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Ohrenkuss-Anleitung zum Advent
Naschen, Plätzchen. Quatschen.
Ohrenkuss hat "Bock auf Advent"
Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.
Der Advent ist eine Zeit, der man sich kaum entziehen kann - das Jahr geht zu Ende, Weihnachten naht, die Straßen sind festlich beleuchtet und auch zu Hause werden letzte Vorbereitungen getroffen. Klar, dass auch die Ohrenkuss-Autorinnen und -Autoren was zum Thema zu sagen haben!
Was ist eigentlich Advent? Das erklärt Johanna von Schönfeld. Sie diktiert:
" Advent ist ein kirchliches Fest. Advent ist eine Vorbereitung auf Weihnachten = ein Vorbereitungsgedenk."

Fernkorrespondentin Verena Elisabeth Turin aus Italien findet:
"Advent ist eine wunderschöne Zeit."
Björn Langenfeld diktiert, was ihm am besten gefällt am Advent:
"Adventfeier.
Flötespielen.
Glückwein trinken, Wein heiß machen.
Naschen, Plätzchen. Quatschen.
Erzählen."
Auch sein Kollege Martin Weser freut sich. Er schreibt:
"Advent kann man sich freuen - diese Stimmung ist auch schön. Adventskranz oder man sagt die Wünsche für Weihnachten ein."
Fernkorrespondentin Maria Trojer schickt eine Mail aus Österreich. Sie schreibt:
"Advent ist.......
1. Advent ist Hoffnung
2. Advent ist Ankommen
3. Advent ist Ruhe
4. Advent ist beten
5. Advent ist Gemeinschaft
6. Advent ist einander zu helfen
7. Advent ist, dass man an Gott glaubt
8. Advent ist Zeit haben
9. Advent ist , mit den anderen zu teilen
10. Advent ist Vorfreude"
Ein Adventskranz gehört für die meisten Ohrenkuss-Autorinnen und -Autoren dazu zur Vorfreude. Julia Bertmann schreibt:
"Wir haben auch einen Adventskranz. Der hat vier Kerzen. Am vierten Advent werden alle vier Kerzen angemacht. In Frankreich ist das anders. Sie würden schon alle vier Kerzen am ersten Advent anmachen."
Und womit dekoriert man so einen Adventskranz? Ganz klassisch mit Kerzen und Kugeln?
Das ist Daniel Rauers zu langweilig! Er diktiert:
"Ich bin auch mal verrückt. Ich habe schon einen Adventskranz zu Hause. Und ich könnte auf den Adventskranz Kerzen draufstecken und Tannenzweige und noch paar Kugeln. Dazu noch ein verrücktes Pferd. Was fehlt noch? Lebkuchenmänner."
Man merkt ganz klar - Daniel hat "Bock auf Advent"!
Julian Göpel hingegen braucht nicht viel Weihnachtsschmuck. Er diktiert:
" Ich mag keinen Adventskranz, wegen der Feuerwehr. Sonst gehen die Alarmanlagen los. Ich brauche keinen Weihnachtsschmuck. Ich habe eine Lichterkette, die mache ich einfach nur an."
Seine Kollegin Marley Thelen ist für vorweihnachtliche Dekoration zu haben. Und was ihr Konzept angeht, könnte man fast sagen: Sie ist ihrer Zeit voraus. Sie diktiert:
"Und dann, wenn wir Tannenbaum geholt haben, schmücken wir die Bäume. Mir fällt noch ein, was so verrückt ist, um den Tannenbaum zu schmücken: Osterhasen und Osterhasen-Ei. Und ein Huhn obendrauf. Oder einen Osterhase, so angezogen wie der Nikolaus, so Mütze hat. Mit dem Stern und Ohren."
Und was gehört unter den Baum? Korrekt - Geschenke.
Ob Julian Göpel schon nervös ist, was er wohl bekommt? Er diktiert:
"Nervös sein ist für mich kein Skandal, weil wir sind auch nervös, wenn es Geschenke gibt." Und sogar, was er sich wünscht, verrät er hier: "CDs, DVDs, eine Zitronenpresse und Unterhemden."
