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Heiliger des Monats Oktober: Lukas
18. Oktober: Apostel Lukas
Patron: der Ärzte und Künstler, insbesondere der Maler und Zeichner
"Lukasgilden" nannten sich die Vereinigungen der Kunstmaler und Zeichner in vergangenen Jahrhunderten, und bis heute ist er ihr Patron.
Anlaß für diese besondere Verehrung des Lukas, der ein Evangelium und die Apostelgeschichte verfaßte, ist die schöne Legende, Lukas habe Maria selber in Gemälden portraitiert. Tatsächlich schildert Lukas die Gottesmutter in seinem Evangelium ausführlicher und wohlwollender als alle anderen Quellen. Das eindrucksvolle Magnifikat-Lied (siehe
Heilige des Monats Juli 2011 Mariä Heimsuchung) gibt es sogar nur bei ihm:
"Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan."
Man hat sehr den Eindruck, daß er die Gottesmutter persönlich gekannt und überaus geschätzt hat.
Und die Malerei ? Man weiß eigentlich gar nicht, wann und wie diese Berichte aufkamen, aber schon um 600 nach Christus ist von Marienbildern die Rede, die Lukas angefertigt haben soll. Aus dieser frühen Zeit hat z.B. die Ikone "Maria Fürsprecherin / Maria Advocata" überlebt, die in Rom in einem Kloster der Dominikanerinnen verwahrt wird.
Na ja, sagten die Theologen lange Jahre unisono, Lukas als Pinselschwinger, nette Story, aber leider alles Quatsch. Die Jünger sind in Leinensäcken und Schlappen durch den Wüstensand geschlurft bzw. mit so besseren Tretbötchen kreuz und quer über den See Genezareth gepest und waren froh, wenn es abends was zu essen gab. Von Malerei - keine Rede, und natürlich sind auch die Evangelien erst sehr sehr spät geschrieben worden und in den Augen der Oberschlauen sowieso halbe Märchen.
In jüngerer Zeit wird an diesem Bild gekratzt. Man fragt sich, ob solche Vorstellungen nicht eher einem kräftigen mitteleuropäischem Größenwahn als biblischer Realität entsprechen ?
Unsere eigenen Vorfahren, ja die sprangen im Bärenfell den wilden Sauen im Walde hinterher - aber Palästina war als Teil des römischen Reiches doch deutlich komfortabler möbliert.
Man nimmt langsam und widerstrebend zur Kenntnis, daß der Grad der Verschriftlichung zur Zeit Jesu umfassend war. Wie heute wurde jeder Blödsinn auf Papier festgehalten, an jeder Ecke kritzelte jemand einen Papyrus voll, Briefe gab es waschkorbweise. Und - die Reden noch des dusseligsten Provinz-Politikers wurden in superschneller Kurzschrift live mitgeschrieben. Warum dann nicht auch die von Jesus, dem Star-Prediger aus Nazareth, dem Straßenfeger, dem wortwörtlich tausende hinterhertrabten ? Muß doch keiner meinen, die Evangelisten hätten eine Taube auf der Schulter gebraucht, die Ihnen was ins Ohr flüstert: die gingen wahrscheinlich einfach zum Pressearchiv.
Na denn, mag sein: aber geknipst wurde doch wohl noch nicht ?! - Wie man es nimmt. Im Nachbarland Ägypten, zu dem allerengste Kontakte bestanden, fanden Schatzgräber vor gut 100 Jahren nahe der auch von zehntausenden Juden bewohnten Stadt Alexandria in einer regenlosen Oase unzählige völlig realistisch und modern gemalte Portraits aus der Zeit Jesu, die man Verstorbenen mit ins Mumienpaket gewickelt hatte. Gemalt in einer Enkaustik genannten Wachsfarbentechnik, in der auch alle frühen Ikonen der Kirche gemalt sind.
Wenn es die Tradition hartnäckig überliefert, warum sollte Lukas also nicht so ein Zeichenfex gewesen sein ? Es spricht erst einmal gar nichts dagegen, daß es Gemälde seiner Hand gab (oder immer noch gibt), für die Maria tatsächlich Modell saß.
So ist das mit Legenden: manche sind einfach poetischer als die Wirklichkeit, aber manchmal ist die Wirklichkeit poetisch und trotzdem ganz real. Wir sollten uns der gelegentlichen Wahrheit der Legenden und Märchen nicht vorschnell verschließen: katholisch sein heißt, mit Geheimnissen leben zu können, den Reichtum jenseits der Grenzen des Offensichtlichen öfter mal zuzulassen.
Legenden bereichern das Leben, befeuert die Phantasie - und tun der ärmlichen Schulbuchwirklichkeit nicht weh, die auf Wikipedia mittlerweile eh alle 5 Minuten umgeschrieben wird ....

Peter Kirwel









