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Warum wird Tee teurer?
Hintergründe zur Preisentwicklung bei Bio-Tee

Seit ca. 2 Jahren ziehen die Teepreise weltweit stark an, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Auch Bio-China- und -Indientees sind 2012 deutlich teurer geworden.
Als KonsumentIn ist man versucht, Preissteigerungen auszuweichen - wir versuchen hier aufzuzeigen, warum das wahrscheinlich nicht weiterhilft.
Grund für die starken Erhöhungen im Bio-Bereich ist ein ganzes Bündel von Entwicklungen. Am Beispiel von China erläutern wir hier einige davon.
Eurokrise und Wechselkurse. Bezahlt wird der Tee in Euro. Gegenüber den chinesischen Rinminby bzw. Yuan (ebenso wie bei indischen Rupien, japanischen Yen) ist der Euro im Vergleich zum Vorjahr nochmal gesunken, was für die chinesischen Exporteure jetzt im Jahr 2012 allein 20% Verlust bedeutete, wenn nicht die Euro-Preise erhöht würden.
Entwicklungs- und Schwellenländer, Landflucht, Wanderarbeit. China boomt, bei steigenden Kosten und Inflation. Die Produktionskosten und Löhne haben sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt.
Dennoch geben immer noch viele Bauern wegen fehlenden Einkommens ihr Land auf und gehen als Wanderarbeiter in die Städte, der höheren Löhne wegen.
Auf dem Land werden infolge dessen mehr Arbeitskräfte angeworben - wegen der schwereren Landarbeit ist gute Bezahlung nötig, und "um die Freude, zu produzieren" zu erhalten, wie unser Teemakler es formuliert. Rapunzel hatte mal so eine schöne Plakatwerbung, die es trifft: "Bauern sind keine Bettler".
Bio-Sicherheit und sicheres Einkommen. Die Existenzsicherung der Bauern ist nicht nur in einem Land wie China absolut notwendig, um die Sicherheit von Lebensmitteln herzustellen, besonders im Bio-Bereich. Die Initiative Fairbiotea gibt u.A. Geld für Maßnahmen, die die Bioqualität verbessern und konkret für die Bauern ein Zusatzeinkommen bedeuten, z.B. die eigene Kompostherstellung. In zugekauftem Bio-Kompost waren Rückstände von Chemikalien gefunden worden.
Reparaturkosten für sicheres Bio. Ist Glyphosat im Tee die Antwort auf zu niedrige Teepreise?
Erst jetzt ist das omnipräsente Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (Round Up, Monsanto) in den Fokus gerückt und das globale Ausmaß der Durchseuchung von Lebensmitteln allgemein durch Glyphosat bekannt geworden.
So erhalten die Bio-Teebauern von Fairbiotea jetzt einen Extra-Lohn für die rein manuelle Unkrautbeseitigung in den Teefeldern, um dieser Arbeit ihren gerechten Wert zu geben. Allein diese Maßnahme macht einen Mehrpreis von 0,50 EUR/ Kilo Biotee aus.
Schon grundsätzlich kostet Bio mehr. Es braucht z.B. viel mehr Arbeitskraft (und Löhne), eine Pflanzen von Hand mehrfach und immer zum rechten Zeitpunkt zu pflegen, als ein chemisches Präparat aufzubringen. So ist Preisdumping bei Bioprodukten immer kontraproduktiv, da Produzenten dann häufig keinen anderen Ausweg wissen, als verbotene chemische Substanzen einzusetzen, um keinen Verluste zu erleiden.
Unter folgendem Link sind auf der Fairbiotea-Seite die Bio-Mehrkosten einmal gut aufgeschlüsselt:
http://www.fairbiotea.de/assets/pdf/Hoehere_Kosten_Stand19112009.pdf
Teekultur kontra Niedrigpreise. Die chinesischen Teefarmen leben von der Vielfalt ihrer traditionellen Teesorten. Die höherwertigen und Spitzentees werden während der früheren Pflückungsperioden hergestellt und zum großen Teil im Inland konsumiert (in China selbst werden für Tee insgesamt bessere Preise erzielt als im Export).
Darüber hinaus gibt es den "Resttee", einfache, typische Standardqualitäten, die aus späteren Pflückungen in Mengen produziert werden. Seit den 60er Jahren sorgt die chinesische Regierung in ihrem Devisenprogramm dafür, dass die Massentees mit subventionierten Lizenzen exportiert werden. Die erzielten Preise lagen damals wie heute unter den Produktionskosten der Teefarmen. Für konventionelle Farmen im Gesamtergebnis vielleicht noch tragbar - bei Bio funktioniert das nicht mehr.
In Deutschland sind vor allem diese Standard-Tees bekannt, denn wegen der deutschen Preis-Rigidität finden höherwertige Tee leider zuwenig Nachfrage. So entsteht das Ungleichgewicht, dass Deutschland hauptsächlich China-Tees konsumiert, die nicht-kostendeckend produziert worden sind (erinnert an das innereuropäische Dilemma des deutschen Export-Überschusses). In anderen europäischen Ländern liegt die Wertschätzung für Teequalitäten vergleichsweise höher.
Globale Teeknappheit. Prosperierende "Entwicklungs- und "Schwellen"länder konsumieren ihre landwirtschaftlichen Produkte verstärkt selbst. Eigentlich gut. Für uns heißt das: seit 2 - 3 Jahren ist deutlich eine Verknappung der Teebestände bemerkbar, was sich ebenfalls preislich auswirkt. In den teeproduzierenden Ländern selbst wird aufgrund des steigenden Lebensstandards ca. 30% mehr Tee konsumiert, gleichzeitig importieren im Zuge der Globalisierung weitere Länder Tee, die dies bisher kaum getan haben: z.B. Osteuropa, Russland, asiatische und südamerikanische Länder.
Teure Qualitätsansprüche der Importländer. Die westlichen Qualitäts- und Bio-Standards verursachen in den typischen, deutlich ärmeren Agrarländern extreme Kosten.
Inzwischen übersteigen die Kosten von 10 - 15 Zertifizierungen, die den Teeproduzenten abverlangt werden, nicht selten die gesamte Lohnsumme aller Bauern.
Insgesamt ist es eine absurde Realität für Übersee-Ware mit zertifizierten Qualitäts- und HACCP-Konzepten sowie mehrerer Bio und Fair-Zertifizierungen (für die verschiedenen Importländer), dass die Bürokratiekosten mitunter den Wert des Lebensmittels übersteigen, ohne dass Bauern oder Konsumenten einen adäquaten Nutzen davon hätten.
Explodierende Laborkosten. In agrarischen Ländern, wo unter Armutsbedingungen produziert wird, kollidieren die westlichen Qualitäts- und Bio-Standards zwangsweise mit den Alltagsbedingungen. Und dabei geht naturgemäß etwas schief. Im fairen Umgang zwischen Produzent und Importeur gibt es Beratungs- und Reparaturstrategien, aber es gibt auch immer höhere Analysekosten. Hinzu kommt, dass unsere Technik immer feiner und teurer wird - man findet Substanzen, die man zwei Jahre vorher nicht buchstabieren konnte. Es gibt erschwerte Bedingungen durch den Klimawandel, Klimadruck, vermehrte Abdriften, Überflutungen aus konventionellen Feldern und verseuchtes Grundwasser, unwissentliche Kontaminationen und (nicht mal als häufigstes) manchmal auch einfach Betrug. In den letzten zwei Jahren haben sich die Laborkosten vervierfacht.

