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Heiliger des Monats Juni: Johannes der Täufer
24. Juni: Johannes der Täufer
Feste: 24. Juni (Geburt), 29. August (Tod)
Schutzpatron vieler Länder und zahlloser Berufe, u.a. der Schneider, Maurer und Steinmetze, der Sänger, Musiker und Tänzer, außerdem der Schafe und aller Haustiere
Vor und um 1980 lebte mitten unter uns der Punk. Wenn man diesen Ur-Punk denen, die damals noch zu klein waren und denen, die sich die Ohren zugehalten haben, erklären wollte, könnte man sagen: Punk sagt nein, wo andere ja sagen (und umgekehrt), ohne groß auf Inhalte Rücksicht zu nehmen: mal kucken, was passiert, der Teufel ist die Gewohnheit. Durch ständiges den Institutionen "Vor-den-Koffer-treten" mit dem Springerstiefel übt sich der Punk in Materialprüfung. Wo gehobelt wird, fallen Späne.
So einer ist Johannes. Wo die Jerusalemer Tempelpriester in gestickten Paramenten lustwandeln wie nur je ein Papst mit roten Pantoffeln, wickelt er sich in eine grobe Kamelhaardecke, lehnt das Geld ab (was ja auch heute noch den kompletten Outsider macht - dem Mammon gehört unser aller Herzelein), ißt was er findet und hält rotzige Reden am Rande der Wüste. Sein Schlachtruf ist "Kehrt um !", hört auf, ihr seid total bekloppt, no future für euren Highway to Hell. Johannes ist immer für Rabatz zu haben. Mehr und mehr Leute beeindruckt er, er tauft sie im Fluß, gibt ihnen mit "Bereitet dem Herrn den Weg !", alles andere ist Quatsch, ihr habt nur ein Leben, vergeudet es nicht mit aufgeblasenem Mist. Die lieben Bürger nennt er "Schlangenbrut" und Zombies, "übertünchte Gräber" mit verfaultem Inhalt. No future, so jedenfalls nicht.
Eine Gruppe Gutmenschen (Johannes hätte sicher "Sch...liberale" gesagt) will ihn zähmen und einwickeln, quasselt auf ihn ein so à la "Wir kommen alle alle alle in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir Gottes Kinder, weil wir das erwählte Volk sind". Johannes brüllt sie in Grund und Boden: "Aus jedem verdammten Stück Dreck kann Gott Kinder Abrahams machen", Euer Laber interessiert ÜBERHAUPT nobody. Auf jeden einzelnen kommt es an, auf dich kommt es an, tu du das richtige jetzt oder laß es jetzt. It´s up to you what you´re really gonna do. It´s up to you strictly you and you.
Seinen König, der sich um Gott nicht schert und meint, auch im Heiligen Land rumlottern zu können wie die anderen römischen Skavenhalter und Leuteschinder, greift er frontal an: was ihm erst den Knast beschert und dann den Kopf kostet.
Ausgerechnet von ihm sagt Christus: "Echt, glaubt´s mir: unter allen Menschenkindern war keins größer als Johannes der Täufer." - So spontan würde man wohl meinen, wenn Jesus Musik hörte, wäre es Klassik, so hingejubelte Festmessen mit Orgelgeorgel und himmlischen Chören. - Mal im Ernst, ist doch alles gar nicht wahr. Jesus liebt Punk.

Peter Kirwel
Ohrenkuss: Du bist ein Mensch
"Lassen sie ihre schlechte Stimmung baden gehen."
Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.
Wir stellen diesmal Kostproben aus dem gerade erschienenen Ohrenkuss-Magazin No.25 (Okt.2010) "Du bist ein Mensch" vor. Die Fotos stammen ebenfalls aus dieser Ausgabe - eine kleine Auswahl der tollen Performance-Fotos aus dem Bonner Kunstmuseum.
Einleitung: Wer hat eigentlich die Ohrenkuss-Redaktion für diese Ausgabe inspiriert?