Gibt es auch etwas, das er nicht mag? Julian schreibt:
"Ich hasse zu viel Hin- und Hergefahre an Weihnachten zu den Weihnachtsmärkten mit Bus und Bahn und mit Auto. Dann schlafe ich direkt ein, das passiert auch bei Klassik Konzerten."
Michael Häger hingegen mag Weihnachtsmärkte. Er diktiert:
"Auf Weihnachtsmarkt ganz viele Kerzen. Schön bunt. Und dann Schmuck, Ringe. Auf Weihnachtsmarkt Riesenrad. Es gibt Reibekuchen, Pommes, Bratwurst: das riecht gut. Geschenke einkaufen."
Auch Romy Reißenweber findet, dass es gut riecht im Advent. Sie schreibt:
"Es duftet sehr nach Plätzchen und nach Glühwein oder Kinderpunsch."
Nicht zu vernachlässigen ist selbstverständlich das Weihnachtsessen! Was gibt's?
Anna-Lisa Plettenberg schreibt:
"Ich esse um Weinachten Hänchenbraten mit Knödel mit Rotgol."
Und natürlich Plätzchen! Judith Klier schreibt:
"Advent ist zur Ruhe zu kommen. Plätzchen backen Stollen und Lebkuchen. Auf die kommende Weihnachten in den wir feiern und Plätzchen und der Advent ist besinlich und mit Plätzchen essen und der ganzen familie feiern wolln."
Mit der ganzen Familie - da können schon einige Leute zusammenkommen! Dann ist es natürlich wichtig, gut vorbereitet zu sein!
Anna-Lotta Mentzendorff schreibt dazu:
" Zu Weihnachten muss alles im Haushalt funktionieren, denn zu Weihnachten möchten wir ganz viel leckeres essen und dass müssen wir vorbereiten. Kekse müssen gebacken werden, das Weihnachtsessen muss geplant werden und wier müssen überlegen, wie viele Gäste kommen. Dieses Mal sind wier zehn Leute und eine Katze."
Auch für Martin Weser gibt es viel zu tun in der Vorweihnachtszeit. Er schreibt:
"Es passiert ganz viel im Haushalt. Wir müssen sauber halten die Küche. In diesen Advent haben wir jeden abend eine schöne Leuchtung von 10 wunderkerze. Die steht bei uns auf der Fensterbank. Die ist schön und wunderbar. Ich mache ganz viel Window Coloa und hängt am Fenster. Die sind einfach fabelhaft. Das finde ich schön."
Wer sich hoffnungsfroh auf weiße Weihnachten freut - Julian Göpel tut es nicht! Er schreibt:
"Ich hasse Schneeschüppen! Soll ich mich abfrieren? Soll ich mich krankschreiben?"
Alternativen?
Gemütlichkeit KuscheleinheitenWarm vom knisterten Kamin
Geschenke Übergeben
Heiße Glühweine mit Zimtgeschmack
Alkohol saufen (Johanna von Schönfeld)
Auf jeden Fall wünscht Ohrenkuss ein schönes Fest! Verabschieden möchten wir uns für dieses Jahr mit einem Gruß von Veronika Hammel. Sie hat mit der Hand geschrieben:
"Ich wünsche Dir Auch schöne Adventszeit und Rutz gut Rüber in Neues Jahr."
zusammengestellt von Anne Leichtfuß
Fotos © Ohrenkuss

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
www.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter: Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den kostenlosen Newsletter "Ohrenkuss-Ipeschl" abonnieren:
www.ohrenkuss-ipeschl.de.
Flugtee 2011 aus Indien+Japan
Kultur für Teefans, Sünde für Ökos
Edle Vorboten aus Indien und Japan
Wir bieten jedes Jahr einen Flugdarjeeling sowie einen Flug-Sencha (Shincha) aus kontrolliert biologischem Anbau an. Warum?