Verlust des Qualitätsniveaus. Eine gängige Strategie ist bei Preissteigerungen, auf die nächstniedrigere Qualitätsstufe auszuweichen.
Dies ist schleichend in den letzten 10 Jahren in Deutschland passiert. Kein Witz: das Teeniveau und damit die Fachkenntnis über Tee ist bei Bio-KonsumentInnen wirklich messbar gesunken. Wir haben es zunehmend schwer, Qualitäten, die über Standards hinausgehen, an den Mann und an die Frau zu bringen - und manchmal werden höherwertige Tees nur wegen ihres ausgeprägteren Geschmacks reklamiert.
Eine längerfristige Folge des Preisdrucks ist, dass die Einnahmen der Bauern nicht die Betriebskosten decken. Speziell im Teebereich wird die Kostendeckung hauptsächlich mit den hochwertigen Tees der beiden ersten Pflückungsmonate erreicht.
Ohne die Bereitschaft des Handels und der westlichen Verbraucher, für Qualität adäquate Preise zu bezahlen, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, die Bioproduktion wieder aufzugeben (oder zu betrügen). Wir haben in Darjeeling, in China, und auch bei edlen Gewürzen wie Safran und Vanille in verschiedenen Ländern erlebt, dass Bauern und Farmen ihre Biozertifizierung in Phasen niedriger Weltmarktpreise nicht mehr verlängert haben/konnten. 
Bio ist ein Versprechen. Ein Prozess - noch nicht die Lösung. In der globalen Welt gibt es zu viele komplexe Probleme, die kurzfristig nicht überwindbar sind. Kleines Beispiel: Pestizid S421 - auch so eine ubiquitäre Durchseuchung von Lebensmittel aufgrund staatlich verordneter Mücken & Malaria-Prophylaxe und Zwangsentwesung von Lager- und Wohnstätten. Wir müssen weiter am Bewusstsein von Produzenten - und eigentlich auch von Politkern - arbeiten.
Unsere Strategie ist: wir gestehen den Produzenten gerechte Preise zu, und auch eine Weiterentwicklung ihres Lebensstandards. Dafür bieten wir: keine perfekte Welt, aber Produktkultur: ein umfassendes Programm aller Qualitätsstufen. Bei unseren Standard-Tees, z.B. den Aktionstees, wählen wir gerne die höchste verfügbare Qualität aus. Als Fairbiotea-Partner arbeiten wir, sooft es geht, mit den 4 chinesischen Fairbiotea-Teefarmen zusammen. Für den bezahlten Preis bekommt man einen gerechten Gegenwert.
Wir sehen wie der Agrarbericht 2009 die (kleinbäuerliche) Bio-Landwirtschaft als wichtigsten Baustein zur Zukunftssicherung der Welternährung, und wollen dazu beitragen, dass "die Freude, zu produzieren" für die Bio-Bauern erhalten bleibt.
************************************
Die Fotos stammen nicht aus China, sondern aus einer europäischen Haupstadt.
Wer als erstes diese Hauptstadt errät, dem senden wir 1 x 100g eines erlesenen China-Faribiotea-Tee zu.
Es gilt das Datum des Kommentars ... also los.
************************************
Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper
Schwarzes Gold: Kompost. Fairbiotea-Bericht
Entwicklungsprogram natürlicher Nährstoffkreislauf. Kompost-Seminar, Kompostherstellung und Forschung.
Fairbiotea ist ein von der Kontrollstelle IMO geprüftes Qualitätsmanagement-System unseres langjährigen Teeimporteurs, entstanden wegen der unsicheren Situation in China bezüglich Bio-Qualität und sozialer Lage der Teebauern.
Mittel sind Schulungen der Bauern, intensive Begleitung bei Prozessentwicklung und Analytik, Abnahme- und faire-Preis-Garantie - ohne die Almosen-Rückvergütungssysteme der kommerz. Fairtrade-Organisationen - , konkrete Verbesserung der Situation der Teebauern durch Zuteilung von Gärten und Kühen, faires Lohnsystem, Verbesserung der Ökologie (Nährstoffkreisläufe).
Vier Teegärten, von denen der Hauptteil unserer China-Tees auch stammt, sind bisher Teil des Fairbiotea-Systems.
Die Überwachung und Begleitung der Maßnahmen ist sehr aufwendig (und teuer, wir zahlen entsprechend einen Aufpreis an den Koordinator), und es gibt eine ständige Auseinandersetzung der Kulturen: was ist machtbar, was wird nicht akzeptiert, wie macht man es besser.
Die Inspektionsberichte zu den Farmen, die auch ethno-soziologisch sehr interessant sind (es wird nicht beschönigt oder glattgeschrieben), werden auf der Website
www.Fairbiotea.de veröffentlicht.
Auf dem Logo-Aufkleber auf unseren Teetüten wird auf die Website hingewiesen. Zur Zeit tragen im Heuschrecke-Sortiment ca. 20 Sorten reine und aromatisierte China-Grün- und Weiße Tees das Fairbiotea-Logo.
Hier folgt nun der "Kompost-Newsletter". Für uns Städter weit weg, aber Kompost ist wirklich schwarzes Gold, und eine richtige Wissenschaft.
Fairbiotea - Newsletter 12/11:
Entwicklungsprogram natürlicher Nährstoffkreislauf
Kompost-Seminar, Kompostherstellung und Forschung
Im Oktober 2011 wurde im Auftrag des "fairbiotea"-Importeurs ein Seminar veranstaltet.
Das Seminar wurde von dem Bodenkundler Tobias Bandel von www.soilandmore.nl geleitet, der in vielen Ländern Kompostberatung durchgeführt hat.