Von Dr. Katja de Bragança, Chefredaktion und dem OHRENKUSS-Team
Die Fotografin
Britt Schilling hatte spontan Zeit und kam nach Bonn, das Licht passte, es wurden zuvor schnell einige Herrenschlafanzüge gekauft und dann bekamen wir Einlass in das Kunstmuseum Bonn. Der phantastische weiße Raum mit den klaren Wünschen des Künstlers Erwin Wurm: Bitte sich auf den Boden legen und die grünen Tennisbälle unter den Körper legen, bitte hinstellen mit dieser Tasche auf dem Kopf, bitte mit den Gummibändern die Nationalhymne musizieren, bitte diesen Karton mit dem Bauch elegant an die Wand schieben, bitte auch noch den Kopf aufs Rollbrett legen und mit ihm auch noch eine WC-Ente balancieren und dabei an die Verdauung denken...
Erwin Wurm / Liquid Reality / Ausstellung im Kunstmuseum Bonn 25.3. - 6.6.2010.* * *
Du bist ein Mensch - ohrenkuss-Ausgabe No 25 Okt. 2010
002 // Angela Fritzen, selbst mit der Hand geschrieben
Lassen sie ihre schlechte Stimmung baden gehen. Haben wir alle schon einmal Gelebt? Down-Syndrom 21 zu haben. Es Gibt Keine Wissen schaftlichen Beweise dafür, dass wir schon einmal gelebt haben. Trotz dem glauben viele Menschen an eine Wiedergeburt kommen sie mit auf eine Abenteuerreise in die Vergangenheit.
003 // Lars Breidenbach, diktiert
Viel Nahrung ist wichtig (zum) Wachsen, Essen, Trinken. Immer größer, immer älter. Aber noch jung, ist immer noch Kind. Erst Schulkind, gibt auch Schultüte. Später Jugendliche, dann Erwachsene, bin erwachsene, junge Mann. Tante Hildegard sagt immer: "Na, junge Mann!?" Dann sage ich: "Das (Kompliment) geht runter wie Öl, das höre ich gerne." Aber Kind bleibt auch Kind, immer Kind. Tochter bleibt Tochter, Sohn bleibt Sohn. Bruder ist Bruder, Schwester ist Schwester, bleibt auch immer Schwester. Cousine ist Cousine, Cousin ist Cousin, Großcousin ist Großcousin und Leben geht weiter, sage ich.
006 // Verena Elisabeth Turin, selbst in einer eMail geschrieben
Du bist ein Mensch, weil wir ganz verschiedene Meinungen und Grenzen und Gefühle und Freunde haben. Manchmal sind wir auch streng, gerecht. Menschen können auch kochen, Essen, Trinken, Schwimmen, Reden, Freundschaft schliessen und Zeit haben. Und sie können auch arbeiten gehen Auto fahren und Zugfahren, lesen, schreiben, Rechnen, zuhören.
009 // Martin Weser, diktiert
Die Menschen leben alleine. Die können alles. Die können kochen, putzen, Wäsche machen, Geld abholen bei Sparkasse. Wir können
alles, das ist perfekt! Es gibt Leute, die das machen können. Die wohnen mit seinen Eltern zusammen. Und wir haben Down-Syndrom, dass wir nicht alles können: Auto fahren, Sparkasse zu gehen, Geld zu holen, Steuererklärung.
Die Miete bezahlen kann ich nicht. Zum Beispiel nicht ganz alleine mit dem Zug fahren und jemanden muss dabei sein. Flugzeug alleine zu fliegen, das können wir nicht alleine zu erreichen. Ich wollte mal alleine machen, klappt nicht.
010 // Kaylynn, diktiert
Wut: Ich bin wütend, puderrot vor Wut! Ich bin wütend, weil es immer Streit gibt! Ich bin wütend, dass ich eine Reaktion von außen bin! Ich bin wütend, weil ich immer schlecht abgestempelt werde! Ich bin wütend, dass ich nie was recht machen kann! Ich bin wütend, dass ich immer schlecht träume davon! Ich wünsche mir, dass es aufhört, und dass es besser wird!
