen Traktor organisieren kann.

Wie bei uns: unser Kräuterbauer Alfred Hammann besorgte uns auch unsere Mühlen und Siebe von Kollegenbetrieben ...





Haupt-Siebanlage, siebt in verschiedene GrößenDer grobe Rooibusch wird im Mischer/Vorsieb herausgesiebt.
Zunächst geht der Tee in die Misch- und Siebanlagen.

Er wird noch einmal gut gemischt und dann durch verschiedene Siebarten separiert nach gröberen Anteilen (Stokkies, gut für unsere Teemischungen), Fine Cut und Superfine Cut (das, was wir als Rooibusch kennen), noch feinere Anteile für Teebeutel, sowie Dust, Staub.








Aus dem Hauptsieb: der feine Rooibusch, wie wir ihn kennen.Trennen in verschiedene Fraktionen

















Sterilisation und Endtrocknung


Anschließend geht der Tee in die Anlage zur Dampfsterilisation und Endtrocknung. Zunächst wird bei 120 - 150°C und 400 bar sterilisiert, und dann bei ca. 60°C endgetrocknet. In dieser Form gelangt der Tee dann zu uns.











Jetzt heißt es, für dieses Mal von den Wupperthalern Abschied zu nehmen. Voraussichtlich werden wir Barend Salomo wieder im Frühjahr auf unserer Trust Organic Small Farmers-Versammlung und der BioFach-Messe in Nürnberg sehen.

Trust Organic Small Farmers ist eine Kommunikations- und Marketing-Initiative zur Förderung von Kleinbauernprojekten. Mitglieder sind Hersteller-Firmen wie wir, Importeure und Kleinbauernprojekte aus der ganzen Welt. Info: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.trust-organic-small-farmers.de



Als letzten Punkt unserer Reise werden wir noch das Honeybusch-Projekt Ericaville besuchen. Dieser Trust, gegründet von Township-Bewohnern, ist vernetzt mit Wupperthal und Heiveld. Hiervon erzählen wir dann im nächsten und letzten Teil unseres Reiseberichts.


Heinz-Dieter (Heidi) Gasper + Ursula Stübner

 


 

Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH
Fotos mit "cn" im Dateinamen: © Christine Nachmann, Fotografin aus Scarborough, Südafrika
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Tags: südafrika, wupperthal, bio-rooibusch, ernte, trocknen, sieben, sterilisieren
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Südafrika-Reise (5) - Vom Rheinland nach Wupperthal

In Wupperthal: Rooibusch - Herstellung

 

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 5. Teil.

(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem    Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm )
(2. Teil: Öffnet externen Link in neuem   Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/19/vom-rheinland-nach-wupperthal-2.htm  )
(3. Teil: Öffnet externen Link in neuem  Fenster http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/20/vom-rheinland-nach-wupperthal-3.htm  )
(4. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/27/suedafrikareise-4-vom-rheinland-nach-wupperthal.htm  )



Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.

 







Wupperthal: Teacourt, fermentierter Rooibusch  Tee trocknetWupperthal: Teacourt, Rooibusch trockne
In diesem Teil wird nun das Schneiden und Fermentieren des Rooibusch-Tees beschrieben - also das, was direkt nach der Ernte geschieht.

Später werden wir die Dorfbewohner zur Ernte begleiten, und auch noch Frans van der Westhuizen besuchen, der die Endproduktion, also das Aussieben der verschiedenen Fraktionen (Größen), das Endtrocknen und Sterilisieren übernimmt.





Zur Rooibusch-Produktion gehört ein Teacourt, das ist einfach eine Trocknungsfläche aus Beton, direkt an der Teehalle, wie es sie auch in Indien und Sri Lanka für Muskat, Pfeffer, Ingwer, Curcuma usw. gibt.






Wupperthal: Teacourt, fermentierter, getrockneter Rooibusch wird zusammengeschobenWupperthal: fermentierter Rooibusch Tee
Diesen Teacourt hatten die Mitglieder der Cooperative, Frauen wie Männer, vor kurzem gebaut: in wirklich schwerer Arbeit, mit Hacken und Schubkarren, eine ebene Fläche aus den Felsen gehauen und betoniert.


Die Vorgeschichte:  es gab in Wupperthal eine Rooibusch-Association, seit 1998 auch biozertifiziert, und im Fairen Handel präsent. Gerade die Wupperthaler Region ist in Südafrika für den besten Rooibusch Tee bekannt.











Wupperthal: Teacourt, fermentierter, getrockneter Rooibusch wird zusammengeschobenWupperthal: Teacourt, fermentierter, getrockneter Rooibusch wird zusammengeschoben
Die Association hatte sich aufgerieben - die übliche Landflucht aus einem Dorf mit zuwenig Verdienstmöglichkeiten, Absatzkrise von Rooibuschtee (sehr starker Rückgang auch in Deutschland). Einige Mitglieder wollten in dieser Situation aufhören, die Bio-Richtlinien zu befolgen, andere doch weiter ökozertifiziert bleiben, was Stress in der Association und mit der Kontrollstelle auslöste (die Zertifizierung von Kleinbauerninitiativen ist recht aufwendig).