In diesem Seminar, an dem Vertreter aller "fairbiotea"-Farmen, der lokalen Verwaltung, landwirtschaftliche Verbände und andere Einrichtungen teilgenommen haben, wurden aktuelle Erkenntnisse im Zusammenspiel zwischen landwirtschaftlicher Nutzung, Bodennutzbarkeit, Klimawandel und die zukünftige Ernährung einer zunehmenden Weltbevölkerung vermittelt.
CO2 Zertifizierung (
http://www.tuev-sued.de/uploads/images/1179753188212007230018/klima_validation_Ausgleich_d.pdf ) CO2 Fußabdruck (
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kologischer_Fu%C3%9Fabdruck ) und Emissionshandel (
http://de.wikipedia.org/wiki/Emissionsrechtehandel ) als Refinanzierungsquelle bei der Kompostnutzung in der Landwirtschaft wurden vermittelt.
Die Fruchtbarmachung der Wüste und die Umkehrung zunehmender Verwüstung im Klimawandel und durch die industrialisierte Landwirtschaft waren ebenso Bestandteil dieses Vortrages. Kompost kann die Bodenfruchtbarkeit wiederherstellen.
Neben diesen globalen Themen fand ein 3-tägiges praktisches Training in den Tee-Farmen statt, bei dem der Zustand der Bodenfruchtbarkeit und die Verfügbarkeit unterschiedlicher Biomassen für die Herstellung von hochwertigem Kompost untersucht wurden.
Danach wurde das notwendige Wissen bei der Kompostherstellung vermittelt und praktisch umgesetzt. Ein wesentlicher Bestandteil war hierbei auch die Herstellung und die Nutzung von Kompost-Tee.
Danach wurden die Eckdaten für das Kompost-Forschungsprojekt festgelegt, die für das Monitoring wichtig sind.
Mehr dazu finden sie auch unter www.fairbiotea.de/Land/Provinz/Anhui/hecheng.html
Im Jahr 2011 wurde zusammen mit den Produzenten ein neuer Plan für die Entwicklung eines Nährstoffkreislaufes entwickelt. Die Finanzierung hierfür wurde vertraglich sichergestellt und wird zukünftig teilweise mit Bonuszahlungen, als Zuschuss für die Bezahlung der Kompostarbeiter, finanziert. Der Großteil der Kosten wird von den Produzenten übernommen.
Bei dem neuen Plan geht es zunächst um ein Forschungsprojekt, das die sinnvolle Nutzung von Kompost am praktischen Beispiel belegen soll.
Mit einem Berater von www.soilandmore.nl wurde ein professioneller Bodenkundler engagiert, der das Training für die richtige Kompostherstellung übernehmen wird. Hierfür fallen im ersten Schritt ca. 10.000 Euro Kosten an, die vom "fairbiotea"-Importeur übernommen werden.
Kompost soll zunächst im Rahmen eines Forschungsprojektes, an einem zentralen Platz der Farm, nach Anleitung des Spezialisten und nach entsprechenden Plänen hergestellt werden und von entsprechend geschulten Kompost-Managern umgesetzt werden.
Die benötigte Biomasse für diese Kompostherstellung, d.h. grüne Biomasse, braune Biomasse, Holz, tierische Exkremente, Ton, Asche und Kalk, kommt überwiegend aus der Farm, kann allerdings auch von außerhalb beschafft werden, wenn die Produkte in der Farm nicht verfügbar sind.
Dieser Kompost soll in verschiedenen Varianten und Qualitäten hergestellt werden und die Herstellungsmethoden sollen dokumentiert werden.
Im Anschluss soll auf verschiedenen Testflächen die unterschiedliche Nutzung des Kompostes studiert und dokumentiert werden.
Hierbei werden unterschiedliche Mengen Kompost auf unterschiedlichen Testflächen unter den Tee-Büschen deponiert, hochwertigster Kompost wird als Kompost-Tee aufbereitet und auf die Tee-Pflanzen anderer Testflächen gesprüht. Und es wird Flächen geben, auf denen sowohl ein Depot angelegt wird, als auch Kompost-Tee gesprüht wird.
Es wird zudem Testflächen geben, bei denen Schattenbäume als Boden-Verbesserer einbezogen werden. So soll studiert werden, wie viel Kompost für eine positive Entwicklung der Pflanzen nötig ist und wie dieser eingesetzt werden muss.
Nach ca. 3 Jahren, am Ende des Projektes, soll ausgewertet werden, ob die Kompostproduktion ökologisch und ökonomisch rentabel ist: D.h. wie hoch sind die Kosten für Herstellung und Ausbringung, wie gesund sind die Pflanzen und um wie viel steigt der Ernteertrag.
Die Hoffnung und Erwartung besteht, daß dieses Forschungsprojekt sowohl ökologisch als auch ökonomisch erfolgreich sein wird, die Pflanzen widerstandsfähiger werden und die Erntemengen so stark steigen, daß eine entsprechende Kompost-Großproduktion für die gesamten Tee-Flächen der Farm rentabel wird und problemlos finanzierbar ist.
So könnten misstrauische Bauern und Produzenten von der Herstellung und Nutzung von Kompost im Nährstoffkreislauf überzeugt werden. Das ist nötig, damit der neue Plan zukünftig mit dem Engagement der Bauern und der Produzenten unterstützt wird.
Nur so wird die Entwicklung des Nährstoffkreislaufes möglich.
Mehr Informationen auf
Fairbiotea Lizenznehmer