Argument dafür: als TeetrinkerIn im Nicht-Produktionsland nimmt man Anteil an einer Teekultur und -tradition, abseits von Massenpflückungen der späteren Pflückungsperioden, um die sich auch in der Naturkostbranche die Importeure bevorzugt reißen. Man kann es als Würdigung einer ganzheitlichen Teekultur beschreiben, denn jede Teeplantage produziert sowohl Tee im Spitzenbereich (vor allem die frühen Pflückungen) als auch im preiswerten Alltagsbereich. Sie sind darauf angewiesen, dass die VerbraucherInnen alle Qualitäts- und Preisstufen gleichermaßen abnehmen. Die Realität ist jedoch so, dass hohe Qualitäten kaum gefragt sind, und später unter Preis irgendwo untergemischt werden müssen. Der Flugdarjeeling gehört dazu, und ihn jedes Jahr in kleinem Umfang zu genießen, trägt dazu bei, die Teetradition des Herkunftslandeslandes zu erhalten (hier sägt sowieso schon Coca Cola dran ...)
Argument dagegen: Der Transport per Flugzeug ist energieaufwendiger als per Schiff, und aus ökologischen Gesichtspunkten möglichst zu vermeiden.
Flugdarjeeling
Flugdarjeeling ist feiner, edler Tee der ersten Erntetage der 1. Pflückperiode (first flush) und wird erntefrisch eingeflogen. Der Verkauf läuft bis Herbst, bis die Tees per Schiff eintreffen.
Passionierte Teetrinker warten alljährlich sehnsüchtig auf den frischen Frühlingsboten aus den Hochlagen Darjeelings. Nur aus den Hochlagen werden diese Top-Qualitäten erzielt.
TeegenießerInnen lieben und schätzen besonders das frische und sehr kraftvolle Aroma der ersten Pflückungen. Jeder einzelne Pflückgang hat seinen eigenen Geschmack und Charakter. Anfangs gibt es nur sehr kleine und kostbare Partien (DJ. / Invoice) von ca. 50 - 150 kg je Erntegang.
Wir haben uns dieses Jahr wieder für die sehr gute erste Pflückung (DJ1) der First Flush-Saison 2011 aus dem Bio-Teegarten Singell entschieden, der vor rund 20 Jahren auf "Bio" umgestellt hat. Dieser Garten liegt in ca. 1500 m Höhe in Darjeeling und liefert Spitzenqualitäten mit außerordentlichen Eigenschaften. Dieser Flugtee ist dieses Mal spritzig, dabei aber weich mit einem runden Geschmack, der an schmelzende Süße erinnert, mit extravagantem, hocharomatischem und zart-blumigem First Flush-Charakter.
Zubereitungstipp: Für den Aufguss benötigt man von dieser Pflückung ca. 10g Teeblätter und lässt den Tee ca. 2 Minuten ziehen. Am besten sollte gutes Wasser für solche hochwertigen Teesorten verwendet werden. Zum Beispiel gefiltertes Wasser oder St. Leonhardsquelle (still).
Shincha Soshun - Flugsencha
Auch in Japan gibt es jedes Jahr den Kult des Neuen Tees (Shincha heißt ‚Neuer Tee') und wird sogar noch stärker gepflegt als in Darjeeling. Die ersten Pflückungs-Durchgänge in der 1.Flush-Saison werden als Kostbarkeit gehandelt. Über dem ganzen Land liegt in dieser Zeit, wenn die Pflückungen wieder beginnen (Ende April/Anfang Mai) ein zarter, charakteristischer Grüntee-Duft.
Der Beginn der neuen Erntesaison und Einschätzungen der Teequalität sind Seite-1-Themen der Tageszeitungen. In den Teeläden werden Shincha-Feste gefeiert zu Ehren des neuen Jahrgangs.
Shinsha-Tee wird nach dem Dämpfen leichter getrocknet als normaler Sencha und ist deshalb wunderbar frisch und grün. Sein Aroma gleicht "einem Spaziergang durch einen erwachenden Teegarten", betört und erinnert an Lichee, Jasmin, grüne Algen. Per Flugzeug trifft eine kleine Menge als Vorbote ein, alle anderen Tees kommen ebenfalls per Schiff im Herbst.
