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Hintergrund: Biotee - Fairbiotea

Aktuelle Folgen im Bio-Teebereich: Klimawandel und soziale Situation

 

 

Unser langjähriger Teeimporteur Wolfgang Wilhelm berichtet uns ausführlich über das Tee-Erntejahr 2010 in Indien und China, und beschreibt anschaulich die problematische klimatische und soziale Situation.

Weiter unten ist sein Bericht in Ausschnitten zu lesen, doch zunächst möchten wir das neue Siegel Fairbiotea, das in Kürze auf einem Teil unseres Sortiments angebracht wird, vorstellen.

 

Logo Fairbiotea, Biotee nach Fairbiotea-QualitätsstandardDer Hintergrund von Fairbiotea: Wegen der besonderen politischen und sozialen Lage in China ist die Beschaffung von zuverlässiger, fairer Bio-Ware von dort erschwert. Bekannt ist (siehe auch TAZ Artikel vom 3.3.2011 Öffnet externen Link in neuem Fenster„Pestizide in Bioware aus China“, S.9), dass Bioware von dort aus den unterschiedlichsten Gründen häufig belastet ist, und deshalb eine aufwendige Analytik für Bio-Importeure notwendig ist.

Unseren Tee-Importeur, mit dem wir seit über 30 Jahren zusammenarbeiten, hat dies veranlasst, über den Bio-Standard hinaus ein "fairbiotea"-Qualitäts-Management-System zu schaffen, der die EG-Bio-Verordnung, besonders für den Teebereich, ergänzt und sicherer und transparenter für beide Seiten macht.

Das System ist auf praktisches Qualitätsmanagement ausgerichtet, und bietet kostenlose, qualifizierte Schulung und analytische Beratung für Bio-Tee Bauern.

Neben zusätzlichen Sicherheitsstandards hat das System die ökosoziale Entwicklung zum Ziel: Entwicklung von Nährstoffkreisläufen, Prämiensysteme zur Einkommensverbesserung und Motivation der Bauern, Abnahmegarantien, faire Preise u.v.m.. 

 

Zur Zeit ist das Fairbiotea-System in 4 chinesischen Teefarmen installiert, von denen wir schon einige Zeit bevorzugt Ware beziehen: die Qingshan-Farm in der Provinz Hunan, und die Farmen Hecheng, Xinayuan und Mingzhou in der Provinz Anhui.

Diese Tees werden ab Frühjahr mit nebenstehendem Logo gesiegelt.

Auf der Website Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.fairbiotea.de werden für KonsumentInnen ausführlich Hintergründe erklärt und die Teefarmen vorgestellt.

 

Auch wenn es jetzt noch etwas dauert, bis das Logo im Handel präsent ist – die Teefarmen geben wir schon immer auf den Rücketiketten unserer Ware bekannt. Bei den 4 genannten Farmen ist auch unser noch-nicht-gesiegelter Tee schon nach Fairbiotea-Standard produziert. Darunter sind einige unserer Aktionstees: China Grüntee, China Sencha und Chun Mee in der grünen Tüte, sowie der Klassiker Temple of Heaven China Gunpowder, einige Jasmin-Teespezialitäten, einige gehobene Grün- und Weißtees, z.B. der neue White Monkey, und unsere aromatisierten Grüntees.

 

Das Konzept soll langfristig ausgeweitet werden, was nicht so ganz einfach ist: es erfordert für unseren Teeimporteur eine starke Präsenz vor Ort, und eine hohe Bereitschaft der Teefarmen, mitzumachen (kultureller Konfliktstoff ist vorprogrammiert). Die Kosten für das ganze Qualitätsmanagement-Gerüst inkl. Maßnahmen sind sehr hoch, sodass bei einer Teefarm natürlich entsprechende zuverlässige Mengen und Umsätze dahinterstehen müssen. Eine Zertifizierung dieses Systems ist geplant.

 

Natürlich entsprechen auch alle anderen Biotees unseres Sortiments der EU-Bio-Verordnung und werden lückenlos analysiert. Im Zusammenhang mit Gewürzen aus China hatten wir bereits einmal über den Umgang mit Pestiziden in der Naturkostbranche berichtet: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2009/11/12/hintergrund-pestizide.htm





Und hier nun zum Erntebericht 2010:

 Ernte von Bio-Grüntee in China

Wolfgang Wilhelm beschreibt ein zurückliegendes Jahr, "das in Bezug auf die Warenbeschaffung ein ganz anderes Jahr ist als Jahre zuvor."


"Das Jahr hatte viele Negativrekorde zu bieten. So hatten wir extremes Klima in Darjeeling und in Assam. Die Klimaveränderung scheint deutlich greifbar zu sein. Wenn im Frühling Feuchtigkeit und mäßige Temperaturen für einen guten First Flush Tee gewünscht sind, gab es sehr kaltes und sehr trockenes Wetter in Darjeeling. Ein Wetter, das nicht nur schlechtere Qualitäten und schlechte Erträge hervorbringt, sondern auch Pflanzenschädlinge begünstigt.

 

Im Sommer gab es dann dauerhaft zu nasses Wetter, während der Second Flush Darjeeling trockene und warme Temperaturen benötigt.