012 // Renate Schlögl, selbst mit der Hand geschrieben
Nichts. Die Menschen können Träumen, können Welt anzuschauen von überall. Die Menschen können Fliegen über eine Große Meer. Sie können Urlaub machen und auch Schwimmen und Tauchen und den Meeresgründen viele Schätze, Korallen und Fische. Alle Sterben einen Tod. Die Menschen haben gar nichts auf der Welt!
013 // Claudine Egli, diktiert
Der Mensch muss Aua und Pfui sagen können. Er muss die Sterne und den Mond anschauen können. Er muss sie (die Sterne) aufnehmen. Er muss sich bewegen. Man muss mit dem Herzen suchen, sagte der klei ne Prinz. Nicht sehen mit den Augen, suchen. Der Mensch kann auch regieren. Aber das kann man nur mit dem Kopf, mit dem Gehirn. Und denken kann der Mensch auch mit dem Kopf.
014 // Veronika Hammel, diktiert
Der Hund hat nur einen Kopf, aber der kann nicht denken. Sondern zum Bellen. Wenn man Sport macht, dann muss man nicht so viel denken. Manchmal fällt mir das Denken schwer. Nicht immer. Wenn man schwierige Fragen hat. Dann muss ich in Ruhe nachdenken. Außer man muss beim Tischtennis zählen: Dann muss man denken. Man chmal geht es schwer, manchmal geht es leicht. Wenn man Probleme hat, kann man auch darüber nachdenken. Die Gedanken sind frei. Man fühlt sich gut dabei. Dass man auch was anderes machen kann, wenn man lockerer wird. Man kann sich einiges phantasieren: Man kann malen und verschiedene Farben nehmen. Oder man kann nur Musik hören. Man könnte auch schlafen.
Mehr? Am 8. Dezember werden wir hier das Ohrenkuss-Wörterbuch vorstellen, das gerade den Designpreis Deutschland 2011 gewonnen hat.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
www.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter: Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren:
www.ohrenkuss-ipeschl.de.
Fotos: Britt Schilling
Ohrenkuss: Geschwister
Geschwister sind gut - Alleine ist auch gut.
Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen. Weitere Infos zu Ohrenkuss, Newsletter, Abo-Möglichkeit: siehe unten. Im letzten Monat wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Viele Menschen haben Geschwister, manche aber nicht. Und heute haben immer weniger Menschen viele Geschwister, zumindest in unseren Breitengraden. Sehr schade.
Es hat Vorteile und oft (nicht immer) ist es auch schön, wenn man einen Bruder hat - oder mindestens eine Schwester. Der Bruder kann für Respekt sorgen, wenn Leute in der Schule frech werden, mit den Schwestern kann man bzw. frau sich unterhalten und z.B. rausfinden, welches die beste Methode ist, sich an diversen Körperstellen zu enthaaren.
Die Ohrenkuss-AutorInnen haben auch oft mindestens einen Bruder oder eine Schwester. Und das tut denen gut.
Wir haben ja unseren Enkel Matteo in der Familie, er hat auch das Down-Syndrom. Matteo wird bald drei Jahre alt. Und seit einigen Monaten hat er einen Bruder: Valentino. Die Mutter ist heilfroh, dass (1) Matteo schon laufen kann und (2) Valentino sehr gerne schläft, wenn er nicht gerade zufrieden seine Welt betrachtet.
Noch herrscht also Ruhe bei denen zuhause.
Aber was ist in drei Jahren?! Dann werden die beiden eine Bande bilden und sich Dinge ausdenken, von denen wir (und deren Eltern) noch keine Ahnung haben.
Und was ist in zehn Jahren? In zwanzig?!
Um sich das ein wenig vorzustellen, hilft es, wenn man sich die Texte meiner bereits erwachsenen KollegInnen durchliest. Und (mal wieder) merkt man, dass es nicht viel anders ist, als bei einem selber.
Wie gut, dass ich einen Bruder habe.
Und wie gut, dass meine Kinder Geschwister haben. Großes Glück!
Katja de Bragança
Geschwister sind ein Thema, das jeden, der welche hat, ein Leben lang beschäftigt - so auch die Ohrenkuss-Redakteure.
