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Heiliger des Monats April: Georg und der Drache

23. April: Georg

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Und manche Geschichten zeigen, wie sehr Religion von Politik durchwoben ist.



Schutzpatron: der Soldaten und unzähliger Berufe, Nationalheiliger Englands, Byzanz, Äthiopiens, Georgiens, Serbiens, Griechenlands, Aragoniens und Kataloniens



Die Geschichte des heiligen Georg ist von Legenden durchdrungen und überwuchert wie mancher Maya-Tempel vom Dschungel. Im Kern ist er ein Retter, der strahlende Ritter auf dem weißen Roß, eine Lichtgestalt.


Ein böser Drache belagert eine Stadt, verseucht umher alles mit seinem Pesthauch. Täglich opfert man ihm Schafe, als es keine mehr gibt, Menschen. Irgendwann trifft das Los auch die junge schöne Königstochter Margarete. Sie geht hinaus zu dem Untier, aber rechtzeitig erscheint Georg, besiegt den Drachen, bekehrt die Stadt zum Christentum und reitet einsam  fort in den Sonnenuntergang, wie sich das für Westernhelden so gehört.


Eine archetypische Situation: im Angesicht des Bösen sind die Menschen feige. Nacheinander lassen sie sich abschlachten, statt gemeinsam aufzustehen und sich zu wehren. Es braucht das Erscheinen des "Leitwolfs", um ihren Kleinmut in neue Lebenskraft zu verwandeln.


In dem Western "High Noon" des Regisseurs Fred Zinnemann, der als emigrierter österreichischer Jude seine eigenen Ideen zum Thema hatte, flieht der Held vor den anrückenden Bösen auf Anraten seiner Frau zunächst - um dann kehrt zu machen und "zu tun, was ein Mann eben tun muß".


Es gibt Heilige, die das Opfer leben - wie Pater Maximilian Kolbe, der sein Leben für das eines anderen gibt - und Jesus selbst, der im Moment der Festnahme zu seinem schon dreinhauenden Bodyguard sagt: "Steck das Schwert zurück. Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert sterben."
Und natürlich ist das alles wahr. Gewalt erzeugt Gegengewalt, wo gehobelt wird, fallen Späne. Wenn heutzutage unsere amerikanischen Waffenbrüder einen Drachen töten, färbt das Blut der "Kollateralschäden" die Flüsse rot.


Es gibt keine blütenweiße, saubere Antwort. Haudraufs wie der heilige Georg haben die Welt von so einigen Bestien befreit - zum Vorteil der Stillen im Lande. Wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt. Ich persönlich glaube nicht, daß Gott dem Georg Elser Vorhaltungen gemacht hat, weil er auf den Spuren seines Namenspatrons versuchte, den bösen Drachen Hitler in die Luft zu sprengen - und durch unglückliche Umstände stattdessen Unschuldige erwischte. Achselzucken wird ER, der Chef, und john-wayne-mäßig sagen: "Irgendwann stirbt jeder - was zählt ist, als was."


Der heilige Georg wurde schließlich geköpft.








Peter Kirwel





Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht jetzt hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.











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Tags: heiliger des monats, georg, drachen
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Heiliger des Monats März: Kardinal Clemens August Graf von Galen

22. März: Kardinal Clemens August Graf von Galen

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).




 

Wie Namen täuschen können: da heißt einer Clemens, also "der Sanftmütige", und sein ganzer Charakter zeigt sein Leben lang das Gegenteil von Milde.
Photographien des 2005 seliggesprochenen Bischofs von Münster zeigen oft einen eher grimmigen Kirchenfürsten. Niemand, mit dem man das heute allseits beliebte Batik-Hippie-Hemdchen-Image der Welt-Jugendtag-Kirche verkaufen könnte.