 

In den meisten Teeplantagen in Assam gab es einen extremen Befall von Helopeltis, der nur mit Pflanzenschutzmittel bekämpft werden kann. Die Erträge in Assam waren verglichen mit anderen Jahren sehr gering. Konventionell wirtschaftende Plantagen konnten ihre Produkte kaum noch in die EU vermarkten, weil die chemischen Rückstände nach der Schädlingsbekämpfung oft zu hoch waren und nicht mehr der Höchstmengenverordnung entsprachen."

 

 

 

Ebenfalls in indischen Biotees wurden laut Wolfgang Wilhelm im letzten Jahr ungewöhnlich häufig Spuren von DDT und Endosulfan gemessen, meistens unterhalb der BNN-Orientierungswerte, den Warnwerten der Naturkostbranche. Nach damaligem jahrzehntelangem Einsatz von Pestiziden mit langen Halbwertzeiten (damals der Stolz unserer Chemie-Industrie - der Westen hat die Büchse der Pandora geöffnet  - wir bekommen nur zurück, womit der (ehemalige) Exportweltmeister jahrelang die Welt verseucht hat, eigentlich gerecht), sind ubiquitäre Spuren nicht mehr zu vermeiden, und werden fairerweise natürlich innerhalb der Orientierungswerte akzeptiert.

Wir bekommen die Problematik im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch bei Kräuter- und Gewürzbauern mit. Durch den El Niña-Effekt mit seinen plötzlichen flutartigen Regelfällen werden z.B. Böden von konventionellen Feldern bis in die Biofelder hineingeschwemmt, was zur erhöhten Pestizidbelastung von Bioware führt. Bzw.: die konventionellen Nachbarn spritzen in Panik in diesen Zeiten auch wie verrückt gegen den wetterbedingten Schädlings- und Beikräuterdruck.



 

 Verarbeitung von Bio-Grüntee in ChinaWeiter zur Ernte-Situation in China:


"Auch in China hatten wir im Frühling, nach dem ersten Austrieb der Blattknospen eine strenge Frostperiode, die fast die gesamte Ernte weißer Blattknospen vernichtet hat.

Danach folgte monatelanger Dauerregen, Überschwemmungen, Taifune.

 

Dennoch übernimmt die chinesische Regierung viele Anstrengungen im Rahmen des Programms gegen Armut die brachliegende Teeflächen wieder zu rekultivieren. Der Staat fördert z.B. private Investitionen und die Anschaffung von Verarbeitungsmaschinen in der Teeindustrie. de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China . So konnten im Jahr 2010 auf ca. 1,95 Mio. Hektar Teefläche 1.4 Mio. Tonnen Tee hergestellt werden; im Jahr 2005 dagegen waren es ca. 1,35 Mio. Hektar und nur 0,94 Mio. Tonnen Tee.

Pro Hektar  werden also durchschnittlich 700 kg Tee erzeugt. Das ist ein sehr geringer Ertrag. In anderen Teeanbaugebieten der Welt sind bis zu 5000kg pro Hektar möglich. D. h die chinesische Teeindustrie hat noch Optimierungsbedarf.

 

Trotz der Produktionssteigerung steht den bisherigen Exportmärkten immer weniger Tee zur Verfügung. Der Inlandsbedarf Chinas ist stark gestiegen. Andere Nationen in Afrika, Asien, Russland und Osteuropa sind zu mehr Wohlstand gekommen und importieren deutlich mehr Tee aus China. Grüner Tee aus China wird auch deutlich stärker von der Kosmetikindustrie benötigt, und die Pharmabranche benötigt grünen Tee zur Absorbierung von Wirkstoffen. Grüner Tee ist wegen seines guten Images als Gesundheits- u. Wellnessgetränk begehrt.

 

Die Teeindustrie in Indien und China  hat damit zu kämpfen, dass immer mehr junge Leute die Teefarmen verlassen und ihr Glück in den Städten suchen. Die Städte sind nicht nur Anziehungspunkt wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten, sondern auch deshalb, weil sie für junge Leute mehr Freizeitangebote bereithalten. In beiden Ländern nimmt die Landflucht zu.

 

So gibt es in China viele Teefarmen in denen nur noch alte Menschen leben, die oft die körperliche Arbeit nicht mehr verrichten können. Sowohl die Bauern in kleinbäuerlichen Strukturen als auch Betreibergesellschaften der Teeindustrie in der Plantagenwirtschaft sind mehr und mehr darauf angewiesen, Saisonarbeiter zu beschäftigen und zu bezahlen.

 

Die Arbeitsangebote in wirtschaftlich aufstrebenden Gesellschaften sind vielfältiger und größer geworden auch für Wander- und Saisonarbeiter und das Arbeiten und Leben in den Farmen während der Teeernte ist unattraktiv. So sind die Löhne in der Teeindustrie insbesondere in den Verarbeitungsfabriken explosionsartig gestiegen. Die Lebenshaltungskosten steigen jährlich in einem zweistelligen Bereich. Die Teebauern leben immer noch an der Armutsgrenze und die Einkommen aus der Teeproduktion beträgt meist nicht mehr als 500 Euro im Jahr. 

 

Für den nachhaltigen biologischen Anbau  sind hohe und langfristige Investitionen nötig, die ebenso wie deutlich bessere Einkommen der Teebauern und der Saisonarbeiter aus den Teepreisen finanziert werden müssen.

