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Ohrenkuss: Geschwister
Geschwister sind gut - Alleine ist auch gut.
Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen. Weitere Infos zu Ohrenkuss, Newsletter, Abo-Möglichkeit: siehe unten. Im letzten Monat wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Viele Menschen haben Geschwister, manche aber nicht. Und heute haben immer weniger Menschen viele Geschwister, zumindest in unseren Breitengraden. Sehr schade.
Es hat Vorteile und oft (nicht immer) ist es auch schön, wenn man einen Bruder hat - oder mindestens eine Schwester. Der Bruder kann für Respekt sorgen, wenn Leute in der Schule frech werden, mit den Schwestern kann man bzw. frau sich unterhalten und z.B. rausfinden, welches die beste Methode ist, sich an diversen Körperstellen zu enthaaren.
Die Ohrenkuss-AutorInnen haben auch oft mindestens einen Bruder oder eine Schwester. Und das tut denen gut.
Wir haben ja unseren Enkel Matteo in der Familie, er hat auch das Down-Syndrom. Matteo wird bald drei Jahre alt. Und seit einigen Monaten hat er einen Bruder: Valentino. Die Mutter ist heilfroh, dass (1) Matteo schon laufen kann und (2) Valentino sehr gerne schläft, wenn er nicht gerade zufrieden seine Welt betrachtet.
Noch herrscht also Ruhe bei denen zuhause.
Aber was ist in drei Jahren?! Dann werden die beiden eine Bande bilden und sich Dinge ausdenken, von denen wir (und deren Eltern) noch keine Ahnung haben.
Und was ist in zehn Jahren? In zwanzig?!
Um sich das ein wenig vorzustellen, hilft es, wenn man sich die Texte meiner bereits erwachsenen KollegInnen durchliest. Und (mal wieder) merkt man, dass es nicht viel anders ist, als bei einem selber.
Wie gut, dass ich einen Bruder habe.
Und wie gut, dass meine Kinder Geschwister haben. Großes Glück!
Katja de Bragança
Geschwister sind ein Thema, das jeden, der welche hat, ein Leben lang beschäftigt - so auch die Ohrenkuss-Redakteure.
Angela Fritzen erklärt erst mal, wie das so geht, mit den Geschwistern. Sie schreibt:
"Meine Eltern sind Ilse Fritzen Heinz-Willi Fritzen. Die haben zwei Kinder. Die Ältere Schwester heißt Christiane und die Junge heißt Angela."

Martin Weser schreibt dazu:
" Ich habe Geschwister das ist einfach schön. Die sind besonders für mich da."
Er hat zwei Geschwister, die in jeder Lebenslage auf ihn aufpassen:
"Geschwister sind für mich wichtig das wir Gegenseitig aufpassen müssen. Die passen auf mich auf und das ich nett sein kann meinem Geschwister zu haben das ist wichtig für mich das ist schön. Ich finde Geschwister schön das man nett unterhalten kann. Geschwister sind Liebevoll die sind coll. Ich habe Geschwister im Herzen gerne gehabt die sind nett zur mir einfach Toll."
Auch Katja Sothmann kann sich der Unterstützung ihres Bruders immer sicher sein: 
"Ich habe einen großen Bruder. Er ist 25 Jahre alt. Ich verstehe mich blendend mit meinen Bruder. Er ist einfach für mich da wenn ich ihn brauche."
Carina Kühne findet es wichtig, Geschwister zu haben. Sie schreibt über ihren Bruder und sich:
"Ich finde es ist sehr wichtig, Geschwister zu haben. Man lernt voneinander und miteinander. Es ist schön und wichtig weil man füreinander da ist und sich gegenseitig unterstützt. Man kann einander vertrauen."
Für Christian Janke sind seine beiden Geschwister sogar echte Helden: 
"Meine Geschwister versteht mich gut und ich auch meine Geschwister mag ich die immr tolle Ideen hat. Ich finde echt toll Geschwister zu haben. Ich möchte gute Laune haben das meine Geschwister genauso so ist auch gute Laune. Ihr seit Echte Geschwister ich habe für mich bist Du 2 Helden."
Sicco Bremer hat eine besondere Beziehung zu seiner Schwester - sie ist seine Betreuerin.
"Ich habe eine ser tolle Schwester. Meine Schwester ist vür mich einfach das Beste, was mir im Leben pasirn konnte. Ich weis das meine Schwester auch vör mich di gesezliche Betreuerin geworden ist und das auch seit Jaren ser gut macht mit Zusamarbeit von meinen Papa. Ich bin mit beiden sehr zufrieden. Die Zusamarbeit mit den beiden kann mir ser fil und gute Unterstüzunk für mein Leben machen. Das sind einfach die besten THOP-Betreuer, die immer für mich da sint."

Dass es unter Geschwistern mitunter Streit gibt, weiß Nora Fiedler. Sie diktiert:
"Streiten tun wir fast alle, gleichzeitig. Und wir beklauen uns gegenseitig: Deos, CDs, Geld eigentlich nicht so. Deos. Und wir haben uns manchmal auch gegenseitig auch lieb - das ist der Gegenteil."
Doch Streiten tut der Liebe keinen Abbruch:
" Eigentlich verstehen wir uns ausgezeichnet, kann man sagen, miteinander. Es liegt nur daran wie wir uns gegenseitig freuen, dass wir uns sehen. Weil ich meinen Geschwistern echt total liebe."
Von praktischen Aspekten mal ganz abgesehen:
" Ich finde Geschwistern sind wichtig im Leben, weil man mit Geschwistern viele Sachen machen kann. Nämlich, wenn man Einzelkind ist, finde ich irgendwie todlangweilig; nämlich sonst kann man die Schuld nicht auf den anderen schieben."
Einzelkind zu sein kann sich Christiane Grieb nicht vorstellen. Sie erinnert sich an Ferien bei ihrer jüngeren Schwester Juliane in Berlin und schreibt:
"Ich bin ganz allein mit den Zug gefahren und sie hat mich abgeholt. Mit den Ganzen Freunden von ihr bin ich in der Uckermark Floß gefahren. Wir haben abends gegrillt und lagen besoffen auf den Rasen. Es war richtig schön. Ich freue mich, dass ich eine ganz liebe Schwester hab."
Auch Achim Reinhardt verbringt viel Zeit mit seinen beiden Schwestern. Er schreibt:
"Wenn sie kommen machen wir einen Ausflug. Wir branchen und reden. Fernsehen gucken und Fußball. Sie müssen für mich viele fragen Am Computer Raussuchen. Sie Laden Mich ein auch zum Cocktailtrinken."
Tobias Wolf hat zwei Brüder. Er diktiert:
"Mit meinem ersten Bruder mache ich immer mal einen Pizza-Bond-Abend. Wir unterhalten uns immer über die Nachrichten. Alles Mögliche, was in den Nachrichten so ist. Wenn ich in Vashon bin [Tobias Wolf ist der US-Korrespondent des Ohrenkuss], mache ich das per Telefon. Mit meinem zweiten Bruder gehe ich immer mal in Konzerte."
Nicht nur Tobias Wolf - auch Julia Bertmann nutzt moderne Kommunikationsmittel, um mit ihrer Schwester in Kontakt zu bleiben:
"Meine Schwester ist länger aber jünger als ich. Ab und zu streiten wir uns auch, aber jede Woche schreiben wir uns eine E Mail. Ich finde mein Schwesterherz klasse."
Judith Klier ist die direkte Kommunikation zwischen Geschwistern lieber:
"Mir machen sehr viel zusammen wenn ich mal bei uns sind da ratschen wir mal zusammen oder wir spiele zusammen oder wir gehen mal essen."
Anna-Lisa Plettenberg und ihre Schwester Eva Maria haben viele gemeinsame Hobbys:
"Wir spielen zusammen wir frühstücken zusammen wir fahren zusammen einkaufen. Wir gehen zusammen zu dem Messdiener. Meine Schwester ist nett."
