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Mikrokosmos: Rübling und Helmling
Blätterpilze auf Fichtenzapfen
Da wir sooo lange nichts haben von uns hören lassen, hier die Rückmeldung mit einem Feuerwerk im Kongo!
Nur zwei kleine frische Blätterpilzarten mit Hut und Stiel, beide auf Fichtenzapfen wachsend, haben wir im April stetig angetroffen und haben deshalb auch genauer hingeschaut: auf den ersten oberflächlichen Blick hin unterscheidet man sie gar nicht und da der eine, nämlich der Fichtenzapfen-Rübling (Strobilurus esculentus) sehr häufig vorkommt, wird der andere, der seltenere Fichtenzapfen-Helmling (Mycena strobilicola) regelmäßig übersehen.
Auf den zweiten Blick sind die Unterschiede augenfällig: der essbare (aber wegen seiner Winzigkeit mykophagisch unergiebige) Fichtenzapfenrübling hat einen flachen Hut mit weisslichen angehefteten, fast freien Lamellen und einen ziemlich elastischen Stiel, während der Fichtenzapfen-Helmling einen doch recht typischen glockig-kegeligen Helmlingshut auf brüchigem Stiel trägt. Dazu kommt sein penetranter Chlorgeruch, der Pilzgerichtfantasien erst gar nicht aufkommen lässt.
Quetscht man die Lamellenschneiden ein wenig unter dem Deckblättchen, wird bei 400facher Vergrößerung, bei 1000facher erst recht, schnell klar, dass die sterilen aufgeblasenen Zellen an den Lamellenschneiden, die sogenannten Cheilozystiden (Ch) zu zwei sehr verschiedenen Arten gehören müssen: mag auch ihre bauchig- spindelige Form noch ähnlich sein, nur die Cheilozystiden vom Fichtenzapfen-Rübling sind derart dickwandig. Das sind die Cheilocystiden vom Fichtenzapfen-Helmling nie und ein bisschen rundlicher sind sie auch.
Natürlich gibt es noch weitere mikroskopische Unterschiede. Wir können hier noch die langen, dünnen Hyphen der Hutdeckschicht (HDS) des Fichtenzapfen-Helmlings zeigen. Selbst die feinen, der Zellmenbran aufliegenden bräunlichen Inkrustationen kann man gut erkennen. Der Fichtenzapfen-Rübling hat dagegen eine Hutabschlusshyphenschicht aus dichtgepackten birnenförmigen Zellen (leider kein Mikrobild vorliegend) und die merkwürdigen geisselartigen Auswüchse (Caulocystiden) an der Stielspitze wie beim Fichtenzapfenhelmling (siehe Mikrobild) hat er auch nicht, dafür pfriemelige auf breitem Fuß (leider kein Mikrobild).
Da all' diese Gewebe weisslich sind und im Mikroskop fast durchsichtig erscheinen haben wir sie angefärbt mit Kongorot und erhalten dieses Feuerwerk der Mikrostrukturen.
Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
Bilder mit Klickvergrößerung
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).
In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.
Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer
Mikrokosmos: Heimliche Stars
Pilze, die über den Tellerrand gucken.
Nein - das sind keine Eisblumen!
Wir befinden uns zwar im Wintermonat Januar, der ließ aber mit frostigen Temperaturen bis vor zwei Tagen auf sich warten.
In der ersten Januarhälfte herrschten eher frühlingshafte Celsiusgrade um die 10° vor und in schneefreien Wäldern und Fluren zeigte sich bei gleichzeitig hoher Boden- und Luftfeuchte endlich die Pilzflora, die wir im staubtrockenen November so sehr vermisst hatten.
Hier ist nun Plicatura crispa, der Krause Adernzähling, reihenweise und dachziegelig zu Dutzenden an einem toten, liegenden, unterarmdicken Buchenast gewachsen. Die 10-20 mm breiten, halbkreis-, fächer- oder muschelförmigen Fruchtkörper sind mit ganz kurzem Stiel am Substrat angewachsen. Während die Oberseite von einem ocker- bis rotbraunen, konzentrisch-wellig-gezonten, angedrückten Filz bedeckt ist, kann man unterseits eine weisslich-grau-blaue Eisblumenlandschaft bestaunen: lamellig-aderige Rippen, mal gegabelt, mal quer untereinander verbunden.
Mikroskopisch gibt der Krause Adernzähling, den man übrigens ganzjährig an allerlei verrottendem Laubholz entdecken kann, bis auf winzige kommaförmige Sporen wenig besonderes her. Deshalb diesmal im Bild viele ganze Fruchtkörper - von oben und von unten.
Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
Bilder mit Klickvergrößerung
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).
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Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer
Mikrokosmos: Rötlinge
Die Schätze der mageren Wiesen

