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Warum sind unsere Straßen grau?
Bestrickende Arten der Stadtverschönerung
Da ich seit einigen Jahren gerne an Wochenenden durch meine Stadt laufe und fotografiere, habe ich schon Einiges an "street art" gesehen und fotografiert.
Es gibt so vielfältige Arten, auf die jeder von uns ohne große Bauanträge und Riesen-Projekt-Budgets die Stadt verschönern kann.
Da gibt es natürlich die Urform "graffiti" - kostenlose Kunst für alle im öffentlichen Raum. In Köln gibt es großartige "Pieces" (Wandmalereien z.B. in Deutz am Tanzbrunnen oder an der Fassade des besetzten Hauses in der Ludolf-Camphausen-Straße oder in der Körnerstraße) in der Tradition der "murales" des gewichtigen mexikanischen Künstlers Diego Riviera und es gibt zum Beispiel die sehenswerten Werke des Graffiti-Künstlers "Seakone" in der Limburger Straße im Belgischen Viertel in Köln.
Die "tags" als Sonderform der Graffitis, schnell gesprühte Zeichen die das Pseudonym des „Writers“ darstellen, im Sinne von "Ich war hier" - werden von vielen Zeitgenossen nicht verstanden und führten mit Verstärkung besorgter Hauseigentümer, Verkehrsbetriebe und Bahn zu Verfolgung und Kriminalisierung der Sprayer.
Kleinformatiger und diskreter die "Edding"-Szene mit witzigen -Zeichnungen und Sprüchen. Und die „etchings“ - in Scheiben gekratzte Zeichen und Muster, vor allem im ÖPNV.
Menschen setzen Marken.
Um dem ewigen Vorwurf der Sachbeschädigung zu entgehen, gibt es die relativ junge Form der "Kleber" (mein Blog-Beitrag hierzu:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2011/04/20/ich-kleb-dir-eine.htm) bei der die Künstler Ihre kopierten, gemalten und gezeichneten Collagen zu Hause vorbereiten und dann in schneller Aktion auf Wände, Stromkästen und Laternenpfähle kleben (letztlich gesehen: auf Keramik-Fliesen (!) vorgezeichnete Motive an Wände geklebt).
In Köln am Hansaring gibt es sogar einen "Schuh-Baum", dem seit einigen Jahren irgendwelche Menschen ihre Turnschuhe mit verschnürten Senkeln auf die Äste werfen.
Alles um Zeichen zu hinterlassen.
Menschen möchten den Städten ihren persönlichen Stempel aufdrücken.
Etwas was man selber verändern kann ist interessanter als etwas Fertiges, Unveränderbares. "Mach es Deins!".
Das hatte der PC (bei dem man Bauteile und Karten austauschen konnte) dem Mac voraus.
Das macht den Reiz des "Moddings" und die Schönheit von OpenSource-Software aus.
Und Lego war überhaupt absolut fantastisch, bevor diese vorgefertigten Spezial-Bausätze mit ihren blöden Spezial-Steinen auf den Markt kamen...
Jetzt habe ich eine neue Form der Stadtverschönerung gesehen, als ich mit meiner Liebsten an einem Sonntag auf einen Latte macchiato in ein kleines Cafe nach Köln-Mülheim fuhr. Um eine Straßenlaterne am "Café Jakubowski" hatte jemand einen bunten Woll-Stulpen gestrickt!
Und da Evelyn selber gerne strickt und momentan endlos warme Woll-Socken produziert, fanden wir das witzig und toll.
Wer strickt für Laternenpfähle und Poller in der Stadt?
Wenige Wochen später machte mich mein Kollege Thomas darauf aufmerksam, dass vor der Kölner Agneskirche an allen 4 Kreuzungsecken "Strick-Art" im öffentlichen Raum ausgestellt ist. Wir hatten vorher über diese neue Form der Straßen-Kunst gesprochen.
