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Erntebericht 2010
Bauern und Bäuerinnen: Helden des Alltags
Im Moment ist die Zeit, wo die alten Ernten zur Neige gehen, u.U. mit Lieferlücken, und dem Warten auf die neuen Ernten.
Bei Kräutern passen unsere Bauern gerade die niederschlagsfreien Zeiten ab, und ernten dann, soviel wie geht. Die frischgeerntete Ware wird erst mal so getrocknet, wie sie vom Feld kommt, eingelagert, und erst, wenn alle Ernten abgeschlossen sind, weiterverarbeitet: gereinigt, geschnitten, gesiebt usw.. Daher werden viele Kräuter und Gewürze der Ernten 2010 erst im Oktober oder sogar November eintreffen. In Deutschland werden Kräuter bei mildem Herbst sogar bis in den Oktober hinein geerntet.
Auch Grün- und Schwarztees sind zwar jetzt schon zum größten Teil geerntet, aber wir müssen noch etwas warten. Außer den Flugtees, die Anfang Mai als Vorboten in kleiner Menge per Flugzeug kommen (ein Kult - die allerersten Pflückungen der hochwertigsten Tees wecken die Vorfreude auf den neuen Jahrgang) werden alle anderen Pflückungen zwar bis fast zuende verarbeitet, aber dann erst mal kühl gelagert, bis die Containerschiffe ihre Reise antreten, ab Mitte Juli / August nach und nach eintreffen und die Tees dann im Herbst in den Handel kommen.
Das Klima bestimmt Menge und Qualität der Ernte. Ab Frühjahr immer ein beliebtes und wichtiges Small-Talk-Thema in Telefonaten mit unseren Bauern oder Importeuren.
Im europäischen Raum verzögerten sehr nasse Perioden im Frühjahr und Sommer die Reifung und die Ernte, wie jetzt z.B. der Koriander noch auf dem Feld warten muss. Normalerweise wäre er schon bei uns. Ein größeres Problem gibt es bei den empfindlicheren Blüten. Ein Großteil unserer Blüten wie Kamille, Kornblume und Ringelblume kommt aus Kroatien. Hier haben starke Regenfälle einen Teil der Blüten zerstört, und wir wissen noch nicht, welche Mengen es tatsächlich geben wird.
Anis aus Italien ist sehr knapp bei gleichzeitig riesiger Nachfrage, sodass der Preis sich fast verdoppelt hat. Knapp auch deshalb, weil die Alternative Bio-Anis aus der Türkei weggefallen ist wegen immer wieder nachgewiesener Pestizidbelastungen.
Preissteigerungen wird es bei Überseeware geben. In Indien gab es flutartige Regenfälle, die einen Teil der Pflanzen zerstört haben, und einige Gewürze werden knapper und/oder teurer, z.B. Curcuma und Pfeffer.
In Guatemala gab es starke Ernteausfälle bei Cardamom, und Muskatnüsse aus Sri Lanka werden ebenfalls sehr knapp, weil dieses Jahr einige Chargen herausfallen wegen zu hoher Mykotoxinbelastung.
Tee wird teurer: Fluten und Trockenheit in Darjeeling und Assam haben als Folge sehr knappe Ernten ergeben. China verbraucht immer mehr Tee selber, zudem hat unser Teemakler bei seinen Partner-Teefarmen die sozialen Bedingungen und das Qualitätsmanagement sehr stark verbessert (hierüber werden wir noch einmal gesondert berichten), daher auch hier Preissteigerungen.
Südafrika leidet unter Trockenheit, allerdings sind generell die Läger noch voll, da die Nachfrage in Europa. In den letzten Jahren gesunken ist. Eigentlich sind die Preise im Keller, eine schwierige Situation für unsere Wupperthaler Cooperative, die tatsächlich weniger ernten konnten und nicht auf Vorräte zurückgreifen können (siehe auch unser Südafrika-Reisebericht). Höhere Preise entstehen auch durch die Währungskurse.
Neben normalen Jahrgangsunterschieden schwebt über allem der Klimawandel. Die Wetterlagen sind oft etwas heftiger, Fluten oder Dürren stärker. Alle Bauern stellen fest, dass es insgesamt wärmer wird.
Es gibt natürlich noch andere Gründe, weshalb Agrarprodukte knapper oder teurer werden. In Schwellenländern wie Indien und China, auch in einigen afrikanischen Ländern (aktuell Lohnkämpfe in Südafrika), erwarten die Menschen zu Recht nun auch ein besseres Einkommen. Dabei gehören Bauern leider zu der Gruppe Selbstständiger, die nur schwierig ihren Verdienst erhöhen können, daher geben viele jungen Menschen das Land auf und suchen sich lieber einen Job in der Stadt.
Arbeitskraft wird teurer, zudem werden einfach mehr Nahrungsmittel im Inland verbraucht. Das ist eigentlich positiv, und die westliche Welt muss sich damit auseinandersetzen, dass die Zeiten extrem günstiger Rohwaren aus Entwicklungsländern zuende gehen.
Die hohen Getreidepreise aufgrund der Biospritentwicklung (und Rohstoffspekulationen) haben zur Folge, dass viele mittel- und nordeuropäische Kräuter teurer werden. Der Hektarerlös ist entscheidend, der bei den arbeitsintensiven Kräutern im Verhältnis zu niedrig ist, sodass die Gefahr besteht, dass zu viele Kräuterbetriebe aufgeben und nur noch Getreide "gemacht" wird.
Bis vor Kurzem war der Trend, für billige Rohware einfach immer weiter in den Osten zu gehen, nun ist es interessant, was in Russland geschieht, nach den Bränden und Missernten dort - es wird schon spekuliert. Der Kreis schließt sich, und Bauern werden wie Lehrer und Ärzte eine Berufsgruppe werden, die großen Respekt verdient.
Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner









