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Weltweiter Pestizideinsatz erschwert rückstandsfreie Bioproduktion

Umwelt-Studie: Pestizide belasten Gewässer stärker als gedacht

 

Biozertifizierte Wildsammlung, kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft: häufig wird noch von Hand sortiertEs gibt mehrere Tausend verschiedener Pestizide der Chemieindustrie im Einsatz, es gibt wellenartig In- und Out-Pestizide (die Labore müssen detektivistische Arbeit leisten), einige in einigen Ländern verboten, in anderen aber nicht, windige Vertreter unterwegs, Falschberatung, im Klimadruck unvorsichtiger Einsatz auf konventionellen Feldern, Abdrift oder Überflutung von Bio-Feldern, und da haben wir den Salat.

Für uns als Importeur von Bio-Gewürzen, -Kräutern und -Tee haben sich die Kosten für Analytik innerhalb eines Jahres verdoppeln, und werden sich dieses Jahr noch mal verdoppeln.

Nach wie vor fatal ist, dass wir, unsere Bio-Produzenten und auch die Bio-KonsumentInnen, die Lasten aus der Agrochemie tragen müssen. Oft stammen die Pestizide aus einer profitoptimierten Agro-Industrie, während wir Ökos möglichst sozial verantwortlich mit Bio-Kleinbauernprojekten handeln, die den einzelnen Familien eine würdige, selbstbestimmte Arbeit auf wenigen ha Landeigentum mit einigermaßen ausreichendem Einkommen garantieren wollen. Wissenschaftler sagen sogar, dass diese kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft langfristig die Welt-Ernährung sichert (im Gegensatz zur zerstörerischen Agro-Industrie, siehe Öffnet externen Link in neuem FensterWeltagrarbericht 2009)). Pestizidfunde in Bioware können dagegen im Nu eine Existenz zerstören.

In seiner aktuellen Pressemitteilung spricht unser Branchenverband, der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) dieses Thema an. Hier folgt der gesamte Text des BNN:






PRESSEMITTEILUNG vom 14.11.2011

 

Weltweiter Pestizideinsatz erschwert rückstandsfreie Bioproduktion


 

Berlin. "Pestizideinträge aus der konventionellen Landwirtschaft sorgen im Bioanbau immer wieder für Probleme", erklärt Kirsten Arp, die das BNN-Monitoring für Obst und Gemüse im Naturkosthandel koordiniert. Da Bio in einer Umwelt mit vielen Belastungen produziert werde, könne eine vollständige Rückstandsfreiheit nicht garantiert werden. Selbst im grönländischen Inlandeis seien Pestizidspuren nachweisbar. "Eine hundertprozentig Sicherheit kann nur ein weltweites Verbot aller Pestizide bieten", so Arp.

 

Weltweit müssen Biobauern damit leben, völlig unverschuldet Opfer der Schadstoffbelastung aus der konventionellen Landwirtschaft zu werden. So kämpften im vergangenen Jahr 300 brasilianische Biobauern wegen Endosulfan-Rückständen in ihrer Soja-Ernte ums Überleben. Mit einer "öffentlichen Stellungnahme" macht der BNN gezielt auf die negativen Umwelteinflüsse aufmerksam, die von den Bioproduzenten nicht beeinflusst werden können.

 

Auch in Europa steht die Biobranche vor hohen Herausforderungen. Ein Fünftel aller europäischen Oberflächengewässer sind nach EU-Erhebungen schwer schadstoffbelastet. Bereits vor mehr als zehn Jahren erließ die europäische Kommission daher eine Wasserrahmenrichtlinie mit der sich jeder Mitgliedstaat verpflichtete, bis zum Jahr 2015 für oberirdische Gewässer einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu erreichen. Dieses Ziel scheint nun in weite Ferne gerückt. Der Pestizideintrag belastet Europas Gewässer wesentlich stärker als bisher angenommen.

 

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben gemeinsam mit Kollegen in Frankreich, der Slowakei, Belgien und Spanien insgesamt 500 organische Schadstoffe aus der Elbe, der Donau, der belgischen Schelde und des spanischen Llobregat mit Hilfe von 750.000 Wasseranalysen untersucht. Dabei deckten die Forscher in den geltenden EU-Richtlinien für Gewässerschutz große Lücken auf. Während die Gewässer bisher lediglich nach 33 Stoffen untersucht werden, stufen die Wissenschaftler insgesamt 73 Verbindungen als potentielle Schadstoffe ein. Zwei Drittel der nachgewiesenen Gifte sind Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden.