Unser Shincha - Tee stammt aus Kagoshima und ist ein Kabusé - Halbschattentee. Er ist dieses Jahr natürlich auf radioaktive Belastung analysiert worden. Er weist keinerlei Radioaktivität auf: alle Werte liegen unter der Nachweisgrenze. Kagoshima liegt 1200 km von Fukushima entfernt, ganz im Süden.
In folgendem Beitrag beschreiben wir ein Shincha-Fest, das dieses Jahr bei der deutschen Partner- und Importfirma Shimodozono vom gleichnamigen Familienunternehmen in Kagoshima, von dem wir unseren Tee beziehen, stattgefunden hat:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2011/05/31/japan-3-shincha-fest.htm
Petra Prescher, Ursula Stübner
+++ AKTUELL +++ Es handelt sich um Shizuoka, was von den relevanten Teeanbaugebieten Japans am nächsten an Fukushima liegt (was man im Artikel nicht erfährt). Erhöhte Werte waren hier zu erwarten. Allerdings ist auch dieses Gebiet differenziert zu betrachten:
Schwierig wird diese Verallgemeinerung im Spiegel-Artikel (und sicher noch weitere) für die Situation von Japan-Tees. Wir wollen mit unseren Informationen EndverbraucherInnen die Möglichkeit geben zu differenzieren. Die weiter entfernt liegenden Teeanbaugebiete Uji und Kagoshima sind bis jetzt unbelastet. Mit transparenten Informationen kann sehr gut weiter japanischer Grüntee konsumiert werden. 22.6.2011 |
Weltdemokratie
Deutschland wird Kulturminister
Als alte Ökohasen und global agierende Gewürz- und Tee-Importeure freuten wir uns heute beim Mittagessen sehr, endlich einmal einen vernünftigen Entwurf einer Weltdemokratie in einem renommierten Fachblatt lesen zu können. Er stellt einen schönen Kontrapunkt zum verkürzten und interessegeleiteten Demokratieverständnis des reichen Westens dar. Die hier für uns vorgesehene Inhaberschaft des Kulturministeriums korreliert harmonisch mit
Prof. Bazon Brocks Theorie der Musealisierung des Westens.
Deshalb freuten wir uns über Christian Y. Schmidts Zustimmung, seinen Text, der am 31.3.2011 in der TAZ auf S.20 erschienen ist, hier vorzustellen.
Mehr? Er schreibt noch aus China: Schoen waere es, wenn Sie auf meine Lesetour hinweisen koennten, die zufaelligerweise in der uebernaechsten Woche beginnt. Hier die Termine: http://www.tomprodukt.de/tourplan/aktuell/christian-y-schmidt#christian-y-schmidt
Die Lesetour ist natürlich in Deutschland. Weiter unten im Kurzportrait gibt es noch Hinweise auf seine Bücher.
Im Jahr des Hasen (5): Weltdemokratie / von Christian Y. Schmidt
Nach den Umstürzen in Tunesien und Ägypten suggerierte der US-amerikanische „China Experte“ (dpa) Gordon Chang stante pede – das ist der Mann, der 2001 den Untergang Chinas für spätestens 2006 prophezeit hatte -, als nächstes sei die chinesische Regierung dran: „Chinas Kommunisten“, zitierte ihn dpa, „haben allen Grund, besorgt zu sein.“ Auch Heimwerker Ai Weiwei meldete sich zu Wort. Die Ägypter hätten nur 18 Tage gebraucht, um ihr 30 Jahre altes Regime zu stürzen. Für die chinesische Regierung werde man wohl etwas länger brauchen. „Für dieses 60 Jahre alte Ding könnten einige Monate nötig sein.“ Nach diesem Umsturz, davon sind wohl Ai und Chang überzeugt, wird man in China endlich eine echte Demokratie errichten.