Angela Fritzen erklärt erst mal, wie das so geht, mit den Geschwistern. Sie schreibt:
"Meine Eltern sind Ilse Fritzen Heinz-Willi Fritzen. Die haben zwei Kinder. Die Ältere Schwester heißt Christiane und die Junge heißt Angela."

Martin Weser schreibt dazu:
" Ich habe Geschwister das ist einfach schön. Die sind besonders für mich da."
Er hat zwei Geschwister, die in jeder Lebenslage auf ihn aufpassen:
"Geschwister sind für mich wichtig das wir Gegenseitig aufpassen müssen. Die passen auf mich auf und das ich nett sein kann meinem Geschwister zu haben das ist wichtig für mich das ist schön. Ich finde Geschwister schön das man nett unterhalten kann. Geschwister sind Liebevoll die sind coll. Ich habe Geschwister im Herzen gerne gehabt die sind nett zur mir einfach Toll."
Auch Katja Sothmann kann sich der Unterstützung ihres Bruders immer sicher sein: 
"Ich habe einen großen Bruder. Er ist 25 Jahre alt. Ich verstehe mich blendend mit meinen Bruder. Er ist einfach für mich da wenn ich ihn brauche."
Carina Kühne findet es wichtig, Geschwister zu haben. Sie schreibt über ihren Bruder und sich:
"Ich finde es ist sehr wichtig, Geschwister zu haben. Man lernt voneinander und miteinander. Es ist schön und wichtig weil man füreinander da ist und sich gegenseitig unterstützt. Man kann einander vertrauen."
Für Christian Janke sind seine beiden Geschwister sogar echte Helden: 
"Meine Geschwister versteht mich gut und ich auch meine Geschwister mag ich die immr tolle Ideen hat. Ich finde echt toll Geschwister zu haben. Ich möchte gute Laune haben das meine Geschwister genauso so ist auch gute Laune. Ihr seit Echte Geschwister ich habe für mich bist Du 2 Helden."
Sicco Bremer hat eine besondere Beziehung zu seiner Schwester - sie ist seine Betreuerin.
"Ich habe eine ser tolle Schwester. Meine Schwester ist vür mich einfach das Beste, was mir im Leben pasirn konnte. Ich weis das meine Schwester auch vör mich di gesezliche Betreuerin geworden ist und das auch seit Jaren ser gut macht mit Zusamarbeit von meinen Papa. Ich bin mit beiden sehr zufrieden. Die Zusamarbeit mit den beiden kann mir ser fil und gute Unterstüzunk für mein Leben machen. Das sind einfach die besten THOP-Betreuer, die immer für mich da sint."

Dass es unter Geschwistern mitunter Streit gibt, weiß Nora Fiedler. Sie diktiert:
"Streiten tun wir fast alle, gleichzeitig. Und wir beklauen uns gegenseitig: Deos, CDs, Geld eigentlich nicht so. Deos. Und wir haben uns manchmal auch gegenseitig auch lieb - das ist der Gegenteil."
Doch Streiten tut der Liebe keinen Abbruch:
" Eigentlich verstehen wir uns ausgezeichnet, kann man sagen, miteinander. Es liegt nur daran wie wir uns gegenseitig freuen, dass wir uns sehen. Weil ich meinen Geschwistern echt total liebe."
Von praktischen Aspekten mal ganz abgesehen:
" Ich finde Geschwistern sind wichtig im Leben, weil man mit Geschwistern viele Sachen machen kann. Nämlich, wenn man Einzelkind ist, finde ich irgendwie todlangweilig; nämlich sonst kann man die Schuld nicht auf den anderen schieben."
Einzelkind zu sein kann sich Christiane Grieb nicht vorstellen. Sie erinnert sich an Ferien bei ihrer jüngeren Schwester Juliane in Berlin und schreibt:
"Ich bin ganz allein mit den Zug gefahren und sie hat mich abgeholt. Mit den Ganzen Freunden von ihr bin ich in der Uckermark Floß gefahren. Wir haben abends gegrillt und lagen besoffen auf den Rasen. Es war richtig schön. Ich freue mich, dass ich eine ganz liebe Schwester hab."
Auch Achim Reinhardt verbringt viel Zeit mit seinen beiden Schwestern. Er schreibt:
"Wenn sie kommen machen wir einen Ausflug. Wir branchen und reden. Fernsehen gucken und Fußball. Sie müssen für mich viele fragen Am Computer Raussuchen. Sie Laden Mich ein auch zum Cocktailtrinken."
Tobias Wolf hat zwei Brüder. Er diktiert:
"Mit meinem ersten Bruder mache ich immer mal einen Pizza-Bond-Abend. Wir unterhalten uns immer über die Nachrichten. Alles Mögliche, was in den Nachrichten so ist. Wenn ich in Vashon bin [Tobias Wolf ist der US-Korrespondent des Ohrenkuss], mache ich das per Telefon. Mit meinem zweiten Bruder gehe ich immer mal in Konzerte."
Nicht nur Tobias Wolf - auch Julia Bertmann nutzt moderne Kommunikationsmittel, um mit ihrer Schwester in Kontakt zu bleiben:
"Meine Schwester ist länger aber jünger als ich. Ab und zu streiten wir uns auch, aber jede Woche schreiben wir uns eine E Mail. Ich finde mein Schwesterherz klasse."
Judith Klier ist die direkte Kommunikation zwischen Geschwistern lieber:
"Mir machen sehr viel zusammen wenn ich mal bei uns sind da ratschen wir mal zusammen oder wir spiele zusammen oder wir gehen mal essen."
Anna-Lisa Plettenberg und ihre Schwester Eva Maria haben viele gemeinsame Hobbys:
"Wir spielen zusammen wir frühstücken zusammen wir fahren zusammen einkaufen. Wir gehen zusammen zu dem Messdiener. Meine Schwester ist nett."
Für Dorothee Reumann sind ihre Geschwister auch gleichzeitig ihre besten Freunde. Sie diktiert:
"Wir fahren am Ostsee Schloss Nöer. Es ist so schön und meine beste Freunde gemeinsame Urlaub genießen. Die viele Fliegen essen Frühstück, Mittag und Abend. Und ich fahre nach Hause, meine Geschwistern macht mir genießen schönes Wochenende: grillen oder Wohnung Wände malen: Ich helfe meine Schwester dazu und mein Bruder hilft auch mit dazu. Mein Geschwistern ist supernett und ich helfe mein Geschwistern."
Anna Ring teilt mit ihrem Bruder die Liebe zur Musik. Sie schreibt:
"Mein bruter macht viel mit mir. hat meine musik auf meinen i pot gemacht. UND WIR GEHEN AUF ROCK KONZERTe: VON MeTAlLIcA:"
Auch Fragen der Hygiene sind unter Schwestern kein Tabu.
"Wir reden und ticken uns ob meine Hände braun sind oder nicht, und das gleiche ist ob meine Hände sauber sind oder nicht Wir machen nicht viel zusammen."
schreibt Verena Elisabeth Turin am Computer.
Beziehungen zwischen Geschwistern verändern sich im Laufe des Lebens. Charlotte Tomberger schreibt dazu:
" Also ich habe einen Bruder und der ist älter als ich. Er heißt Tobias. Jetzt machen wir nicht mehr viel miteinander weil mein Bruder nicht mehr bei uns wohnt. Er ist schon verheiratet und hat auch schon eine ganz liebe Tochter. Früher haben wir aber viel miteinander gemacht."
Aber auch die neue Situation hat Vorteile:
"Ich bin schließlich die einzige und die echte wahre Tante von der Tochter von meinem Bruder."
Katharina Müller hat zwei Schwestern. Auch wenn man sich seine Familie nicht aussuchen kann, ist sie im Großen und Ganzen zufrieden. Sie diktiert:
"Natürlich mag ich Geschwister. Ich hätte aber am liebsten einen Bruder gehabt. Manchmal sind sie auch frech - manchmal aber nur. Ich nerve manchmal auch. Aber nur selten. Aber zickig bin ich immer - was ich nicht will, das wird nie gemacht."