Wupperthal, teacourt: Barend Salomo prüft die FermentationWupperthal, teacourt: Barend Salomo, Heinz-Dieter Gaspe
2009 gründete schließlich die "Öko-Fraktion" mit rund 80 Familien die Wupperthal Original Rooibos Coop. Allerdings ohne Produktionsmittel, sodass sie - bis auf ihren Besitz von Rooibos-Feldern - materiell von vorne anfangen mussten. Sie bekamen von der Moravian Church, dem aktuellen Besitzer der ehemaligen Missionsgüter, das Gebäude und Land der ehemaligen Gerberei zugeteilt.

Im dortigen Winter ist der Teacourt gebaut worden, eine Aktion, die auf unglaubliche Art die (Öko-)Dorfbewohner solidarisiert und gestärkt hat. Es existiert eine DVD über den Prozess (die wir irgendwann mal, sobald es technisch geht - in den Blog stellen wollen). Uns erinnerte das an das Zusammenrücken der Trümmerfrauen nach dem 2. Weltkrieg, dem Schuttaufräumen und Steineklopfen.










Wupperthal, teacourt: Pause!
Zum Zeitpunkt unserer Ankunft am frühen Nachmittag wurde gerade der Tee der Ernte des Vortags zusammengeschoben und in Säcke abgefüllt. Der Tee hatte in der Nacht zuvor fermentiert, und war am Morgen zum Trocken ausgebreitet worden.
Dieser Rooibusch-Rohtee wird später zur Weiterverarbeitung zu Frans van der Westhuizen gebracht.







 

 

 

 

Teehalle: das Lager wurde gerade eingerichtetTeehalle, Büro sieht noch provisorisch aus ..
Teehalle: Büro-Ecke und Lager, alles noch recht frisch eingerichtet.















Teehalle: durch die Kodierung der Säcke, kann  der einzelne Sack bis zum Bauern zurückverfolgt werdenTeehalle: die Beschriftung der Tee-Säcke
Rückverfolgbarkeit: durch den Code auf den Säcken kann der Tee bis zur jeweiligen Pflückung zurückverfolgt werden.













Teehalle: die Vorstandsmitglieder Piet und Sofia
Piet Salomo und Sofia Valentyn aus dem Vorstand. Wir werden später noch an einer Vorstandssitzung teilnehmen.









 

 

 

 

 

 

Teacourt: der frische Rooibusch wird geschnittenTeacourt: der frische Rooibusch wird geschnitten
Es geht weiter mit der Produktion:

Bis Mittag brachten Coop-Mitglieder mehrmals Ladungen frisch geernteten Tees - dieser musste nun auch am selben Tag zügig weiterverarbeitet werden - was mitunter bis in die Nacht geht.









Teacourt: der frische Rooibusch wird geschnittenTeacourt: der frische Rooibusch wird geschnitten
Zunächst wird der Tee auf der Schneidemaschine zerkleinert - die Maschine ist eine neue, stolze Errungenschaft, die Frans vermittelt hatte.



 

 

 

 


Teacourt: der frische Rooibusch wird geschnittenTeacourt: der frische Rooibusch wird geschnitten

 

 

 

 




 

 



Der geschnittene Tee wird eingesammelt

die Rooibusch-Schneidemaschine Frisch geschnitten aus der Machine

















Der frischgeschnittene Rooibusch fällt auf den Teacourt, und wird mit Schubkarren zu einer langen Reihe aufgehäuft.

 

Frisch geschnittener Tee wird zur Reihe angehäuftFrisch geschnittener Tee wird zur Reihe angehäuft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Experiment

 Experiment, Änderung im Prozess

Zwischendrin gab es ein Experiment - der (Grün-)Teewissenschaftler unserer Gruppe, Dr. Sarath Ranaweera aus Sri Lanka, versuchte eine neue Vorgehensweise - er begleitete die ganze Prozessreihe mit Ideen und Vorschlägen - vielleicht lassen sich einige Techniken der Grünteeherstellung auf den Rooibusch übertragen, um die Aromen noch besser herauszuholen ...



 

 

 

 

 Experiment



















Experiment und Diskussion ...Barend Salomo





















Der Tee wird zum Fermentieren befeuchtetinzwischen geht die Sonne farbenprächtig  unter
Ist die Reihe fertig, wird der Tee für die Fermentation vorbereitet. Er wird angefeuchtet, mit Schaufeln gut durchgearbeitet, und dann muss er sehr fest gepresst bzw. gequetscht werden, um die nadelartigen "Blättchen" des Rooibuschs aufzubrechen.

 

Der Pflanzensaft oxidiert (autofermentiert) dann und bringt die rot-braune Farbe und das Aroma, wie bei Schwarztee in Indien und Sri Lanka.



 

 

 

 

 

Der Tee wird zum Fermentieren befeuchtetDer Tee wird zum Fermentieren befeuchtet

Früher wurden Esel über den Tee geführt, heute macht es ganz profan ein Traktor - gut gereinigt und am Boden abgedichtet, presst er mit seinen Reifen die angehäuften Teereihen. Zwischendurch werden die Reihen mit Schaufel und Holzschieber immer wieder durchgemischt, damit am Ende eine gleichmäßige Fermentation erreicht wird.

Über Nacht fermentiert der Tee, und der Duft, der über dem Teacourt liegt, ändert sich.









Am nächsten Morgen ist die Fermentation abgeschlossen


Am nächsten Morgen wird er dann auf der Trocknungsfläche ausgebreitet, so wie wir es eingangs gesehen hatten.

 

 

 

 

 




Am nächsten Tag werden wir die Cooperativenmitglieder nach Heuningvlei zur Ernte begleiten - das erzählen wir im nächsten Teil ...


Hier wollen wir unseren Wupperthaler Freunden zeigen, wie der Tee bei uns abgepackt wird:






Dear Friends from Wupperthal,




Der Wupperthal-Rooibusch wird abgepackt bei Heuschrecke in SpichDer Wupperthal-Rooibusch wird abgepackt bei Heuschrecke in SpichThank you for showing us frankly all steps of production in your Rooibos-processing, and discussing all issues, equally if difficult or well-functioning. Not at least we thank your for your hospitality and sharing your beautiful environment with us. We often think of you as our global family.




 

 

 

Der Tee wird im 5er-Display verpacktDer Tee wird im 5er-Display verpackt

Here you see how your tea is packed in our company. We don't do any teabags, just loose tea because of the better taste.

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere halbautomatische AbfüllmaschineUnsere halbautomatische Abfüllmaschine
The ladies Lydia and Ira are responsible for tea-packing.
There is a half-automatic machine to fill the right weight, and the packages are labelled and closed by hand. Five packages are in one Display.




 

 

 

 

... und hier geht es weiter zum nächsten Teil des Reiseberichts:
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/06/11/suedafrika-reisebericht-6-rooibusch-ernte-in-wupperthal.htm

 


Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner bei der Rooibusch-Ernte
Best regards to you all

Heinz-Dieter (Heidi) Gasper + Ursula Stübner

 

 

Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH
Fotos mit "cn" im Dateinamen: © Christine Nachmann, Fotografin aus Scarborough, Südafrika
Alle Fotos mit Klickvergrößerung

 

 

 

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Südafrikareise (4): Vom Rheinland nach Wupperthal

Lieferantenbesuche in Südafrika

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 4. Teil.

(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem   Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm )
(2. Teil: Öffnet externen Link in neuem  Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/19/vom-rheinland-nach-wupperthal-2.htm  )
(3. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fenster http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/20/vom-rheinland-nach-wupperthal-3.htm  )


Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.

 





Südafrika, Cederberg-Region mit  Wupperthal

Südafrika, Western Capeland

Von Nieuwoudtville ging unsere Reise wieder 200 km in den Süden, nach Wupperthal, unserem eigentlichen Hauptziel. Hier besuchten wir unsere Bio-Rooibusch-Lieferanten, die Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, eine Gemeinschaft von 80 Kleinbauernfamilien.



 

 

 

 

 


 

Cederberg-Region um WupperthalReifenpanne

Wupperthal liegt im malerischen Tra-Tra River Tal in den Cederbergen, insgesamt eine unwegsame, karge Region zwischen 600 und 1100 m Höhe, eine wunderschöne Halbwüsten-Landschaft.



Nur Schotterstraßen, jedes Auto einen Reifen gehimmelt, unser Wechsel wurde von Baboons (Pavianen) beobachtet, sonst menschenleer, auf hunderten Kilometer 2 entgegenkommende Autos.









Cederberg-Region um Wupperthal, StraßeCederberg-Region um Wupperthal
Bevor wir jetzt von unseren Rooibusch-Bauern erzählen: erst eine Erklärung zu Wupperthal, die sehr ausführlich geraten ist, und uns fasziniert hat, weil so eine Art Zeitraffer zwischen Eisenzeit und heute in kaum 200 Jahren abgelaufen ist, und die auch infolge der Missionsaufzeichnungen und einer Dissertation an der Uni Kapstadt so schön dokumentiert ist.















Cederberg-Region um WupperthalCederberg-Region um Wupperthal ( das Grüne ist Wupperthal)
Die Gemeinde Wupperthal wurde 1829/1830 von den Rheinischen Missionaren Gottlieb Leiboldt und Von Wurmb als Missionsstation gegründet, auf Farmland, das sie erwerben konnten.










Die koloniale Situation und ihre rauen Folgen - ab ca. 1650 drängten weiße Abenteurer, oft in der Heimat straffällig gewordene Flüchtlinge, sowie weiße Siedler (trekboer, Buren) tiefer ins Kap-Hinterland hinein - ereichte die unzugängliche und landwirtschaftlich unattraktive Cederbergregion später und in etwas "abgemilderter" Form.