Zwischen Gräsern, Kräutern, Moosen auf mageren Wiesen treten sie häufig auf: die Rötlinge (Familie Entolomataceae). Auf der diesjährigen Wiesenpilz-Tagung Anfang November 2011 gab's gleich mehrere Arten zu bestaunen.
Rötlinge als solche sind an ihren eckigen, rosa Sporen ( die Lamellen verfärben sich schon am Fruchtkörper mit der Sporenreife zum sogenannten 'Mykologenrosa', einem eher etwas schmutzigen Altrosa) bei entsprechender Vergrößerung leicht zu erkennen, sobald ihre Sporen auf dem Objektträger liegen.
Dann aber wird's schwierig, denn man hat den Eindruck, dass die Sporen fast alle gleich aussehen, wenn man nicht gerade den Kreuzsporigen Rötling (Entoloma conferendum, siehe
Mikrokosmos 11/2010) erwischt hat. 
Aber es gibt ja glücklicherweise noch andere gute Merkmale und mit dem Braunblättrigen Filz-Rötling (Entoloma jubatum) und dem Porphyrbraunen Filz-Rötling (Entoloma porphyrophaeum) haben wir noch zwei relativ einfach zu identifizierende Arten entdeckt:
An den häufig sterilen Lamellenschneiden besitzen sie sterile Sonderzellen (Cheilocystiden) mit eigenartigen runden Köpfen, die wie Mensch-ärgere-Dich-nicht-Figuren aussehen, bei Entoloma porphyrophaeum allerdings untermischt mit noch anders geformten Cheilocystiden und auch sporenentwickelnden Zellen (Basidien).
Im mit Kongorot angefärbten Präparat sind die 'Spielfiguren' gut zu erkennen. Viel Spaß beim Schauspiel!
Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
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Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).
In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.
Fotos © Evi Wandelt
Mikrokosmos: Pluteus
Gestatten: Schwarzschneidiger Dachpilz
Kunst? Oder essen?
Unser Schwarzschneidiger Dachpilz (Pluteus atromarginatus) ist leicht erkenntlich an seinen schwarzen (sic) Lamellenschneiden, wenn man gleichzeitig sein bräunlichrosa Sporenpulver und seinen typischen Sitzplatz auf einem morschen Nadelholzstrunk bedenkt, den er mit seinem 4-8 cm flach ausgebreiteten, graubraunen Hut teilweise "bedacht".
Auch mikroskopisch lässt sich die Gattung Pluteus schnell weiter eingrenzen: viele Dachpilz-Arten besitzen an ihren Lamellenschneiden keulige, sterile Sonderzellen (Cheilozystiden, Bild 1), nur wenige aber bilden die eigenartigen dickwandigen Hakenzellen (Pleurozystiden, Bild 2) an den Lamellenflanken aus, und unser Schwarzschneidiger Dachpilz gehört dazu.
Nicht alle Pleurozystiden haben Haken, viele sind einfach nur relativ dickwandig und spitz, wie das Übersichtsbild 3 zeigt. Unser Schwarzschneidiger Dachpilz ist, wie der häufigste Rehbraune Dachpilz auch, zwar essbar, aber nicht schmackhaft, wir haben ihn nur wegen der Aussichten auf den Augenschmaus der wunderbaren Hakenzystiden mitgenommen.


Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
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Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).
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Fotos © Evi Wandelt
Mikrokosmos: Korallenpilze
Runzelige Keulenpilze und Bauchweh-Korallen

Im April gab's PilzKORALLEN, diesmal geht's umgekehrt um PILZE, die wie Korallen aussehen.
Die häufigsten korallenähnlichen Pilze, die in unseren Hunsrückwäldern auch auf sauren Böden vorkommen, gehören gar nicht zu den echten Korallen der Gattung Ramaria (Korallen), denn deren Arten beanspruchen meist bessere, basische Böden, sondern zu der Gattung Clavulina (Keulenpilze). Wilhelm Schulz hat sie im Jahr 2010 im Spätherbst fotografiert:
Wie kleine Schmuckstücke glitzern uns die hellen, feinverzweigten Fruchtkörper von Kammförmigem oder Grauem Keulenpilz aus Falllaub, dunklen Moosen oder Nadelstreu an. Der Runzelige Keulenpilz wächst oftmals gar auf nackter Erde und ist ein häufiger Begleiter unserer Waldwege. 
Alle Keulenpilze sind nicht essbar, aber auch echte Korallenpilze sollten, selbst wenn sie gegessen werden könnten, ihrer Seltenheit wegen geschont werden. Manche sind giftig, z.B. die berühmt-berüchtigte "Bauchweh-Koralle" Ramaria pallida, die, wie der Name schon sagt, heftige Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann.
Makroskopisch sind Korallenpilze oft schwer bestimmbar, im Unterschied zu denen der Gattung Clavulina, die in Deutschland nur vier Arten umfasst, von denen wir hier drei! zeigen können.
Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
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PS. Auf unsere Frage, was denn nun die wahren Korallenpilze seien, kam noch folgende Erklärung: "Liebe Ursula, die Keulenpilze (Clavulina) wurden noch vor einigen Jahren auch Korallenpilze genannt, z.B. Clavulina cristata war die Kammförmige Koralle, heissen heute aber Keulenpilze, sehen aber deshalb trotzdem wie Korallenpilze aus. Nur noch für die Gattung Ramaria ist der deutsche Name Korallen vorgesehen und für die Gattung Ramariopsis der deutsche Name Wiesenkorallen. Leider haben wir von denen keine Bilder, da sie z.T. sehr sehr selten sind. Vielleicht haben wir welche nach unserer Wiesenpilztagung im November, wenn wir hoffentlich einige Wiesenkorallen finden werden."
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).
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