Aber auch Einzelkind zu sein, hat seine Vorteile:
"Ich wäre gerne Einzelkind - wenn ich eins wäre dann hätte ich ein großes Zimmer. Ich wollte keine Schwestern haben. Die Mama hätte mehr Platz im Haus, es macht ihr keinen stress und hätte weniger Wäsche."
Auch Sarah Eibensteiner möchte lieber keine Geschwister, denkt dabei aber nicht an sich selbst, sondern an eventuelle noch nicht geborene Brüder oder Schwestern:
"Ich bin ein Einzelkind, und habe leider keine Geschwister. Ich möchte in meiner Zukunft auch keine Geschwister haben, weil ich schon 21 Jahre bin, und auch weil ich schon sehr groß bin. Ich habe auch schon einen festen Freund, und natürlich sind meine Geschwister dann ganz alleine zu Hause, wenn ich mit meinen Freund ausgehe. Drum möchte ich keine Geschwister haben."
Peter Keller ist da pragmatischer:
"Geschwister sind gut-Alleine ist auch gut."
Franziska Wolf hingegen hätte sogar lieber noch mehr Geschwister. Sie schreibt:
" Ich find meine Geschwistern So supper sehr wichtig. Ich würde für immer Geschwistern haben weil die sind supper die ganz größten hilfe ist für mich zum unterschützen."
Und auch Johanna von Schönfeld schreibt:
"Ich kann mir nicht vorstellen dass ich keine Geschwirster habe ohne Geschwirster wäre mein Leben koplelt auf dem Kopf gestellt und kann unmöglich daran glauben wie gesagt ich kann nicht ohne meine Geschwirster leben."
Ob mehr Geschwister oder weniger, Brüder und Schwestern, die Hauptsache ist, dass man sich gut versteht. Und so schreibt Carina Kühne das Schlusswort:
" Wir verstehen uns sehr gut. Natürlich streiten wir auch manchmal. Aber ich bin sehr stolz auf meinen großen Bruder und er sagt auch immer, dass er sehr stolz auf mich ist."
Zusammengestellt von Anne Leichtfuß

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Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
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Ohrenkuss: Menschen! Formen!
Ich bin ein Mensch - Elefantengesichter, Wolfskinder und verlorene Prinzen
Sommerblut-Theaterfestival Köln - Ohrenkuss begleitet das HORA-Theater Zürich
Die Ohrenkuss Redaktion hat mal wieder Glück.
Da plant sie das folgende Thema für die Herbstausgabe 2010: "Ich bin ein Mensch".
Und kurz darauf kommt die Anfrage, ob wir über die Theaterproduktion der Aufführung "Menschen! Formen!" ausführlich berichten möchten.
Natürlich haben wir zugesagt.
Das Theater HORA aus Zürich hat das Stück in Köln erarbeitet.
Anlass ist das legendäre Sommerblut-Festival - diesmal mit einer Theaterproduktion, an dem Schauspieler und professionell gecastete Laien mit und ohne eines intellektuellen Handicaps mit von der Partie sind.
Regie führt - Michael Elber.
Vor vielen Jahren durfte die Ohrenkuss-Redaktion im Rahmen einer Theaterprobe in Kaiserslautern mal dabei sein und ein wenig mitmachen.
Da lernten wir Demut: Was so einfach aussieht ist echt schwere Arbeit. Aber die Ohrenkuss-AutorInnen erhielten auch fassungslosen Respekt von den abgebrühten Schweizer Schauspielern: "Wie, das habe die selber geschrieben und dann auch vorgelesen?!" Es stellte sich raus, dass die einen schreiben und lesen können - und die anderen schauspielern und improvisieren. Kompetenz auf allen Seiten!
Im Juni 2007 war Ohrenkuss auf Lesungsreise in Zürich und hatte erneut Gelegenheit HORA zu erleben: Das Herz der Finsternis. Dieses Stück war gut - aber nicht vergleichbar mit der professionellen stundenlangen Dauer-Improvisation in "Der Lust am Scheitern".
Das kann man nun in Köln am Pfingstwochenende nicht erleben - wohl aber das neue Stück "Menschen! Formen!".