Lizenznehmer sind Tee-Hersteller, -Großhändler und -Versandhändler.
Heuschrecke Naturkost GmbH ist einer der ersten Lizenznehmer. Im Juni 2011 wurden wir als erster Lizenznehmer innerhalb unserer normalen Bio-Kontrolle auf die Einhaltung der Fairbiotea-Regeln zertifiziert.
BioFach Messe 2012 - Ein Heuschrecke-Bericht.
Was tun wir eigentlich so auf der Messe? Über unsere Kunden, Lieferanten und Bio-Produkte.

- 07 Der erste Messe-Morgen an unserem Stand - der Tee für unsere Kunden, Lieferanten und Besucher ist fertig. Naturkostläden, Naturkostgroßhandel, Hofläden, Kräuter- und Tee-Fachhandel, Praxen und Gesundheitsberater, verschiedenste Naturkost- und Kosmetikhersteller, die Gewürze und Kräuter benötigen, Anbauer und Importeure werden uns in den nächsten 4 Tagen besuchen.

- 08 Unsere diesjährigen Produktneuheiten sind zum Glück alle kurz vor der Messe fertiggeworden (keine Dummies): Harissa-Gewürz, Keltisches Würzsalz, edler Malabar-Super-Pfeffer von den Sahyadri Spice Farmers, Bambus Tee, Cannabis Tee, Kinder-Rooibusch Tee mit Erdbeer und Vanille, und 3 sehr edle China-Grüntees.

- 29 Zufälliges Zusammentreffen an unserem Stand - unsere ungarischen Paprika-Connections: Guszti und Werner. Ungarischer Paprika ist - sagt man - der beste der Welt. Es gibt eine lange frostfreie Periode, aber es ist nicht so heiß, dass die Paprikafrüchte am Strauch ausreifen. So haben die Ungarn die Methode des Nachreifens entwickelt, die dem Aroma sehr gut tut (Zucker baut sich auf, aber die Aromen bauen nicht so sehr ab wie am Strauch).

- 30 Mit Guszti haben wir etwas Neues ausgeheckt: Bio-Anis-Anbau in Ungarn. Die Anissamen, die wir auf die Messe mitgebracht haben, wird Guszti jetzt zur Aussaat mitnehmen, das Klima ist günstig. Es gab leider mit Anis aus der Türkei und aus Italien, wo er üblicherweise herkommt, des öfteren Pestizidprobleme - so entstand die Idee mit unseren ungarischen Partnern.

- 41 Auch das ist BioFach: alte Freunde und Kollegen wiedertreffen, hier Maria Kettenring, Buchautorin und Mitarbeiterin bei Primavera. Ende der 80er Jahre haben erst Primavera und kurz danach Heuschrecke mit ätherischen Ölen gestartet, wir von unseren Kräuterlieferanten animiert, da Überschüsse destilliert wurden. Während Primavera sich zum Marktführer für ätherische Öle (und seit einigen Jahren mit eigener Kosmetiklinie) in unserer Branche entwickelt hat, sind wir verstärkt Spezialist für Gewürze, Kräuter und Tee geworden, mit einem kleinen Basissortiment ätherischer Öle.

- 43 Pfefferkäse (mit unserem Pfeffer) ist der Renner der Fleckenbühler Käserei. Suchthilfe Fleckenbühl - hier aus ihrer Selbstdarstellung: "Eine offene, konsequent nüchterne Gemeinschaft: Das sind wir Fleckenbühler. Unser Angebot ist einfach: Wir nehmen Menschen mit Suchtproblemen in jeder Lebenssituation sofort bei uns auf. Und dann helfen wir ihnen, dauerhaft suchtfrei und selbstbestimmt zu leben. Unsere eigenen früheren Suchterfahrungen helfen uns dabei. Wir Fleckenbühler haben uns dafür entschieden, nüchtern - ohne Drogen, Alkohol und Tabak – zu leben und unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Wir leben und arbeiten zusammen." Auf dem Foto: der Vize-Käsemeister und der Käsemeister.