 

 

 

Cederberg-Region um Wupperthal
Zur Zeit der Missionsgründung war das Gebiet besiedelt von Khoikhoi (nomadisierenden Viehzüchtern, auch Hottentotten genannt, und auch bekannt aus dem dt.-südwestafrik. Namibia), San (Jäger und Sammler, auch Khoisan oder Buschmänner (bushmen) genannt), und diversen Mischlingen (Bastaards, mit weißen, Khoikhoi-, Khoisan- oder malayischen (Ex-Sklaven) Vorfahren). Vereinzelt gab es weiße Farmen.








 Cederberg-Region um Wupperthal

Die San waren die stärksten Verlierer der Kolonialisierung. Seit mindestens 8000 Jahren für das Kapland belegt, sind sie praktisch innerhalb von 250 Jahren so gut wie verschwunden. Die archaische Lebensweise passte am wenigsten zur sesshaften Lebensform mit individuellem Landbesitz der weißen Siedler. Common Land wurde zu Crown Land, was Enteignung bedeutete. Sie waren "unangepasst", nicht bereit, lohnabhängig zu arbeiten, und wehrten sich mit Überfällen und Raub. Sie wurden vertrieben, dezimiert, und ihre Kinder organisiert für Zwangsarbeit verschleppt. In der späteren Missionsstation waren sie an eher schwächster Position, anfällig für Gewalt und Alkoholismus.

 

 

 

 

 Wupperthal liegt vor uns im Tal (das Grüne)Straßenschild Wupperthal

Die Khoikhoi waren als Viehzüchter mit traditionellem Wissen um die schwierige Halbwüstenregion schon interessanter für die Siedler - was sie einerseits nicht vor Enteignung und Verarmung schützte, andererseits schafften es einige Clans, offizielle Landtitel und damit einen gewissen Wohlstand und Respekt zu bekommen. Sie bildeten die rurale Elite.






Im Klima der Verrohung zwischen weißen Besetzern und Einheimischen, des Verlusts der alten sozialen Gefüge, und der Zunahme "illegitimer" Beziehungen mit ihren Bastaardkindern wurde nach Missionen gerufen, zur "spirituellen Erziehung". Ab ca. 1800 waren englische, niederländische, die deutsche Herrnhuter (Moravian), und schließlich die Rheinische Mission vor Ort.

 

 

Ankunft in Wupperthal - wie vor 150 Jahren  ...

Ankunft in Wupperthal - wie vor 150 Jahren ... - fast ...
Die ersten 10 Jahre der Mission in Wupperthal waren ein Fiasko. Bis auf wenige Clans, die aus dem Getauft-Sein Reputation bezogen, wurde der christliche Glaube nicht angenommen, und obwohl Missionsstationen einen gewissen Schutz vor den kolonialen Ungerechtigkeiten boten, gab es eine hohe Fluktuation.









Wupperthal: das Leipoldt-Haus ist jetzt ein CaféWupperthal: Mission Store
Erst 1840 änderte sich die Situation: eine Anzahl bereits christianisierter Familien von Ex-Sklaven zog hinzu (etwas verzögert nach dem Verbot der Sklaverei 1833), die über Bildung und handwerklicher Ausbildung verfügten. Gleichzeitig beschloss Leipoldt, konzentriert eine lokale Industrie zu entwickeln und ließ Fachleute aus Deutschland anreisen.







Wupperthal: Mission StoreWupperthal: Mission Store


In den nächsten 10 Jahren wurde eine Gerberei, Schuhfabrik, Hutfabrik, Schreinereien, Karrenbauerei und eine Mühle aufgebaut, und die Landwirtschaft und Viehzucht verbessert. Die Clans der Ex-Sklaven-Familien bildeten als Handwerker nun die Missionselite.










Wupperthal Schuhfabrik: in der besten Zeit gab es 40 Angestellte, heute 5Wupperthal Schuhfabrik: in der besten Zeit gab es 40 Angestellte, heute 5















Wupperthal Schuhfabrik: die LeistenWupperthal Schuhfabrik: in der besten Zeit gab es 40 Angestellte, heute 5
















Wupperthal Schuhfabrik: früher wurde das Leder selber gegerbt, heute kommt es aus Cape TownWupperthal Schuhfabrik: ganz weiches Leder, ganz schöne Modelle ...
















Wupperthal: erste Missionshäuser, hier sieht man den MaterialaufbauWupperthal: erste Missionshäuser
Es folgte eine Phase bescheidenen Wohlstands, es gab eine Grundabsicherung für Arme und Kranke, und man begann, mit festen, weißen Steinhäuser mit Reetdach die alten Hütten zu ersetzen. Ebenfalls wurden neue Teacher Training Programs für schwarze/farbige LehrerInnen eingerichtet.









