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Heiliger des Monats Dezember

3. Dezember: Franz Xavier

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).

Aber nicht nur das. Etliche Geschichten erinnern an heutige Sozialbewegungen, Attac, Campact, Occupy, Weltsozialforum ... sind wir hier eigentlich weitergekommen??

 



  • Patron Indiens, der Seefahrer und der Missionare


Wenn jemand alle "normalen" Lebensziele wie Wein, Weib und Gesang, Kinder, Haus, Geld und bequemes Leben sausen läßt, sehen wir als Otto Normalverbraucher darin frustrierende Selbstverleugnung und würden uns das nicht freiwillig antun. Diese Einschätzung teilte mit uns der studierte und wohlhabende spanische Adlige Franz Xavier bis zu seinem 28. Lebensjahr uneingeschränkt und handelte auch danach. Bis  ihn sein ebenfalls Franz benamster Freund aus Loyola, der spätere Gründer des Jesuitenordens, mit gescheiter geistlicher Lektüre in den Sommerurlaub schickte: und zurück kam ein neuer Mensch, ein Heiliger. So schnell geht das manchmal, wenn sich jemand frei macht, ein Ballon ohne Ballast steigt hoch.


Genau so war es Jahre vorher auch dem Heißsporn aus Loyola selbst ergangen, dem tollkühnen, todesverliebten Offizier. In einer Schlacht, in der alle Vernünftigen schon aufgeben wollten, ganz unnötig noch schwer verwundet, las er gelangweilt im Krankenbett Heiligenlegenden (weil nichts anderes da war) - und verstand: was ist der Kampf gegen warmduschende weicheirige französische Söldner im Vergleich zum Kampf gegen den Teufel selbst ? Ein Quatsch, ein Firlefanz, ein glattes Nichts !! Viel Feind, viel Ehr !!!


Franz von Loyola und seine Handvoll feuriger Mitstreitern gründen die "Gesellschaft Jesu", den Jesuitenorden - und so ist das auch gemeint. Dieser junge Mann aus Palästina, der hatte doch gewollt, daß die Christen die Welt umkrempeln, Licht ins Dunkel bringen, die Herrschaft des Geldes brechen, den Aberglauben wegfegen (der die Menschen in so schrecklich enge Wege zwingt), die Liebe sonnenhell strahlen lassen und die Liebe zur Herrschaft bringen, ALL YOU NEED IS LOVE, brother, LET IT INTO YOUR HEART, sister !!!


Also rein ins Getümmel, wo es am dickesten ist: aus den neuen Kolonien in Afrika, Indien und weiter hinaus hört man nichts Gutes, da regieren Gewalt und Gier, da will Franz Xavier hin. Der Papst sieht das ähnlich und gibt ihm einen Titel und Briefe in die Hand.


Und was macht unser Franz Xavier jetzt ? Spielt er auf dem Schiff den dicken Prälaten der 7 Weltmeere ? Schlägt er mit seinen Vollmachten in Indien als Mini-Papst auf ? Der sich von den unterdrückten Indern in der Sänfte schaukeln und von den Kolonialbeamten bestechen läßt ?


Entgegen all den liebevoll gepflegten Vorurteilen zum Thema Kirche und Kolonisierung geht er die Sache ganz jesusmäßig an. Schon in Lissabon, wohin er zu Fuß gewandert ist, wohnt er nicht im Palazzo, sondern im Armenkrankenhaus und arbeitet dort auch. Sein Reisegepäck beschränkt sich dann auf die Klamotten am Leib und sein Gebetbuch, einen Diener lehnt er ab. Auf dem Schiff wäscht er sein Zeug selbst, kümmert sich um die einfachen Matrosen und unterrichtet sie unermüdlich, lebt von Almosen der mitreisenden Großkopfeten. Glücklich in Indien angelangt, stößt er in der kleinen portugiesischen Kolonie Goa auf völlig haltlose, verrottete Zustände. Ausbeutung und Unterdrückung der Einheimischen sind der Alltag, die Europäer führen ein heilloses Lotterleben, Gemeinsinn ist ein Fremdwort.
Er erlernt mehrere Sprachen der Inder, wirkt unter ihnen und den Portugiesen täglich erfolgreich, sein Vorbild reißt einfach mit. Seine Botschaft der Liebe und der Gleichheit  der Menschen aller Rassen und Hautfarben vor Gott  begeistert die Menschen, tausende Inder werden Christen, Gesandte aus dem freien Indien bitten ihn hierhin und dorthin. Er bildet einheimische Missionare aus, mit ihm ist eine Apartheid nicht zu machen.


Dem portugiesischen König teilt er mit, Gott habe diesem die neue Welt  nicht bloß zur Bereicherung, sondern vielmehr zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes geschenkt, und wörtlich schreibt er: "Es ist mir, als hörte ich die Stimme Indiens von diesen Erdstrichen gegen den Himmel aufsteigen, klagend, daß von den Schätzen, womit es deine Schatzkammer bereichert, so wenig auf seine dringendsten Bedürfnisse verwendet werde." - heute würde er sich mit den Konzernen anlegen, geändert hat sich schließlich nichts.