Und mit ein wenig googlen erfahre ich, dass dieses Phänomen weltweit existiert und auch nicht so ganz neu ist:
Magda Sayeg, eine amerikanische Strick-Künstlerin, gründete 2005 in Texas eine "Knit-Grafitty"-Gruppe mit dem Namen „Knitta, please“ und gilt als die Erfinderin der Kunstform.
http://www.magdasayeg.com/about.html
Magda's Blog mit sehr schönen Bildern:
http://knittaporfavor.wordpress.com/
2007 gab es einen Beitrag von Rose White auf dem 24. Congress des Chaos Computer Club zum Thema "The history of guerilla knitting"
http://events.ccc.de/congress/2007/Fahrplan/events/2358.en.html
Bestrickte Ampeln gibt es auch in Stockholm:
http://blogpuppe.wordpress.com/2007/11/26/schwedenhappen/
Bestrickte Telefonzelle in London:
http://unurth.com/44740
Und nicht nur in Köln sondern auch in Potsdam ist Stricken Trumpf:
http://www.flickr.com/photos/teknaut/4560571546/
Einen sehr schönen Artikel zum Thema gab es Anfang 2011 auch in der TAZ:
http://www.taz.de/!65766/

Eine Welt voller bunter, wärmender Strick-Art!
Also: wer stricken kann, kann seine Umwelt direkt verändern und künstlerisch Einfluß nehmen. Ohne die Gefahr der Verfolgung und Schadensersatzforderungen - und mit dem warmen Lächeln der Passanten. Die Weihnachtsfeiertage bieten vielleicht ein wenig Zeit für die ersten Knit-Art-Experimente, falls alle Angehörigen mit Socken eingedeckt sind...
Wolfgang Kurtz
ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur
Kpunkt.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.
Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.
Ich kleb Dir eine
Kostenlose Kunst im öffentlichen Raum
Seit 5 Jahren treffe ich mich an Samstagnachmittagen mit Freunden und ziehe fotografierend durch Köln.
Begonnen hat das, als ich zusammen mit einem alten Freund 2 baugleiche digitale Spiegelreflex-Kameras kaufte, damit wir gemeinsam diese technischen Wunderwerke kennen- und beherrschen lernen konnten.
Seitdem habe ich knapp 15 Tausend Fotos in Kölner Strassen gemacht und viel gelernt.
Das Schöne an unserer Fotografie ist, mit geschärften Sinnen durch die Stadt zu gehen, sich aus dem ewigen Gedankenfluss der alltäglichen Sorgen und Pläne zu lösen und bewußt zu S E H E N.
Wir laufen langsam, schlendern eher und lassen unsere Blicke schweifen. Das Pflaster unter unseren Füßen, Markierungen an den Fassaden, aussergewöhnliche Gebäude oder rostige Regenrinnen. Und immer wieder den Blick heben: wie ist der Himmel, woher kommt das Licht?
Und es gibt viel zu entdecken, wenn man mit wachem Blick durch die Stadt läuft.
Die Stadt verändert sich ja ständig und sobald man das neue Rheinauhafenviertel mit den Kranhäusern fotografiert hat, kann man 3 Monate später schon wieder hin, weil nicht nur die Baustellen sich verändert haben sondern auch das Licht an diesem Tag anders ist oder andere Menschen andere Dinge hinterlassen haben.
Jeder von uns Fotografen hat so seine Vorleiben. Manche "sammeln" Bänke oder Haustüren. Andere lieben runde Fenster.
Ich entdeckte vor einigen Jahren ein neues Element in den Strassen, ähnlich den Graffitis oder den gesprayten Schablonen.
Vorbereitete Bilder, die dann auf Wände oder Laternenpfähle geklebt werden. Wir nennen sie "Kleber".
Das Konzept gefällt mir: Kleber können in Ruhe und stressfrei zuhause vorbereitet werden und - anders als gesprayte Kunstwerke - rückstandslos wieder abgelöst werden.
Keine Beschädigung der Flächen, kein Ärger mit verärgerten Hausbesitzern oder der Stadt. Kleber sind "karma-neutral" :-)
Oft werden sie vom Künstler kopiert, um eine größere Verbreitung in der Stadt zu finden. Manchmal auch nachträglich koloriert. Die Größe variiert. Von super-mini, nur ein Satz oder "Tag"-Zeichen bis hin zu einer Plakat-ähnlichen Fläche. Überall in der Stadt kann ein offenes Auge mittlerweile die Kleber entdecken. Skurrile, politische , witzige oder künstlerische Ausdrücke einer freien, unabhängigen Kunst. Ohne Markt, ohne Vermarktung, ohne Stars und ohne Filter.
Hier einige Beispiele aus meiner Sammlung, die jeder auch im Original in Kölns großer Freiluft-Austellung sehen kann. Open your Eyes...

Wolfgang Kurtz
ist Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur
Kpunkt.
Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.
Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.






















