Wupperthal: MissionshäuserWupperthal: Missionshäuser














Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es zwei Wirtschafts- bzw. Spekulationskrisen, den südafrikanischen Burenkrieg, und immer wieder Dürreperioden, die die Mission überforderten. Es konnten nicht mehr alle versorgt werden, viele zogen in die Städte wie Clanwilliam, Tulagh, bis Capetown, um ihr Glück zu versuchen, ungewollte und sehr frühe Schwangerschaften, (sexuelle) Gewalt und Alkoholismus bereiteten regelmäßig große Probleme. Die alteingesessenen Khoikhoi-Bauern verarmten (sie hatten ihr Land an die Mission verkauft, und hatten nun Schwierigkeiten, ihre Pacht zu bezahlen) und rebellierten gegen die Missionare aus Angst vor Landverlust. Die Missionare regierten phasenweise mit einem harten, autoritärem System von Kontrolle und Strafe.




Wupperthal: PostWupperthal: Weg zum Teacourt an der Kirche vorbei
















Auf der anderen Seite bildete sich so etwas wie eine neue, verantwortungsbewusste, bürgerliche Elite, die an der Gemeindeverwaltung aktiv teilnahm. Die vielfältigen ethnischen Herkünfte verschmolzen anfangs des 20. Jahrhunderts zu einer neuen Identität von farbigen, politisch empfindenden Bürgern.
Ein erstes Bild der Rainbow Nation Mandelas. Dieser Geist war auf unserer Reise trotz aller aktuellen Probleme immer spürbar und hat uns in den Bann gezogen.

Es war auch eine Initiative der Bauern Anfang des 20. Jahrhunderts, den "Rother Buschtee" (Rooibuschtee) mit gutem Erfolg zu vermarkten, ein Getränk, was immer schon bei Einheimischen bekannt war. 




Wupperthal: Friedhof, Gräber bestehen traditionell aus 2 SteinenWupperthal: Kirche

Die Mission mit ihren umliegenden Außenstationen zählte zu ihren stärksten Zeiten über 2000 Einwohner. Das Land reichte trotz Zukäufe nicht, um die Bauernfamilien mit Pachtland zu versorgen.

Es organisierte sich ein Zyklus, in dem die ältesten Kinder jeweils in die Stadt für einen Zuverdienst arbeiten gingen, und zurückkehrten, wenn die Jüngeren soweit waren, um dann selber eine Familie zu gründen. In kurzen Perioden lief es rund, zumal auch, wenn die örtliche Industrie gute Aufträge bekam. Über die ganze Zeit betrachtet sieht man jedoch den ständigen Kampf gegen Armut, Hunger und soziale Probleme.





Wupperthal: auf dem Weg zum Teacourt. Die   heutige Teehalle war früher die Gerberei.

Wupperthal: Herzlicher Empfang (Barend  Salomo, Heinz-Dieter Gasper, Ben Kaukler)
Im 20. Jahrhundert setzte eine massive Ökonomisierung des Lebens ein. Farbige Menschen wurden im Arbeitsleben schlechter behandelt und bezahlt als zuvor - hier gab es in der Mission zumindest eine schützende Hand vor der schlimmsten Ausbeutung. Alles Land war jetzt in Besitz von weißen Farmern oder der (weißen) Mission.








Wupperthal: heute geernteter Rooibusch zur WeiterverarbeitungWupperthal: heute geernteter Rooibusch zur Weiterverarbeitung













Die zwei Weltkriege ließen das Schicksal der deutschen Mission ungewiss werden, da auf jeden Fall ein Teil mit den Nationalsozialisten Hitler-Deutschlands symphatisiert hatte. Ab dem Ende des 2. Weltkriegs bereitete sich der Rückzug der Mission vor, es gab eine Phase der Rebellion der jungen Männer gegen ihre schlechten Zukunftschancen, und auch Misswirtschaft/Veruntreuung seitens der Missionsleitung. Die Alten, die im Krieg gegen Deutschland gekämpft hatten, begannen, offen gegen die Leitung zu opponieren.






Wupperthal: Pause vor der TeehalleWupperthal Teehalle: Liste, wer das Tagesgebet spricht. Die Namen sind dieselben wie schon vor 170 Jahren
In einem Klüngel sollte die Station an die apartheidnahe "holländische" Landeskirche übergeben werden. Nach starken Protesten der Bürger konnte das verhindert werden, sodass die Mission schließlich unter der letzten friedlichen und produktiven Leitung 1965 an die gemäßigtere Moravian Church ging. Die weißen Missionsfamilien und einige Familien aus der farbigen Elite zogen dann weg, mit dem Nachteil, dass auch handwerkliches und industrielles Wissen abgezogen wurde.









Wupperthal: der halbe Vorstand der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative: Barend, Piet (sein Bruder), Sofia. Im Dorf redet man sich mit Vornamen und aunt (Tante) bzw. uncle (Onkel) an.
Zurück zur Gegenwart: mit fast einem Déjà-Vu-Gefühl kamen wir an in diesem schmucken Dorf mit Häusern, die in einem deutschen Freilichtmuseum hätten stehen können. Barend Salomo, Vizepräsident der Cooperative hatte uns erwartet - nach einem familiären und herzlichen Empfang wendeten wir uns sofort dem Thema Rooibusch zu ...