 

Der Export in die traditionellen Märkte in Europa und USA leistet hierbei den geringsten Beitrag. Die dort zu erzielenden Exportpreise sind, gemessen an den nötigen Investitionen für den nachhaltigen ökologischen Anbau, Qualitätsmanagementsysteme und eine bessere soziale Entwicklung, zu gering.

 

Leider werden in diesen Märkten immer schlechtere bzw. billigere Qualitäten nachgefragt. Das steht in keinem gesunden Verhältnis zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen, die von Verbrauchern und Händlern aus diesen Ländern nachgefragt wird.

 

Wir leisten mit unserem Fairbiotea Programm unseren Beitrag zu mehr Qualitätssicherheit, die vom Markt gefordert wird, und zu mehr sozialer Verantwortung im Sinne der Teebauern und der Verbraucher.

Wir versuchen, eine nachhaltige, langfristige und faire Partnerschaft mit unseren Partnern und Teebauern in China zu praktizieren. Das ist ein schwieriger Balance-Akt, weil wir einerseits die Preisforderungen des Europäischen Marktes befriedigen müssen und andererseits deshalb zu wenig Geld für eine konsequentere Entwicklung zur Verfügung steht.

 

Die oben beschriebenen Entwicklungen sind für die im Jahr 2010 extrem gestiegenen Importpreise verantwortlich. Die allgemeinen Preissteigerungen sind mit 30-40% sehr hoch. Weitere Preissteigerungen werden in der Zukunft vermutlich unvermeidbar sein. Aber um auch die öko/soziale Entwicklung für die Teebauern fair zu gestalten, wird mehr als diese Preissteigerungen nötig sein.

 

Hierfür bitte ich um Unterstützung unserer Kunden."

 

Mit freundlichen Grüßen       

 

Wolfgang Wilhelm




Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner

Heuschrecke-Geschäftsleitung

 

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 0
Tags: bio-tee, indien, china, erntebericht, klimawandel, analytik, qualitätsmanagement, fairbiotea
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Erntebericht 2010

Bauern und Bäuerinnen: Helden des Alltags

 

Im Moment ist die Zeit, wo die alten Ernten zur Neige gehen, u.U. mit Lieferlücken, und dem Warten auf die neuen Ernten.

Bioland-Kräuterbetrieb Alfred Hammann: Blühendes Korianderfeld am Mittelrhein

Bei Kräutern passen unsere Bauern gerade die niederschlagsfreien Zeiten ab, und ernten dann, soviel wie geht. Die frischgeerntete Ware wird erst mal so getrocknet, wie sie vom Feld kommt, eingelagert, und erst, wenn alle Ernten abgeschlossen sind, weiterverarbeitet: gereinigt, geschnitten, gesiebt usw.. Daher werden viele Kräuter und Gewürze der Ernten 2010 erst im Oktober oder sogar November eintreffen. In Deutschland werden Kräuter bei mildem Herbst sogar bis in den Oktober hinein geerntet.


Auch Grün- und Schwarztees sind zwar jetzt schon zum größten Teil geerntet, aber wir müssen noch etwas warten. Außer den Flugtees, die Anfang Mai als Vorboten in kleiner Menge per Flugzeug kommen (ein Kult - die allerersten Pflückungen der hochwertigsten Tees wecken die Vorfreude auf den neuen Jahrgang) werden alle anderen Pflückungen zwar bis fast zuende verarbeitet, aber dann erst mal kühl gelagert, bis die Containerschiffe ihre Reise antreten, ab Mitte Juli / August nach und nach eintreffen und die Tees dann im Herbst in den Handel kommen.


Das Klima bestimmt Menge und Qualität der Ernte. Ab Frühjahr immer ein beliebtes und wichtiges Small-Talk-Thema in Telefonaten mit unseren Bauern oder Importeuren.


Im europäischen Raum verzögerten sehr nasse Perioden im Frühjahr und Sommer die Reifung und die Ernte, wie jetzt z.B. der Koriander noch auf dem Feld warten muss. Normalerweise wäre er schon bei uns. Ein größeres Problem gibt es bei den empfindlicheren Blüten. Ein Großteil unserer Blüten wie Kamille, Kornblume und Ringelblume kommt aus Kroatien. Hier haben starke Regenfälle einen Teil der Blüten zerstört, und wir wissen noch nicht, welche Mengen es tatsächlich geben wird.


Anis aus Italien ist sehr knapp bei gleichzeitig riesiger Nachfrage, sodass der Preis sich fast verdoppelt hat. Knapp auch deshalb, weil die Alternative Bio-Anis aus der Türkei weggefallen ist wegen immer wieder nachgewiesener Pestizidbelastungen.


Indien, PDS: Bio-Curcuma, TrocknungsflächePreissteigerungen wird es bei Überseeware geben. In Indien gab es flutartige Regenfälle, die einen Teil der Pflanzen zerstört haben, und einige Gewürze werden knapper und/oder teurer, z.B. Curcuma und Pfeffer.
In Guatemala gab es starke Ernteausfälle bei Cardamom, und Muskatnüsse aus Sri Lanka werden ebenfalls sehr knapp, weil dieses Jahr einige Chargen herausfallen wegen zu hoher Mykotoxinbelastung.


