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Tomas Tranströmer, Lyrik (1)

Morgenvögel

 

Als im Jahr 2011 der Literaturnobelpreis an den Schweden Tomas Tranströmer verliehen wurde, waren viele Leute irritiert: nur Lyrik, und ein ganz schmales Gesamtwerk.

Wir waren jetzt im Frühjahr auf der LitCologne und haben ihn - mit seiner Frau Monica, seinem Verleger Michael Köhler und dem Übersetzer Hanns Grössel - erlebt. Hier haben wir verstanden, warum er den Nobelpreis bekommen hat.

Tranströmer konnte selbst leider nicht vortragen - er ist seit ca. 20 Jahren durch einen Schlaganfall gelähmt. Aber es war berührend, dass er da war, mit seiner lichten, freundlichen Präsenz.

Die Sprache ist kraftvoll, mutig, mit eigener Ästhetik. Beim Zuhören spürt man förmlich, wie sich Grenzen im Kopf öffnen. Es war eine richtige Freude, diese für uns neue Poesie zu hören.

Im Internet oder in den Medien findet man leider wenige der Gedichte Tranströmers veröffentlicht, deshalb haben wir mal beim Hanser-Verlag, der die Rechte innehat, angefragt. So teuer ist das nicht - also aufgepasst: wir spendieren Euch / Ihnen mit freundlicher Genehmigung in lockerem Abstand drei Gedichte, die uns besonders gut gefallen haben. Lesen, merken, ggfs. auswendig lernen - nach 6 Monaten werden sie wieder von unserer Website verschwinden.

Danach gibt es aber immer noch das schöne Buch: "Sämtliche Gedichte" ... (s.u.)










MORGENVÖGEL



Ich wecke das Auto,
dessen Windschutzscheibe mit Blütenstaub überzogen ist.
Ich setze die Sonnenbrille auf.
Der Vogelgesang dunkelt.

Während ein anderer Mann eine Zeitung kauft
auf dem Bahnhof
in der Nähe eines großen Güterwagens,
der um und um rot ist vor Rost
und flimmernd in der Sonne steht.

Keine Leerräume irgendwo hier.

Quer durch die Frühlingswärme ein kalter Korridor,
durch den jemand eilends kommt.
und erzählt, man habe ihn verleumdet
bis hinauf in die Direktion.

Durch eine Hintertür in der Landschaft
kommt die Elster
schwarz und weiß. Hels Vogel.
Und die Amsel, die sich kreuz und quer bewegt,
bis alles eine Kohlezeichnung wird,
außer den weißen Sachen auf der Wäscheleine:
ein Palestrina-Chor:

Keine Leerräume irgendwo hier.

Phantastisch zu spüren, wie mein Gedicht wächst,
während ich selber schrumpfe.
Es wächst, nimmt meinen Platz ein.
Es verdrängt mich.
Es wirft mich aus dem Nest.
Das Gedicht ist fertig.






Aus: Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte. Hanser Verlag München 1997.
Das Gedicht "Morgenvögel" ist auf S. 87. Übersetzung: Hanns Grössel.

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: tomas tranströmer, literaturnobelpreis, gedichte, lyrik, schweden
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Gastbeitrag
11.03.2011
10:55

Ohrenkuss: OmaOpa

Weiße Haare ... wie eine Harfe zart und leise

 

Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.

Die neue Ausgabe des Ohrenkuss-Magazins Februar 2011 ist gerade erschienen. Thema: Oma und Opa. Enkelkinder mit Down Syndrom erzählen über ihre Großeltern. Hier stellen wir eine Auswahl der poetischen, witzigen, ernsten, ehrlichen und berührenden Texte mit einigen der schönen Fotos dieser Ausgabe vor.

Doch zunächst ein Vorwort von Katja de Bragança.






Ohrenkussmagazin OmaOpa: Oma Birgit und Lennen (Foto: Michael Hagedorn)Warum es diese wunderschöne Ohrenkuss-Ausgabe zum Thema Oma Opa überhaupt gibt?!
Na, weil es längst überfällig war.