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Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner


Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH
Fotos mit "cn" im Dateinamen: © Christine Nachmann, Fotografin aus Scarborough, Südafrika



Literatur: Mark Ch. Bilbe: Wupperthal. The Formation of a Community in South Africa 1830-1965. Köln 2009. Diese englische Dissertation (aus Kapstadt) ist weitgehend mit Material aus dem Archiv der Rheinischen Mission entstanden. Es wird auch im Herbst 2010 in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht werden.
Die Archiv und Museumsstiftung der VEM (Vereinte Evangelischen Mission) hatte uns dieses Buch freundlicherweise zugesandt.


Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass die Fotos nicht original alt sind - obwohl natürlich viele der dargestellten Sujets aus der Originalzeit stammen.

Wer also die alten Geschichten nicht lesen will, kann sich zumindest über neue Fotos freuen - dahinter verbergen sich Erklärungen (mit dem Cursor auf das Bild gehen). Bilder können mit Doppelklick vergrößert werden. Über unsere Bauern, und wie Rooibusch geerntet und verarbeitet wird, erzählen wir das nächste Mal.




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Tags: südafrika, rooibos, wupperthal, kleinbauern, rheinische mission, kolonialismus, schuhfabrik
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Vom Rheinland nach Wupperthal (3)

Unsere Lieferanten in Südafrika. Ein Reisebericht

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 3. Teil.
(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem  Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm )
(2. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/19/vom-rheinland-nach-wupperthal-2.htm   )


Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.








Karte: Kap Provinz, Nieuwoudtville, Heiveld

Was uns wunderte: obwohl diese Klassifizierung mit dem Ende der Apartheid abgeschafft wurde, wird im Alltag noch exakt zwischen "Black People" und "Brown" oder "Coloured People" (hellere Hautfarbe), und daneben natürlich noch Weißen und Asiaten, unterschieden. 80% der Bevölkerung gehören zur schwarzen Urbevölkerung (Bantu-Völkerfamilie). In der Kap-Provinz, wo die von uns besuchten Rooibusch-Cooperativen Heiveld und Wupperthal sind, gehört der größere Anteil der Bevölkerung jedoch zu den Brown People. Warum?


Die Kap-Spitze mit dem Tafelberg war Ausgangspunkt der aktiven Okkupation durch Europäer. 1653 gründete hier die niederländische Ostindien-Gesellschaft einen Hafen und achtete sorgfältig auf ihre Monopolstellung im Handel. (Ca. 100 Jahre zuvor waren die Portugiesen dort, nahmen Südafrika allerdings nach Niederlagen nicht als Kolonie ein.)


Europäische Siedler drängten wie überall auf der Welt in Konkurrenz untereinander und zu Monopolisten recht aggressiv als Farmer und Lebensmittelproduzenten weiter ins Hinterland der heutigen Kap-Provinz hinein.

Die benötigten Arbeitskräfte wurden mit Sklaven aus anderen afrikanischen und asiatischen Ländern gedeckt, wofür Kapstadt ein aktiver Umschlagplatz war.


Die einheimischen Khoi San und Khoikhoi, traditionell Jäger-Sammler und Viehzüchter, weigerten sich, in abhängige Lohnarbeit (unter schlechten Bedingungen) auf die Farmen zu gehen. Die Stämme lehnten abhängige Arbeitsverhältnisse tief aus ihrem Selbstverständnis heraus ab, durch die Geschichte hindurch. Parallel zur Sklavenhaltung kam es aber schon zu einem kleineren System der Zwangsverknechtung von Khoi San und Khoikhoi.


In der Regel handelte es sich um kleine oder mittlere Farmbetriebe, sodass es zwar offiziell Rassentrennung gab, aber im Alltag unterlaufen wurde. Durch das Problem Frauenmangel unter den weißen Siedlern fand eine Durchmischung mit der schwarzen und asiatischen Bevölkerung von Anfang an statt. Ehen zwischen Weißen und Mischlingen waren mehr oder weniger offiziell.


Anfang des 19. Jahrhunderts gingen die neuen britischen Besatzer im Kapland aus humanitären Gründen gegen die Sklaverei an. Da auf die Arbeitskräfte nicht verzichtet werden konnte, und Sklaven teurer und rarer wurden, begann ein organisiertes "Kidnapping", eine brutale Jagd mit Zügen eines Genozids auf die Khoi San und Khoikhoi, besonders auf Kinder, um sie zu verknechten - dieses Zwangsarbeiterverhältnis war auch rechtlich schlechter gestellt als die Sklaverei.


1833 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft. Zurück blieben im Kapland eine durchmischte, landenteignete Bevölkerung, die Brown People, und ein perfektioniertes System an Arbeitskontrolle und Zwangsarbeit. Im Laufe des 19. Jahrhunderts bis ins 20. entwickelten die Brown People mit der Muttersprache Afrikaans eine neue Identität. Im Kapland leben heute nur noch wenige Menschen der ursprünglich schwarzen Völker, während ihr Bevölkerungsanteil im Osten und Nordosten Südafrikas fast 100% beträgt.