Tee wird teurer: Fluten und Trockenheit in Darjeeling und Assam haben als Folge sehr knappe Ernten ergeben. China verbraucht immer mehr Tee selber, zudem hat unser Teemakler bei seinen Partner-Teefarmen die sozialen Bedingungen und das Qualitätsmanagement sehr stark verbessert (hierüber werden wir noch einmal gesondert berichten), daher auch hier Preissteigerungen.


Südafrika leidet unter Trockenheit, allerdings sind generell die Läger noch voll, da die Nachfrage in Europa. In den letzten Jahren gesunken ist. Eigentlich sind die Preise im Keller, eine schwierige Situation für unsere Wupperthaler Cooperative, die tatsächlich weniger ernten konnten und nicht auf Vorräte zurückgreifen können (siehe auch unser Südafrika-Reisebericht). Höhere Preise entstehen auch durch die Währungskurse.


Neben normalen Jahrgangsunterschieden schwebt über allem der Klimawandel. Die Wetterlagen sind oft etwas heftiger, Fluten oder Dürren stärker. Alle Bauern stellen fest, dass es insgesamt wärmer wird.


Es gibt natürlich noch andere Gründe, weshalb Agrarprodukte knapper oder teurer werden. In Schwellenländern wie Indien und China, auch in einigen afrikanischen Ländern (aktuell Lohnkämpfe in Südafrika), erwarten die Menschen zu Recht nun auch ein besseres Einkommen. Dabei gehören Bauern leider zu der Gruppe Selbstständiger, die nur schwierig ihren Verdienst erhöhen können, daher geben viele jungen Menschen das Land auf und suchen sich lieber einen Job in der Stadt.
Arbeitskraft wird teurer, zudem werden einfach mehr Nahrungsmittel im Inland verbraucht. Das ist eigentlich positiv, und die westliche Welt muss sich damit auseinandersetzen, dass die Zeiten extrem günstiger Rohwaren aus Entwicklungsländern zuende gehen.


Die hohen Getreidepreise aufgrund der Biospritentwicklung (und Rohstoffspekulationen) haben zur Folge, dass viele mittel- und nordeuropäische Kräuter teurer werden. Der Hektarerlös ist entscheidend, der bei den arbeitsintensiven Kräutern im Verhältnis zu niedrig ist, sodass die Gefahr besteht, dass zu viele Kräuterbetriebe aufgeben und nur noch Getreide "gemacht" wird.


Bis vor Kurzem war der Trend, für billige Rohware einfach immer weiter in den Osten zu gehen, nun ist es interessant, was in Russland geschieht, nach den Bränden und Missernten dort - es wird schon spekuliert. Der Kreis schließt sich, und Bauern werden wie Lehrer und Ärzte eine Berufsgruppe werden, die großen Respekt verdient.

 


Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

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Südafrika-Reisebericht (6): Rooibusch aus den Cederbergen

Besuch bei unserem Lieferanten: die Wupperthal Original (Bio-) Rooibusch Cooperative

Reisebericht in Fortsetzungen ... hier der 6. Teil.

(1. Teil: Öffnet externen Link in neuem    Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/15/vom-rheinland-nach-wupperthal-1.htm ) Ankunft in Kapstadt
(2. Teil: Öffnet externen Link in neuem   Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/19/vom-rheinland-nach-wupperthal-2.htm  ) Im Nordkap, Papkuilsfontain, Flora, Felsmalereien
(3. Teil: Öffnet externen Link in neuem  Fenster http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/20/vom-rheinland-nach-wupperthal-3.htm  )  Besuch der Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld, Koos Koopman
(4. Teil: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/04/27/suedafrikareise-4-vom-rheinland-nach-wupperthal.htm  )  Ankunft in Wupperthal. Die Geschichte des Dorfes Wupperthal, frühere Missionsstation.
( 5. Teil:  Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/05/11/suedafrika-reise-5-vom-rheinland-nach-wupperthal.htm   )  Wupperthal Original Rooibusch Cooperative. Verarbeitung und Fermentieren von Bio-Rooibusch.



Am 25.3.2010, in der Osterzeit, machten wir uns vom Rheinland aus auf den Weg nach Wupperthal, Südafrika.
Wupperthal (ca. 10.000km von Köln entfernt) in der Provinz Western Cape in Südafrika wurde 1829 als Station der Rheinischen Mission gegründet und ist heute ein schmuckes Dorf in einem lieblichen Tal, mit durchfließendem Flüsschen (Tra Tra - River) und schattigen Bäumen. In dieser Region am Fuße der Cederberge leben die Nachfahren der Khoi-San People. Von dort stammt unser Bio-Rooibusch Tee, von der Wupperthal Original Rooibusch Cooperative, einem Kleinbauern-Zusammenschluss und unsere Partner, die wir besuchen wollten. Unsere erste Station war noch weiter im Norden gelegen die Bio-Rooibusch-Cooperative Heiveld nahe Nieuwoudtville. Unser letzer Besuch ging zum Honeybuschprojekt Ericaville/Kurland, eine Township nahe Knysa/Plettenberg im Eastern Cape. Da kommt unser Bio-Honeybusch Tee her.
Unsere 8-köpfige Reisegruppe bestand aus: uns beiden, Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner von der Heuschrecke GmbH, Dr. Benedikt Kaukler - Koordinator und Importeur für die Ware unserer Bio-Kleinbauernprojekte, Ton Vink - Gründer der Bio-Kräuter- und Gewürzfirma Herbier du Diois in der Drôme in Frankreich (er ist Amsterdamer, lebt seit den 80ern in Frankreich und war damals einer der ersten Heuschrecke-Lieferanten), sowie Dr. Sarath Ranaweera - Teewissenschaftler und Gründer des Bio-Kleinbauernprojekts SOFA und der Firma Biofoods in Sri Lanka. In Kapstadt stieß Sönke Hobbensiefken zu uns, unser Export-Partner in Südafrika, in Windhuk in Namibia geboren, in Hannover aufgewachsen und als studierter Demeter-Landwirt nach Südafrika ausgewandert. Einen Tag später wurde unsere Achter-Gruppe komplett mit Arlette Rohmer, Gründerin des Bio-Tee-Herstellers Jardins de Gaia im Elsaß in Frankreich, und Christine Nachmann, professionelle Fotografin, Deutsche, seit über 10 Jahren in Kapstadt lebend.