Es gibt inzwischen (großer Fortschritt gegenüber der Situation vor zehn oder zwanzig Jahren) so vieles:
Informationen zum Thema Baby, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Down-Syndrom.
Es gibt Bücher mit schönen Fotos zum Thema Mütter und Väter von Kindern mit Down-Syndrom.
Aber nirgendwo tauchen die Großeltern auf...
Sie sind so wichtig - es bedeutet so viel, wenn die Großeltern ihren Enkel akzeptieren (können).
Und natürlich ist es nicht leicht, wenn alles anders kommt - überraschend und für einen Moment (oder auch länger) entsetzlich.
Kann man noch stolz sein? Was wird aus diesem Kind? Wie geht es meinem Sohn / meiner Tochter damit? Wie wird deren Leben sein?
Der neue Ohrenkuss informiert: über die Sichtweise der AutorInnen mit Down-Syndrom auf die Großeltern - und über die Gedanken der Großeltern über ihre besonderen Enkel.



Die Oma und Opas von heute sind fitt - eine neue Generation.
Sie müssen nicht mehr in einer verstaubten Bibliothek ein nicht vorhandenes (oder desillusionierendes) Buch über "Mongoloide Idiotie" finden und sich selber entsetzen lassen.
Sie können im Internet googeln - und oft finden sie die Ohrenkuss-Seite. Sie sehen wunderschöne Fotos (und denken: ach, so könnte mein Enkel als erwachsener Mann auch sein?  So selbstbewußt und schön könnte meine Enkeltochter werden? Das habe ich nicht gewusst.) und Texte von Menschen mit 47 Chromosomen.
Dann rufen sie an oder bestellen per Mail einen Ohrenkuss.
Die Ausgabe wird schnell versendet - und die Oma und der Opa können das Heft ihrer Tochter oder Schwiegertochter ans Wochenbett bringen.
Großeltern können trösten.
Sie sind da.
Sie haben Lebenserfahrung, die sie teilen können:



"Lieber Jonathan,
demnächst wirst du diesen Brief lesen oder vorgelesen bekommen, vielleicht aus einer Ohrenkussausgabe. Du liebst es ja, Bilderbücher zu gucken und bist immer ganz begeistert, wenn eine neue Seite aufgeschlagen wird. Dieses Mal bis du selbst auf der Seite und deine Oma hat dir diesen Brief geschrieben.
Der Tag mit dir und deinen Eltern und den anderen Familien auf der Insel Hombroich war wunderschön. Die Sonne, der blaue Himmel mit den lebendigen Wolken, das viele satte Grün, die spazierenden Menschen zauberten eine wohltuende, friedvolle Atmosphäre."

 

Ohrenkussmagazin OmaOpa: Gruppenfoto im Museum Hombroich (Foto: Michael Hagedorn)
Die Fotos dieser Ohrenkuss-Ausgabe wurden von Michael Hagedorn (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.michaelhagedorn.de) auf der traumhaften Museumsinsel Hombroich (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.inselhombroich.de) gemacht. Am diesem 11. September 2010 trafen sich ein Dutzend Familien (Omas, Opas und Enkel mit 47 Chromosomen) und verbrachten den Tag miteinander.



"Was mir bis dahin nicht klar war - Hombroich gehörte in den achtziger Jahren zu den Orten, wo Raketen mit atomaren Sprengköpfen zum Einsatz bereit standen. In der Bibel können wir von dem Propheten Micha lesen, dem eine Welt vorschwebt, in der die Menschen nicht mehr für den Krieg rüsten. Hier ist sie nun ein Stück Wirklichkeit geworden! Vielleicht lernst du einmal später davon, wie sein Wort "Schwerter zu Pflugscharen" für die deutsche Geschichte wichtig wurde.
Als ich so klein war wie du, war gerade ein furchtbarer Weltkrieg zu Ende gegangen. Meine ersten Lebensjahre wurden von dem Eindruck einer zertrümmerten Welt geprägt, gleichzeitig aber lag eine hoffnungsvolle Zukunft vor mir.
Kleiner Jonathan, ich wünsche dir, dass den Erwachsenen eine friedliche Welt ein wichtiges Anliegen ist.
Für die nächste Zukunft wünsche ich dir ein Geschwisterchen, mit dem du spielen, streiten, Kummer und Spaß teilen kannst!
Dass du da bist, macht mich glücklich. Du bist so ein freundliches und spannendes kleines Kerlchen! Mit dir wird mir der Weg in das Alter einfacher sein.
Deine Oma."