 




Unsere Südafrika-Reisegruppe auf der Landskloof-Farm von Koos KoopmannKoos Koopmann, Bio-Rooibusch-Farmer der Cooperative Heiveld

Doch zurück zu unserer Reise.


Am folgenden Tag besuchten wir Koos Koopman, Rooibusch-Farmer der bio- und Transfair-zertfizierten Cooperative Heiveld in Landskloof.


Seine Geschichte: früher hatte er auf der Landskloof-Farm für 15 Rand am Tag (ca. 1,50 EUR) als Tagelöhner gearbeitet. Nach dem Ende der Apartheid war es möglich, gute Regierungskredite für z.B. Landkauf zu bekommen. So hat er eisern darauf hingearbeitet, genau jene Farm zu kaufen, und er hat es geschafft!

Seine Frau stammt aus Wupperthal, hat dort noch ein Stück Rooibusch-Land und ist Mitglied der Wupperthal-Cooperative. Für beide ist es wichtig, die Hoheit über alle Produktionsprozesse vom "Feld bis zur Tasse" zu haben.



Koos zeigt uns die Pläne seiner Farm

 

Der starke Wunsch nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit, der uns nicht nur bei Koos begegnet ist, erfordert die ständige Suche nach Balance: eine gute Zusammenarbeit in der Kooperative ist unabdingbar, um gesund wirtschaften zu können, aber den entwicklungspolitischen Regierungs- und Nichtregierungs-Organisationen wird mit skeptischer Distanz begegnet, wenn sie sich zu sehr in die Abläufe der Kooperative einmischen. Der Grat zwischen Unterstützung und Bevormundung ist den Kleinbauern fast schon allergisch bewusst, aus der Geschichte. Das Ende der Apartheid und die Entwicklung ist noch sehr präsent.

 

 

 

 

 

Farm Koos Koopmann, Brachland

Wenn man von Kleinbauern spricht: in Sri Lanka und Indien ist die typische Größe eines Kleinbauernbetriebs 1 ha, oft Steillage im Dschungel. Hier in Südafrika sieht es etwas anders aus. Die Größe von Landskloof beträgt 3000 ha. Vieles ist Brachland, doch Koos bepflanzt systematisch. Aber die Gegend ist mehr Wüste als Ackerland.



 

 

 

 

 

 

 

Farm Koos Koopmann, Wildstreifen zwischen Rooibusch-FeldernFarm Koos Koopmann, Wildstreifen zwischen Rooibusch-Feldern



Zum Schutz gegen Erosion und Erhalt der ökologischen Zusammenhänge (Insekten-, Tierwelt) pflanzt er extensiv:
80 Reihen Rooibusch, dann folgt jeweils 20m Brache mit Wildbewuchs.







Farm Koos Koopmann: SchafeFarm Koos Koopmann, Rooibusch Feld

 


Im Brachland weiden auch die Schafe.







 






Farm Koos Koopmann, SetzlingeFarm Koos Koopmann, Setzlinge
Koos ist Spezialist für das Ziehen von Bio-Rooibusch-Setzlingen. Etwas Besonderes, da auf dem Markt keine biozertifierten Setzlinge erhältlich sind.










 


Koos Koopmann, Bio-Rooibusch-Farmer der Cooperative Heiveld: from plant to cupKoos Koopmann, Bio-Rooibusch-Farmer der Cooperative Heiveld: from plant to cup
Er erklärt uns seine Philosophie "from plant to cup".


Neben dem angepflanzten Rooibusch gibt es übrigens überall noch wilde Rooibusch-Pflanzen. Der Tee davon ist feiner mit einem fast blumigen Aroma.

Leider kam es in den letzten 10 Jahren bei uns zu einem Rückgang des Rooibusch-Konsums, was auch in Südafrika zur Rooibusch-Krise geführt hat. Unseren Bio-Kooperativen hat dies Probleme bereitet - also unser Appell: bitte weiter Rooibusch-Tee trinken.

Rooibusch Tee ist am Morgen z.B. eine schöne Alternative zu Schwarztee und schmeckt auch mit Milch (Kinder mögen das).








Später am Abend: unsere kleine Reisegruppe war ja sehr multikulturell, in einem Regenbogenland und der Wiege der Menschheit. Bevor Arlette und Christine zu uns stießen, hatten sie sich fürchterlich verfahren, da es mehrere Orte des gleichen Namens gibt, und man niemanden trifft (auch keine Schilder), der einem weiterhilft.

Sarath, Wissenschaftler aus Sri Lanka, erklärt, wie man aus einem Zweig selber ein Orakel herstellt, um den richtigen Weg herauszufinden. So wird bei Verirren in Sri Lanka heute noch der Gott befragt, der "die Wege kontrolliert."



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Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH
Fotos mit "cn" im Dateinamen: © Christine Nachmann, Fotografin aus Scarborough, Südafrika

 

 

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Tags: südafrika, rooibusch, wupperthal, ericaville, heiveld, kleinbauern, bio, fairtrade
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Vom Rheinland nach Wupperthal (2)

Unsere Lieferanten in Südafrika. Ein Reisebericht

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 2. Teil.
(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm )


Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.