Im Januar haben wir mit Arnold Janssen einen Heiligen kennengelernt, der mit lebenslanger "heiliger Sturheit" und Hartnäckigkeit sein Ziel verfolgt und erreicht. Beim Grafen von Galen geht es um das genaue Gegenteil. Der Bischof von Münster zeigt uns den heiligen Löwenmut im alles entscheidenden Moment.

1878 wird er auf Burg Dinklage aus westfälischem Ur-Adel geboren, und bleibt dieser Prägung sein Leben lang treu. Politisch steht er weit rechts, Demokratie ist nicht wirklich sein Ding, er ist stramm katholisch und stramm deutsch-national. Als Hitler 1936 das seit dem ersten Weltkrieg entmilitarisierte Rheinland besetzen läßt, begrüßt er (seit 1933 Bischof von Münster) das ausdrücklich.

So weit, so normal im damaligen erzkonservativen Klerus - gegen den unsere heutige Bischofskonferenz wie eine wilde Anarcho -Truppe aus 68er Tagen  ausschaut.

Bischof Clemens August stellt sich mit dem Papst und den meisten seiner "Kollegen" 1937 in einem Rundschreiben gegen die Rassenpolitik der Nazis - wie bekannt, ohne konkrete Folgen, es ist halt nur ein Protest, das verläuft alles im Sand. Der Papst und die Kirchenleitung taktieren, haben letztlich Angst vor einer echten Auseinandersetzung, einer Situation wie in der Sowjetunion, wo die dortigen Machthaber die Kirche praktisch ausgerottet, zehntausende Priester und Mönche umgebracht haben.

Als die Regierung 1941 jedoch, von Verwaltung, Polizei und unzähligen Ärzten fleißig unterstützt, damit beginnt, in ihren Augen "unwertes" Leben zu vernichten, lernschwache Kinder von der Schulbank weg, Menschen in Altersheimen und Kliniken zu ermorden, kommt für unseren Bischof der Moment der Wahrheit. Anders als viele seiner Amtskollegen entscheidet er sich aus seiner menschenliebenden, christlichen Grundeinstellung für die totale Konfrontation, die die Bereitschaft zum Martyrium einschließt. Er hält 3 Predigten, die zum Deutlichsten gehören, was in der gesamten Nazizeit in Deutschland öffentlich gesagt wurde. Er droht klipp und klar damit, daß sich Katholiken an diesen Staat nicht mehr gebunden fühlen können, er kündigt den Nazis de facto Ihre einseitig verkündete "Volksgemeinschaft" auf.

Hitler schäumt und tobt und fordert den Kopf des Bischofs, doch der gewiefte Machtmensch Goebbels weist nachdrücklich auf die Gefahr hin, daß sich die katholischen Teile Deutschlands tatsächlich abwenden könnten. Die Hinrichtung von Galens wird auf "nach dem Endsieg" verschoben (und findet deshalb nie statt), die sogenannte "Euthanasie"-Mordaktion wird eingestellt.

Das Regime rächt sich für diese massive Niederlage mit einer harten Gangart gegen die Kirche in den verbleibenden Jahren bis zum Zusammenbruch. Alle Orden werden verboten, die kirchlichen Schulen geschlossen, das ganze kirchliche Leben unterdrückt, viele Priester und Gläubige bezahlen mit dem Leben für ihre Überzeugung und ihren Widerstand.

Clemens August ist ein Heiliger des Kairos, des rechten Augenblicks, den die Griechen gar als Gott verehrten. Jetzt oder nie, Sekt oder Selters: manchmal gibt es nur schwarz und weiß, richtig oder falsch.




Peter Kirwel








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Heiliger des Monats Januar: Arnold Janssen

15. Januar: Arnold Janssen



Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).  




Eine gute Definition für Heiligkeit ist sicher, das Heilige sturer sein müssen als Normalsterbliche. Wissen wir doch alle, wie verzweifelt schwer es sein kann, selbst im allerengsten Kreis von Arbeit, Gemeinde, der eigenen Familie, dem eigenen Lebensumfeld etwas Gutes in Gang zu bringen oder etwas Schlechtes abzustellen.
Um solche Umschwünge im Größeren zu bewirken, braucht es Power, jede Menge nicht nachlassender Power.


Arnold Janssen, eins von 11 Kindern eines niederrheinischen Fuhrmanns und dessen frommer Ehefrau, war prädestiniert, im benachbarten aufstrebenden Ruhrpott Arbeit zu finden und nicht allzu alt zu werden - die industrielle Revolution war eine schlechte Zeit für Arme, und es war noch ein langer Weg zur sozialen Marktwirtschaft.


Natürlich kam alles anders, sonst wäre er 2003 ja nicht heiliggesprochen worden. Der intelligente Knabe paukte und schaffte es im Revolutionsjahr 1849 auf das kirchliche Gymnasium - denn Bildung gab es für die Armen nur über die Kirche. Die städtischen gehobenen Bildungseinrichtungen waren (wie de facto ja auch heute noch) dem Bürgertum vorbehalten.
Arnold Janssen bleibt auf der kirchlichen Schiene, wird Priester, studiert aber auch Mathematik und Naturwissenschaften, arbeitet ab 1861 selber als Gymnasiallehrer. So weit, so normal.


Nun ist Heiligkeit aber eben nicht normal. Heiligkeit ist mehr. Entweder die heldenhafte Todesverachtung der Märtyrer, oder die Freiheit von Besitz und menschlichen Bindungen der Einsiedler, oder oder oder. Eben mehr, der Schritt raus aus der Normalität.


Wo sich andere, durchaus gut denkende und gut wollende Menschen damit begnügen, Weihnachten ein paar Talerchen für die 3. Welt locker zu machen, will Arnold Janssen weiter, viel viel weiter. Er träumt von einer Organisation, die abseits des machtpolitisch und gewinnorientierten Kolonialismus aller damaligen entwickelten Nationen den Armen weltweit auf die Beine hilft. Motto: erst heilen, dann belehren, dann taufen. Was in der Praxis hieße, erst die soziale Lage zu verbessern, dann Grundlagen für schulische Bildung zu legen, dann eventuell neue Brüder und Schwestern in Christus zu gewinnen - denn erst wer satt ist, kann sich bilden, erst wer ein klares Bild von sich und der Welt hat, kann bewußt spirituelle Entscheidungen treffen (Bertold Brecht drückt das gröber, aber genauso richtig aus: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral.").


OK, Arnold Janssen bekommt das hin: als er kurz vor dem ersten Weltkrieg stirbt, diesem großen Schlachtfest der Raubtier-Kapitalisten, der dummen Nationalisten und Militärs, sind rund um die Erde schon 2.000 Frauen und Männer in seinem Sinne unterwegs. Heute, 100 Jahre später, sind es über 10.000 sogenannte Steyler Missionare, die an den sozialen Brennpunkten der Erde täglich für das Gute arbeiten, vor allem für Schulen sorgen. Ohne Bildung gibt es keinen Fortschritt, ohne Bildung wäre aus dem Fuhrmannssohn auch wieder nur ein winziges Rädchen im Getriebe der Mächtigen geworden.


Bleibt natürlich die Frage: woher nehmen die Heiligen ihre Kraft und Ihre Ausdauer zum Guten ? Sind ja auch nur Menschen. Kann das jeder ? Können wir das ? Die Kraft anzapfen ? Wahrscheinlich steht am Anfang immer, daß man sich öffnet zum Guten, so manches losläßt vom Bösen: durch offene Türen kommt dann so Mancherlei hereinspaziert, bloß keine Bange.
Und natürlich eine gewisse "heilige Sturheit": wenn man ein Ziel für erstrebenswert erkannt hat, sollte man es auch festhalten. Es muß nicht alles jeden Tag auf den Markt, wirklich nicht.