 


Diese Ohrenkuss-Ausgabe hat viele LeserInnen berührt - und zum Schreiben angeregt. Hier schreibt eine Oma aus dem Norden:



"Liebes ohrenkuss Team!
Ganz spontan muss ich Ihnen schreiben nach Erhalt des letzten ohrenkuss-Heftes.
Auch ich bin die Oma von zwei entzückenden Mädchen (5 und 8), die - zu allem Glück -  gesund sind. Aber ich habe eine Tochter mit Down-Syndrom: Fee ist eine glückliche und fröhliche junge Frau von 41 Jahren.
Es hat mich wirklich sehr berührt, wie sehr die Grosseltern ihren Enkelkindern mit Down-Syndrom zugetan sind.
Es hat mich erinnert, wie auch die-leider schon verstorbenen-Grosseltern unsere Fee geliebt haben!
Ich danke Ihnen für Ihren grossartigen ohrenkuss-Bericht!
Seien Sie gegrüsst..."

 

 

Weitere Briefe der Großeltern können Sie in der neuen Ausgabe des Ohrenkuss zum Thema Oma Opa lesen - einige Texte und Fotos sehen Sie hier ...



Katja de Bragança






Ohrenkuss: Oma Opa




Ohrenkussmagazin OmaOpa: Ur-Oma Christa, Oma Brigitte und Felina (Foto: Michael Hagedorn)

Judith Klier, handgeschrieben

Das allgemeine von Oma und Opa: Es gibt sehr viele Omas und Opas ich sehe oft sehr viele in der Stadt das so was gibt auf der Welt es gibt auch in anderen Land auch Oma und Opa gint es in viele Städte weil sie es gibt wenn auf Enkelin ist brauchr man Oma und Opa da sind wenn man sie braucht wenn man sich unterstützt unter den Hände  greift .





Achim Reinhardt, handgeschrieben

Omas, Opas braucht Man zum erzählen.
Zum Spielen und Lesen.
Manchmal zum Beten.
Fragen wie Es Geht.





Christiane Grieb, diktiert

Neue Oma und Opa:
Gestern habe ich eine Oma und Opa kennen gelernt, die auch einen ganz neuen Enkel mit Down-Syndrom haben.
Ich habe von mir erzählt, dass man auch normal sein kann mit Down-Syndrom und ich mich freue, dass ich leben kann.
Ich glaube, ich war ein Trost für sie.
Meine Eltern freuen sich auch, dass sie mich haben.





Paul Spitzeck, diktiert

Weiße Haare: Mein Omi hat weiße Haare. Wie ein Harfe.
Zart und leise.
Die ist nett und gibt uns viel essen.




Ohrenkussmagazin OmaOpa: Opa Jürgen und Matteo (Foto: Michael Hagedorn)
Anna-Lisa Plettenberg, diktiert

Das Alter wird man über 20. Und wenn man zu alt ist, wird man sterben.
Meine Oma ist jetzt über 20, weil die jetzt 77 ist. Und das ist zu alt für meine Oma und Opa.
Die Haut voll krumpelig und die Hand ist voll Papier, Papierhaut.
Die sind überalt.
Ich bin 16. Ich hatte vorgestern Geburtstag. Da wurde ich 16. Das ist für mich zu alt. Ich darf mit mein Alter schon Limo und Cola und Kaffee dürfte ich jetzt. Ich will das ja gar nicht trinken.
Das ist cool, das Alter.





Sicco Bremer, handgeschrieben

Hallo Oma Hilde
Ich bin dabei krade an dich zu denken. Was wir früer gemeinsam so gemacht haben. Zum Beispiel dass du immer zu meinem Geburtstag dein besten Apfelkuchen für mich gebaken hast. Der Kuchen hat immer gut geschmeckt.





Christian Janke, handgeschrieben

Ich wünsche Enkelnkinder. Ich möchte immer bei dir sein.
Ich gehe aus mit meine Enkeln in den Zoo spazieren / in der Spielplaz / Pilze sammeln / spilen.
Ich würde gerne Enkeln gute nacht Buch vorlessen auch einkaufen meine Enkeln Baden lassen.
Toben im Schwimbad würde ich gerne nass spritzen. Meine Enkeln kümmere ich gerne.