Wegkreuzung, hier schon im NordkapWeites Getreide-Tal bei Citrusdal
Benedikt Kaukler, von den Bauern respektvoll Dr. Ben genannt, hatte in stiller Vorfreude auf ein Stück schnurgerader Straße - das als BMW-Teststrecke gedient haben könnte - 2 solide, schnelle Autos gemietet, stabil und sicher auf den Schotterpisten und Dirt-Roads, auf denen wir uns in der übrigen Zeit bewegten. Dennoch gab es schonmal kleine und größere Pannen. Autopannen werden in Südafrika leicht etwas dramatisch: Räuber, Paviane, und die Gefahr, dass in der handyfreien Wüste Stunden niemand kommt.


Nach gut 16 Stunden Flug über Dubai und einem Abend im schon recht kühlen, regnerischen Kapstadt ging es also am 27.3. los in die Berge -

durch Citrusdal, einer weiten Ebene und Zentrum für den Anbau von Zitrusfrüchten -

über Clanwilliam, eine alte Stadt und das Zentrum des Rooibusch-Anbaus mit schon kargerer und felsiger Landschaft -

bis zu unserer ersten Übernachtungsstation beim hochgelegenen Niewoudtville, Papkuilsfontein, schon im Northern Cape. Hier bemerkt man das Halbwüstenklima - tagsüber ist es bedeutend heißer, abends kühl.




Navigator in der einsamen HalbwüsteDirtroad
Diese Gegend ist recht einsam, sowohl an Straßen als auch an Menschen. Ganz verstreut liegt hier und da eine Farm.












Mut verloren



Die damaligen Farmer vergaben als Gründer die Ortsnamen aus dem Bauch heraus: Moedverloor (Mut verloren), "Ecke-ohne-Kaffee" ("nicht anhalten, weiterfahren"!). 











Canyon in PapkuilsfonteinFynbos-Vegetation
Die Landschaft erinnerte uns oft an Spanien oder Schottland, nur unendlich weiter und offener.


Da die Luft sehr klar ist, die Wolkenformationen präsent und nahe scheinen, und wir uns auf 600-1000m Höhe bewegten, hatten wir das Gefühl, "oben" zu sein, dem Himmel näher.









MaartblomFelsboden, Urmeerboden
Gleichzeitig liegt die Geologie offen zu Füßen: durch Erdfaltungen wechselt man von einem Schritt auf den anderen von sandfarbenem Sandboden zu blutrotem Erd-Felsboden.

 

Es gibt glaciale Spuren und noch zu sehende Eindrücke von Muscheln im ehemals Urmeerboden.










Fynbos-VegetationFynbos-Vegetation
Eine markante, selbstbestimmte (autochthone) Halbwüstenvegetation, genannt Fynbos, Canyons, jahrtausende alte Felszeichnungen von frühen Menschen - das alles bewirkte ein Gefühl des in-den-Kosmos-eingebunden-Seins.




 

 

 

 



Fynbos-Vegetation, Wurzel Fynbos-Vegetation, hier schon herbstlich, sonst ein Blütenmeer
















fAlle paar Jahre regeneriert ein natürlicher Brand die VegetationsvielfaltFynbos-Vegetation

















Fynbos-Vegetation - sieht nur von weitem eintönig aus und ist  ungeheuer vielfältigAlle paar Jahre regeneriert ein natürlicher Brand die Vegetationsvielfalt






















Sarath erklärt, warum laut Wissenschaftler ein magnetischer Aufzug zum Mond von Sri Lanka starten würde.Dieser Baum wurde vor 2 Jahren entdeckt, eine neue Art und einzigartig, nur an diesem Standort endemisch.

 




 




 

 






Diese schwarzen Felszeichnungen sind mehrere 1000 Jahre alt, aus Vor-Buschmann-ZeitenDiese schwarzen Felszeichnungen sind mehrere 1000 Jahre alt, aus Vor-Buschmann-Zeiten








 







Diese schwarzen Felszeichnungen sind mehrere 1000 Jahre alt, aus Vor-Buschmann-ZeitenDiese schwarzen Felszeichnungen sind mehrere  1000 Jahre alt, aus Vor-Buschmann-Zeiten











 

 

 


Hochebene Papkuilsfontein, dem Himmel naheUnser Haus
Verstärkt wurde dieses in den Kosmos eingehüllte Gefühl bei den nächtlichen Wanderungen von unserem Gästehaus bis zur Farm des Gastgebers (für das köstliche Abendessen mit hervorragenden südafrikanischen Weinen) und zurück,

über das wüstenartige und völlig stille Hochplateau unter gigantischem Sternenhimmel.





Nieuwoudtville ist eine der Gegenden mit einzigartigen Blumenwiesen im Frühling, unglaublich in der Landschaft, die eher nach Wüste aussieht.
 




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Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH



 

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