In diesem Teil berichten wir über die Rooibusch-Ernte und die Endverarbeitung des Tees. Außerdem erzählen wir von der Vorstandssitzung und der Farmer-Versammlung, an denen wir teilnahmen.


Doch zunächst sitzen wir, die Reisegruppe, an unserem ersten Abend in Wupperthal zusammen, und haben uns die DVD über den Bau des Teacourts angesehen. Mit einfachem Werkzeug und Schubkarre wurde die alte Leder-Gerberei ausgeräumt, gereinigt, und aus den Felsen die neue Trockenfläche herausgearbeitet.
Unsere Gruppe in Heuningvlei auf dem Weg zur Ernte

Nicht nur die EG-Bio-Verordnung, für uns der Mindeststandard für Bio-Anbau, sondern auch die HACCP-VO oder IFS-Standards für Qualitätsmanagement und Hygiene mit ihrem Perfektionsanspruch stoßen in Drittweltländern gerne an ihre Grenzen - bzw. umgekehrt: den einfachen Bauern und den Vorständen der Kleinbauernverbänden fehlt es oft an Ausbildung und finanziellen Mittel, um alle Bestimmungen immer erfüllen zu können, und es ist eine größere Meisterleistung als bei uns, es zu schaffen.


Nach unseren ganzen Reisen meinen wir - und auch die anderen Mitglieder unserer Reisegruppe - dass in den ärmeren Ländern, die inzwischen den größten Teil unserer (Bio-) Lebensmittel produzieren, ein ewiger Kampf mit und gegen Bestimmungen stattfindet. Mag sein, dass die Vorgaben nicht zur einheimischen Kultur passen (z.B. in China so erlebt), oder andere einheimischen Überlebensprobleme die westlichen Anforderungen auch einfach absurd erscheinen lassen. Zum Teil ist es nötig, sie durchzusetzen, zum Teil könnte es sicher modifiziert werden. Zum Teil ist die Europäische Ordnungsvorstellung in einem Land mit wenig und mentalitätsbedingt anderer Art von Infrastruktur zu schwierig zu bedienen.

In Heuningvlei, auf dem Weg zur Rooibusch-Ernte
Hilft nichts - ohne Erfüllung des EU-Standards kann keine Bio-Ware in die EU exportiert werden - und manchmal wandert auch das ganze Bio-Business (ohne bösen Willen) auf einem Grat zwischen fairen Geschäften und Ökokolonialismus (als eine Art Bevormundung).


Überhaupt steckt in einem Kilo Rooibusch-Tee erstaunlich viel körperliche Arbeit, vor allem in der Weiterverarbeitung auf dem Teacourt.
Wir selber trinken Rooibusch Tee seitdem mit sehr viel mehr Respekt - und haben dabei jetzt auch noch wunderschöne Landschaftsbilder und nette Menschen im Kopf - was wir mit diesem Bericht weitergeben möchten.





In Heuningvlei, auf dem Weg zur Rooibusch-ErnteHolzsammler in Heuningvlei
Am nächsten Tag wurde in Heuningvlei geerntet, eine Siedlung noch einmal 400m höher gelegen.
Nach einem herzlichen Empfang ging es gemeinsam auf die Felder.










Schädling an der Rooibusch-WurzelAbgestorbene Rooibusch-Büsche nach Schädlingsfraß
Zwischendrin waren immer wieder vertrocknete rote Büsche zu sehen - es gibt hier einen verbreiteten Schäding, ein Wurm, der die Wurzel so anfrisst, dass die Pflanze abstirbt. Ein großes Problem, da ein Rooibusch wie Wein oder Tee ca. 3 Jahre braucht, um guten Ertrag zu bringen.











Geerntet wird immer im Team - meist ein Mann und eine Frau. Einer schneidet mit der Sichel die Garben ab, der Partner nimmt sie an, und das Ganze in einer Blitzgeschwindigkeit. Hier eine Bilderreihe:



Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalRooibusch-Ernte in Heuningvlei / WupperthalSkeptische Neugier: Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal. Wir mussten auch ran.Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal. Wir mussten auch ran.Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal. Wir mussten auch ran.Rooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal, VorstellungsrundeRooibusch-Ernte in Heuningvlei / Wupperthal, Vorstellungsrunde




Wenn ein Auto voll beladen ist, wird der Tee sofort zum Teacourt gebracht, zum Schneiden und Fermentieren.
Spontan einberufene Vorstandssitzung in Wupperthal
Wir fuhren mit, da wir anschließend auf eine Vorstandssitzung eingeladen waren, die anlässlich unseres Besuchs stattfand.