 

Der Naturkosthandel stellt sich der Herausforderung einer belasteten Umwelt mit einem weltweit einmaligen unternehmensübergreifenden Qualitätssicherungssystem: dem BNN-Monitoring. Seit 2003 werden Bio-Obst und Bio-Gemüse aus dem Naturkosthandel dabei systematisch auf Verunreinigungen mit Pestiziden untersucht. "Jeder Rückstandsbefund führt zu einer gründlichen Ursachenforschung, denn vermeidbare Ursachen wie Kontaminationen während Lagerung oder Transport müssen selbstverständlich abgestellt werden", erklärt Kirsten Arp. Auch bei negativen Umwelteinflüssen wie Pestizideinträgen aus der Landwirtschaft, unterstützt das Monitoring die Biobranche bei der Analyse der Ursachen.

 



Weitere Informationen zum BNN-Monitoring unter: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bnn-monitoring.de,

und zur Öffentlichen Stellungnahme:
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.n-bnn.de/cms/website.php?id=/de/qualitaet/bnn-orientierungswerte/pestizide.html "Öffentliche Stellungnahmen zur Anwendung des BNN-Orientierungswerts für Pestizide"



Kirsten Arp






Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. ist der Verband der mittelständischen Naturkost-Großhandelsunternehmen und Naturkost-Verarbeiter. Der Verband verabschiedet besondere Qualitätsrichtlinien für den Naturkost-Fachhandel, die über die gesetzlichen Anforderungen für Bio-Produkte hinausgehen. Der Naturkost-Fachhandel erzielte 2010 in Deutschland einen Umsatz von 2 Milliarden Euro mit Bio-Lebensmitteln und Naturkosmetik.



www.n-bnn.de, www.bio-kodex.de, www.bnn-monitoring.de 



 

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heupd| Brunnenvergiftung

Verband der Chemischen Industrie entschuldigt sich



Frankfurt heupd | In einer beispielhaften Aktion entschuldigt sich der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bei den Bürgern und Bürgerinnen Deutschlands für die beunruhigende Belastung von Trinkwasserbrunnen durch Rückstände der Agrochemie.

Vorausgegangen war eine Warnmeldung von Ökotest in diesem Monat, die über eine zunehmende Vergiftung der Mineralbrunnen mit Pestiziden und deren Metaboliten klagte.

Bisher wurde dieses Thema nie öffentlich diskutiert, und die Bürger und Bürgerinnen konsumierten unwissend belastetes Trink- und Mineralwasser. Pressesprecher Dr. A.R.Glos:" Es geht nicht an, dass die Mineralbrunnenbetreiber nun dazu verdonnert werden, ihre Brunnen zu sanieren und sogar zu schließen wegen zunehmender Pestizidfunde im Wasser. Das geht völlig an der Ursache vorbei. Unser Wunsch ist, ein Umdenken in der Landwirtschaft zu erreichen. Wir wollen mit neuen Maßnahmen zu einer gesünderen Umwelt beitragen. Schließlich gehörte Brunnenvergiftung in der Antike zu den schwersten Verbrechen und wurde sogar mit der Todesstrafe geahndet. Und was ist das heute anderes?"

Mit Berufung auf Bundeskanzlerin Merkel, die ja schließlich auch nach dem Atomunglück in Fukushima zu einer ehrlichen Kehrtwende in der Energiepolitik aufgerufen habe, werde jetzt an neuen Forschungsprojekten gefeilt. Zusätzlich wird ein Fonds eingerichtet, der Schäden durch Agrochemie ersetzen soll. hg/us







heupd = Heuschrecke-Pressedienst für unterbliebene und unterdrückte Nachrichten

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Tags: brunnenvergiftung, pestizide, metaboliten, trinkwasser, ökotest, chemische industrie
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Hintergrund: Pestizide, Gewürzstudie

Die Pandorabüchse des Westens

  • Greenpeace-Untersuchung Oktober 2009: Pestizide in konventionellen Gewürzen
  • In der Greenpeace-Studie waren Bio-Gewürze nicht betroffen.