Marley Thelen, diktiert

Meine Oma und Opa, Gerti und Ralph wohnen in Lüfteberg. Ich fahre auch mit zwei Bussen und eine Bahn. Ich fahre Viertelstunde. Ich fahr alleine. Ich fahre immer Samstag und Sonntag hin und besuche ihn. Wir essen Abendbrot, Wurst und Käse. Nach dem Abendbrot guck ich fern und schlafen wir. Ich gucke immer was spannendes, immer Krimis und was lustiges und noch lustiger - wir gucken auch Karneval. Wir schlafen mit Oma und Opa, Oma und ich wir schlafen im Schlafzimmer von der Oma. Opa schläft im Wohnmobil draußen. Am nächsten Tag frühstücken wir, trinken und essen, dann räumen wir auf. Müssen Kleid nähen und wir sammeln Knöpfe, verschiedene Farben suchen, Filzkleid mit Kettchen und Blumen drauf, hier oben an der Seite ist ein wunderschöne, silberne Kette.





Renate Schlögl, handgeschrieben

Meine Opa war Schmiedemeister!
Meine Oma ist eine Hausfrau gewesen - Sie hat Glück gehabt!
Ich bin ein Glückskind und ich bin super!
Hoffentlich geht mein Oma gut in den Himmel!
Ich habe meine gute Ideen gemacht!
Oma sitzt in eine Wankelstuhl und strikt Socken! Hoffentlich gibt kein Loch!
Ich wünsche das meine Opa dasteht!
Ich habe eine Vision gehabt!
Ich habe meine Oma und Opa gesehen!
Er hat ausgeschaut wie ein Engel!
Er waren alle sehr getropfen sein!
Ich soll tapfer sein!
Ich will öfter meine Sehnsucht erfüllen!
Ich sehe meine Sterne am Himmel!
Ich habe eine schönste Geschenkt in meine Leben!
Meine Oma und Opa sind glücklich in Paradies!




Ohrenkussmagazin OmaOpa: Oma Renate und Wendin (Foto: Michael Hagedorn)
Michael Häger, diktiert

Oma ist lieb.
Oma ist lieb.
Heißt nur Oma.
Oma wollte Kellnerin.
Oma liegt im Grab.
Pastor hat gesegnet.
Ich habe paarmal Oma gesagt.
Tot.
Und dann kommt noch Onkel Doktor, der hatte ein Hören (Stethoskop).
Wir haben ein neue Mieter eingezogen.





Marley Thelen, diktiert

Milfried war krank. Sie muss zum Krankenhaus mit Opa und mich und war bringen Blumen und Geschenke. Milfried ist die Oma.
Die Oma hat im Darm drei Knoten im Bauch und sie muss ins Krankenhaus um den Knoten wieder frei machen, aber es drückt. Wegen der Oma ich will nicht, dass die Oma stirbt. Ich habe so sehr gefehlt und schmerzlos im Herzen. Ich habe den ganzen Tag gewartet wegen Oma. Ich habe auch noch den Alarm gehört wird da habe ich geschockt was mit der Oma passiert ist und dann kommt die Ärzte und Ärzte, die die Oma hoch zu OP bringen. Ich habe nachgedacht, wenn Opa stirbt. Ich habe nie so gut gefühlt. Ich war im Flur und gewartet, wenn Oma wieder gesund ist oder nicht. Da kommt der Arzt und sagt nicht Bescheid wegen Oma und dann hat der Arzt gesagt den Kopf geschüttelt, die Kopf geschüttelt und der Arzt hat mir gesagt: "Die Oma ist tot". Und dann habe ich gesagt, dann muss ich zur Oma gehen habe ich zu Arzt gesagt. Dann hat der Arzt gesagt: "Ja, du kannst zu Oma gehen", und dann habe ich bitter geweint.





Björn Langenfeld, diktiert

Liebe Oma,
damals war ich lieb gehaltet.
Ich habe besuchen.
Am 8.2. da war ich am Flughafen.
Onkel abgeholt am Flughafen Moskau.
Wir fahren schnell Krankenhaus.
Oma liegt jetzt Friedhof in Königswinter.
Liebe Oma, wir vermissen dich.
Ich habe einen Gott und ich gebetet.
Mein Herz tut weh.
Herz kaputt.
Alle zusammen sein.
Scheiße ist sterben.













Mehr? Öffnet externen Link in neuem FensterHier kann diese (und auch die bisherigen) Ausgabe bestellt werden.