Premiere ist am Freitag, 21. Mai um 18:00h.
Wer da zu langsam war und keine Karten mehr bekommen hat - eine zweite und dritte Chance gibt es am 22. und 23. Mai.
Wo?!
Im Freien Werkstatt Theater in Köln.
Dr. Katja de Bragança, Herausgeberin
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom.
Und worum geht es nun in diesem Stück?
Christiane Grieb (Ohrenkuss-Autorin und gleichzeitig Schauspielerin in dem Stück) meint dazu:
Es geht um Elefantenmenschen und verlorene Prinzen und ein Wolfsjunge:
Das Thema ist, dass wir Menschen zusammen gehören und uns normalisieren: Dazu gehören.
Der Wolfsjunge wird zum Prinzen und (mit dem) Elefantenmenschen zu einer Gruppe.
Der Wolfsjung und der Elefantenmensch, beide sind Tiere.
Weil sie in der Freiheit leben.
Sie werden später auch zum Menschen, weil sie dann darüber reden, über die Normalisierung.
Dass sie zusammengehören in einer Gruppe, dass sie nicht mehr auseinander gehen.
Sie haben gemerkt, dass sie doch keine Tiere sind, dass sie Menschen sind.
Dass sie nicht nur tierisch sind, sondern auch menschlich in Gedanken.
"Ich bin kein Tier, ich bin ein menschliches Wesen."
Nein, ich bin kein Tier, weil ich ein Mensch bin: dass ich normal bin, dass ich zu der Gruppe gehöre. Der Außenseiter ist trotzdem ein Mensch, er gehört auch zu der Gruppe.
Angela Fritzen (selber langjährige Saxophonspielerin) äußert sich schon mal zu der Musik und dem Spiel mit den Stimmen und Sprachen:
Zwischen 18 Instrumenten: Blasinstrumente.
Zwischen Gold und Silber.
Instrumenten, die haben verschiedene Instrumenten aufgehangen auf der Leinwand.
Einmal Posaune, Trompete, Horn und Tuba.
Die Töne kann man hell und dunkel blasen.
Die Töne quietschen, die blasen sich an.
Ich finde die Stimmung traurig, von der Musik.
Die haben die Stimme mit Musik gemacht und verschiedene krumme und schiefe Töne kommen da raus.
Mit der Stimme: Die haben verschiedene Stimmen nachgemacht.
Die sprechen mit Englisch (Schweizer Deutsch!) an und das war charmant.
Es gibt verschiedene Stimme, die man Französisch sprechen kann oder Englisch.
Die Stimmen sind krass: weil die sind so laut.
Aber die müssen das machen, sonst kann man die nicht so richtig verstehen.
Die eine hat nämlich Deutsch gesprochen.
Die anderen haben auf Englisch gesprochen aber leider viel zu schnell.
Und so raue Stimme.
Nachwuchs Kollegin Marley Thelen (gerade 18 Jahre alt) ist auch von dem Spiel mit den Tönen und Sprachen fasziniert:
Ich finde dieses Theaterstück spannend. Wegen der Ton.
Der Mensch sprechen einmal Englisch und einmal Deutsch.
Julian Göpel erinnerte sich, als er das Stück sah, daran dass er in einer Ohrenkuss-Redaktions-Konferenz den Film "Der Wolfsjunge" gesehen und besprochen hat.
Am Anfang war es laut. Da haben wir die Ohren zugemacht. Christiane Grieb hat es toll gemacht bei dem Theater. Die anderen auch. Sie sollten das Stück nachspielen über den Wolfsmensch. Danach wurde viel geredet und diktiert.
Die Geräusche finde ich toll. Die anderen haben eine andere Behinderung. Das habe ich gesehen. Sie oder er muss den Doktor spielen. Beim Wolfsmensch. Wir haben zugeguckt. Wir haben geklatscht. Heute sitzen wir hier zum Schreiben. Michael Bause hat Fotos gemacht über diese Leute. Das finde ich auch toll.