- 44 Die Firma Isana mit ihrer Naturkostmarke Bio Verde ist bekannt für frische Bio-Feinkost. Einmal im Jahr organisieren wir mit Terra Magnifica (Wildsammlungsprojekt in Kroatien) den Bärlauch-Transfer während der Erntzeit im Mai, tiefgekühlt und Tonnen - jedesmal eine Aufregung, ob alles gutgeht - es nicht regnet, und die Kühlungen während der wöchentlichen Transporte im ganzen Mai heil bleiben - , für das frische (nicht erhitzte) Bärlauchpesto und die Bärlauchgnocchi. Walter Lutz zeigt sie hier - lecker! Auch das findet auf der BioFach statt: zusammen mit Isana und Terra Magnifica besprechen wir die Planung für kommenden Mai. In unserem Blog haben wir schon mehrmals über die Bärlauch-Ernte (sozusagen life) berichtet.

- 45 Taifun, die Firma von Wolfgang Heck, macht leckere Tofus, Bratlinge und Tofuwurst (die es zum o.g. Salat in unserer Mittagspause gibt, wenn es schnell gehen muss) - u.A. mit vielen Heuschrecke-Gewürzen. Für die Grillknacker von Taifun tüfteln wir die ideale Mischung aus mehreren weißen Pfeffern aus, die den richtigen Fermentations-Ton haben (das, was Pfefferneulinge an Schafstall erinnert). Dieser gibt dem neutralen Tofu eine angenehme Würze. Weißer Pfeffer ist neben Muskat und Majoran auch für Metzger eins der wichtigsten Gewürze.

- 46 Freund, Lieferant und Kunde seit den 80iger Jahren: Jan Kees vom Demeter-Kräuterhof Het blauwe Huis in den Niederlanden (siehe bei unseren Lieferantenportraits). Jan Kees erinnert nicht zufällig an den weisen Schulleiter Dumbledore. Sein Büro sieht fast aus wie die Studierstube von Dumbledore, komplett voll mit wertvollen alten Kräuterbüchern. Das Trio mit Jan Kees, Ton Vink (ein anderer Kollege mit einem Kräuterbetrieb in der Drome, Frankreich), und Heuschrecke-Inhaber Heinz-Dieter Gasper wird auch "Alte Meister" genannt.

- 47 Dieses Jahr im Sommer haben wir mit Roman Turk und seiner Frau Sanja von Terra Magnifica in Kroatien Sammlergruppen und Kleinbauern besucht. Auf unsere Theke "Coole Kelten" zeigen wir ein Fotobuch davon (ganz einfach und schnell im Internet mit einer Fotolabor-Software erstellt - überraschend gute Qualität ... hatten wir erst kurz vor der Messe entdeckt, dass es sowas gibt ...). Roman, Sanja und Ana (Ana hält das Büro zusammen) sind fasziniert, ein Buch über ihren Betrieb zu sehen.

- 50 Dominik Collenberg hat in Zimbabwe die Bio-Kleinbauerninitiative KAITE ins Leben gerufen. Seit mehreren Jahren sind wir nun schon in gutem Kontakt. Nachdem KAITE zunächst auf ätherische Öle und Kosmetik-Rohstoffe spezialisiert war, kamen dann die Gewürze und Kräuter dazu. Dieses Jahr erwarten wir den ersten Container mit Chili (sehr scharf) und verschiedenen Kräutern und Blüten. Inzwischen gehören 1000 Bauernfamilien zu KAITE.