Zum 8-köpfigen Vorstand der Cooperative gehören: Wayne van Schalkwyk (Präsident), Barend Salomo (Vizepräsident und verantwortlich für Marketing / Kommunikation, unser Ansprechpartner), Thomas (Tommy) Salomo (Vize-Schatzmeister und Courtmanager), Christian (Koos) Gertse (Training / Organisaion), Christo Farao (Human Ressources (Personal/Mitarbeiter-Belange) und Zertifizierung), Sofia Valentyn (Schatzmeisterin), Petrus (Piet) Salomo (Sekretär), Sofia Farao (Vize-Sekretärin).




Spontan einberufene Vorstandssitzung in WupperthalNachdem wir uns und unsere Unternehmen einzeln vorgestellt hatten, berichtete Barend Salomo aus der Cooperative. Unser Importeur und Organisator der Gruppe, Benedikt Kaukler, hatte ein intelligentes GPS-Gerät mitgebracht. Das erlaubt nun, die Felder genauer zu kartieren, und auch Versuchsreihen besser zu überwachen.
Der Klimawandel macht sich durch verstärkte Dürreperioden bemerkbar, die die Pflanzen bedrohen. Es sollen jetzt gezielte Versuche gemacht werden, auch begleitet von einer Doktorandin, wilde Rooibusch-Pflanzen zu vermehren, und verschiedene Höhenlagen auszuwerten.

Wie in vielen ländlichen Gemeinden gibt es auch in Wupperthal das Problem der Abwanderung junger Menschen - es gibt zuwenig Arbeitsplätze. Bei der nächsten Vorstandswahl sollen gezielt Jüngere und in gleichem Anteil Männer und Frauen aufgestellt werden: "die Jungen haben neue Ideen, und Frauen denken noch mal anders als Männer ...".







Am Abend gab es direkt die nächste Versammlung, die reguläre Farmerversammlung der Region Heuningvlei. Der Vorstand war wieder dabei, außerdem ca. 25 Kleinbauern und -Bäuerinnen. Wir waren praktisch 2 intensive Tage überall dabei gewesen, und gaben jetzt eine Art Feed Back. Nach dem drastischen Umsatzrückgang von Rooibusch in Europa war es aber auch unsere Aufgabe, realistische Möglichkeiten vorzustellen, mehr zur Förderung des Rooibuschtees zu tun. Dabei wurden die Absatzzahlen und die möglichen Produktionsmengen diskutiert, und wir stellten unsere Rooibusch-Mischungen vor - eine Möglichkeit, Mengen zu erhöhen. Ebenso analysierten wir Prozessabläufe in der Herstellung, die evtl. noch optimiert werden können, vor allem bei der Verarbeitung auf dem Teacourt - das Spezialgebiet von Teewissenschaftler Sarath Ranaweera. Es war auch Thema, welche Pflanzen außerdem angebaut und verarbeitet werden könnten (Zitronengras wäre evtl. eine Möglichkeit), um zusätzliches Einkommen zu generieren. Es ist immer noch so, dass viele der Farmer außerhalb der Rooibusch-Saison im Wein- und Zitrusanbau oder in der Viehzucht Saisonarbeit suchen. Hier die Bilderreihe:

Farmerversammlung der Region HeuningvleiWas passiert eigentlich bei uns mit ihrem Tee? Wir stellen die Heuschrecke-Mischungen vor. Farmerversammlung der Region HeuningvleiRooibusch-Chai und Rooibusch-Vanille von Heuschrecke. Farmerversammlung der Region HeuningvleiFarmerversammlung der Region Heuningvlei. Heinz Gasper spricht über den Film zum Bau des Teacourts, und unsere Eindrücke.Kommunikation: Farmerversammlung der Region HeuningvleiFrage, Kommentare, Austausch, Eindrücke: Farmerversammlung der Region HeuningvleiTon Vink spricht über seine Erfahrungen mit einer französischen Kleinbauernkooperative - auf niederländisch. Barend Salomo übersetzt, und schließt die Versammlung mit einem Segen. Farmerversammlung der Region Heuningvlei

Obwohl alle recht gut Englisch sprachen, übersetzte Barend ins Afrikaans, die eigentlich vertraute Sprache im Kapland.
Ton Vink berichtete auf Niederländisch über seine Erfahrungen beim Aufbau einer Kleinbauernkooperative in Frankreich, was von der Versammlung besonders geschätzt wurde.
Wir sprachen auch lange über den außergewöhnlichen Zusammenhalt der Cooperative, der beim Bau des Teacourts so deutlich wurde.

Die Versammlung wurde mit einem Gebet eröffnet und einem Segen geschlossen. Barend hat hier in der Moravian Gemeinde auch die Funktion eines Priesters inne, neben seiner Aufgaben in der Cooperative.




Besuch bei Frans van der Westhuizen - Rooibusch-Endverarbeitung


Frans van der Westhuizen verarbeitet den Rooibusch von WupperthalKing's Products, Frans van der Westhuizen war der erste Produzent von Bio-Rooibusch in Südafrika
Frans van der Westhuizen ist der Bio-Pionier für Rooibusch in Südafrika. Seine Firma Kings Products liegt in Klipfontein, etwa 20km von Wupperthal entfernt.