Franz Xavier macht so weiter, der läßt sich nicht bremsen, Malaysia, Indonesien, 2 Jahre als einer der ersten Europäer in Japan, tausende Briefe mit Klartext Richtung Europa, eine Kerze, die an beiden Enden brennt, er stirbt mit gerade 48 Jahren auf einer Insel vor China.


Ein schönes Vorbild für "wenn, denn". Kann nicht jeder, traut sich auch nicht jeder - aber halt ein viel viel schöneres Vorbild für ein Leben auf der Überholspur als all diese Pop-Stars, Film-Sternchen und Polit-Clowns, die irgendwann voller Drogen tot im Hotelzimmer, Swimmingpool oder Sportwagen liegen.






Peter Kirwel






Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.














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Tags: franz xavier, heiligemgeschichten, indien, seefahrer, missionare, kolonialisierung
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Heiliger des Monats Januar: Arnold Janssen

15. Januar: Arnold Janssen



Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).  




Eine gute Definition für Heiligkeit ist sicher, das Heilige sturer sein müssen als Normalsterbliche. Wissen wir doch alle, wie verzweifelt schwer es sein kann, selbst im allerengsten Kreis von Arbeit, Gemeinde, der eigenen Familie, dem eigenen Lebensumfeld etwas Gutes in Gang zu bringen oder etwas Schlechtes abzustellen.
Um solche Umschwünge im Größeren zu bewirken, braucht es Power, jede Menge nicht nachlassender Power.


Arnold Janssen, eins von 11 Kindern eines niederrheinischen Fuhrmanns und dessen frommer Ehefrau, war prädestiniert, im benachbarten aufstrebenden Ruhrpott Arbeit zu finden und nicht allzu alt zu werden - die industrielle Revolution war eine schlechte Zeit für Arme, und es war noch ein langer Weg zur sozialen Marktwirtschaft.


Natürlich kam alles anders, sonst wäre er 2003 ja nicht heiliggesprochen worden. Der intelligente Knabe paukte und schaffte es im Revolutionsjahr 1849 auf das kirchliche Gymnasium - denn Bildung gab es für die Armen nur über die Kirche. Die städtischen gehobenen Bildungseinrichtungen waren (wie de facto ja auch heute noch) dem Bürgertum vorbehalten.
Arnold Janssen bleibt auf der kirchlichen Schiene, wird Priester, studiert aber auch Mathematik und Naturwissenschaften, arbeitet ab 1861 selber als Gymnasiallehrer. So weit, so normal.


Nun ist Heiligkeit aber eben nicht normal. Heiligkeit ist mehr. Entweder die heldenhafte Todesverachtung der Märtyrer, oder die Freiheit von Besitz und menschlichen Bindungen der Einsiedler, oder oder oder. Eben mehr, der Schritt raus aus der Normalität.


Wo sich andere, durchaus gut denkende und gut wollende Menschen damit begnügen, Weihnachten ein paar Talerchen für die 3. Welt locker zu machen, will Arnold Janssen weiter, viel viel weiter. Er träumt von einer Organisation, die abseits des machtpolitisch und gewinnorientierten Kolonialismus aller damaligen entwickelten Nationen den Armen weltweit auf die Beine hilft. Motto: erst heilen, dann belehren, dann taufen. Was in der Praxis hieße, erst die soziale Lage zu verbessern, dann Grundlagen für schulische Bildung zu legen, dann eventuell neue Brüder und Schwestern in Christus zu gewinnen - denn erst wer satt ist, kann sich bilden, erst wer ein klares Bild von sich und der Welt hat, kann bewußt spirituelle Entscheidungen treffen (Bertold Brecht drückt das gröber, aber genauso richtig aus: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral.").


OK, Arnold Janssen bekommt das hin: als er kurz vor dem ersten Weltkrieg stirbt, diesem großen Schlachtfest der Raubtier-Kapitalisten, der dummen Nationalisten und Militärs, sind rund um die Erde schon 2.000 Frauen und Männer in seinem Sinne unterwegs. Heute, 100 Jahre später, sind es über 10.000 sogenannte Steyler Missionare, die an den sozialen Brennpunkten der Erde täglich für das Gute arbeiten, vor allem für Schulen sorgen. Ohne Bildung gibt es keinen Fortschritt, ohne Bildung wäre aus dem Fuhrmannssohn auch wieder nur ein winziges Rädchen im Getriebe der Mächtigen geworden.


Bleibt natürlich die Frage: woher nehmen die Heiligen ihre Kraft und Ihre Ausdauer zum Guten ? Sind ja auch nur Menschen. Kann das jeder ? Können wir das ? Die Kraft anzapfen ? Wahrscheinlich steht am Anfang immer, daß man sich öffnet zum Guten, so manches losläßt vom Bösen: durch offene Türen kommt dann so Mancherlei hereinspaziert, bloß keine Bange.
Und natürlich eine gewisse "heilige Sturheit": wenn man ein Ziel für erstrebenswert erkannt hat, sollte man es auch festhalten. Es muß nicht alles jeden Tag auf den Markt, wirklich nicht.











Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

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Tags: heiliger des monats, arnold janssen, steyler missionare
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