Für Dorothee Reumann sind ihre Geschwister auch gleichzeitig ihre besten Freunde. Sie diktiert:
"Wir fahren am Ostsee Schloss Nöer. Es ist so schön und meine beste Freunde gemeinsame Urlaub genießen. Die viele Fliegen essen Frühstück, Mittag und Abend. Und ich fahre nach Hause, meine Geschwistern macht mir genießen schönes Wochenende: grillen oder Wohnung Wände malen: Ich helfe meine Schwester dazu und mein Bruder hilft auch mit dazu. Mein Geschwistern ist supernett und ich helfe mein Geschwistern."
Anna Ring teilt mit ihrem Bruder die Liebe zur Musik. Sie schreibt:
"Mein bruter macht viel mit mir. hat meine musik auf meinen i pot gemacht. UND WIR GEHEN AUF ROCK KONZERTe: VON MeTAlLIcA:"
Auch Fragen der Hygiene sind unter Schwestern kein Tabu.
"Wir reden und ticken uns ob meine Hände braun sind oder nicht, und das gleiche ist ob meine Hände sauber sind oder nicht Wir machen nicht viel zusammen."
schreibt Verena Elisabeth Turin am Computer.
Beziehungen zwischen Geschwistern verändern sich im Laufe des Lebens. Charlotte Tomberger schreibt dazu:
" Also ich habe einen Bruder und der ist älter als ich. Er heißt Tobias. Jetzt machen wir nicht mehr viel miteinander weil mein Bruder nicht mehr bei uns wohnt. Er ist schon verheiratet und hat auch schon eine ganz liebe Tochter. Früher haben wir aber viel miteinander gemacht."
Aber auch die neue Situation hat Vorteile:
"Ich bin schließlich die einzige und die echte wahre Tante von der Tochter von meinem Bruder."
Katharina Müller hat zwei Schwestern. Auch wenn man sich seine Familie nicht aussuchen kann, ist sie im Großen und Ganzen zufrieden. Sie diktiert:
"Natürlich mag ich Geschwister. Ich hätte aber am liebsten einen Bruder gehabt. Manchmal sind sie auch frech - manchmal aber nur. Ich nerve manchmal auch. Aber nur selten. Aber zickig bin ich immer - was ich nicht will, das wird nie gemacht."
Aber auch Einzelkind zu sein, hat seine Vorteile:
"Ich wäre gerne Einzelkind - wenn ich eins wäre dann hätte ich ein großes Zimmer. Ich wollte keine Schwestern haben. Die Mama hätte mehr Platz im Haus, es macht ihr keinen stress und hätte weniger Wäsche."
Auch Sarah Eibensteiner möchte lieber keine Geschwister, denkt dabei aber nicht an sich selbst, sondern an eventuelle noch nicht geborene Brüder oder Schwestern:
"Ich bin ein Einzelkind, und habe leider keine Geschwister. Ich möchte in meiner Zukunft auch keine Geschwister haben, weil ich schon 21 Jahre bin, und auch weil ich schon sehr groß bin. Ich habe auch schon einen festen Freund, und natürlich sind meine Geschwister dann ganz alleine zu Hause, wenn ich mit meinen Freund ausgehe. Drum möchte ich keine Geschwister haben."
Peter Keller ist da pragmatischer:
"Geschwister sind gut-Alleine ist auch gut."
Franziska Wolf hingegen hätte sogar lieber noch mehr Geschwister. Sie schreibt:
" Ich find meine Geschwistern So supper sehr wichtig. Ich würde für immer Geschwistern haben weil die sind supper die ganz größten hilfe ist für mich zum unterschützen."
Und auch Johanna von Schönfeld schreibt:
"Ich kann mir nicht vorstellen dass ich keine Geschwirster habe ohne Geschwirster wäre mein Leben koplelt auf dem Kopf gestellt und kann unmöglich daran glauben wie gesagt ich kann nicht ohne meine Geschwirster leben."
Ob mehr Geschwister oder weniger, Brüder und Schwestern, die Hauptsache ist, dass man sich gut versteht. Und so schreibt Carina Kühne das Schlusswort:
" Wir verstehen uns sehr gut. Natürlich streiten wir auch manchmal. Aber ich bin sehr stolz auf meinen großen Bruder und er sagt auch immer, dass er sehr stolz auf mich ist."
Zusammengestellt von Anne Leichtfuß

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
www.ohrenkuss.de