Die Jungs haben es auch toll gemacht. Die Assistenten mussten aufpassen, weil dass sie hinten gehen müssen und nicht nach vorne gehen. Die Assistenten haben viel geschrieben. Das habe ich gesehen. Heute war ein ernstes Thema. Ich habe gesehen auf dem Bildschirm unsere Titelseite: Der Mensch.
Das laute und eindringliche Zitat "Ich bin kein Tier. Ich bin ein menschliches Wesen." hat Julian Göpel bewegt. Wann ist man Mensch und wann ist ein Tier ein Tier?
Eigentlich ist der ein normaler erwachsener Mann. Er ist kein Tier. Er ist kein Doktor. Er ist kein Ausreißer. Er ist kein Dieb. Er belügt sich selbst, dass er kein Tier ist. Er ist ein menschliches Wesen in einem spannenden Abenteuerfilm. Er wurde verfolgt von den Kindern und kommt ins Heim. Die Kinder haben behauptet, er ist ein Tier. Der Doktor sagt: Der Wolfsjunge ist ein menschliches Wesen. Der Wolfsjunge belügt den Doktor, weil er nicht reden kann. Weil er auch im Schrank gefangen hält. Weil er ausbüchst. Der Doktor will ihn helfen mit Werkzeugen umzugehen und bringt auch das Schreiben bei. Der Wolfsjunge muss auch was lernen: Wie man Tische deckt. Der Doktor muss den Wolfsjunge abhören, wie es ihm geht. Er liebt Spaziergänge und Kutschfahrten und Schubkarre fahren. Der Wolfsjunge liebt das Wetter, wenn die Sonne scheint und der Regen kommt.
Die Frage "Wann ist man eigentlich Mensch oder Tier?!" bewegt auch Veronika Hammel. Sie schreibt dazu:
Die Tiere können tagsüber schlafen und abends können dann auf die Jagd gehen. Und der Mensch, der kann sich bewegen. Der kann sich selber zum Essen kochen. Der kann Fernsehen gucken. Der kann einkaufen. Der kann arbeiten. Und der kann die Freizeit selber gestalten.
Die Tiere die können auch, also es kommt drauf an, ob die Haustiere sind. Die können auch im Bett schlafen. Und danach kriegen sie dann ihr Futter von den Menschen. Ob es Hund oder Katze ist. Hunde kann man gassi führen, Katzen kann man dann rausschmeißen oder die gehen selber raus. Die können sich dann Mäuse fangen, Ratten fangen.
Nun zu dem eindringlichen Bühnenbild, da schreibt Julian Göpel weiter:
Die Bühne war schwarz. Es wurden Stühle gestellt, auch schwarz. Das Holzbrett ist auch schwarz, hab ich ja gesehen. Die haben schwarze Anzüge an und weiß. Die Instrumente sind Blechinstrumente. Die haben alles bis zum Ende noch geschafft.
Zum Abschluss nun Marley Thelens Gedicht über die Musiker:
Die Musiker
Der Ton klingt schön, weil er klingt.
Weil er klingt, ich so schöne Gefühle habe und im Herzen poppts wieder.
Vorher war mein Herz stehen geblieben ist, weil ich jetzt Angst habe.
Die Geschrei sind sehr gut gemacht, aber nicht so sicher, wegen die Mikrofon laut war.
Dann platz meine Ohren.
www.hora.ch
Im Freien Werkstatt Theater in Köln.
FWT, Zugweg 10, 50677 Köln
Eintritt: 14 Euro / Ermäßigt: 9 Euro
VVK: Köln Ticket und im FWT unter Tel. 0221 - 32 78 17 und email:
kartenreservierung@fwt-koeln.de
Weitere Informationen zu dem Stück und weitere Termine:
www.sommerblut.net/?page_id=1778&event_id=82
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In ein und demselben Boot. Nordindische Kürzestgeschichten
Schahamschah Alam: In ein und demselben Boot
Der Löwe grollte, starrte die Gazelle mit einem blutrünstigen Blick an und zog sich dann unversehens, ohne der Gazelle etwas angetan zu haben, in die Dunkelheit seiner Höhle zurück.
Beide saßen in ein und demselben Boot ...
Draußen lag ein Mensch auf der Lauer.