Das ist eine tolle Perspektive, schließlich bin auch ich für Demokratie. Allerdings muss dann auch wirklich die Mehrheit regieren. Um das zu garantieren, kann im Zeitalter der Globalisierung Demokratie nur global organisiert werden. Das heisst: Zunächst ist einmal ein Weltparlament zu wählen. Das allerdings kann kaum so aussehen, wie die klägliche Versammlung, die der ehemalige RCDS-Vorsitzende Rasmus Tenbergen Anfang 2008 als „World Parliament Experiment“ in Bonn zusammentrommelt hatte. Dort waren nur insgesamt 25 Länder mit Delegierten vertreten, darunter kein einziger Chinese.
In einem echten Weltparlament sähe das anders aus. Geht man davon aus, dass die Abgeordneten entsprechend dem Anteil der verschiedenen Nationen an der Weltbevölkerung vertreten sein müssten, würden die Chinesen 19,5% der Parlamentarier stellen. 17,3 Prozent der Abgeordneten wären Inder. Die Bewohner der Europäischen Union kämen dagegen nur auf ganze 7,3 Prozent. Die Deutschen allein (1,2% der Weltbevölkerung) würden übrigens an der fünf Prozent Hürde scheitern, genauso wie die Bewohner der USA (4,5%). Insgesamt stünden den Bewohnern des westlichen Blocks ziemlich genau 14,5 Prozent der Abgeordneten zu.
In einer Weltregierung dürften dann die Westler allenfalls den Kulturminister stellen. Der könnte aber kaum verhindern, dass das neue Kabinett sofort mit der Umverteilung des globalen Reichtums in Richtung Weltbevölkerungsmehrheit begönne. Selbstverständlich müssten in einer demokratisch verfassten Welt auch die Menschenrechte garantiert sein. Zu diesen zählen u.a. die freie Wahl des Wohnorts. Schon einige tunesische Revolutionäre hatten von diesem Recht Gebrauch machen wollen, indem sie in die Europäische Union zu emigrieren suchten. Dabei stiessen sie auf erheblichen Widerstand. Unter einer demokratischen Weltregierung wäre ein solcher Wohnortwechsel dagegen völlig unproblematisch. Natürlich würde sie alle Grenzen öffnen lassen.
Bei einer demokratischen Bewegung, die für die genannten Ziele eintritt, wäre ich sofort dabei. Ich sehe allerdings nicht, dass diese momentan sonderlich populär wären. Jedenfalls nicht bei denen, die sich immer als erste melden, wenn die sofortige und bedingungslose Demokratisierung Chinas gefordert wird. Warum eigentlich nicht?

Christian Y. Schmidt war bis 1996 Redakteur des Satire-Magazins „Titanic“. Seitdem arbeitet er als freier Autor. Außerdem ist er Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur, sowie Redakteur und Gesellschafter des Weblog „Riesenmaschine“, dem 2006 der Grimme online-Preis verliehen wurde. Zusammen mit Achim Greser, Heribert Lenz und Hans Zippert verfasst er die Comic-Serien „Genschman“ und „Die roten Strolche“. 1998 erschien seine kritische Joschka Fischer-Biografie „Wir sind die Wahnsinnigen“, 2008 das viel beachtet Reisebuch „Allein unter 1,3 Milliarden“ (2010 als „Duzi zai 13yi ren zhi zhong“ auch auf Chinesisch) und 2009 der China-Crashkurs „Bliefe von dlüben". Seit 2009 berichtet Schmidt zweiwöchentlich in einer satirischen taz-Kolumne aus China. Momentaner Titel: „Im Jahr des Hasens".
Ohrenkuss: Verdienstkreuz am Bande
Bundesverdienstkreuz für Ohrenkuss-Gründerin Katja de Bragança
"Ohrenkuss ...da rein, da raus" - ein künstlerisch-literarisches Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein einzigartiges Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft, vor über 10 Jahren gegründet und seither herausgegeben von Dr. Katja de Bragança. Wie es dazu kam, und warum, erzählt die Laudatio zur Ordensübergabe.
Gestern, am Montag, dem 23.8.10 war die Übergabe des "Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" an Dr Katja de Bragança, für ihre innovative Arbeit und langjähriges Engagement im sozialen Bereich. Noch nominiert von Horst Köhler - wurde die Verleihung des Ordens vom Oberbürgermeister der Stadt Bann vorgenommen.
