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Ohrenkuss: H wie Herzenswünsche
Herzenswünsche und Perspektiven 2011
Das Wörterbuch
Im Jahr 2008 erschien zum 10-jährigen Jubiläum von Ohrenkuss das "Ohrenkuss-Wörterbuch".
"Ohrenkuss ...da rein, da raus" ist ein künstlerisch-literarisches Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein einzigartiges Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft, vor über 10 Jahren gegründet und seither herausgegeben von Dr. Katja de Bragança. Es erscheint 2x im Jahr - jeweils ein halbes Jahr arbeiten die Ohrenkuss-AutorInnen intensiv an einem Thema, reisen dazu, machen Besichtigungen, Interviews, und schreiben oder diktieren dann ihre Gedanken und Meinungen.
Es entstehen mehr Texte, als im Magazin veröffentlicht werden können - so gab es die Idee des Ohrenkuss-Wörterbuchs, geordnet wie ein Lexikon, mit den schönsten Texten aus 10 Jahren, ernst, witzig, pragmatisch, poetisch. Man kann wirklich einen Begriff nachschlagen und erlebt eine Überraschung - der Kopf wird aufgemischt beim Lesen.
Mit dem Ohrenkuss-Wörterbuch haben wir, die Heuschrecke, angefangen, kurze Texte der AutorInnen in unserem Umfeld, der Naturkostbranche, zu veröffentlichen, zuerst als Einsprengsel über unsere Preisliste verteilt, und jetzt freuen wir uns, dass Ohrenkuss einmal im Monat bei uns bloggt.
Nun hat das Ohrenkuss-Wörterbuch in der gebundenen Ausgabe mit drei Cover-Versionen den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2011 (die höchste Designauszeichnung Deutschlands) gewonnen. Die unabhängige Jury aus Vertretern von Industrie, Hochschule, Design und Medien zeichnete das Buch mit Silber im Bereich Kommunikationsdesign aus. Gratulation!
H wie Herzenswünsche
Herzenswünsche stehen zwar nicht im Wörterbuch - gehörten aber an die Stelle zwischen Herzblatt und Herzschmerz. Die folgenden Herzenswünsche sind von den AutorInnen jetzt kurz vor Weihnachten und zum Jahreswechsel aufgeschrieben bzw. diktiert worden.
Martin Weser, am Computer geschrieben im November 2010
Lass Deiner Fantasie freien lauf!
Man trett die Pedale von Fahrrad den Berg hoch dann habe ich freien Lauf das soll schön sein. Es gibt mehrere freien Lauf das man die wünsche hat.
Man geht in den Wald um die Pilze zu finden das ist abenteuerlich den feiern Lauf. Wir sind dann mit Vollen Korb Glücklich und man genießt die Sonne von heute. Wir sind Entspannt und atmen in die Nase und den Mund aus und hören wie der Wind in die Nase geht. Das alles hat man den feiern Lauf zu tun hat muss man auch genießen. Dann bleiben wir Entspannt. Das soll schön sein. Das tut gut und man hört auch die Vögel singen.
Man darf mit seinen Wünschen auch mal nach den Sternen greifen.
Es gibt Dinge die nicht wirklich gibt. Ich Wünsche mir ich sitze neben Günther Jauch muss dann die fragen beantworten.
Ich wünsche mir das die Liebe sie ist mein Stern und sie Liebt mich.
Es gibt die Wünsche überall in der Weld und mein Stern fragt: Liebst du mich noch und ich sage ihr ja. Ich liebe dich das soll schön sein wenn man ein Freundin hat.
Ich hab mehrere Wünsche diese gibt es nicht.
"Ich wünsche mir Liebe".
Veronika Hammel, mit der Hand geschrieben
Dass der Ohrenkuss nach Süd Deutschland kommt. Da können wir in Museum gehen oder Führung mit machen durch die Stadt und können wir Texte schreiben. Selber eine Führung machen. Dann können wir ins Kino gehen. Viele Grüsse von Veronika
Anna Lotta Mentzendorff, auf dem Computer geschrieben
Liebe Katja, in meiner klasse ist es so nerfig, weil immmmer Streit ist.. Für mich ist das sehr anschrent und die jungs grabschen uns Mädchen an, das ist sehr widerlig. Am besten wünsch ich das die mal aufhören sollen und das mal Ruhe einkert! Ich möchte, das wir alle kein schtress mehr haben und alle Sorgen verlieren! Das wünsch ich den ganzen menschen auf der Welt!
deine anna lotta
Ich war einmal in Urlaub gewesen, Brügge, Amsterdam, Irland und Schottland.
Da kann man auch verschiedene englisch sprechen kann und meine Freundin war in Irland und sie kann auch Englisch sprechen und ich kann das auch lernen, weil my name ist auch und ich will auch sprechen lernen. Ich kann nicht chinesisch sprechen, aber chinesisch zeichnen.
Ich habe viele Wünsche, was ich werden kann.
Notarzt oder Schauspieler und ich kann auch gut Video drehen und Mode machen und verschiedene Haare kämmen.
Daniel Rauers, diktiert
Ich möchte gerne in Köln wohnen.
Ich will die Stadt angucken.
Ein Zimmer. Und ein Bett. Und einen Fernseher.
Musik. Und ein Laptop. Email schreiben. Und ins Internet gehen. Und ich muss noch ipod hören.
Höflich und freundlich. Und Perspektive. Perspektive bedeutet lieb sein.
Angela Baltzer, diktiert
Ich möchte gerne in Bonn wohnen. Weil nicht so weit zu fahren zu mein Arbeit.
