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Buchbesprechung "Limit"
Über Limit
So, jetzt hab ich ihn endlich durchgelesen: den neuen "Schätzing", das Buch "Limit" des Kölner Autors Frank Schätzing.
Auf die 1300 Seiten hatte ich mich schon gefreut, weil sein letztes Buch "Der Schwarm" leicht lesbare Unterhaltung mit Öko-Touch bot. Interessant recherchierte Infos zu Ölbohrungen und Wal-Tourismus.
Und weil "Limit" ein Science-Fiction Roman ist. Mit einer Reise zum Mond, wo im Jahr 2025 das wertvolle Helium-3 abgebaut wird, welches alle Energie-Probleme der alten Erde lösen kann.
Aber der Autor hat's in meinen Augen leider vergeigt.
Er hat nach den Sternen gegriffen und ist auf der Nase gelandet:
1300 Seiten für eine Story, für die 400 Seiten völlig ausgereicht hätten.
Schätzing hat emsig Wissen gesammelt - und doziert seitenlang über afrikanische Kolonialgeschichte und prahlt mit seinen wissenschaftlichen Kontakten.
Da wird einem dann zwischendurch die Zeit lang und man ist versucht, viele Seiten "zu überfliegen". Im Buch kommen 72 Protagonisten vor, deren Zeichnung man sich nicht merken kann und mit denen man sich dadurch auch nicht verbunden fühlt. Schätzing gab mir das Gefühl, so zu schreiben, dass der Stoff leicht verfilmt werden kann. Alles wirkt zu filmisch und konstruiert, ich hatte das Gefühl, einige Ansichten schon in anderen SF-Filmen gesehen zu haben. Warum dann das Buch lesen?
Schätzing hat selbst mal zum "Schwarm" gesagt, er schreibe Bücher, weil er keine Filme drehen kann, und wurde der "Roland Emmerich der deutschen Literatur" genannt.
Das passt um so besser, da Roland Emmerich auch mit seinem aktuellen Film "2012" wieder eine weitere Fassung der immer gleichen Geschichte ablieferte: ich kann diese Szenen von riesigen Wellen, die nach New York herein fluten und einstürzenden Hochhäusern nicht mehr sehen.
Emmerich kommt mir ideenlos vor, da er auf der sicheren Seite des einmal erreichten Erfolges bleibt und nicht mutig Neues entwickelt, wie zum Beispiel James Cameron, der mit seinem epochalen "Avatar" gerade das Kino auf ein neues Level hebt. Roland Emmerich hat seinen schöpferische Zenit überschritten.
Auch Schätzing bleibt beim einmal erfolgreichen Konzept, erweitert nur den Umfang an Seiten, die Menge der Darsteller und die zurückgelegten Entfernungen, und kommt dabei an sein persönliches "Limit".
Sicher, er hat eine Menge Spass dabei, seine Liebe zur Science Fiction durch Benennung von Raumschiffen mit SF-Autoren-Namen zu zeigen. Oder einen Hauptakteur als Star in einem "Perry-Rhodan"-Kinofilm zu beschreiben (und damit zuzugeben, dass auch er, gleichaltrig mit mir, diese Groschenheft-SF als Jugendlicher verschlungen hat). Witzig fand ich auch, dass David Bowie als Rock-Greis im Roman auftritt und die Teenie-Band "Tokio Hotel" als gereifter Teil einer möglichen (brrr...) Zukunft beschrieben wird.
Gute Beschreibungen wie etwa der Aufzug zur Raumstation oder der Helium-3-Abbau auf dem Mond werden dozierend und lehrerhaft vorgetragen. Da hat jemand 2 Jahre lang allzu fleissig Informationen gesammelt und muss mir diesen Wust 1300 Seiten lang vortragen. Richtig ärgerlich bei all dem Dozententum sind dann sprachliche Mängel (wenn etwa der Bezug in einem Relativ-Satz nicht stimmt) oder flache Formulierungen, sprachliche Tiefflüge in den Dialogen.
Ich war froh, als ich durch war und bin jetzt wieder frei für wirklich gute Bücher.
Schätzing hat diesmal den Bogen überspannt. Und mich als geneigten Leser verloren.
Wolfgang Kurtz
ist Inhaber der Kölner Internet-Agentur
kpunkt.
Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.
Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.