Hier nun die vollständige, offizielle Laudatio, gehalten von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, darunter folgen Fotos des festlichen Nachmittags im Bonner Kapitelsaal. Wir freuen uns ! Herzlichen Glückwunsch, liebe Katja !!
Laudatio anläßlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
"Frau Dr. Katja de Bragança hat durch ihr langjähriges Engagement im sozialen Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben.
Frau Dr. Katja de Bragança ist Mutter von vier Kindern im Alter zwischen 16 und 28 Jahren. Während ihres Studiums der Biologie an der Universität Bonn wurde 1982 ihr erstes Kind geboren. Zur Zeit ihrer Dissertation arbeitete sie halbtags als wissenschaftliche Angestellte am Humangenetischen Institut der Universität Bonn und hatte bereits zwei Kinder. Kurz vor der Geburt ihres dritten Kindes 1991 beendete sie ihre Dissertation zum Thema "Fingerabdrücke und das Down-Syndrom". 1994 brachte sie ihr viertes Kind zur Welt.
Während Frau Dr. Katja de Bragança von 1995 bis 1997 am Institut für Parasitologie der Universität Bonn mit einer halben Stelle als wissenschaftliche Angestellte arbeitete, knüpfte sie Kontakte zu Down-Syndrom Selbsthilfegruppen und zu dem Netzwerk gegen Selektion durch vorgeburtliche Diagnostik. Sie beschäftigte sich weiterhin mit den gesellschaftlichen Konsequenzen der vorgeburtlichen Diagnostik und der Lebensqualität von Personen mit dem Down-Syndrom.
Mit der Hilfe der zwei Bonner Künstler Gabriele Lutterbeck und Peter Kurenbach wurde ein wanderndes Atelier von Künstlern mit und ohne Down-Syndrom gegründet. Die Ergebnisse wurden unter ihrer Leitung auf einer fünfzigtägigen Wanderausstellung in Deutschland und Österreich der Öffentlichkeit präsentiert. Der Arbeitsaufwand in dieser Zeit ging vom frühen Morgen bis zum späten Abend und umfasste die logistische Planung, den Auf- und Abbau der Zelte sowie das Verpacken der Kunstwerke und die Öffentlichkeitsarbeit. Während der Ausstellungstage stellte sich Frau Dr. Katja de Bragança vielen Gesprächen mit Besuchern und Pressevertretern, um das Anliegen des Projektes zu erläutern. Sie bot gemeinsame kreative Workshops an und führte mit den begleitenden Künstlern mit und ohne Down-Syndrom ein ausführliches Logbuch über die Reise. Das Projekt "Arche Noah" wurde von der Aktion Mensch finanziert und nahm an der "Aktion Grundgesetz für Gleichstellung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung" im Jahre 1997 teil.
Neben Beruf und Familie begann Frau Dr. Katja de Bragança jede freie Minute in die Erarbeitung eines Forschungsprojektes zu investieren. Das Projekt mit dem Titel "Wie erleben Menschen mit Down-Syndrom die Welt - wie sieht die Welt Menschen mit Down-Syndrom? Eine Gegenüberstellung." wurde von 1998 bis 2000 von der Volkswagenstiftung gefördert und am Medizinhistorischen Institut der Universität Bonn durchgeführt. Dabei gelang es Frau Dr. Katja de Bragança zu belegen, dass Menschen mit Down-Syndrom durchaus schreiben und lesen lernen können, denn im Zusammenhang mit diesem Projekt entstand 1998 auf ihre Veranlassung ein weltweit einzigartiges Magazin, genannt "Ohrenkuss", dessen AutorInnen alle vom Down-Syndrom betroffen sind.
Das inzwischen vielfach prämierte Ohrenkuss Magazin (u.a. 2005 Der Deutsche PR-Preis und "Ausgewählter Ort 2006" im "Land der Ideen") erscheint zwei Mal im Jahr mit professionellen Fotos und einem zeitgemäßen Layout, das in seiner Ästhetik an Kunst- oder Musikmagazine erinnert.