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Tags: heiliger des monats, arnold janssen, steyler missionare
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Heiliger des Monats August: Friedrich Spee

7. August: Friedrich Spee

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).  

 


Festtag: 07. August

Patron der Dichter, der politischen Journalisten und Sachbuchautoren, der unschuldig Verfolgten, der Gefangenen, von Amnesty International


Nun, es sei gleich zu Beginn gestanden, das obige ist alles pures Wunschdenken - zu schön um wahr zu sein. Man hat manchmal das Gefühl, unsere liebe Mutter Kirche ernenne an prominenten Ordensgeistlichen alles zu Heiligen oder Seligen, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist: aber des Jesuitenpaters Friedrich Spee hat sie sich bisher nicht angenommen. Also tun wir es hier und jetzt !



Man verbindet den Begriff "Hexe" gern mit "finsterem Mittelalter", aber im Mittelalter gab es weder "Hexenwahn" noch Folter als "Instrument der Rechtspflege". Standpunkt der Kirche war, dass es Zauberei gar nicht gäbe, dass das alles nur Einbildung und Aberglaube sei, man eingebildete Sachen aber schlecht bestrafen könne.
Die bekannten "Hexenverfolgungen" gehen erst nach dem Ende des gar nicht so finsteren Mittelalters los - für den echten Horror braucht es offenbar modernere Zeiten. Der sich von etwa 1550 bis 1700 austobende Hexenwahn hatte viele Väter. Im Kern ist er eine Volksbewegung, die sich in ihren Mechanismen gut mit dem Faschismus des 20. Jahrhunderts vergleichen lässt. Von Sozialneid und blinder Aggression gespeist, denunziert ein Nachbar den anderen - auch die Gestapo des 3. Reichs konnte ja nur einen Bruchteil der pausenlos eingehenden Petzereien bearbeiten, konnte sich vor mordlustigen Normalbürgern kaum retten.
Regelrechte Verbrecher sehen und nutzen da ihre Chance: die Oberschichten ganzer Städte (nicht nur die Frauen) werden ausgerottet, das Vermögen eingezogen und unter die Kumpane in Politik und Justiz verteilt - und die Unis nicht zu vergessen ! Denn dort verdienen sich die Herren Professoren eine goldene Nase an unsinnigen Rechtgutachten zu den abgekarteten Prozessen.
In diesem Sinne treibt es Anfang des 17. Jahrhunderts auch der Würzburger Bischof als weltlicher Herr seines Ländchens - und hier kommt Pater Friedrich ins Spiel.

 


Friedrich Spee ist ein Rheinländer aus der Düsseldorfer Umgebung, 1591 in eine durchaus betuchte Adelsfamilie hineingeboren. Gegen den Willen der Eltern wird er mit 19 Jahren Jesuit (statt Beamter oder Militär), er hat Ideale, träumt davon in Indien die Botschaft der Liebe zu verbreiten und ist zudem einer der besten Dichter seines Jahrhunderts (viele seiner Lieder werden heute noch gesungen).



Wohl in Würzburg ist es, wo der junge, hochtalentierte Pater verurteilten "Hexen" die Beichte abzunehmen hat - und dabei zu der klaren Überzeugung kommt, dass hier Unschuldige hingerichtet werden, denen man mit Hilfe der Folter völlig irre Geständnisse abgerungen hat. Er ist entsetzt und schreibt sich sein Entsetzen von der Seele: "Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse - Cautio Criminalis", nennt er sein Buch, das 1631 erscheint und die Praxis der erfolterten Geständnisse ad absurdum führt.


Diese Breitseite nehmen ihm insbesondere die hochgestellten Nutznießer dieser sehr einträglichen, reichsweit wohlorganisierten Kriminalität übel. Man will ihn so schnell wie möglich tot sehen, trotz anonymen Erscheinens des Buches kennt und hetzt man ihn bald, das Netz zieht sich zu. Der Orden "versteckt" seinen mutigsten Priester im Kriegsgebiet, im umkämpften Trier (30jähriger Krieg ...) - wo er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten die Pest holt und am 07. August 1635 stirbt, erst 44 Jahre alt.