- 60 Die kirchliche Nichtregierungsorganisation Peermade Development Society hat ein gut funktionierendes Kleinbauernprojekt in Kerala ins Leben gerufen, mit mittlerweile 2100 Familien. Wir arbeiten schon lange mit ihnen zusammen, und planen hier mit Chacko Thomas und Leiter Father Sabu John unseren Gewürzbedarf für 2012.
Flugtee 2011 aus Indien+Japan
Kultur für Teefans, Sünde für Ökos
Edle Vorboten aus Indien und Japan
Wir bieten jedes Jahr einen Flugdarjeeling sowie einen Flug-Sencha (Shincha) aus kontrolliert biologischem Anbau an. Warum?
Argument dafür: als TeetrinkerIn im Nicht-Produktionsland nimmt man Anteil an einer Teekultur und -tradition, abseits von Massenpflückungen der späteren Pflückungsperioden, um die sich auch in der Naturkostbranche die Importeure bevorzugt reißen. Man kann es als Würdigung einer ganzheitlichen Teekultur beschreiben, denn jede Teeplantage produziert sowohl Tee im Spitzenbereich (vor allem die frühen Pflückungen) als auch im preiswerten Alltagsbereich. Sie sind darauf angewiesen, dass die VerbraucherInnen alle Qualitäts- und Preisstufen gleichermaßen abnehmen. Die Realität ist jedoch so, dass hohe Qualitäten kaum gefragt sind, und später unter Preis irgendwo untergemischt werden müssen. Der Flugdarjeeling gehört dazu, und ihn jedes Jahr in kleinem Umfang zu genießen, trägt dazu bei, die Teetradition des Herkunftslandeslandes zu erhalten (hier sägt sowieso schon Coca Cola dran ...)
Argument dagegen: Der Transport per Flugzeug ist energieaufwendiger als per Schiff, und aus ökologischen Gesichtspunkten möglichst zu vermeiden.
Flugdarjeeling
Flugdarjeeling ist feiner, edler Tee der ersten Erntetage der 1. Pflückperiode (first flush) und wird erntefrisch eingeflogen. Der Verkauf läuft bis Herbst, bis die Tees per Schiff eintreffen.
Passionierte Teetrinker warten alljährlich sehnsüchtig auf den frischen Frühlingsboten aus den Hochlagen Darjeelings. Nur aus den Hochlagen werden diese Top-Qualitäten erzielt.
TeegenießerInnen lieben und schätzen besonders das frische und sehr kraftvolle Aroma der ersten Pflückungen. Jeder einzelne Pflückgang hat seinen eigenen Geschmack und Charakter. Anfangs gibt es nur sehr kleine und kostbare Partien (DJ. / Invoice) von ca. 50 - 150 kg je Erntegang.
Wir haben uns dieses Jahr wieder für die sehr gute erste Pflückung (DJ1) der First Flush-Saison 2011 aus dem Bio-Teegarten Singell entschieden, der vor rund 20 Jahren auf "Bio" umgestellt hat. Dieser Garten liegt in ca. 1500 m Höhe in Darjeeling und liefert Spitzenqualitäten mit außerordentlichen Eigenschaften. Dieser Flugtee ist dieses Mal spritzig, dabei aber weich mit einem runden Geschmack, der an schmelzende Süße erinnert, mit extravagantem, hocharomatischem und zart-blumigem First Flush-Charakter.
Zubereitungstipp: Für den Aufguss benötigt man von dieser Pflückung ca. 10g Teeblätter und lässt den Tee ca. 2 Minuten ziehen. Am besten sollte gutes Wasser für solche hochwertigen Teesorten verwendet werden. Zum Beispiel gefiltertes Wasser oder St. Leonhardsquelle (still).
Shincha Soshun - Flugsencha
Auch in Japan gibt es jedes Jahr den Kult des Neuen Tees (Shincha heißt ‚Neuer Tee') und wird sogar noch stärker gepflegt als in Darjeeling. Die ersten Pflückungs-Durchgänge in der 1.Flush-Saison werden als Kostbarkeit gehandelt. Über dem ganzen Land liegt in dieser Zeit, wenn die Pflückungen wieder beginnen (Ende April/Anfang Mai) ein zarter, charakteristischer Grüntee-Duft.
Der Beginn der neuen Erntesaison und Einschätzungen der Teequalität sind Seite-1-Themen der Tageszeitungen. In den Teeläden werden Shincha-Feste gefeiert zu Ehren des neuen Jahrgangs.
Shinsha-Tee wird nach dem Dämpfen leichter getrocknet als normaler Sencha und ist deshalb wunderbar frisch und grün. Sein Aroma gleicht "einem Spaziergang durch einen erwachenden Teegarten", betört und erinnert an Lichee, Jasmin, grüne Algen. Per Flugzeug trifft eine kleine Menge als Vorbote ein, alle anderen Tees kommen ebenfalls per Schiff im Herbst.
Unser Shincha - Tee stammt aus Kagoshima und ist ein Kabusé - Halbschattentee. Er ist dieses Jahr natürlich auf radioaktive Belastung analysiert worden. Er weist keinerlei Radioaktivität auf: alle Werte liegen unter der Nachweisgrenze. Kagoshima liegt 1200 km von Fukushima entfernt, ganz im Süden.
In folgendem Beitrag beschreiben wir ein Shincha-Fest, das dieses Jahr bei der deutschen Partner- und Importfirma Shimodozono vom gleichnamigen Familienunternehmen in Kagoshima, von dem wir unseren Tee beziehen, stattgefunden hat:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2011/05/31/japan-3-shincha-fest.htm
Petra Prescher, Ursula Stübner
+++ AKTUELL +++ Es handelt sich um Shizuoka, was von den relevanten Teeanbaugebieten Japans am nächsten an Fukushima liegt (was man im Artikel nicht erfährt). Erhöhte Werte waren hier zu erwarten. Allerdings ist auch dieses Gebiet differenziert zu betrachten:
Schwierig wird diese Verallgemeinerung im Spiegel-Artikel (und sicher noch weitere) für die Situation von Japan-Tees. Wir wollen mit unseren Informationen EndverbraucherInnen die Möglichkeit geben zu differenzieren. Die weiter entfernt liegenden Teeanbaugebiete Uji und Kagoshima sind bis jetzt unbelastet. Mit transparenten Informationen kann sehr gut weiter japanischer Grüntee konsumiert werden. 22.6.2011 |
Hintergrund: Biotee - Fairbiotea
Aktuelle Folgen im Bio-Teebereich: Klimawandel und soziale Situation
Unser langjähriger Teeimporteur Wolfgang Wilhelm berichtet uns ausführlich über das Tee-Erntejahr 2010 in Indien und China, und beschreibt anschaulich die problematische klimatische und soziale Situation.
Weiter unten ist sein Bericht in Ausschnitten zu lesen, doch zunächst möchten wir das neue Siegel Fairbiotea, das in Kürze auf einem Teil unseres Sortiments angebracht wird, vorstellen.
Der Hintergrund von Fairbiotea: Wegen der besonderen politischen und sozialen Lage in China ist die Beschaffung von zuverlässiger, fairer Bio-Ware von dort erschwert. Bekannt ist (siehe auch TAZ Artikel vom 3.3.2011
„Pestizide in Bioware aus China“, S.9), dass Bioware von dort aus den unterschiedlichsten Gründen häufig belastet ist, und deshalb eine aufwendige Analytik für Bio-Importeure notwendig ist.
Unseren Tee-Importeur, mit dem wir seit über 30 Jahren zusammenarbeiten, hat dies veranlasst, über den Bio-Standard hinaus ein "fairbiotea"-Qualitäts-Management-System zu schaffen, der die EG-Bio-Verordnung, besonders für den Teebereich, ergänzt und sicherer und transparenter für beide Seiten macht.
Das System ist auf praktisches Qualitätsmanagement ausgerichtet, und bietet kostenlose, qualifizierte Schulung und analytische Beratung für Bio-Tee Bauern.
Neben zusätzlichen Sicherheitsstandards hat das System die ökosoziale Entwicklung zum Ziel: Entwicklung von Nährstoffkreisläufen, Prämiensysteme zur Einkommensverbesserung und Motivation der Bauern, Abnahmegarantien, faire Preise u.v.m..
Zur Zeit ist das Fairbiotea-System in 4 chinesischen Teefarmen installiert, von denen wir schon einige Zeit bevorzugt Ware beziehen: die Qingshan-Farm in der Provinz Hunan, und die Farmen Hecheng, Xinayuan und Mingzhou in der Provinz Anhui.
Diese Tees werden ab Frühjahr mit nebenstehendem Logo gesiegelt.
Auf der Website
http://www.fairbiotea.de werden für KonsumentInnen ausführlich Hintergründe erklärt und die Teefarmen vorgestellt.
Auch wenn es jetzt noch etwas dauert, bis das Logo im Handel präsent ist – die Teefarmen geben wir schon immer auf den Rücketiketten unserer Ware bekannt. Bei den 4 genannten Farmen ist auch unser noch-nicht-gesiegelter Tee schon nach Fairbiotea-Standard produziert. Darunter sind einige unserer Aktionstees: China Grüntee, China Sencha und Chun Mee in der grünen Tüte, sowie der Klassiker Temple of Heaven China Gunpowder, einige Jasmin-Teespezialitäten, einige gehobene Grün- und Weißtees, z.B. der neue White Monkey, und unsere aromatisierten Grüntees.
Das Konzept soll langfristig ausgeweitet werden, was nicht so ganz einfach ist: es erfordert für unseren Teeimporteur eine starke Präsenz vor Ort, und eine hohe Bereitschaft der Teefarmen, mitzumachen (kultureller Konfliktstoff ist vorprogrammiert). Die Kosten für das ganze Qualitätsmanagement-Gerüst inkl. Maßnahmen sind sehr hoch, sodass bei einer Teefarm natürlich entsprechende zuverlässige Mengen und Umsätze dahinterstehen müssen. Eine Zertifizierung dieses Systems ist geplant.
Natürlich entsprechen auch alle anderen Biotees unseres Sortiments der EU-Bio-Verordnung und werden lückenlos analysiert. Im Zusammenhang mit Gewürzen aus China hatten wir bereits einmal über den Umgang mit Pestiziden in der Naturkostbranche berichtet:
http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2009/11/12/hintergrund-pestizide.htm
Und hier nun zum Erntebericht 2010:
Wolfgang Wilhelm beschreibt ein zurückliegendes Jahr, "das in Bezug auf die Warenbeschaffung ein ganz anderes Jahr ist als Jahre zuvor."
"Das Jahr hatte viele Negativrekorde zu bieten. So hatten wir extremes Klima in Darjeeling und in Assam. Die Klimaveränderung scheint deutlich greifbar zu sein. Wenn im Frühling Feuchtigkeit und mäßige Temperaturen für einen guten First Flush Tee gewünscht sind, gab es sehr kaltes und sehr trockenes Wetter in Darjeeling. Ein Wetter, das nicht nur schlechtere Qualitäten und schlechte Erträge hervorbringt, sondern auch Pflanzenschädlinge begünstigt.
Im Sommer gab es dann dauerhaft zu nasses Wetter, während der Second Flush Darjeeling trockene und warme Temperaturen benötigt.
In den meisten Teeplantagen in Assam gab es einen extremen Befall von Helopeltis, der nur mit Pflanzenschutzmittel bekämpft werden kann. Die Erträge in Assam waren verglichen mit anderen Jahren sehr gering. Konventionell wirtschaftende Plantagen konnten ihre Produkte kaum noch in die EU vermarkten, weil die chemischen Rückstände nach der Schädlingsbekämpfung oft zu hoch waren und nicht mehr der Höchstmengenverordnung entsprachen."
Ebenfalls in indischen Biotees wurden laut Wolfgang Wilhelm im letzten Jahr ungewöhnlich häufig Spuren von DDT und Endosulfan gemessen, meistens unterhalb der BNN-Orientierungswerte, den Warnwerten der Naturkostbranche. Nach damaligem jahrzehntelangem Einsatz von Pestiziden mit langen Halbwertzeiten (damals der Stolz unserer Chemie-Industrie - der Westen hat die Büchse der Pandora geöffnet - wir bekommen nur zurück, womit der (ehemalige) Exportweltmeister jahrelang die Welt verseucht hat, eigentlich gerecht), sind ubiquitäre Spuren nicht mehr zu vermeiden, und werden fairerweise natürlich innerhalb der Orientierungswerte akzeptiert.
Wir bekommen die Problematik im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch bei Kräuter- und Gewürzbauern mit. Durch den El Niña-Effekt mit seinen plötzlichen flutartigen Regelfällen werden z.B. Böden von konventionellen Feldern bis in die Biofelder hineingeschwemmt, was zur erhöhten Pestizidbelastung von Bioware führt. Bzw.: die konventionellen Nachbarn spritzen in Panik in diesen Zeiten auch wie verrückt gegen den wetterbedingten Schädlings- und Beikräuterdruck.
Weiter zur Ernte-Situation in China:
"Auch in China hatten wir im Frühling, nach dem ersten Austrieb der Blattknospen eine strenge Frostperiode, die fast die gesamte Ernte weißer Blattknospen vernichtet hat.
Danach folgte monatelanger Dauerregen, Überschwemmungen, Taifune.
Dennoch übernimmt die chinesische Regierung viele Anstrengungen im Rahmen des Programms gegen Armut die brachliegende Teeflächen wieder zu rekultivieren. Der Staat fördert z.B. private Investitionen und die Anschaffung von Verarbeitungsmaschinen in der Teeindustrie. de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China . So konnten im Jahr 2010 auf ca. 1,95 Mio. Hektar Teefläche 1.4 Mio. Tonnen Tee hergestellt werden; im Jahr 2005 dagegen waren es ca. 1,35 Mio. Hektar und nur 0,94 Mio. Tonnen Tee.
Pro Hektar werden also durchschnittlich 700 kg Tee erzeugt. Das ist ein sehr geringer Ertrag. In anderen Teeanbaugebieten der Welt sind bis zu 5000kg pro Hektar möglich. D. h die chinesische Teeindustrie hat noch Optimierungsbedarf.
Trotz der Produktionssteigerung steht den bisherigen Exportmärkten immer weniger Tee zur Verfügung. Der Inlandsbedarf Chinas ist stark gestiegen. Andere Nationen in Afrika, Asien, Russland und Osteuropa sind zu mehr Wohlstand gekommen und importieren deutlich mehr Tee aus China. Grüner Tee aus China wird auch deutlich stärker von der Kosmetikindustrie benötigt, und die Pharmabranche benötigt grünen Tee zur Absorbierung von Wirkstoffen. Grüner Tee ist wegen seines guten Images als Gesundheits- u. Wellnessgetränk begehrt.
Die Teeindustrie in Indien und China hat damit zu kämpfen, dass immer mehr junge Leute die Teefarmen verlassen und ihr Glück in den Städten suchen. Die Städte sind nicht nur Anziehungspunkt wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten, sondern auch deshalb, weil sie für junge Leute mehr Freizeitangebote bereithalten. In beiden Ländern nimmt die Landflucht zu.
So gibt es in China viele Teefarmen in denen nur noch alte Menschen leben, die oft die körperliche Arbeit nicht mehr verrichten können. Sowohl die Bauern in kleinbäuerlichen Strukturen als auch Betreibergesellschaften der Teeindustrie in der Plantagenwirtschaft sind mehr und mehr darauf angewiesen, Saisonarbeiter zu beschäftigen und zu bezahlen.
Die Arbeitsangebote in wirtschaftlich aufstrebenden Gesellschaften sind vielfältiger und größer geworden auch für Wander- und Saisonarbeiter und das Arbeiten und Leben in den Farmen während der Teeernte ist unattraktiv. So sind die Löhne in der Teeindustrie insbesondere in den Verarbeitungsfabriken explosionsartig gestiegen. Die Lebenshaltungskosten steigen jährlich in einem zweistelligen Bereich. Die Teebauern leben immer noch an der Armutsgrenze und die Einkommen aus der Teeproduktion beträgt meist nicht mehr als 500 Euro im Jahr.
Für den nachhaltigen biologischen Anbau sind hohe und langfristige Investitionen nötig, die ebenso wie deutlich bessere Einkommen der Teebauern und der Saisonarbeiter aus den Teepreisen finanziert werden müssen.
Der Export in die traditionellen Märkte in Europa und USA leistet hierbei den geringsten Beitrag. Die dort zu erzielenden Exportpreise sind, gemessen an den nötigen Investitionen für den nachhaltigen ökologischen Anbau, Qualitätsmanagementsysteme und eine bessere soziale Entwicklung, zu gering.
Leider werden in diesen Märkten immer schlechtere bzw. billigere Qualitäten nachgefragt. Das steht in keinem gesunden Verhältnis zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen, die von Verbrauchern und Händlern aus diesen Ländern nachgefragt wird.
Wir leisten mit unserem Fairbiotea Programm unseren Beitrag zu mehr Qualitätssicherheit, die vom Markt gefordert wird, und zu mehr sozialer Verantwortung im Sinne der Teebauern und der Verbraucher.
Wir versuchen, eine nachhaltige, langfristige und faire Partnerschaft mit unseren Partnern und Teebauern in China zu praktizieren. Das ist ein schwieriger Balance-Akt, weil wir einerseits die Preisforderungen des Europäischen Marktes befriedigen müssen und andererseits deshalb zu wenig Geld für eine konsequentere Entwicklung zur Verfügung steht.
Die oben beschriebenen Entwicklungen sind für die im Jahr 2010 extrem gestiegenen Importpreise verantwortlich. Die allgemeinen Preissteigerungen sind mit 30-40% sehr hoch. Weitere Preissteigerungen werden in der Zukunft vermutlich unvermeidbar sein. Aber um auch die öko/soziale Entwicklung für die Teebauern fair zu gestalten, wird mehr als diese Preissteigerungen nötig sein.
Hierfür bitte ich um Unterstützung unserer Kunden."
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Wilhelm
Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner
Heuschrecke-Geschäftsleitung







































