 



Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

©Fotos: Michael Hagedorn

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Tags: großeltern, enkel, down syndrom, ohrenkuss magazin, literatur, poesie
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Gastbeitrag
22.09.2010
09:46

Ohrenkuss: Geschwister

Geschwister sind gut - Alleine ist auch gut.

 

Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen. Weitere Infos zu Ohrenkuss, Newsletter, Abo-Möglichkeit: siehe unten. Im letzten Monat wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm



Viele Menschen haben Geschwister, manche aber nicht. Und heute haben immer weniger Menschen viele Geschwister, zumindest in unseren Breitengraden. Sehr schade.
Es hat Vorteile und oft (nicht immer) ist es auch schön, wenn man einen Bruder hat - oder mindestens eine Schwester. Der Bruder kann für Respekt sorgen, wenn Leute in der Schule frech werden, mit den Schwestern kann man bzw. frau sich unterhalten und z.B. rausfinden, welches die beste Methode ist, sich an diversen Körperstellen zu enthaaren.
Die Ohrenkuss-AutorInnen haben auch oft mindestens einen Bruder oder eine Schwester. Und das tut denen gut.
Wir haben ja unseren Enkel Matteo in der Familie, er hat auch das Down-Syndrom. Matteo wird bald drei Jahre alt. Und seit einigen Monaten hat er einen Bruder: Valentino. Die Mutter ist heilfroh, dass (1) Matteo schon laufen kann und (2) Valentino sehr gerne schläft, wenn er nicht gerade zufrieden seine Welt betrachtet.
Noch herrscht also Ruhe bei denen zuhause.
Aber was ist in drei Jahren?! Dann werden die beiden eine Bande bilden und sich Dinge ausdenken, von denen wir (und deren Eltern) noch keine Ahnung haben.
Und was ist in zehn Jahren? In zwanzig?!
Um sich das ein wenig vorzustellen, hilft es, wenn man sich die Texte meiner bereits erwachsenen KollegInnen durchliest. Und (mal wieder) merkt man, dass es nicht viel anders ist, als bei einem selber.
Wie gut, dass ich einen Bruder habe.
Und wie gut, dass meine Kinder Geschwister haben. Großes Glück!

Katja de Bragança







Geschwister sind ein Thema, das jeden, der welche hat, ein Leben lang beschäftigt - so auch die Ohrenkuss-Redakteure.


Angela Fritzen erklärt erst mal, wie das so geht, mit den Geschwistern. Sie schreibt:

"Meine Eltern sind Ilse Fritzen Heinz-Willi Fritzen. Die haben zwei Kinder. Die Ältere Schwester heißt Christiane und die Junge heißt Angela."

 Ohrenkuss: Martin Weser und Geschwister


Martin Weser schreibt dazu:

" Ich habe Geschwister das ist einfach schön. Die sind besonders für mich da."

Er hat zwei Geschwister, die in jeder Lebenslage auf ihn aufpassen:

"Geschwister sind für mich wichtig das wir Gegenseitig aufpassen müssen. Die passen auf mich auf und das ich nett sein kann meinem Geschwister zu haben das ist wichtig für mich das ist schön. Ich finde Geschwister schön das man nett unterhalten kann. Geschwister sind Liebevoll die sind coll. Ich habe Geschwister im Herzen gerne gehabt die sind nett zur mir einfach Toll."






Auch Katja Sothmann kann sich der Unterstützung ihres Bruders immer sicher sein: Ohrenkuss: Carina Kuehne und Bruder

"Ich habe einen großen Bruder. Er ist 25 Jahre alt.  Ich verstehe mich blendend  mit meinen Bruder. Er ist einfach für mich da wenn ich ihn brauche."





Carina Kühne findet es wichtig, Geschwister zu haben. Sie schreibt über ihren Bruder und sich:

"Ich finde es ist sehr wichtig, Geschwister zu haben. Man lernt voneinander und miteinander. Es ist schön und wichtig weil man füreinander da ist und sich gegenseitig unterstützt. Man kann einander vertrauen."












Für Christian Janke sind seine beiden Geschwister sogar echte Helden: Ohrenkuss: Christian Jahnke und Geschwister

"Meine Geschwister versteht mich gut  und ich auch meine Geschwister mag ich die immr tolle Ideen hat. Ich finde echt toll Geschwister zu haben. Ich möchte gute Laune haben das meine Geschwister genauso so ist auch  gute Laune. Ihr seit Echte Geschwister ich habe für mich bist Du 2 Helden."