Die Redaktionsmitglieder legen das jeweilige Schwerpunktthema selbst fest und präsentieren in ihren Texten ihre zum Teil andere Sicht zu Alltagsthemen. Dabei werden ihre Texte weder in Rechtschreibung noch in Satzstellung korrigiert. Neben den zweiwöchig stattfindenden Redaktionssitzungen in Bonn gibt es auch viele Termine am Wochenende, um mit den Redaktionsmitgliedern Recherchen durchzuführen und Lesungen der eigenen Texte in der Öffentlichkeit abzuhalten. Diese Recherchetouren führten das Team an die verschiedensten Orte: zum Beispiel in die Mongolei, in das historische Grüne Gewölbe in Dresden, in die Lutherstube auf der Wartburg und in den Schießkeller der Bonner Polizei.
Der Arbeitseinsatz von Frau Dr. Katja de Bragança ging in der Zeit des Forschungsprojektes weit über die bezahlte Stelle hinaus.
Die Auflage des Magazins, die von Angehörigen, Fachleuten wie Kinderärzten, Gynäkologen, Humangenetiker, Therapeuten, Germanisten, Fotografen und Designern abonniert und gelesen wird, stieg von anfänglich 150 auf mittlerweile 3000.
Dank der Zuversicht, dass Wissenschaft und Kultur in einer Gesellschaft sich nicht ausschließen, sondern sogar gegenseitig inspirieren können und dank des Mutes, des Ideenreichtums, der Kompetenz und der Zuversicht von Frau Dr. Katja de Bragança sowie durch ihren Verzicht auf eigene Bezahlung war das Ohrenkuss-Projekt mit Auslaufen der Finanzierung im Jahr 2000 nicht zu Ende. Trotz der noch nicht ausreichenden Abonnentenzahlen wurde die fünfte Ausgabe des Magazins geplant und durchgeführt. Zusammen mit ihrer Partnerin Dr. Bärbel Peschka gründete sie die Firma "Downtown Werkstatt für Kultur und Wissenschaft", die fortan das Magazin Ohrenkuss herausgab.
Da die Ohrenkuss-Redaktion durch inhaltliche und gestalterische Qualität über-zeugen möchte und nicht aus Wohltätigkeitsgründen Unterstützung sucht, ver-zichtete man bewusst auf die Gründung der gemeinnützigen Vereinsform für das Ohrenkuss-Projekt: Interessierte Menschen sollten den Ohrenkuss "kaufen" und eine Rechnung bezahlen - und nicht eine Spendenquittung erhalten. Ohrenkuss möchte Respekt und kein Mitleid. Weiterhin wurde, um die künstlerische Qualität zu erhalten, auf die Einnahmequelle "Werbung" in dem Magazin verzichtet. Neben der Erstellung von zwei Ausgaben pro Jahr sind in der Downtown Werkstatt viele Ohrenkuss-Kalender und - zum zehnjährigen Bestehen 2008 - das Ohrenkuss Wörterbuch entstanden, das für den Designpreis Deutschland 2011 nominiert wurde.
Neben der umfangreichen Arbeit für die jeweilige Ausgabe bietet die Ohrenkuss-Redaktion immer wieder Lesungen in ganz Deutschland an, u.a. im Literaturhaus Köln, in der Gedenkstätte Buchenwald und im Arpmuseum Rolandseck. Bis heute fanden viele so genannte "Schreibwerkstätten" statt, bei denen Menschen mit und ohne Down-Syndrom die Gelegenheit haben, über die gemeinsame kreative Arbeit Vorurteile abzubauen und voneinander zu profitieren".
Fotos (mit Klickvergrößerung): Heuschrecke

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
www.ohrenkuss.de
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Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren:
www.ohrenkuss-ipeschl.de.
Ohrenkuss bloggt einmal im Monat hier auf www.heuschrecke.com zu einem aktuellen Thema.




