In den 60er Jahren haben die westlichen Länder die Büchse der Pandora geöffnet und hochgiftige Pestizide "für die moderne Landwirtschaft" ("Grüne Revolution") in Umlauf gebracht, und diese auch in großen Mengen in die "Entwicklungsländer" exportiert (wo wir in der Regel schön billig unsere Nahrungsmittel herbekommen).
Gerade Gewürze und Kräuter scheinen Pestizide in größeren Mengen zu sammeln, mehr als z.B. Getreide.

Viele der anfänglichen Giftstoffe sind inzwischen in der EU verboten, werden aber weiter in andere Ländern exportiert. Außerdem werden ständig neue Pestizide entwickelt.

Die Chemiehersteller müssen für neue Stoffe innerhalb eines Jahres die Parameter zur Analytik veröffentlichen, was soweit wie möglich heerausgezögert wird. In der Zwischenzeit ziehen Vertreter durch die Länder und beraten auf neue Pestizide mit dem Hinweis, "dass man sie nicht finden würde".

Auch Bio-Importeure kennen diese Problematik teilweise bei einigen Herkunftsländern wie Ägypten, Türkei, Indien und China, und betreiben eine aufwändige Analytik, um im Vorfeld möglicherweise belastete Ware vom Markt zu nehmen.

Wie macht es die Heuschrecke? Bei Gewürzen und Kräutern aus diesen Ländern kaufen wir nur bei langjährigen Lieferantenbeziehungen ein, bevorzugt bei Kleinbauernprojekten.

Auch hier kommen Ausreißer vor - meistens nicht aus persönlicher Habgier, sondern aus sozialem Druck (der konventionelle Nachbarn oder die Kommune zwingt dazu, ihre Ware mitzuverkaufen) und ökonomischem Druck. Bei Kleinbauernprojekten bezahlen wir etwas höhere Preise, die wirklich gebraucht werden. Wo es geht, kaufen wir regionale Ware aus Deutschland bei zuverlässigen Bauern, wenn möglich, Verbandsware (Bioland, Demeter usw.).

Bei gefährdeten Herkünften untersuchen wir oder unser Vorlieferant lückenlos auf Pestizide. Es gibt ein gutes Netzwerk: unser Bio-Branchenverband BNN hat Pestizid-Warnwerte geschaffen, und es gibt eine Gruppe BNN-akkreditierter Labore, die mit der Biobranche und diesen Warnwerten vertraut sind. Untersucht wird mehr als der normale Standard, nämlich noch ein Sonderspektrum an Hunderten weiterer aktueller Pestizide, im Moment mehr als 400. Dabei funktioniert das Tratschsystem der Gewürzimporteure untereinander recht gut - neue Gefahrenstoffe werden schnell weitergegeben und in die Analytik einbezogen, ebenso bestimmte Herkünfte.

Wir stehen in engen Kontakt mit unseren Kleinbauernprojekten und geben Warnungen direkt weiter, damit vor Ort schon Pestizidkontaminationen verhindert werden können.

Bei langjährigen und vertrauten Partnern werden analytische Screenings, d.h. in regelmäßigen Abständen Mischanalysen der Produkte dieses Lieferanten gemacht.

Insgesamt dank der Chemieindustrie und konventioneller Nahrungsmittelindustrie ein arbeits- und kostenintensiver Aufwand, der die Bio-Nahrungsmittel natürlich verteuert.

Die deutschen KonsumentInnen sind nicht ganz unschuldig an der Pestizidproblematik. Es werden weiterhin möglichst billige Lebensmittel gefordert. Die Einkäufer weichen immer weiter nach Osten aus, wo Arbeitskraft fast nichts kostet, und es keine hinderlichen Umweltrichtlinien gibt.
Die Medien verstärken bestimmte Mechanismen, indem sie eigentlich bekannte Nachrichten hypen. Die Schlüsse aus gehypten Nachrichten können nach hinten losgehen: synthetische statt natürlichen Aromen (Cumarin-Hype), stärkere Pestizide statt Kupfer (der nächste schon angekündigte Hype), Gentechnik im großen Stil statt Pestizide (die wirklich große Büchse der Pandora).

Die BioBranche hat diesmal punkten können - mal sehen, was als nächstes von der Chemieseite kommt.


Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

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Tags: pestizide, warnwerte, bio, verbandsware, analytik, pandora, gewürze
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