Frans produziert selber Rooibusch Tee - seine Spezialität ist Grüner Rooibuschtee (hohe Qualität, bei uns im Programm!).
Außerdem macht er Auftragsverarbeitung für andere Betriebe. Es ist ein Familienbetrieb: seine Frau ist verantwortlich für die Eigenmarken-Produktion, und die beiden Söhne (beide zur Zeit im Studium) können auf jeder Position im Betrieb einspringen.






Mischer / SiebMischer / Sieb
Hierhin werden laufend die Säcke fermentierten und sonnengetrockneten Rooibuschs aus Wupperthal für die abschließende Verarbeitung hingebracht.

Frans ist nicht nur Verarbeiter für die Wupperthaler Cooperative, sondern auch Mentor - und weiß, bei welchem Bauern man günstig eine Maschine oder einen Traktor organisieren kann.

Wie bei uns: unser Kräuterbauer Alfred Hammann besorgte uns auch unsere Mühlen und Siebe von Kollegenbetrieben ...





Haupt-Siebanlage, siebt in verschiedene GrößenDer grobe Rooibusch wird im Mischer/Vorsieb herausgesiebt.
Zunächst geht der Tee in die Misch- und Siebanlagen.

Er wird noch einmal gut gemischt und dann durch verschiedene Siebarten separiert nach gröberen Anteilen (Stokkies, gut für unsere Teemischungen), Fine Cut und Superfine Cut (das, was wir als Rooibusch kennen), noch feinere Anteile für Teebeutel, sowie Dust, Staub.








Aus dem Hauptsieb: der feine Rooibusch, wie wir ihn kennen.Trennen in verschiedene Fraktionen

















Sterilisation und Endtrocknung


Anschließend geht der Tee in die Anlage zur Dampfsterilisation und Endtrocknung. Zunächst wird bei 120 - 150°C und 400 bar sterilisiert, und dann bei ca. 60°C endgetrocknet. In dieser Form gelangt der Tee dann zu uns.











Jetzt heißt es, für dieses Mal von den Wupperthalern Abschied zu nehmen. Voraussichtlich werden wir Barend Salomo wieder im Frühjahr auf unserer Trust Organic Small Farmers-Versammlung und der BioFach-Messe in Nürnberg sehen.

Trust Organic Small Farmers ist eine Kommunikations- und Marketing-Initiative zur Förderung von Kleinbauernprojekten. Mitglieder sind Hersteller-Firmen wie wir, Importeure und Kleinbauernprojekte aus der ganzen Welt. Info: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.trust-organic-small-farmers.de



Als letzten Punkt unserer Reise werden wir noch das Honeybusch-Projekt Ericaville besuchen. Dieser Trust, gegründet von Township-Bewohnern, ist vernetzt mit Wupperthal und Heiveld. Hiervon erzählen wir dann im nächsten und letzten Teil unseres Reiseberichts.


Heinz-Dieter (Heidi) Gasper + Ursula Stübner

 


 

Fotos: © Heuschrecke Naturkost GmbH
Fotos mit "cn" im Dateinamen: © Christine Nachmann, Fotografin aus Scarborough, Südafrika
Alle Fotos mit Klickvergrößerung

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Tags: südafrika, wupperthal, bio-rooibusch, ernte, trocknen, sieben, sterilisieren
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Bärlauchernte (2) in Echtzeit

Mai ist Bärlauchzeit. Natur und Technik.

 

Bio-Bärlauch Heuschrecke




Roman Turk ist unser Lieferant aus Kroatien für Bio-Kräuter und -Gewürze. Nachdem er als Maschinenbau-Ingenieur gearbeitet hat, baute er nach dem Krieg ein Netzwerk von Kräutersammlern und -Sammlerinnen, sowie von Bio-Kräuterbauern über ganz Kroatien auf. Er organisiert die Biozertifizierung, Verarbeitung und Export der Ware. Seine Firma trägt den Namen Terra Magnifica. Mehr zu Terra Magnifica: www.heuschrecke.com/kroatien.htm.   Das charmante Österreichisch / Deutsch von Roman wurde wegen des Verständnisses leicht geglättet, seine Wortschöpfungen eines Fremdsprachlers beibehalten.

Seit Anfang an gibt es bei Heuschrecke den Bärlauch von Terra Magnifica. Da wir auch als Drittlandimporteur für Kroatien die Importe für den frischen, bzw. tiefgefrorenen Bärlauch organisieren - z.B. für Naturkostmarkenhersteller, die wunderbares Bärlauchpesto und -nudeln machen, bekommen wir die intensive Ernteaktion hautnah mit.



Rückmeldung aus Kroatien:

Der Koordinator hat sich euere Webseite angeschaut und ist begeistert. Ist sofort einige Zentimeter höher geworden.

 

 

 

 

Fein, der LKW mit Bärlauch ist da.

Aber, es sind 22 Uhr und im schlimmsten Fall können auch 1 in der Nacht sein.

 

Photo 0, Partisanen tragen Bärlauch in Kühlcontainer
Denn die Sammelgebiete sind weit und es lohnt sich nicht, nur vormittags zu sammeln, das sind die Ganz-Tag-Ausflüge, die erst um ca. 17 Uhr mit dem Abwiegen und Verladen des LKWs enden. Und bis der LKW zum Betrieb fährt, vergehen auch einige Stunden.