Ich möchte gerne in Bonn, in Stadt, eine betreute Wohnung suchen zu finden.
Ich will glücklich sein. Meine Zukunft ist: ich bin glücklich und fröhlich sein zu werden, weil ich woanders wohne. Das ist meine Perspektive.

Johanna von Schönfeld, diktiert
Ich liebe einfach gute Shootings. Das Bilder geschossen werden, irgendwelche Richtungen. Fotoshootings richtig durchziehen.
Ich liebe Bilder einfach. Ich lass mich einfach gerne fotografieren, filmen, Videos drehen, Fotoshootings. Die passenden Bilder müssen viele Ziele haben und die passenden Menschen treffen können.
Ich liebe die weite Welt und die Menschen. Ich mag allgemein die Zukunft. Ich finde interessant und brennend spannend heitere und heißeste wie die Menschen doch wirken und wie die doch in der Zukunft aussehen und lernen und arbeiten. Männer und Frauen sind allgemein lebendige Menschen in der weiten Welt. Es ist pur pur pur per Ernst.
Aladdin Detlefsen, diktiert
"Als Regisseur arbeiten.
Ganz tief in mein Herz ich wünsch mir Regisseur sein."
Tobias Wolf, diktiert
Ich habe auch einen Traum, I have a dream: Mein Traum ist, dass ich meine Arbeit in den Schulen in Deutschland vorstellen kann. Meine Arbeit ist, allen Kindern Englisch beizubringen mit Liedern und Musik und mit CD-Roms auf dem Computer. Alle Kinder haben die Rechte, auch Englisch zu lernen, auch für die Kinder mit Down-Syndrom: "Have fun to learn English".
Die Anschrift von meinem Business ist: TOBI´S BUSINESS AGENCY Ltd.
D-82493 Klais, www.tobis-hits.de (Internetseite noch im Aufbau, später mal reingucken ...)
Peschka/de Bragança (Hrsg.): Ohrenkuss. Das Wörterbuch. Bonn 2008 (ISBN 978-3-00-024933-4).
Weitere Infos zum Buch und zum Deutschen Designpreis: http://www.ohrenkuss.de/buch/ und
http://www.ohrenkuss.de/projekt/lob/#dbrd

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
www.ohrenkuss.de
Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm
Newsletter: Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren:
www.ohrenkuss-ipeschl.de.
Fotos:
1+2) Ohrenkuss-Wörterbuch /// Bücherstapel, Umschlag und aufgeschlagen
©Ohrenkuss www.ohrenkuss.de
3) Wiglaf Droste liest seine Lieblingsstellen aus dem Ohrenkuss-Wörterbuch vor.
4) Julian Göpel trägt seinen Text "Bond, James" aus dem Ohrenkuss-Wörterbuch vor.
5) Verena Günnel liest aus dem Ohrenkuss-Wörterbuch vor. Sie trägt einen Deel, ein festliches mongolisches Gewand.
©Martin Langhorst
www.martinlanghorst.de
Die Frage. Nordindische Kürzestgeschichten
Anindita: Die Frage
In Tinas Kopf kreiste schon seit geraumer Zeit eine Frage.
Sie wünschte sich, dass sie ihr Ziel mit einem Knopfdruck erreichen könnte, mit anderen Worten, dass ihre Gedankenwellen, sobald sie den Schalter betätigte, bis in das Gehirn ihrer Mutter dringen könnten, die ein wenig weiter weg von ihr saß.
Nach einiger Überlegung machte sie dann aber doch Gebrauch von ihrer Zunge. Sie fragte:
"Mutter, was ist das Herz?"
Die Frage war heikel und auch ein wenig schwierig. Ihre Mutter lächelte zunächst und sagte dann mit einer entsprechenden Gebärde ihrer Hand:
"Das hier..."
Ohne zu lächeln oder gar zu lachen, fiel ihr Tina ins Wort:
"Oh! Das heißt also, dass das Herz der Teil des Körpers ist, wo das Blut rein ist und das unreine Blut ..."
Ihre Mutter schüttelte den Kopf und sagte schwärmerisch:
"Nein, ... wo Liebe ist, wo Zuneigung ist, wo Freude und Leid ist, wo gute und schlechte Gefühle sind ..."
Misstrauisch blickte Tina ihre Mutter an und sagte:
"Das kann doch gar nicht sein, das spielt sich doch alles im Gehirn ab."
Da dachte ihre Mutter:
‚Hat meine Tochter denn gar kein Herz?'
Tina aber sagte sich:
‚Ganz umsonst habe ich Gebrauch von meiner Zunge gemacht, wenn ich doch nur einen Knopf drücken könnte, dann ...'
Anindita: Die Frage (2001), aus: Der Schmuck einer Frau. Kürzestgeschichten aus Nordindien. Ausgewählt, aus dem Hindi übersetzt und herausgegeben: Dieter B. Kapp. Shaker Verlag Aachen 2006; S.40
Prof. Dr. Dieter B. Kapp (geb. 1941), Indologe, zuletzt Professor an der Universität Köln, Übersetzer und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Werke, aber auch zeitgenössischer Literatur aus den verschiedenen Regionen und Sprachen Indiens. Träger der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille und des Rabindranath-Tagore-Kulturpreises, und Künstler (Fotografie, Digitalkunst, Komposition).
Die Kürzestgeschichten aus Nordindien, in ihrer Art zwischen Weisheits- und Schelmengeschichten, haben es uns angetan. Wir freuen uns über die Erlaubnis von Prof. Kapp, sie hier im Heuschrecke-Blog vorzustellen.