Sicco Bremer hat eine besondere Beziehung zu seiner Schwester - sie ist seine Betreuerin.

"Ich habe eine ser tolle Schwester. Meine Schwester ist vür mich einfach das Beste, was mir im Leben pasirn konnte. Ich weis das meine Schwester auch vör mich di gesezliche Betreuerin geworden ist und das auch seit Jaren ser gut macht mit Zusamarbeit von meinen Papa. Ich bin mit beiden sehr zufrieden. Die Zusamarbeit mit den beiden kann mir ser fil und gute Unterstüzunk für mein Leben machen. Das sind einfach die besten THOP-Betreuer, die immer für mich da sint."







Ohrenkuss: Nora Fiedler und Geschwister
Dass es unter Geschwistern mitunter Streit gibt, weiß Nora Fiedler. Sie diktiert: 

"Streiten tun wir fast alle, gleichzeitig. Und wir beklauen uns gegenseitig: Deos, CDs, Geld eigentlich nicht so. Deos. Und wir haben uns manchmal auch gegenseitig auch lieb - das ist der Gegenteil."

Doch Streiten tut der Liebe keinen Abbruch:

" Eigentlich verstehen wir uns ausgezeichnet, kann man sagen, miteinander. Es liegt nur daran wie wir uns gegenseitig freuen, dass wir uns sehen. Weil ich meinen Geschwistern echt total liebe."

Von praktischen Aspekten mal ganz abgesehen:

" Ich finde Geschwistern sind wichtig im Leben, weil man mit Geschwistern viele Sachen machen kann. Nämlich, wenn man Einzelkind ist, finde ich irgendwie todlangweilig; nämlich sonst kann man die Schuld nicht auf den anderen schieben."







Einzelkind zu sein kann sich Christiane Grieb nicht vorstellen. Sie erinnert sich an Ferien bei ihrer jüngeren Schwester Juliane in Berlin und schreibt:

"Ich bin ganz allein mit den Zug gefahren und sie hat mich abgeholt. Mit den Ganzen Freunden von ihr bin ich in der Uckermark Floß gefahren. Wir haben abends gegrillt und lagen besoffen auf den Rasen. Es war richtig schön. Ich freue mich, dass ich eine ganz liebe Schwester hab."





Auch Achim Reinhardt verbringt viel Zeit mit seinen beiden Schwestern. Er schreibt:

"Wenn sie kommen machen wir einen Ausflug. Wir branchen und reden. Fernsehen gucken und Fußball. Sie müssen für mich viele fragen Am Computer Raussuchen. Sie Laden Mich ein auch zum Cocktailtrinken."

 


Tobias Wolf hat zwei Brüder. Er diktiert:

"Mit meinem ersten Bruder mache ich immer mal einen Pizza-Bond-Abend. Wir unterhalten uns immer über die Nachrichten. Alles Mögliche, was in den Nachrichten so ist. Wenn ich in Vashon bin [Tobias Wolf ist der US-Korrespondent des Ohrenkuss], mache ich das per Telefon. Mit meinem zweiten Bruder gehe ich immer mal in Konzerte."

 

Nicht nur Tobias Wolf - auch Julia Bertmann nutzt moderne Kommunikationsmittel, um mit ihrer Schwester in Kontakt zu bleiben:

"Meine Schwester ist länger aber jünger als ich. Ab und zu streiten wir uns auch, aber jede Woche schreiben wir uns eine E Mail. Ich finde mein Schwesterherz klasse."

 

Judith Klier ist die direkte Kommunikation zwischen Geschwistern lieber:

"Mir machen sehr viel zusammen wenn ich mal bei uns sind da ratschen wir mal zusammen oder wir spiele zusammen oder wir gehen mal essen."

 



Anna-Lisa Plettenberg und ihre Schwester Eva Maria haben viele gemeinsame Hobbys:

"Wir spielen  zusammen  wir frühstücken zusammen  wir fahren  zusammen einkaufen. Wir  gehen  zusammen zu dem Messdiener. Meine Schwester  ist  nett."