Sein Grab wurde vor wenigen Jahren wiedergefunden, man kann es in Trier in der Jesuitenkirche besuchen und einem Vorbild aller Aufrechten seine Referenz erweisen: einem Streiter für die Menschlichkeit, für die Schwachen und Verratenen, einem echten Helden - und ganz ganz sicher einem Heiligen, auch wenn Rom ( Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.vatican.va/roman_curia/congregations/csaints/index_ge.htm ) das noch nicht bemerkt hat.

 

 




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Heiliger Strohsack: Geschichten vom Heiligen des Monats, Januar.

25. Januar: Bekehrung des Heiligen Paulus

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
 

 

 

Vor 2000 Jahren, türkische Mittelmeerküste. Viel Sand am Strand, die Sonne scheint, das Obst wird süß. Pax Romana, es läßt sich prima leben.

Ein nichtaufdenkopfgefallenes Söhnchen der jüdischen wohlhabenden Mittelschicht, Zelt- oder Tuch- oder Teppichmacher oder -händler, Genaueres gibt die Übersetzung nicht her, will was noch Besseres werden, studiert an der hippen Uni zu Jerusalem Theologie.

Das Sahnehäubchen: man ist Römischer Vollbürger und fühlt sich auch so: the sky is the limit. Keine Sekunde muß der junge Mann überlegen, für welche In-Group sein Herz schlägt: es ist die herrschende Klasse, die Pharisäer, die intellektuelle Elite an den Fleischtöfen, ohne die nichts geht.

"Es ist besser, einer stirbt für das Volk, als das Volk stirbt" sagen sie ("das Volk sind wir") bei einem guten Glas Wein über den Spielverderber Jesus, diesen unberechenbaren Bauerntrampel-Führer aus Galiläa (und Galiläa ist für diese Jeunesse Dorée was die Eifel für Köln ist: Misthaufen, Gummistiefel, Kittelschürzen). Also Schluß mit der Provinzposse und hau weg den Wannabe-King - business as usual.

Ein bißchen Aufräumen ist dann noch noch angesagt: wer nicht hören will muß fühlen. Dem Stephan hauen sie so viele Steine auf den Kopf, daß er gleich liegen bleibt.
Um die Ausbreitung dieser geistigen Pandämie zu verhindern, meldet sich Paulus gern für Syrien. Jugendliche Großmannssucht und das gute Gefühl, etwas für das eigene Portemonnaie zu tun. Die Mächtigen werden sich erkenntlich zeigen.

So reitet er los, aber so kommt er nicht an.

Ein verwirrter Blinder ist es, der schließlich in Syrien um Hilfe bittet: Wirres aus der Wüste erzählt und sich nun zeitlebens als die "Mißgeburt" bezeichnet.


Was lernen wir daraus ?
Erstens, dass der Chef up-in-the-sky reichlich schwarzen Humor hat. Der Killer wird zum Prediger, das ist lustig.
Zweitens, wie schnell man sich verrennt und das Lied "wes Brot ich eß des Fahn´ ich schwenk" für irgendwie moralisch hält.
Drittens: ist nie zu spät, geht auch anders, sicher, auch für uns, für Dich und mich.



P.S. Speziell das Fest "Pauli Bekehrung" ist tatsächlich ein "Fest des Turnaround", der Umkehr: mit der Botschaft "es geht, es ist nie zu spät, mach es, laß Zweifel zu und handele": bei Gott geht alles, da bleibt keiner in seiner Schublade, der nicht will.

OK, für den Februar haue ich dann keinen in die Pfanne, da wird es aufbauend !!

Freundlichst
Peter





Unser Geschichtenerzähler Peter Kirwel

Peter Kirwel

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