 

Sollte der Bärlauch im ungekühlten LKW übernachten, so ist er in der Früh kaputt, also es kommen jede Nacht 2 Partisanen und tragen die Rohware in den Kühlcontainer rüber – Ergebnis sieht man am Photo 0.





 

 

Die Kühl-LKWs wären natürlich auch eine Lösung, wir hatten aber einige Male Probleme mit den schweren Wagen auf den nassen Forstwegen und haben mit dieser Variante aufgegeben.

Außerdem sehen die auf die Natur nicht gewöhnten Fahrer der professionellen Transportfirmen die zarten Markierungen im Wald (z.B. einen 1x1 Meter großen weißen Sack neben dem Weg) nicht, und dann kann man sie nur hellseherisch orten, denn meistens gibt es kein Signal am Handy in den  Wäldern.


 


Photo 2, zu spät gernteter Bärlauch, schon in der BlütePhoto 1, Hagelschaden am Bärlauch 

Und in der Früh gibt es dann Überraschung, wie z.B. die mit Hagel beschädigte (Photo 1) oder vegetativ zu spät gesammelte Ware, bereits in der Blüte (Photo 2).


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Bärlauch wird sortiert 


Dann kommen unsere Damen auf die Szene und verlesen die Rohware vor der weiteren Behandlung (Photo 3). Studenten kommen für diese Arbeit nicht in Frage und meiste Männer sind auch nicht fähig, die Gesprächsthematik länger zu überstehen. Aber auch die Frauen hätten kein Interesse für Getriebe und Jagdgeschichten.










 

Photo 4: frischer Bärlauch im Kühl-LKW
Bis vor kurzer Zeit herrschte in Kroatien ein Mangel an Gefrieranlagen und wir haben bei teueren und unflexiblen ehemaligen Staatsbetrieben, oft aber auch in gemieteten LKWs die Ware zwischenlagern müssen (Photo 4). Wegen Nachbarn musste so eine LKW-Kühlanlage in der Regel mittels Strom (anstatt dem lauten Dieselmotor) betrieben werden, der vorbeifahrende Zug hat in der Nacht die Überspannung ausgelöst und die ganze Ladung war zum Wegwerfen. Der Vermieter des LKWs fühlte sich dafür nicht verantwortlich, hat über Gericht das vereinbarte Geld bekommen und wir haben für nächste Saison eigenen Kühlcontainer gekauft.

 

 








Photo 5: Bärlauch-WachhundFalls Ihr je eine unendliche Baustelle haben wollt, kann ich meinen befreundeten Elektriker empfehlen. Wir haben ihm den Spitznahmen „Kernchen“ zugeteilt, weil er diese einige Jahre lang versprach, aber nie realisiert hat. Die Kernchen sollten den Strom direkt am Kühlcontainer messen und einen high-tech-Alarm (bei etwaigem Stromausfall, nicht aber bei regelmäßigen ein- und ausschalten) auf meinem Handy auslösen.

 

So habe ich einige Bärlauchmonate im Häuschen neben der laufenden Kühlanlage geschlafen, in der Hoffnung, ich werde eine längere Ruhepause (also keine Wiederinbetriebnahme nach dem Erreichen der maximalen Temperatur im Container) im Schlaf erkennen. Das passierte nie, außer an einer Nacht, wo ich nach Österreich fahren musste und zwischen 22 und 03 niemand vor Ort war.

Außer meinen Hund, der damals neben Vorliebe für meine Socken (Photo 5) auch die Elektrokabel entdeckt- und überlebt hat.

Die Um-03-Uhr-Wächterin hat dann den Kernchen alarmiert und er hat diese (bereits tiefgekühlte Ware) gerettet, aber trotzdem die Kernchen nie gemacht. 

 

 

Vor ca. 2 Jahren haben sich die Verarbeitungsabläufe modernisiert und standardisiert, und seit dieser Zeit gab es keine Schocktherapie für uns, im Gegensatz zum Bärlauch, der jetzt im Normalfall steif nach Deutschland wegfährt und auch ankommt (was auch 2 verschiedene Begriffe sein können).

Weiter darf ich nicht reden, um etwas nicht zu verzaubern.











Bei Terra Magnifica,  Kroatien: oben rechts: Gründer Roman Turk. Unten links: Heinz Gasper,  Heuschrecke-Gründer, außerdem Mitarbeiterinnen Ana und Sanya
Roman Turk, Gründer von Terra Magnifica (Freund und langjähriger Lieferant von Heuschrecke), ein biozertifiziertes Anbau- und Wildsammlungsprojekt für Kräuter, mittlerweile eines der größeren Kräuterexport-Unternehmen in Kroatien. Nach dem Krieg wurden die alten Sammlerstrukturen von Roman Turk wieder aufgebaut - dies die soziale Komponente: Terra Magnifica ist eine wichtige Verdienstmöglichkeit in der Nachkriegszeit für die verschiedensten Gruppen von Bauern, Flüchtlingen bis zu Kriegsversehrten, für junge und ganz alte Menschen. Zertifizierte Wildsammlung ist Landschaftspflege und dient dem Umweltschutz.










 

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Tags: bärlauch, bio, ernte, terra magnifica, wildsammlung
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