 

Ohrenkuss: Dorothee Reumann und SchwesterFür Dorothee Reumann sind ihre Geschwister auch gleichzeitig ihre besten Freunde. Sie diktiert:

"Wir fahren am Ostsee Schloss Nöer. Es ist so schön und meine beste Freunde gemeinsame Urlaub genießen. Die viele Fliegen essen Frühstück, Mittag und Abend. Und ich fahre nach Hause, meine Geschwistern macht mir genießen schönes Wochenende: grillen oder Wohnung Wände malen: Ich helfe meine Schwester dazu und mein Bruder hilft auch mit dazu. Mein Geschwistern ist supernett und ich helfe mein Geschwistern."

 



Anna Ring teilt mit ihrem Bruder die Liebe zur Musik. Sie schreibt:

"Mein bruter macht viel mit mir. hat meine musik auf meinen i pot gemacht. UND WIR GEHEN AUF ROCK KONZERTe: VON MeTAlLIcA:" 


 

Auch Fragen der Hygiene sind unter Schwestern kein Tabu.

"Wir reden und ticken uns ob meine Hände braun sind oder nicht, und das gleiche ist ob meine Hände sauber sind oder nicht Wir machen nicht viel zusammen."

schreibt Verena Elisabeth Turin am Computer.

 


Beziehungen zwischen Geschwistern verändern sich im Laufe des Lebens. Charlotte Tomberger schreibt dazu:

" Also ich habe einen Bruder und der ist älter als ich. Er heißt Tobias. Jetzt machen wir nicht mehr viel miteinander weil mein Bruder nicht mehr bei uns wohnt. Er ist schon verheiratet und hat auch schon eine ganz liebe Tochter. Früher haben wir aber viel miteinander gemacht." 

Aber auch die neue Situation hat Vorteile:

"Ich bin schließlich die einzige und die echte wahre Tante von der Tochter von meinem Bruder."




Katharina Müller hat zwei Schwestern. Auch wenn man sich seine Familie nicht aussuchen kann, ist sie im Großen und Ganzen zufrieden. Sie diktiert:

"Natürlich mag ich Geschwister. Ich hätte aber am liebsten einen Bruder gehabt. Manchmal sind sie auch frech - manchmal aber nur. Ich nerve manchmal auch. Aber nur selten. Aber zickig bin ich immer - was ich nicht will, das wird nie gemacht."

Aber auch Einzelkind zu sein, hat seine Vorteile:

"Ich wäre gerne Einzelkind - wenn ich eins wäre dann hätte ich ein großes Zimmer. Ich wollte keine Schwestern haben. Die Mama hätte mehr Platz im Haus, es macht ihr keinen stress und hätte weniger Wäsche."




Auch Sarah Eibensteiner möchte lieber keine Geschwister, denkt dabei aber nicht an sich selbst, sondern an eventuelle noch nicht geborene Brüder oder Schwestern:

"Ich bin ein Einzelkind, und habe leider keine Geschwister. Ich möchte in meiner Zukunft auch keine Geschwister haben, weil ich schon 21 Jahre bin, und  auch weil ich schon  sehr groß bin. Ich habe auch schon einen festen Freund, und natürlich sind meine Geschwister dann ganz alleine zu Hause, wenn ich mit meinen Freund ausgehe. Drum möchte ich keine Geschwister haben."




Peter Keller ist da pragmatischer:

"Geschwister sind gut-Alleine ist auch gut."

 

Franziska Wolf hingegen hätte sogar lieber noch mehr Geschwister. Sie schreibt:

" Ich find meine Geschwistern So supper sehr wichtig.  Ich würde für immer Geschwistern haben weil die sind supper die ganz  größten hilfe ist für mich zum unterschützen."

 

Und auch Johanna von Schönfeld schreibt:

"Ich kann mir nicht vorstellen dass ich keine Geschwirster habe ohne Geschwirster wäre mein Leben koplelt auf dem Kopf gestellt und kann unmöglich daran glauben wie gesagt ich kann nicht ohne meine Geschwirster leben."

 

Ob mehr Geschwister oder weniger, Brüder und Schwestern, die Hauptsache ist, dass man sich gut versteht. Und so schreibt Carina Kühne das Schlusswort:

" Wir verstehen uns sehr gut. Natürlich streiten wir auch manchmal. Aber ich bin sehr stolz auf meinen großen Bruder und er sagt auch immer, dass er sehr stolz auf mich ist."

 

 

 


Zusammengestellt von Anne Leichtfuß





 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de


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